Einzelbild herunterladen
 

Tie «Nassauische Allgemeine Zeitung» crscheint, Sonntag ausgenommen, tug- liNn Preis: vierteljährig für Wies­baden und den Thurn und Taxischen Postbezirk 2 fl., sonst 2 fl. 2a tr.

Rassaulsche Allgemeine Zeitung.

Bestellungen nehmen an in Wiesbaden die Expedition (große Schwaldacher- straße Nr. 7) auswärts alle Postan- finiten. Inserate: die vierp>altige Pctitzeil« oder deren Raum 3 ir.

Wiesbaden. 1833.

Aus den Kammern.

Die D 0 m ä n e n f r a g o.

f* Wiesbaden, 10. Juli. Fortsetzung der Dis- cussion über die in der Domäncnfrage von dein Aus­schuß und dem Grafen v. Walderdorff gestellten Anträge. '

Graf v. Walderdorff: Das Präsidium habe die Discussion über beide Anträge zugleich eröffnet. Daher nehme er erst jetzt das Wort, obgleich es eigent­lich Brauch sei, daß ein Antrag vor der Discussion noch gerechtfertigt werde. Bevor er hierauf eingehe, wolle er an den Hrn. Reg.-Comm. die Anfrage richten, nämlich: Ob die H. Regierung diesem vermittelnden Antrag ihre Zustimmung gebe?

Reg.-Comm. Vollpracht: Er sei nicht in der Lage, eine so bestimmte Frage ohne vorherige Instruc­tion zu beantworten. Die Regierung habe sich bereit erklärt, alle nöthigen Vorlagen zu machen, um das Rechtsverhältniß ius Klare zu stellen, und in soferu sei die Ansicht der Regierung mit dem Vorschlag voll­kommen übereinstimmend.

Graf v. Walderdorff: Diese Erklärung genüge ihm vollkommen. An die hohe Versammlung könne er nicht eine ähnliche Frage stellen; was diese über den Antrag denke, werde sich bei der Discussion und Ab­stimmung zeigen. Die Versammlung sei Zeuge gewesen, daß sein Antrag ganz unvorbereitet gestellt worden. Der Commlssionsbericht sei, wenn Er auch nicht alle darin enthaltenen Ausführungen theile, in einer ruhigen, würdigen Sprache abgefaßt. Darauf sei eine Erwie­derung der landesherrlichen Commission erfolgt, die zwar auf einem ganz verschiedenen Standpunct stehe, aber auch sich bereit erkläre, diese Frage, die schon so viel Unzufriedenheit und Zerwürfnisse im Lande ver­ursacht, die ein Hauptmotiv war, daß im I. 1848 bei uns der Anfang der Revolution gemacht werden konnte, wieder aufzunehmen. Die Regierung habe also erklärt, daß sie glaube in ihrem vollen Rechte zu sein, nachdem die Rassentrennung einmal vollzogen sei und die Ständeversaminlung ihre Zustimmung dazu gegeben habe, daß sie aber, nachdem die Sache nochmals in Anregung gekommen, bereit sei, der Versammlung alles Material zu Gebot zu stellen, was die Sache aufktären könne. Dieses offene Anerbieten, dem Er seines Theils volles Vertrauen schenke, sei gewiß mit Dank auzuer- kennen. Was nütze aber die Arbeit, wenn die Regie- rung sage: sie verhandle nur, wenn man ihren Stand- punct anerkenne? Was nütze, praktisch genommen, der Antrag deS Ausschusses, wenn in seinen zwei Berichten Auseinandersetzungen und Erörterungen vorkommen, die so bestimmt aussprechen, daß die Versammlung den Standpnnct nicht verlassen solle, der der Stand- puuct des Coimnissiousberichts und wohl auch der Ver­sammlung sei? wenn der Ausschuß sage, er trage darauf an, das GesammHaatsunnisterium in Anklage- zustand zu versetzen, wenn es nicht den Ansichten der Commission gemäß verfahre? Bei dieser Sachlage sei eine Vereinbarung nicht möglich: und derjenige sei im

Der Dorfmusicaut.

(Schluß.)

Der Rademacher _ unterzeichnete die Schenkungsurkunde mit wnthbebcnder Hand, schleuderte die Feder daun ergrimmt von sich und rief:

Es kostet Euch das Leben, wenn Ihr Ener Wort brecht!"

unbesorgt," entgegnete Dobelitz, die Unterschrift mit znsriedcner Miene betracyteud,ich habe meinen -Zweck erreicht uni Euer Verderben ist mir's nicht zu thun. - Damit Ihr aber nicht in Ber>uchuug kommt, Rache für Eure Demüthigung an nur zu nehmen und mich vielleicht gar heimlich aus dem Wege zu räumen," fuhr er nach einer Pause fort,so werde ich mei­nem Vetter melden, was zwischen uns vorgefallen ist, damit er­den Gerichten das Nöthige auzeigen kann, wenn mir unversehens etwas Schlimmes widerführe. In jedem andern Falle könnt Ihr auf sein unverbrüchliches Schweigen eben so gut rechnen, als auf das meinige."

Borneik erwiderte keine Sylbe; er drückte den Hut in die Stirn und wollte in stummer Wuth davoneilcn. Dobelitz aber hielt ihn zurück und sagte mit freundlichem Tone:

Zum Abschied möcht' ich Euch noch einen guten Rath geben, lieber Borneik" Ihr seht, daß Ihr mit all' Eurem Gelde nichts gegen denschlechten Musieanten'" habt ausrichten können, und daß die meisten Leute auf der Hochzeit auf meine Seite traten, weil Ihr Euch allgemein verhaßt gemacht habt. Seid in Zukunft menschlicher und liebreicher gegen Diejenigen, welche weniger be­sitzen, als Ihr eS wird euch reiche Früchte bringen. Könnt Ihr nicht von Herzen freundlich gegen mich sein, so seid es we­nigstens vor den Leuten, damit der böse Verdacht, den sie seit unserm Streit gegen Euch gefaßt haben, verschwindet. Ueber mein Benehmen sollt Ihr Ench von beut' au nicht zu beklagen haben, und cs wird mir große Freude machen, wenn Jbr mir Geleacn- gebt bald recht viel Gutes von Euch erzählen zu können. Da,; Ihr dein alten Kasteimke das Geld geschenkt habt, soll Euch nicht zum Schaden gereichen, das versichr' ich Euch - wofern

Ur. 160.

Nachtheil, der nicht int Besitze sei. Im Besitze sei aber in diesem Augenblick in der That die Regierung. Hätte die Versammlung Mittel, diese Besitzergreifung und Besitzhaltung zu stören, so würde gewiß conse- quent sein, wenn die Versammlung alle Mittel ergriffe und dadurch verhinderte, daß diese Gelder anders ver­wendet würden, als resp, zum Nutzen des Landes. Dieses sei aber nicht der Fall, die Versammlung habe höchstens die Facultät, in erster Instanz zu Protestiren, in zweiter sich an den Bund zu wenden. Wenn die Regierung einen so ernsten Schritt unüberlegt gethan hätte, so wäre das ein großer Fehler. Das können wir nicht annehmen. Die Regierung habe gewiß den Gegenstand auf das Genaueste geprüft und werde auch die von ihr ausgesprochenen Grundsätze mit aller Energie zu Ende führen. Eine Protestation sei also nicht von Nutzen. Bei dem Bunde werde die erste Frage sein: Hat man eine gütliche Vereinbarung denn wohl versucht und vorgeuommcn? Und die Regierung werde einfach erwiedern : ' das Material hat von jeher Vorgelegen, die Sache ist berathen und mit den gesetzlich zusammenberufenen Ständen vereinbart; nun werden Zweifel erhoben bei einer neuen Staatsverwaltung, die eigentlich noch gar nicht alles Material kennt, weil es ihr nicht zn Gebot gestanden hat; die Regierung hat sich bereit erklärt, alles Material offen vorzulcgcn rc. Der Bund wird sagen: versucht doch erst alle gütlichen Mittel; dann erst fommt der Bund! Also nach einigen Jahren denn ein solches Verfahren könne sich einige Jahre hinziehen, während inzwischen die Mißstimmung ortdauere werde cs zu einem Ansspruch deS Bun­des kominen, und man wisse nicht, wie dieser ausfalle. Dieses seien die Gründe für seinen vermittelnden prak­tischen Vorschlag, den Er gemacht habe unter strengster Verwahrung, inan wolle keinem Rechte weder des Lan­des noch des Landesherr» zu nahe treten, nur die bei­derseitigen Rechtsansprüche augenblicklich ruhen lassen und dann die Bereitwilligkeit von Seiten der Stände aussprechen, wie sie die Regierung ihrer Seits ausge­sprochen habe, daß man mit Vertrauen, Offenheit und Umsicht die Materialien prüfen wolle, welche die Re­gierung im künftigen Jahre den Ständen borlegen wolle. Bei dieser Prüfung können ja alle die einzelnen Fragen, welche in den Ausschußbcrichtcn, in der Er­klärung der Regierung rc. enthalten seien, immer wie­der zur Wiederholung, näheren Prüfung und Geltend­machung. Er sehe nicht ein, wie wir uns gegenüber dem Lande, der öffentlichen Meinung des Landes recht­fertigen wollten, wenn wir einen so wichtigen Gegen­stand, der seit d. J. 1848 ein Gegenstand des Zer­würfnisses gewesen, dessen Beendigung im Lande so sehnlich gewünscht werde, wie von allen Mitgliedern dieser Versammlung. Er sehe nicht ein, wie wir den Erwartungen entsprechen sollten, wenn wir diesen An­trag von der Hand wiesen und sagten, "wir wollen nicht von einem Standpnnct abgehen^ und dadurch eine Vereinbarung unmöglich machen.

Man könne gegen diesen Standpunkt mancherlei ciu- wenden; z. B. die Regierung habe ja den Standpunkt, auf dem sic stehe, offen und bestimmt ausgesprochen;

w«w«maagaR!^j<6^;HgiBm^^

die Achtung und Liebe der Menschen nur einigen Werth für Euch haben.""

Solche freundliche, wohlwollende Worte hatte Borneik noch nie aus dem Munde des jungen Musieanten gehört. Er blickte ihn eine Weile überrascht und staunend an, drückte ihm darauf bewegt die Hand und sagte:

Wenn ich einmal ein besserer Mensch werde, so hab' ich's Euch zu danken, Dobelitz! Ihr seid zwar unbarmherzig mit mir umgegangen, aber am Ende wird das mich gründlich curiren! Gute Nacht! Ich bin zum letzten Male in Euerem Hause ge­wesen !""

Mit den Worten eilte er, ruhiger als er gekommen, von dan­nen, und schritt gedankenvoll durch das nächtliche Dorf seinem stattlichen Hofe zu, welcher am äußersten Ende desselben lag.

Als der Wächter wieder am Häuschen des Musieanten vor­überging, war Alles still uud dunkel drinnen, und mit zufriede­ner Miene murmelte er vor sich hin:

Gott Lob, daß Dobelitz endlich Rube hat! Der arme Mensch wird ja Tag und Nacht geplagt! Der Rademacher hat ihm gewiß Geld ' für die zerbrochene Violine abgefordert, wird aber wohl mit langer Nase abgezogen sein der Musieaut läßt sich nicht iu's Bockshorn jagen!"

Am folgenden Morgen wanderte Dobelitz seclenvcrgnügt nach dem Dorsi in welchem der alte Klarinettist wohnte. Er ward mit der größten Herzlichkeit ausgenommen; als er aber dann die Schcnkungsurknnde mit der Unterschrift des Rademachers aus der Tasche zog und den biedern Eheleuten überreichte, vermochte er sich kaum ihrer stürmischen Danksagungen und Liebkosungen zu erwehren.

Juchhe! jetzt bin ich ein freier Mann , der keinen Pfennig Schulden hat!"" jubelte Kasteimke.Nun kann ich mir int nächsten Sommer ein Gespann Pferde und noch zwei Kühe auschafsen! Wenn'S jetzt mit meiner Wirthschaft nicht vorwärts will, so soll mich Jeder einen faulen Kerl schelten!""

Aber sagt mir nur um Gotteswillen, wie Jhr's augefangen habt, den bitterbösen Rademacher so geschmeidig und großmüthig zu machen, lieber Dobelitz'?"" rief die Frau Kasteimke.

Das kommt niemals über meine Lippen,"" entgegnete der

Dienstag, I I Juli.

es wäre ein Fehler, wenn dieses die Stände uicht eben so offen thäten. Der Satz sei richtig. Allein er glaube, daß demselben vollkommen genügt sei, wenn der Ausschuß, den die Ständeversammlnng gewählt, ein­stimmig einen Grundsatz ausgesprochen'habe und diese Erörterung in der Versammlung verlesen werde, in einem Protest, der ein öffentliches Gut werde. Wenn man den bisherigen Erfahrungen in dieser und den meisten öffentlichen Versammlungen folge, daß, wenn ein Ausschuß einstimmig einen Gegenstand beurtheilt und beantragt, dieser Ausspruch in der Regel ein Bild der Ansicht der Majorität sei, so glaube er hiernach auch, daß die Majorität in der Versammlung diese Ansicht gut heißen werde. Gehe er nun von dieser Ansicht aus, so sehe er nicht ein, was dadurch weiter gemeinten werde, daß die Versammlung nun auch wirk­lich diese Majorität zeige. Ob die Majorität aus 1 oder 2 Stimmen mehr bestehe, darauf komme cs nicht an. Er nehme sie an und das Land. Er hätte ge­wünscht, daß sein vermittelnder Antrag vorher zur Dis­cussion gekommen und daß die Versammlung ihre An­sicht vom Rechtöstandpunkt möchte ruhen lassen, weil er das als Mittel zur Versöhnung erkenne und der nicht der Schwächere sei, der die Hand zur Versöhnung biete. Er sei der Ansicht, daß eine kleine Majorität, die sich für seinen Antrag aussprechen würde, der Sache nicht von Nutzen sein werde. Vielmehr glaube Er, daß, wenn Sein Antrag den Zweck und den Sinn erfüllen soll und könne, der Ihm vorschwebe, so müßte derselbe ein einstimmiger sein. Denn irren Sie sich nicht: es wird bei dem Land, der Regierung, dem Ausland die Versammlung nur höher stellen, wenn sie einstimmig erkennt: Wir haben nicht zurückgewiefen uns zu beleh­ren und wollen ans jede gründliche Erörterung gründ­lich eingehen; und wenn sie weiter den Beweis liefert, daß sie ein vermeintliches Recht momentan rußen läßt. Ich bitte also, diese verschiedenen angeführten Punkte wohl zu beherzigen! Und mag der Beschluß der Kam; mcr ausfallen, wie er wolle; ich bin beruhigt, ich habe dasjenige gethan, was mir geschienen hat das einzige Mittel zu sein, dieses so verderbliche Zerwürfniß endlich einmal zur allgemeinen Zufriedenheit zu führen. Und in dieser Beziehung lege ich meinen Antrag mit Ver­trauen in die Hände der hohen Versammlung.

Deutschland.

]:[ Schlaugenbad, 9. Juli. Am 7. d. Mts. ist I. k. Hoheit die Prinzessin Karl von Preußen mit Gefolge hier eilt getroffen. Am 8. reifte Se. Durchlaucht Fürst Ad. v. Sahn-Wittgenstein, sowie der königl. preußische Gesandte Hr. v. Savignh nach beendigter Cur von hier ab. Frau Gräfin Görtz, die sich seit Anfang Juni hier befindet, wird noch einige Wochen weilen. Baron V. Rothschild aus Paris, dessen Absicht es war, die diesjährige Cur wieder zu gebrau­chen, wird "in Anbetracht der politischen Verhältnisse" nicht hierher kommen. Zu den Verschönerungen der hiesigen Anlagen gesellt sich in diesem Jahre eine "wilde

Letztere ernst.Ich habe mich eidlick zum ewigen Stillschweigen verpflichtet uud den Schwur werd' ich nimmer brechen. Aber wo ist Eure Tochter denn? fuhr er mit heiterer Miene fort. Gebt Ihr mir sie jetzt zur Frau?"

O, mit tausend Freuden!"" riefen Beide wie aus einem Munde, und der alte Klarinettist schrie sogleich mit fröhlicher Stimme lachend in den Garten hinaus, wo Marie LicS eben Leinen begoß:

Marie Lies! Marie Lies! Konun' auf der Stelle herein, Du sollst verkauft wcrocn!""

Das Mädchen, welches den jungen Musieanten hatte in's HauS gehen sehen, kam schelmisch lächelnd herbei und schien sich durchaus nicht vor dem harrendenKaufmann'" zu fürchten.

Ihr habt Marie Lies durch Euer stolzes Wesen auf der Hochzeit rein den Kopf verdreht, Dobelitz!"" flüsterte die glückliche Äèutter dem Letztern zu, als Jene in's Haus trat.Sie hat den ganzen Tag nur von Euch und von Euerm herzhaften Be. nehmen gesprochen.""

Als Marie Lies erschien, ging Dobelitz auf sie zu, streckte ihr die Hand entgegen und fragte mit bewegter Stimme:

Marie Lies, hast Du Lust, mit einem fröhlichen Musieanten durch's Leben zu wandern?""

Das Mädchen schlug ohne Zaudern freub'g in die bargebotene Rechte ein, und der junge Musicant drückte ihr einen feurigen Berlobuugskuß auf die frischen rothen Lippen.

Ans Eurer Hochzeit will ich mich noch einmal auf meiner alten Klarinette hören lassen und Euch denBrauttanz"" spielen," sagt Kasteimke;hernach mögt Ihr für mich blasen und musici- reu, lieber Dobelitz!"

Und wenn ich keine Lust mehr dazu habe, so tollen mich Eure Enkel ablöseu!"" rief Dobelitz lachend.

Ein geheimilißvollcr Verbrecher.

Am 16. Jllui bat in Leipzig ein furchtbarer Verbrecher den . Tod erlitten. Es wird auch für weitere Kreise nicht ohne Inter-