-MMMS! Aassamsche Allgemeine Zeitung
tritt llunijtn nehnien an ,n Wiesbaden tie Trpeditl»» (Wien. ^ncMhb’iéc Kachhaneiinig, "anggaff Rr 42) auSNiiliS alle P»gons!^Il-n — Inseeaie: 6.e »irr» fpastige }l«;Hjfilf oder tritn Kaum 3 lr.
Wiesbaden. 1854.
Nr. 144.
Donnerstag, 22 Juni.
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Bestellungen uns das dritte G aartal der Nassauischen Allgenieinm Zeitung werden baldigst erbeten.
jlt das „Herzoglich Nassauische allgemeine Llltelligenzblatt" wirklich das Vrgau der
Herzoglich Nassauischen Aegierung'k
DäS genannie Blatt war bisher nur zu obrigkeitlichen Bekanntmachungen bestimmt. Seit dem 10. L M. öffnet das- selbe aber ein « 5 bcil seiner Spalten auch publicistischen Mittheilungen anderer Art. Insbesondere stellt es sich, dem Pro- spectus gemäß, die Ausgabe, „einseitige und schiefe oder ganz und gar entstellte Darstellungen Nassauischer Zustände und Vorkommnisse in der in- und ausländischen Presse zu berichtige n" ; ferner sollen „allgemeine L a n d e s a n gelegen heilen, oder auch folge, die nur ein mehr ö > l- licheS Interesse begtzen, in den Spalten des Anwütgenzblatts eine Erörterung finden, die ihren Standpunct über den Parteien nimmt, und der es in ruhiger, gründlicher Abwägung des Für und Wider einzig um die Ermittelung der Wahrheit zu thun ist"; daneben soll „eine Nassauische Chronik durchlaufen" und damit „ein Nekrolog verbunden sein"; es sollen darin „statistische Mittheilungen, aus officieUcn Quellen geschöpft, ihre Stelle, volkSwirthschaftliche Fragen eine gründliche Besprechung finden"; „während so der Gegenwart in dem In elligenzblatl Rechnung getragen werden", und jeder, „dem eine wahrhaft auserbaueude Thätigkeit edlerer Art Bedürfniß ist", einen weiten Kreis für solche sich eröffnet sehen soll, darf auch die Vergangenheit eine aufmerksame Beachtung ansprechen, wobei insbesondere hingewiesen wird, auf die ges chichtl i chen D e n k mä ler des Landes kB kurz, das Nassauische Jntelligenzblatt soll sich „immer mehr zu einem wahrhaft gemeinnützigen Landesorgane aus- und heran- bilden."
Die Redaction ist dem Bibliothekfecretär Ebenau übertragen, welcher für den Inhalt aller von keiner Behörde unterzeichneten Aufsätze allein verantwortlich sein will. Da jedoch daS Blatt unter den Augen und in Auftrag der Regierung erscheint, auch als amtliches Organ von allen öffentlichen Behörden und Gemeinden ge basten werden muß; so ist die Regierung wohl nicht in der Lage, irgend eine Verantwortlichkeit für den Inhalt des Blattes kein Redacteur allein Hinweisen zu können, vielmehr wird sic dieselbe im vollsten Maaße stets selbst tragen müssen.
-.^Niemand kann der Regierung das Recht bestreiten, sich ein solches Organ, wie das oben angekündigte, zu gründen. Es verdient vielmehr alle Anerkennung, daß sie durch eine solche Maßregel nicht nur das Gewicht, welches sie der Presse beilegt, sondern auch den Grundsatz, Fehler der Presse statt der Gewalt durch die Presse selbst zu bekämpfen, offen auS- spricht. Nur das ist hierbei nicht zu billigen, wenn ein solches Organ den Gemeinden und ander» Lesern fortwährend aufgedrungen werden soll; das ist- keine würdige Gleichheit der Waffen, und bei widerwilligen Abnehmern wird dennoch das Blatt nicht einmal seinen Zweck erreichen.
Von den bisher erschienenen Nummern des neuen Lan - desvrgancs brachte die erste (Nro. 23) neben einem abgeänderten weitläufigen PeospectuS uns' daS Gcständniß des Redacteurs , daß er die Redaction im Gefühl der Unzulänglichkeit seiner Kräfte nie aus eigenem Antrieb übernommen haben wurde , sich derselben nur i n höherem Auftrag unterziehe , auch fürchte, keine Uebung und vielleicht eben so wenig Geschick dazu mitzubriuzen, übrigens stets Farbe her saunt und sich den logischen Zusammenhang, die Continuilat
Die Kegelbahn.
Erzählung Von Stevin Schücking.
^vnseeuuk.)
So lange ich im Schlosse weilte, dieß es immer, es spuke tarin. Der Graf uno wir Alle bis zum letzten Stallbubcii fürchteten und n ie» den die verrufenen Orte aus's Acugerste, nur ric Gräfin allein hörte und sprach ohne Schauer von tiefen Erscheinung.'», teren ihr selbst je» doch nie eine begegnet war.
„Ich kann mir nichts Tröstlicheres denken, als den Glauben an Geister", sagte sie. „Gibt eS denn eine bessere Bürgschaft der Fort- dauer der Seele und ist die Ueberzeugung dieser Fortdauer denn nicht das höchste Glück, der beste Trost der Menschheit?"
, Von ihrem Tode sprach sie ohne jeoe Scheu, und der Gras sagte schmal: „Wer Sie so rceen hörte, sollte meinen, es fei eine hundert- Wige lebensmüde Frau, welche spreche."
. i/3$ bin nicht lebensmüde", sagte sie, „aber auch nie jung gelte« habe nie das Glück, nie die Freuden unb Verlangen der Jugend fletannt. In meiner Brust lebt das Gefühl, als sei >P zu einem un» ussprechlich ernsten Zweck in's Leben berufen, so ernst, daß alle Hei- r kern bleiben müsse."
„Was denken Sic sich renn unter dieser großen Lebensaufgabe?' l etwas ironisch ihr Gemahl.
dan^^ !agtc aber ruhig wie immer: „Ich habe nicht die lei este Ahnung
' zu was mich das Schicksal noch brauchen wird, aber Eines läge ich xncy, etwas Heiteres, Fröhliches wird cs nicht sein uno meine «utgabe wssv mir das Leben kosten, bad fühle ich. Bis jetzt bin ich ssmand und nirgends nützlich gewesen; der Himmel spart alle meine ^'"lte für einen großen Zweck auf — braucht er sie aber einmal, dann sehen sie zu Ende in der Ausübung meines Berufes."
hm K.lnanCl v"" uns konnte diese von der Gräfin ausgesprochene Be- ^«upiung mit ihrem übrigen Wesen reimen, und deßhalb frappirte sie ba^opp^' Gräfin Juliane war durchaus weder schwärmerisch, noch o.i ' ”ocb voll Einbildung, sondern in ihrer ganzen Auffassung des ns und Der Menschen durchaus nüchtern, trocken und berechnend. R, Xfr ®raf verlachte sie und vergaß in der nächsten Stunde, waö Kö td> aber schrieb noch an demselben Abend ihre mir sehr merk- WDtgen prophetischen Worte tn mein Gcdenkbnch
«w nicht nur im Schlosse selbst wollte man allerlei Spnke bemer
im Denken zu bewahren gewußt habe. Dann folgten zwei Artikel über die Bäder deS Herzogthums, worin Sachkundige eine hinlänglich objective Darsss klung vermißt haben; die Tendenz irat doch allzu norerschlciert hervor. Indessen waren dieses Tacklofigkeiten, weich, man der Uugeübtheit des sö Plötz lich ch fiten »Men Redacteur - zu gut halten Vochie. Eine öffentliche WfMchuua d-s neuen „L a N d e s o r g a !' s" war dadurch nicht gebeten.
Aber ganz anders gestaltet sich die Sache in der neuesten Nro. (27) des Herzoglich N ff. aQg. Jntelltgenzblattes vom 20. Juni. Dieses bringt zwu Artikel: „Ist der Erz bi schof vonF-reibulg wirkli ch ei n (kein) Uuterthan"? und „Die or a n ische Partei in Nassau, welche zwar an sich höchst iinbebcutenb sind, aber durch das $Mt, worin sie stehen, höchst bedeutungsvoll werden. Die Mittelrh. Z. (Nro. 145) nennt beide Artikel „gut geschrieben" und verhehlt auch nicht ihre Uebereinstimmung mit dem Inhalte derselben; „in dem letzteren", sagt sie, „wird die Existenz einer solchen Partei, wie schon mehrmals von unserer Seite, als eine Fiction der U l tr a m o n lau e n bezeichnet, in dem ersteren wird nach- gewiesen, daß die Kirche keinen Staat im Staate bilden könne und dürfe." In der That hätten beide Artikel füglich in der. Mittelrh. Z. orer in dem Rheingauer Bürgerfrennb erscheinen können, so sehr entsprechen sie der der katholischen Kirche feiudtichen Tendenz dieser, wie aller andern demokratische» Blätter. Hierdurch wird eS aber auch plötzlich offenbar, wie das neue sg. Laiidesorga» falsche Darstellungen Nassauischer Zustände berichtigt, wie es leinen Standpunkt über den Parteien nimmt, wie es ihm einzig um ruhige, gründliche Ermittelung der Wahrheit zu thun, wie ihm eine wahrhaft auferbauende Thätigkeit edlerer Art Bedürfniß ist!
Nothwendig muß man nun fragen! ist der in Nr. 27 des Herzoglich Nassauischen allgemeinen Mtelligenzblatts der katholischen Kirche gegenüber eingenommene Standpunkt wirklich auch der Standpunkt der Nassauischen Regierung? und ist er dieses namentlich gerade zu der Zeit, wo Seine Hoheit der Herzog b es chl offen haben, wegen des Kirch en c o u sl i ctcs mit dem Papste zu unterhandeln und inzwischen die Temporaliensperre auszuhebeu. Wohl erhoben sich gegen bu^n höchsten Beschluß alsbald heftig tadelnde Stimmen in nieder» und höhem Kreisen, aber Niemand konnte glauben daß man es wagen würde, der Erreichung des Höchsten Ortes beschlossenen Zweckes irgeno- wie Hindernisse in den Weg zu legen, daß man es wagen würde, zu derselben Zeit, ja an demselben Tage,, an welchem ein Bevollmächtigter S r. Hoheit des Herzogs zur Unterhandlung mit dem Papste von hier nach Rom abgeht, in dem Nassauischen Regierungsorgan zwei Artikel aufzu- nehmkn, welche von den gehässigsten Schmähungen gegen die katholische Kirche und von Aufreizung d c s Protestantismus gegen dieselbe strotzen.
Gedenkt etwa der hier seine Farbe offen genug bekennende Redacteur, die Nassauischen Katholiken für ihre Regierung zu gewinnen? oder den religiösen Frieden im Lande zu befestigen ? oder die bevorstehende Unterhandlungen mit dem Papste zu fördern? Alle diese Fragen kann man vernünftiger Weise nur verneinen. Man darf deßhalb nicht voraussetzen, d i e Nassauische Regierung stehe, den edlen höchsten Absichten entgegen, auf einem so feindlichen Standpunkt gegen die katholische Kirche. Man muß vielmehr vorerst wohl annehmen, es habe sich nur
ken, auch im Schloßgarten und zwar auf Der Kegelbahn, behauptete man, trieben die Geister ihr Wesen.
Diese Kegelbahn war riegefwleffen zwischen zwei hohen dichten Tarnswänden und lag, ein paar hundert wchrittc von der Tcraffc entfernt, mitten in einem dichten BoSkct, welches ater wie der ganze Garten im steifen alifranzöfffchen Sthle angelegt uns beschnitten war.
Auf tiefer Kegelbahn wollten nun Biclc im Schlosse um Mitternacht , zur Sommerzeit, Kugelroilc» und Kogel Umfallen gehört baden, uns Die Sage ging, daß Graf Bruno, Per IkgrojkaLr reö Gräfin Peter, der ein sehr wüstes Leben geführt, dort mit feinen Gesellen feinem Licblinzsspiele, dem Kegelschieben, obliege. Hätte Die Gräfin an Gespensterfurcht gelitten, io würde ich Dieser Ursache ih:e Abneigung vor ihres Gemahls Jkgebpiel zugeschricben haben; denn mir selbst war es unangenehm, wenn ich Nachmittags dies dröhnende Rollen vernahm, und mahnte cd mich im.mei an das nächtliche Gespenster spiel, wovon ich selbst aber bisher nie etwas gehört.
Das Bildiust eed mitternächtlichen Kegelfpielers, des Grafen Bruno, hing im Speuscsaaie, und hug eine ungewöhnliche Aehnlichkeit mit Graf Peter zur Schau; er konnte cs für sein eigenes Portrait aus. geben, wenn er wollte; auf diese Aehniichkctt als einen Bewers des reinen Blutes in feinen Aver» war er sehr stolz, und nahm durchaus keinen Anstoß daran, daß der Ahn , Dessen Züge er trug, der liederlichste und gewissenloseste Der ganzen Reihe war.
Ich habe schon früher erwähnt, baß Der Graf immer von seinen Liebschaften und Abenteuern reden machte. Er war nicht geracezn prin- cipiell laste-Haft, aber recht leichtsinniger und sinnlicher Natur. Seit einiger Zeit sprach man im Schlosse davon, daß er jitzt : ie schöne Miillcrotochtcr verfolge, Deren Vater Die Schloßmühle gepachtet hatte. Diese Müllcrotochter, — Ottilie hieß sie, wurde aber nach Üanbcd» fitte Tili gerufen - war wirklich ein ungewöhnlich reizendes Mauchen. Auch war sic wohl erzogen, Denn ihr Vater baue sie mehrere Jahre im Hause eines ihm veiwandten Geistliche» gelassen.
_3$ komme nun zu Der ausführlichen Schilderung des Tages, zu dessen Begedeyheiten alles bisher Erzählte den Eingang bildet.
Es wor ein wundervoller Maitag, ich erinnere mich noch bis kleinsten Umstandes jenes ewig denkwürdigen, so entsetzlich endenden TageS! der neunundzwanzigste Mai war cs! Ich saß am frühen Morgen in meinem Zimmer und übersetzte eine Stelle aus Den „Kime“ Tasso's, als leise an meine Thüre gepocht wurde. Ich stand auf, um zu off- nen; zu meinem Erstaunen sehe ich auf ter Schwelle den Muttermei
eine dieser Kirche feindliche Redaction oder vielleicht auch eine durch ihre Erfolge bis zum AwWteleii eincs solchen Trumpfcs kühn gewordene Partei des Negierungsorgans mißbräuchlich für ihre eigenen Zwecke bemächtigt. In wicferne diese Unterstellung richtig sei, wird sich bald genug klar zeigen, denn die Herzogliche Regierung kann schwerlich umhin, die fraglichen Ariikel förmlich zu des- avouiren, wenn sie sich nicht stillschweigend einverstande» da-- mit erklären will.
Einstweilen hat der Abgeordnete Rau in der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer dem — auch von allen unbe. sänge neu Protestanten getheilten — Unwillen über solchen Mißbrauch des RegieruiigSorgans einen entsprechenden Ausdruck gegeben. Eine weitere Beleuchtung der beiden gegen den hochw. Erzbifchof von Freiburg und die katholische Kirche gerichteten Schmähartikel wird in diesen Blättern folgen,
_ Deutschland
Frankfurt, 21. Juni. Heute fand die EinweibiingS- fahrl der nunmehr nach manchen Unterbrechungen glücklich vollendeten Eijenbahnstrecke von hier nach Aschaffenburg statt. Morgen wird die Bahn der allgemeinen Benutzung des Publicums übergeben. Am 1. Juli findet die Eröffnung von Schwkinfurt nach Würzburg statt und bis Octoder wird die ganze Linie von Frankfurt nach München und Leipzig vollendet sein, eine Linie, die gewiß berufen ist, in dem großen internationalen Verkehr Deutschlands eine Haupistelle c,uzu- nehmeu.
Aus Bade», 20. Juni. Die „Karlsr. Ztg." erklärt die Nachricht, „daß, bald nachdem die Nachricht von der Verhaftung des Erzbischofs von Freiburg nach Wien gelangt war, eine energische Note von dort nach Karlsruhe abgegangen sei, welche daS Benehmen der dortigen Regierung in etwas ge- mäßigt haben dürfte", für unrichtig. Sie will Erkundigungen diesfalls eingezogen haben, in Folge welcher sie die obige Versicherung geben kann. Da die „Karlsruher Zeitung" eine bessere Autorität sür ihre Behauptung nicht ayzufübren weiß, io müssen wir vorerst Näheres aus zuverlässigerer Quelle abwarten.
Aus dem badischen Unterrheinkreise 19. Juni wird dem „Schwäbischen Merkur" geschrieben: Gestern wurde in katholischen ein Hirtenbrief d es Er zbischofs von Fre i o urg morgenjen, iu w.t^em der Kkch..tjä«L „Ä-wUcr- maßen" sich vertheidigt über die überall (?!) laut gewordene Aeußerung, als habe er den dem Regenten und dessen Regierung geleisteten Eid gebrochen: eine Aeußerung, welche um so empfindlicher sein müße als sic gerade von guten Katholi- kiken (!) am meisten gehört wird. Zu denjenigen Geistlichen, welche nun diesen Hirtenbrief nicht nur von der Kanzel verlesen, sondern auch denselben mit ,,höchst aufreizender Pre- digt" eingekitet haben, gehört der Caplan Wieser in Heidelberg. Die Folge war, daß er unmittelbar nach der Kirche in das blutige Bezirksstrakgefängniß oder, wie cs in dem Munde des Volkes heißt, in das „Pfarrhaus" in Unter« sm ungShaft abgefüh t wurde. Caplan Wieser ist unbestreitbar einer von den der Regierung mit der größten Hartnäckigkeit widerstrebenden Geistlichen. Es ist nämlich dieses das dritte Mal, daß er wegen derselben Sache in Untersuchung gezogen worden ist.
Zufolge Mittheilung der „Kölnischen Zeitung" aus Rom vom 9. b. MtS. Hat der Graf von Lciningen mit starkem Ac-
ster, TlU's Valer, stehen. Er war im Sonntagsstaat, obgleich cd ein gewöhnlicher Wochentag, ein Mittwoch, war.
„Vergeben Sie, Fräulein", sagte er etwas linkisch, „aber ich hätte -eine Bitte an Sie!'
Ich ließ ihn cintreten, nöthigte ihn zum Sitzen und forderte ihn auf, mir seinen Wunsch zu nennen.
„Es ist wegen der Till! Sie werden gehört haben, unser Herr, der Graf, verfolgt Die Tili auf Schritt und Tritt — ich kann's nicht wehren, wie ich sonst thun wurde, von wegen red schuldigen Respects — und da wollte ich sie gebeten haben, mir doch irgend einen anftän« digen Rath zu geben, wo ich das Mädchen huitbun soll — die Tili hak ein bcsonccres Zutraue» zu Ihnen, unb schickt mich darum her."
Ich besprach nun mit ihm allerlei Pläne für das Mädchen und wir wur en zuletzt einig, daß ich seiner Tochter einen Brief an eine verheiratete Cousine in der Statt mitgeben wolle, die ihr rann eine Stelle als Bonne oder Kainmermäochen verschaffen foMte, Damit sie auf diese Art rem Grafen aus Den Augen und aus Den Gedanke» käme.
Der Müller bedankte sich tausendmal bei mir und zog Dann ab; ich schrieb mzlcich den Brief für feine Tochter, den sie am A eno zur Zeit der Rachttafel, bannt sie Dem Grafen nicht begegne, selbst bei mir abholen sollte, um alsvaun gleich am folgenden Morgen damit abzucciscn.
Ich war kaum mit meinem Briefe fertig, als es zur Mittagstafel läutete, eilig kleidete ich mich an und begab mich in den Späsesaol; die Gräfin war noch nicht Da, wohl aber Der Graf, der mich mit ei» nein spöttischen Lächeln begrüßte.
„Das Fräulein", sagte er zu in Stallmeister, „hat heute Morgen den Besuch eines interessanten Wittwers in ihrem Zimmer empfangen, was sagen Sie dazu, lieber Eiding!"
Der Stallmeister lächelte verlegen, ^ich aber frug ruhig: „Darf man missen , wen Erlaucht einen interessanten Wittwer zu n? nen ge« ruhen ? War es vielleicht Milo, Jor Jagdonnd, dessen für ihn au- Eng and verfehl tebene Gemahlm Dora allerdings vor einiger Zeit bed Todes verblichen?"
Der Graf ab-r sagte stechend: „Kein Hund, sondern ein Müller."
„Ach, Tili's Vater. Ja wohl, er kam nur mich zu fragen, ob ich für seine Tochter keine Bestellung habe, da sie merge. zum Bc-'uch in meine Heimaldstadt abreiß."
Graf Peter biß sich auf die Lipp n und wechselte die Farbe, Gräfin Juliane aber, die unterveß eingetrctcn und meine letzten Worte vcr«