» f Mauifd'« ««aemei-e 3#itutw »«ât, Sonn» t p «ufyenommen câglcÄ P^cL - vlkrltljâst tur #i?W»Ä und re» £6arn und Tnr>S',chen Postdcjn k 2 fl., sonst 2 st. 24 fr.
Aafamsche Allgemeine Zeitung.
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Wiesbaden. 1834 Nr. 127. Donnerstag, 1 Juni.
Der Erzbischof von âibnrg im „Hausarrest."
Q Wiesbaden, 1. Juni. Mit diesem Ausdrucke sucht die Mitielrbeiniscke Zeitung in ihrem heutigen Leitartikel die Haft des greisen Erzbischofs zu rrchtftrtiqen. Weil eS aber zu einer solchen Rechtfertigung an Gründen fehlt, so soben diese durch eine Flutb von Schmähungen, welche ans einer gemachten, nicht aus einer wahrhaft dargestellten Geschichte hergeleitet sind, ersetzt werden. Wozu nun solche Schmähungen gegen die katholische Kirche? Ist der bedauernSwerthe Conflict in Boden ei» Kampf zwischen Katholiken und Protestanten ober ist er nicht vielmehr ein Kampf zwischen der Bureaukratie und der katholischr.i Kirch:? Diese verlangt keineswegs eine Bc eitttrâchtigung wohl- (wordener Rechte irgend einer Religions- Gesellschaft; sie verlangt nur die Rückgabe hr Rechte, welche sie noch IÄ Anfänge dieses Jahrhunderts besessen hat, welche auf ihrem Glauben und ihrer Grirndverfassung b ruhe», und welche ihr feierlichst garantirt worden sind. Auch die nicht- katholischen ConfeOonen haben gelitten unter der Bevormundung der Blamtenherrschaft; darum verlangten die evangelischen Lande, ürchen WieVeiherstellung der Konsistorien. Haben die Katholiken sie deßhalb augeseindet oder geschmäht? Warum will man nun den Katholiken nicht die Befreiung von rechtswidrigen Fesseln gönnen?
Unsere Feinde sprechen immer von Toleranz; in der Wahrheit kennen sie aber keine Duldung: dafür zeugen ihre Schmä- Hungen nicht minder als ihre Thaten. Als im Anfänge dieses Jahrhunderts die katholischen Kirchengüter eingezogcn wurden, da dachten unsere kurzsichtigen Feinde nicht an ^ Deutschlands Schmach und Untergang; sie freuten sich nur, daß, wie sie meinten, das Ende der Kirche herbeigeführt werde: sie frohlockten über den vermeintlich großen Gewinn, welchen die Völker aus diesen geistlichen Gütern ziehen würden. Un« befangene Protestanten erkannten jedoch schon damals, daß diese unrechtmäßig erworbenen Güter Niemand n Vortheil bringen würden/ Schon damals verglich ein geistreicher protestantischer Schriftsteller die Säkularisation mit dem Adler, der ein Stück Fleisch von Jupiters Altar stahl und mit benh selben eine Kohle in sein Nest trug, die dasselbe mit den Jungen verbrannte.
Als in 1845 Johannes R o n g c durch mehrere deutschen Städte zog, in frivolen Reden auf die Katholiken schmähte und den Untergang der katholischen Kirche prophezeihte, mit welchem Jubcl wurde er von unseren Feinden begrüßt! Halte eè nicht den Anschein, als ob jede wissenschaftliche Bildung gründlich aufgehört habe? Mit welcher Bc.'c'sternna wurden M leichtfertigsten und oberflächlichsten Reden ausgenommen! ' Unbefangene Protestanten ahnten auch schon damals, baß es K sich bei diesem Rongethnm, wie nachher der Jünger D o w i a t ausdrücklich erklärte, gar nicht um Religion, sonder» nur um * politische Wühlerei handle.
Wozu sollen übrigens jene, angeblich auf die Geschichte gegründete Schmähungen führen? Was nützte es wohl, wenn I wir hier ein Register all der Missethaten , welche den Katholiken bei den von Hugenotten angeregten Bürgerkriegen in Frankreich, z. B. die Gräuelsceneu in Örtez, bei Einführung der Glaubensspaltung in England und Irland rc. zu gefügt wurde, in einem Zeitungsblatte aufzählen wollten. Was soll ferner durch Fehler, welche Einzelne sich zu Schulden kommen kaffen, gegen die ganze Kirche b wie eu werden? In dieser Beziehung gilt das schöne Wort eines berühmten Kirchenlehrers: Was du Gutes in meinem Buche findest, bas kommt nicht von mir her,- sondern von der katholischen Kirche; was du aber Irriges findest, das schreibe mir zu. So hat jedoch der Verfasser jenes Leitartikel nicht gc urtheilt. D>n Verfall des jMMg^^pTOwiim^gmfiiMma^
spanischen Reiches verschuldet, nach seiner Behauptung, die katholische Kirche — insbesondere durch Einführung der Inquisition.
Es würde wohl von größerer GcschichtSkeiintniß oder von größerer Wahrheitsliebe zeugen, wenn er behauptet hätte, daß die Spanische Inquisition keineswegs ein kirchliches Institut, sondern eine Staatsanstalt gewesen sei.
Näher berührt uns aber die Frage, durch welche Ursa- chcn Deutschlands Verfall herbeigeführt wurde. Sicherlich werden die Wunden, an denen unser Vaterland leidet, nicht durch Schmähungen Hub Anregungen confessioaeller Zwietracht geheilt werden. Auf diese!» Wege wird Deutschland nicht, wie ein viclgelesener Geschichtschreiber der neuesten Zeit irriger Weise behauptet, seine Geschichte mit neidwüitiger Sicherheit und in einem gleichen Zuge bescheidener Großheit fortsetzen." Was uns vor Mem Noth thut, das ist Anerkennung des Rechtes für Freund und Feind. Die Duldung in religiösen Dingen besteht nicht darin, daß wir dem wahren Grundsatz huldigen, man müsse jede Religion für gut halten und zwischen den einzelnen Confessioncn keine wesentlichen Unterschei- bungSpuncte anerkennen, die Duldung besteht vielmehr darin, daß wir die Rechte einer jeden Confesston achten, und daß wir jeden Andelsglaubendeu lieben. Hiervon haben aber die Anhänger von dem Glaubensbekenntnisse des Landpflegers Pontius Pilatus kein Verständniß. Sie, die nichts Höheres als ihr Selbst kennen, sind auch fähig, den Unschuldigen zu schmähen und den Gerechten zu verurthellen. Wehe dem Lande, dessen Geschicke von solchen Menschen geleitet werden.
Deutschland.
* Wiesbaden, 31. Mai. Der Abg. Vogler hat sein Mandat zur zweiten Kammer niedergelegt.
△ Wiesbaden, 1. Juni. Die heutige Mitthelrbeinische Zeitung bringt die Nachricht, daß an den bevorstehenden beiden h. Pfingsttagen Herr geistt. Nath Beda Weber von Frankfurt in der hiesigen katholischen Kirche predigen werde.
Wir sind in den Stand gesetzt, diese Nachricht dahin zu berichtigen resp, zu vervollständigen, daß am zweiten Pfingsttag, zugleich am Feste des hl. Bonifazius (diesigen Kirchen- patrons) Herr Gencralvicar Lennig von Mainz das Hochamt celebriren und an demselben Festtage Herr geistt. Rath Weber die Predigt halten werde.
Karlsruhe, 27. Mai. Die Nachricht von einer Serbin- billig unseres Regenten mit dem preußischen Königshause er= weiset sich als voreilig ;*r=k=—
Aus Baden, 30. Mai. Dem „Mainzer Journal" wird folgender vertrauliche Meinungsaustausch zwischen zwei badischen Bureaukraten mitgetbeilt. Ti.se Herren waren auch Einmal in die Kirche gegangen, wahrscheinlich um die Wirkungen der neuesten Großthaten in Augenschein zu nehmen. Beim Heraustreten stieß der Eine den Anderen an mit der Frage: „Nun wie hat dir daS Auftreten dieses Pfaffen gefallen? Der nimmt sich heraus, den Erzbischof als einen Märtyrer baizustellen, als einen Dulder. dem das schreiendste Unrecht widerfährt. Ich befestige mich immer mehr in der Ueberzeugung, daß die katholische Religion revolutionär ist." — Ganz richtig, bemerkte der Andere, meine Ansicht gehet noch weiter, ich halte das ganze Christenthum für revolutionär, und die Bibel für ein höchst staatsgcsährliches Buch, denn gerade die der Predigt unterlegten Stellen involviren das destrucuve Gist. Der ganze moderne Staat stehet in Gefahr, und alle Errungenschaften der Aufklärung und Civilisation würden verschlungen von diesem finsteren fanatischen Geiste, wenn die Regierungen nicht stark genug wären, ihm einen
Damm entgegenzusetzen. —- Nach ihrer Art und Anschauung haben diese Herren Recht.
Nicht selten hört man gegen das letzte Vorschreiten des Erzbischofs den Einwurf erheben, dasselbe hätte, so lange die Negierung in Rom verhandle, verschoben werden sollen. Allein dieser Einwurf entspringt einer völligen Unkenntniß der Verhältnisse. Als die Regierung dem Oberbirlen anzeigte, daß ein Abgesandter nach Rom gebe, hat sie bekanntlich zu gleicher Zeit erklärt: sie bleibe auf ihrem früheren, d. h. kirchen- feindlichen und rechtswidrigen Slandpuncte auch fernerhin stehen. Sie sagte damit, nachdem ohnehin die Verhandlungen über ein Jntcrimisticum sich zerschlagen hatten, zum Ue« berflusse noch mit Worten, daß sie auf der unerträglichen Knechtung der Kirche beharren werde. Und ihre Thaten haben ihren Worten entsprochen. Das Convict, gegen das der Erzbischof als Gencralvicar zwar protestiere, aber da damals ein anderer Bischof regierte, einen weitern Schritt nicht thun konnte, hat er im Jahr 1849 aufgelöst. Er hat ein Seminar für die Theologen errichtet, wie es die Kirche vorschreibt. Die Regierung hat es gewaltsam gesperrt, und Senébarmen in das Scmiuargebäudc legen lassen, das doch der Kirche gehört. Sie hat alle ausländischen Priester, die in der Seelsorge aushelfen, auSweisen wollen, und den Pfarrverwesern ihre Gehalte vorenthalten. Hat sie damit nicht deutlich zu verstehen gegeben, daß sie mit Rom nicht unterhandeln will, und Alles nur Spiegelfechterei war, um Zeit zu gewinnen? Es ist auch wirklich bekannt geworden, daß der badische Gesandte in Rom gar nicht die Vollmacht von der Regierung erhalten hat, auch nur einen Vertragsabschluß zu versuchen. — Mußte da der Oberhirte nicht vorschreiten in Ausübung seiner Pflichten?
Der Erzbischof hat nun feit wenigen Tagen drei Verhöre bestanden, obgleich er im ersten zu Allem sich bekannt hat, auf was inquirirt wurde, ©enger soll erklärt haben: erwerbe den „Alten" noch wenigstens 3 — 4mal inquinre«, wenn er auch nichts antworte. Das gestrige Verhör währte 4 Stunden. Senger nannte den Oberhirten: Verräther am Fürsten, Volksaufwiegler, Hochverräther, Aufreizer rc., als wenn er es darauf abgesehen hätte, den Greis durch Mißhandlung „ todtznverhören". Dann hätte freilich die Lerlcgenhei't ein Endel
Wie die Freib. Ztg: vom 30. Mai berichtet ist die gegen den Erzbiicbof eingeleitete gerichtliche Untersuchung nun» mehr geschlossen und wurde deßhalb der persönliche Verhaft behüben au rwähnren Tage wieder aufgehoben. Es ist dieß eine neue Unbegreiflichkeit der badischen Regierung. Entweder mußte die'Hafi bis zur Urtheilen chopf. ung ausrecht erhalten ober gar nicht verhängt werden. Diese durchaus unmotioirte Freilassung kann in nichts den empörenden Eindruck mildern, welchen der an der ehrfurchtgcbie- tenden Person des greisen Kirchenfürsten gewagter Feevel hervergebracht hat, in nichts das beispiellose Verfahren gegen denselben wieder gut machen. Der Jedem bei dieser Nachricht sich aufdrängende Gedanke ist — daß diese Freilassung nicht freiwillig sondern durch eine äußere Nöthigung erfotgte.
Aus Freiburg vom 27. Mai erhält die „A. Z." eine Erklärung, im wesentlichen folgenden Inhalts: „In der Bei- läge der „A. Z." vom 24. wud berichtet, ber Gesellenbmid, welcher unter der Leitung des Unterzeichneten stehe, habe vor dem Palast des Herrn Erzbischofs eine Demonstration versucht und sei auseinander getrieben wurden. Da nun kein Mensch in ganz Freiburg von einer solchen Demonstration des Gesellenbundes etwas weiß, so ist jener Bericht eine boshafte Lüge von dem 8Correspondenten, wahrscheinlich in der
Der Maienhof.
Eine schwäbische Volksgeschichte.
iIortfepunjs)
Ein Halbjahr mochte so bingegangcn sein, als Michael eines Abends seinen, nun fast täglichen Gang wieder angetreten hatte. Die alte Bäuerin hob wie gewöhnlich zu schelten an und warf Magdalene mit jöitterfeit vor, raß sie cs dulde, wie ihr Mana ihres Kindts einstiges Erde vergeure und hinaus bringe. Michael war indeß im StraßrN« Wirthshaus angelangt und schlug sich gewaltsam ans dem Sinn, was Um zu Hans gepeinigt hatte. Er traf fast keine Gesellschaft; nur ein auer, fremder bandfuhrmann saß schläferig in einer Ecke, Wirth und ärthin waren auf dem Felde, Aiincle, ras sich hcu-c einmal unbeobachtet glaubte, saß in Thränen da.
Theilnehmend drang er in sie, und das Mädchen entdeckte ihm das dâ ^m ^ste- Frühe verwaist, war sie von den Wirthüleuten, kiw r une eigennützigen Verwandten, erzogen worden , mußte ten Ä wenn auch ihre Dienste längst die geringen auf sie gcwcnde- mußie t hatten, doch noch täglich diese vorwerfen lassen, Gest»! der ihr auch das Herz sein mochte, immer ein heiteres Elastes un^ auf>«Prff«n» auf jede» Wink auch des widrigsten hin nm ^a'te bei all dem keinen Schutz gegen irgend eine Un- Michapi ,c sich silbst geben konnte.
Jammer Erzählung tief zu Herzen. Wer hätte solchen schmeichelt» "^bnden Augen des Mädchens gesucht? Doppelt S & Vertrauen, da sie sonst ihren Kummer so sorg. SeivutiBmtn r ^itleib und Theilnahme gingen in vollkommene sväie r' als endlich die Wirthsleute und noch ein paar terdaltiin! '" und Anuele mit gewohnter Munterkeit die Un« für das Mi n „fl zu bringen wußte. Michael selbst hätte sie heute lichste »J ■ < Esemiilh halten können und ihre Lage für die glück- bâtten' er,""» thm nicht ihre Sutanen noch vor dem Auge geblinkt mal int. ml "jj.wachte er sich auf den Heimweg, und zum ersten- keinem Rr^^^dtstin stellte er eine Vergleichung zwischen Annelc und ■ -useibc an, und seufzte dabei.
st'eianet ^ien doch Magdalenens scheue, zurückhaltende Natur Wesen L« HT>» bc za erhalten, wenn er sie mit dem vertrauensvollen wie , Kochens verglich I Und seines WcibeS Empfindlichkeit, ch sie das Leben mit ihr schwer, während Annele unter fort«
währenren Kränkangen doch jeden Augenblick ein freundliches Gesicht zeigte! Wie angenehm war's auch mit der Kellnerin sich zu unter« I alten, Lie für alles sich intercssirte, überall ein kluges Wort mitreden konnte, während für Magdalene, was über dem frofc draußen lag, so gut wie nicht auf cer Welt war!
Aergerlicher und unzufriedener als je kam er auf dein Hofe an. Magdalene war noch wach und saß bei des .'kindes Wiege. Als er eintrat, wandte sie sich ab; er kam auf die Wiege zu, um Las Kind zu seyen, das einzige -Wesen , dessen Anblick ihn noch erfreuen konnte. Magdalene aber deckte mit hastiger Bewegung Lic Wiege zu. Das hicß den Funken in's Pulver werfen. Michael fuhr auf. Bisher hatte er mit Magdalene noch nie in Worten gescholten; beide gingen stumm neben einander hin; cr zürnte ihr im Herzen, aber sie mit Worten zu beleidigen hatte er nicht über sich vermocht. Zu neu war ihm noch das Andenken daran, wie lieb sie ihm gewesen. Heute aber brach die letzte innere Scheu; er war außer sich, er war ja jetzt lod« gerissen vom allem, an dem sein Herz gehangen hatte, und vom Riffe bebte dasselbe in jeder Fiber. Er nannte laut feine Herrath ein Elend, wünschte sich hinweg von seinem Weibe, vom Hofe, von allen Menschen von der ganzen Welt.
Magdalene war zwar todtenblaß geworren, aber mit einer Ruhe, die zu starr war, um natürlich zu sein, antwortete fie: „Wenn du gehen willst und kannst, ich will dir kein Hinderniß fein" l
Während seiner Abwesenheit am Abend halte eine Bekannte und Vertraute der alten Maienbäuerin, die ehemals für ihren Sohn ein Auge auf Magdalene geworfen hatte, auf dem Hofe eingesprochc» und die Kunde von der Kellnerin im Sraßcnwirthshans und ihrer Freund- schaft für Michael in aller Redseligkeit mitgetbeilt; das hatte das Ge- mülh des jungen Weibes auf's tiefste empört, und wenn ihr Herz darüber gebrochen wäre, sie hätte jetzt ihm tie Hand nicht zur Ver- söhuung reichen können.
Michaels Fassung hatte dieser Auftritt mit feinem Weibe den letz- ten Stoß gegeben Längst hatte der höhnende, hochfahrende Ton fei nor Schwiegermutter ihn gequält; längst fühlte er auch, daß Dienst- boten und Tagelöhner den Respect vor ihm verloren hatten. Er war in einer Lage/ die den stolzen Schulzeiilohn hätte von Sinnen bringen mögen.
Am andern Tage war Sonntag. Michael hatte cs seit einiger Zeit gemieden, in's Dorf zu gehen; vor der Kirche scheute er sich, denn er wollte nicht über sich selbst Nachdenken; seinem Vater und
älteren Bekannten vom Dorfe wollte er, uiiznirieden mit sich elbst »ad der Welt, auch nicht gerne begegnen. Heute aber tneb's ihn hin; verstört in seinem ganzen Sein, wußte er nicht was beginnen; nur so viel stand ihm fest, daß es nicht so fort gehen könne.
Früh ging er vom Hofe weg, ohne zuvor Abschied vom Weibe- oder sonst jemand zu nehmen. Er war begierig, wie man ibn im Dorfe aufnehmen würde; er wußte, daß sich das Geiüchl von seinem leichtsinnigen reben, von der strengen Schwiegermutter bekräftigt, allenthalben verbreitet hatte; heute aber war er gerade in der Stimmung, allen unter die Augen zu treten ano zu sagen: „Da bin ich, wagt ihr's, etwas gegen mich zu haben"? Er halte sich daS aber leichter gevacht, als er'S fand ; rein Samm, rcr alle K-äflc «seines Leben daran setzen muß, um eine sichere Existenz zu erringen, gilt nichts für verächtlicher und sträflicher, als eine muttzwillige Zerstörung derselben, sei'S durch Vergeudung der Zeit oder der Mittel. Man vergibt noch dem Tagelöhner, der heute praßt, um morgen so wenig als gestern zu haben, nicht aber dem Bauern, der einen Wohlstand untergrabt, den er der Vorfahren Glück und Fleiß dankt und den Nachkommen ungefährdet erhalten soll.
Michael fab die unfreundlichen Blicke, die sauren Mienen; er bemerkte, wie der eine oder der andere, an dessen Hause er vorüberaing, daS Schiebfenster schloß, um ihn nicht grüßen zu müssen. Der schöne Maienhof war ja der Stolz der ganzen Ortschaft, Michaels Bet-agen unentfdml bar. Er hatte sich beredet, daß ihm die Meinung der Leute gleichgültig sei; dennoch stammte bereits sein Ange und feine Lippe, anstatt verachtend zu lächeln, bebte, noch ehe er zu seinem Vater kam, und doch brach dort erst der rechte Sturm über ihn loS.
Der alte Schultheiß hatte längst angeschlagen, nach dem Maienhof zu gehen, um ihm gründlich die Meinung zu sagen für die Schande, bie er dem Vater im Dorfe gemacht. Der Weg nach dem Maienhof war aber w it und uneben; der alte Schultheiß kam nicht vom Lehnstuhl weg. Um so willkommener war ihm jetzt Michaels Besuch, und er ergriff die Gelegenheit, um eine Lauge über ihn auszugießen, tüchtig genug, daß sie für eine gute Weile nachwirken konnte.
DaS sollte der stolze junge Mann sich sagen lassen! Ohne Andacht ging er nun in bie Kirche, ohne Fassung verließ er dieselbe wie- der. Da kam er an der Linde vorüber, wo eben einige Bauern sich sammelten. Dort war er einst als Schulzensohn uno beurlaubter Kanonier so stolz unter den andern jungen Burschen gestanden; noch wohl erinnerte er sich, wik'kr dort Magdalene zum erstenmal hatte