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Nassauische Allgemeine Leitung.

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Wiesbaden. 1854.

Nr. 131.

Mittwoch, 7. Juni.

Pie Hreuj$eitunn und her bnbtldje lUrdienßrcit.

^ LbieSbaden, 5. Juni. Die Neue Preußische Zig. Hingt in Nr 128 nachstebendeu Artikel:

Berlin, 2. Juni. Der badische Kirchenstreit kann ohne Würdigung seiner Beziehungen zur Weltlage im Allgemeinen nicht richtig beurtheilt werden.

Es ist dazu erst nöthig , die Weltpolitik RomS, die große katholische Kirchenpolitik, ins Auge zu fassen.

Das große geschichtliche Drama, dessen verschiedene Acte die uerschieoencu Trennungen von Rom bilden, die Trennung des Orients, vie Trennung durch die germanische Reformation, stellt stch ihr nur al» eine fördernde Entwickelung der katholischen Kirche selbst dar. Sie hat sich in dem Gedanken zurechtgefun- den, daß derAbfall" der rechten Anhänglichkeit an die Kirche und rechten Theilnahme und Dienstbarkeit gegen sie vorangehen müsse. So hat fie niemals auf eine Quadratmeile oder eine Gemeinde von Deutschland verzichtet, und indem sie heute den Kern der deutsch-protestantischen Lande von allen Seiten mit ihren aufopfernden und begeisterten Missionen umspült, von Westphalen, vom EichSfelde, von Schlesien, von Posen und von West-Preußen her, ist sie überzeugt, der Wahlstatt immer näher zu rücken, welcke nach dem Ausdrucke eines ihrer tiefsinnigsten Kämpfer, des Cardinal Wiseman, auf dem brandenburgischen Eanve liegt.Dort wird der härteste Kampf gefochten, dort der wichtigste Sieg erstritten werden." In der That, mit felte. mm Eifer verfolgt man heute in Rom die deutschen Geschicke und arbeitet man daran, sich ter Theilnahme an ihnen und an ihrer Leitung immer mehr zu bemächtigen. Man greift zu die­sem Ende zu den kühnsten Mitteln, man treibt einen dreiund« achtzigjährigen Greis noch einmal ins Feuer der Schlacht, man schont nichts, sich selbst am wenigsten. Hier in Baden und ebenso in den andern überwiegend katholischen Ländern Deutsch­land» wird sich der erste Act derWiedereroberung Deutschlands" vollziehen. Die» katholische Baden ist zerrüttteter als irgend eine andere deutsche Kirckenprovinz. Wir gaben nach einem katholischen Blatte unsern Lesern neulich eine Schilderung von seinen kirchlichen Wüidentrâgern. ES wurde va gesagt, nirgend in Deutschland wären so viel Priester zur Revolution überge­gangen , nirgend hätten so viel geheirathet, nirgend wären so viel dem Ronge beigefallen. Eine Radicalkur muß hier ange wandt werten, und man hat zu Rom Nerven, die vor keiner Operation zurückschrecken. Man ist dort überzeugt, daß der Kranke glücklich davon kommen und dann ein desto kräfti gerer Kämpfer in~ dem Heere res Teutschen Katholiczßmus fein werde.

Aber während man so im deutschen Suden, in Baden, Württemberg, Nassau und Hessen und wie es deu Anschein hat, auch in Baiern, für eine gewaltige Wiederherstellung derkatho­lischen Unabhängigkeit" kämpft, beobachtet man, wie im vorigen Artikel schon bemerkt wurde, dem romanischen Katholicismus gegenüber scheinbar die größte Schlaffheit und Mattigkeit. In Portugall und Goa werden die empfindlichsten Angriffe aus die katholische Hierarchie geführt, und es begegnet ihnen nur ein matter Protest; in Frankreich erhebt sich eine neue Organisa- Hon des Unterrichts, die den Einfluß der Geistlichkeit auf die Schulen schmälert, und doch nichts von dem muthvollen Wider­stände, welchen die belgische Geistlichkeit in einem ähnlichen Falle, wo sie sich von den StaatSschulen auf einmal gänzlich zurück- zog, leistete; in Italien selbst unter den Augen des Papstes die offenste Empörung gegen die katholische Kirche, eine Empörung, welche in Piemont die Gesetzgebung des StaateS leitet, in der Presse und in ter öffentlichen Meinung allmächtig ist und sich in ihrer höchsten Steigerung, in den revolutionären Planen deS

Italia giovinc über die ganze Halbinsel bis än die Mauern der päpstlichen Residenz auSbreitet.

Rom hat keine Waffen gegen dieS Italien, und indem e« Frankreich schmeichelt und sich begnügt, gegen Portugal seinen Unwillen und seinen Kummer auSzudrücken, sucht eS nach einem neuen Stützpunkte für seine Macht, vielleicht nach einem neuen Avignon für seinen Papst.

Den bedeutendsten der katholischen Denker ist die» zum Be­wußtsein gekommen. Joseph v. Radowitz hat In einem seiner Werke ausgesprochen, c» schiene, als ob jetzt der Abfall sich über den romanischen Süden ausbreiten und dafür Deutschland die Burg deS Katholicismus werden solle.

Man sieht, daß diese Worte eine Zeit für möglich halten, in welcher der Papst den Quirinal verläßt und über die Alpen steigt, um in einer der alten Gtiftâstâdte am Rhein oder am Main seinen Thron zu errichten. DaS wäre weniger eine neue Babylonische Gefangenschaft« deS Papstthums als eine Loeessiv in moniern sacrum.

So spricht das Blatt jener kleinen und vornehmen Partei, welche sich vorzugsweise oder ganz allein die conservatwe nennt. Bon einem solchen Blatte dürste man doch erwarten, daß es wohl erworbene Rechte vertheidigen würde. In vor­stehendem Artikel ist aber von dem RechtSpunkte nickt die Rede, sondern vonBeziehungen zur Weltlage, von Welt­po liik" und K i rch en p o l t i k " !

Nicht einmal in einer würdigen Sprache tritt dieses soge- nannle conservative Blatt als Gegnerin des Rech- t e s auf; abgenutzte Sophismen und Sarcasmen vertreten die Stelle der RechtSgründc. Wirklich schreibt die demokra­tische Nationalzeitung von Berlin wenigstens anständiger über die Kirckenfrage als die vornehme Kreuzzeilung. Wenn diese ein wirklich conservatives Blatt wäre, so würde sie zuerst nach dem Rechte fragen, und da würde eS nicht schwer fallen, bei unbefangener Prüfung alsbald zu finden, daß bas Recht ganz auf Seiten des Erzbischofs ist. Will dieser etwa Unerhörtes, etwas Neues, bas unsre Bäler nicht gekannt ha­ben ? Keineswegs; er verlangt nur Die Reckte, welche sür die katholische Kirche Deutschlands durch völkerrechtliche Bei­träge feierlichst garantirt worden sind. Die Sache ist so klar, daß jeder sie alsbald einsehen muß, wenn sein Urtheil nicht durch Leidenschaften oder falsche Theorieen getrübt wird. Die Frage: bat die katholische Kirche in Deutschland ein aner­kanntes Recht? wird aber viel weniger beachtet als dieser oder jener Spruch eines Staatsphilosophen. So brachte die Frankfurter Postzeilung vom 31. v. M. einen Leitartikel über Den Status controversiae el e an-nL, in welchem ein Müncheuer Staatsmann bezüglich des erwähnten Conflictes weder der Kirche noch dem Staate Unrecht geben wollte, jedoch bemerkte, juristisch habe die Kirche Unrecht.

Gehören denn die völkerrechtlichen Verträge nicht zum öffentlichen Rechte des deutschen Bundes? Ist in diesen die katholische Kirche nicht mit ihrer Berfassung anerkannt? Und gehört es nicht zu den wesentlichsten Rechten der Kirche, ihre Priester zu erziehen und zu senden, sowie ihre Güter selbst zu verwalten? Um die Beantwortung dieser Fragen handelt es sich zunächst und nicht um Die Beziehungen zur Weltlage. Will man aber letztere ins Auge fassen, jo ist zunächst nach der Ursache zu forschen, warumdies katholische Baden zer- rütteter ist als irgend eine andere deutsche Kirckenprovinz". Die Ursache liegt gerade darin, daß Der Staat eine fremde Thätigkeil in Die Regierung legte, eine Thâtigke ll, Die ohne sich dem Rechte unterzuordnen, Die Inter­essen Der geistigen Bildung und endlich die Existenz des Staates selbst gefährdete. Die Kirche sollte als eine gegenüber dem Staate selbständige Verbindung beseitigt und

von Dem Staate eingesogen werden. Diese Versuche waren aber für Den Staat gesâbrlick , weil mit der Störung des Rechtes und mit Gefährdung der religiösen Freiheit er selbst in seiner Wurzel und Lebensquelle angetastet wurde. Und daS ist keine blose Theorie; wir haben die Wirklichkeit vor Kurzem erst selbst erlebt.

Die Regierung, welche fick in das Gebiet Der Kircke ein» mischte, verlor d as auS dem Auge, was in ihr Be- reich gehört. In Baden war schon vor 1848 ein solcher Zustand bei Dem Volke herbeigeführt worden, besonders duich Die ausschließlich vom Staate geleiteten BildungSanstalten, daß fast jede gesetzliche Regierung unmöglich war. Es be­durfte nur eines leichten Stoffes von Außen, um daS ganze Gebäude umrustürzen.

Wenn nun Die badische Regierungihre Beziehungen zur Weltlage" jetzt gehörig würdigen wollte; was würde vor Allem Noth thun ? doch wohl nur diejenigen Mittel anzuwcnden, durch welche Die Autorität befestigt wird. Und da gibt es nun kein sicheres Mittel als ein würdiges Verhältniß zu Der selb st. ständigen Kirche. Das hat Der mächtige Nachbar von Baden, der Kaiser Der Franzosen wohl erkannt. So sehr er sonst bemüht ist, die Napoleoniscken Ideen zur Richtschnur zu nehmen; in Einem ahmet er seinem berühmten Oheim nicht nach: er respectirt die Freiheit Der katholischen Kirche, weil hierdurch seine Autorität nicht gefährdet, sondern erhöbet wird. Wollte Die Kreuzzeitung unsereBeziehungen zur Weltlage richtig beurtheilen", so müßte sie den beulschen Regierungen anralben, sich in ein richtiges Verhältniß zur kalholischen Kirche zu setzen, damit wir Frieben im eigenen Hause erhalten und um so wachsamer sein können gegen Die Gefahren, welche uns von Außee drohen.

Den genannten Kreuzzeitungsartikel lasen wir am Pfingst­feste, am Tage deS Heil. BonifaciuS; und es machte einen eigenen Eindruck auf uns, daß ein Blatt, welches sich so stolz seiner Christlichkeit rühmt, auf Die bezeichnete Weise von Kic- chenjachen redet. Die bibelkundige KreuzzeitungSparlei sollte doch wissen, daß Niemand für Die Kirche einen andern ®muD legen kann, als den, welchen Christus gelegt hat. Christus hat nun Apostel erwählt und sie, nach der Herabkunft deS heil. Geistes, in alle Well ausgesendet. Der Heiland hat bei der Erwählung und Sendung Der Apostel ein Lehr-, Prie­ster- und Hirlenamt, in der Berufung deS Simon Petrus aber ein oberstes Hirtenamt gegründet. Ec selbst versprach, diese Verfassung so zu schützen, daß Die Pforten Der Hölle sie nicht überwältigen können. Wenn der göttliche Stifter die sich rechtgläubig nennenden StaatSphitojophen der Kreuzzet- tung um Rath gefragt hätte; so würden sie ihm wohl den Rath gegeben haben, baß es zuerst nöthig sei, seineBeziehun- gen zur Weltlage richtiger zu beurtheilen." Christus hat aber ohne Rücksicht aus Weltpolitik, ohne Anfrage bei Dem römi­schen Landpfleger Pontius Pilatus ober bei Dem Könige He- robes eine selbständige Kirche gestiftet. Freilich hat Die Welt- polink ihn zum Kreuztode verurtheilt und Den Aposteln daS Martpierthum bereitet; aber das Werk des Herrn hat bis auf den heutigen Tag von den Pforten Der Hölle nicht überwäl­tigt werden können.

Uebrigens redet die Kreuzzeitung auck mitunter Wahres, z. B. in dem Satze: DaS große geschichtliche Drama, dessen verschiedene Acta die verschiedenen Trennungen von Rom bil­den 2C. So verhält eS sich wirklich. Man zählt 80 Secten von der Apostelzeit bis zum 5icn Jahrhundert, wieder 80 Seelen voN dieser bis zur großen Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert; und von da an zählt der große Bossuct bis zur Zeit, wo er sein berühmtes Buch über die Veränderungen je. ' schrieb, abermals 250 verschiedene Abweichungen vom Litho

Ein eigenhändiger Brief Napoleons.

Historische Erinnerung aus der Kaiserzeit.

Der Prinz von Neufcharel atte sich in Wren, im Namen des Ka>- ier-, feierlich mit ter Tochter Franz I , der Erzherzogin Marie Louise verlobt. Ein Brief der Königin von Neapel, vom 16. März 1810, benachrichtigte Napoleon, daß vor Ende des MonatS feine Gemahlin w Lt. Cloud kintrcffen werde. -

Der Kaiser war in Compiegne, und ungeduldig über die durch die vorgrschricbene Etikette erzeugte Berspâtung verfolgte er am Bormit. tag dcs 19. März aut einer Karte die Reise Marie Louisens; wer da 8cief)tn, wie er die Stelleii anzeichnete, wo sie sich aushalten sollte, oatie geglaubt, er entwerfe den Plan eines neuen Feldzuges. /

an diesem Augenblick befand sich Niemand bei ihm als Duroc der «lvtzmarschnll des Palastes, der stehend zusah, wie Napoleon die Ent- ausmaß, und der Fragen wartete, die dieser an ihn r>ch« sichÄ'^ "b°b ft<b au b Napoleon, und die Karte unmuthig von die neu, » er zu Duroc: Man muß sich fügen, wir können Sieten un^m " "^ vor dem 29. begrüßen! man hält nun einmal eben so in ^^wünsche, und daS währt in Deutschland mindestens nicht wahr' 0,8 au*" Frankreich. Wir können davon erzählen, 3a Girr.

Saft möchte man glauben, ich sei verliebt.

doch gleitete tiefe Worte mit einem feinen Lächsln. Ze- ft* fein rar durch unangenehme Gedanken berührt, verfinsterte dachte, nfä ' ^*n*ge Augenblicke hatte er tiefes Schweigen beo« Stifts durch folgende eigenthümliche Frage unterbrach: schag,^-n^ Duroc, daß tu sehr glücklich bist? Der Großmai- derve >^ erstaunt und bezeugte dies durch Haltung und Ge- die n "rit entfernt Sire, meine Lage und meine Slestung Mein ^' Mül. verdanke, zu beklagen, aber....... dich thun » mr, es hantelt sich hier weder von dem, was ich für ich n *< noch von rem Amte, welches tu bei mir befielest; dich , r Ä®on slnem Berdienst, von einem Borzug , um welchen ich Ml fein. ">r ^"^" ' """ letzt könnte er mir von großem Bor.

Sowohl dieser, als mein ganzes Dasein Sire, steht zu Ihrer Ver­fügung.

Deine Anhänglichkeit an meine Person, lieber Freund, ist mir be­kannt , ich stellte sie schon öfter auf die Probe, aber tiefer Vorzug, ja dieses Glück, das dir unbekannt zu sein scheint, und um welches ich dich beneide, kann mir leider an tir von keinem Nutzen fein.

Duroc suchte den Schlüssel dieses Räthsels, jedoch ohne ihn zu fin­den ; der Kaisei weidete stch an feiner Verlegenheit.

Du kannst schreiben, lieber Freund , sagte er endlich zum Groß­marschall , du hast eine klare, tcutlute Schrift, tu könntest sogar Un­terricht darin geben; mit mir ist es anders, meine Schrift ist für mich selbst kaum zu entziffern.

Wie! nichts als daS? Haben Sie keine Seeretäre, denen Sie tic< tiren können?

Heute oder längstens morgen bin ich genöthigt , eigenhändig, hörst tu, mit eigner Hand einen Brief zu schreiben! Beurtheile meine Lage, tu, der weiß, wie ich schreibe, otei vielmehr, wie ich nicht schreibe.

Duroc konnte bei tiefer wahrhaft heroischen Bescheidenheit, die der Kaiser an den Tag legte, einen Anfall von Heiterkeit nicht unterdrü­cken , die der Kaiser, der seine gute Laune fast wievergefunven und der Duroc stets große Freiheiten erlaubte, auch nicht übel nahm. Za! mein Bester, fuhr Napoleon fort, ich bin genöthigt, da es Berthier verlangt, selbst einen Brief an meinen Schwiegervater zu schreiben.

Wie Sire! Der Wille BerthierS?

Ist in dieser Angelegenheit dem meinen überlegen Er erklärte mir, daß ich mich nicht entziehen könne, diesen Brief zu schreiben, um dem Kaiser Franz für die Hand seiner Tochter, die er mir bewilligt, zu danken; ja ich glaube sogar, daß er es öffentlich in meinem Namen versprochen. Mein Schwiegervater erwartet wahrscheinlich jetzt schon das Schreiben seines Schwiegersehiics.

Ich stimme mit Ew. Majestät überein, die Lage ist mißlich; aber ich sehe nicht ein, in welchem Grade Sie verpflichtet wären, nicht zu Mknneval oder einem anderen Ihrer Seeretäre Ihre Zuflucht nehmen zu können. Die Fürsten wissen ja auS eigener Erfahrung, daß Ew. Majestät keine Zeit zum Schreiben hat, und bis jetzt hatte keiner et­was cinzuwtnden, wenn Sie sich einer fremden Fever bei Austausch ihrer Correlrouvenz bedienten. Der Kaiser von Oesterreich wird heute auch nicht mehr verlangen.

Ohne Zweifel gäbe dieS keinen Kriegsfall, wie die Diplomaten zu sagen pflegen, es ist aber hier ein eigener Fall, es handelt sich um

eine Sache der Höflichkeit, fast um eine Pflicht. Ueberbaupt muß ich für den guten Franz etwas thun ; ich werde diesen Brief schreiben, oder vielmehr, ich werde ihn zu streiten versuchen. Der Kaiser schien en schlossen , er setzte sich vor feinen Pult. Schade, sagte er lachend, daß ich keine vierzehn Tage mehr Zeit habe.

Warum -Sire?

Potz Tausend! ich hätte mit den Schreiblehrer meiner Pagen kom­men lassen, hätte mich mit ihin cmge chloff.m, und vermittelst einig r Lektionen hätte ich das wieder ausgerrischt, waS ich in der Schule von Ajaccio gelernt habe. Aber tu scheinst mir nicht zu glauben? Dutoc hatte ungläubig den Kopf geschüttelt, der Kaiser hatte tiefe Bewe­gung bemerkt.

Ew. Majestät wird mir meine Kühnheit vergeben, antwortete ter Großmarschall, aber ich bezweifle es Sire.

Nun, ich werde dir bewci'en. vaß ich die Grundlagen nicht ganz vergessen. Als Schüler, ich gestehe es offen, glänzte ich eben nicht vurch meine Schönschrift, und oft hatte ich mit metinem Onkel, wr gen des Geschmieres, wie er meine Schrift nannte, harte nainpfe zu bestehen; später jedoch wurde sie lesbarer, unv noch vor einigen Jah- ren war sie leicht zu entziffern.

Bei diesen Worten nahm Napoleon eine Fever und sie in das Tin­tenfaß tauchend, zog er sie ganz gefüllt heraus. Geben Sie Acht, Herr GroßmarschaU, sagte spöttischer Kaiser zu Duioc, Sie halten mich nicht fähig, leserlich zu schreiben, ich überzeuge Sie vom Ge­gentheil.

Der Kaiser bemerkte nicht, daß er feine Finger mit Tinte beschmutzte, und ein großes Papier nehmend schrieb er langsam in der Absicht, den Zweifeln Duioc'8 eine siegreiche Wiverlegun: zu gehen, einige Zeilen nieder.

Der Großmarschall hatte sich auf den Pnlt gelehnt, um daö Werk des Kaisers in Augenschein zu nehmen, der mit vrm Fleiße eines Schu­lers, welcher die Ruthe seines Lehres fürchtet, arbeitete.

Nach Verlauf von zehn Minuten, in denen der Kaiser vaS Pa­pier mit Tinte und verkrüppelten Buchstabrn, tie weder gleich noch teutli* waren, bereifte, hielt er ein, und sich gegen Duroc wendend, sagte: Wirklich, lieber Freund , ich sehe ein, du hast recht. Über die Feder ist auch abscheulich schlecht, fast möchte man glauben, sie fei in der Absicht hingelegt, um mich zu ärgern und tir Recht zu verschaffe».

Er warf die Feder auf den Pult und erhob sich.

Und dennoch, rief er, bin ich genöthigt, diese Epistel zu schreiben!