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Die »Nassauische Allgemcinc Zeitung» erscheint, Sonntag ausgenommen, täg­lich. Preis: vierteljährig für Wies­baden und den Thurn und Toxischen Postbezirk 2 st., sonst 2 fl. 24 lr.

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Wiesbaden. L8SL

Nr. 158.

Samstag, 8. Juli.

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Aus den Kammern.

Die Domänenfrage»

II. Weiterer Bericht über die Erklärung des Staats- ministcriums Dom 26. April 1854.

(Schluß.)

Es ist eine bekannte Sache, daß die Domanial- revcnuen seit Einführung der Cassentrennung gestiegen sind und daß ein weiteres Steigen derselben zu erwar­te» steht; ebenso daß die Staatsausgaben in einem fortwährendem Steigen begriffen sind. Jene Er­scheinung ist nicht ohne Beziehung zu letzterer und durch dieselbe zum Theil bedingt. Die Fortschritte, welche in neuerer Zeit in allen Beziehungen der menschlichen Verhältnisse eingetretcn sind, haben auf der einen Seite eine erhöhte und ausgedehntere Thätigkeit der Staats­gewalt und damit eine Vergrößerung der RegierungS- losten, auf der andern Seite aber eine vermehrte Pro­duction in allen Erwerbsquellen zur Folge gehabt. Es ist nun nicht einzusehen, warum dem Lande von den wachsenden Domanialrevennen, z. B. namentlich von dem Ertrag solcher Domanialobjecte, welche der Kam- mercasse früher fast nichts eingetragen haben, z. B. die Mineralquellen, oder solcher, welche mit der zunehmen­den Industrie einen höheren Ertrag abwerfen, z. B. Hütten- und Bergwerke, Badeanstalten, ein Antheil nicht zu Gute kommen soll.

Unterliegen die Grundsätze, auf welchen die Cassen­trennung basirt ist, hiernach an sich schon gerechten Be­denken, so wird die Richtigkeit der Letzteren auch durch die Erfahrung bestätigt.

Nach dem Durchschnitte der letzteren Jahre ist der Betrag der Domanialrevennen, welchen das Herzog­liche HauS bezogen hat, aus 350,000 fl, zu veran­schlagen.

Im Jahr 1887, wo die letzte Annuität zur Til­gung der älteren Domanialschuld erfolgt, wird von den nach dem dießjährigen Budget auf den Domanialreve- nueu haftenden Ausgaben hinweg fallen:

1) Der jetzt zur Verzinsung und Tilgung dieser Schuld jährlich zu bezahlende Betrag von

282,059 fl. 49 kr.

2) an Leibrenten ..... 17,422 " "

3) an Hofpensionen 67,061 fl. 22 kr.

und, wenn man auch anniumit, daß an Hofpeii- sionen in Zu­kunft so viel zu bezahlen sein sollte, als im Jahre 1840, nämlich . . 29,986 fl. wird immer noch ein Wegfall fein von...... 37,675 " 22 Summa 337,157 fl. 11 kr.

Transport . 337,157 fl. 11 kr.

4) an Oranische Wittwencasscpcn- sionen...... 118 " 2 "

5) an Saarbrückische Diener . 1,975

6) an Kurpfälzische Diener und

Mitglieder aufgelöster Cor- porationcn..... 2,791 41 "

7) an Guadcugchalten . . . 5,161 38 "

zusammen 347,203 fl. 32 kr.

Die Auscinandersetznng einer Gemeinschaft, in Folge deren der eine Theil bei sonst gleichbleibenden Verhält­nissen nach Verlauf von dreißig Jahren fast noch ein­mal so viel als ursprünglich, bezieht, kann nicht auf einer richtigen Grundlage beruhen.

Eine weitere Unrichtigkeit der Cassentrennung liegt darin, daß sic von der Unterstellung ausgeht, daß alle neuen Negicrungsausgaben, mögen sie nun durch die gesteigerten Ansprüche an den Staat, oder durch bc- sondere Ereignisse herbeigeführt werden, von der Lan- dessteuercasse zu tragen seien, während doch nach deut- schem StaatSrechte, wie die in der Regiernngserwidernng angerufene Rechtsautorität ausdrücklich bemerkt, die Kosten der Landesregierung zunächst auf dem fürstliche» Kammergute lasten und die Stände bei Steueraufor- derungen, mithin auch dann, wenn solche darauf ge­gründet werden, daß neue bisher nicht vorgekommcue Bedürfnisse für den Staat zu befriedigen seien, die Nachweise der Insuffizienz des Kainmergutes verlangen können.

Wenn hiernach die Verhandlungen über die Cassen trennung nicht die Grundlage für weitere Verhand- luiigcn bilden können, so ist doch das hierbei gesammelte Material nicht lassen, vielmehr von der Ständcversamiulu^^^^^^vic viele andere Momente, welche zur FâA^^^^M Rechte des Herzoglichen Hauses dienlic^uiWW^u berücksichtigen.

Schließlich gla^EiMvir uns noch dagegen verwah­ren zu müssen^ Us^Wten, wie die Regierungserwi­derung zu uiMstcllcnMhtzint, unsere Anträge dahin ab, dem HerMlichen Haust zuzumuthen, seine Rechte aufzugeben.

Wie sich aus den von uns angeführten Verhand­lungen des Jahres 1849 ergiebt, ist nicht die Berech­tigung deS Herzoglichen Hauses, sondern nur das Maaß derselben Gegenstand einer Vereinbarung mit dem Landtage. Wir beabsichtigen nichts Weiteres, als daß unter Festhaltung des damals festgestellten Standpunk­tes die Vereinbarung über jenes Maaß nach allen den Momenten vorgenommen werde, welche hierfür entschei­dend sind. Hierbei werden dieselben unserer Ansicht nach in ihrer Gesammtheit und nicht lediglich ein Ein­zelnes, wie z. B. der Zustand in den Jahren 1802 bis 1806 zu berücksichtigen sein, damit die Unrichtig­keiten und Einseitigkeiten, zu welchen bei der Verwik- kelung des Verhältnisses die Behandlung nur nach einer Richtnng leicht führt, vermieden werden.

'Nach diesen Ausführungen können wir nur an* rathen , einen Weg, der früher einseitig von der Re­gierung eingeferlagen wurde, und durch die Erklärung des Staatsministeriums vom 26. April d. J. bereits

wieder einseitig eiliges tragen ist, nicht zu betreten, vieU mehr auf dem Standpuncte zu beharren, der im Jahr 1849 durch gegenseitige Vereinbarung gewonnen worden ist, und welcher weder mit der geschichtlichen Entwil- kelnng des Domänenverhältnisses noch mit allgemeinen oder particulären staatsrechtlichen Bestimmungen im Widerspruch steht. Nur auf diesem Wege wird unserer innigen Ueberzeugung nach dem Rechtsgefühle der Mehrheit des Nassauischen Volkes Genüge geleistet und eine Frage gelöst, die nur zu lange zum allgemeinen Nachteile die Gemüther bewegt hat.

Wir empfehlen deßhalb, unsere Anträge anzuneh­men und denselben entsprechend zu handeln, und hoffen zugleich, daß die Regierung nach nochmaliger Erwägung mit Beginn des 1855r Landtages der Ständcversamm- hmg eine zu einer Vereinbarung führende Vorlage machen werde.

Wiesbaden, den 24. Juni 1854.

V. v. E ck.

König. Nau. Braun. Müller.

Zeitungsschau.

Wolfgang Menzel's Caeterum censeo. Ucbermacht und Mackit.

** Wolfgang Menzels Literaturblatt bespricht die zweite Lieferung der "Aktenstücke der russischen Diplomatie." Herausg. und eiugcleitet von Fr. Paalzow. Es ist, sagt dieses Blatt nach einer Skizzirung des Inhaltes der betr. Documente, wenn man auch das Haupter­gebniß schon kennt, doch sehr lohnend, diese Actenstücke sämmtlich im Detail durchzulesen. In den älteren, ivie in den neueren Acten beurkundet sich überall die­selbe Sicherheit, mit welcher Rußlands geübte Diplo­matie die Dinge behandelt, Uneinigkeiten unter den übrigen Cabinetten geschickt benützt oder hervorruft, die einen erschreckt, die andern lockt, gelegentlich alle lieb­kost, alle aber nur wie die Tasten eines Claviers be­handelt, als ob ganz Europa zu nichts mehr da sei, als daß der Czar darauf spiele und russische Melo­dien einübe.

Wir sind weit entfernt, hieraus Rußland einen Vorwurf zu machen. Wir finden im Gegentheil, es hat in seinem Recht und klug und genial gehandelt, seine Diplomatie hat eine Ucberlegenheit über' alle an­deren beurkundet. Nur den übrigen Diplomatien muß ein Vorwurf daraus gemacht werden, daß sie sich so lange und immer wieder haben einseifen und barbireu lassen. Nur der europäischen Presse muß der Vorwurf gemacht werden, daß sie den russischen Versicherungen immer wieder Glauben geschenkt und Vertrauen zu er­wecken geeifert hat. Nicht iver den Fuchs machte, nur die, welche sich zur Rolle der Gänse Hergaben, müssen angeklagt werden.

Europa ist auf eine neue Probe gestellt. Wenn Europa, wenn nur ein einziges Cabinet jetzt noch sich überreden ließe, die Angen von der russischen Gefahr abzuwenden, andere Fragen ;. B. die mögliche Wieder- revölutionirung Frankreichs und Italiens, das maritime Ucbcrgcwicht Englands, die österreichische oder prcu-

SSH5S

Der Torfmilsicaut.

(Fortsetzung.)

Der junge Musicant hatte dein Vater der schönen Brantjuug- ser mit sichtlicher Uitßebulb angehört und erwiderte mit vorwurfS- vollem Tone:

Meint Ihr, ich mär' ein schlechter Kerl, daß ich, um Eure Tochter zu gewinnen, Euch ine Unglück stürzen wurde?! Ihr habt mich in lustiger Gesellschaft vielleicht dann und wann ein Bischen Prahlen hören, und d'rnm verzeih' ich's Euch, daß Ihr meinen gestrigen Versicherungen keinen rechten Glauben schenkt Gebt Euch aber nur znsrieden und seid fröhlich und guter Dinge: die Hand soll mir verdorren, wenn ich Ench und mir nicht Frie­den vor dem elenden Wicht schaffe, ehe zweimal vierundzwanzig Stunden vergehen."

Und ohne abzuwarten, welchen Eindruck diese Worte auf seinen alten Collegen machten, eilte er rasch wieder nach seinem Sitze zurück, da er schon von verschiedenen Seiten seinen Namen ruseu hörte.

Dem lauernden Rademacher war das Gespräch der Beiden nicht entgangen, und mit schadenfrohem Grinsen murmelte er vor sich hin!

Schmatzt und flüstert nur, so viel Ihr wollt! Die Marie Lies soll meine Fran werden und müßt' ich sie aus der Hölle holen! Den Alten hab' ich in der Tasche und dem schlechten Musicanten will ich noch in dieser Stunde zeigen, daß er nichts als ein Tagelöhner ist, der sich ans das Commando und für das Vergnügen Anderer abgnälen muß!"

In diesem Augenblicke zogen Marie LicS und die übrigen Brautjungfern jede nach uraltem Brauch einen kleinen mit bren­nenden Wachskerzen gezierten Tannenbaum in der Hand tragend, Paarweise nach dem Tanzplane und schlossen einen Kreis um die Neuvermählten, welche der Sitte gemäß nun ganz allein einen langen Tanz miteinander auszusühren hegauneu, dem sämmtliche Hochzcusgäste mit der lebhaftesten Aufmerksamkeit zuschauten, nur ver Rache brütende Borneik stand theilnahmloö in einem dunkeln Biuret der Hausflur und warf dann und wann einen giftigen

Blick nach seinem Todfeind hinüber, welcher majestätisch wie ein König inmitten seiner Leute thronte und mit einer wahren Be- geisteeung den besten Walzer geigte, den er besaß. Beim Tanze der Ikenvermähltcn, bei welchem er eine reiche silberne Ernte hielt, Pflegte er stets feine ganze Virtuosität zu entwickeln.

Endlich war auch dieser Hauptehrentauz aus, und nun ge­hörte der ebene Plan nach altherkömmlicher hochzeitlicher Tanz­ordnung den jungen Burschen und Mädchen. Ein fröhliches Ge- tiinuuci entstand rings in dem geräumigen Hause. Jauchzend in die Hände klatschend und mit den Füßen stampfend, suchte Jeder seiueu Schatz oder Diejenige, welche ihm am liebsten war, und in aller Mienen konnte man lesen, daß sie den Tanzplan nicht vor dem hellen lichten Diorgen zu räumen gedachten.

Allein dießmal sollte ihre Geduld noch auf eine neue Probe gestellt werden. Kaum hatten die Musicanten ihre Instrumente eine Weile aus der Haud gelegt, da trat Plötzlich der Rade­macher Borneik vor ihren Tisch, warf einige Geldstücke auf den Teller und rief dann mit gebieterischem Tone und verächt­licher ütiene:

Heda! Musicanten! Dobelitz! Setzt Eure faulen Arme und Fänste einmal in Bewegung unb stehlt den Leuten nicht das Geld aus der Tasche! Ihr freßt und sanft unb schlaft mehr, als 3br spielt! Solche nichtsnutzige Kerle sollte man zur Thür hinaus- werfen! Einen Walzer aber einen, wie ich ihn haben will, sonst geht'S Euch schlecht!"

Dobelitz war gleich bei den ersten Worten wild emporgesahren und wollte auf den Rademacher joSstürzen, faßte sich aber schnell, warf die Geldstücke, welche Borneik auf den Teller gelegt, ihm vor die Füße unb sagte mit lauter Stimme:

Euch spiel' ich teilten Tanz, und wenn Ihr mir hundert Thaler auf den Teller legt! Ihr könnt' mir meine Kunst nicht bezahlen, unb von Ench nehm' ich auch keinen Pfennig mehr an! Sollt' ich Euch jemals wieder einen Walzer spielen, so geschäb's aus Barmherzigkeit. Macht, daß Ihr sortkommt, und stört ehr­liche Leute nicht in ihrem Vergnügen!"

Dieser kecken Antwort folgte eine Todtenstille von einigen Lecnnden. Dann aber sprang der Rademacher wntbschänmeitk und an allen Gliedern zitternd ans Dobelitz los und schrie:

WaS nimmst Du Dir heraus, miserabler AènsicaNt! Du mußt thun, was ich Dir befehle, sonst werf' ich Dich zum Hause hinaus!"

Bei diesen Worten wollte er Dobelitz packen, welcher mit der größten Gelassenheit dastand und den tobenden Rademacher mit höhnischem Lächeln aublickte, ward aber von den HochzeitSgästen daran verhindert, die in gewaltiger Aufregung durcheinander schrien. Die Meisten nahmen Partei für Dobelitz, da sich Bor­neik durch seinen Hochmuth,' seine Hartherzigkeit und seinen Eigcn- tlntz fast überall verhaßt gemacht hatte, nur einige wenige ältere Männer, welche mit kein Letzter» verwandt oder befreuubet waren, stellten sich aus die Sèite des Rademachers.

Da dieser sich durchaus nicht beschwichtigen lassen wollte und nicht allein die Freunde des jungen Musicanten, sondern auch seine eigenen ihn besänftigenden und zurückhaltenden Bekannten beleidigte, so daß der Xumult von Minute zu Minute ärger wark, so hielt es Dobelitz iür angemessener, der Sache schnell ein Enke zu machen. Unk sich emporhebend, rief er mit gewaltiger Stinnne in den Lärm hinein:

Laßt mich nur ein paar Worte allein mit beut stolzen Herrn Borneik rcken, liebe Leute, und es wird gleich Friede geben!"

Still! still! rief es da von allen Seiten, und als es einiger­maßen ruhig geworden war, fuhr Dobelitz, zum Rademacher ge­wendet, mit einem bedeutsamen Lächeln und in nachdrückliche!» Tone fort:

Ihr wißt vielleicht nicht, lieber Borneik, daß mein Vetter zwei Jahre bei dem Rademachermcister Friedrich Wilhelm Grund in einer gewissen preußischen Stadt gearbeitet bat?!"

Diese Worte brachten eine wunderbare Wirkung hervor.

Der Rademacher ward blaß wie eine Leiche, die Arme fiele» ihm schlaff am Leibe herunter und regungslos starrte er den. jungen Musicanten an, welcher groß uitb stolz vor ihm stand und ihn mit verächtlichen Blicken maß.

Da ich sehe, daß Euch diese Mittheilnug in eine friedlichere Stimmung versetzt," fuhr Dobelitz fort,so thut mir und meinen Leuten hier vor allen HochzeitSgästen Abbitte und widerruft auf der Stelle all die Verleumdungen, welche Ihr heute Morgen über mich in Umlauf gebracht habt; wo nicht, so . . ."