Mairfdvt Süßtmeiiit Mm'k ertötht, way und tr» Thur« und Tund'ickdu ^ i^rf ’ 2 fl., sonst 2 fl. '" tr.
Nassauische Allgemeine Zeitung
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1854
Nr. 133.
Freitag, 9 Juni.
KJ
Bio Kirchlichen Angelegenheiten in Sayern i
Gegenüber dem, was im Nachbarstaate Baden Unerhörte» geschieht, ist die Frage, wie die kirchlichen Angelegenheiten in anderen Staaten stehen, sicher von Interesse. Der „D. Vb." ivird über die kirchlichen Angelegenheiten Baye ins folgendes geschrieben: Was unsere Bischöfe betrifft, so herrscht zwischen ihnen und dem greisen Erzbischöfe und seinen Suffraganen natürlicher Weise vollständige Uebereinstimmung in den Prin- Men, wie dies Jrdâailu aus der Freifinger Denkschrift vom 31. Oct. 1850 ersieht. Aber die Verfolgung dieser Principien aeschieht bei uns freilich in einer Weise , die von der oberrheinischen älirchenprovinz verschieden ist. Dort folgten fort und fort öffentliche Schritte des gelammten Episco- pots, bis endlich der Kampf mit der Bureaukratie des Staats- götzenthuniv den stärksten Höhepunct erreichte und der Krieg offen erklärt ist. Bei uns hingegen sind seit jener Versamm lung, aus welcher die besagte Denkschrift hervorging, keine öffentlichen Schritte von Seite der Bischöfe nubr gesch- hen. Man schlug seither den stillen, verborgenen Weg der Zuschriften ein, deren Wortlaut und Einzelheiten für Clerus und Volk unbekannt blieben, deren Basis aber nach jener Denkschrift kein Geheimniß sein kann. Denn von den da nie- bergelegten- Grundsätzen und Forderungen können und werden unsere Bischöfe nicht lassen, von Tiansactionen und nachgiebigen Einräumungen kann keine Rede sein, da die Bischöfe streng auf dem Concordate fußen, dem sie nichts vergeben dürfen. Aber was ist auf diesem Wege der stillen und geheimen Correspondenz bisher erreicht worden? Entscheidendes ist nichts bekannt. Die von der weltlichen Macht octroyirte Vorbeschcidung vom 8. April 1852 hat Weile gebraucht, ist aber desto schlechter ausgefaU>n. Sie ist ein r..thloscs Machwerk. Natürlich ist dadurch der Kampf nur noch mehr anze- facht worden und hat sich, um einen besonderen Gegenstand zu berühren, unter Anderem auch um die so sehr perhorres cirten Jesuitenmissioneu gedreht, gegen die die weltliche Macht einen tüchtigen Riegel vorgeschoben zu haben wähnte, die aber, — man kann den verhaßten Geist nicht bannen! — dessen ungeachtet bisher in den Bisthümern Eichstätt, Speier, Würzburg, Bamberg, Augsburg, Regensburg stattgefunden haben und noch staltsindcu. Ich habe obige Reihenfolge gewählt, weil, wenn ich nicht irre, die Bisthümer in dieser Ordnung in Abhaltung der Jesuitenmissioneu sich folgten, ohne daß es, namentlich anfangs, an bedenklichen Situationen gefehlt hätte, welche einen öffentlichen Ausbruch des Conflictes jurjbten ließen. Die Bischöfe b ben, so viel bekannt, gegen die obengenannte Mißhandlung der Kirche, deren gerechte Forderungen man durch ein paar Brosamen abspeisen wollte, energisch protestirt; aber indessen das, was ihnen davon tauglich schien, einstweilen benutzt. Immer stärker jedoch haben sie seit diesen zwei Jahren Gerechtigkeit begehrt; ihre Forderungen scheinen nachgerade nicht mehr länger ohne alle Antwort bleiben zu können; die Ereignisse in Baden sind andererseits auch ein gewaltiger Antrieb für die Bischöfe, und ein verdrießlicher Brand in der Nachbarschaft für die weltliche Gewalt, die ohnehin das Verdienst nicht abläugnen kann, auch redlich dazu beigelragen zu haben, daß dort die StaatsDnnipotenz sich die Ohren verstopfte, die Augen ausstach und ein aes triplex sich vor den Schädel nagelte, um das bei filmte „Durch muß ich" in den „fliegenden Blättern" so unschädlich als möglich zu vollführen. Darum gibt sich in neuester Zeit auch wieder mehr eine gcwisse Rührigkeit in unserer Kuchenfrage kund. Minister v. Zwehl hat nicht ohne Absicht auf einer Reise bei verschiedenen Bischöfen zugcsprocheu. Oeffentliche Blätter geben die Nachricht, der hochwürdigste Bischof von Eichstätt habe
in Augsburg einen Besuch bei seinem apostolischen Mitbiudcr gemacht: eine Erwähnung, die süglich unterbliebe, wenn man nicht etwas mehr dabei vermuthete. In Bamberg soll ein Kongreß der bayrischen Bischöfe in naher Zeit stattfinden. Ich kann Ihnen natürlich dergleichen Nachrichten nicht verbürgen; immerhin zeugt ihr Vorhandensein davon, daß das katholische Bayern von seinen Bischöfen große Erwartungen hegt, und daß diese namentlich jetzt wieder lebendiger hervor- treren. Was hat aber die Kirche in Bayern von der weltlichen Macht zu erwarten? Endlich die lang begehrte, durch d.n feierlichen Vertrag mit dem heiligen Stuhle garan- tine Gerechtigkeit? Die Antwort braucht Z.it zum Nachdenken. Darum ein anderes Mal.
Wie dem „Mainz. I." geschrieben wird, ist der Stand bei kirchlichen Angelegenheiten in Bayern dermalen folgender: Se. Majestät der König soll einzelne Concessionen, ein für allemal, mit Beseitigung aller reelleren Ansprüche von Seiten des Episcvpates, zuzugestehen bereit sein ; aber dies nicht auf das Princip gegründet, sondern lediglich als Ausfluß landesherrlicher Gnade. Damit soll zugleich die Erklärung verbunden sein: daß, wenn der Episcopat dieses nicht acceplire, die Verhandlungen hierüber völlig abgebrochen würden, die Bischöfe demnach als Ultimatum die ihnen communicirte, definitiv rebigirte und ihrer Unterschrift nur noch bedürfende Vorlage anzusehen hätten. Die Forderungen des bayerischen Epiècopates stützen sich bekanntlich sämmtlich auf das Concordat und das allgemeine katholische K i rch e n r ech t.. Ob nun unter diesen Verhältnissen die Herren Bischöfe sich in Bamberg versammeln; ob der bayerische Episeopal, wenn es auf das preiswürdige Lcneh- men der Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz schaut, den objectiven Standpunct des Concordates und des allgemeinen gütigen Kircheurechtes, den Geist der päpstlichen Brc. veil und vor Allem jenen der a l l g c m e i u e u ^P r i n c > p i e n verlassen, und statt dessen mit einzelnen Concessionen sich begnügen werde, — dies Alles wird die nächste Zeit lehren.
licntschlükr
* Wiesbaden, 9. Juni. Sicherem Vernehmen nach hat Se. Hoheit der Herzog zu verfügen geruht, daß die gegen die von dem Hochwürdigsten H. B i s ch o f in Limburg ernannten Pfarrer wie gegen die Alumnen des Limburger Pricsterseminars verhängte Temporaliensperre aufgehoben werde. Man knüpft an diese allerhön sie Brr fügung Sr. Hoheit des Herzogs die freudige Hoffnung aus baldige zufriedenstellende Beilegung der ssirchlichkii Dif- f enteil.
Wiesbaden, 8. Juni. Die Wahl eines neuen Abgeordneten für das Amt Nassau findet den 19. d. M. in Nassau statt.
Dem Vernehmen nach sind am zweiten Pfingsttage an 8000 angekommene und abgegangene Passagiere auf der Eisenbahn befördert worden. Jni Hotel Düringer sind angelangt der russische Gesandte Baron von Glinka und der nassauische WsserÄ-Coosul aus Newport Herr Kobbe mit Gefolge. In dem benachbarten Schlangenbad befindet sich der berühmte Rechlsgelehrle von Savigny auS Berlin und ist für die nächsten Tage ungesagt die Prinzessin Carl von Preußen. Hier in Wiesbaden ist die Ankunft der Kingäste seil geftc n stärker geworden und wir sehen einer günstigen Cur entgegen. (Die neueste hiesige Fremdenliste zählt 4505 Kurgäste. An gekommen find vom 2. bis 6. Juni 389.) Die tägliche Auf- führung der Regimentsmusik hinter dem Cursaal und die übrigen Verbesserungen und VerfchönerNngen tragen das Ihrige dazu bei.
Wie die „Mitteirh. Ztg." aus Ems meldet, wird die „Nass. Allg. Ztg," in dem dortigen Lesecabinet nicht mehr aufgelegt. Wlr ersuchen unsere Emser Korrespondenten um nähere Mittheilungen hierüber.
t. Don der Lahn, 8. Juni. Es ist mehrfach in öffentlichen Blättern und auch in dieser Zeitung des aufopferu, den Wirkens zweier Schwestern aus dem Vereine d er Dieiistm â gde Christi zu Dernbach anerkennend Erwäh« nung geschehen, die zur Pflege der Kranken in die vor Kurzem vom Nervenfieber schwer heimgesuchte Gemeinde Hallgarten im Rheigau berufen worden waren. Man wird eS hiernach mit schmerzlicher Theilnabme vernehmen, daß, wie uns soeben aus Dernbach mitgethèilt worden, die eine der gedachten Ticlistmägde Christi, Schwester Antonia, in Folge dieser ihrer Liebeslhätigkeit für Andere seit 14 Tagen selbst am Nervenfieber krank danicberliegt, und gegenwärtig sich noch nicht außer Gefahr befindet. Sie hatte den Keim der Krankheit aus Hallgarten mit nach Hause gebracht, sah übrigens mit großer Ruhe des Gemüthes dem Ausbruche eines Leidens entgegen, das sie sich in treuer Ausübung ihres schönen Berufes zugezogcu. Möchten diejenigen, welche sie jüngst liebevoll gepflegt, ihrer jetzt im Gebete gedenken I
Ludwigshafen, 7. Juni. Heute Abend um 8 Uhr kam Se. Maj. der König Ludwig unter dem Namen eines Grafen v. Spessart hier an und ging alsbald auf der Eisenbahn nach Neustadt und Ludwigshöhe.
Aus Baden, 6. Juni. In welche Widersprüche man sich verwickelt, wenn man es mit der Wahrheit nicht sehr ge- nau nimmt, zeigen die kicchenfeindlichen Blätter der neuesten vierzehn Tage nur zu deutlich. Während man vor Kurzem übereinstimmend gesehn, wie Ihren Nachrichten zum Trotz — die erzbischöflichen Anordnungen durchaus keinen Anklang finden, so daß wir uns baß darob verwunderten, gegen ultra- montane Nebelbilder Dragoner ausziehen zu sehen, 'finden wir seit einigen Tagen einen vollen Umschlag. Jetzt wird Haarklein deducirt, daß nur Pulver und Blei gegen solche Rebellion ausreiche.
Ueber die Vorgänge in Bretzingen werden dem „D. Vbl." bis zum 2. Juni folgende Thatsachen als verbürgt mit. getheilt: Wie schon bekannt, hatten sich die Bretzinger der Verhaftung und Wegführung ihres Pfarrers Scherer, bekannt aus Dittwar widersetzt. Er stand in priesterlichem Ornate mit Brevier und Rosenkranz ausgerüstet zur Abführung bereit auf der Treppe vor dem Hause, als junge Leute ihn plötzlich umfaßten und in das Haus zurückzogen, die Gensdar- men ab.r zur Treppe hinabwarfen. Diese beklagenSwertheu Auftritte ergriffen den Pfarrer Scherer so sehr, daß er alsbald zu Bette gebracht nd an demselben Tage noch verfettn werden mußte; er liegt seitdem sehr schwer erkrankt darnieder. Sobald er wieder hergestellt ist wird seine Abführung stattfinden. Am 2. Juni erfolgte die Strafe für die Widersetzlichkeit der Bretzinger. Morgens in der Frühe kamen Quartiermacher an und gegen 11 Uhr rückten von Bischofsheim her 150 Mann Infanterie und über Walldürn 30 Mann Dragoner ein. Amtmann Neff und sein Assessor mit Fwei kauzigsten, der erstere in voller Uniform zogen zugleich mit ein. Der Physicus war vorausgeeilt, um Pfarrer Scherer zu untcisuchen, ob er transportabel sei. Beide Ausgänge deS Ortes wurden sofort durch je einen Reiter besetzt, damit sich Niemand flüchten konnte. Darauf ging der Zug vor das Pfarrhaus, das von Gcnsd'armen umstellt wurde. Bei großem Sturm und Regen darrte die Mannschaft auf der Straße. Der Pbyficus erklärt, der Pfarrer sei nicht transportabel. Darauf wird nach der Schwester des Pfarrers auf den Speichern, in d.n Holz- und Schwkiiiställen gesucht, die Fahndung bleibt
Ein eigenhändiger Brief Napoleons.
Historische Erinnerung auö der Kaiser zeit.
.Aonittzunst.)
Der Kaiser nahm bat Sitz seines Seeretärü ein, legte ein Blatt Papier vor sich hin. ergriff bie Fever und wollte die Worie „Mein Schwiegervater !„ dicht oben an den Rand schreiben.
Menneval hielt ihn zurück. Diese Worte, Sire, muffen viel weiter herunter
So! ich dachte nicht daran.
3hre Majestät geruhe auch zu berenten, daß die Buchstaben des Entwurfes Diel zu klein fino.
Gut, wollen Sie mir nur einige vorschrejben, bamit ich erkenne, groß sie sein müssen.
Menneval gehorchte, und Napoleon , der bie schwierige Ausgabe len '. unterbrach sich von Zeit zu Zeit, um Athem zu schöp- batte feinem Secretür Rathes zu erholen. Fast eine Stunde sah bfß "vEhig - um die fünf oder sechs Zeilen, aus denen der Auf- formkin ulecerzuschreiben, die nichts als oberflächliche Höflichkeits« eie ' m^ tcni’n Napoleon feinem Schwiegervater für „nd fnr > Ostung der Hand feiner Tochter an den Herrscher Frankreichs Nackr/ ^dsrstigung der Allianz zwischen zwei großen Völkern dankte, neval die Fkdr, Brief unterzeichnet, stand er auf und reimte Men. auf 'si an Ihnen, mein Lieber. Sie werden nun die Puncte bedente>d.^ r mang.lhaftcn Buchstaben herstellen. Einige hinken aufmnAJ..11 ™ ®ic fic, ohne daß man fremde Einmischung bemerkt, dort brin ar bedenken Sie, daß dieser Brief nach Wien geht und aerado „ gelesen wird, deren Neugierde trotz der Heirath nicht »erare wohlwollend für mich ist.
Saite™' pCOal ?"hm mit einer Geschicklichkeit, die ihm den Dank des endiat die nöthigen Verbesserungen vor. Nachdem diese be- IßirMdi r ''s Napoleon den Brief zu wiederholleninalen durch. Treiben" . ' "." batte ich mich für fähig gehalten, so gut zu werke """k ^"ai, r er nicht weniger als ich vor meinem Knnst- ber ander« . ^un mochte ich aber auch gerne die Schriften anot; bob-n ' ^ T ^ou Proben ihrer Federn zuge- ’ feie mein Portefeuille.
Das Gesicht des Kaisers strahlte, hatte man ihn gesehen, man hätte glauben können, er habe einen großen Sieg errungen.
Menneval brachte die Mappe, welche eigenhändig geschriebene Briefe und Zuschriften verschiedener Regenten Europa'», die diese an den er« uen Cowul und den Kaiser gerichtet, enthielt. Napoleon öffnete sie selbst; das Erste, was ihm in die Hände fiel, war ein während der Schlacht bei Auster itz mit Bleistift geschriebenes Billet des Kaisers Alcrander. Dieser in Gefahr, von den Franzosen zum Gefangenen gemacht zu werden, schrieb unter einem Baum an bm General Da« voust, um denselben zu versichern, daß der Kaiser von Oesterreich im Namen Oesterreichs und Rußlands mit Napoleon einen Waffenstillstand geschlossen.
Beim Anblicke dieses Schreibens, das er hastig durchflog und ras ihn an die sonderbare Ausflucht eines Fürsten erinnerte, der später sein Freund geworden, konnte er sich eines Lächelns n cht erwähren. ES wäre ungerecht, meinte Napoleon, die Schrift meines Bruders Aleran- der nach diesen Zeilen zu beurtheilen; damals drängte die Zeit, und daS Beste was er thun konnte, war, deutlich zu schreiben.
Der zweite Brief, kcn er aus der Mappe zog, war von Ludwig XVI1L, der Herrn Bonaparte, damals ersten Consul, einlud, die Rolle Monks zu spielen und die Bourbonen wieder in die Tuilerien einzu- setzen. Dieser schreibt, bemerkte er, nicht übel für einen König, d. h. für einen Prätendenten ; aber er ist kein Herrscher und erfüllt mithin nicht alle Bedingungen. Beurtheilen wir einen Andern. Er untersuchte und las nach einander die Sch iftcn der Könige von Sachsen, Württemberg, Dänemark und Preußen, und sie Menneval zeigend, sagte er: Äit Ausnahme meines Bruders i» Berlin wüßte ich keinen, der das Recht hätte, sich über meine Schrift lustig zu machen, denn kaum vermag ich die der Andern zu lesen.
Napoleon war in diesem Augenblick, offen gestanden, fast ungerecht, und besonders waren die Schrifwn der Könige von Sachsen und Würt- temberg untadelhast, und die Klarheit und Deutlichkeit der Buchstaben zeugte von geübten Federn, um die sie die ersten Eanzelliste» des Kriegsministcrium» beneidet hätten. Der Kaiser der Franzosen schien vergessen zu haben, waS er der Mitwirkung Menneval» zu danken hatte Der Mitarbeiter Seiner Majestät aber hütete ft», dies in Erinnerung zu bringen und die parte,ilcke Beurtheilung zu unterbrechen.
Endlich fand Napoleon einen Brief des Kaisers von Oesterreich.
Ah! solche Ucberlegenheit muß man anerkennen! Wenn Franz nicht Kaiser wäre, oder das Verhängniß ihn in die Lage eines Dionps von
GIrakuS brächte, könnte er in Corinth oder sonst wo ein guter Schreib« leerer werden.
Nach dieser kleinen epigrammatischen Auslassung legte Napoleon die eigenhändigen Schreiben des Fürsten wieder in die Mappe, nahm seinen Bries wieder auf und las ihn nochmals mit großer Aufmerksamkeit durch.
Wenn jetzt mein Schwiegervater nicht zufrieden ist, so hätt eS schwer, ihn zu befriedigen, und nun mein Lieber, haben wir keine Zeit zu verlieren, dieser Brief muß noch heute durch einen Courier nach Wien abgehen.
Ehe zwei Stunden vergehen, Sire, ist er unterwegs.
Sehr gut, ich verlaffe mich auf Sie.
Napoleon, im Begriffe wegzugehen, wendete sich vor der Thüre noch einmal um, und zum letztenmal den Blick auf sein briefstelleri- sches Werk heftend, sagte er: Eo ist Jemand hier, lieber Menneval, dessen Ungläubigkeit,ich gerne überführen möchte; die Mienen des Groß« marschallo will ich sehen, wenn er mein Meisterwerk erblickt; lassen Sic ihn wissen, daß ich ihn sprechen will und er sich augenblicklich hierh r begebe.
Menneval eilte den Auftrag des Kaisers zu vollziehen, und kaum wieder im Cabinet angelangt, folgte ihm Duroc. Der Kaiser sah ernst, tast streng aus, was den Großmarschall befremdete.
Run, Herr Großmarschall, begann er, erinnern Sie sich noch unserer gestrigen Unterredung?
Ja wohl, Sire.
Sie finden mich durch den verwünschten Brief, den der Prinz von Neufchatel versprochen, noch in derselben Verlegenheit und ebenso beunruhigt als gestern. Ich arbeitete einen Theil der Nacht und von heute M rgen sechs Uhr wieder und übte mich steißig wie ein Schuljunge, der die Strafe fürchtet, auf dem Papiere, leider aber verlor ich Mühe und Zeit umsonst.
Ich sah den Erfolg voraus, Sire, antwortete Duroc, es bedarf mindestens acht Ta,c Unterrichts und anhaltender Uebung, damit Ew. Majestät zu Stande bringen, was sie sich selbst amerlegt.
Ein spöttisches Lächeln zuckte auf den Lippen deS Kaiser», alS Du« roc die letzten Worte sprach. Sie glauben also, daß mir nichts anders übrig bleibt als zu der Feder eines meiner Secretäre die Zuflucht zu nehmen?
Dies ist meine Ansicht, Sire.
Unk wie ist's dann mit dem von Berthier gegebenen Versprechens