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Wiesbaden. 1854.
Nr. 128.
Freitag, 2 Juni.
Sie Erklärn»,; Wetterreichs und Preußens am Dundestnge
über die von beiden Mächten in der orientalischen Frage ein« gehaltene Politik, und die Einladung an die deutschen Bundesgenossen sich der von ihnen eingenommenen Stellung an« I zujchiießen, lautet nach der „Ä. A.'Z." wie folgt:
Als am 10. November v. J. die im Orient entstandenen Verwicklungen in dieser hohen Versammlung besprochen wurden, war der Krieg zwischen Rußland und der Türkei -war bereits ansgebiochen, allein die Cabinete von Wien und Berlin konnten sich noch der Hoffnung hingeben, und dieselbe i gu-sprechen, daß cs den vereinten Beniühunge» der europäischen Mächte gelingen würde, eine Verständigung zwischen den kricg- s führenden Theilen hcrbeiznführen , und dem übrigen Europa die Segnungen des Friedens zu erhalten.
Diese Hoffnung ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Frankreich und Großbritannien nehmen als Bundesgenossen der Türkei am Krieg gegen Rußland Theil. und Oesterreich, das damals seine friedlichen Hoffnungen sogar durch eine Verminderung seiner HeereSbereitschaft bekrästigle, hat es jetzt für nöthig geachtet, bedeutende Streilkräfle an den südöstlichen Gränzen des Reiches aufzustellen.
Die hohe Bundesversammlung wird eine erschöpfende Dar- legung der Verhandlungen und Thatsachen nicht erwarten, welche der gegenwärtigen Sachlage voransgegangen sind. Dieselben gehören theils der allgemeinen Oeffentlicdkeit an, theils sind sie zur Kenntniß der einzelnen deutschen Regierungen ge. bracht worden. Wenige Bemerkungen werden genügen, um I den Standpunkt zu bezeichnen und zu rechtfertigen, von wel- I chem aus Oesterreich und Preußen die gegenwärtige Eröffnung ihren hohen Verbündeten machen zu müssen glauben.
Beide Cabinete begegneten sich mit denen von Paris und London in der Ueberzeugung, Laß der Streit zwischen Rußland und der Türkei sich nicht verlängern könne, ohne die s allgemeinen Interessen Europas und also auch die ihrer eigenen Staaten zu berühren. Sie erkannten gemeinschaftlich an, daß die Erhaltung der Integrität des türkischen Reichs und der Unabhängigkeit der Regierung des Sultans eine nothwendige Bedingung des politischen Gleichgewichts sei, und in keinem Fall der Krieg eine Veränderung im Territorialbestand I zur Folge haben könne. Die beiderseitigen Erklärungen und | Versicherungen der kriegführenden Theile boten der vermittelnden I Thätigkeit der vier in der Conferenz in Wien vertretenen Mächte Aussicht auf Erfolg dar. Die Einzelnheiten dieser ! Verhandlungen und die Gründe ihres Nichterfolgs gehen aus I km gWHf Protorollen dieser Conferenz hervor, welche der hohen Bundesversammlung hiermit übergeben werden. Das I U letzte derselben bezeugt, daß, wenngleich Frankreich und Großbritannien inzwischen in den Kriegszustand mit Rußland ein- getreten sind, die vier Cabinete unveränderlich an den früher i von ihnen gemeinschaftlich ansgesprochenen Grundsätzen, festhalten, und sich über das Princiv geeinigt haben, sich gemeinschaftlich über die geeigneten Mittel zur Erreichung der Zwecke ihres Einvernehmens zu berathen.
Die allerhöchsten Höfe von Wien und Berlin haben aber I in diesen ernsten Verhältnissen eine erhöhte Aufforderung erkannt, die Beziehungen engsten Vertrauens und v'elbewährter Freundschaft, welche dieselben mit einander verknüpfen, zur ge- wlssenhaften Prüfung der Gefahren zu benutzen, die im Kreise ihrer Macht aus dem gegenwärtigen Zustand erwachsen und einer nachhaltigen Abhülfe bedürfen. Sie haben nicht verkennen können, daß die Fortdauer der militärischen Machtent- saltung Rußlands an der untern Donau nicht nur mit den wichtigsten nachbarlichen Interessen Oesterreicks, sondern auch
Der Maienhof.
Eine schwäbische Volksgeschichte.
(Schluß.)
Magdalene nahm die Nachricht hin, ohne ja oder nein zu sagen. <Lare die Kellnerin vom Straßenwirthshaus nicht gewesen, so hätte ne noch jetzt nach dein Dorfe laufen mögen und ihm um den Hals I lallen mit dem Rufe: „Bleib da und wenn der ganze Hof zu Grunde Aden sollte"! Aber so — cs war ja sichtlich, daß Michael ihrer los werden wollte. Mit vollem Munde pries dagegen die alte Maien- ! Guerin Michaels Entschluß. Die jungen Leute schickten sich einmal wcht mehr zu einander, meinte sic, und für Michael tauge ein so ein. mmeé Leben wie das auf dem Hofe auch nicht; warum sollte man einander zur Plage leben? Den Maienhos könnten sie mit einem ÜUlen Knechte bewirthschaften. — Der weiland Maienbauer sei ja tigtnchch anet; nicht mehr gewesen, mochte sie in Gedanken binzwetzen. '^enS, sagte sie schließlich, sei ja ein Kind da, um den Hof erlfn' un6 Magdalene brauche gar nicht wieder zu heirathcn, S nun Michel völlige Scheidung verlangen oder nicht.
so üb" °— Schultheiß selbst war von der Beredtsamkcit der Bäuerin M^^âltigt, daß er ruhiger nach Hause ging und von da an ■ 'uchts mehr in den Weg legte. Alle Vorbereitungen zur Aus. des wurden jetzt allen Ernstes betrieben. Die Ausscheidung und dergleichen wurde ohne gerichtliche Hülfe in allem I tere d Schultheißen und der alten Bäuerin besorgt, welche letz- ditffrni *lr einmal den Hauptzweck erreicht und Michael vom dofe i ihn durchaus nicht übervortheilen wollte. Daß keine frieden -^ Scheidung vollzogen werde, waren die jungen Leute zu. dali wochle ihnen im Geheimen das Gefühl doch wohl thun, funden sei. keine U°uikiikn ging nun ein Tag um den andern hin, wie wenn Nur mcl,r um Himmel stände und kein Vogel im Walde sänge. I für i,e" Tm Krude beschäftigte sie sich; cs schien das Einzige, was t sie würd - auf der Webt war. Die Mutter ließ sie unange'ochte» ; schaltete , *on na(b 11116 "^ wieder zu sich kommen, dachte diese, I funft rüstig auf dem Hofe uno baute Plane für die Zu-
i guck l war nun los von allem, was ihn geärgert hatte, aber I * ws von allem, was ihm je lieb und theuer gewesen war. In
mit denen Deutschlands unvereinbar ist. Nicht nur würden dadurch die bestehenden politischen Machtverbältnisse in einer für Deutschland nachtbeiligen Weise bedroht, sondern auch die natürliche Entwicklung seiner materiellen Wohlfahrt in empfindlicher Weise beeinträchtigt werden.
Von dieser Ueberzeugung geleitet, wenden die Höfe von Oesterreich unb Preußen sich ver'rauensvoll an ihre deutschen Bundesgenossen. Sie haben bereits den einzelnen Regierungen »ihre innige Ueberzcugui g ausgesprochen — und halten cs für Pflicht, dieß auch im Kreise der Bundesversammlung zu thun — baß die Interessen, für welche sie inmitten der obschivebenden Verwicklung eiinMien, ihrer Wesenheit nach zugleich gemeinsame Interessen des gesammten Deutschlands fiub. Es erscheint ihnen als eine Foiderung der politischen Stellung Deutschlands, als ein Element seiner erhallenden Politik, und als eine Bedingung der natürlichen Entfaltung seines Nationalreichchums, baß in den Ländern der unteren Donau geordnete und den Interessen des mittleren Europa's entsprechende Zustände bestehen. Der Industrie und dem Handel Deutschlands eröffnet sich im Orient ein weites und fruchtbares Feld des Wetteifers mit andern Nationen, ein Gebiet, das für die Verwerthung deutscher Intelligenz und Arbeitskraft um so größere Wichtigkeit gewinnen muß, je rascher die Entwicklung der allgemeinen Culturzustände und Verkehrs- verbältnisse fortschreilet Die materiellen Interessen Deutschlands sind in der Richtung der großen Wasserstraße nach dem Osten des mächtigsten Aufschwungs fäbig, und es ist daher ein allgemein deutsches Anliegen, die Freiheit des Donauhandels möglichst gesichert und die naturgemäße Belebung der Verkehrswege nach dem Orient nicht durch Beschränkungen zurückgedrängt zu sehen.
Vor allem aber betrachten es die beiden Mächte nicht nur als das gemeinsame hohe Interesse, sondern auch als eine unverbrüchliche politische Pflicht der Regierungen des deut- schen Bundes, mit vereinter Kraft darüber zu wachen, daß nicht in Folge des gegenwärtigen Kriegs die bestehenden Machtverhältnisse der europäischen Großstaaten zum Nachtheil Deutschlands verändert werden. Wenn ber deutsche Bund gegründet wurde, damit das nationale Band der Deutschen erhalten werde, und Deutschland in seinen äußeren Verhältnissen als eine in politischer Einheit verbundene Gesammtmacht bestehe, so wird sich die Kraft des Bundes zumeist in großen europäischen Krisen zu bewähren haben, die in ihrer Tragweite über jede locale Gefahr hinausreichen, und je nach ihrem AuSgang den Rang, den die Völker künftig unter sich cinneh- men werden, bestimmen.
Die eugverdüttbeten Höfe von Drslerreich und Preußen glauben, indem sie ihren Standpunkt als europäische Mächte in der gegenwärtigen Weltlage wahrten, zugleich ihre Aufgabe als Mitglied des deutschen Bundes getreu erfüllt zu haben. Sie dürfen daher das feste Vertrauen haben, daß ihre hohen Bundesgenossen insgesammt bereit sein werden der von ihnen gemeinschaftlich eingenommenen Stellung sich anzuschließen. Ihre Ausgabe ist in diesem Augenblick noch die der Vorbereitung für alle Eventualitäten, und die beiden erhabenen Monarchen werden gewiß sich glücklich schätzen, wenn die kommenden Ereignisse die Nothwendigkeit eines activen Einschreitens nicht mit sich bringen werden. Die letzte Entscheidung gehört hierin der Zakunft noch an, und Oesterreich und Preussen können nicht beabsichtigen dem Urtheil ihrer Verbündeten darüber vorzugreifen, .was schon in der jetzigen Lage der Dinge die im gemeinsamen Interesse Deutschlands gebotene Vorsicht erheischt. Ein doppelter Zweck liegt aber jedenfalls bereits ihrer heutigen Mittheilung zu Grunde. Sie hegen für sich selbst den lebhaften Wunsch, die beruhigende Gewißheit zu er
dcS Vaters Haushalt war's ihm nimmer heimisch, Magdalene aber fehlte ihm zu feter Stunde. Er hatte nicht gewußt, daß ihr Walten, auch wenn sie nicht mit ihm gesprochen hatte, ihm so lieb gewesen war. Uno wenn er sich auch bereotete, daß es nur der Gewohnheit wegen sei, es kam ihm eben unerträglich öve vor in dem Hause, wo er sie nicht sah. Auch seine Auswanderungsgenoffen raren keine passende Gesellschaft für ihn; e. waren mutbiße junge Leute, die voll Hoffnung vorwärts f(bauten, er dagegen batte hinter sich gelassen, was ihn glücklich gemacht hatte. Er bereute nicht, nein, er fühlte sich nur sehr elend.
3m Straßenwirthshaus war er lange nicht gewesen; er wollte sich gerade jetzt nicht einem falschen Gerede aussctzen und hatte auße!» dem eine haib unbewußte Scheu, Annelc wieder zu begegnen. Er fürchtete für sich, nicht für sie.
Aber da kam der letzte Zahrcsabenv herbei; heute konnte er nicht allein bleiben, es waren der Erinnerungen zu viele, die er von sich ferne halten mußte. Aniiclcs Theilnahme sollte ihm wohl thun; er sehnte sich darnach, mochte daraus folgen, was ras wollte. Er machie sich auf nach dem Straßenwirchshaus, früh am Abend , wo noch nicht viel fremde Gäste zu erwarten waren. Er traf Annelc nicht. Statt dessen war die Wirthin bereit, ihn zu unterhalten und gegen ihn ihr Herz rnrch Klagen zu erleichtern. Annelc hatte im Stillen einem Bürgerssohn aus der Stadt ihr Heiz geschenkt, da dieser aber noch unter dem Militär stand und sie selbst kein Vermögen hatte, nicht geglaubt, raß er ivr treu bleiben würde, und deßhalb ihre Liebe ver- hciinlicht. Jetzt war deiselbe vom Dienste los geworden und wollte seines Vaters Geschäft übernehmen; er war gekommen und halte allen Ernstes um Annele angehalien. Sie war bereits zu seinen Eltern geholt worden, um in das Hauswesen eingeleitet zu werden.
Bittern Eindruck machte diese Nachricht auf Michael; er wußte nun, warum das Mädchen mit ihm so gerne vom Militärlebkn gesprochen hatte Wenn sie ihn so freundlich anblickte, waren ihre Ge- danken fern bei ihrem Geliebten gewesen. Er wollte barü er lachen, und zürnte sich selbst, daß er sich's doch kränken ließ. Während dessen halten sich einige Stadtberren cingcfunkcn; Michael mischte sich in verzweifelter Lustigk.it in ihre Unterhaltung und hatte sich bald in bin Kartenspiel mit ihnen vertieft.
Längst war's Nacht geworden, da trat ein Bursch in die Stube, der nach dem Doctor aus der Stadt fragte. Er hätte noch in der Nacht in die Stadt eilen sollen, wie er sagte, und habe im Dorfe
landen, daß die Haltunst, welche sie bei der immer ernsteren Gestaltung der schwebenden Frage beobachtet haben, der Billigung ihrer deutschen Bundesstcuossen sich erfreue. Es stellt sich ihnen sodann für Deutschland als das dringendste Bedürfniß dar: baß durch das verfassungsmäßige Organ bei Willens und Handelns des Bundes der Entschluß aller seiner Mltglieder sich kundgebe, kräftig und treu in den Prüfungen zusammenzusteheu, welche die nächste Zukunft dem gemeinsamen Vaterlande dringen kann. Je mehr Deutschland in verbürgter Einigkeit und seiner ungctheitlen Kraft sich zeigen wird, mit um so größerem Nachdruck wird cs die ihm angewiesene Stellung ehrenvoll behaupten und zur Förderung des Weltfriedens wirksam beitragen können.
Deirtichland.
* Wiesbaden, 1. Juni. Se. Hoh. der Herzog hat seine Abreise nach Dessau um einige Tage verschoben. Se. Hoh. der Herzog wartet die Rückkehr des Herrn Staats- Ministers Prinzen Wittgenstein ab, der bekanntlich der Conferenz der deutschen Mittelstaaten zu Bamberg bei- gewohnt bat.
A Wiesbaden, 31. Mai. Zur Beschickung der Londoner SchulauSstellui.g Seitens Deutschland sind von der englischen Regierung neue ausgedehntere und hoffentlich sehr wirksame Maßnabmen ergriffen worden, worunter die vorzüglichste die Sendung des Herrn Capitân Boscawen Jbbetsan, F. R. S., an die deulschen Regenten und Er- ziehuustsbehörden, um deren thätige Mitwirkung an der großen Sache in Anspruch zu nehmen. Unser Land betr., ist Herr Ibbetson am 29. d. M. in Wiesbaden eingetroffen und hatte am 30. eine Audienz bei S. H. dem Herzoge, welche sehr günstige Aussichten für die Sache stellte. Von hier aus reiste der genannte Bevollmächtigte zunächst nach Preußen und wird sofort auch Sachsen, Hannover, Oesterreich, Baiern u. f. w. in seiner Mission besuchen. Nach neuerem Beschlusse der Society of Artb in Loudon ist die Austheilung von Verdienstmedaillen für Einsender solcher Gegenstände, die dieser Auszeichnung würdig sind, festgestellt worden, sowie man alle möglichen Vorkehrungen treffen wird, um die Einsendung von betr. Gegenständen zu erleichtern, so die ausnahmsweise Aufhebung des Emgangszolles für Sachen, welche odne Handelszweck der Ausstellung übersandt werden. Unter solchen Auspicien lassen sich für das Ganze großartige Resultate hoffen, die selbst auch ihren Einfluß auf Deutschland üben werden, da man hofft, ein jedes Land auch durch die Sendung von Schulmännern nach London repräsentirt zu sehen.
Lorch, im Mai. Die Herstellungsarbeiten für unsern herrlichen Hochaltar, welche bisher größteuthcils aus den freiwilligen Beiträgen der Gemeinde bestritten werden sonnten, haben einen so erfreulichen Fortgang genommen, baß in diesen Tagen die Aufrichtung der beiden ganz neu hergerichteten 24 Fuß hohen Seitenthürme des Altars vor sich gehen konnte. — Sachkenner sind darüber einig, daß die Ausführung der Arbeit, was Styl, Reinheit und Sauberkeit der Ausführung angeht, nichts zu wünschen übrig lasse und daß dem auSfüh- reuden Künstler, Herrn Bildhauer Wenck in Wiesbaden, dafür alle Anerkennung gebühre. Die bisher zusammen ge« brachten Mittel haben jedoch kaum zugereicht, um diese beiden Seitenthürme, welche ganz fehlten, Herrichten zu lassen; eine Hauptarbeit die nicht länger austeben kann, ist aber noch übrig, die Herstellung nämlich des in vielen seiner Theile arg beschädigten 34 Fuß hohen Hauptthurmes, sowie vieler andern Theile des im ganzen 52 Fuß hohen Altares, indem erst nach deren Vollendung die Rüstungen, welche bisher den ganzen Altar verhüllten, weggenommen werden können. Zur Ans'
gehört, daß der Doctor eben dort durchgefahren fei. Da habe er dessen wohlbekanntcn Einspänner vor dem Wirihshaufe erblickt. Zögernd von den Karten ausblickenv fragte der Doctor, wohin er gerufen werde. Auch Miwael hatte die Karten niedcrgclegt, denn der Knecht war vom Maienhof.
„Vom Maienhos komm' ich", berichtete der Knecht den Doctor; „das Kind ist erkrankt uno ich schätze, daß es die Nacht nicht überleben wird." - Michael war aufgesprungen. Sein Kind im Sterben uno er saß bei den Karten! „Um Gottes Barmherzigkeit willen eilen Sie!" rief er dem Doctor zu. Er selbst schob denselben in sein Gefährt und sch'ug dann den näheren Fußpfad ein , ohne auf den nachkeuchenden Knecht zu warten. Alle andern Gefühle, alle Rücksichten waren zurückgewichen vor dem Verlangen, sein sterbendes Kind noch zu sehen.
Es war eine rechte kalte, schaurige Neujahrsnacht, besonders draußen auf dem einsamen Maienhos. Kein Stern stand am Himmel, kein Laut war zu hören, als das Brausen des Sturmes, der oureb den Wald sauste und pfiff. Am Tuche saß zitternd die alte Maienbäurin, las bald laut au einem Gebetbuche vor, bald trat sie wieder zur Wiege und schaute das Kino an, dato horchte sie am Fenster ob Der Doctor noch nicht komme. Magdalene that nichts von alle dem; sie filiere an der Wiege ohne Regung, sie hielt den Blick unverwandt auf die Züge des sterbenden Kindes geheftet. In ihrer Seele sprach eS um so lebendiger. „Ich war das Kind nicht werth, drum soll ich eS nicht behalten!" sagte sie sich. Es ward ihr jetzt so vieles klar, ihre Empsindlichkeit, ihr Zürnen, ihre Verschlossenheit. Wenn Michael unrecht gegen sie gehandelt hatte, war sie nicht großen Th ils selbst daran Schuld gewesen? Hatte sie Geduld mit ihm gehabt, und durch sanstmüthige Liebe seine B fferung gesucht, wie sie am Alta-e war unterwiesen worden? Statt dessen hatte sie ihn hinaus getrieben in die weite, ferne Welt über dein Meere!
Während sie solche Gedanken in sich bewegte und dem K nde auf alle Weiss seinen Kampf zu erleichtern suchte, seine Lippen netzte, eS bald an sich wärmte, bald toterer sogleich in die Wiege bettete, er« tönte der Schrei eines Käuzchens auf Dem Dache. Ein Wehrruf entglitt jetzt ihren Lippen. Der Ruf res Todtenvogels war ja ein Zeichen , daS jede Hoffnung zu nichte machte.
In diesem Augenblicke stürzte Michael zur Tdüre herein. Auch er hatte den Ruf vernommen; er war sein Willkomm gewesen. „Lebt'S noch" ? rief er Magvalcnen entgegen und beugte ft^ zu gleicher Zeit