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Wiesbaden. 1854.
Jur Charakteristik der demokratischen presse in Nassau.
Seit dem Jahr 1848 gab es in dem Herzogthum Nassau hauptsächlich zwei als Organe der politischen Parteien anerkannte Zeitungen: und zwar vertrat die „Nass. Allg. Ztg." das conseroative, die ehemals Freie, jetzt „Mittelrh. Ztg." das demokratische Princip. Diese Richtung beider Blätter ist auch hjs jetzt noch dieselbe; ste ist jedoch scheinbar eine andere geworden dadurch, daß die Eiegner theils unsere, tbeils ihre eigene Tendenz in einem anderen Lichte darzufiellen suchen »öd zu dem Ende mancherlei Mittel von mehr als zweifelhaftem Werthe nicht verschmähen. Wir sind billig genug, den Umstand nicht hierher zu rechnen, dah die zu Anfang der Revolution vom Jahr 1848 so wildglühende und blutrotste Demokratie jener Gegner mit der wiederkehrenden Herrschaft der gesetzlichen Autorität allmälig in eine immer blassere und zahmere Opposition überging, welche sogar im Jahr 1852 von dem Wahn ausging, das in,wischen octroyirte Wahlgesetz mit der dadurch aufgehobenen Verfassung brauche sie, da es doch nicht von langer Dauer sein werde, nicht anzuerkennen und es genüge, wenn sie sich einstweilen um die materiellen Interessen bekümmere. Dagegen müssen wir schon die Taktik als eine, wenn auch vielleicht kluge, so doch nicht offene und ehrliche bezeichnen, wonach die „Mittelrh. Ztg.", seit Nicder- drückung der politischen Stürme gleich andern demokratischen Blättern das religiöse Gebiet ausbeutend, sich den Anschein gab, als sei sie eine Stütze der Regierung, weil sie mit dieser gegen die sg. „Anmaßungen" der katholischen Kirche kämpfe, während es sich doch bei ihr in der That nur darum handelt, durch Beseitigung der kirchlichen auch jede weltliche Autorität zu untergraben. Immerhin diente jedoch eine solche Taktik noch den Zwecken der Demokratie, ja sie schien dieselbe sogar aus eine reckt ausgezeichnete Weise zu fördern; obgleich in der That aus diesen Kämpfen, wie wir überzeugt sind, nicht die Demokratie, sondern die Kirche neu gestärkt hervorgehen wird. Wenn aber neuerdings die „Mittelrh. Ztg." eine Reihe von Leitartikeln bringt, wie z. B. in den Sir. 120, 134 n., worin nicht blos fortwährend unsere Haltung perfid verdreht und unsere Loyalität lügenhaft verdächtigt, sondern auch der Regierung, zumal einem Mitgliede derselben kriechend ge schmeichelt, ja bis zum Anrufen des absoluten Veto gegen ein von" beiden Kammern in völliger Uebereinstimmung mit der Regierungsvorlage angenommenes Gesetz gegangen wird, so verleugnet das Blatt auf der einen Seite alle Wahrheit und Anständigkeit, die man auch dem Gegner schuldet, auf der andern Seite aber seinen eigenen demokratischen Charakter, der, wie zahm er immer geworden, doch mit einem solchen Ge- dahren. schwerlich vereinbar ist. Das letztere mag übrigens die Demokratie mit der „Mittelrh. Ztg." selbst ausmacken; wir haben es nur mit dem ersten zu thun, und insbesondere veranlaßt uns von jenen Leitartikeln derjenige, welcher in Nr. 134 der „Mittelrh. Ztg." enthalten, „ultramontane Taktik in Nassau", überschrieben und „vom Rhein, 5. Juni" datirt ist, zu einer näheren Beleuchtung.
• Mit bekannter Sopbistik wählt sich der Verfasser dieses Artikels zuerst einen möglichst günstigen Standpunkt, ohne Zweifel in der Meinung, daß ihm dann der Sieg nicht fehlen könne. Er beginnt nämlich mit der Behauptung: „Unsere nassauischen Ult r a m on ta u en spielen doppeltes Spiel. Auf der einen Seite fließen sie über von Versicherungen der Loyalität, der Treue und des Gehorsams, auf der andern machen sie der Regierung selbst in Dingen, welche mit dem KckLeiistreit in keiner Berührung stehen, die erbittertste Opposition." Hierauf fährt er fort: „diese zweifache Maske zeige
Nr. 134. •
sich auch in der Haltung ihrer beiden politischen Organe, welche im Nassauischen Absatz finden": die „N. A. Z." nehme die regierungsfrèAndliche Seite ein, das „Mainzer Journal" dagegen greife unablässig--die Regierung an und diene als Lagerplatz für allen Grimm gegen dieselbe.
' Um einen Begriff hiervon zu geben, theilt er endlich aus Nr. 130 des „Mainzer Journals" einen „offenbar aus dem ultramontaneu Hauptquauier kommenden" Artikel vollständig mit. — Nur eines hat der Verfasser seinen gläubigen Lesern zu sagen vergessen: daß alle seine Behauptungen, soweit sie die „N. A. 3’" angehen, nichts sind als absichtliche Unwahrheiten.
Die in der Nassauischen Allgemeinen Zeitung vertretene Partei zollt zwar bau „Mainzer Journal" wegen seiner Ver- bleuste um die Vertheidigung der conservativen Inter, ssen in Kirche und Staat volle Anerkennung; sie benutzt dasselbe aber weder als Organ, noch hat der daraus citirte Artikel, mit dessen Inhalt wir zum größeren Theil gar nicht einverstanden sind, ein Mitglied dieser Partei zum Urheber. Aber abgesehen hiervon ist cs an sich eine Absurdität, wenn man deßhalb, weil zwei Zeitungen von einer im Ganzen gleichen Tendenz in einem Lande zugleich Absatz finden u n b also ganz natürlich auch über die Zustände dieses Landes gleichzeitig referiren, das eine Blatt und die damit in Verbindung stehende Partei verantwortlich machen will sür das, was in dem andern Blatte steht. WaS würde die „Mittelrh. Ztg." dazu sagen, wollte man ihr und der demokratischen Partei in Nassau z. B. für den kürzlich in der Berliner „Nationalzeitung" erschienenen Artikel über den Minister „des Landes der Rheinweine und Mineralwässer", wo überdies die Vermuthung einer statt gehabten Wechselwirkung nahe genug liegt, aus gleichen Gründen die Verantwortung aufbürden ? Mit Recht kann man von einer Zeitung als Organ einer politischen Partei das verlangen, daß die darin ausgenommenen 9htitel mit ihrer ganzen Tendenz übereinstimmen; man kann ihr aber nicht zu- muthen, daß sie für den faktischen Inhalt des Artikels oder gar für die Person jedes ihrer Korrespondenten einstehe. Wie kann man nun vollends wagen, auS dem Correspondenzartikel eines BlatteS auf eine Partei zu schließen, die mit dem fraglichen Blatte gar nicht korrespondier?
Den gcsiunungStüchtigen Verfasser des in Rede stehenden Leitartikels der „Mittelrh. Z." kümmern freilich solche Kleinigkeiten nickt. Er behauptet frischweg: der Artikel in Nro. 130 des „Mainzer Journals" kam offenbar aus dem „ultramontanen Hauptquartier" und: „unsere nassauischen Ultra- montanen spielen doppeltes Spiel, das eine in dem „Mainz. Journal", daS andere in tu. „N. A. Z." Sollte wohl bie Wuth dieses Schmähartikels ihren Grund darm haben, daß die oftmals angebotenen guten Dienste gegen die katholische Kirche nicht angenommen wurden und vielleicht auch nicht mehr nöthig find? oder in dem Lobe, das ein Artikel der „N. A. Z." aus Camberg unlängst der „Mittelrh. Z." spen- deie, daß sie nämlich bezüglich der Wahrheitsliebe dem „Frankfurter Journal" deu Rang ablaufen zu wollen scheine? Wie dem auch sei, so macht jemand, der so leichtfertig irgend eine Partei und wäre es auch die der sog. nassauischen iJtramon- tauen eines doppelten Spiels beschuldigt, wie der Verfasser, dadurch offenbar sich selbst der Uebung in solchem doppelten Spiele sehr verdächtig; man pflegt eben andere da, wo es an jedem Beweise fehlt, am liebsten nach sich zu beurtheilen.
Die Nassauische Allg. Ztg., welche uns hier allein angeht, hat aber eine solche Insinuation nicht zu fürchten; sie vertritt offen und klar die conservativen Interessen, sie braucht das auch nicht „jeden Tag der ungläubigen Welt zu versichern", da die Thatsache ihres konsequenten Festhaltens an der con-
Samstag, 10. Juni.
servativen Idee unbestreitbar vorliegt, während die „Mittelrh, Zeitung" den Mantel nach dem Winde zu hängen pflegt.
Um aber die Consequenz unserer Handlungsweise einzusehen, muß man allerdings theils eine Vorstellung von einer höheren sittlichen Idee überhaupt haben, theils insbesondere die uns leitende konservative Idee kennen, denn nur hiernach, nicht nach blos zufällig wechselnden äußeren Verhältniffen darf man unsere jedesmalige Handlungsweise beurtheilen. Im I. 1848 waren die Grundlagen des monarchischen Princips und der gesellschaftlichen Ordnung, seit 1852 ist die Autorität der christlichen Kirche gefährdet, damals kämpften wir eben so entschieden für die politische, wie jetzt für die kirchliche Autorität: denn beide Autoritäten sind von Gott angeordnet und zwar jede selbstständig für sich, so daß keine der andern ohne Schaden für beide untergeordnet, sondern nur durch ein freies Nebeneinanderwirken der beiderseitige Zweck erreicht werden kann. Wir kämpfen auch nicht blos für die Autorität der katholischen Kirche; wir wünschen und erstreben für die protestantische Kirche, soweit es bei der Verschiedenheit ihrer Organisation möglich ist, gleiche Rechte, wie dieses von allen wahren Protestanten unumwunden anerkannt wird; am wenigstens vermag jemand uns auch nur ein feindliches Wort gegen den Protestantismus nachzuweisen, während die Mittel- rheinische Zeitung ihre Spalten fast täglich mit den gehässig- sten Ausfällen gegen den Katholicismus füllt. Will der Cor- respondenl dieser Zeitung uns deshalb als „ultramontan" bezeichnen , so mag er es imstkerhiu thun; die Zeit in welcher dieses Wort als ein Schreckbild galt, ist für verständige und nicht mit Absicht böswillige Geister längst vorüber. Der Korrespondent vom Rhein beschuldigt uns ferner: Die N. A.Z. de nun ci re unaufhörlich diejenigen Blätter, welche nicht auf der Seite des oberrheinischen Clerus stehen, als democratisch, rcvolutionair, staatsgefâhrlick. Verdient das aber den Namen denunciren, wenn man offen auf die Vergangenheit solcher Blätter, und auf die Motive wie auf die Folgen ihrer in dem Kirchenstreit plötzlich so regierungsfreundlich geworbenen Gesinnung hinweist? Und zu welchem Zwecke sollten wir be» nunciren? etwa um ein Einschreiten der Regierung gegen die Freiheit der fresse zu veranlassen? Wie hoch wir immer die Nachtheile der schlechsten Presse anschlagen ; durch Prcßbeschrän- kungen und Verbote können sie nicht aufgehoben werden, sonst wäre die Revolution vom I. 1848 wohl nicht möglich gewe» fen, sondern nur durch Gegenwirkung der guten Presse. End- lich wälzt derselbe Correspondent desselben Bl. auf uns die feige Anschuldigung, als machten wir der Regierung selbst in Dingen, welche mit dem Kirchenstreil in keiner Berührung stehen, bie erbittertste Opposition, benützten jedoch «t* Furcht vor den einheimischen Behörden nicht die N. A. Z., sondern das „Mainzer Journal" — „alsLagerplatz für all unsern Grimm I" Die conservat ve Partei und ihr Organ machen aber nie eine systematische Opposition gegen die Regierung; sie unterstützen diese vielmehr überall, wo sie selbst nach konservativen Principien handelt, auf das bereitwilligste und entschiedenste: wie wir es denn seit Jahren oft genug gethan haben und fortwährend thun, ohne uns eben ein großes Verdienst darus zu machen oder eine besondere ilnerfennung dafür zu fordern. Dagegen machen wir unsern Grundsätzen gemäß überhaupt nur da Opposition, wo die zeitweilige Organe der Regierung selbst etwa die conservativen Grundlagen, wie namentlich die Rücksicht nicht blos auf das formelle, sondern auch auf das materielle Recht und aus die sittliche Basis der Monarchie, außer Augen zu lassen oder das, was innerhalb dieser Gränzen für das wahre Wohl des Landes dienlich ist, zu verkennen scheinen. Auch dann ist jedoch unsere Opposition, wie die der confer- nativen Partei überhaupt, keine erbitterte, und sie kann es
Ein eigenhändiger Brief Mpoleons.
Historische Erinnerung aus der Kaiserzeit.
(Schluß)
Die Gemahlin stranz I. liebte Napoleon nicht; so lange sie konnte, hatie sie siw der Hciiaih ihrer Stieftochter mit Napoleon wirc> setzt; nach den Worten Mclternich's war es gegen ihren Willen, daß eie vsterreiepischr Ariaene dem französischen Minotaurus preisgegeben worden. Als die Hciratv ungeachtet ihrer Einwurfe, ja selbst ihr-s Zor- nrs, doch beschlossen wurde, schien sie den Widerstand aufzugeben und wimgte endlich ein, Napoleon ihren Schwiegersohn zu nennen. Aber
r“,fn Alkinen sarkastischen Krieg an und gefiel sich in satyri- Ilhkn Bemerkungen über den Sieger von Austerlitz und Wagram; vor Gemahl nahm sie einige Rücksicht; aber in ihrer Familie und Höflingen, deren Schwatzhaftigkeit sie nicht zu fürchten hatte, a Are Ansichten über Napoleon theilten, entschädigte sie sich für Zurückhaltung, welche ihr die Politik auferlegte. Der Graf von Men vorzugsweise, trotzdem, daß er diese Heirath angera- batte 1 r Aalraute ihres geheimen Grolles und ihrer Abneigung. Er berifiM ""^"S Mittel, die zürnende Kaiserin sein sogenanntes un« itn t8 4Inred?t, tiefe Verbindung empfohlen zu haben, vergeh Kolitis k Vcn' 010 Ü'e zu der Ueberzeugung zu bringen, daß, da die aeloss M ^9ralb geschlossen, sie auch durch dieselbe leicht roterer daß "jf^en könne; und um der Gemahlin Franz I. zu beweisen, rkâ.,, elt sei, bei der ersten Gelegenheit sich in ihren Augen zu weitete er sie durch Erinnerungen aus seiner Gesandt- 8äcbfrii*ftn ,P"r^- indem er ihr von dem Hofe Napoleons, von der nia arist » !?nf$ ""s dem Stegreif geschaffenen Adels und den we- ©ci 'ra ■ rn Manieren jener neuen großen Herrn erzählte.
rem Clni3e Tage sprach man in Schönbrunn von nichts ante» ihem tcr Erzherzogin, die sich nach Frankreich zu ber Gemahl begeben. Man zergliederte alle Einzelpuncte durch ru,,^ selche , wie man überzeugt war, der jungen Prinzeisin heimliu, . ^b und Reden nur verleidet werde. Viele wünschten fer Nork,^ . >k Einförmigkeit der Reise durch einen Vorfall von bö- biese lnit , tun8 für ^zukünftige Horath unterbrochen würde, um XVI, aif.^B^ "r unglücklichen Marie Antoinete, Gemahlin Ludwig S'fitbftetlen zu können.
kam täglich von der Braut des Kaisers der Franzosen
ein Brief an ihren Vater, in welchem sie diesem alle Vorfälle ihrer Reise schilderte und oft ihre Ungeduld aussprach, durch so lange Zögerung von Compiegne, wo Napoleon sie erwartete, fern gehalten zu sein, ohne daß sie das geringste Bedauern über die Trennung von ih. rer Familie kund gad; da war kein einziger Ausdruck zu lesen, der auch nur den leisesten Zweffel an ihrer inneren Neigung und Ansicht zuließ. Der Kaiser verfehlte nicht, die Briefe seiner Tochter den Zwei- fcln seiner Gemahlin, die jene noch immer als Opfer beklagen wollte, entgegen zu halten.
Marie Louise war in Straßburg und der erste Minister Graf Metternich befand sich gerade in Schönbrunn, alS rer Hof diese Nachricht empfing. Die Kaiserin theilte es dem Minister mit. Das arme Kino sagte sie tief seufzend, was mag sie gebebt haben, als sie den Fuß auf den Boden setzte, der ihrer Tante so verhäugnißvoll geworden.
Fürwahr, Majestäi, antwortete Mette, nich, eine traurige Erinne- rung für sie; aber glücklicherweise ist der Gemahl der erhabenen Tochter Ew Majestät kein fechSzehnier Ludwig.
Wird sie aber darum glücklicher sein? Ich bezweifle es sehr. Eine Sache, Graf, die ich nicht verstehe und die mich immer mehr betrübt, ist das Berti auen des Kaisers zu den Gesinnnnzen eines militärischen Emporkömmlings ; seine Selbsttäuschung ist so groß, daß er von einem Tage zum andern einen eigenhändig geschriebenen Brief seines Schwie- gerlohnes erwartet.
DaS heißt von der Hand eines seiner Secretäre!
Nein, Graf, einen von ihm selbst geschriebenen Brief.
Metternich konnte sich eines Lächelns nicht erwähren. Ich weiß wohl, Majestät, daß es der Prinz von Neufchalrl versprochen, aber was kosten Versprechungen gewisse Leute. Wenn Seine Majestät der Kaiser einen eigenhändigen Brief erwarten, so wird das lange Geduld in Anspruch nehmen. Bonaparte und schreiben I es ist nicht möglich.
Aber man sagt doch, er habe eine gewisse Bildung erhalten.
Gewiß Majestät, aber doch konnte er es nie dahin bringen, deutlich und corrcct zu schreiben, denn er verachtete feit jeher die Ortho- graphic; mir fiel ein Brief von ihm in die Hände, der bereits zwanzig Jahre alt ist und dessen Rechtschreibung einen Schuljungen errö- then machen müßie; jetzt ist es noch schlimmer; kaum daß er seinen Namen untcrzcichnkii kann, und es gehört viel DivinationSgabc dazu, diesen in seinem Gekritzel zu errathen. Das ist nun einmal unentzif- fcrlich, ein Räthsel, eine Hieroglyphe.
Was Eie mir da sagen, beruhigt mich wieder ein wenig, und ich
gestehe, ich wäre gar nicht böse, wenn dieser Brief nicht ankäme.
Er kommt auch nicht an, Majestät; Berthier war unbesonnen und er wird von den Tuilerien aus jedenfalls gehörig ziirechtgewiesen werden.
Trotz deS sicheren Tones, in welchem der Minister diese Worte sprach, blieben bei rer Kaiserin doch Zweitel zurück.
Ich kenne Bonapane, fuhr Metternich fort, selbst wenn er im Stande wäre, kiesen Brief zu schreiben, würde er er es nicht thun, denn er setzt sich über alle Convenienz hinweg und hält sich nicht einmal für verpflichtet, höflich zu sein.
Sic sind also fest überzeugt, Graf, daß der Kaiser, mein Gemahl, nicht in die Lage kommen wird, mir eine Probe der Schrift seines Schwieger ohncs zu zeigen?
So fest überzeugt, Majestät, daß ich wetten möchte ....
Um Ihr Portefeuille, Graf?
Mein Portefeuille, das ist zwar viel, aber nicht genug, ich traue mich die Herrschaft Austerlitz rinzusetzen, daß der versprochene eigen- händige Brief nicht aukommt.
Wenn ich Sic beim Wort hielte, Graf?
Die Kaiserin war sehr zufrieden und genoß schon im Voraus das Vergnügen dieses Triumphes; sie freute sich, die Enitäuschung ihres Gemahls zu sehen — als sich eben die Saalthüre öffnete.
Kaiser Franz, einen Brief in der Hand, trat ein. Gewonnen l rief er seiner Gemahlin zu, man sagte, daß Bonaparte — daß der Kaiser der Franzosen mir nie schreiben werde, weil mein Schwiegersohn nicht schreiben könne. Da lies einmal, Luvovika, lies!
Hohe Röthe überflog die Wangen der Kaiserin, welche zögerte, den Brief, den ihr Gemahl ihr »arreiwte, anzunehmen.
In der That, fuhr dieser fort, dessen sonst kalte Züge sich eigenthümlich belebten, mein Schwiegersohn ist recht liebenswürdig, und im Ganzen genommen, schreibt er gar nicht so übel. Sich doch selbst; oder zweifelst Du an dc; Aechtheit?
Ich, Majestät? Gott behüte mich, und welchen Vortheil hätte ich davon, diese zu bestreiten?
Die Kaiserin schien den Brief durch,ulcsen, gab ihn dann ihrem Gemahl zurück und warf dem Minister einen Blick zu, in welchem sich Aerger und gekränkte Eigenliebe abspiegelte.
Ich lege den Ausdrücken dieses Briefs keine besondere Wichtigkeit bei, fuhr der Kaiser fort; Niemand kennt den Werth besser, den man solchen Schriften beilegen darf, als ich; aber er ist immerhin doch et« was, um gewisse Ungläubige und Spötter zu wiederlegen. — Ich