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Wiesbaden.
1834
Jeitttttltvschltu.
Dir Misston deS Grafen Alvensleben. — Die „Lage" in Preußen. — Zur entanle cordiale.
** Mit Beziehung auf den gestern mitgelheilteis Artikel der „Wiener Zeitung" über das Rekrutirungsausschreiben be- merkt der Lloyd: „Das amtliche Blatt macht heute die Maßregeln bekannt, welche die orientalische Verwickelung für Oester reich nothwendig gemacht haben. Die Truppenconcentrationen -welche als bevorstehend augezeigt werden, sind zum Theile be- reits erfolgt und binnen einer sehr kurzen Zeit werden schlag fertige Armeen in Galizien und Siebenbürgen ausgestellt sein. Niemand ist durch die Veröffentlichung der „Wiener Zeitung" überrascht worden. Der Gang der kaiserl. Politik ist ein so unverrückbar konsequenter gewesen, daß, wer geradeaus sah, nicht umhin konnte, sie vorauSzusehe». Rußland hat im Oriente eine gegen Oesterreich feindliche Politik verfolgt. Es wird diese gründlich und schnell zu ändern haben, falls es wünscht, daß die österr. Politik ihm gegenüber fernerhin eine freundliche verbleibe. Der außerobentliche Gesandte Preußens, Gras Al- Vensleben, ist zur guten Stunde gestern hier angelangt. Die „Wiener Zeitung" wird ihm, bevor er dem Grafen Buol seine Aufwartung machen konnte, bereits milgetheilt haben, daß Oesterreich nicht zweifelhaft ist über das Vorgehen, web ches ihm seine Ebre, seine Sicherheit und seine im Protocoü vom 9. April enthaltene» Verpflichtungen vorzcichnen. Wenn man in Berlin sich noch einer gleichen Entschlossenheit rühmen kann, wie sie bei unS herrscht, so haben wir Grund zu er warten, daß die Berichte des Grafen Alvensleben zur Festigung der preuß. Politik beitragen werden. Bei Beurtheilung der politischen Verhältnisse Preußens darf nicht aus den Augen gelassen werden, daß dieser Staat durch seinen Beitritt zum PalmsonntagSprotocoll bereits zu weit gegangen ist, um zu einer Neutrutttät zurückzukehren. Irgend ein Abweichen von den in demselben enthaltenenen Stipulationen roütbe einen Bruch mit den Westmächten zur unvermeidlichen Folge haben. Zwischen dem Für und Wiker gibt es in dem orientalischen Streite für Preußen keinen Boden mehr. Falls es ansteben sollte, denselben Weg zu wandeln, den Oesterreich eingeschlagen hat, so wird eS sich Rußland in die Arme werfen und das eigene Land zu einem europäischen KriegStheatcr hergeben müssen. In diesen Worten liegt keine Uebertreibung. Es ist eitel Täuschung, zu glauben, daß Preußen es in seiner Macht hat, jo lange zu zaudern, zu zögern und zuzuschauen, wie es selbst will. Es kann nicht — thue cs was es wolle — der Risponfabiliät einer Großmacht ausweichcn. Seine geographische Lage, seine Verhältnisse zum deutschen Bunde und zu Oesterreich zwingen eS, bei jeder Frage, welche zur Dimension eines europäischen Streites anschwillt, Partei zu ergreifen. In dieser Sachlage ist aber jetzt eine große Beruhigung emhailen: Preußen wird nicht den Wstmächten die Deran- lassung zu einem Kriege geben. Preußen wird Hand in Hand Mit Oesterreich der herannahenden Krise entgegen gehen."
" Die hiesige „Lage", schreibt die „K. Z^" aus Berlin vom 1?. d., ist noch immer etwas dunkel, und tie Nachrichten der verschiedenen osficiösen Blätter und Correspondenten widersprechen sich vielfach. Die „N. Pr. Z." behauptet heute, es zeige sich immer bestimmter, daß Preußen noch keineswegs an die westliche Politik gebunden sei, und es werden die Illusionen derer, welche in der Convention mit Oesterreich und dem Prolocoll vom 9. April eine westwärts geneigte Abweichung aus der stritten Neutralität erblicken wollen, bald noch vollständiger zerstört sein. Die heutige ^Z.it" dagegen wendet sich, wie auch verschiedene scheinbar ofstciöse Correspondenten anderer Blätter, gegen die Darstellungen der Wiener Zeitun
Nr. 118.
gen, welche ihrerseits die Auffassung der „N. Pr. Z." theilen und die für Oesterreich daraus entspringende Hemmung bedauern. In Betreff des von den österreichischen Blättern besonders hervorgehobentii Beschwerdepunktes, daß, während Oesterreich in seinen Rüstungen die ungeheuersten Anstrengungen mache und fast bereits an der russischen Grenze stehe, Preußen noch keinen Mann mobil gemacht habe, um seinen übernommenen Verpflichtungen in der Convention vom 20. April zur Deckung Galiziens rechtzeitig Nachkommen zu kön- neu, sagt die „Zeit" , — Oesterreichs Rüstungen seien zur Zeit „kaum etwas Anderes, als Vorbereitungen für gewisse Eventualitäten, zu welchen Vorbereitungen Oesterreich, nach seinen Institution n, nach seiner Wehroerfassnng und seinen Nationalilätsverhältnissen mehr Zeit bedarf, als Preußen." ('2B(r haben die wichtigsten Stellen des Artikels geilern mit« gkihtilt.) Dagegen scheint dock wiederum die „Litb. Corr.", b'e ebenfalls nicht selten osficiöse Mittheilungen erhält z die Zuversicht der „Zeit" nicht ganz zu teilen und die Versicherungen der „N. Pr. Z." für nicht so gänzlich uugcfähr- lid) zu halten. Sie schreibt beute: „Es ist nickt zu lâugnen, leider nicht zu leugnen, daß cs eine Partei in Preußen gibt, welche auch jetzt noch, nachdem die Regierung bindende Verträge eingegangen, dahin drängt, den durch bi.je Verträge begründeten Verpflichtungen untreu zu werden, dieselben, wenn auch nicht zu brechen, so dock in ihrer Vollziehung zu t er'gi v er streu. Aber wir halten die Ueberzeugung fest, daß die Regierung, wie bisher, so auch ferner diesem Drängen eine chreuwerthe Festigkeit entgegensetzt. Selbst wenn die in dem Vertrage mit Oesterreich eingegangeneu und auf der rechtlichen Anschauung der Verhältnisse beruhen« den Verpflichtungen minder feierlich und bindend wären, würde die Regierung am allerwenigsten, sich ihnen zu entziehen, denselben Augenblick wählen, wo sie gemeinsam mit Oesterreich die übrigen deutschen Regierungen ausgefordert hat, dem Blind nisse beizutreten, und wo sie, ebenfalls gemeinsam mit Oester- reich, sich anschickt, die Billigung ihrer Politik am Bundestage zu provociren. Die preußische Politik mag hier und da eine verschiedene Beurtheilung gefunden haben, aber Niemand bat ibr je das Verdienst einer hohen Recktlichkeit abge sprechen, und das ist der Anker, an dem wir festhalten wollen." Freilich setzt die „Lilh. Corr." hinzu: „So viel können wir bereits jetzt mit Bestimmtheit behaupten, daß zur Zeit eine verschiedene Auffassung der Stipulationen des Vertrages unter den Contrahenten nirgends hervorgetreten ist" ; aber sie kann bei diesem „nirgends" nur an die ossieiellen, bereits hervorgetretenen Auffassungen denken, wenn sie nicht andere Auffassungen wirklich fürchtete, wozu dann der vorhergehende Austthungs- und Leschwölungs Ton? Unserestherls hegen wir, was die definiive Entscheidung angeht, die vollkommenste Zuversicht ; nur v c ■ ü b e r^e h ende Siege können derPa.lei der ~„N. Pr. Z." noch Vorbehalten sein.
** Wie der „N. Pr. Z." geschrieben wird, ist jetzt die ganze Pariser Gesellsckast in Bewegung. Zu der wükbenden Decla mation des Ultra Bonapartisten wie zu dem spöttischen Achselzucken des Legitimisten gab eine kleine Anekdote Veranlassung. Wie bekannt, bat sich die bonapartistiscke Welt ungemein über den Besuch gefreut, mit welchem Ihre Majestät die Königin von England den Ball des französi chen Gesandten zu Lon don, Grafen Colonna Waleckski beehite. Aus diesem Ball nun spielt die Anekdote, die selbst bis hoch 'hinauf sehr gereizt bab.n soll. In dem Empfangzimmer nämlich, das für die Königin Victoria im französischen Botschaslshotel für den Ball-Abend eingerichtet war, befand sich die Büste des gegen- wä-tigen Kaisers der Franzosen, gegenüber ein Bild des ßai faß Napoleon. Die Königin Victoria soll nun das Bild
Samstag, 20. Mai.
eii« Welle betrachtet, und bann dem Grafen Malewski sehr verbindlich für die Aufmerksamkeit gedankt baden, die er iyr dadurch bcw esen, daß er das Empfangszimmer mit einem so ähnlichen Bilde ihres Großvaters, Königs Georg III., geschmückt habe. Der arme Gesandte soll in seiner Bestürzung nicht den Muth gefunden haben, die britische Majestät auf ihren Irrthum aufmerksam zu machen. Einige behaupten nun, das Kaiser bild sei wirtlich sehr unähnlich gewesen, und glauben an einen Irrthum der Königin Victoria, Andere sehen eine bedeutungsvolle Absicht in dem sch.inbaren Irrthum und gönnen der bouapartisttschen Oüenlc.tion Diese Züchtigung, noch Andere machen darauf au'inerksam, daß der Kampf auf Leben und Tod zwischen England und Bonaparte in die Regierungs- zeit Königs Georg III fällt, und nirgends fehlt eS an mehr oder minder boshaften Zusätzen und Conimentaren. Begreif- lich jedenfalls, daß diese Geschichte den Bonapartisten unangenehm ist. Uebrigeus ist der ganze Ball ein Gegenstand des Spottes in Pen höheren Gesellschaftskreisen hier wie zu London. Es soll an Verstößen aller Art kein Mangel gewesen sein. Nun, wir werden ja sehen, ob Loid Cowley seine Sache besser macht als Graf Malewski, denn wie wir hörten, wirb dieser britische Botschafter hier in Paris einen Ball ge- ben, welchen der Kaiser Louis Napoleon und die Kaiserin mit ihrem Besuch zu beehren versprochen haben.
Deutlchlund.
111 Wiesbaden, 19. Mai. In dem heutigen Blatte der Mitielrheinlichen Zeitung wird das Bedauern geäußert, daß die zweite Kammer den Antrag des Abg. Knapp über das Postwesen nicht in Betracht gezogen habe, mit der Bemerkung, daß der Antrag von anderer Seite (Ran) getadelt worden sei. Wie sich aus den gedruckten Verhandlungen ergeben wird, ist aber erwähnter Antrag von A b ge o r d n e t e n b e i- der Seiten für mangelhaft begründet erachtet, -dagegen sind von allen Seiten die Mängel unseres Postwesens anerkannt werben. Demnach wird ein wohlbegründeter Antrag von der Kammer nickt nur in Betracht gezogen, sondern auch angenommen werden. Es würden aber die Kammerverhandlungen zu viele Kosten verursachen und zu viel Z it erfordern, wenn über nicht gerechtfertigte oder nicht ausführbare Anträge Ausschüsse gewählt, Berichte erstattet und verhandelt werden sollte.
5 Limburg, 19. Mai. Die in Ihrem gestrigen Blatte erwähnte Expccroralion der „Mittelrh. Ztg." über die s. g. Verlegung des Gott sdienstes aus der FranziSkaiicrkirche in den Dom bezieht sich zwar zunächst auf einen Artikel deS „Mainzer Journals", den zu vertreten wir nicht berufen sind: aber die Behauptungen berühren auch die in Ihrem Blatte jüngst gebrachte Darlegung des Sachverhaltes, und dies veranlaßt uns zu einer Gegenbemerkung. Die „Mittelih. Ztg." sagt, die Regierung habe sick zur Bestreitung der Cultuskosten, die der Bischof.von ihr gefordert, nicht verpflichtet gesehen, und zur Bewilligung bei der gegenwärtigen Haltung des Bischöfin der That keine Ursache gehabt. Wir glauben, daß der Herr Bischof von Limburg früher so wenig wie heute Gunst- bezeugun ea beansprucht, und wüßten uns auch nicht zu entsinnen, daß. ihm dergleichen jemals zu Theil geworden. WaS der Herr Bischof verlangt, ist einfach — billige Erfüllung rechtlich begründeter Forderungen, wie in Bezug auf die Ausübung des Bischöflichen Amtes, hinsichtlich der'Her- stell nag einer genügenden BiStdumsdotalion. ES mag fein, daß die Regierung heute sich nicht verpflicht, t hält, die Kosten dcS Bischöflichen und Domcapitel'schen Gottesdienst,S zu bezahlen, wenn und soweit derselbe in der dem Bischof und Domcap'tel bei Errichtung des BiSlbumS zum gewöhnlichen Gebrauche überwiesenen Franziskanerkirche und nicht im
George Sand.
Biographische Skizze.
(edHug.)
So waren es auch die Poesien Alfred von Mouffcts, welche ihr enikn jungen Mann sehr wert» machte». Unbekümmert darum über kn Fedeikricg der Kritik n wählte sie ihn als ihren Begleiter und Septimen Seweiar auf einer Rei'e nach Italien, indessen Mousset sich Ruhm berauschte. Aber der empfindsamen Natur George in i > Dthfiilen einige Eigenheilen ihr s Reiwgefährten, der vielleicht kkidenschafllicher Webe zu ihr entbrannte und meor verlangte, als beit gewähren ent'chlossen war. Er fiel in eine gefährliche Krans« durch die Traume seines Wahnwitzes, mir nach feiner tiennten sie sich in Venedig, jevoch ohne Bitterkeit, so daß D " "ie ohne sich die feinet zu drücken, sich wieder sahen.
«Her ^urückgeklbrt, schneb sie d.n „Gebeim-Sekretär", wel- Novellin". ^il ihrer Biographie enthält; d eftm Buche folgten fünf e/Matdca-' ."Andre", „die Marquise", „Lavinia", „Metella" und Unftreni,?^ „kèonsuelo" u. a. m.
barfeit • „ ttf niemals eine Schriftstellerin eine größere frucht« häuft Mein- Jahren gestattet George Sand sich keine Ruhe, sie i ten. ^krke auf Meisterwerke, die den Beifall Frankreichs cm« i litbe Eiaen!»^t ^"^ unwideistehlich hin, denn er hat zwei vortr.ff- l unriebtia ? fn' ^lrgauz und Klarre t, und ihre Sprache, zuweil, n Im Kahr« in ihrer Fehlerhafliakeii anziedend.
h Titel wied.r nahm die Baronesse Dudtvant ihren Namen und - wachen und ?n' •Um kmen Pivikß gegen ihren Gemahl anhängig zu i sie ihre >dre»i Vermögen zu gelangen. Gleichreitig forderte tribunai ^. ^M' ihm zurück. Die verschiedenen Verhöre vor dem ; und dem königlichen Gerichtshof zu Bourges sche Veracht " 11 ”6 Publicum gegen den Baron ein, der eine Herri- I seiner 5rail für die Bildung und ungewöhnlichen Eigenschaften I térin, ejn -braushing. Er scheute sich nicht, sie öffentlich eine Schwinr- I in beehren"."T". ^ifr" ^' nennen, und mit andern Beiwörtern I und fei,,, m^che bewiesen, daß der Mann keine Sehergabe hatte, ' ^ksieniaen '"’$ Allste Licht stellten. Während-der Abwesenheit I baut von es als Mitgift erhalten hatte, glänzte Schloß No- i um in M /^süßlichsten Gelagen. Dann war er int Jahre 1832, aahe seiner Frau zu sein und sie zu beobachten, nach Pa
ris gezogen, verbot aber der Gemahlin , sich ihm zu nähern, was er mit den kurzen Worten that : „Ich gehe nach Paris, ohne in meinem Hause abzusteige:,, um dich nicht zu geniren, eben so will ich von dir nicht belästigt werden." Dennoch glaubte der Gemahl in dem jetzt anhängigen Prozeß den Einspruch böswilliger Veranlastung erheben zu können. Doch seine Schuld lag zu klar am Tage, er wartete die Entscheidung nicht ab, sondern zog cs vor, HK) Stunden weit feine Swande zu verbergen. Er wpr c bald nachher verurtheill, und George Sand erhielt mit ihrem Vermögen auch iv e Kinder wieder.
Der Sieg über ihren Gatten, rem sic indessen keine Verwünschungen nacbfancte, und die Freude, mit ihren Kindern zu b bai, von denen der Eohri Moritz zwölf Jahre, die Tochter Solange noch nicht neun Jahre zäolte, befreiten sie von den fintieren Ideen, welche feit einigen Jahren sich ihre- bemächtigt hatten Hatte sie bisher ja roch nur Kränkungen geernrtet, aus dem Becher der Liebe nur $ brä« neu getrunken. Ganz entzückt war sie jeut wieder, besonders durch d e Tochter. „Man kann sich keine edlere Haltung denken als von tiefer jungen Schönheit, in den Bergen erblüht", schrieb sie. „Jor langes blondes Haar fit fit in leichten Lock, n über den flohen Nacken, schlank wie eine Geber der Berge und frisch wie eine Blume des Joa« les; sie scheint zu rathen, was sie noch nicht weiß, daß Gottes Finger ihre Stirn berührt bat und sie dnrch moralische Kra't einst herrschen wirb über die, welche durch kie physische geschützt sind. Unter hat Glet'chern sagte sie zu mir: „Höre, mein George, wenn üt König:» sein werde, g.be ich dir den Montblanc." —
Ihr Bruder, obgleich älter als sie, ist weniger streng nnd gebieterisch. Zärttich und sanft ist sein Gemütb, er erkennt inülnktmästig die Oberherrschaft seiner Schwester an, und weiß, daß auch die Güte ein Schutz ist. „Sie wirb dich stolz machen", sagte er zu seiner Mut- ter", „ich aber mache dich glücklich". Düse beiden Kinder hab n seitdem George Sand nicht mehr verlassen, sie begleiten sie auf allen ihren Neffen, und die Woiiuc der mütterlichen Liebe glänzt aus dem großen Auge der Dichterin.
Darum, will man eine Frau in ihrem außergewöhnlichen Tonn und Treiben, in den Extravaganzen ibres Geistes richten, so frage man nach dem Mutterherzen, und wenn man es mit H-fligkrit schlagen fühlt, so klage man Alles, was riefe Frau umgibt, eher an, als ihr selbst die Schuld beizum.ssen. ^Jdre gehler sind nicht ihre Fehler; der Tadel fällt auf Die, welche sie nicht zu verstehen vermochten und sie huiausdrä. glcn von der Bahn der Zufriedenheit und des glücklichen
uno häuaühen Levens. In bem Journal le Monde, welches per jüngst verstorbene Lamennais qeqiüncet halte mib mit ihr rediqirte, veröffentlichte sie Briefe an Moritz, in welchen Geiühle vorhanden sind, würd, einer büßenden Magdalena und ganz geeignet, sich mit ior auszusöpuen ; auch Lamennais halte sie seiner Freundschaft werth gehalten.
Die Ereignisse von 1818 führten auch George Sand wieder in's politüdK Leben,.sie nahm Toe>l an der Revolution; aber auch tiefer Sturm ist an ihr vor übergegangen , sie bewohnt jetzt fast ausschließ. lieh irr Schloß in Beirp, auf dem sie friedliche Tage, durch lüeraiifcbe Arbeiten verkürzt, vinbringt. Sie hat sich dort ein kleines Theater bauen lassen und zwar weniger zu ihrem Vergnügen, als zu eigenem Sludiuui Auf demselben läßt sie ihre Stucke, Scene für Scene, Act für Act erst auffuhren, bevor sie auf den Theatern in Paris in Scene fleoen A verbiss rt, sti eicht und ergänzt, wo es nöthig ist und macht, was sonst wohl selten der Fall ist, den eigenen Kritiker. Dafür bat sie a vr rie Bel hnung, daß alle ihre Diamen mit u »getheilten Beifall ausgenommen mW wiederholt werden, zu nal eine scharfe Charak- tcrzeichnung urer rändelnden Personen uno treffliche Wahl der Situationen thuen tieferen Geoalt verleiden. „Mauprat", in diesem Jaore mehr a's hundertmal hinter einander im Odeon gegeben, war wieder ein Beweis Hiervon. —
Irr theatralisches Dichtertalent weckte zuerst Franpois le Cbampi, von dem sie aber bald keiner Unlerwei ungcn mehr bedurfte. Eines ihrer ersten Stücke fiel weilich durch, aber ihr Genius, verbunden mit der bewunderungswürdigsten Büonenkenntniß, nahm glänzende Rache. „Claudie", „Moliore", „Pandolfs Ferien", „Viciorinens Heiralh" und „Mauprat" sind Perlen der Poesie, welche ihr als dramatischen Schi ist- stellerin ein fönist icheS Diadem erwerben. —
Geo ge Sa wo Lebenswe.se auf Nohant ist einfach; allen Pomp hat sie ent'ernt uno empfingt vatü' freundlich alle Landleute, welche in ihrer Nähe wohn n, zieht sie an ihren Tisch, hört sie an, tröstet sie in ihrem Kumme- oder in ihrer Krank eit, unterstützt die Arme» und deren Jtmbcr, für deren Erziehung sie sorgt, so daß alle an sie sich vertrauensvoll wenden wie an eine zweite Gottheit, sicher, nicht ohne Hilse zu bleiben. So benutzt sie ihre jäh'liche Rente von ihren Gütern, in 12,0 0 Fr bestehend, zum großen Theil zur Mildthätigkeit und Werken der Liede Geprüft im Leben, weiß sie ja, wie Elend druckt, und die emancivirte Frau, Cigarren rauchend und mit Män« nerkleidern, lebt ein streng sittliches Leben, und hat ein fühlendes