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1854.
Nr. 115
Mittwoch, 17. Mai.
Der Ministerwechsel in Preußen.
Die bestimmte Nachricht, daß der Ministerpräsident bleibt, schreibt man der „A. A. Z,", hat die Stimmung wesentlich gehoben. Allerdings läßt sich in Preußen ein Ministerwechsel nicht nach den gangbaren constitutionellen Doctrinen beurtheilen, vielmehr kann der Minister sehr füglich ein anderer sein, und das System dasselbe bleiben, oder umgekehrt — exempla sunt odiosa — der Minister derselbe bleiben und daS System ein anderes werden, aber wie die Dinge einmal liegen, wird man dennoch berechtigt sein Hrn. v. Manteuffel als den Ausdruck eines bestimmten Systems und des Entschlusses, in diesem System zu verharren, zu betrachten. Dieses System ist die Politik von Olmütz, und das Ergebniß der Betrachtung, daß nur aus der Einigkeit der beiden deutschen Großstaalen Heil für beide und für Deutschland erwachse» könne, daß das Interesse beider Großstaaten ein gemeinsames sei und dieses System wird, wir hoffen es für Deutschlands Wohl, unerschütterlich beibehalten werden. Graf Dohna, fährt die „A. A. Z." fort, ist schwerlich je ernsthaft als sein Nachfolger in Aussicht genommen. Man hast seinen Namen genannt. weil er das 'entgegensetzte System vorzugsweise zu re. prâfeutircu schien, und weil er am Hofe eines großen und immer steigenden Einflusses sich erfreut, aber die Geschäfte eines Ministerpräsidenten erfordern nun mehr als je eine frische Kraft, und können nicht von einem Greise versehen werden, der sich selbst nicht mehr für fähig hielt, ein Armee- corps im Frieden zu commandiren. Ob die Anwesenheit des Hrn. v. Dismark mit der ganzen Krisis im Zusammenhang aufzufassen ist, mag dahin gestellt bleiben. Sein Eintreffen erklärt sich hinlänglich dadurch, daß, wie aus bester Quelle versichert werden darf, Preußen und Oesterreich) gleichwie sie gemeinsam bereits die deutschen Einzelregierungen zum Anschluß an das Bündniß vom 20. April aufgefordert haben, so auch gemeinsam demnächst dem Bunde eine Erklärung über ihre Stellung zur orientalischen Frage abgegeben werden. Aber allerdings wird man sich daran gewöhnen müssen den jetzigen Bundeslagsgesandten, sobald die Kreuzzeitungspartei einmal ein Ministerium des reinsten Wassers zu liefern berufen ist, an der Spitze des Auswärtigen zu erblicken, und es ist viel- fach bezeichnend, daß derselbe schon bei feiner vorletzten Anwesenheit aufgehört hat bei seinem „Freunde" Hrn. v. Manteuffel im Hotel des Ministeriums sein Absteigequartier zu nehmen. Ganz besonders sensible Gemüther verargen es übrigens dem Ministerpräsidenten sehr, daß er es über sich gewonnen Cie Entlassng desselben Kriegsministers zu contrasig- niren, welcher nicht bloß die wesentlichste Stütze seiner aus- wärtigeii Politik darsteUtc, sondern auch in allen innern Frage», in welchen die Duplicität des Ministeriums hervor- rrat, regelmäßig auf seiner Seite stand. Sie vergessen, diese Gemüther, daß nicht bloß in Geldfragen, sondern auch in polnischen Dingen die Gemüthlichkeit aufhört.
Dieses Nichtachten kleinlicher Rücksichten schlägt der Lloyd dem Ministerpräsidenten hoch an. Es gibt, sagt ein trefflich geschriebener Artikel dieses Blattes, viele Naturen, kräftige, edle, begabte, aber zu zartbesaitete, die dem offenen Feinde tapfer Stand halten, aber die dem Verrathe ihrer Freunde, dem Hohne ihrer Neider, dem Achselzucken hämischer Beurtheil ler, den üblèn Launen ihrer Gebieter erliegen. Sie sind gleich bei der Hand, ihre Demissionen cinzugeben. Sie desertiben leicht, aus Furcht, daß man ihr Verbleiben als persönlichen Ehrgeiz auslegen könne. Sie wollen ihre Dienste Niemanden aufbringeii, der sie nicht sucht. Sie vergeuden ihre besten Kräfte im müßigen Schmollen. Sie verlassen sich darauf, daß man sie entbehren und schätzen wird, so bald sie aus dem
Eine Wasserratte.
(Schluß.)
Die Art, wie Capitän Kommschon sich dieser Gedanken entledigte, wer die natürliche von der Welt. Leute, die gewohnt find, im plat- dolksdialect zu reden, drücken sich oft gewählt aus, wenn sie in's hochdeutsche übersetzen, was thuen an schlichten Gedanken plattdeutsch furch den Kopf geht; ihrer formlosen Art und Weise bleiben sie aber treu, und so wird der Abstand zwischen Wort und Geberve nur um so großer.
Da seine Ansichten über das Durchschleppen anderer mir zu einer geworden zu sein schienen, und zwar einer, welche, ihm N ?"°bfvußt, ein ganzes philosophisches Bugsirspstcm tragen mußte, R.ir ^ ^mas weiter an und fragte nach der Art ferner frühern " gewöhnlich sind die Kapitäne dieser und ähnlicher dem des ,^wandten Schiffe weit gereiste Leute, welche das Spiels
rüdf^tpn °?^ Herzensangelegenheiten oder auch BequciulichkeitS Ströme mancher Seereise an das süße Wasser der großen nicht über den"^ân- Mein Capitän Kommschon mußte aber wohl zeludeiten gekommen sein, denn er vermied es, auf Ein-
er es bis rum^ ss^^rvsenlaufbahn einzugehen und erwähnte nur, daß undzwanzig Mre Ükbracht habe, ehe er fünf-
„Danials" )uruckgelegt hatte.
lang ^itffrau'aem^J1' 'ârb meine Mutter, die schon fünf Jahre mündige Kinder ?aL Es blieben aus zweiter Ehe zwei un- anfangen? Ich suchte "^^ $u sorgen hatte. Was sollte ich ®anwffr tu erbalt™ Stcuermannöstelle aus einem Hüller nach Hamburg ^ Es altickr^"""^ ^^ wenigstens alle zwei Wochen halbes Qabr r. r ^5. nur auch nach Wunsch und ich fuhr ein Mit den Kindern konnte r-nd m*einebr W ' «« alte Dienstmagd hielt zwar wäh- fcie Sinner und sorgte für das Nöthigste , aber
blieb wir benn °hne daß sie's zu hindern wußte. So
Kinder ni$^ önt>ercö übrig, als zu heirathen, immer der „Mit bem'^nD»i von jeder andere durchzuschleppen gehabt." zwei Wocbrn . ^"rathen yt's nun eine, eigene Sache, wenn man in Land kommt «E einmal in Hull und einmal in Hamburg an's schäften "0"?..Weibervolk kannte ich nicht anders als von Wirth- ™ ""° Tanzboden her. Nun, da gibt's nicht eben die sauberste
Dienste.getreten sind, und in neun Fällen unter zehn gehen sie dieser Stunde harrend , zu Grunde. An dieser Zartheit der Organisation sterben viele Staatsmänner in außerparlamentarischen Ländern. Das ist ein guter Mann für eine schlechte Zeit, der seine Dienste seinem Vaterlande nöthigen- falls aufdringt. Das ist ein gesunder Ehrgeiz in jeder Zeit, der von einem Selbstbewußtsein geschützt wird, an dem Spott und Mißdeutung abprallen. Das ist die rechte Constitution für einen Mann des Staates, die Herzeleid und Undank mit ihrer Nahrung vermischen kann, ohne daran dauernd zu erkranken. Herr v. Manteuffel, so bemerkt der Lloyd, erklärte einmal, er klebe nicht an seinem Sitze. Nichtsdestoweniger hat er ihn im sechsten Jahre inne und ist heute wahrscheinlich, trotz aller Gerüchte vom Gegentheile , so sattelfest, als je. Dieser hervorragende Staatsmann vertritt in Preußen das Princip der Stetigkeit, wenn auch nicht so fest, wie die Eiche, doch so zâh wie die Weide. Er beugt "sich dem Sturme, aber richtet sich regelmäßig zur rechten Stunde wieder auf und steht dann auf seinem alten Platze. Es ist ein großes Verdienst in einer Zeit, wie der heutigen, und in einem Lande, wie dem preußischen, fest an seinem Sitze zu kleben. Daß Herr v Manteuffel im sechsten Jahre in Preußen hat Minister sein können, stempelt ihn schon zu einem bedeutenden Menschen. Der „kleine Mann mit der Brille" ist weitaus der nützlichste Mann seines Landes gewesen. Er hat den Thron geschützt vor den Pohgnac's, die sich zu ihm drängen wollten und hat Deutschland schützen helfen vor dem gefährlichsten Zerwürfnisse, das i es in diesem Jahrhunderte bedroht hat.
Wie die Vossische Ztg. meldet, wird General v. Bonin seinen viermonatlichen Urlaub nach Uebernahme des ihm zugedachten Divisions-Commandos antreten und zum Gebrauch der Kur in Wiesbaden verwenden. Aus allen Berichten über seine Entlassung geht hervor, daß General v. Bonin keine Ahnung von dem ihm bevorstehende» Schicksal hatte. Er war mit zwei anderen höheren Offizieren zum Vortrag bei Sr. Maj. dem König gewesen. Alle drei entfernten sich gleichzeitig. Der dienstthuende Kammerherr kam ihnen jedoch nach und berief Hrn. v. Bonin noch einmal zurück in das Gabinet Sr. Maj. Die Begleiter meinte», es handle sich nur um irgend eine vergessene Notiz, , Doch wie groß war ihre Bestürzung , als nach wenigen Minuten General Bonin zurück- kehrte und ihnen sagte: „„Meine Herren! ich bin nicht mehr Minister. Se. Maj, hat mir so eben eröffnet, daß mir eine Brigade in Schlesien zugelheilt ist!"" Der Fall ist außerordentlich, daß sich die Betreffenden kaum überreden konnten, dw-Wahrhè-zw ^4>W4,—W^Ui«n erfährt, -hatt-' der Mi^j^ fier so viel würdige Fassung behalten, daß er nicht nur auf diese Ankündigung von Seite des Königs sich einfach verbeugte und die Worte sprach: „„Ich werde meine Kräfte dem Dienst widmen, an welcher Stelle Ew. Maj. es auch- beseh- len"", sondern daß er sogar an demselben Mittag noch bei der königlichen Tafel, wozu er geladen war, erschien, und sein freieè geselliges Benehmen nicht das mindeste von dem Vorgegangenen verrieth. Ueber die Ursache dieser Ungnade wurde der Minister erst später unterrichtet. Der Hergang war nach dem, was die „A. A. Ztg." von Vertrauen verdienender Seite darüber hört, folgender: Ein sehr hochgestellter Offizier (Graf Dohna) begab sich am folgenden Tage zu Hrn. von Bonin und machte ihm die Mittheilung, daß Se. Maj. aufs Höchste und mit Recht erzürnt seien über die Art und Weise, wie sich der Minister in der Kammer über Preußens Politik geäußert habe. Hr. v. Bonin erwiderte, daß er jedes Wort, das er gesprochen, mit seiner Ebre und Pflicht vereinen könne. Der hohe Besucher citirtc ihm darauf mehrere Stellen seiner Rede, welche Hr. v. -Bonin jedoch als völlig entstellt und
Sorte; viel Durst und noch mehr Lüdcrlichkeit, Heirathsfähige in Menge, aber der Himmel bewahre einen vor solcher Hausfrau. In Hull gefiel mir sonst wohl noch diese oder jene, aber ich hätte wenigstens acht Tage am Lande sein müssen, um die Bekanntschaft einzu- leitcn. Dazu fehlte natürlich die Zeit, und ich hätte meinen Posten darüber verloren. Eine gefiel mir besonders-, und ich möchte sie wohl noch einmal wieder sehen. Sie war dainals Hausmädchen bei einem Uhrmacher, der am Hafen wohnte und «chiffeuhren rcparirte. Allemal, wenn ich nach Hull kam, traf sich's, daß unser Chronometer nachgesehen werden mußte, und ich trug ihn dann selber hin. Damals war mir die englische Sprache aber noch nicht geläufig. Ich wußte wohl die nöthigsten Bictualien zu nennen, als: Gin, Brandy, Porter und dergleichen, aber weiter reichte meine Kenntniß nicht. Mit diesen Worten konnte ich aber dem Mädchen nicht den Borschlag machen. auf den ich'S abgesehen hatte. Zuletzt besann ich wich auch eines Bessern und beschloß keine Engländerin zu heirathen, da man doch im eigenen Hause mit einer Deutschen eher fertig wird."
„Ich versuchte also mein Heil in Hamburg. Aber ich merkte bald, daß ich in der kurzen Zeit, die ich dort am Lande ziibringen konnte nicht mit der Geschichte in's Reine kommen würde. Der alten Magd aber war von mir gekündigt worden , denn ich hatte an all diese Schwierigkeiten nicht im voraus gedacht. Bünocltag war vor der Thüre und noch keine Frau in's Haus geschafft."
„In dieser Verlegenheit bat ich die Wittfrau eines Nachbars, mir zu Hilfe zu kommen und mir, wenn ich das nächste mal nach Hamburg zurückkchrte, Gelegenheit zu geben, unter einigen passenden Erem- plarcn zu wählen. Ich hatte dabei nicht bedacht, raß sie selbst noch nicht von HelrathSgevanken frei war, obschon sie wohl zehn Jahre älter war als ich." .
„So fand ich renn nach Abrede, als ich wieder nach Hamburg kam» in ihrem Zimmer alles zu einer Kaffeegesellschaft vorbereitet, wie sie die Frauen wohl einander zu geben pstegen. Ich mußte mein bestes Steuermannszeug anzieben und auf dem Sopha mich in Parade hinsetzen. Schlag sechs Uhr Nachmittags fanden sich die Geladenen ein. Die Nachbarin hatte mich schon zuvor auf die Vorzüge aufmerksam gemacht, welche ein' gesetzteres grauenjimmer im vorliegenden Fall vor einer jungen Dirne in meinen Augen haben müsse. Dennoch übertraf das Alter' der cingeladeiien Gevatterinnen meine Erwartuii- ßcit Unter fünfunddrcißig bis vierzig mochte keine von allen zählen, einige aber wackelten schon mit dem Kopf, und ich meinte, als ich
verfälscht zurückwies. Darauf soll der Besucher dem Minister eine Abschrift der Rede gezeigt haben, die dem Vernehmen nach von dem Sohn eines früheren Ministers, welcher der heimlich minirenden Partei angehört, herrührte. Was den General v. Bonin persönlich angeht, so weiß man, daß er, in seiner strengen Rechtlichkeit, als Minister in dem große Ausgaben erfordernden Posten nur Opfer gebracht hat, ohne vermögend zu sein. Er hat seine Stellung' auch gesellig wür- dig vertreten, und das ist sehr theuer. Sein ganzes Mobilar hat er vor wenigen Jahren verkaufen müssen, weil das Minister Hotel alles bietet, selbst die Tafelservice. So erwachsen ihm jetzt noch die Ausgaben einer ganz neuen Einrichtung. Wie wir vernehmen, hat der General sich einen Urlaub von vier Monaten erbeten. Er soll, nachdem er den ersten Eindruck mit männlicher Würde getragen, sich doch jetzt im Innersten und tief erschüttert fühlen. In einer Art Anerkennt- niß hat Se. Maj. ihm eines seiner Schlösser zur Sommerwohnung und Herstellung seiner Gesundheit anbieten lassen. Se. k. Hoheit der Prinz von Preußen hat dem General von Bonin unmittelbar nach dem Ereigniß eine mehrstündige Audienz ertheilt; nach allem, was über die Gesinnungen Sr. k. Hoh. bekannt ist, kann diese Unterredung nur die ehrenvollste und würdigste für den General gewesen sein. Unter den höheren Offizieren herrscht seit der Maßnahme gegen Hrn. V. Bonin fast eine Stimme. Fast alle billigen (mit sehr wenigen Ausnahmen) die politische Ansichtdcs Prinzen von Preußen."
Der oben erwähnte Korrespondent der A. A. Z. erklärt die Nachricht, als sei der Prinz voen Preußen seiner hohen Functionen in Rheinland-Westfalen enthoben, als durchaus »»gegründet. . In Betreff des Prinzen von Preußen war davon die Rede, es könnten die eingetretenen Mißverhältnisse zu jenem Sichersten führen, aber kein Unterrichteter konnte glauben daß eine solche Maßregel vom König gegen seinen Bru- der, den Vater des Thronerben, den Stern des Preuß. Heers, übers Knie abgebrochen werden.
Dentschland.
O Wiesbaden, 15. Mai. Kürzlich ist bei dem Herzoglichen Oberappellationsgerichte die sehr umfängliche Appellationsschrift des bischöflichen Ordinariates Limburg zur Vorlage gekommen, durch welche dasselbe die Unanwendbarkeit des Art.' 401 unseres Strafgesetzbuches auf die Handlungsweise deS frühern PfarrverwalterS Müller zu Neudorf darzulegen unternimmt. Es wird zu dem Ende ausgeführt, wie die vom hiesigen Hof- und Appellationsgerichte ausgesprochene Ansicht, itlitr Verwalter fremden Vermögens, also auch ein Pfarrverwalter, falle unter die im Ärt/Mi? 'kenfinnfëü Personen, durch das Strafgesetzbuch selbst ausdrücklich ausgeschlossen werde, indem nach den klaren Bestimmungen der Artikel 376 pos. a, 465 und 471 nur die Verwalter eines fremden Privat- Vermögens als Curatoren, Güterpfleger u. s. w. behandelt werden könnten, wogegen die Verwalter fremden öffentlichen Vermögens, des kirchlichen wie des staatlichen, in klar ausgeprägtem Unterschiede von Personen der fraglichen Kategorie als öffentliche Diener angesehen uud nach den für diese getroffenen eigenen Bestimmungen des Strafgesetzbuches beurtheilt werden müßten. Sodann wird entwickelt, daß die Verwendung der Ertrâgniffe einer Stiftung zur stricken Erfüllung der testamentlichen Dispositionen vernünftiger Weise nicht als Fond-Benachtheiligung erklärt werden könne, und daß die Anordnung wegen Versetzung erledigter kirchlichen Stellen und Stiftungen, wozu die Kaplanei- Fundalion zu Neudorf unbestrittener Maßen gehöre, nach dem Kirchenrèchte wie nach der Landesgesetzgcbung ausschließlich Amtssache des Bischofs sei. Weiterhin wird bemerkt, daß d
zwilchen diesen lämmtlichen Kaffeeschwestern saß und sie der Reihe nach musterte, daß die Nachbarin wirklich noch die einzige fei , die einigermaßen meine schon sehr gering gewordenen Ansprüche befriedigen werde. Ich hielt mich übrigens ganz still, trank den Kaffee wie die andern und ließ mir die Kuchen der Nachbarin schmecken. Die Nähe des Bündeltags wollte mir nicht aus dem Kopf. Eine Hausfrau mußte binnen acht Tagen spätestens hcrbeigcschaffc werden. Die Ausstattung der Nachbarin war auch nicht zu ve.achten. Der Mann hatte ihr eine Werkstatt mit Hobelbänken und Tischlergerâthen hinterlassen und j die Gesellen des Verstorbenen betrieben unter dem Namen der Witt I frau ras' Tischlcrgeschäft nach wie vor. War auch sonst nichts Baares vorhanden, so konnte ich mir doch im Grunde das Drum und Dran bei der Partie gefallen lassen. Wenn ich nur zehn Jahre älter wäre, dachte ich , würde ich mich keinen Augenblick besinnen. Aber so ? Freilich wußte ich damals schon, raß es meine Bestimmung war, andere im Leben mit rurchzuschleppen, und raß ich deßhalb auf ein paar Jahre mehr nicht sehen dürfe. Aber zehn Jahre war roch etwas reichlich". _
Als ich in diesen Gedanken auf dem Sopha saß und einen Kuchen nach rem andern verzehrte, brachte Jemand, hen die Wittfrau aber nur bis an die Thür kommen ließ, eine neue Zufuhr Gebackenes. Ich hatte nur wenig von dem Gesicht gesehen, das durch die Thür guckie, aber eS war mir so gesund und rothbackig vorgekommen, raß mir die Alten rings umher jetzt doppelt verwittert vörkamen. Ohne längere Umstände zu machen, 'prang ich auf und ließ mich durch alles Zureden nicht wieder zum Sitzen nöthigen. Ich gab vor, an Bord zu müssen, und ließ das alte Collegium in Zweifeln über die getroffene Wahl zurück".
„AlS ich rie enge Treppe hinunterkletterte und über Hobelspäne und Leimiöpfe nach der Hausthüre zusteuerte-, sah ich eine Dienstmagd in der Küche stehen. Die rothen Backen hatte ich schon oben gesehen. Bist du einmal, auf der Reise, um eine Frau auszusuchen, dachte ich, da kannst du auch nach so vielem Alten einmal etwas Junges an« gucken. Das Mädchen war eben mit dem Heruntersägen eines tüchtigen Stücks Schwarzbrv'o fertig und schickte sich an, Sutter darauf zu streichen, als ich in die Küche trat. „Die sollt' ich roch kennen" l schoß mir's mit einem mal durch den Kopf. „Ist das nicht die Lisbeth ans Otterndorf, die beim Bälgentreter der reformieren Kirche als Pstegktnv im Hause war und mit der ich in dieselbe Kl ippschnle gegangen bin"? Und richtig, sie war's. Den Pflegevater hatte die