-.ißt sich nur die Furcht vor dem Au'kvmmen eines mitteWuropäischen Handelvstaates als Bi oliv der zwei deutige» Haltung, die nun vor Sebastopol und Mrvu stadt Buße zahlen wird, denken. Rußland soll freilich .^onftantinoPel nicht besitzen, so wenig als das schwarze Meer und die Landstraße nach Indien; aberden Ocuk seyen wird es auch von Herzen gegönnt, wenn ihnen der Haupt ström au seiner Aciindung verstopft wird, damit ihnen die Freiheit des felnoarzen Meeres als eine .schöne Idee vorselnoebe! Die Erkenntniß der Kurzsawigllit dieser iliedrigen Rechnung mag denn auch einen großen Antheil an dem Mißbehagen haben, das nach tvrisusthcn Blattern von den englischen ^taato männern empfunden wird, wie die plumpe Provocation Aberdeens, Frankreich sei stärker als Rußland und Oesterreich zusaiumengenomuten, nur insoferne Sinn hat, als sie den giftigen Aerger . Föhn Bnlt's über des lebt am stolze Haltung tenwnsnsti. Man mag jenseits des Canals das Eeroicht des toiederertvaândcn deutschen Hiationalgefühls, das sich an Oesterreich ausrichtet, fühlen; man sieht, daß Mitteleuropa, Dank der Emi gung seiner Großstaaten, eine Bedientenrolle in der durch die Rethweudigkeit der Dinge aufgezwängken Co- alition von sich weist — daher der lächerliche Ausfall gegen das den .Kriegsschauplatz beherrschende Oesterreich und die ebenso ungeschickte Schmeichelei gegen Frank reich. —- Es ist wahr, wes russeusreundliche Blätter hervorheben, daß die vereinigte Flotte bis zur Stunde außer der Verbrennung einiger Theer- und Pechtonuen äußerst wenig Lichtvolles producirk; es ist ebenso um läugbar, daß nicht den französisch englischen HülfStrup- pen der RWnarsch der Russen zu verdanken ist, — daß jedenfalls der moralische Antheil, den sie an dem Smudhakleu der tapfern Türken haben, durch den Eii- druck überboten wird, den die österreichischen Aufstellungen auf die russischen Heerführer machen mußten. Nur die versteckte Folgerung dieser Parteiblätter ist nicht richtig: die Westmächte werden deßhalb nicht feindselig gegen Mitteieurvpa austreten, und dieses nicht auf die russische Seite treiben, weil es eine selbstständige Rolle spielt und sein eigenes Interesse als oberste MMchnur ausstâ Dafür ist gesorgt. England braucht Oesterreich, England muß ihm gute Worte geben; denn England muß entweder den Kampf mit Rußland zu Ende führen, oder solche Bedingungen erlangen, daß ein erneuerter russischer Angriff auf den Lebensnerv seiner Stellung im Orient nicht sobald wieder möglich wird. Beides verlangt die Mitwirkung von Oester-reich, welche zu erlangen man sich bekanntlich bis zur neuesten Zeit so erstaunlich viele Mühe gegeben, über dessen Allianz man durch förmliche Bulletins die Citywelt beruhigt hat, obwohl man Frankreichs, das stärker wiegt als Rußland und Oesterreich zusammcn- genommen, längst sicher war. — Die Zukunft, sagt das "D. Volksbl.« am Schluß der vorstehenden Betrachtungen, liegt im Schooße der Vorsehung verborgen; dieser kann noch manche Überraschung Vorbehalten sein; die Gegenwart aber predigt lauter als zuvor den festen Zusammenhalt von Mitteleuropa. Ist dieser gerettet, dann mag es in der großen Weltfrage seiner Kraft vertrauen, sie ist jeder Intrigue gewachsen!
Auch das "Haltesche Voltsblatt für Stadt und Land» geißelt in seinem geschichtlichen Monatsbericht die Krämerpolitik Englands. Die Thaten der Engländer in der Ostsee, sagt dasselbe, haben sich bis jetzt auf einfache Räubereien beschränkt. Friedliche Kauffahrteischiffe hat man aus dem Hasen von Liebau fortgeschleppt, in Brahestad und Uleaborg hat man Schiffe, Theer, Holz und anderes Privatoigenthmn verbrannt — wo die Engländer wirkliche Angriffe gegen kleinere befestigte iß miste (wie Gustavsvärn und Gamla Kar- . leby) versucht haben, sind sie unverrichteter Sache aber mit blutiger'Nase abgezogen. Diese Art Kriegführung möchte gehen, wenn nebenan der Engländer nicht die Unverschämtheit hätte, ein Mustermeusch sein zu wollen; wenn die englische Ration nebenbei nicht immer das Maul voll nähme von Civilisation und ehristianity und dadurch ein Muster auf stellte, nach dem sie andere mißt und also doch selbst geniessen werden will; daß sich aber ein Krieg der in Räubereien und Verwüstungen gegen Privateigenthnm verläuft weder mit dem englischen Begriffe von civilisation noch mit dem allgemeinen Begriffe von christianity verträgt, wird wohl jeder unbesehends zugeben. Man sieht, das Ding geht mit den Engländern wie cs der Valentin im Faust sei- ner Schwester prophezeit. So lange Selbstsucht, Ueber- milth, rohe Gewaltfreude und Ungerechtigkeit nur dahinten auf dem Rücken der armen Hindostanis, oder in den versteckteren Winkel der jonischen Inseln und der für Europa halbstnmmen wildirischen Bevölkörung lastete, so lange konnte sich die Herrin dieser Sclavin neu mit ihrer Freiheits- und Gerechtigkeitslicbe, mit ihrem Christenthum weit und vornehm aufblähèn — zeichnete sie doch erkleckliche Summen bei jedem Kir- chenban, trieb sie doch Mission, wo irgend eine Ecke war, ans der sie ie Zukunft einmal Geld ziehen konnte! — nun ihr das so prächtig geglückt ist, wird sie täglich frecher, die schöne Dame, und verlangt, andere Leute sollen sich ihrer ritterlich amießmen, auch wenn sie jede Maske abwirft. Schamlosigkeit, das ist der
Wimpel, der zu allen Zeiten über dem politisch einherfahrenden England flatterte — und was muß dies englische Christenlhnm doch für ein curivses Ding sein, daß es so gar, gar keine Wirkung auf die Herzen der Staatsmeuschen (von Staatsmännern darf man in Be Ziehung auf England nicht mehr reden) hat! offenbar ein Ding blos eingerichtet zum bequemen Gebrauche für Privatleute — religiöse Salztropfen, die Privatleute ciunehmen, wenn sie sich moralisch den Blagen verdorben haben — ein Ding vollkommen im Westen taschensormat, womit man gelegentlich in eine Ecke treten und zur Abwechselung sich ein wenig erbauen kann, wovon aber in öffentlicher Gesellschaft niemand dem, der es bei sich trägt, das geringste amuerkt.
In einem Artikel aus Turin vom 25. bezichtigt die Times den neapolitanischen Hof russischer Sym pathiecn.
London, 2. Juli. Oesterreich, sagt »Chromele», ist eine unabhängige Großmacht, zu stark, um sich zwingen, und zu stolz, um sich ungestraft drohen zu lasiern Diesen Umstand sollten Diejenigen wohl beiseit gißen, die in den letzten Tagen wieder einen so ungerecht feindseligen Ton gegen die deutsche Großmacht angestimmt haben. Möglich, daß Oesterreich in seinen an das Petersburger Cabinet gerichteten Noten von einer Revision der alten Verträge nichts erwähnt habe, allein zuversichtlich könne man melden, daß cs keinen Versuch gemacht hat, England und Frankreich für die Wiederherstellung des Status quo ante zu gewinnen.
Der »Herold» warnt das Parlament, nicht auS- ciuaudcrzngchen, bevor cs durch eine feierliche Bcschluß- fafsnng über die Endzwecke des Krieges das Cabinet moralisch gebunden hat.
Eine freudige Aufwallung hat sich hier aller Klassen auf die Kunde bemächtigt, daß Sir C. 'Rapier mit 12 britischen, 6 französischen Linienschiffen und einer Anzahl Fregatten gegen Kronstadt gesegelt ist. Aber »Times» will neuen Enttäuschungen vorbeugen und gießt.daher dein aufstmumenden Euthnsiaamus kaltes Wasser über den Rücken. Einen eigentlichen Angriff auf die Feste Kronstadt hält sie für umvahrschcimich; Sir C. Râpier wolle gewiß nur der russischen Flotte eine Schlacht aubieten oder blos eine Reoognoscirung vornehmen.
Italien.
Rom, 25. Juni. In: gestriges: geheimen Consi- ftorium wurden 2 erzbischöfliche und 16 bischöfliche Sitze proponirt.
Nußland.
Ein Pariser Correspondent des Pescher »Llohd» theilt aus der österreichischen SomMation folgende auf die Räumung der Donaufürstenthümer bezügliche Stelle mit dem Bemerken mit, daß sie fast ivörtlich feq. Die Stelle lautet: »Es ist immer Oesterreichs Wunsch gewesen, in der orientalischen Frage Hand in Hand mit ganz Deutschland zu gehen, in all seinen Schritten hat es sich nur von Friedensliebe und von keinerlei Priva - interepen lenken lassen. Von diesem Grundgedanken ausgehend, hat es mit lebhaftem Verdruß Projccte aus- taucheu sehen, die den Zweck hatten, dem Sultan einen Theil seiner Provinzen mit Waffengewalt zu entrechtn. Möglich, daß der Ursprung von allem Dem in einem Mißverständlich liegt. Oesterreich ist entschlossen, einem unheilvollen Kriege durch wirksaiiw Mittel ein Ende zu machen, einem Kriege, der ganz Europa in Verwirrung stürzen und den bereits bestehenden, von allen Acächten im Interesse des Friedens betagten Unruhen neue hin- zufügen könnte. Oesterreich richtet ein letztes Wort an einen alten Freund. Dessen Antwort, das Verfahren, welches Rußland in der schwierigen Lage, in die cs Europa gebracht, cinschlagen wird, legen Oesterreich aufs Neile die. Verpflichtung auf, den Czaar zu ersuchen, diesen letzten Schritt in ernste Erwägung zu ziehen.»
Die Neuesten Nachrichten ans Teheran stellen den Bruch zwischen Persien und Rußland als vollständig dar; der neue russische Gesandte wird nicht angenom- men werden.
Donaufürsienthürrrer.
Eine telegraphische Depesche aus Jassy meldet: Nach Briefen, welche aus Petersburg in Jassy eingetroffen sind, beabsichtigt der Czar, auf seiner Reise nach Kiew den kranken Fürsten Paskicwitsch in Jassy zu besuchen. Die 'Nachricht eines hiesigen Blattes, der Fürst werde in Kürzt Ems besuchen, scheint daher mindcstcus verfrüht.
Aus Kalarasch vom 26. Juni wird berichtet: Die Russen sind ans das linke Donau-Ufer übergegangen gaiiZ unangefochten von den Türken. 5000 bulgarische Familien, die Verfolgungen der Türken befürchtend, sollen den Russen gefolgt sein.
Türkei.
Constaiitinopcl, 20. Juni. Der »A. Ä. Z,» wird geschrieben: Die am 14. abgeschlossene Convention in Betreff der Besetzung der Donanfürstenthümer durch österreichische Truppen, deren Ratificatioilen binnen 4
Wochen in Wien anSgokauscht werden sollen, hat beut überwiegenden Einfluß, welchen der durch Hrn. von Bruck so ausgezeichnet vertretene Kaiserstaat hier übt und zu üben berufen ist, das bedeutsamste Siegel aik gedrückt. Auch machen sich die Wirkungen desselben fast jeden Tag in neuen Beispielen geltend, worunter für diesmal nur folgendes angeführt teerten mag.
Flotten im schwarzen Meere halten alle Kaussahrtei- schisse unter hellenischer Flagge an und bringen sie gefangen hier ein. Sehr häufig befindet sich aber am Bord solcher Schiffe Ladungen, die fremden llnterlba- nen gehören, und für solche Falle haben mm die übrigen Gesandten errvirkt, daß diese Ladungen auf Fahrzeuge anderer Flaggen überschifft werden; nur dem f. t. Jnternnntins gelang es, alle Schiffe Ommt ihren Ladungen frei zu machen, bei denen vsterr. Unterthanen inkreffirt sind.
Lord Raglan hatte in der Confcrcnz zu Schnnilr cingewilligt, daß St. Arnaud den Oberbefehl übernehme, Omer Pascha aber sich weit weniger gefügig gezeigt unb zu dem Marschall gesagt: »Ich bin zwar bereit, Ihnen den Befehl über meine Truppen abzutrelen, vorher jedoch müßte mir der Beweis geliefert werden, daß die 100,000 Mann , die seit einem Jahre unter meinen Befehle stehen, Wehr Vertrauen zu Ihnen haben, als zu mir.» — Der Kamps zwischen Rcschid Pascha und Bcehemed Ali Pascha dauert in Constantinopel fort. Reschid Pascha möchte gern eine Art Alter Ego des Sultans werden. Mehenicd Ali sucht besonders durch seine Gemahlin, eine Schvoester des Sultans, Reschid's Plane zu hintertreiben. Lord Stratford's anmaßendes und unbequemes Benehmen soll den: Sultan je länger, je lästiger fallen.
In Sch nm la soll unter den Türken der Typhus in hohem Grade herrschen und täglich Hunderte hiu- raffen. Gerüchtweise wird von zwei großen 'Riederlagen gemeldet, welche das türkische Heer in Asien erlitten. Das erstemal soll es 39, das zweitemal 12 Kanonen sammt großen KGiegSvorräthen verloren haben, und die Vertvirrung sei so groß gewesen, daß die Russen, wenn sie gewollt, das ganze feindliche Heer hätten zu Gefangenen machen können. Auch habe ein russisches Corps bei Redut-kale eine dort gelandete türkische Streitmacht von 4500 Blaun gänzlich aufgerieben.
Ueber den der türkischen Armee in Asien begegneten Unfall erzählen französische Blätter folgendes Nähere: »Hassan Bey von Tschurutsu hatte auf Grund der Anssage von Georgiern die Russen ans der Umgegend von Kataia gänzlich fort gesogen geglaubt nud marschirte nun, ohne die "geringste Älecognoscirung w zuuehmen, mit 4000 Bozuks und einer Brigade Rc- gulärcu sorglos vorwärts, als er sich plötzlich von 20,000 Mann (nach anderen 12,006 Blaun) Russin umzingelt sah, die sie hinter den befestigten Maunu der Quarantäne erwarteten. Die Türken schlugen sich wie die Löwen und verloren fast ihre sämmtlichen Führer, 2000 Baschi Bozuks und 70 Reguläre und wurden zuletzt, von der Uebcrzaht überwältigt, auscinaudcr- gesprengt. Am 15. brachte ein Schiff 100 Verwundete nach Trapezuut».
Börsen-Berichte.
Frankfurt, 3. Juli. In Folge cingetrofsener güpstigacr Berichte ans Mayrid eröffneten spanische Effecten in besserer Lum- mung, wurden jedoch nach der Notirnngszeit dnrck inebrsöt ge An- erbicinngen wieder gebrüllt und schlossen wie gestern. 5 e tnng sämmtlicher Österreich. Effecten , mit Ausnalnue der 2ö0 Loose, welche billiger verkauft wurden, war etwas fester, während in den Coursen der süddeutsche« Obligationen und Aulelms kose sowie auch in den meisten EiseybaMactien bei go' ihu'in Umsatz keine wesentliche Veränderung statlsaiid. In Frankfurter Bantactien zeigte sich zu heberen Preisen vermehrte Nachfrage öpCt. Metall. 07 G ; do. 1852 07*/* bez., 67 G.; 4"-P2t. Met. 59^8, dann Vs und •/»' bez. u. G; SpEt, Vomb. Venet, G.; Wiener Bankactien mit 9 Einzahlungen 1078 G. Z do. eine Jnterinwschttne 1026 offerirt; 500 fl. Loose 175 G.; 250 fl. -• 98 G.; do. neue von 1851 eröffneten TVO , gingen bis ' zurück und schlossen TP/s bez. Spanische lpCt. iOP und Um* bez.; 3pCt. Inländische 36'/« G. Von Eisenbabnactien Hast Fr.-W. Nordbahn 40«/« G; Bexbach 1180» G.; Köln ÄinMH 119 G.: Neustadt-Weißenburg 1007,'s G.; Livorno-Florenz / G.; Frankfurt-Hanan MB G.; Taunns 297 @q Homburg 89 H.; Darmstädter Bankaetieu 222 65.; Wei>«anl" Bantactien 97V? offerirt; Frankfurter Vanlactien svnrdeu bis 106^/8 bezahlt. Kurh. 40 Tblr. Loose 34M 65.; badilwh'' fl. Loose 397/» G. Nack der Notiz schlossen »pEt. Metav. * /v 4O'pCt. Metall. 58V»; »pCt. Lomb-Bcnet. 80"/-; IM- ' 19V*; Fr.-W. Nordbalm 4G; Lndw.-Bexbach 118H; ‘ t 250 fl. Loose 713/» G. — Abends in der EffectensoeMi kein Geschäft.
Wien, 3. Juli. 5pEt. Metall.' Litt. B 101. - ^ 1852 86V». — M-pCt. Metall. 76. — HpCt. Lonrb. ltll 250 fl. Loose 126, — Bankactien 1255. — Neue 992 • c. Nordbabu 213'/-. — Livorno Florenz 106. — Donau H schifffahrlSactien 578. - Lloyd -. - Wechsel aufLondoi
19 fr. - Paris 148V? — Frankfurt —.. — Gold - Silber 27‘/2 — Neues Änlichen M'/z. (Synd.)
Berlin, 3. Juli. Ludw.-Bexbach 116V». — 428/(. — Köln,-Minden. llGVs. — Weimar —. bpCt. N Paris, 3. Inti. 3pCt. Rente 73. 50. — 3pCt. Span. — IpCt. do. I8H. ~
London, 3 Jnli, 3pCt. Stocks 93-/4. — IpCt.
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