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1854

Nr. 117.

Donnerstag, 18. Mai.

Altes und Neues über Ereommunicutio»:.

t Dom Mittelrhein Diefreisinnigen" Zeitungen unserer Gegend rasen und toben wieder über daS censequente Verfahren der oberrheinischen Bischöse, die Klrchc von den Fesseln zu befreien, welche man ihr auf den Rath unserer Feinde anlegte, zu eurer Zeit, als die deutschen Bislbümcr verwaist waren und der Papst durch KriegScreigiusse und Ge­fangenschaft in seiner Wirksamkeit gehindert wurde. Wenn unS diese Zeitungen nicht länger und näher bekannt wären, so müßten wir schon aus diesem Gebühren erkennen, welche Lotte von Freiheit sie den Völkern verkünden möchten. Denn wo kann es eine wahre Frcibeit geben, wenn die Kirche ge» knechtet ist?Das unterscheidende Merkmal des Christen­thums sagt Graf F i eg u e l in o n t in seiner neuesten Schrift über die religiöse Seite der orientalischen Frage besteht darin, daß es die Idee zweier von einander unabhän­gigen Gewalten ins Leben geführt, deren gleichzeitiges und cinverständliches Wirken zur Regierung des Menschen erfor­derlich ist; immer führt die eine ohne Die andere zum Ver­derben. Die religiöse Macht allein ist für bie weltlichen In­teressen unzulänglich, während die weltliche Macht allein Die moralische Freiheit des Menschen vernichten würde." Wir sehen das Beispiel an Rußland, wo die weltliche und Die geistliche Gewalt in der Person des Kaisers vereinigt sind. Die römisch-katholische Kirche hat Europa civilisiit. Ist aber die russische Kirche fähig, die Wohlthaten der Civilisation zu verbreiten? Unseren erwähnten Feinden müssen wir aber sagen: Seid Ihr im Stande, eine russische Kirche bei unseren Vvlksstämmen einzusühren? Wir wissen es wohl, ihr wollt auch keine russische Kirche, ihr wollt gar keine Kirche, ihr wollt nur zertrümmern. Was aber dann, wenn euch dieses Werk in Deutschland gelingen sollte? Was könntet ihr an die Stelle der Kirche setzen? Da seid ibr rathloS. Was ihr aber am wenigsten wollt, daS bereitet ihr mit eurer ZerstörungS- wuth vor. Sollte das deutsche Volk noch weiter entzweit werden, so überliefert ihr es der Anarchie und endlich in die Hände des Kaiser-Papstes von Rußland.

Fast möchte es scheinen, als ob dieses LooS unseren Fein­den wünschenswerther sei, als Die verfassungsmäßi.,e Freiheit der Kirche. So äußert Die Miltelrheinische Zeitung in No. 116: Die Geschichte lehrt, daß diejenigen Kaiser am Behlen mit dem Clerus durchkamen, welche die Päpste am rücksichts­losesten ein = und absetzten, daß Nachgiebigkeit stets nur Die Ansprüche der Clerisei vermehrt hat." Lehrt das wirklich Die Geschichte? Die Wahrheit ist, daß Deutschland das mächtigste RM der Welt und Der deutsche Kaiser der erste Fürst der Christenheit war zur Zeit als Eintracht herrschte zwischen Kaiser und Pabst zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt (concordia in ter sacerdotium el Imperium). Ein­zelne Belege sür diese Behauptung geben Die Regierungen Karls des Großen und Otto des Großen. Diejenigen Kaiser aber, welche rücksichtslos gegen die Kirche verfuhren, haben sich und Dem Reiche unbeschreibliche Nachtheile zugefügt, wenn sie auch noch so begabt und kräftig waren. Dieß beweist nnS z. B. die lange Regicrungszcit der Hohenstaufen, jenes mäch­tigen Herrschergeschlechtes, welches am rücksichtslosesten und konsequentesten gegen die Kirche verfuhr. Wenn der Ver­fasser jenes Artikels der Mittelrheiulschen Zeitung sich über die Ursache belehren will, warum jene Kaiser, welche am rück­sichtslosesten gegen die Kirche verfuhren, sich und dem Reiche Verderben bereiteten, so möge er in Johann von Mnller's »Reisen Der Pabste" Nachlesen, wie der ohnmächtig scheinende Pâbst siegte über Den mächtigen Kaiser. Das ist jetzt ganz anders, meint die Mittelrheinische, die Excommuaication ist

George Sand.

Biographische Skizze.

Die glänzenden Ei folge, welche George Sand durch ihre neuesten dramatischen Wette errungen, haben raS Interesse, welches sich der genialen Schriftstellerin, wie deremancipirlen Frau" bei Beg nu Wer literarischen Laufbahn in ungewöhnlichem Maße znwcndctc, aus's âie wachgerufen Wir geben hier nach Drärlcr-Manfred'sMuse" eine bwgrapvischc Skizze über ras Leben dieserFrau") die bei allen

*"lche sie sich zu Schulden kommen ließ, doch so wenig gunchgütig gegen die innere Stimme zu sein scheint, daß ihre mehr einer Rechtfertigung vor der Welt gleichen und die Ber- '»emgung und Beschönigung ihrer eigenen Fehltritte enthalten. Ob A Köngen konnte, eine Apotheose des Ehebruchs zu erreichen, ' 'ü wohl Alles einig, aber ob sie nicht eine Menge Verehrer C°?unteier fand, die sich nur allzu wohlgefällig durch ihre So- Bede nli Af' $ ^ ®lrom ihrer Bcredtsamkeit über die Klippen der wiegen ms ^"^kgtragen oder wenigstens in schwärmerische Träume ihre Ver.?E"' ^ bst eine andere Frage. Wir sind weit entfernt, vorentdalt'n^^""0 Mi übernehmen, wollen aber auch nichts von dem zu müssenglaubt Biograph zu ihrerEntschuldigung" anführen sen unb ^"'^ Brau stammt von August II., Kmfinst von Sach- feine größte^»" Polen, ab. Dieser prachtliebende Monarch suchte trautesten bi den Armen der Liebe; er pflog den vcr. dafür mit mit rCr reizenden Gräfin Königsmark, welche ihn Neichsvicai ^cukte. Moritz, von seinem Vater als im 23 ^ltcl cines Grafen von Sachsen beehrt, bot gerischè r^ seine Dienste an, sür das er sich durch kric- krhielt brri^k? 0 ^zeichnete , daß er 1744 den Marschallsstab nnnnt'wnrde ium General-Marschall von Frankreich er- sen aefdMdun* tät ^deutender Feldherr und Marschall von Sach- Holland die »nf' JIM österreichischen Erfolgekriege und gegen glorreichen Franzosen, namentlich bei Fontenai 1714 zum nicht unknmk»».?b 'uhrtc. Für weibliche Reize war indeffen auch er in seine» lc*i " huldigte während seiner Anweseeheit in Paris Künstlerin . s®trn, Zohren der Alles bezaubernden und als dramatische Lrucht di?s,v hvchgkfeiertkn Adrienne Lecouvreur. Die 1 "ldenschaft war eine Tochter, Marie Aurore, welche

nur ein veraltetes Werkzeug aus Der Rüstkammer deS Mittel­alters ; sic erregt nur bei den Einen Indignation , bei den Andern Heiterkeit; solche Waffen haben jetzt Spitze und Schärfe verloren. Diese Sprache ist übrigens nicht neu. Als der sanfte Pins VII. gegen Den Gewaltigsten der Kaiser den Bann ausgesprochen, sagte der stolze Imperator : WaS frage ich nach dem Laune deS Papstes, so lange meinen Sol­daten nicht die Bajounette aus Den Händen fallen. Seine wahren Gesinnungen äußerte er aber später in den Worten: Der Kampf mit dem Papste war ein Gegenstand meines be- ständigen Nachdenkens; ich suchte die Meinung der Nation zu sondiren, fand aber, wenn ich unterlegen wäre, daß sie mich nicht unterstützt hätte. Fast möchte es aber scheinen, daß Napoleon die Wirkungen des Bannes vvraiiSgcsaat habe. Jedenfalls sind wir befugt, jenen, welche sich einer ähnlichen vermessenen Sprache bedienen wollen, Die Worte des unsterb­lichen Görres (Athanasius) ins Andenken zu rufen: die Gebeine der großen Armee können auch die Mileüzeigcr sein. Die Kirche veraltet nicht, sie ist ein lebendiger Or­ganismus, und der Arm dessen, welcher sie ftetb belebt, ist noch unverkürzt. Ebenso veraltet nicht das Wort Des Herrn: Wer Die Kirche nicht hört, Der gelte wie ein Heide und Publican.

Wenn übrigens die katholischen Bischöfe der oberrheini­schen Kirchenprovinz Gehorsam verlangen, sind sie da nicht in ihrem Rechte? Wollen sie sich in weltliche Angelegenheiten ein mischen, Staatsbeamte ernennen oder Staatsgüter verwal­ten? Keineswegs. Oder wollen sie Die Geistlichen nichtkatholl- jchcr Religionsgesellschaften ernennen? Nein, sie wollen nur als Oberhirten der Katholiken dasselbe Recht ausüben, das auch die Häupter der evangelischen Landeskirchen für ihre Glaubensgenossen unbestritten besitzen. Nichts ist selbstverständ­licher, als daß die katholische Kirche ihre eignen Angelegen­heiten selbst ordnet und sie nicht durch protestantische Beam­ten verwalten lassen will.

Gewinnt aber wohl der Staat, wenn die kirchliche Autori­tät untergraben wird? Das können wir schon aus dem Trei­ben der kirchenfciudlichen Blätter ersehen. Wenn Die Regie­rungen sich auf deren Hilfe stützen wollen, so find sie unrett­bar verloren. Unbestreitbar lehrt Die Geseichte, daß religiöse Wühlereien den politischen Stürme stets vorangegangen sind. Wenn die religiöse Autorität untergraben ist, wo kann da die politische noch einen Haltpunct finden? Ei» Theil der Beam­ten, welche dem Rongethum zujubelten und es nnterjtfisten, hat diese Wahrheit in 1848 eingesehen. Die Ereignisse dieses Jahres scheinen aber schon ein ganz Jahrhundert hinter uns zu liegen. So wenig wird das, was sie in Fracturschrift uns lehren, in unsern Tagen noch beachtet.

Vetttschlaud.

Wiesbaden, 18. Mai. Das heutige Blatt der Mittetrheinischen Zeitung bringt über die Einstellung des Gottesdienstes in der bischöflichen Kapelle zu Limburg einen anscheinend officiösen Artikel, in welchem aber auf das früher in derNass. Allg. Zlg." ausführlich erörterte Sach- und Rcchtsverhällniß gar nicht eingegangen wird. Oder sollen die ganz unwahren Schlußworte den Mangel der Rechtsgründe ersetzen? Der Artikel schließt nämlich wörtlich also:Auf den materiellen Vortheil, auf weltliche Besitzthümer, auf Geld und Gut kommt es ihr (Der s. g. ultramontanen Partei) vor Allem an. Ihr sind Die Paar Gulden Cuiluskosten mehr werth, als das Seelenheil ihrer Heerde. Wenn denn Einem dieser Herrn wirklich das Herz bluten würde (das freilich im­mer blutet), wenn er sieht, wie alte schwächliche Leute re., so könnte er ja eine Messe umsonst lesen." Das können gewisse Herrn, ohne roth zu werden, der bischöfl. Behörde erklären?

Mit dem Grafen Arvid Bernhard von Horn, einem alten mißgestalte­ten Präsidenten des schwedischen Reichstags, vermählt, zu ihrem Glück schon nach drei Jahren Wittwe wurde.

Zahlreiche Bewerber um die Hand der liebenswürdigen Gräfin fanden sich bald, unter denen General Dupin de Francueil den Sieg davon trug. Der aus dieser Ehe hervorgegangene Sohn Moritz ließ sich 1793 in die Aationalgarde von Paris als Freiwilliger ein­reihen und war unter dem Kaiserreich bis zum Grade eines Capitäns gestiegen, als der Sturz eines. Pferdes zu Chartres seinem Leben ein gewaltsames Ziel setzte. Er war der Vater der Schriftstellerin.

Amatine Aurore Dupin, 1804 zu Paris geboren, wuree von ihrer Großmutter, der vcrwittweten Gräfin Horn, auf dem Schlosse Nohant erzogen, das in einer der reizendsten Gegenden von Berry liegt. Die alte Gräfin war geistreich, besaß aber mehr glänzende als gründlich? Kenntnisse und schwärmte für Rousscau'schc Philosophie, in welcher sie den Ausdruck ihres religiösen Glaubens fand. Aurorens Erziehung erstreckte sich daher auch nur auf Ausbildung ihres Geistes unv Alles dessen, was für den Eintritt in die Salons der großen Welt befähigt, während die religiöse Seite ganz vernachlässigt war. Daher beschloß ihre Familie, daß Aurore in das englische Fräulein- stift zu Paris eintreten und ihr dort die Lehren der Religion miige- theilt werden sollten, da sie, obwohl 15 Jahre alt, noch n ept einmal das Kreuzeszeichen zu machen verstand. Für das jugendliche Gemüth war die Trennung von ter Großmutter sehr hart, die sie mit inniger Liebe verehrte und oft selbst noch in ihren Schriften mit dankbarer Ehrfurcht erwähnt.

Die feurige Einbildungskraft, milder Aurore auch die unbedeutend­sten Gegenstände erfaßte, versenkte sie so sehr in die Poefie des Katho­lizismus, daß der Entschluß in ihr feststand, aus der klösterlichen Zurückgezogenheit nicht wieder herauszntrete». Man hinderte sie an der Ausführung ihres Vorhabens, in dem sie durch den Tod ihrer geliebten Großmutter noch bestehst war. Freilich wählte man hier ras unpassende Mittel, sie mit Gewalt schon nach sechs Monaten zu einer Heirath zu bestimmen. Ihre Hand erhielt der Baron Dudevant, ein ehemaliger Offizier, der jetzt auf feinen Gütern als Lanredelmann lebte und seine Taglöhner selbst überwachte, im Uebrigen aber liebens- würdige Eigenschaften nicht besaß, außer daß er erst 27 Jahre alt war und einen schrecklichen Blick hatte, vor dem Frau, Diener, Pkerde und Hunde zitterten. Mit dem Vermögen seiner jungen Gemahlin, das in mehr als einer halben Million Francs bestand, vergrößerte er

Verlangt diese denn eine Bezahlung für heil. Messen oder ver­langt sie nur die rechtmäßige Ablieferung von Wachskerzen, Messewein und anderen kirchlichen Bedürfnissen? Schwerlich dürfte noch ein zweiter Ort gefunden werden, in welchem sol­che Weigerungen stattgefunden haben und schließlich solche Erklärung abgegeben wurde. Welcher Gewinn ist aber auch aus einem solchen Verfahren zu erwarten? Sicherlich wird diese gegen die Kirche vorgenommene Beschränkung, einen be­zeichnenderen Ausdruck wollen wir nicht wählen, zur Beseiti­gung einer etwa entstehenden Finanznoth sehr wesentlich bei­tragen.

* Wiesbaden, 17. Mai. (Assisenverhandlung gegen Den Chausseewärter Georg Stein von Holzbausen, wegen Dienstvergehen durch Aufstellung einer falschen Rechnung Mr ausbezahlten Arbeitslohn.) Der Angeklagte wurde von dem Assiseubofe für schuldig erkannt und" zu Dienstentlassung unter Niederschlagung der Kosten verurtheilt. Hiermit sind die Assisensitzungen für das 2te Quartal 1854 geschlossen.

):( Bad-Gms, 17. Mai. Am verflossenen Sonntag wurde unsre Kur dahier im eigentlichen Sinne des Wortes eröffnet. . Die Weilburger Militärmusik, die durch die Gnade des Herzogs auch dieses Jahr während der Saison hier spie­len darf, eröffnete ihren Cyclus mit einer herrlichen Harmonie- musik des Nachmittags im Kurgarten, und spielte des Abends auf dem Ball im Kursaale, der an diesem Tage zum ersten Male geöffnet war. Gestern, als am 16, wurde die erste Kurliste ausgegeben. Sie zählt 73 Nummern, also mehr als im vorigen Jahr, da die am 18. Mai 1853 ausgegebene Kurliste nur 45 hier anwesende Fremde snachweist. Unter den Fremden bemerken wir viele Namen von Distinction, beson­ders Russen und Engländer. Viele Bestellungen find schon eingegangen, und unter andern erwarten wir auch wieder Se. kön. Hoheit des Prinzen Georg von Preußen, so daß wir jedenfalls einer guten Saison entgegengehen. Auch die noch restirenden Arbeiten nehmen biet raschen Fortgang feit unser Ladecommissär Herr Obrist v. Haveln hier ist; die neue Brücke ist beinahe mit Zink fertig gedeckt, die Straßen­pflasterung naht ihrem Ende, das Reinigen der Anlagen und Bestreuen mit Kieß ist geschehen, der Weg um das neue Bad- haus ist gemacht, der Kßthof neu planirt. Das neu einze- richtete Lesecabinet, das sich des nngetheilten Beifalls erfreut, ist geöffnet und die Zeitungen aller civilisirten Länder daselbst zu finden. Wie nun die Herzog!. Hausverwaltung bemüht ist, Alles würdig zum Empfang der fremden Säfte vorzube­reiten, so nicht weniger auch die Privaten, die ihre Häuser außen und innen verbessern. So herrscht hier ein reges Le­ben, das durch die täglich neu ankomulSüden gremDen bald ein recht buntes sein wird.

Mainz, 16. Mai. Die von der Commission der großen Kunst-, Industrie- und Geldlotterie zum Beßten des Gewerb- standes für den ersten Preis bestimmten Jndustriegegenstände, im Werth von fl. 12,000, sind dem Vernehmen nach zur un­gesäumten Anfertigung vergeben worden, damit solche gleich den übrigen baldigst und einstweilen im Foyer des hiesigèir Theaters zur Ansicht des Publicums ausgestellt Werden kön­nen und dasselbe die Gegenstände, welche zur Vcrloosung kommen, durch eigene Anschauung prüfen möge. Nach Inhalt des betreffenden Spielplanes begreifen die fraglichen Gegen­stände Die vollständige Einrichtung eines SalonS, eines Wohn­zimmers, eines Schlafzimmers, eines Boudoirs rc. in fich^ und sollen diese Ameublements in Beziehung auf Geschmack, Ele­ganz, Form, Stoff und meisterhafte Arbeit unübertroffen be­funden werden.

Frankfurt, 16. Mai. (Fr. I.) Der k. k. Divisions, chcf im Ministerium des Handels, v. Czörning, welcher sich

seine ländlichen Einrichtungen, vervielfältigte feine Schafbeerden,'kauft prächtige Stiere, schönere Wagen und Pferde, und beschäftigte ssch mit Allem, ausgenommen mit seiner Frau, die er mit ihren 17 Jah­ren, ihrer gefühlvolle» Seele, ihrer außerordentlichen Reicbarkeit kaum zu bemerken schien. In dieser prosaischen Eristcuz stand Aurore allein, sich selbst überlassen, und an glücklichen Tagen ihrer Zukunft verzwei­felnd. Dennoch ertrug sie ihre Leiden mit der Geduld eines Engels, zwei liebliche Kinder trösteten sie durch ihr Lächeln. Aber der Schmerz ihrer Seele ergriff allmälig ihren Körper, sie welkte bin; da verord­neten die Aerzte die Pyrrnäenbäder, von deren wohlthuciirem Einfluß sie, sich selbst den besten Erfolg versprach.

Der Baron konnte feine Schafe nicht verlassen, er hatte keine Zeit, die leidende Gemahlin auf tiefer Reise zu begleiten.

In Bordcaur, wo sie alten Freunden ihrer Familie empfohlen war, lernte Vic Baronesse zuerst die Welt kennen; man überhäufte sie mit Lobeserhebungen aller Art und behandelte sie mit aller der Zu- vorfommenßcit, mit welcher man in den französischen Salons der Schönheit'liiid LiebeSwürcigkeit begegnet. Ein Marmeoffisser, jung und verdienstvoll, verliebte sich in die Baronin, welche dessen Hulob- gungen gern annahm und, wenn sie es auch nicht gestehen will, doch über ihr eigenes Herz die Macht verlor. Er begleitete sie auf einen Thcil ihrer Reiss; sie schiedcn erst, Jeder seinem Ziele entgcgcneilciid,' im Thäle von Argeles, in einer so großartigen Natur, welche ihre Seelen über sie selbst und die Verhältnisse erhob.

In ihre Häuslichkeit zurückgekehrt, fand Aurore dieselbe traurige, einförmige Lebensweise wieder, die ihr jetzt ganz unerträglich war. Sie tonnte ihre aufrührerischen Gedanken nicht mehr beherrschen, der Verzweiflung nahe kam der Zufall ihr zur Rettung entgegen Ein - junger Landsmann, Iulius Sandeau, Student der Rechte, besuchte in den Ferien Schloß Rohan, lernte die Baronin genauer kennen und begeisterte sie für die Dichtkunst, für die schönen. Wiffenschassen, denen sie sich mit Feuer in die Arme warf; Zufriedenheit und Beruhigung zog durch dicss wieder in ihr Herz.

Eine geraume Zeit verstrich; verschiedene Bekanntschaften versöhn­ten die Baronin mehr und mehr mit dem Leben und eine ungezwun­gene Heiterkeit, dcr sie sich hingab, machte ihren Gemahl nur mürri­scher und mißtrauisch. Beide Gatten hielten es dah.r fur's Beste, sich freiwillig zu trennen, wogegen der Baron um sa weingcr Etwas cinzu- wenden, als Madame Dudevant all, ihr Vermögen um den Besitz ihrer Freiheit ihm erließ. Zunächst eilte sie nach Bordeaux, das ihr durch