ernte hervorgeboben, daß seine Regierung daS katholische Kirchengut nie in irgend einer Weise angetastet, oder durch ihren Verwaltungsmodus nach dem Beispiele der meisten anderen deutschen Staaten verkürzt habe, obgleich ihr der Reichsdepu- tationsbauptschluß vom 25. Februar 1803 den günstigsten Anlaß schon früher dazu geboten habe." Sie fügt die Bemerkung hinzu: „Man wird diese strenge Gerechtigkeitsliebe gebübrend anerkennen." — Hierzu wird eS nun wohl schwerlich kommen, indem diese noch so starke Accentuirung den überall durch Zahlen bewiesenen Thatbestand nicht zu alteriren vermag. Es zeigt aber die Bemerkung von der bcklagens- wertdesten Unkenntniß des eigentlichen Gegenstandes der Con- troverse in Baden, welchen der edelmütbige Erzbischof als treuer Oberbirt seiner ihm von Gott anvertrauten Heerde nicht langer fortöesteben lassen durfte, und gleich dem großen Bekenner Clemens August Freiheit und Leben einzusetzen bereit war, um der Kirche ihre ureigenen Rechte zu vindicireu. Die Staatsomnipotenz hat den ehrlich gemeinten §. 63 jenes Hauptschlusfes, wonach „jeder Religion der Besitz und unge' störte Genuß ihres eigenthümlichen Kirchengutes und Schnl- fonds verbleiben soll", diplomatisch dahin ausgclcgt, daß ihr die Verwaltung gebühre, hat diese dann unter drei vielbändige Behörden vertheilt, als da find: Oberkirchenrath, KreiSregie- rnng und Ortskirchenvorstand, welche sich des gefährlichsten Rechnungscommunismus, wie erwiesen vorliegt, schuldig gemacht haben. Das dem Erzbischof gesetzlich zugestandene Mitauffichtsrecht war darauf beschränkt, daß demselben ein Ausweis über Einnahme, Ausgabe und das Vermögen unter der Verwaltung deS resp. KirchenratheS stehenden Fonds" mitgelheilt wurde. Nach einer solchen im Jahre 1825 dem Erzbischöfe eingereichten Uebersicht pro 1850 betrug der Ausfall 67,731 fl. 37 kr., ohne daß ersichtlich gewesen, wodurch das Deficit entstanden. Eben darum hat der Episcopat der oberrheinischen Kirchenprovinz mit Recht beklagt, daß die Verwaltung des Kirchenvermögens eine Umkehr aller Rechtsbegriffe über das Eigenthum sei, und diese Klage ist namentlich in Baden seit der unglücklichen Kirchenverordnung vom Jahre 1830 laut geworden. Weit entfernt, sich rühmen zu dürfen, in Beeinträchtigung der Kirche hinter anderen Staaten noch zurückgeblieben zu sein, hätte Graf Leiningen einen Theil des auf seiner Re ierung schwer lastenden Vorwurfes der größten Undankbarkeit gegen die Kirche auf sich genommen, indem nach Klüber'S Angabe der Staat durch die Säkularisation von 1803 der Kirche 1719 Geviertmcilen Landes und ein Capital von 420 Millionen Gulden entzogen, trotz alledem seine Hände nach dem zur Sustentation des kirchlichen Haushaltes Nothwendigem immer noch gierig ausgestreckt hat. Weg, mit dem Oberkirchenrath, weg mit den KiichcnrechnungSkammern in den Kreisregierungen, weg mit den Ortskirchenvorständen, die den Pfarrern die Kerzen und die Hostien für den Altar- dienst vorzählen, so wird man, wie in Baden, so auch in Rom sagen: mag der Staat eine Aufsichtsbehörde hinstellen, die da zusehe, dich. wirklich das- Vermögen der Kirche und Schule zu deren geheiligten Zwecken verwendet werde. Ju den erzbischöflichen Betriebsplan darf die Regierung in keiner Weise eingreifen; die Kirche ist Herrin ihres Vermögens und sie hat in dem Bischöfe sich selbst den Verwalter bestellt. Unter allen Corporationen im Staate ist die Kirche, ein Hort der bürgerlichen Gesellschaft, die alleruneigennützigste, da sie nur für ihrer Angehörigen zeitliches und ewiges Wohl bedacht ist, während alle andere mehr oder minder für ihren Beutel speculiren. Merkwürdig, daß nur sie von der widerrechtlichen Staatsanmaßungen betroffen wird, ihr Eigenthum nicht selbstständig verwalten zu sollen. Wenn Graf Leiningen die Gerechtigkeit deS Administrationsmodus so sehr betheuert, möge er doch bedenken, daß seine Regierung nichts besser thun kann, als der Kirche die selbstständige Verwaltung ihres Eigenthums zu belasten, um sich gegen jeden Vorwurf sicher zu stellen. So die „D. Vh."
Nach Berichten der „D. VH." aus Rom ist Graf Leiningen von der Nachricht über die letzten Vorgänge in Baden aus's Tiefste betroffen worden, und, wie dem gut unterrichteten „Univers" aus Rom geschrieben wird, hätte sich sogar ;
besten Secretär über daS tolle Benehmen der Bureaukratie in Baden sehr beklagt. Graf Thingen, der Katholik und bis jetzt als ein Ehrenmann bekan t ist, dürfte sehr gut wissen, daß durch Drohungen und Einschüchterungen vom Heil. Stuhle nichts zu erlangen ist.
Das militärische Einschreiten gegen die „clericale Partei" im badischen Odenwalde scheint von kräftiger und rascher Wirkung" gewesen zu sein, denn die Einlegung von Execu- tionSmannschaften soll in den nächsten Tagen aufhören und das Bataillon Weber vordersamst in Wertheim und Mosbach eincasernirt werden. Es ist dieß bei der bekannten Armuth des Odenwaldes sehr zu wünschen.
München, 17. Juni. Der apostolische Nuntius am königl. bayrischen Hofe, Msgn. di Lucca überbrachte vor eini- gen Tagen Herrn Prof. v. Liebig das Diplom der päpstlichen Akademie der Wisienschasten dei nuovi Lincei, welche denselben zu einem ihrer fünfzig corrcspondirenden Mitglieder ernannt hat.
München, 21. Juni. Die Antwort Oesterreichs und Preußens auf die in Bamberg vereinbarte Note ist eingetrof- sen. Nach der „N. M. Z." sind die Zeitungsnachrichten, daß Meinungsverschiedenheiten zwischen Oesterreich, Preußen und den in Bamberg vertretenen Staaten beständen, völlig unbegründet; beide deutsche Großmächte haben nichts dagegen, die Convention vom 20. April beim Bundestage einzubringen und die Anschlußfrage durch das deutsche Centralorgan behandeln zu lassen
In Rheinhardsbrunn bri Gotha waren am 16., wie dem Fr. J. geschrieben w'rd, die Directoren fast sämmtlicher mitteldeutscher Eisenbahnen zu einer Conferenz versammelt, um den internationalen Verkehr. fördernde Verabredungen zu treffen.
Hannover, 18. Juni. Die Bürg er wehr wird in diesen Tagen neue Waffen erhalten. Die Angelegenheit ist geordnet, und die Bürgerwehr wird demnach fortbestehen.
Berlin, 20. Juni. Wie wir hören, beabsichtigt der König von Portugal Maj. auch dem diesseitigen königlichen Hofe einen Besuch abzustatten. — Das „Correspondenz- Bureau" läßt sich versichern, eS sei bereits entschieden, daß Hr. v. Usedom nicht wieder auf den Gesandtschaftsposten in Rom zurückkehrt. Wir dürfen versichern, daß bisher darüber noch nichts entschieden ist.
Was die Ant wrt des Kaisers von Rußland auf die von Preußen unterstützte Note des österreichischen Cabinets vom 3. Juni betrifft, so glaubt die „Zeit", daß der Kaiser auf die Forderung Oesterreichs und Preußens insofern eingehen, daß die Feststellung einer Demarkationslinie und eines Waffenstillstandes verlangt werden wird. Während des Waffenstillstandes sollen Verhandlungen mit den Westmächten angeknüpft werden, deren Ziel dahin gerichtet sein soll, daß mit Zurückgeben der russischen Truppen gleichzeitig von den Westmächten Garantien wegen der Entfernung der englischen und frcuMsifcken Truppen und Flotten von dem türkischen Gebiete gegeben werden. ?Die Vermittlerrolle bei diesen Unterhandlungen soll Preußen zugedacht sein.
In den Zeitungen beginnen Plänkeleien gegen einzelne unserer positiven Prediger, welche ;fl$ von der Kanzel herab sehr energisch gegen die Westmächte und für Rußland ausgesprochen haben. Hofprediger Krummacher und Superintendent Sander aus Elberfeld, der zu der jüngsten Pastoralconferenz hierhergekommen war, werden besonders angegriffen. — Der königl. preußische Militärbevollmächtigte Graf Münster-Mein- Höfel und der kaiserliche Generaladjutant v. Grunwald haben St. Petersburg verlassen, um Se. M. den König an der preußisch-russischen Grenze zu begrüßen. Man behauptete in diesen Tagen wieder mit vieler Bestimmtheit, der Kaiser von Rußland werde sich selbst an die russische Grenze begebeu und hier eine Zusammenkunft mit dem König haben.
Die neue preußische Anleihe soll, wie wohl früher in der Absicht gelegen, nicht nur Banquiers, sondern mittelst einer Eröffnung von Subscriptionen, für welche die Listen bei verschiedenen Behörden auSgelegt werden sollen, realistrt werden.
Auch soll von dem durch die Kammern bewilligten Credit d, 30 Millionen Thaler vorläufig nur die Hälfte zu 94 Prozei, und zu 4% Prozent Zinsen flüssig gemacht werden. DieEi,, < zeichnungen dürften schon am 1. Juli d. J. beginnen. ;
Der hiesige sehr bedeutende Wollmarkt geht seinem Ende i entgegen. Das Geschäft war äußerst lebhaft und rasch. %, ' Sonntag Morgen in der kurzen Zeit bis zum Anfang bej ! Gottesdienstes (9 Uhr) waren für circa 50,000 Thlr. Woll verkauft. ;,
Die griechische Angelegenheit soll namentlich dem hiesigen » Cabinet noch viele Schwierigkeiten bereite». Der gegenwärtig: « diesseitige Gesandte in Athen, Herr v. Thile, welcher für bf. . Gesandtschaftsposten in Neapel bestimmt gewesen sein soll, i^ n wie es heißt, auf den Wunsch des Königs Otto in Griechen- r land belassen worden. Letzterer soll Herrn v. Thile viel 23» ■
trauen schenken.
Wien, 18. Juni. Es wurde berichtet, „daß Seitens der französischen Regierung dem dieffeitigen Cabinet eine Rost übergeben worden ist, in welcher erklärt wird, daß dieselbe jedem Versuch, die orientaliche Frage zu nationalen Demon- strationen zu benutzen, entgegen treten würde." Eine ähnliche Note ist nun auch, wie man der „D. Allg. Z." schreibt, bon Seiten des englischen Cabinets überreicht worden.
Nach der „B. H." hat eine nicht unbeträchtliche Anzahl österreichischer Kaufleute am 16. die Erlaubniß von der Hiefi. gen Regierung erhalten, für das anglo-fränkische Auziliar- Corps in der Türkei die Lieferungen von Lebensmitteln nach Gallipoli hin zu übernehmen. — Der „Bresl. Ztg." wird
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gemeldet, daß mit Schlachtvieh - Lieferanten , von denen der ^ größte Theil aus Galizieu und der Bukowina flammen, Ver- k§ träge auf 25,000 Stück Ochsen abge flossen sein sollen, welche auf dem Landwege über Semlin und Widdin ihrer Bestimmung zugeführt werden würden. -
Aus Brody, 14. Juni, wird dem Lloyd geschrieben! Die Ausfuhr von Pferden, Horn- und Borstenvieh ausRnß! land nach Oesterreich ist gestern an unserer Grenze verkostn und unsere Stadt somit um eine nahmhafte Erwerbs- und Nahrungsquelle gebracht worden. — Ich erfahre nachträglich, daß die in Volhynien und Podolien ausgehobenen und mit Sensen versehenen Bauern lediglich die Bestimmung haben, die aus den Militärcolonien zum Kriegsdienste einberufenen Leute in der Feldarbeit zu ersetzen, damit ihr Boden nicht unbebaut und der Ertrag verloren bleibe. Bauernfamilien, die blos Ein männliches Glied zählen, werden von dieser eigenthümlichen, übrigens ziemlich gerechtfertigten Recrulirung verschont. — Den jüdischen Gemeinden in Rußland ist bedeutet worden, keine Gebete mehr für daS Glück der russischen Waffen zu verrichten. Die Regierung scheint kein großes Vertrauen in die Aufrichtigkeit der anbefohlenen Gebete eines Volkes zu setzen, das sich in jenem Lande eben keiner großen Begünstigung erfreut.
Ueber die r uss i sch cn Trupp e n b ewe g ungen lang» der östtkreichischen Grenzen, vernimmt man noch fol» gendes. Nachrichten aus Belz vom 26. Mai zufolge steht ein russisches Corps in der Stärke von etwa 50,000 Mann vom Bugflusse bis an die Weichsel; von Zamosk und Krylow an-'
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gefangen sind auf jede Viertelmeile Allarmstangen angebracht, wobei mehrere Männer beständig Wache halten. Auch auS Chmiclow wird bestätigt, daß sich Truppenmassen bei ZamoSk
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zufammeuziehen ; bei Pulawy an der Weichsel und Czenstochau an»der Eisenbahn werden Hauptmagazine errichtet nnb starke ^ Theuerung macht sich in dortiger Gegend fühlbar. In und um TomaSzow soll ein Jägerregiment unter General Korni- lowic und auch ein Brigadestab (Seneral Adlerberg) liegen, in Sliatyn, Chodiwance und Tarezvw (Ubnow gegenüber) sind Abtheilungen des neunten Infanterieregiments Jegierski 5 bis 10 Mann in einem Hause einquartiert; die Angaben über die Stärke dieses CorpS variiren von 20,000 bis 30,000 Mann und noch mehr. Meldungen aus ZbaraSz und Pvb- woloszycka sprechen von zwei am 8. d. M. zu Krzemieniec Podolski eingersuften Kosakenregimentern. Bei Hotyn werden außer der bereits fertigen Brücke über den Dnister noch?®«^ andere errichtet. An Verschanzungen bei dem Städtchen Zwa«
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men, fragte mit der größten Ruhe und Freundlichkeit: „Till geht fort ? DaS thut mir leid, jedesmal freute .es mich, wenn ich auf meinen Spaziergängen zufällig ihr Rosengeficht sah."
Der Rentmeister aber sagte, vielleicht nur um etwas zu sagen, denn die übermäßige Unbefangenheit dtrGräfin hatte uns alle befangen ge macht: „Ich habe gehört, cs seien von jeher unten in der Schloßmühle fo schöne Töchter gewesen."
„Ja leider", verletzte ernst die Gräfin. Dies „Leider" konnten wir durchaus nicht mit ihrer ersten Aeußerung reimen und später erst sollte uns Die Aufklärung werden.
Nach Ti'che kam Graf Eckhard, der Bruder der Gräfin, und theilte ihr die frohe Nachricht seiner Verlobung mit einem ihr persönlich be. freundeten liebenswürdigen Mädchen mit. Sie nahm die Kunde sichtlich erfreut, aber mit ihrer gewöhnlichen Ruhe und Ernsthaftigkeit auf. Selbst bei den fröhlichsten Anlässen habe ich sie nie na v Fraueuwcisc aufgeregt und heiter plaudern geleben. Hätte ich nicht bei allem den maßlosen Hochmuth und Familienstolz durchschimmern sehen, ich hätte sie um dieses Ernstes und dieser Ruhe willen wie eine halbe Gottheit verehrt.
Den Nachmittag brachte das Geschwisterpaar miteinander meistens allein zu, der Graf wurde von einer gewissen Unruhe getrieben und hielt nirgeneS lange Stich. Ich schrieb Diese Beweglichkeit seiner Furcht, Till zu verlieren, zu. Beim Thee erschien er gerade nur, um eine Tasse zu schlürfen und entfernte sich dann sogleich, um erst beim Nachtessen wieder zu erscheinen, und auch da, nachdem er den letzten Biffen in den Mund gesteckt, stand er wieder von der Tafel auf, indem er bei seinem Schwager Geschäfte, die nicht aufzuschieben seien, vorschützte.
(gortfrUunfl folgt )
A Die Frohnleichnamsprocession zu Limburg.
Das Hochamt ist zu Ende — aus dem weitgeöffneten EingangS- thor der Domkirche strömen die Schaaren der Andächtigen, um sich draußen auf dem geräumigen Kirchplatze zu dem großartigen Geleite, das man dem „König voll der Ehren" auf seinem Umzuge durch die Straßen der Stadt und ihrer nächsten Umgebung geben will, zu ordnen. Schon während des Gottesdienstes haben sich Hunderte von frommen Wallern, die verhindert waren, dem feierlichen Hochamte betzuwohnen, vor den Hallen des Domes eingefunden. Hoch am blauen,
klaren Firmamente strahlt die goldene Sonne und stimmt das andächtige Herz des Beters, das die wegen der ungünstigen Witterung er« felgte Verlegung des Jubelzuges vom Frohnletchnamstage auf den darauf folgenden Sountag mit banger Kümmerniß erfüllt hatte, zum Danke gegen den Höchsten.
Die männliche Jugend, wehende, blumengezierte Fahnen an der Spitze, hat sich in Reipen ausgestellt und setzt sich unter der Aufsicht ihrer Lehrer in Bewegung. Ihr folgen die Jünglinge mit ihren Van- nerträgern, aus frischer Brust ein Loblied zu Ehren des Heilandes beginnend. Mehrere Innungen, die der Bauhanvwerker voran, schließen sich ihnen an; feierlich und ernst schauen die Bildnisse der heiligen Schutzpatrone der Gewerke, die auf den Jnnungsfahnen prangen und von den jüngeren Handwerksmeistern getragen werden, auf die Schutzbefohlenen hernieder. Abwechselnd mit den heiligen Gesängen der Waller ertönen die harmonisch-crnsten Choralmelovien des städtischen Mulikvereines, der nunmehr an uns vorüberzieht. Ihm folgt Der Domchor, dessen Mitglieder je zu drei sich unter ihrer stolzen Vereinsfahne gesammelt haben. Nach ihm kommen die Mit- gliceer des Jünglingsbundes ebenfalls unter eigenem Banner, an welche sich wieder einige Zünfte anschließen.
Zwei lange Reihen weißgekleideter, junger Mädchen, Lilien — das Symbol der Unschuld — in een kleinen Händen tragend und von einigen Ordensschwestern geleitet, zeigen sich nunmehr vor unseren Augen und füllen unser Herz mit woplthuender Erinnerung an die goldene Kinderzeit, da das Wort des Psalmisten auch von uns noch gelten konnte: „Von den Lippen der Unmündigen hast du dein Lob bereitet, o Herr!" Ihnen folgen eine Schaar schon etwas älterer Mädchen, ebenfalls in weißen Kleidern und mit Kränzen im Haar; sie tragen zierlich gearbeitete Körbchen, aus denen sie den Weg des Herrn mV Blumen bestreuen.
Das Klingen der Glöckchen kündigt uns das Nahen des Allerheiligsten. Die Fahnen der Bäckcrzünft mit dem Bildnisse behelligen FranziScus, der gewürdigt wurde, die Schmerzen des Gekreu- zigten zu empfinden, wehen nach altem Herkommen an der Spitze der unmittelbaren Begleitung des hochwürdigsten Gutes. Es folgen die Stanbartenträger mit dem Geleuchte, sogenannt von den Kerzen, weicheauf vcu mit hohen, von Holz geschnitzten Statuen der Heiligen ver. zierten Stangen brennen. Eine Anzahl Chorknaben, die Rauchfaß und Glöckchen tragen, schreiten dem hochwürdigen CleruS voran, dessen Mitglieder zum Theile unmittelbar vor dem Baldachin gehen, zum
Theile unter demselben ihre Stelle gefunden haben. Langsam unv würdevoll schreitet der Priester, der Die werthvolle Monstranz mit dem Sanctissimum trägt, unter dem schützenden Gezelte einher, dessen von vier Meistern, des Woüwebcrhandwerkee getragen wird. Mitglieder der städtischen Behörden mit brennenden Kerzen frage die Enden des priesterlichen Gewandes. Dicht hinter ibm eldlm wir den hochwürdigsten Herrn Bischof im Festornate. Die »orig Glieder des Gemeindcvorstandes und einige andere Notable, brennende Kerzen tragend, schließen sich dem Clerus an. Ann w g die nach übrigen Innungen mit ihren Fahnen; hinter ihnen rEn die Bundesjungfrauen, Die Brust mit dem blauen VcreinSdauve 8 zierl, den bei Weitem zahlreicheren Zug der andächtigen Malaien u Frauen, welche in unübersehbaren Reihen die Procession fcbliesen.
Die Straßen, durch welche der Zug sich bewegte, haben ihren o i schmuck angelegt. Wald und Flur hatten dazu beitragen müssen, sen Frcudentag zu verherrlichen. Grüne Baumzweige ichmückien
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Häuser und bildeten einen kühlen, schattigen Laubgang. Langvew £ pelte Fahnen, die bis zu dem Erdgeschoß hernieder hingen, wehte li, den Dächern und deuteten dem Zuge seine Richtung an; die o ' n aber zierten buntgewirkte Teppiche und finnige Bilder Ehrm „ seiner Heiligen. Von den vor den Hausthüren errichteten, uno ^ Blumen, Bildern und Teppichen von frommen Händen ausgelwm . Altären stiegen dichte Weihrauchwolken zum klaren Hiniinel en o das geschnitzte Bildniß des Gekreuzigten, von zwei brennenden o umgeben, verzierte den Hintergrund der Dankaltärc. Die Strafe mit duftendem Laub- und Blumenwerk bestreut. Die
Unterdessen ist der Zug auf dem Kornmarkte angefoininei • Reihen ordnen sich zur Seite und bereiten der Begleitung °- ^
würdigsten Gutes eine breite Bahn. Der Baldachin senkt u a. Priester tritt hervor und stellt das Vcnerabtle auf dem Mit i Kunst errichteten Altare nieder. Mit lauter Stimme singt ei» l Geistlicher das Evangelium und einige Gebete. Nach n. — wird der Segen gespendet - der Priester «^ebt dw Monn die fromme Menge sinkt auf die Kniee. Die "^-jffe brüt' fromme Kinderhände streuen Blumen und mächtige Boucncy i A- gen der Stadt und Umgegend Kunde von der heiligen Lobge«
genospendung. Die andächtige Schaar erhebt sich, v» tro» ^ j„
sänge erschallen von Neuem und die Prozession '»isuwfsplätz, Bewegung. Weiter geht es 'urch die Barfüßergasse, den -o ^^( die Vorstadt, über eine der städtischen Promenaden, die
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