«ais-«lsSe «llgemeliik A>t««« ertöelnt, S-nn- > é «utornommeu ,««>.» frft«t »Ettâhr.^ t«> »>!i,«baden und den Zburit und TariS'iLen jMtefirt 8 ft, sonst 2 fl. *4 fr.
Nassauische Allgemeine Leitung.
-esttünnoen nehmen an in Eiiesö-de« die kkpebaiSii (-t!tth.^r!evr>n>'i<te Knidbanrlun^, ran-n-st, «r l'V ) au0wM l« alle Pouanstuleen — jnfnatr t tue niet# fpnltrge ^nttjeii' Wer Wien *aum 3 tr.
Wiesbaden. 1854.
Nr. 150.
Donnerstag, 29 Juni.
Bestellungen auf das dritte G-uartat der Nassauischen Allgemcinm Zeitung werden baldigst erbeten.
/riedensauvsichte«
Der Altikel dcS toryistischen Wochenblattes „Tbe Preß", welcher zuerst die Nachricht von einem Friede nsprojeet des Fürsten Metternich brachte, lautet vollständiger: ^Ee Hobelt der Fürst Metternich hat auf das specielle und persönliche Ansuchen des Kaisers von Oesterreich in einer StaatHchrijt seine Ansicht von den Arrangements niedergelegt, welche in der gegenwärllgeii Lage der Dlii^e zu „„einem ge- rechten und eh-envollen Frieden"" führen möchten. Wir haben Grund zu glauben, daß diese Ansichten, obgleich noch nicht officiell, ein Carl von Aberdeen mitgetheill worden sind, und daß den vorangrbcnden Mittheilungen, die staltgesunben haben, zufolge wenig bezweifelt werden kann, daß dieselben ihrem wesentlichen Inhalte nach bilrch den englischen Minister werden aboptirt werden. Die Aussichten aus eine schnelle Beendigung der Feindseligkeiten sind sehr günstig." Dieser Artikel macht erst ganz klar, wie Aberdeen noch vor acht Tagen im tnglischeii Oberhause es wagen durfte, einem „gerech- hn und ehrenvollen Frieden" (diese Worte der Press findet man auch tu der Rede Aberdeens) das Wort zu reden; er macht ferner klar, wie Aberdeen mit beionderer Beionung von dem großen Beleranen der Diplomatie (Metternich) reden sonnte. So wichtig indeß diese Nachricht ist, (v darf man doch zunâa st nicht übersehen, daß vou anderer Lette her bisher über sie hier nichts bekannt geworden ist, ferner, daß sie hoch nur von vertraulichen Verhandlungen spricht, bei denen das österreichische 6a bin et officiell zunächst gar nicht beteiligt ist, und die ebensowenig mil der englischen R.gieruug als solcher bisher geführt worden sind. Außerdem aber würde dies „Arraugement" nur dann zu einer reellen Bedeutung gelangen können, wenn Frankreich ihm beistimmte, Venu in Offensiv- und Defensivvertrage vom 10. April haoen England und Frankreich sich gegenseitig verpflichtet, keinen Special frieden zu schließen. Bon großer Wichtigkeit könnte indeß dieser Metternichsche Plan werden, wenn er beim englischen Volke Volke Zustimmung fände und jo vielleicht einer Bewegung zu Gunsten des Friedens Anstoß gäbe, die in England ja in der Manchesterpartei noch Stutzen genug finden würde. In Berlin wird dieser Plan noch sortwährend mit sehr prüfendem und kaltem Blick betrachtet.
•®ev^ «s Wren geschrieben : -L er
Kaiser von Rußland habe iiachgegeden und die Note des Wiener C a b i n c les g ü n sti g a u f g e n o m men. Der Befehl zur Räumung der Douaufüistenthümer fei bereits von St. Petersburg in Jassy eingetroffen. Die Russen zögen sich hinter den Pruth zurück und b e r C z ar erwarte von Oesterreich ein mit der russischen Waffenehre vereinbareres Arrangement. Obgleich die officielle Nachricht über die Antivoit des St. Petersburger Hofes in Wien noch nicht eingelroffen ist (denn d'e obige Notiz soll nur einer vertraulichen Depesche aus War schau entlehnt sein), verlautet doch bereits: Graf Buol werde bei der Eonferenz einen Waffenstillstand beantlagen. (Wenn auch diese Nachrichten sich bestätigen, sowie sie denn mit Aberbeen'S Rede, den aus London, Paris und Berlin kommenden Gerüchten übereinstimmen, so bleiben doch noch viele, schwer enlwirrbare Schwierigkeiten zu lösen. Das ruf fische Protecloral in den Do nau fürsten tyüme r n, der Besitzstand in Tscherkessien gehören vor Allem dazu. Der letzte türkisch-russische Vertrag über die Denausürsten- thümer ward nur auf sieben Jahre geschlossen. Kann er er
neuert t erden oder wird — was in bietet Hinsicht gerathen wäre — Oesterreich an die Stelle Rußlands oder mit ihm in gleiche Rechte treten? Wie soll daS Aeihälrniß Rußlands zur griechischen Kirche in der Türkei formulirt werden? Wird die türkiich englisch französische Allianz den Kaukasus, für den man in Constantinopel bereits neue Pajcha's ernannt, dessen Küstenforlö man besetzt hat und durch englische Offiziere ver. stärken läßt, an Rußland vertragsmäßig hinweg utib unbe- dingt zurückgeben und den Russen einfach überlassen, das ver tOkene Gebiet mit Waffengewalt wieder zu erringen? Lauter schwer entwirrbare Fragen für «ine» europäischen Congreß, in welchem russische Gesandte mit franjösscheu und englischen sich verständigen sollen.
Auch bei Rücktritt des Herrn von PersignV, dem die lebhaftesten Scen»» mit Herrn Fould und Henn Drouyn de Lbuys vorausgingen, deutet an, daß man einen Schritt zum Frieden gemacht habe. In bet That wird jetzt viel von einem Waffenstillstand und neuen Unterhandlungen gesvrochen, und Lord Aberdeens Rede steht der Lage der Dinge viel näher, als Lord Clarendons uubemefjeuer Drohausbruch, der vielleicht nur erfolgte um auf den liberalen Slurm, der scher Aberdeens Aufrichtigkeit auSbrechen mußte, etwas Del zu gießen In Paris ist es ein öffentliches Geheimniß, daß die französische Regierung, um Oesterreich für sich zu gewinnen, ihm das Proleelorat über die Donarifürstenthnmer an geboten hat. Oesterreich scheint zujitstmimen und sucht Rußtaud» Einwilligung zu erwirken. Auf dieser Basis will mau, wie es scheint, Frieden schließen und Rußland dieses einzige Opf-r zumutben. Miiilerwelle schickt aber Frankreich fortwährend neue Verstärkungen nach dem Osten und zwar in einer Weise, baß der Trnppenbestaub in Frankreich sehr b deutend schwitzt.
Das in Eonstanlii opel am 1A. Juni unterzeichneten Ueber- eiiikommeu wegen eventueller Besetzung der Do..au unten» thünur durch f. k. österreichische Truppen lautet nach dem „Moniteur" im Wesentlichen wie folgt: „Wenn die Antwort des russischen CabiNetS ablehn.nd ist, jo wird die österreichische Aimee sofort die in der Sommation enthaltene Andro- fiung zur Ausführung bringen. Sie wird in die Fürstenthn- mer am linken Donauufer einrücken. Die Pforte erlaubt es und Oesterreich verpstlchtet sich d-ru. Solches ist .er allgemeine Sinn des Vertrages. Hinsichtlich der besonderen Ver- fügungen sind die ersten aus Eonstankinopel gekommenen Angaben ebenfalls genau. Das österreichitche Eabinel nimmt als Ausgangspunkt seiner Besir.bungen den unabhängigen Fortbestand des oltomanlscheu Reiches und des europäiichen Gleichgewichtes an, in welcher Beziehung die Räumung der Furstenthümer idm alS unumgängliche Bedingung et|d)eint. Es erinnert ai bie auf der Wiener Eonferenz gemeinsam von Den vier bei dieser Eonferenz beteiligten Machten ausgestellten Grundsätze mnd erklärt sich bereit, nölhigenfaUs Gewalt in Anwendung zu bringen, um den Zweck dieser Ueberelnkunst zu erreichen. Demzufolge verpflichtet sich dec Kaiser von Oesterreich, dem Sultan gegenüber, die erjorderliche Truppeu- machl zu verwenden, um die Räumung der Donausürstenihü. mer von der russischen Armee zu erwirken, wenn die zu bl,s>m Zwecke an Rußland gerichtete Aufforderung erfolglos bleibt. Indem der öneuentifte Oberbefehlshaber sich vor behält, Die Operationen seiner Armee im gemeinsamen Interesse zu leiten, wird er den türkischen Obergeneral von seinen Eombiuationen und seinen Bewegungen in Kriinlniß setzen. Gleich nach dem (Suninsen Der österreichischen Armee in die Fürsteruhümer wird
sie die frühere Verwaltung innerhalb der von der Pforte diesen Ländern zugestand, neu Rechisgreuzen wiederher st. Ue». Oesterreich wird erst dann mit Rußland in Friedensunter- Handlungen sich einlaffen, wenn die Integrität b.s otrowanl- fd)en Reiches gaiantirt und die Lvuveräiieiäk des Lullans gegen jeden Angriff sicher gestellt ist. Nach Abjchlr.ßuiig deS Friedens werden die österre'.chifchcn Trupp, ii die Fnrstenihümer sobald als möglich Mieter veilassen. Das sind Die H .upibe- stlinmungeil des österreichisch türkischen U. b.reinkommens. Sie sind gleichlautend mit den von Oesterreich in b.» letzten Protokollen der Wiener Coliferenz übernommenen Verpflichtungen.
Öcittldtlaub.
t* Wiesbaden, 28. Juni. In Der heutigen Sitzung der zweiten Kammer ft^üle Abg. König den dringlichen AttlragiDle Herz vgl. Regierung um Zurück- »ahme des unter dem 2 3. I u u i an b l e R e b a c t i.- net der N a s s a u i j ch e n Zeil ii n g e n e r I a j i e n e n V e r» botSalseinerverjaisuttgö widrige, Beschränkung der l in Her zog l h u m g e, e tz ll ch best e h e u de n Preß- f reibe it zu ersuchen. — Nach einer länger« TiScnUloa, wobei st j gegen Den Antrag R-g.-Eomm. Werren, sowie Die Abg. Haibey, Rull maun, Metzler, Reichmann, Schellenberg (Der letztere nur geg.n die Dringlich keil), Die Abg. Rau, Knapp, Heydenreich, Eigner aber jur Den Antrag ausgrjpiocheu, wurde Dieter mit 14 Ll iumeli ue- gen 7 (Metzler, Cramer, Haldry, Göd.k., Reich- manu, Ruit man ii, Schellenberg) angenommen, Wir werben die DiSrujsion ausführlich bring, u.
^ Aus dem Justizamtt Hochheim, 25. Juni.
In dem Dorfe Igstadt muhn w r am oerwiwcueu Fr.llag veinahc ein kleines Brändchen b.komiu.ii, lüd.m ein ruisijchcr Schornstein, welcher an den Dachstuhl angelehnt war, iuw. u« big tu Brand gertetb, und welcher nebenbei so schlecht cou* strnilt war, daß die Hitze an den Seltenwänden durchging und der Rauch bereue allenthalben durch das Dach dampfte. Igstadt besitzl neben Der groß.« Feuerspritze noch eine kleine Handjpiltze, welche bei diesem Vorfälle sich als sehr zw-ckmä« feig erwies; auch zeigte cs sich, als man Den Schornstein eiu- gerissen hatte, daß derselbe in sehr langer Zeit nicht gereinigt worden war, und lctziercS ist gewiß kein 6o4ipliment für den Eamlnfeger tu najerm inne. Die Hanslenie waren im Felde und hatten ihre kleinen Kinder in das Haus eingeschlosse», und diese wären, wenn nicht die Nachbarn zeilig genug die Gefahr bemerkt hätten, bei einem wirklichen Ausbruch deS Feuers wahrs. einlich auf elende Weise um daS Leben gekom- uun. Uiheihdupt findet mau an manchen Orten noch Die verderbliche Gewohnheit, daß die Erlern in das Feld gehe» und ihre Kleinen in Die Spanier kinjch ließe«.
Frankfurt, 28. Juni. Von München ist, wie die „Kasseler Z." berichtet, in vertraulicher Weise die vorläufige Nachricht hier an gelangt, baß man balerischer S.iiS in Fo.ge Der ringegangencn gleichlautenden Noten von Dejl-rieir u D Preußen die in Bamberg zur Sprache gebrachten Bedenken habe fallen lassen und nunmehr zu einem rückball- losen Alsschluß des deutschen Bundes an daS österreichisch- preußische Schutz- und TrntzbÜiidn ß Den baietifren Geiand- le» am Bundestage initumcii werde. Dem Beipi.le Der baicrlschrn Regierung dürften wohl, wie nicht Mehr zu zweifeln steht, auch die übrigen Theiknehmer an den Lämb.rger Beschlüssen folgen.
Durch Beschluß deS Senats vom 20. d. Mts. ist der
Wie die Preußen sonst geworben haben.
Eine urkunvl.che Erzählung.
lSckiluß.)
Junker tanS v. Gundling laß einsam im Thurme, während Happach im Triumph bei drm General-Helc Warschau girrsten Veopold vo» Dessau adgeli.fert und dem preußischen Heere oone W.itcres eiirver tubt wurde. Lerne Klagen blieben unberücksichtigt. Zwar bevankelte man ihn gut, ließ eS ivin au nichts seylen, vielt ab.r ein scharfes Auge am ibn, um seine De ertion zu vermuten. Dazu war Happach in phlegmatisch. Nach unv nach fügte er sich in das Unabänderliche.
Happach hatte längst gelernt, über die gewaltsame Anwerbung gelinder zu urtheilen , als ver arme Junker — noch immer Gesungener in Stolberg war. Im Beginne seiner Hatt sah er mit gelassenem Muthe Tag an Tag verstreichen , ohne daß Vorkehrungen von weiten °" Preußischen Behörden getroffen wurden, ihn frei zu machen. Er vetrachlkie es als das kleinste Uebel bei’m Gelingen seiner Expedition M er beim Abschlusse derselben als Märtyrer zurückgevalten wurde. *r war keinen Augenblick zweifelhaft darüber, daß die Stunde nicht ttrn sei« sonnte, wo er ruhmbedeckt bei seiner Kompagnie erscheinen wurde. Halte er nicht die schwierige Ausgabe in so kurzen Z iträu- jUrn gelöst, wie nur irgend möglich? Daß er selbst vernng ückt war, hatte er weniger sich 'eldst, als den zu frühen Eingriffen des comman- mrendtn dieutenants zu verdanken. Wartete man, seinen Anordnungen ^falgr, bis Frau Brigitta in seiner Begleitung den Happach an das ^>br gelockt hatte, wo der Wagen ausgestellt war, so lüf man keine ^ftabr , die ruhig schlafen en Bürger geweckt zu sehen von dem fürch. glichen Hülferuf. Wir müssen zu Gunsten unsers Helden noch anfüv- daß er es verschmähte, seine Haft durchlügen zu verkürzen. Der Wirth des Gastdows, wo er eingek.hrt war, hatte ihn liebgewonnen. w brillante und noble Ausgleichung seiner Rechnung mochte auch beigetrogen Haben, genug, dieser sonst so sehr patriotisch gesinnte ^,t.Ä"ger schwur ho« und theuer, daß er sich für die Unschuld des ,"^p, gungcn Eitronenhändlers verbürgen zu können glaubte, da " n« bei der Ausführung des Streiches b.i ihm beiunven habe un' f?'"^* als Werber ausgetreten sei. E-st alS Happach um »'Arleen, sei der Citronenhändler hinanSgrstürzt. Eine kleine Una Ä/?'" ^ man in Stolberg geneigt, dieser Ansicht Glauben «tltrauen zu schenken. Hätte der Junker von Gundling die Er
klärung des Wirthes zu seinem Nup.n mrwenoit und mit einiget Gewandtheit eine lügenhafte Zusaium^uüellung erdacht, io wäre er vielleicht ohne Schwierig!.itcn entlassen woitm. Doch war er zu leicht- finnig und zu ruhmiüchtig , um die Ehre fahren zu lassen, die für ihn in dem Gedanken lag, daß.es ihm gelungen war, den großen, schönen Happach wirtlich zu dem prruß.ichen peere abgeliefert zu haben. Er lachte und ei klarte sich selbst für den Haupianfuhrer dieser ganzen Affaire.
Als Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat verging, ohne ihm cie eilevnre Befreiung zu bringen, al.- die Haft strenger wurde, die Verhöre den Coaracter scharfer Inquisition annahincn, als man ihm von der rigorosen Strenge deS Wittenberger Gerichispersonals er< zählte und er aus allen Veransta taugen ersehen konnte, daß sich Sach- fen, unter dessen Jui lsdiriion Stolberg fiano, von ver Geschichte auf das Höchste beleidigt fand, da bereute er ficilich, daß er sich nicht selbst aus einer Ealamitat erlöst hatte, die in Folge ervaltener Bcfc.le seiner Vorgesetzten über ihn vervängt war. Er halte auf die Humanität derselbrn gereütmt, sein Glaube war zu Schanden geworden. Man schien sich nicht darum zu füinmem, daß das Werkzeug ihre: Macht un Elende verkam, während sie doch den Vortheil seiner Hanvlu göweise genossen! Er hatte einer Speciatordre des General-Feldmarschalls genügt, war, als Soldat, dem Subordinalionszwange auf alle Falle unterworfen gewesen und war im Dienste verunglückt. Konnte er nicht Anttrüwe auf Fürsprache machen? Daß die B.fehle mit seinen Neigungen analog waren, daß der Staat von feinem Handstreiche keinen größern Vortheil hatte als einen großen Soldaien, der, den Neigungen des Monarchen zu'vlge, zu den Lurusartikeln der stehenden Heere gerechnet wurde, das änderte die Sache nicht. Hatten sie diesen jun- gen Mann benugt, um der Liebhaberei des Königs zu huldigen, so mußten sie nun auch den Einfluß oeS Königs benutzen, um feine un- angenehme Lage zu bessern. Es geschah aber nichts, um den Junker zu befreien. ES murre nichts versucht, um sein Schicksal zu mildern. Er saß in festem Gewahrsam , zäblie mit Ungeduld die Tage, die sich ihm in der ungewohnten Einsamkeit und Ein»örmigkeit des Lebens zu Jahren ausdehnten, und wartete vergeblich auf seine Befreiung!
Mil dem Beginne deS zweiten Jahres feiner Haft kam daS Erkenntniß des Wittenberger Schöppenstuhls. Junker Hans erhielt vom Gefanqenwärter diese Mittheilung. Er beachtete nicht den trau- rigen Blick, den dieser alte gu't Mann auf seinen jungen Gefangenen heftete, unv brach in einen Jubelruf aus. Endlich, endlich sollte bie#
geistlödtendc Leben auf hören , endlich mußten von feinen Handen vier Hein genommen weiden, rie er seit Jaoresirist trug, ne ihn einem wilden To.ere gleich machten. Des jungen Mannes Brust hob ft d un- ter der Begeisterung eines neiun Gesuols und er legte das Gelübde ab, seine Jugend von nun an eblern Zwecken &u widmen.
Das Gelübde kam zu spät. Das Erk untniß fi l day n aus, daß der Junker HanS von Guiikling die schmipstiwe Strafe des Erhängt- werrens erleiden sollte! Sterb, n - sterben für eine That, ne er auf tbefe«l ausgefüort, sie den im Mai des Lebens, und noch dazu schimpf» lieh Nerven eur« ben Strang! Eine tiefe Bitterkeit nahm Besitz von GttttkliNg s Seele. Doch ergab er sich in sein Schicksal. Er wollte seinen Vorgesetzten zeigen, daß er Muth habe auch zum Tode. Sein Compagn.c-Evef, ter Hauptmann v Voglern , hatte es woh> gewußt, was für einen Ausgang eine Affaire haben sonnte, wozu er den iun» gen , listigen und wagehalsigen Junker coinmantiren mußte. Als d e Sécorte mit dem Burger Happach ohne Gundling von der Erpedition zuruckkam, machte er schleunigst seine Me rung des Unglücks, das tem» fetten wtvenahien war. Man beachtete den Bericht des HanptmannS wenig. Nachdem Monate verstrichen waren, wagte Voglern abermals eine Vorstellung direkt an den Fürsten Leopold von Dessau uno bat, ju Gunsten des Junkers Schritte zu thun. Auch dieses Gesuch blub unberücksichtigt. Erst, als die Nachricht von dem Tovesurtheile deS Wittenberger SchöppenstuvleS zu den hohen Herrn drang, alS selbst der König von diesem Urteile Kenntniß erhielt, welches das Leben seines Unterthanen bedrohte, erst da ließ man sich herab, Stritte zu thun , die dem armen Menschen mindestens das Leben retten sollten. Der König von Preußen. Friedrich ÄilheliN I., bef bl vor allen Dingen rein Unlversiiätsgerichte zu Halle, sich der Angelege «,it anzuneh- nun, da ter Junker Hans, als Sobn eines ProttfforS, unter ter Obervorniundschatt der hallischen Universiiäls-G richte stand, uno verordnete dann, daß man sich an den vabei interessirten Dreovener Hof wenden und das Leben, eventualiter auch die Freideit teo Junkers Gundling erbitten sollte. Der Fürst Leopold von Dessau tbar'm die. ser Angelegenheit jetzt auch was er thun konnte; er formte von Sach- fen die Herausgabe einrO^ So taten, der im Auftrage gehantelt oaite, unt bot Saliöfactton Sachsen zeigte sich nicht abgeneigt, rie Sache Ohne nachhaltigen Groll zu applaniren, glaubte aber allen Ding n rie Auslitterüng teO entführten Burgers Happach zur Bebienguug ein r friedlichen Ausgleichung machen zu muss.n. ES war vreS eine billige unv rechtmäßige Forderung.