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Wiesbaden. 1884

Nr. 113.

Montag, 15. Mai.

Aus der zweiten Kammer.

Wiesbaden, 13. Mai. IX.Sitzungderll. Kammer.

Der Abg. Rau bringt die Beantwortung seiner früher gestellten Anfragen wegen Abgabe von Saatfrüchten an Min- derbemilttlte, wegen der Temporalknsperre, wegen der Un­terdrückung des bischöflichen Amtsblattes und wegen der pro- jectirten Erweiterung des Jntelligenzblatts zu einem politischen (?) Journal in Erinnerung. Der Abg. Knapp schließt sich denn für seine noch nicht beantwortete Interpellationen an.

Abg. Knapp rechtfertigt darauf seinen in der vorigen Sitzung gestellten Antrag, die Herzog!. Regierung zu ersuchen, neue Verträge mit dem fürstlichen Hause Thurn und Taxis abzuschließen und hierbei dahin zu wirken, daß L die oberste Postbehörde eine herzogliche werde und in dem Lande selbst ihren Sitz habe, 2. daß'die Regierung sich die Genehmigung der von der Postanstalt mit den Posthaltern abznscklicßeuden Verträge Vorbehalten, endlich 3. daß bessere Postverbindun­gen namentlich Landbotenposten baldigst ins Leben treten und billigere Fahrpofttaxen für Personen eingeführt werden.

Der Abgeordnete erkennt an, daß die Errichtung einer ei­genen Postanstalt für unser Land nach den Verhältnissen un- thunlich und das wünschenswertheste sei, wenn die deutschen Regierungen die Sache als eine allgemeine in die Hand nähmen. Er führt sodann die bekannten Beschwerden aus, welche Seitens vieler Postbalter über ihte Verträge mit der fürstlichen Postdircction schon oft laut geworden sind. Etwas Neues war darin nicht enthalten und fehlte namentlich die Nachweise, wie durch den Vorbehalt der Genehmigung jener Verträge Seitens der h. Regierung, die sich der Natur der Sache nach doch nur ans eine äußere Prüfung ausdehnen kann, der eine oder andere Theil vor den Schäden eines für ihn nachtheilig abgeschlossenen Contracts bewahrt werden soll. Der Abg. Knapp führte sodann weiter die Nothwendigkeit der Herstel­lung einer Landbotenpost aus, über deren Errichtung, wie uns die zuverlässige Nachricht geworden, ein Vertrag mit der fürst­lichen Oberpostbebörde abgeschlossen und deren baldige Ein­führung zu erwarten ist.

Derselbe wies sodann schließlich auf das Bedürfniß ver­mehrter Fahrpostverbindungen (Weilburg-Rennerod) und die Herabsetzung der in letzter Zeit hier und da sogar erhöhten Taxen hin.

Abg. Schäffer unterstützt den Antrag und wünscht, daß die Regierung noch weiter gehe, das Verhältniß mit Taxis löse und statt' dessen sich mit" einem Nachbarstaat vereinige.

Ran. Ich stimme darin dem Herrn Abg. für Limburg bei, daß unser Postwesen an wesentlichen Mängeln leide; den­noch erkläre ich mich gegen die Jnbetrachtnahme seines An­trages, weil dieser in einzelnen Punkten nicht ausführbar ist, und weil durch die Annahme desselben jenen Mängeln nicht abeholsen würde.. Wie dürfen wir z. B. einen Beschluß fas­sen , daß der Furst von Thurn und Taxis nur nassauische Staatsangehörige zur Abschließung von Verträgen mit nas säuischen Posthaltern bevollmächtigen oder abordnen solle. So lange derselbe nasiauischer Erblandpoftmeister ist, muß es ihm auch freistehen, Beamten, welche nicht Herzogliche Unterthanen sind, zur Abschließung von Verträgen zu beauftragen. Die Annahme, daß das Oberpostamt, wenn dessen Sitz nach Wies­baden verlegt würde, nnr eine nassauische Behörde sei, ist un- gegründet; immerhin bleibt cs unter den jetzigen Verhältnis­sen der Toxischen Gencralpostdirection untergeordnet. Wcsenl- ^Es würde also durch diese Aenderung nicht erreicht. Der Behauptung des Abg. für Rennerod, daß Nassau sein Post- Wesen von Taxis trennen und selbstständig Pirigircn könne,

Eine Wasserratte.

' als auf dem Verdeck des 2h ton sé " M und scheuern des Hinterdecks um die gewöhnliche Zeit Morgenschlafe weckte. " Passagiere der ersten Cajute aus dem

. 2lp h°"-einem Fremde, welcher mit dem Arion nach Adelaide ging, bis Gluckstadt das Geleit gegeben, und da bei erstem aünstigem Winde das Schiff von dieser Eibstation weiter neben sollte nur" es für mich Zeit die Rückreise nach Hamburg an ut et n Ab de Nebel hatte es anders beschlossen. Eben war ich ck's Boot gestiegen um an's Land zu fahren, als die Luft so dick wurde, daß bald Ufer und Wasser vor unsern Augen verschwanden; der Lootse gab daher nicht zu, daß sich das Boot vom Schiffe entferne, und die Folge war daß tonmc" Einzug, welcher Morgens nach Hamburg fährft nicht benutzen Diese Verzögerung verschaffte mir das Vergnügen, den Capitän «vmmschon kennen zu lernen, und um ihm allein in diesen AuS-

«8tn "'eine Aufmerksamkeit schenken zu können, ziehe ich das Schiff Arion sammt seinen zu Vieren, ohne Geschlechts, ücksichtcn, neben einander gebetteten Zwischeneeckspassagieren, seinen Originalen in der crnen und zweiten Cajüte, seinen Mecklenburger Electoralböcken und einer Bremer Bemannung nicht in den Kreis meiner Notizen. Ich

/ kS also nur mit dem Capitän Kommschon zu thun und führe venselben Hiemit als den Commandeur des Privatschleppvampfers ^iilg" bei den Leicrinnen und Lesern dieser Blätter ein.

Der Dampfer Eilig hatte Schiffe in See geschleppt und wurde SsSen Mittag von Cuxhaven in Glückstadt zurückerwartet, um den oumafftrtrct zurückzuschleppen, welcher des Arion Wasserfäffer ge- ruut hatte. Bekanntlich wird dazu gereinigtes Elbwasser verwendet, der Arion , obschon bei Glückstadt im süßen Wasser liegend, wincn Reisevorrath zugeführt erhalten mußte, um so mehr als das »Wug tief geladen halte und mit den vollen Wasserfassen, an Bord 6tc Blankenefer Sandbänke gekommen wäre.

s)lag zwölf Uhr dampfte der Schlepper Eilig heran und legte j ^" Süßwasserever. Passagiere pflegen nicht mit dielen ttn«,T befördert zu werden, da sie nur die Capitänscajüte entbal- daß d-?^" ungewissen Tageszeiten fahren. Dieß hinderte aber nicht, »ur Id.imr ?^âu Kommschon auf meinen Wumch, diese Gelegenheit p msahrt zu benützen, bereitwillig einging, und so dampften wir

muß ich widersprechen. Sollte diese Trennung im Wege des Vertrages geschehen, so hätten wir eine bedeutende Ablösungs­summe zu zahlen und für Anschaffungen und Einrichtungen eine allzugroße Ausgabe zu bestreiten.

Wir sehen das Beispiel an Württemberg, welches viel größer als unser Herzogthum ist und auch schon durch seine Eisenbahn verhältnißmäßig weniger auf die Posten zu verwen­den braucht. Für die Ablösung mußte aber Württemberg 17i Millionen Gulden zahlen und für die erforderliche Ein­richtung eine so große Summe verausgaben, daß für das Königreich in finanzieller Beziehung sicher kein Gewinn er­langt worden ist. Eher möglich wäre der von dem Abgeord­neten für Limburg angcdeutete Postverein mehrerer deutschen Staaten.

Worauf es bei uns zunächst ankommt, ist der Schutz für unsere Posthalter, daß sie bei Abschließung von Verträgen nicht mit solcher Härte behandelt werden, wie sie unter der jetzigen Generalpostdirection wirklich emègeübt worden ist. Durch die Annahme des erwähnten Antrages würde aber auch in dieser Beziehung keine Abbülfe getroffen werden. Was schließlich den Postbotendienst betrifft, so liegt, sicherem Ver­nehmen nach, ein Vertrag, nach welchem die Briefe wöchent­lich viermal auf die Ortschaften expedirt werden, zur Geneh­migung vor.

Ich wünschte, daß der Hr. Abg, für Limburg über seinen Antrag vorher mit Anderen sich besprochen und ihn dann bes­ser formulirt hätte; in seiner jetzigen Fassung kann ich ibn nicht zur Fassung empfehlen.

Abg. Braun: In den Bundesacten seien die Rechte des fürstl. Hauses Thurn und TaxiS als ehemaligen Reichspost­meisters garantirt und die daraus folgenden Rechtsverhält. Nisse verschiedener Auffassung fähig. Ohne bedeutende Ent­schädigung würden jene Rechte nicht zu beseitigen sein, wie das Beispiel in Württemberg gezeigt habe.

Für Nassau bestehe zudem ein älterer Vertrag als die Bundesacte, bezüglich dessen die Ansicht zu vertheidigen sei, daß er durch leerere nicht berührt werde.

Um sich jedoch darüber zu entscheiden, bedürfe es der Durcharbeitung einer reichhaltigen Literatur und Berge von Acten und deßhalb stimme er mit dem Abg. für Walmerob überein, daß es dermalen an den nöthigen Voraussetzungen eines wirksamen Beschlusses mangele. Er werde jedoch für die Jnbetrachtnahme deS Antrags stimmen, weil erhoffe, daß da­durch wenigstens die schon zu lange schwebende Frage über die Einführung einer Landbotenpost ihrer Erledigung näher gebracht werde.

Nachdem hierauf der Abg. Rullmann sich mit dem, was der Abgeordnete Rau gesagt, einverstanden erklärt und Abg. Knapp noch bemerkt hatte, daß es die Sache der zu erwählenden Commission sein werde, das Gute seines Antrags vom Unbrauchbaren zu sichten, wurde die Jnbetrachtnahme Desselben zur Abstimmung gebracht und mit 10 gegen 9 Stim­men abgelehnt.

Es folgte daraus die Erstattung mehrerer Ausschußberichte über Petitionen, die ohne allgemeines Interesse waren.

Nur eine derselben müssen wir erwähnen.

Die Gemeinde Laufenselten bittet nämlich um Entfernung der Juden aus dem Gemeindeverband.

In dem von dem Abg. Knapp vorgetragenen Ausschuß, bericht war die Bemerkung enthalten, daß sich die christlichen Bürger gegen die Nachtheile, welche ihnen aus dem Hang der Israeliten zum Handel und Schacher zu drohen schiene, durch bessere Ausbildung, Errichtung von Hilfökassen und eigene Vieh- züchtung schützen könnten und daß die Emancipation selbst mBr»"«fHTffr,,lw,,"^**^IMBgMMSEa^"aBie*aBB,BIIIBB**MI**i*a^^

nach kurzem Abschiednehmen elbaufwärts, den Arion bei Glückstadt vor Anker lassend und ihn bald aus den Augen verlierend.

Capitän Kommschon mochte vierzig Jahre zählen; er war von kurzem, gedrungenem Wüchse, nicht übermäßiger, doch immerhin in die Augen fallenver Wohlbeleibtheit; sein rundes, volles Gesicht ließ auf den rothen , gesunden Wangen Behaglichkeit und G/müthlichkclt erkennen; die wafferblauen, kleinen Augen verriethen Witz, Schlauheit und praktischen Verstand; des Mundes gut geschnittene, fast schöne Form berechtigte zu dem Schluffe, daß der Capitän mehr schweige, als schelte, mehr gutmüthig lächle, als laut auflache, und Diese Partie seines Gesichts konnte tadellos erscheinen, hätte nicht ein stark ent­wickelter Appetit das Futteral der Eßwerkzeuge, die Livpen, häufiger als wünschcnoweith in seinem Dienste verwendet. Ob die rothe Ge. fichtsfarbc des Capitäns von Gesundheit oder Witterur,gseinstussen oder aber von geistigen Getränken herrührte, war nicht wohl zu bestimmen. Obschon das Schwimmen seiner Augäpfel vermuthen ließ, raß der Capitän nicht gerade zu den Nachfolgern und Jüngern des Pater Mathews gehörte, machte seine ganze Erscheinung doch nicht den Ein­druck eines sogenanntenUeber-ven-Durst-Trinkers", und so mögen auch wohl die andern beiden Ursachen bei der frischen Gesichtsfarbe des Capitäns Berücksichtigung verdienen.

Daß unsere eben erst angeknüpfte Bekanntschaft gleich nach der ersten Begrüßung durch die Erklärung des Capiläns, er müsse jetzt in die Cajüte hinab und zu Mittag speisen, zu einer Pause gelangte, wolle Niemand als bloße Erfindung des Erzählers oder als einen Kunstgriff betrachten, bestimmt, den ehrbaren Capitän Kommschon als einen Lucull vorzuführen; ich habe schon gesagt, daß es Mittags- stunde war, und es darf nicht befremden, daß um Diese Zeit auch der Magen eines Schlcppbootfübrers beruhigt sein will. So hatte ich denn Muße, auf der warmen Platte des Heizapparats sitzend, meine Beobachtungen auf, das Personal Ded Schleppboots auszuvehnen.

Was sich mir dabei zuerst aufvrängte, war die Wahrnchmnung, daß eine gewisse Ruhe und Sammlung auf den Gesichtern der weni­gen am Bord befindlichen Matrosen und Heizer unverkennbar ausge­prägt war, und ich mußte an Die phpfiognomische Wandlung denken, welche durch bestimmte Berufsgeschäfte fast immer mit dem mensch­lichen Antlitz vor sich geht Um Naheliegendes zu nennen, erinnere ich an Den unstäten Ausdruck, welchen die Gesichter der Häringsjäger zu haben pflegen. Man versteht unter diesem Namen nicht allein die mit dem wirklichen Fang beschäftigten, sondern auch, und besonders

jene ausschließliche Richtung Der geschäftlichen Thätigkeit Der Juden verschwinden werde und auf Uebergaug zur Tages­ordnung eingetragen.

Der Abg. R a u bemerkte dazu: Er stimme für den Aus- schußantrag aber nicht aus den im Berichte angegebenen Grün­den, sondern aus dem Grunde, weil dem Gesuche nach Dein dermaligen Gesetze nicht willfab t werden könne. Daß eine Gemeinde, welche viele arme und gering vermögende Bürger zähle, so schnell durch Hilfscassen dem-Wucher entgegenwirken könne, sei wohl leicht gesagt, aber nicht so leicht ausführbar. Ebenso nngegründct sei Die Behauptung, daß die Juden durch Die erfolgte Emancipation vom Sckacherbandcl entfernt wür­den. Das Beispiel könnten wir ih Frankreich sehen. Im Jahre 1790 habe die Stadt Straßburg bei der Nationalver­sammlung gegen die Emancipation einen Protest eingelegt, und in diesem bervorgeboben, daß in Lothringen schon unter Stanislaus seit 1751 bürgerliche Rechte an 180 Judenfanu lien bewilligt worden seien, von diesen aber neck keine einzige Familie den Ackerbau betreiben wolle. Im Jahr 1089 seien nur 587 Judenfamilien im Elsaß gewesen. Diese hatten sich aber im Jahre 1784, ungeachtet aller Beschränkungen bis auf 3910 Familien vermehrt. Wenn nun die bürgerliche Gleich­stellung erfolge, so sei zu besorgen, daß die Juden fick nicht dem Ackerbau und den Gewerben^zuwenden, sondern lediglich beim Handel verbleiben und dann erst Die Geißel des Elsas­ses werden würden. Dem Gesuche der Stadt Straßburg sei njcht willfahrt, aber nicht lange nachher, schon in 1808, das bekannte kaiserliche Decret gegen den Wucher der In cn er­lassen worden. Die Wirklichkeit stehe mit den schönen Re­densarten nicht in Uebereitistimmung. Ob bei uns die bür­gerliche Gleichstellung die Wirkung haben werde, daß Die Juden ferner bin sich mehr dem Ackerbau und den Gewerben zuwenden würden, müsse man erst noch abwarten.

Der Abg. Eigner sprach hierauf den Wunsch aus, daß, der Ausckußberickt über den Jagdgesetzentwurf baldigst auf eine Tagesordnung komme.

Abg. Braun unterstützte ihn mit dem Bemerken., wie es nach den bisherigen Erfahrungen nothwendig sei, auf den Schein der Verzögerung und Uuthätigkeit -n vermeiden.

Präs. Wirth erklärte: Der Versammlung sei Die Lage der Sache bekannt und er glaube, daß es genüge, wenn er Nachricht von der Herzoglisteu Negierung rinziehe, ob dieselbe mit der Verhandlung des Gegenstandes in einer Der nächsten Sitzungen übereinstimme und er die Versammlung von dem Resultat in nächster Sitzung in Keautnlß i.iic.

- Die Kg MIN er ging bieränf aber nicht eif^- sondern . beschloß, daß Der Jagdgesctzentwurs auf die nächste Tagesordnung zu bringen sei.

* Wiesbaden, 14. Mai. Die von dem Abg. Braun mit neun anderen Mitgliedern der zweiten Kammer in der Sitzung vom 11. D. gestellte Interpellation betrifft nach der Auseinandersetzung des genannten Abgeordneten die Grund- züge einer zukünftigen, den nächsten materiellen Interessen des Landes ersprießlichen legislativen Taä: f.1 und bat Den Zweck, Die Regierung zur Vorlage einiger diesfalls nothwen­diger, zum Theil schon vorbereiteter Gesetzentwürfe zu veran­lassen. Als wünschenswerth wurde in dieser Bczichnng ge­nannt, 1) Ein bürgerliches Gesetzbuch und insbesondre eine Codlfication deS ehelichen Güterrechtes, bczü stich dessen in Der Praxis der Obergerichte zweiter Instanz in wesentlichen Stücken sich Differenzen ausgebildet haben, sodaß jenseits der Lahn in manchen Puncten ein anderes Vermögensrecht unter Ehegatten gilt, als diesseits. 2) Ein Gesetz über das Wasser-

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diejenigen, welche die ersten HäringSladnngen von Schottland nach Dem Feftlande bringen, wobei natürlich ein Weissagen stattfinret, da Die zuerst Anlangenven von den Rhrvcrn oder Empfängern durch Prämien belohnt werden. In gleicher Weise ließ bei Fruchtladnn- gen aus dem Mittelmeer der Fall, und Die Frnattjäger oben da er auch fast alle unstäte, ungeduldige Gesichter. Wagfischjäger bieten die auffallendste Erscheinung tu Dieser Art, veranlaßt durch den Umstand, raß die ganze Mannschaft der zu solchem Fange anSgesandten Schiffe an dem bessern oder schlechteren Ei trage , des Fanges nach Procenten Theil nimmt uns somit einer beständigen Spannung unterworfen ist.

Es versteht sich, daß die Rilhe des täglichen Einerlei auf weiten Seere.sen auch hier abschwächend wirkt, und raß sich ganz andere Gegensätze nennen ließen, wollte man von den Wasser- zu den Land­ratten überspringen, zumal zu den Startratten; denn schon zwischen Land- und Stadtgesichtern ist ein äuffallenderäterschiev in eben die­ser Beziehung, wie sich Derselbe von D rf zu Flecken, von Flecken zu Siart, von Stadt zu Metropole in der handgreiflichsten Weise stei­gert, so zwar, daß man etwa 'OlgenDe Stufenleiter als Erpenmenlir- basis festsctzen könnte: 1) Burteyuve, 2) Schövpenstedt (früher Nr. 1), 2) Crefeld, 4) Franksu-t am Main, 5) Berlin, 6) Paris. - Ware Gelegenheit, Lurchschuittseremplare aus diesen sechs Orten neben ein­ander zu stellen, man würde über die Genauigkeit der ' rogression vom tiefen Schlummer bis zur höchsten Lebendigkeit erstaunen.

Näher liegenden Vergleich bieten die Physiognomien eines Handels­platzes. Wie bei den angeführten ScemannSkâtegoeien das pekuniäre Jutcresse den Grad der Ungeduld und Hast bestimmt, so vrägt Dieselbe sich in den Zügen Ded Börsenvublicnms uns, nur noch auf weit sicht­lichere, unverkennbarere Weise. Von dem fest faspiirten, träumerischen Commis eines alten HauseS, dessen Chefs nur noch Disconttt nehmen, bis zu dem flackernden, ewig horchenden, zählenden, geängstigten, tcle- graphcnkranken Wesen eines Spccu anten in Fonds und Actien gibt es eine ganze Reihe stufenweise von langweiliger Stumpfheit zur ge­spanntesten Reizbarkeit sich steigernden Gesichter, und ein feiner Beob­achter sollte an der Börse ohne gedruckten Nachweis heraussinden können, wo der ungefährliche Kleinhandel, der langsichtige Disconto- verkchr, der Handel in dem Verderben unterworfenen Artikeln, und wieder derjenige in eingefallenen Gegenständen, wo das ewig schwan­kende Korn- und Rübèlgeschäfte , das Contrahiren auf Puff in Zink, Eisenbabnactien oder österreichischen Papieren und endlich wo die wirkliche Fondsbörse ihre Vertreter haben. (Forts, folgt)