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Wiesbaden. 1854.
Nr. 143.
Mittwoch, 2t Juni.
Bestellungen aus das dritte (Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.
Dentschland.
f* Wiesbaden, 21. Juni. In der Reifen Kammer VUlde gesteri Vormittags über die Differenzpuncte bezüglich der Centralorganisation und über die Reorganisation der Kriegs - schule berathen. Die Verhandlungen wurden des Nachmittags fortgesetzt. Eine Abstimmung über das ganze Gesetz erfolgte noch nicht. — Jm Anfänge der Sitzung beantragte Abg. Rau, die Kammer wolle beschließen, die Herzog!. Regierung zu ersuchen, die provisorischen Gesetze vom 25. November 1851 den beiden Kammern zur ' erfafsungSmâMen Prüfung und Beschlußfassung voizulegen. — Der Antragsteller bemerkte, daß er in dem allgemeinen Ausschuß einen Antrag, die Berathung über die Centralorganisation bis zur erfolgten Re. Vision jener Gesetze auszusetzen, angekündigt habe, daß er es jedoch nunmehr vorziehe, einen selbstständigen Antrag zu stellen, um auch nicht den Schein einer Schuld, die Berathung über das Centralgesetz verzögert zu haben, sich zuzuziehen. Die Revision gedachter Edicte sei aber dringend nöthig, zumal da manche Ausdrücke in denselben zu unbestimmt seien. Schon am 3. April 1852 (S. 36 der ldst. Verhandl.) habe der H Abg. Schäfer über die Vorlage der Gesetze vom 25. Nov. ’ 1851 interpellirt, woraus am 24. April ( S. 43 der L. V.) die Herzog!. Regierungscommission erwidert habe, daß es nicht in der Absicht der Regierung liege, über erwähnte Edicte während der damaligen (1852r) Session eine Vorlage zu machen. Man habe diese Vorlage in 1853 erwarten können; da sie aber bis jetzt nicht erfolgt sei, so müsse die Kammer die Herzog!. Regierung darum ersuchen. Die Rechtfertigung des Antrags folgt in nächster Sitzung. Am Schluffe der Sitzung erklärte Abg. Rau, daß er zur Stellung des nachstehenden Antrags veranlaßt worden sei:
„Auf dem Wege zur Kammer kam mir zufällig die heute Mittags ausgegebene Nummer 27 deS Herzog!. Nassauischen ... Jntelligenzblattes zu Gesicht. Dieses Blatt enthält aber ‘ weder Verordnungen Herzoglicher Behörden, noch Inserate von Privatpersonen, wozu dasselbe früher bestimmt war und bisher verwendet wurde; die ganze Nummer 27 erscheint nur wie eine Kirchenzeitung einer extremen Partei. Sie erinnern ° sich, meine Herrn, daß ich bei einer kürzlich an die Regierung gerichteten Frage die Vermuthung äußerte, daß dieses Blatt »_ Jn einer der kathLlÜchru-LMgiou ejUgLgeugâ^u Richtung redigirt werden würde; daß aber diese Vermuthung so bald und in so hohem Grade in Erfüllung gehen werde, konnte ich mir doch nicht vorstelle». Das gedachte Blatt enthält zwei Aufsätze mit den Ueberschristen: „Ist der Erzbischof von Frei- bürg wirklich ein Unterthan?" „Die oranlsche Partei in Nassau." Beide Artikel sind voll der Unwahrheiten, Verdächtigungen und Schmähungen gegen die katholische Geistlichkeit und überhaupt gegen glaubenstreue katholische Bürger. — Sicherlich hat die katholische Geistlichkeit es um die Regierung nicht verdient, daß sie in einem RegicrungSorgan geschmäht werde — und vielleicht von Leuten, welche vor nicht langer Zeit bei der Revolution thätig waren oder doch in ihrer Stellung sich feig benahmen, jedenfalls aber an Muth und Treue gegen die Geistlichkeit weit nach standen. Ich bestreite der Regierung keineswegs das Recht, sich eines eigenen publicistischen Organes zu bedienen; aber ich darf doch auch erwarten, daß sie in einem Kampfe nur loyale Waffen anweiide. Ich erlaube mir die Frage, ob die Bischöfe bei dem dermailgen Conflicte in irgend einem Erlasse die Regierungen oder nichtkatholjsche Mitbürger geschmäht haben? Darf man ihnen nun, wenn sie n.chtS Anderes als die Herstellung
Die Kegelbahn.
Erzählung von Levin Schücking.
Seit meinem scchszehntcn Jahre, fünfzehn Jahre lang, war ich Gesellschafterin ter Gräfin Juliane v. S. Zur allgemeinen Charac- terrfirung dieser vornehmen und alten reich-gräflichen gamme weiß ich nichts anderes zu sagen, als daß sie so stolz und hochmüthig und auf ihren Stammbaum eingebildet war, daß es zum Sprüchwört in der Umgegend geworben: „Stolz wie ein S." Außer ter Reinheit und dem Alterthum dieses Stammbaumes habe ich übrigens nie etwas ver» nommen. was der Familie besondere Ursachen zum Stolze gegeben hatte. Nie bat sich einer dieses Namens in Staat uns gelt ausgezeichnet , im Gegentheile, Einige davon waren verrufene Junker.
Gräfin Juliane war, als ich sie an ihrem Vermählungstage zum Erstenmale sah, nicht älter als ich und damals meinte ich, ich habe *m sehr glückliches LooS gezogen, wenn ich bestimmt sei, mein ganzes «btn an der Seite dieses schönen Geschöpfes zu verbringen. Die ge» zu den Gestalten von unerschütterlicher Ruhe, die nie durch eine Anregung ihre Schönheit beeinträchtigen, aber auch nie erhöhen; blond voll, groß und von stolzer Haltung schritt sie langsam einher, als grvUhre ihr allein die Aufmerksamkeit der ganzen Gesellschaft. Sie sprach immer in dewflben gedämpften Tone, aber langsam und »er»
L ’ verstand man sie einmal dennoch nicht, so ließ sie sich auch U'chl herab, ihre Worte zu wiederhohlen; nie habe ich sie, auch nicht Ä Gemahle gegenüber, Ein und Dasselbe zweimal sagen hören, ne schwieg, als habe sie die Frage nicht vernommen. Ihr Gemahl verglich fix einmal in ärgerlicher Laune dem verkörperten Schicksal, un» 'iTOaltfam, ohne sich je umzusehen ober einzuhalten, gehe sie wie tu» immer vorwärts, unerbittlich und rücksichtslos; und dieser Vergleich ur, wenn auch mit etwas Uebertreibung, doch ziemlich richtig.
H ^faf Peter, ihr Gemahl, war zwölf Jahre älter als sie, also am ^vchzeltotage acht unv zwanzig Jahre alt. Er war in Allem außer m Familienstolze daS vollkommene Gegentheil von ihr. Hager, briin» 7 lebhaft und sinnlich, jeden Augenblick mit eii ein anderen Ge> "nem anderen Plan beschäftigt, tomte er unmöglich mit fei» aiflrfc* £n Gemahlin harmonrren. Und dennoch war es keine un» E^'. Er schätzte ihre perennirenten Eigenschaften und sie ttntoi^mr s'"" wuselnden Fehler. Seine zahlreichen Treulosigkcr» schien sie gar nicht zu bemerken, und ich weiß bis auf diese Stunde
I der garantirten Kirchenverfaffung, welche zur Zeit der Revolution und der allgemeinen Kriege verletzt wurde, verlangen, darf man ihnen da vorwcrfen, sie wollten weltliche Herrscherrcchte sich aneignen, etwa wieder die Churfürsten des hl. Römischen Rei- cheS werden? Heißt das nicht, die Begriffe über daS wahre Recht-verhältniß verwirren? Handelt es sich denn um eine Auflehnung gegen den Landesherr» oder ist cs nicht vielmehr der Kampf zwischen der Kirche und der Bureaukratie? Da erdreistet man sich, den 83jährige» Erzbischof von Freiburg, welcher zur Zeit des allgemeinen Abfalles seinem Großherzoge furchtlos die Unterthanentrcue bezeugte und welcher auch jetzt wieder so heldeumüthig seine Amtspflichten eifüllt, aus eine Weise zu verdächtigen, die ich nicht näher bezeichnen mag. Leute, die damals den Großherzog verließen, wagen es jetzt, den pflichttreuen Erzbischof zu schmähen !
Jedenfalls bezeichnend ist es, daß die erwähnten Artikel an demselben Tage publicirt werden, an welchem ein Abgeordneter der nassauischen Regierung nach Rom abgereift ist, um eine Verständigung in der Kirchensrage zu erzielen. Die Verfasser dieser Artikel wollen aber, wie aus dem Inhalte ersichtlich ist, keinen Frieden; ssie scheinen im Gegentheile den guten Intentionen des Landesherr» entgegcuwirkcn zu wollen. Sicherlich wirken sie nicht im wahren Jnlrrcssc der Regierung Oder sollte es vielleicht das allgemeine Wohl befördern, wenn durch Schmâhartikel religiöser Hader im Lande angesacht wird? Die Katholiken verlange» keineswegs, daß ein Ju- telligenzblatt, in welchem andersglaubende Mitbürger verletzt würden, di sen aufgedrungen werde. Das aber können und müssen sie verlangen, daß auch i h r Glaube und ihre Kirche in einem öffentlichen Organe, das sie halten und bezahlen sollen, auf keine Weise angegriffen werden.
Ich beantrage daher, die Kammer wolle die Herzogliche Regierung ersuchen, sofort zu verfügen , daß das Herzogl. Nassauische allgemeine Jntelligcnzblatt nicht zu einem religiösen Parteiorgan benutzt, daß aber jedenfalls ben Gemeinde» nicht die Verbindlichkeit auferlegt werde, dasselbe zu halten und aus ihren Mitteln zu unterstützen."
* Wiesbaden, 20. Juni. Das neueste Verordnungsblatt enthält die Jnstructioq sür die Herzoglichen Landober- schultheffen und die Feldgerichte über dlc Vollziehung bed ®e« sc^âwom 15. Mm 1851, -HZ Hchus» HeS MM»E dinglicher Rechte an Immobilie» zu führenden öffentlichen Bücher betreffend, sowie des Gesetzes vom 15. Mai 1851, daS Pfandrecht und die Rangordnung der Gläubiger im Concurs bi» treffend. — Bei der in Nassau am 19. d. stattgehabte» Wahl eines Abgeordnete» zur 2. Kammer erhielt Hr Niko« laus Hammelmann von Singhofen die absolute Stimmenmehrheit. Sein Gegencaudidat war der ehemalige Landtagsabgeordnete Jost Schmidt. Die in Dillenburg vor genommene Wahl traf den Hütteiibcfitzer Gieb el er von der Adolfshütte. — Unter den gestern hier angekommenen Frein den befinden sich der kais. russ. Oberst Hr. Kowalewsky, der k. russ. StaatSrath Muchin und Se. Exe. Baron von Kisseleff.
t Eltville, 18. Juni. Groß und Klein unseres Städt diene sah dem dießjährigen Fr o hnleichuamS feste mit frommer Sehnsucht entgegen. Leider trübte sich schon vor Eintritt deS Festes der Himmel und vom Sornbeub bis zum Mittag M heiß erwarteten Tages rauschte der Regen in Strömen herunter, so daß es nicht wohl thunlich war, die Procession ausziehen zu lassen. Desto schöner gestaltete sich i daS Wetter heute, am darauffolgenden Sonntag, wolu.ch es
nicht, ob sie davon verletzt wurde oder nicht. U.brigenS liebte sie ihn mit aller Liebe, deren ihr Herz für den reichSgräsitchen ebenbürtigen Gemahl , den einzigen, dem sie ihre Hand gereicht haben wurde, fähig war. Außereem ging Jedes seinen eigenen Weg.
Was ter Gräfin neben ihren wirklich guten mit achtungSwcrihen Eigenschaften meine dauernde Anhänglichkeit gewann, war ihre Liebe zu den Wissenschaften Den ganzen Vormittag beschäztigte sie sich mit den ernstesten Dingen. Griechisch und Latein waren ihr vollkommen geläufig, und ihr verdanke ich die Aufmunternug zur Erlernung dieser beiden Sprachen. Nie habe ich eine Frau fleißiger Geschichte studiren sehen. Sie trieb nebenbei Botanik, und die schöne Literatur Italien'-, Frankreich'- und Englanc's waren ihr vollkommen bekannt. Freilich aber nur die älteie, denn sie haßte alles Neue und es war, als »er» achte sie sie ganze Welt, worauf sie lebte, weil sie ihr zu modern, zu jung war. Ihre Neigungen, ihre Studien gehörten nur verflösse» neu Jahrhunderten. Ihr Sprachtalent war übrigeus das einzige, daS sie befaß, wenn man ihr nicht als Talent ihre sehr sichere und feste Art zu Pferde zu sitzen anrechnen will. Sie spielte nicht, sie sang nicht, sie zeichnete nicht, sogar zum Tauzen hatte man sie nie bewegen können.
Die Gräfin habe ich nun recht ausführlich geschildert und doch habe ich noch nichts von ihrem Benehmen im Allgemeinen gesagt. Man kann cs nicht besser bezeichnen, alS intern man sagt: sie gab Jedem was ihm gebührte, das heißt, in Liren Augen gebührte!
Gegen den Pfarrer , den Stallmeister , den Rentmclster und mich, daS heißt dies nigen, die der Ehre genossen, an der gräflichen Tafel zu speisen, war sie höflich, aber nie freundlich oder vertraulich. In den fünfzehn Jahren, die ich bei ihr verlebte, hat sie mich nie bei mei» nem Taufnamen, sondern nur „Fräulein" genannt. Mit ten Dienstboten sprach fie beinahe nie, ich und der Kastellan mußten ihre Befehle an die Bedienten vermitteln; ihre Äammerfrau war ihre Amme gewesen und das war die einzige Person, mit ter sie vielleicht hie und da ein zutrauliches Wort wechselte.
Den Grafen liebten wir mehr als feine Gemahlin, obgleich er eS zehnmal weniger verdiente. Aber so sind wir Menschen, weil tiefer Mann, der uns im Herzen vielleicht noch geringer schätzte, alS feine Gemahlin es that , zuweilen bei guter und ausgelassener Laune uns alS seines Gleichen behandelte, um freilich nachher desto impertinenter gegen mit zu sein, füllten wir uns mehr zu ihm hingezogen Seine Herablassung war sicher nichts als Egoismus, er wollte sich u^f-bal-
möglich wurde, die Procession in höchst feierlicher Weise und zur Erbauung Aller abzuhalten. Wer nur immer vom Hause • ahkouimen konnte, nahm an dem Heil. Zuge Theil, der sich mit großem Glanze in unabsehbaren Reihen entfaltete. Viele kleine und große Fahnen von verschiedenen Farben, ein schöner zahlreicher Eilgelchor, der hiesige Gesangverein mit seinem rein - auSgcführten vierstimmigen Gesänge, die gediegene Bicbricher Militäimnsik, eine Reihe weißgekleideter Mädchen mit Kerzen und Guirlanden rc. rc. trugen viel jur Hebung des feierlichen Zuges und der Andacht der mitwallenben Menge bei. Unmittelbar hinter dem Baldachin folgten der Hr. Bürgermeister, die Hrn. Gemeinderäthe und Feldgerichtsherrn mit brennenden Kerzen, und ein zahlreiches männliches Gefolge der Gemeinde schloß den Zug. Die Straßen der Stadt, durch welche die Procession sich bewegte, waren mit Blumen, Blättern und grünen Halmen bestreut, die Fenster und Außenwände der Häuser mit Lichtern, Statuen, Heiligenbildern, Blumen und Laubge- winden schönstens und sinnreich verziert. Der hiesige Gutsbesitzer Herr Marx hatte die besondere Aufmerksamkeit, die Procession, a s sie durch das Rheinthor hinaustrat und längs des Onais hinabzog, mit Böllerschüssen von seiner freundlichen Rhcininsel beiüber begrüßen zu lassen. Ein vorüberfahrendes Dampfschiff mischte die Donner seiner Geschütze mit ein.
Z Kiedrich, 16. Juni. Mit der Restauration unserer prachtvollen MichaelScapelle wird es Ernst. Der Gemeinde- rath hat bereits die zu diesem Zweck aus der Gemeindecasse veiwilligten Betrag von 500 fl. dem Präsidenten des Alterthumsvereins in Wiesbaden Übermacht. Vorerst soll dieser Betrag den besondere Bestimmung haben, das Dach und die Fenster Dom gänzlichen Ruin zu bewahren. Das von Frei- Herrn von Ritter dahier zur Ausschmückung der Michaelsca- pclle bestimmte Fenster, welches derselbe in München hat fertigen lassen, kann als ein Meisterstück der Glasmalerei in antikem Style bezeichnet werden. Dasselbe befindet sich dermalen in der Ritter'schen Hauscapelle.
X Oberlahnstein, 18. Juni. Durch die seit mehre« reu Wochen in Angriff genommencn Arbeiten zur Wiederauf- banung der alten Schloßruine Lahneck, welche Stolzenfels gegenüber, einen malerischen Punkt in dieser herrlichen Gegend bitbet, und die seit 1688 vcrödèt, ist für die Bewohner uns fein» Srädtcpcnv wledcr eine reiche Quelle von Arbcitverdieiisl eröffnet worden, auch wird dieser Neubau gewiß zur Verschönerung der Umgebung beitragen. Das Unternehmen ist ausgegangen von Herrn Moriatry, Direckor der Wicsbaden- Niederlahnstciucr Rheineiseuvahngeseüschaft ans England, wcl« cher die Ruine sammt dem angrenzenden Waldbezirk käuflich an sich brachte. Derselbe leitet gemeiiisckaftlich mit Hr». Brawn, seinem Schwager und Hin. Baumeister Merz aus Wiesbaden, unter Mitwirkung des Hrn. GastmirthS Schn aß dahier die Arbeiten. Schon ist ein großer Theil des hochanf- g.'tbülniten Schuttes innerhalb der Burgmauern beseitigt, und einige Gewölbe wie z. L. das der normal. Burgkapell^ tre« teil zum Vorschein; hierbei sollen auch einige Goldmünzen aus der Zeit der Gründung brr Burg, welche schon im Jahre 1224 erwähnt wird, ansgefundcn worden sein. Zahlreiche Besucher von Koblenz, Ehrenbreitstein und der Umgegend sicht man an Sonntagen den Burgweg hinaiisteigen. Nach bem vortrefflich ausgcarbeitcte» Baurisse deS Hrn. Baumeisters Merz wird die Ruine sich bald wieder in verjüngter Pracht "hcb-n, als langdaucrndcS Denkmal der jetzigen ehreiiwcrthen Erbauer.
□ Limburg, 19. Juni. Ein hiesiger CorreSpondent BE«MIWI*?3im,»HMnWf^^ >«^—-—— ^"s im iiMHIII« w, 111III, IIIM WiâE^U ___t ten und fand Niemand »eiru als uns, unb - nahm vorlieb! —'mäp» renb feine Gemablin sich immer gleich blieb. Doch auch mit chreS Glei« Heu war sie äußerst zurückpa tcnv , was wir aber nicht genug in An- rechnung brachten bei rem täglichen Aergerniß über iyre stol;c uno Peru loS schcwcnve Kälte. So tum Beispiel betrübte der Graf sich tief ea- râer , baß her Himmel seiner Eye lie Kinder versage, während ich ie Gräfin nie ein Wort darüber habe äußern hören. Sic war die Cousine ihres Mannes und außer ihrem Bruder die eiufige ^envanete seines Namens; ich hörte den Grafen einmal sagen: „Ich glaube sonst nicht viel an die durch die Kirche aufgestellten Sätze, aber mit dem Fluch, der auf Ehen unter nahen Verwandten lastet, hat -^ doch feine Richtigkeit, sie find dem Himmel verpaßt, entweder läßt er sie hnteiM , oder die Kinder, die er ihnen schenkt, sinv unalmflnbe Ge- schöpfe."
Einen Lheil deS Winters brachte der Graf in der Stadt am Hofe zu, die Gräfin aber »erließ nie das Schloß. Sie hat mir nie die Ur» fließe davon gesagt, ich bin aber fest überzeugt, daß der Stallmeister Recht hatte, wenn er behauptete, nur ihr Stol; fei daran Schuld, sie würde dort nach Damen rangiren müssen, die sie in ihrem Geiste weit unter sich stehend erblickte. Zuweilen, doch nicht sehr oft, kamen Gäste, aber nur nahe Verwandte. Das Leben im Schloß bl.eb dann dasselbe mit dem einzigen Unterschied, daß die Gräfin beim gemeinschaftlichen Frühstück erießten, während sie sonst sich erst bei der Mittagstafel sehen ließ, die um zwei Uhr stattfanv.
Nur ich allein durfte sie in ihrem Cabinct aufsuchen, um ihr bei ihren Studien behülflich zu sein, und ihr manchmal, wenn sie ermüdet war, vorzulesc», oder einzelne Auszüge aus größeren Werkes zu machen.
Nach der Mittagstafel, die übrigens sehr einfach war, fuhr die Gräfin mit dem Grafen spazicrcn; war er abwesend, so mußte ich fie begleiten. Diese Spazicrfad,t war die einzige Zeit, welche der Graf regelmäßig ihr widmctc. Er hatte sich einigemal davon losmachen wollen, er hatte fich aber immer wieder auf ihre sanfte Aufforderung »am cingefüuden. Der Graf fuhr dann selbst; zuwcui» ritten sie auch zusammen.
> Abends um sieben wurde der Thee feroirt, und um neun Uhr zu .webt gespeist. Die Zeit zwischen Biesen beiden Stunden brachte brr Graf selten im Salon zu, weil er ein leidenschaftlicher Raucher war und deßhalb lieber in feinen Zimmern mit einem der Angestellten oder nnem Besuch Schach over Billard spielte. 3m Sommer patte er r;p