Einzelbild herunterladen
 

»i, «äffduifAe «a«em«inr AeitiMtz ertoebif, Sozn- ausliknommr», täflti* Preis. eiertdWi« für tzStSdaren mit V,n Thurn und TariS'schen Postbezirt " 2 ft, sonst 2 st. 21 'r.

Aassamsthe Mgememe Leitung.

Sfürthmfien nehmen a« in Dl, âtzaden die Crvedilisn (W^!h.^nedrj»'Ilde BuUidaiiklane, dangqass,Rr. 42) anSwartS alle Dostanstalien. Inserate! die vier, svalnge Peiirzeile oder deren Raum 3 lr.

Wiesbaden. 1884.

Nr. 114.

Dienstag, 16. Mai.

Der Minigerwechsel in Preussen.

Die ministerielleZeit" bemerkt aus Veranlassung des Rücktritts des Herrn Generallieutenauts v. Bonin von der Leitung des Kriegsministeriums, daß alle Conjecturen, welche man sich beeilt hat, an den Ministerwechsel zu knüpfen und diezum neunten oder zehnten Mal darauf hinausliefen, eine Wendung in der preußischen Politik als eingetrelen anzuueb- men", unrichtig sind. Das ministerielle Statt sagt: Wir sind nicht näher unterrichtet über die Gründe des Ausschei­dens des Herrn Kriegsministers; daß dasselbe aber auf ver­änderte Entschlüsse in Betreff der von Preußen einzuhaltenden politischen Stellung zurückzuführen sein möchte, glauben wir Ursache zu haben, aus das bestimmteste in Zweifel zu ziehen. Nachdem Preußen das Protokoll vom 9. April in Wien un­terzeichnet, nachdem eS die Convention mit Oesterreich abge­schlossen hat und uachdem diese Convention den Regierungen der deutschen Bundesstaaten zur Kenntnißnahme und zum Beitritt coinmunicirt worden ist, halten wir die Basis der preußischen Politik für so klar und so fest hin - gestellt, daß eine Täuschung darüber so wenig möglich ist, wie wir, ohne den Eintritt ganz außerordent­licher u n vo rh ergesehe ner Umstâ nde, eine Wendung in derselben sür möglich halten. Wie geschäftig die Conjuc- turalpolitik ist und wie weit sie in ihren schnell fertigen Schlüs­sen geht, das haben wir übrigens wieder bei diesem Anlaß zu sehen Gelegenheit gehabt. Die Pariser Correspondenten in deutschen Blättern wußten allerlei von unangenehmen Ein­drücken zu erzählen, welche das Ausscheiden des Herrn von Bonin am Hofe der Tuilerien hervorgebracht habe, ja man versicherte allen Ernstes, das von dem Kaiser der Franzosen angeordnete Lager bei St. Omer sei nichts anderes, als eine Demonstration gegen Preußen und eine Antwort ans den Rücktritt des preußischen Kriegsministers. Diese Folgerungen hallen wir für gänzlich falsch. Im Gegentheil sprechen die unzweideutigsten Anzeichen dafür, daß die französische Re­gierung, die Person des Kaisers nicht ausgenommen, nicht aufgehört hat, Vertrauen in die Aufrichtigkeit und Festigkeit der preußischen Politik zu setzen. So hohe Achtung auch Hr. v. Bonin in seiner Stellung sich zu erwerben gewußt hat, so war er doch thatsächlich nicht der Träger der preußischen Po­litik und konnte es, als Kriegsminister, auch selbstredend gar nicht sein. Preußens Stellung nach Außen ist überdicß nicht vom Bleiben oder Gehen eines einzelnen Ministers, sondern vom König abhängig.

Das .preußische Wochenblatt HM hervor, daß die von dem Kriegsminister v. Bonin in der Creditcommission der zwei­ten Kammer abgegebenen Erklärungen, welche allerdings geeig­net waren, in ihrer mittelbaren Wirkung die russische Partei moralisch zu vernichten, der neupreußischen Partei den Anlaß zum Angriff gegen denselben gegeben haben. Ein Mitglied der äußersten Rechte beantragte im Schooße der Commission die Ausnahme der Erklärungen des Kriegsministers, in den sür die Oeffentlichkeit bestimmten Commisfionsbericht. Diese Erklärungen waren ausdrücklich als rein vertrauliche in An­spruch genommen und als solche abgegeben worden. Sie lehnte den Antrag ab. Dieses habe nicht ausgeschlossen, daß dem Vernehmen nach an entscheidender Stelle eine Fassung der Aeußerungen deS Kriegsministers vorgelegt worden ist. Ande­res Thatsächliches über die Entlassung, das noch neu ist, ent hält die Weser Ztg. Ihr schreibt man:Außer der Rede des Generals v. Bonin in der Creditcommision war eS, wie man denH. N." schreibt, eine Denkschrift, in welcher der­selbe die Nothwendigkeit einer militärischen Jnttiative Preu- ßens entwickelt hatte, die den Fall des Kriegsministers her­

beiführte. Schon am Dienstag wußte Herr v. Budberg um die Absetzung und hatte von seiner Befriedigung kein Hehl. Zurückgelretene Minister pflegen sonst zu dem Ministerratb, der ihnen zunächst folgt, eingeladen zu werden. Sie nehmen dort von ihren College« Abschied. In dem gegenwärtigen Falle ist dies nicht geschehen.

Der A. A. Z. wird hierüber geschrieben : Die Geschickte von der Entlassung des Generals v. Bonin klärt sich in ihrer letzten Phase dahin auf, daß der König ihn zum Abschied umarmte. Die Gründe für seine Entschließung theilte der Monarch in seinem Cabinet, wohin er den General folgen ließ, diesem unter vier Augen mit. Gleichwohl ist eS mehr als wahrscheinlich, daß briefliche Beschwerden des Petersburger Hofs über die vielberufene Aeußerung dabei maßgebend wa­ren. So weit gegebene Rücksichten scheint der Prinz von Preu­ßen nicht gebilligt zu haben. Bis jetzt ist es noch nicht ein Mal ausgemacht, ob der Prinz zu der Feier seiner silbernen Hochzeit nach Berlin zurückkehren wird.

Deutichlaud

* Wiesbaden, 16. Mai. Im westlichen Pavillon der alten Colonnade sind seit gestern die für die Ausstellung in München bestimmten nassauischen Industrieproducte zur Be­sichtigung ausgestellt. Die zu erwartenden Einsendungen sind zwar noch nicht vollzählig, indeffen ist das bereits Vorhandene vollkommen geeignet, einen vortheilhaften Begriff vov dem Standpunct der nassauischen Industrie und ein anschauliches Bild einzelner ihr eigenthümlicher Zweige und Richtungen zu geben. In erster Beziehung sind die gelungenen Arbeiten des Schreinermeisters Koch aus Wiesbaden u. A. ein compendiö- ser und sinnreich eingerichteter Damenscyreibtisch, ein durch seine reiche Ausstattung und überaus sorgfältige Arbeit aus­gezeichneter Flügel des Instrumentenmachers Wolf in Wies­baden , die lacfirten Kästchen und Chatoullen des hiesigen Lackirers Hartmann; ein nach dem Ausspruch Sachvcrstän- diger sehr zweckmäßig construirter Pflug des Schmiedmeistess Bender von hier, die Holzschnitzwaaren des Hrn. Leimer in Schwanheim, die gußeisernen Oefen der Gebr Buderus von der Michelbacherhütte, das Roscttenkupfer, die Kupfer- Waaren und verzinnten Bleiröyren deS Hrn. Hesse in Hed­dernheim, die Cigarrenmuster der Biebricher Cigarren­fabriken, die mineralischen Farben der chemischen Fabrik des Hrn. Cron in Biebrich rc. in der letzteren Beziehung die reichhaltigen Producte des jcannenbäckerlandcs, von den Thon­pfeifen des Hrn. Windecker, bis zu den thönernen Fäs­sern und den Drainageröhren der Hrn. Tbemalt und K nöd- gen aus Höhr, vom einfachen Wafferkriig bis zu den zier- liebsten Thonhumpen und Pokalen, die zierlichen Holzschuhe des Hrn. Stender tn Rambach, die ebenso mannigfaltigen als feinen durch schöne zum Theil antike Formen ausge­zeichneten Arbeiten der Villmarer Marmorarbeiter und der Diezer Fabrik, unter anderen ein Theil des Mittelstückes der für den Fußboden in der griechischen Kapelle bestimmten pracht­vollen Rosette aus cararischem und Diezer Marmor, welche in Villmar gearbeitet wird und deren Ausstellung in Mün­chen Se. Hoheit der Herzog huldreichst gestattet hat rc. re. Ausnehmend reichhaltig und zugleich systematisch geordnet ist die Sammlung der nassauischen in auserlesenen Exemplaren eingesenbeten Bergwerksproducte. Die erwähnten Industrie- gegenstände werden dem Vernehmen nach bis zu Ende dieser Woche ausgestellt bleiben.

* Wiesbaden, 15. Mai. Am 11. d. fand die 9te General-Versammlung des nassauischen Gewerbe-VereinS im Taunus-Hotel dahier statt und waren fast sämmtliche Local- Vereine des Herzogthums durch Abgeordnete vertreten.

Seine Durchlaucht der StaatSminister Prinz von Wittgen­stein hat heute in Begleitung der Herren Ministcrial-Präsiden- ten Lex und Faber die in dem Locale des Central-Gewerbe- Vereins aufgelegten Zeichnungen und Modellir Arbeiten aus den Gewerbeschulen deS Landes besichtigt.

Neudorf; 14. Mai. Heute wurde dahier im Hoch­amte nach geendigter Predigt der sogenannte Unter­verwalter der hiesigen Pfarrgüter, Sebastian Math I. von hier, wegen Annahme dieses Dienstes, gemäß Erlaß des Hochw. Bischofs, in den großen Kirchenbann erklärt. Ueber einen unserer früheren Milchristen die Excommunication verkünden zu hören, war uns übrigens nichts Neues. Vor etwa 8 Jahren geschah dies unserm damaligen Schultheißen HelSper; diesmal einem Gemeinderathe. Die gewarnten Ar­beiter der Pfarrweinberge wurden mit dem kleinen Ki r - chenbanne belegt. Dem Vernehmen nach steht auch die Excommunication des HerzoglichenRecepturbeamten Münzel in Aussicht.

Frankfurt, 10. Mai. Das Bankierhaus Ph. Schmids hat sich jetzt bereit erklärt, die fälligen Treffer des An le he ns deutscher Fürsten und Edelleuten zu zahlen.

Aus Baden. DieBad. Landeszeitung" bestätigt, daß Graf Leiningen am 2. Mai seine erste Audienz beim Pabst hatte, und fügt hinzu, daß die Unterhandlungen ihren Fort­gang nehmen und zwischen dem Cardinal-StaatSsecretär An­tonelli und dem Fürsten Hohenlohe einerseits und dem Gra­fen Leiningen andererseits geführt werden.

< Würzburg, 14. Mai. (N. W. Z.) Die Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Schweinfurt hierher soll bis 1. Juli zu erwarten sein und wird höchst wahrscheinlich Se. M. der König zu dieser Feierlichkeit von Nürnberg hierher kommen.

München, 13. Mai. DieAllgemeine Zeitung" hat Unglück mit ihren telegraphischen Depeschen aus Triest über griechische Verhältnisse. Wie es mit jener vorgeblichen officiel- leu Anzeige der Blokade beschaffen gewesen, haben wir gese­hen. Was die wichtigsten Puncte der neuesten Depeschen der' Allgemeinen Zeitung" aus Triest betrifft, so ist es damit nicht besser beschaffen. Drei Generale sollen an die Grenze beordert, eine allgemeine Rekrutirung aubefohlen, der englische und französische Gesandte nach Negroponte abgereist sein rc. An allem dem ist kein wahres Wort, wie aus zuverlässigen Be­richten aus Athen vom 4. d. hervorgcht. DieGesaudtcn waren nicht abgereist, noch war von deren Abreise überhaupt die Rede gewesen; eine allgemeine Rekrutirung war nicht angeordnet. Nicht drei, sondern zwei Generale waren an die Grenze abgegangen, nicht mit Sner feindlichen Mission, .LvèL^r^âLW. '4orbA mit den ^Metern Englands und Frankreichs über tie Reise als UM èM^Art V^tltänbmnng stattgefunden hatte. Im Ucbrigen wurde die Stimmung im Königreiche immer ruhiger.

Am königl. Hofe werden in den nächstkommenden Tagen folgende hohe Besuche erwartet: der Großherzog und die Frau Großherzogin von Hessen, der Großherzog von Toscana mit seinen beiden Söhnen, der Herzog und die Frau Herzogin v. Modena. Wie zur Zeit bestimmt, wird auch der Prinz Fried­rich Wilhelm von Preußen (Sohn des Prinzen von Preußen) auf seiner Rückreise aus Italien unserer f. Familie einen mehr­tägigen Besuch abstatten. Der f. Flügeladjutant Oberst v. d. Tann wird von der Sendung nach Wien schon in eini­gen Tagen hier zurückerwartet..

Aus Thüringen, 14. Mai. (Fr. I.) An unsere Re­gierungen ist bereits eine Mittheilung hinsichtlich des zwischen Preußen und Oesterreich in der orientalischen Angelegenheit abgeschlossenen Allianzvertrages behufs baldiger Abgabe ihrer Erklärungen gelangt. Vorerst wird der Inhalt jenes

Eine Wasserratte.

(Fortsetzung.)

d"^Gegenstand zu einem Cursus iu Lavaters Weise trefflich auSbeuten. Da aber mein Capitän Kommschon in der Zwi­schenzeit lein Mittagessen beendigt hat, so muß diese Ausschweifung hier ihr Ende Haden, eingeschaltet sei nur noch, daß eine blonde Köchin, welche mit zugedeckicn Schüsseln, während ich den obigen Re- flerlonkn nachhtng, zwischen der Schiffsküche und Capiiänsca üte hin unv her eilte, einen durchaus andern Gesichtsausdruck erkennen ließ als die übrigen Untergeordneten des Capitän Kommschon Waren diese von seiner ruhigen Heiterkeit unverkennbar angesteckt und w be« bagkichen Philosophen erzogen worden, so fühlte jene ohne Zweifel das Damoklesschwert deS seinschmeckenden Tadels Seitens ihres Brovherrn veständig über dem blonden Haupte schweben, und ihre Züge halten dadurch etwas Geängstigtes, an sich selber Jrrgeworvenes", Berrwei- selndkS bekommen.

Diese Voraussetzung wurde einigermaßen bestätigt, als der Capi- ermix ""im Frage, ob die Mahlzeit geschmeckt habe, achselzuckend Aberle: man müsse am Bord mit Wenigem zufrieden sein; es sei Sinar h 1 ^ie *u Hause. - Als ich dagegen aus seinem gesunden Schlußfolgerung zog, daß ihm doch im Grunde nichts scheine, und einige Bemerkungen hin^ufügte, welche seine SinGr S.tMms als Schleppbootcapitän und die befriedigende n f ' keiner Untergebenen (mit einer unerwähnt gebliebenen Aus- asmc) betrafen , so wurde er gesprächiger und schien seine Vage mit einem gewissen Wohlgefallen zu mustern.

n tU"k"' sagte er und nahm die dargebotene Cigarre « a6c ^flW' - ich kann mich nicht beklagen; bis auf die f ^"st am Bord geht mir nichts ab, und die könnte ich auch am unh V ^1 bslben, wenn nicht eben der doppelte Hausstand hier mist'1 8rau zu Hau« zu theuer zu stehen käme. Sie müssen

s"br er fort, bte Stgarre gemüthlich anzündenb und langsame now ^ mi$ "'^i allein im Schlepptau habe. sondern

er ^ft^ Menge anderer obendrein. Da ist z. B. der Heizer -" rothen U^V bequemen Kopfnicken nach einem rußigen Gesellen im nach der »a^k*^ ^I "n der Seite des Schornsteins stand und schien "^be des Kauchs tue Spannung der Maschine zu bemessen da ist der Heizer, s ist ein fleißiger, treuherziger Kerl, aber

"Gegen,ich kann mich nicht beklagen; bis auf die Bord geht mir Nichts ab, und die könnte ich auch am

ich habe ihn nicht umsonst; er verdient den Tag über seinen halben Thaler und will nebenbei doch auch zu Morgen, Mittag und Abend seinen Magen gesättigt haben. Ich kann aber nicht selbst Heizer und Capitän in Einer Person sein; also muß ich ihn mit durchschleppcn. - Mit seiner grau gcht's nicht anders; sie kocht zwar schlecht, wenig, stens muß ich zu Haus allemal gehörig nachholcn, weil mir's am Bord nicht schmeckt. Ich zahle ihr jährlich eine runde Summe und muß sic auf diese Weise auch mit durchschleppcn. Etwas Warmes will der Magen doch von Zeit zu Zcit haben. Das sind also schon zwei, die ich mit durchschleppen muß".

Ich hatte beistimmend diesen Auseinandersetzungen zugehört, als ein langsamer Zuruf des Steuermanns den Capitän unterbrach. Ohne sich ganz umzudrehen, folgte er mit den Augen der Richtung, in wel­cher der Steuermann deutete. Dort saß ein Dreimaster quer im Strom auf dem Grund; die Mannschaft war in ausgesetzten Booten ohne Erfolg bemüht, das festgerathene Sch,ff wieder abzubringen, und vom Bord herüber rief man dem Schlepper zu, er möge Vorspann leisten. - Ein unbeschreibliches Gemisch von Pfiffigkeit und zurückgc- haltenem Vergnügen lag auf seinem vollen Gesicht, als Capitän Komm, schon über die Schulter mit bedauerndem Achselzucken in plattdeutscher Kürze zurückrief:Hess kehn Tiehd", und seine Fahrt ununterbrochen fortsetzte. .

Gleiche Gemüthsversaffung bekundeten die Gesichter der übrigen Bemannung, von welcher jeder Zeit genug gehabt hatte, dem Vor- gange seine ganze Aufmerksamkeit zuzuwenoen. - Der Heizer wollte wissen, das festgerathene englische Schiff habe sich bei früheren Reuen vom ConcurrentenVorwärts" schleppen l ssen und möge warten, dis der vorbei komme. Der Steuermann dagegen meinte, der Patriot", auch ein Concurrent, habe den Engländer elbaufwärts ge. schleppt; der fei aber erst heute früh nach Curhafen gegangen und werde nicht so bald wieder vorbei kommen. Der Capitän endlich drückte nur tue allgemeine Ansicht aus, daß die Engländer überhaupt nicht zahlen wollten, was recht sei, und daß man ihnen deßhalb in solchen Fällen nie helfen müsse. Er fühlte bei dieser Auslassung voll­kommen die Höhe seines Standpunktes und eine gewisse bewußte Uebcrlegenhcit suchte sich in der Miene, mit welcher er seine Worte begleitete, geltend zu machen.

Mir war diese Hiltsweigerung, als bezeichnend für die Art des Verkehrs auf offenem Wasser, wie man ihn täglich über ähnlichen Sünden ertappen kann, nicht ohne Interesse. Im vorliegenden Fall

mußte schon ein Sturm auskommen, uhi die Verweigerung für das festgerathene Schiff verderblich werden zu lassen. Aber, selbst in dem Fall, daß Gefahr für den Engländer vorhanden war, hätte der Schlepv- bootcapitän sich nicht durch diese selbst, sondern höchstens durch die dann wahrscheinliche Erlangung eines größeren Swleppgeldes zu einem andern Verhalten bestimmen lassen. Wie sehr auch rgg Bugsiren eines schwerfälligen iinbebülflichen Seeschiffes durch ein kleines, angestrengt arbeitendes, dampfendes und keuchendes Schleppboot einem Freund­schaftsdienst gleich sieht etwa wie der treue Pudel den blinden Musikanten vorwärts zieht so wenig Poesie bleibt doch dem beider­seitigen Verhältniß, wenn man es in rer Nahe, und zumal in Fällen dringender Gefahr beobachtet. Da knöpft der Capitän des Schlcpv- bootS sich entschieden zu ; fein Boot ist zu klein, er mag die Maschine nicht überarbeiten, der Eisgang scheint ihm (trotz per reckenden Ass cu- ranzsichcrhcit) zu gefährlich; er selbst hat drei Nächte schon keine Rast gehabt und möchte einmal wieder unter die Federbecke; genug er kann heute nicht helfen. So steigert sich denn das Angebot von Hunderten bis in die Tausende hinein, und erst wenn der Capitän die höchste Summe hcrausgedrückt zu haben glaubt, knöpft er sich wieder auf und sein treues Boot muß zum RetiungSdienst herbei. Darf man ihm deshalb Unmenschlichkeit vo-weifen? NichlS weniger. Derselbe Mann wurde Tag und Nacht arbeiten, wenn es sich etwa darum handelte, ein leckes Fischerboot abzubringen oder Eririnkenben zu feilte zu kom­men, mit Einem Wort, in Fällen wo sein Geldintcreffe nicht geweckt wird und die natürliche Guiherzigkeit ihren freien sauf hat. Aber der Geldpunkt verändert alle Verhältnisse. Während der Schlepp- capitän den Rheder von einem Hundert auf'S andere treibt nun tiefer sich nur. so hoch bequemt, als ihm die Chance wegen Schiff und ra- dung, oder wegen Seime dung des EinwintcrnS , oder was weiß ich, werth zu sein scheint, stehen sich beide nur als Geschäftsleute gegen­über, und wer den andern überlistet, ist der beste von beiden. Die Fälle, wo auch die mögliche Gefahr der Mannschaft in Betracht sammt, sind selten und müssen selten sein, weil zwei Gegensätze, wie Mensch- lichkeit und Geleinlereffe, nun einmal nicht in einer und derselben Minute zu Wort komnien. Kein Wunder, daß sich auch die gni- mütbige Miene des Capitän Kommschon in seiner Weise verzog, alS er mit Achselzucken seinHeff kehn Tiehd" dem Engländer durch die hohle Hand hinwarf.

Solch ein Rebel, wie der von heute Morgen", sagte er, wieder zu mir heran tretend,ist für unser eins das Beste, was wir wün-