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Nassauische Allgemeine Zeitung

Wiesbaden. 1 SM»

Äcstcllunacn nehmen an iii Äefe; ! die Expedition (große Lchwaltgch straße Nr. 7) auswärts alle Postau stallen. - Inserate: die vierspalt

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Ar 161. Mittwoch, 12. IM-

Mus den Kantmern.

* Wiesbaden, 11. Juli. Aus den Berathungen der Etändcversnmmlung über den Exigenzctat der Mini- skerialsbtheilung des Innern, Cap. X., Lehranstalten haben wir noch folgendes nachzutragen:

Die Gesammtanfocverung für die Lehranstalten beträgt pro 1854 71,550 fl. 20 fr. die Verwilligung in 1853 war . 74,604 " 48 " der dießjährige Betrag ist mithin weniger um.......3,045 " 28 "

Der in diesem Jahr aus der Staatscasse zu lei­stende Zuschuß beträgt 30,710 fl., gegen den im ver­flossenen Jahr erforderlichen Zuschuß von 34,335 fl. daher weniger um 2,645 fl. Unter die auf die Her­abminderung dieses Beitrages vön Einfluß gewesenen Umstände zählt die für das Jahr 1854 sich ergebende MW gegen 1853 8,391 fl. 45 fr. betragende Mehrein- nahme an den Eintritts- und Beitragsgeldern der Schulen.

Es kommen nämlich in diesem Jahr zum erstenmal als Beitragsgeld zum Internat eines jeden Schulsemi­nars für Kost, Logis ic. an 38 Schüler ad 116 fl. gleich 4,408 fl., für beide Seminarien zusammen also 8,810 fl. hinzu- Außerdem ist das Beitragsgeld von dem'yM'mGymnasinm zu Wiesbaden (ad 4,383 fl.) gegen das vorjährige um 99 fl. höher; dagegen an dein Ghmnasium zu Hadamar ad (1,290 fl.) um 361 fl., an beut Pädagog zu Dillenburg (ad 310 fl.) um 36 fl., an dein Realgymnasium (ad 1809 fl.) um 12 fl. und an dem landwirthschaftlichen Institut (ad 1,152 fl.) 45 fr. niedriger, endlich an dem Gymnasium zu Weilburg (ad 1650 fl.) ebenso hoch gerechnet, als im V origen Jahre.

Bei Prüfung dieser Posten beantragte Abg. Reich­mann das Schulgeld für das Gelehrtcnghmuasium zu Wiesbaden auf den gesetzlichen Betrag zu ermäßigen. Metzler erklärte sich gegen denselben, Heydenreich und Ran dafür, aber nur aus dem Grunde, weil das Ge­setz respectirt werden müsse, äußerten daher die Er- wartUng, daß die H. Regierung durch eine Gesetzesvor­lage diesen Gegenstand nach den Rücksichten der Bil­ligkeit unb im Interesse des Landes ordnen wekdc.

Äbg. Rau erinnerte all eine bessere Handhabung der Parität bei den Volksschulen und führte specielle Belege an durch Hinweisung auf die Schulen zu Hup­pert, Bleidenstadt und Cronberg. Auch die katholische Gemeinde zu Ne nenh-ain sei hinsichtlich der Schulen verkürzt worden, doch habe er von dieser Gemeinde noch keine nähere Nachricht erhalten. Abg. Lang bemerkt, die H. Regierung habe bezüglich der Schulen die Katholiken eher bevorzugt als benachthei- ligt. Ran entgegnete, daß Thatsachen und Zahlen dieser allgemeinen Behauptung widersprechen; dem H. Abgeordneten für Langenschwalbach müsse er noch er­widern, daß dem Vernehmen nach auch die kathol. Gemeinde zu Langenschwalbach durch Einziehung des Schulfonds benachtheiligt sein solle. Abg. Lang stellt dies in Abrede,

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Ein Roman im Kerker.

Eine Erzählung in drei Capiteln.

Erstes Capitel.

Gefangen.

Gefangen .... Ihr, bie ihr gleichgültig an jenen mit Git­tern mib Fensterkörben versehenen Mauern vorübergcht und ein dumpfes Kettcngerassel wie aus einer andern Welt herübertönen hört, ihr ahnet nicht, daß da drinnen der Dämon des gräßlichsten Schmerzes unb der Engel der süßen Hoffnung ihr Lager aufge- schlagen haben! Ihr höret nicht die Weherufe und Gebete, welche nur dieses Kettcngerassel übertönen kann; ihr könnt nicht die Sehnsucht fühlen, wie sie die Brust eines Gefangenen erfaßt und gegen welche die kränkelnde Sehnsucht der Liebe und das so ost besungene Heimweh Das sind, was das leise Abendlüftchen ist gegen den wild dahiubrausenden, Alles zerstörenden Orkan.

Oft sahet ihr vielleicht Mchgiltigen Auges einen Wagen vor­überrollen, in welchem ein bleicher Mann sitzt, der ängstlich seine Hand jn verbergen sucht.- Soldaten umgeben ihn, die Muskete mit anfgepflanztem Bapounct steht schußfertig in den Händen. Dem Wagen folgt jene neugierige Menschenmenge, welche einem armen Sünder das letzte (A'leit gibt und doch geht der bleiche Mann einem Schicksale entgegen, welchem Die, so eS getrosten, tausend Mal den Tod verziehen; er wird einem nnbewciuten, langsamen Dahinstcrbeu entgegengeführt. Und sieht auch die Blenge einen solchen Zug ohne Theilnahme an, weint doch daS fühlende Herz des armen Gefangenen eine Thräne des Mitleids nach. Wohl dein Gefangenen, dem es dann vergönnt wird, die bittern Tage lieber zwischen vier Wänden zilznbriugeu, beut sie uufyt Feld, Wiese, Au zeigen, der nicht gezwungen ist, die offene freie Natur clnzuathmen. Wenn man so den blauen Himmel 'lt die Auge reicht nichts als das lächende Grün des Frühlings auf Berg und Thal sieht und die Vögel ihre freien

Zwitschern und fingen hört, da gehört schon unterwegs eine starke. Aesignatiyn dazu, mcht aus dem Wagen zu springen um

Ju Betreff des Ausgabenbudgets des Cen­tra lstudienfonds war in dem Ausschußbericht (Berichterstatter Abg. Heydenreich) hervorgehoben, daß gerade an dein Realgymnasium, dessen Reorgani- satten resp. Umänderung in eine höhere Gewerbeschule im vorigen Jahre der Herzoglichen Regierung von der Ständeversammlung mit großer Majorität zur Erwä­gung empfohlen wurde, (s. Berh. der Ständevebsamm- lung von 1853, Seite 133) vor dem Abschluß der hierüber bei bett Herzoglichen Behörden anfgenommcnen Verhandlungen ein neuer Lehrer angestellt und zahl­reiche Zulagen gegeben wurden; ferner, daß bei dem Gymnasium zu Weilburg tvieber zwei Zeichnenlehrer mit 100 fl. resp. 350 fl. Besoldung, obgleich bereits im vorigen Jahr (s. Verhandlung der Ständeversamm- lung Seite 92) der Herzogliche Regierungscommissär bemerkte, daß daselbst nur ein Zeichnenlehrer angestellt, der früher aber mit seinem ganzen Gehalte pensionirt sei, und der Abgeordnete Metzler bat, letzteren Lehrer künftig auf den Pensionsetat zu nehmen. Nach den jetzt von der Herzoglichen Negieruugscommission gege­benen Erläuterungen soll der fragliche Lehrer deßhalb auf dem Etat der Besoldungen geblieben und nicht unter die Pensionäre gesetzt worden sein, weil er de- cretinäßig seinen ganzen praenumerando fortzuzahlen­den Gehalt als Pension erhalten habe. Da kein ge­setzlicher Grund zu einem solchen exceptionellen Ver­fahren vorhanden, so^ stellte der Ausschuß den förm­lichen Antrag: Die Herzogliche Regierung zu ersuchen, daß dieser pensionirte Lehrer in dem nächsten Bridget nicht mehr auf den Besoldungs-, sondern auf den Pen­sions-Etat gesetzt werde.

Bei Berathung des Schnldbukgcts hat die Stände- versammlnng schon im Jahre 1852 (siehe Berh. Seite 100) mit allen gegen zwei Stimmen der Herzoglichen Regierung den Wunsch ausgesprochen: "daß dieselbe bald der Ständekammer wegen zweckentsprechender Ver­einfachung und Reduckrung der öffentlichen Lehranstal­ten eine Vorlage machen möchte. Dieser Wunsch wurde von der , Ständeversammlung int Jahre 1853 (siehe Berh. Seite 98) dringlich und mit dem Zusätze wiederholt: "daß hierbei (bei Reorganisation der höhe­ren Lehranstalt) auf die in dem Ansschußbèrkchte an- gcdeuteten Bemerkungen geeignete Rücksicht genommen« (Berh. der Ständcvers. von 1853 Seite 112) und insbesondere auch die Zweckmäßigkeit der Umänderung des Realgymnasiums in eine höhere Gewerbeschule in ernste Erwägung gezogen werden möge" (siehe eben da­selbst Seite, 103). Der Ausschuß ersuchte daher den Herrn Regierungscommissär um Mittheilung der be- . züglich obiger Wünsche bei den Staatsbehörden gepflo­genen Verhandlungen, woraus die Erwiderung erfolgte: "Diese Verhandlungen resp, die Prüfung der ausge­sprochenen Wünsche sei im Allgemeinen noch nicht be­endigt.» Mit dieser Erklärung glaubte der Ausschuß sich für jetzt um desto mehr begnügen zu müssest, da eine gründliche und wahrhaft nützliche Reorganisation des Schulkvefens der reifsten Ueberlegung bedarf, jede Uebereilung dagegen, wie z. V. im Jahre 1844 statt­gefunden zu haben scheint, gerade hier die nachtheikig-

>ââ^M»>M». '»«Ul MUI.»JU..I I.,^rutisrrT«Br ....... »»»M ir i nmneat.auwr sich frei zu machen, auf die Gefahr hiü, ein halb Dutzend Kugeln nüchgcscudct zu bekommen.

Blau langt dann an der Festung an. Schon von Weiten: sieht man ihre schwärzlichen Mauern, deren Decke mit freundlichem Grün bewachsen ist wie ein GrabeShügcl; man fährt durch ein düsteres Thor'uud bevor sich dessen Pforten' schließen, nimmt matt noch mit einem letzten, langen Blicke auf Jahre von der Außen­welt Abschied. Das schreckliche Bewußtsein, für Alles,' .was Einem lieb und theuer ist, nun abgestorben zn sein, drängt sich Einem in seiner vollsten Wucht auf mit diesem Augenblicke beginnt ein anderes Leben, ein Vegetiern. Was der Dichter von den träumenden Fichteirbämm gcstrngcn, wird hier an einem Men­schen zur lebendigen Wahrheit. Bemitleidet den Gdfängenen und weint nm ihn wie um einen Gestorbenen, denn, kehrt er auch nach Jahren wieder in's Leben zurück, seine Kraft ist gebrochen,

Ich war ein solcher Gefangener. Die politischen Ereignisse des Jahres 1849 hatten mich auf zwei Jahre meiner Freiheit be­raubt. Es war am zweiten Tage nach meiner Ankunft aus der österreichischen Festung K., als ich ungefähr um die Mittags­stunde am Fenster meines Kerkers saß und durch daS Gitter hinaus in die weite, offen vör' mir liegende Gegend schautè. lind wieder, dachte ich, siehst dn vor dir Berg und Thal, Wiesen itiib Felder, du fielst den Tag, der die Fülle semtS Glanzes über die Erde ausgegossen, dn sichst alle Herrlichkeit der Welt nur durch ein Eisengitter! Und doch glücklich spar ich, als ich nach jenen fünf bangen Tagen, die ich in den Caseinatten von O. zubrachte, ohne das Licht der Sonne erblicken , zum ersten Male wieder hinaufkaiu und mich der herrlich strahlende Sonnengott beschien. Die Sonne duldet nichts Trauriges. Wär doch mein jetziger Anfenhalt gegen den bamatigen ein Paradies und dennoch glücklicher Tantalus! Du dürftest dich lange sehnen.

So spannen sich meine Gedanken fort, als mich plötzlich der Schall von Fußtritten weckte, welche unten im Hofraunre hörbar würden. Neugierig, wie cs jeder Gefangeue ist, blickte ich hinab; es war der Profoß, welcher schweigcud neben einem Mädchen einherschritt. Diese trug ein Kleid von schwarzem Merino, über den Kopf war ein dichtes, grünes Seideutnch derart geschlungen, daß der Beschauer von oben nur die Borsprütigè eines schönen

steil Folgen nach sich ziehen müßte. Er beantragte her nur: die hohe Ständevcrsaimnlnilg wolle die Ho zogliche Regierung ersuchen, daß dieselbe die in d- Sitzungen der Stätzdeversammlung während der Jaiz 1852 und 1853 ausgesprochenen Bemerkungen n Wünsche in Bezug auf eine zweckentsprechende Derei . fachung und Redueirung der höheren Lehranstalt, überhaupt, sowie auf UmänLernng des Nealgyinnasim insbesondere einer sorgfältigen Prüfung unterziehe! demnächst aber sobald als thuiilich der Stânkeversaun lung nähere Vorlage hierüber machen möge..

Die von dem Ausschuß angeregte Frage: ob p Unterstützung bedürftiger Lehrer in diesem Jahre d herrschenden Theuerung wegen nicht eine höhere als d angcfordertc Stimme nothwendig erscheine? ist bim t Herzoglichen Regierungscommission dahin beantwort Sorben: daß allerdings aus denselben Gründen) ar welchen für die niederen Diener eine TheuerltngsMch beantragt und verwilligt worden, auch für die Unte stützüng bedürftiger Schullehrer eine größere Summ als die hierzu bisher regelmäßig vcrwcudcten 2000 s nothwendig sei, daß jedoch in Rücksicht aus die befer dern Verhältnisse des Lehrcrstatldès und Landes über Haupt eine Erhöhung jenes Instituts um weiter 2000 fl. hinreichcn werde. Der Ausschuß hatte Beau trangt, der Herzoglichen Regierung diese weiteren 2000 fl. zur Unterstützung hülföbedürftiger Lehrer zur Dispo­sition zu stellen.

Für die Schnlinspection WieLbadelt hatte die Herzogliche Regierung eine Remuneration angefordert und der Ausschuß die Bewilligung beantragt. Abg. Rau erklärt sich für die Bewilligung, jedoch mit dein Bemerken, daß dieselbe ferner nicht erforderlich ' sei, wenn in Wiesbaden einige Schulinspectionen, nach dem Beispiele anderer großen Städte, errichtet würden.' Bei dieser Veranlassring äußerte derselbe den Wunsch, daß den Schullehrern eine Vergütung für Schreibmateria­lien bewilligt werde, da sie die einzigen Angèstellteü seien, welche an ihre Vorgesetzten berichten müßten, ohne deßhalb eine Vergütung zu beziehen.

Die sämmtlichen in diesem Capitel angeferberfen Summen wurden von der Ständeversanlmluug bewil­ligt, und die einschlägigen Anträge des Ausschusses au-- genommen.

Deutschtand«

Wiesbaden, 10. Juli. In Folge Höchster-Ent- schließtmg ist die Durchfuhr reif WaffAl und Kriegs Munition aller Art, iiisbcsouderc von Ä'schos^L PW ver, Zündhütchen, FlinkcnftKuèn, desgleichen ^lci? Schivefel und Salpeter durch das HerzMhuLi M^ssaki verboten. Das Verbot ist in âkâ'erèlustimimiüH mit der von dem könlgl. preuß. Finanzministerium am 20. März und 10. Juni b. I. erlassenen Bekanntmachung mit Rücksicht ans §. 3. des Zollgesetzes vom 9. Dcc. 1837 erfolgt. , ' ,

<J Schlangenbad, 10. Inti. Gestern Nachmittag stattete S. Dnrchl. Prinz Nikolaus von Nassau I.

f. Hoh.- der Frau Prinzessin Karl von Preußen einen

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Antlitzes sehen konnte. Schweigsam maß sie den Hosiaum von einem Ende zum andern,- ihr Gang war gemessen, sogar graziös. Ich hatte nichts Eiligeres zu thun, als den älteren meiner beiden Zimmcrgenosftn, der' eben seine Siesta hielt, zu wecken; er war schon seit einigen Monaten,- gleichfalls auS politischen Gründen, Insasse diesiS Traüerhauses und konnte mir vielleicht liber diese seltsame Erscheinung eine Aufklärung geben. Ich rief ihn an'S Fenster und fragte ihn, ob et dieses Mädchen schon öfters ge­sehen habe.

Du wirst sie täglich zwischen eins Äid zwei hier auf und ab» gehen sehen.

Wer ist sic?

Eitw KindeÄnöristrin; sie ist übrrgdn'S die älteste deS Hauses, denn sie ist schon im fünften Jahre hier; Ihr Urtheil lernte? auf zwanzig Jahre.

Hast du sie schon gespröchelt.

Die größte Begierde danach trug ich längst, allein ihr Zim­mer ist im ersten Stock, gerade unter dem unsers Nachbars, und auch bei dem besten Willen kann Man mit ihr nicht zitsaMMn - kounnen: der Profoß aber führt Diejenigen von uns, welche von der Begünstigung, eine Stuiwe lang da bruuteu herinntrotten dürfen, Gebrauch machen kv-yllen, erst dann hinunter, wenn sie ihren Spaziergang boilenbet hat. Außerdem soll sie auch sehr scheu sein.

Und pflegt sie nie an'S Feilster 'zn' Fimnucn, wenn wir spa­zieren gehen?

Sehr selten; sie zeigt sich nur, weim sie weiß? daß ein neuer Ankömmling da ist und daß MeS heute der Fall sein wird, hat ihr sicher der Profoß scholl uütgetbeilt. .Sie kennt uns Alle den NäMen llach, weiß die Dauer unserer Strafzeit, das Verbrechen eines Jeden und hat sich-auch schon rucksichtlich deiner nach allen diesen Nebcnnmstäudcn erkundigt. Du armer Tropf lvirst sie be­sonders dauern, weil di: noch so jung bist.

Sie scheint gebildet?

Davon weiß ich nur soviel, daß sie sehr gut Französisch spre­chen soll; sie soll eine Poliu sein, auS adeligem Hause; sie heißt- stöâua, ihr Zuname ist mir entfatteu. Sie empfängt keine a*