m-WM-s Nassauische Allgemeine Zeitung
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Wiesbaden. 1834.
Nr. 112.
Samstag, 13 Mai.
Ute Heerlager bei Marseille und St. Vmer.
Herr Amcdoe de Cesena gibt einen eigenthümlichen Com- meiitar zu der Aufstellung der beiden Heerlager bei Marseille und St. Omer; „Die Verbindung", sagt'er, „der beiden Wcstmâck'te und der deutschen Großmächte zu einem gemeinsamen Ziel und einer gemeinsamen Leistung benimmt gleichzeitig dem Krieg seine europäischen Gefahren. Aus den Schau- platz im Orient eingeschränkt (?), welcher zum Algerien bie- stS Reichs wird, kann der Feldzug weder ernstliche fremde Interessen beunruhigen noch die Gemüther tief aufregen. Es wird eine andere Art afrikanischen Kriegs werden, mit einem weiter geöffneten Feld und einer allgemeinen Tragweite — ein Krieg der für augenblickliche und gemäßigte Opfer den Bosporus auf immer dem Ehrgeiz der Czaren entreißen, das schwarze Meer dem europäischen Handel zurückgeben und für längere ^eit die Ruhe der Welt wieder Herstellen wird." Dazu bemerken wir vor allem, daß Herr v. Cesena, außerdem daß er den Ostseekampf vergißt, eine klägliche Unwissenheit in den Dingen bekundet über die er spricht, wenn er von einer Rückgabe des politischen Handels an Europa spricht. Frankreich'hat von der Ernte 1853 einen Ausfall von 10 Mill. Hektoliter Getreide zu decken gehabt, und hat ihn, wie eS scheint, gänzlich gedeckt. Dieses Getreide kam von den baltischen Küsten, âus den Vereinigten Staaten, aus Canada. Aber nicht alles kam von dort, sondern bei weitem das größere Volumen aus Südrußiand, aus den Donaufürstenthümern. Wenn also der politische Handel den Brobbedarf Frankreichs nach einem Mißwachs befriedigen konnte, so ist es ein unerträglicher Unsinn von Befreiung dieses Handels zu sprechen, der immer bestanden hat, und der Rußland vielleicht mehr am Herzen liegt als Frankreich. Auch möchten wir dem napoleonischen Publicisten in der allgemeinen Politik ein wenig Vorsicht rathen. Nach allen Andeutungen über den In- halt der österreichisch-preußischen Convention ist dieser Vertrag ein zweischneidiges Schwert. Es ist daher nicht gut, wenn die französische Presse sich verfänglicher Phrasen bedient, wenn sie die Türkei ein „zweites Algerien" nennt, denn Algerien ist unsers Wissens eine französische Provinz. Und die Franzvseii beseitigen bereits den Isthmus von Gallipoli, den Schlüffel der Dardanellen. Hr. St. Marc Girardin im „I. des DebatS" kündigt ebenfalls Absichten der Westmächte an, die für deutsche Interessen nicht eben behaglich sind. Die ser Publicist geht von der Ansicht aus, daß die Seemächte nach glücklich beendetem Feldzug im Orient den Status quo
ante bellum nicht wicderhcrstcüen, namentlich der Moldau imd- er, „bk vonde» Westâu.l^. 1
Walachei eine andere staatsrechtliche Existenz geben würden, nämlich eine unabhängige (will sagen abhängige) Stellung unter dem Protectorat der europäischen Mächte. Um dieses complicirte Verhältniß anschaulich zu machen, münzt der Publicist eine eigene Phrase aus, indem er sagt, diese Fürstenthümer müßten die „orientalischen Niederlande" werden, in dem Sinn nämlich, daß die europäischen Mächte die Neutralität dieser Gebiete, wie bei Belgien und bei Holland, anerkennen und gewährleisten würden. Hätte man nun vor deutscher Seite dagegen nur cinzuwenden, daß der Vordersatz, nämlich der hvpoihetische glückliche Feldzug erst erfüllt sein müßte, so bemerkt Hr. St. Maree Girardin hinterdrein, daß es zum Schutz dieser Lande, zum Schutz der Türkei unerläßlich sei, daß das Verbot des Einlaufens europäischer Kriegsschiffe durch die Seestraßcu zwischen den beiden Weltlheilen nicht mehr erneuert werden dürfe. Setzen wir den Fall, es «füllten sich die Wünsche bh Westmächte: die Durchfahrt bei Kroustudt würde erzwungen, die russische Flotte auf offener zusammengkschossen oder in dem sichern Hafen von Ra
keten in Brand gesteckt, und eine gleiche Leistung bei Seba- stopol und mit der politischen Flotte Rußlands erzielt, so wurden dann' die beiden Seemächte sich allein in die Herrschaft aller europäischen Meere theilen. Sie geböten im Sund und Belt, wie im bottnischen und finnischen Meerbusen, sie lägen mit ihren Flotten an bei- tscherkessischen Küsten und im Marmora-Meer. In diesem Fall würde die Türkei rein fee; mächtlich beherrscht werden, der französische oder der englische Gesandte brauchten nur einem ihrer Hundertdreißiger zu befehlen, seine breite Seite dem Serail in Stambul zu zeigen, und der Divan würde angesichts des schweren Kalibers jedenfalls thun was er nicht lassen könnte. Diese Art von „Integrität und Unabhängigkeit" der Türkei, modificirt durch Achtzigpfülidet, verttägt sich schlecht mit den europäischen Interessen, denn der Einfluß der Contincntalmächle, d. b. Preußens, Oesterreichs und Rußlands (nach der Vernichtung seiner Häfen und Flotten) in Cdnstantinopel stäube dann geradezu aus Null. Das würde batn führen, daß Oesterreich zunächst sich mit aller Kraft auf Ausbildung einer Seemacht werfen müßte. Wenn dieser Erfolg aber auch deutsche Herzen erquickte, so müßte immer bas Motiv schmerzlich berühren. Oesterreich hat außerdem Motive genug, um sich eine Marine zu schaffen. Ist doch der orientalische Krieg an sich das größte, denn er beweist, welchen Volsprung die Seemächte haben, wenn es gilt das Schicksal ei n er Ha l b i n se l zu entscheiden und die berühmtesten und wichtigsten Wasserstraßen zweier Welttheile zu beherrschen!
Der „Siöcle" findet es ganz vortrefflich, daß die Regierungen Tiuppenzusammenzichungen bei St. Omer und Marseille ungeordnet hat; aber aufrichtiger alè die officieUen und halbossieicllen Blätter, welche fortwährend von dem herzlichen Einverständnisse Deutschlands mit den Wcstmachten sprechen, erklärt er gerade zu, daß er jene Maßregel beßbaib billige, weil sie Oesterreich und Preußen zu m Nach d en ke n
zwingen wurde.
„SiécU" will die Wichtigkeit der
Erklärungen Oesterreichs zu Gunsten des Rechtes und der Gerechtigkeit „unserer Sache" nicht in Abrede stellen; aber er hätte mehr verlangt. Er findet es bedenklich, daß die deutschen Mächte dem Vertrage zwischen Frankreich und England nicht beigetreten; er hofft, baß die Demissionen der Hrn. Bunsen und v. Bonin den Regierungen der beiden „libe- raten" Staaten nicht entgangen siiid, und er weiß den deut- scheu Mächten keinen Dank für ihre Neutralität, weil sie überzeugt sein müßten, daß Frankreich und England einer etwai-
gen Koalition Widerstand zu leisten vermögen,
„aber", sagt
Ocsterreich und Preußen zu denken geben und sie hoffentlich zu einer weniger zweideutigen Politik bestimmen." — Die Lager von St. Omer und Marseille wären also hiernach eine Drohung gegen Preußen und Oesterreich. Der Siöcle drückt damit in der That nur die Meinung des ganzen Pu- blicums aus. Dennoch würde ich keine Notiz von dem Artikel genommen haben, wenn sein Verfasser nicht Hav in wäre, dem hier Jedermann als den offlciösen Schriftsteller des Ministers Drouin de Lhuis zu kennen glaubt. Was der Minister nicht in den amtlichen Blättern sagen will, bas läßt er Havin aus der Kammer andeuten. So mag es sich auch diesmal wieder verhalten. Wir können uns übrigens Glück zu dieser „Enthüllung" wünschen, vorausgesetzt, es ist eine, denn wenn Frankreich sich zu Drohungen versteigt, dann muß es unzufrieden sein, und wenn es unzufrieden ist, kann sagen wir: Desto besser. Gefahren für Deutschland schließen solche Drohungen nur dann in sich, wenn die deutschen Regierungen sich von ihnen cinschüchteru lassen, und zwar Gefahren von unberechenbarer Tragweite; aber diese Drohungen
werden leerer Spurt bleiben, wenn man sie mit Energie zurückweist. Man verstchert, die prenß. und österr. Gesandtschaft hätten bereits Erklärungen gefordert, uub der „Monj. teur" würde wenigstens in einer indirccten Weise den Siècle bementiren. Wir müssen das abwarten. (S. u. Paris.)
DeirllÄ/land.
* Wiesbaden, 11. Mai. Wir haben in zwei Num- mmt unseres Blattes Auszüge aus dem sogenannten Glau- benöbekenutliissc der Deutschkatbollken gebracht. Einen interessanten Beitrag zu unseren „Enthüllungen" liefert die kürzlich erschienene Flugschrift, deS dem Vernehmen nach derzeit in Eltville wohnhaften Pfarrers R Heußner, unter dem Titel: „Ein deutschkatholischer sogenannter Gottesdienst in Frankfurt a. Main. In dieser Flugschrift erzählt der Verfasser, daß er am zweiten Ostertage dem Gott<sdienste der deutschkatholischen Gemeinde in Franksurt beigewohnt und gefunden habe, daß derselbe den Boden deö Cbristlicheii ganz verlassen habe, daß cs nur ein reiner Nalurdienst sei und wie er selbst mit angehört babe, daß der Prediger das Kreuz Christi verspottet, den Untergang des CbristenthuinS verkündet uub also Christum selbst gelästert habe. Und das sei öffentlich in einer evangelischen Kirche, an derselben Smite geschehe», an welcher andere würdige Männer das Kreuz predigten, das die Seligkeit schaffte durch den Glauben daran, während doch der evangelisch - lutherische Kirchcuvorstaud in Frankfurt nur deshalb die Mitbeiiutziing der St. Peterskirche den Deulschkatholiken erlaubt habe, weil sie nicht nur baS frühere Leipziger Bekenntniß als daS ihiige vorgelegt, sondern dazu auch loch erkläit hätten, daß sie an Christum als Ten Sohn Gottes glaubten. Man have ein Li«d gelungen „Auferstaiidcn, auftrstanden in der Blüthe schönstem Schmucke u.s.w.", welches nichts als eine F-'ier der Auferstehung der Natur enthalten habe, in leerem Wortgeklinge von Lerchen, welche ihre Epopöen fangen u. dgl., in welchem von Cbrittus selbst feine Rede gewesen, sondern nur von der „Wahrheit" und dem Siege der „guten Sache", welches von dem „zukünftigen Osterfeste" weissagte, da Alles noch viel schöner sein würde auf Erde, da auch Meiischftckkeit uub Liebe unter beu Menschen wohnen würde, „da auch daS Kreuz von Rosen überwachsen sein würde." Diese letzten Worte habe der Prediger F. (Flos), der von dem „Osterfeste der Zukuiist" gesprochen habe , näher erläutert I» seiner Predigt habe er auSgefühlt, wie dieses „Osterfest der Zukunft" kommen werde, wenn es keinen Halbmond, kein Kreuz mehr geben w.rde.
! -WMiwtt- Das Jnd-nchnm mit seinen rohen und uavollkomm . a
ligionsvegrißen sei durch das ^cibenrbum (die Römer) un- tergegangeii und es sei ihm das Christenthum gefolgt, welches im Grunde auch nicht besser sei, als das Judenthum. Das Kreuz, welches es zum Siniibilde genommen,,sei nichts Anderes, als das Zeichen der Verfolgungssucht gegen Andersdenkende und der blutigen Grauiamkeit. Wo jetzt noch der Glaube des Christenthums herrsche, da sei auch noch derselbe Haß, dieselbe Unterdrückung der gerechten Sache. Darum müsse das Christenthum ebenso gut untergeben, wie das Ju- denthum untergegangen sei. Durch den Mohamedaiiismus, welcher das blutige Kreuz aus einem der Haiiptsitze des Christenthums mit Feuer Mid Schwert verdrängt und den Halbmond an dessen Stelle gesetzt habe, sei dem Christentdume bereits ein nicht geringer Stoß versetzt worden. Der Islam sei eiiO toleranter geworden, er übe jetzt allein die Toleranz in der That. Aber er müsse auch unlergehen, Kreuz und Halbmond seien jetzt im Bunde miteinander und eS nahe die Zeit heran, da sie miteinander zu Grabe gehen würden. Dann werde das „Osterfest der Zukunft" kommen, und mit ihm
Das Todtenheind.
Eine Begebenheit, die kürzlich in Westphalen erzählt wurde.
(Schluß.)
Fran; eilte zum Zimmer hinaus, nach dem Pfarrbause zu, wäh- rend Therese uno Siebels unfern biß Sargs auf die Erve knieten und >dre Rosenkränze durch vie Finger gleiten ließen. Die Stirn der Mttwe leuchtete während dieses Gebets, aber nicht im Strahle der Demuth — das kurz vorher noch schmerzentstettte, kummervolle Gesicht mablte im Gefühle beß größten Glücks, das freilich nur im Gefühle
endlich befriedigter Rache nach Jahre langen Qualen und èückungen bestand. Lisbeth war leichenblaß, ihr sanftes Herz «Maud feine Beftievignng, nur Grauen bei diesem Act ber Selbst- dem Reiche der Tooten. Im Gegentheil, sie beschwor den W ihres Vaters, von seinem Fcinve jetzt abzulassen und ihn seine liehen zu lassen.
war weit bis zum Hause des Pastors, wohl eine halbe Stunde, st» Franz nicht daheim traf — die Gedanken biß verwirrten sich förmlich bei der Vorstellung , wie lange er beren re "^ hier am Sarge seines todten Kötters, von dessen Hand, auf ihm bis zum Herzen hinausdrang, er gehalten wurde,
fre ™ harren müsse. Von Zeit zu Zeit versuchte er mit der scblhiT r6 tne Finger beß Todten abzulösen, aber es war ihm, als M nach jedem Versuche nur noch fester um seinen Arm, 'hm daher nichts übrig, als. ruhig die Ankunft des Pa- “»rten.
^tior in seinem Ornate, voranschreitend zwei bienenie L ' lrnt herein, hinter ihm der Küster, der Chirurg und Franz. Ui-^bdvcren, Me mitgekommen, hatte der Passor befohlen, draußen lich ff» Hofe. Der Pastor war ein hoher, blonder, noch ziem- lick Mann, mit regelmäßigen, ernsten Zügen. Er schritt feier- Ukarn^' t*E beiden Knaben ihm zur Seite, und sich dem Schlitzen .. ft zur andern Seite des Sarges aiisstellend, sagte er mit tic- ' 'Inender Stimme: «Schulze Bernhard Moll!
Oer Gerufene, noch immer fmmib, erhob sein Haupt, das er biS- Bo gestuft gehalten. Sein Gesicht war bleich, wie das beß Sorten früh * i unD die Demüthigung dieses Augenblicks war mit feiner in feinem ganzen Leben zu vergleichen.
Schulze Bernhard Moll! Du hast arg gesündigt und Gott hat dir einen Schrecken zur Strafe bereitet, an dessen Größe du sein Bergehe n ermessen kannst. Gott, der selten so laut und vernehmlich spricht, ist durch die Kühnheit deiner Vergehens aus seiner Langmuth gerissen worden und gab ein Beispiel, woran sich Ueber-nuth und unversöhnliche Rachesucht spiegeln sollen.
Der Schulze weilte reden, aber der Pastor schnitt ihm das Wort von den Lippen, indem er gebieterisch sagte: Euer Weib und Euer Sohn haben mir Alles gesagt.
Der Schulze senkte wieder das Haupt und schwieg. Der Pastor aber beugte sich zu dem Todten nieder, denn er glauvte , er sei vielleicht nur scheintost, und habe in einem Krampfe beim Erwachen ne Hand des Schulzen erfaßt.« Er winkte auch den Chirurgen herbei, Mit dem er schon Hause darüber gesprochen, und vom Sarge zurücktretend, ließ er an dem Arme eine Probe machen, während er selbst der armen Lisbeth, die, einer Ohnmacht nahe, neben ihm kniete, Trost zusprach.
Der Chirurg nahm eine Lanzette und des Kötters ausgestreckten Arm an der Pulsader öffnend blickte er gespannt darauf hin. Aber kein Blut wollte fließen ; nach einer minutenlangen Pause, in der er noch aufmerksam des Todten Antlitz stritte, mußte er sagen: Er ist wirklich todt.
Niemand gab hierauf eine Antwort, denn Niemand unter den Anwesenden hatte daran gezweifelt. Alle standen entfett dem unerklärlichen Ereigniß gegenüber.
Doctor, sagte nun der Schulze dumpf, schneidet dem Todten die Hand ab und ich will Euch dreißig Thaler geben. Der Chirurg blickte auf den Pastor, aber der schüttelte ernst das Haupt und der Chirurg sagte seufzend: Ich darf nicht.
Ich gebe Euch fünfzig Thaler, wenn Ihr es augenblicklich thut, fuhr der Schulze fort, aber der Pfarrer sagte:
Schweigt, Moll, cs ziemt sich nicht, dem Strafgerichte GotteS auf andere Weise sich zu entziehen als durch demüthige Gebete. Ich will bei Euch bleiben, bis es unseren vereinten Gebeten gelungen den Zorn des Himmels zu erweichen, daß er feine Strafe aufhebe. Wenn Ihr Eure vielen Vergehen gegen den Verstorbenen von Herzen bereuet und strebt, an seinen beiden Hinterlassenen gutzumachen, soviel als möglich ist, so zweifle ich nicht, daß der Zorn des Herrn, der ein gütiger Gott ist und den reuigen Sünder väterlich aufnimmt, sich besänftigen und er dem todten Kötter cznbcfehlen wird, seine Hand von Euch zu lassen ! j
Bittet ihn, Euch endlich srcizugcben gegen das Versprechen wegen einer guten Dandlüng.
. 3<1> bitte ihn um nichts, sagte trotzig der Schulze.
Eine Pause trat ein, der Pastor wollte die Kammer-verlassen, da überwand sich der Schulze und sagte manisch:
Jenna kann für mich mit dem Todten reden!
Die Frau sah ibn zweifelnd an, aber er schlug nicht die Augen auf. Sie bedachte sich eine Weile; offenbar kämpfte sie mit einem Gedanken, zu dessen Ausführung es ihr an Muth fehlte; endlich stog ein Ausdruck über ihr Gesicht, wie nur Eine Empfindung — die heiligste von allen — ein Me schena ttlitz erklärt.
Wirst du auch erfüllen, Bernhard, was ich in deinem Namen ihm gelobe ?
Wenn ich es kann - wenn es mög'ich ist, will ich Alles thun, was du versprichst, mir soll nichts zu torucr fein.
So will ich's mit Gott versuchen, sagte Jenna, jetzt bleich wie die Wand. Sic ließ die Kinder auf sieben und sich teß Todten Antlitz gegenüber, am Ende des Sarges aufstellen. Dort zwi chen sic tretend, sagte sie mit bebender, von Aufregung bedeckter Stimme:
Peter Artmann, höre mick; bei dem allmächtigen Gott beschwöre ich dich, die Hand vom Schulze» abzulassen so du es thust , will ich eS dir an deinem einzigen Künde vergehen — ja, ich gelobe dir dann in meines Mannes und in inem Namen, daß, ehe ein Jahr vergeht, Lisbeth das eheliche Weib meines SobneS sein soll!
Jenna, als sie dies sprach, stand am untern Ende des SargeS zwischen den beiden Kindern; zur Seite, dem Schulzen gegenüber, die Wittwe des Todten, zu feinen Häuptern der Pfarrer , Alle, bis auf Moll, mit gefallenen Händen und starr auf den Sorten geiickte« tcn Augen, und so sehr Alle ohne Ausnahme über die letzten Worte der Schulzenfrau staunten, so unerwartet sie ihnen kamen, KeinS sah das Andere an, Keins wandte den Blick von der umklammernden Toetenhand!
Da — es war nicht Täuschung, alle Sechs sahen es zugleich — lösten sich langsam die wachsNeichen Todtcnsingcr und schwer siel die Rechte des Kötters über deü Sargrand.
Der Sckulze sprang auf die Füße, riß die verschlossene Kammer- thür mit Riesenkraft auf und seinen schweren eiligen Schritt vernahm man schon im nächsten Augenblick nicht mehr in der Stube, wo es war, als seien fünf Leichen zusammen.
Der Pastor faßte sich zuerst und näherte sich Jenna, die, in Thrâ-