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Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Wiesbaden. 1851
Nr. 105.
Freitag, 3. Mai.
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/ Kranke Zustände.
III.
Wir baden gestern- die Lebre von der Staatsomnipotenz und ihre eifrigsten Anhänger die Bureaukraten vom reckts- philosophischcn Standpunct aus, einer Beleuchtung unterzogen. Wir lassen dieser beute eine Beurtheilung vom Stmidpuuct der deutschen Rechtögeschichle folgen, welche sick in der kürzlich erschienenen „deutschen NechtsgeschÄtè" von Ferdinand Walter, Geheimer Justizralh und Professor der Rechte zu Bonn findet, und unsere ausgesprochenen Ansichten theilweise bestätigt.
Der Verfasser knüpft in §. 358 seines BucheS, welcher „das Ende des römischen Reiches deutscher Nation" bespricht, an die Phasen, welche Deutschland im Jahre 1806 erlebte, und welche die Seitens des Kaisers Franz 11. mit einer wür dcvollen Erklärung erfolgte Niederlegung der römischen Kai serkrone hervorrief, folgende Betrachtungen : „Bon da an er- bicit das Slaatsrecht, wie cö schon lange in Bückern und an den Höfen der Fürsten vorbereitet worden, in der Anwendung freien Lauf. An die Stelle des Reichs trat eine Conförderation der souverän gewordenen Staaten, mit allen den Gebre- chen, welche durch die Rivalität der Mitglieder und deren Trachten nach möglichster Uuabhänglgkul eine Landesverfassung kraftlos und auf die Länge unhaltbar machen. In den einzelnen Staaten aber begann jene Kunst des Vielre-, gierens, welche blos auf das Herbeischaffen von Geld und Soldaten gerichtet, in dem leichten Mechanismus der Verwaltung ihr Ziel suchte, Alles was ihr darin hinderlich schien, auf ein bete, viele noch lebenskräftige und wohlthätige Ordnungen in der ständischen und bäuerlichen Verfassung zerstörte, die Korporationen die unentbehrlichen Unterlagen jedes wahren politischen Lebens auflöste selbst in das Gebiet des G la n- bens und Gewissens sich einmischte, dieKirche dem Staate mißtrauisch und engherzig unterwarf, die Schule der Kirche entzog und in der von dem Beamtenthum ausgehenden Richtung die Kraft zu besitzen glaubte, welche nur ein von Religion,. Ehrfurcht, Treue und Vaterlandsliebe getragenes Volksleben dem Oje in ein sinn verleihen kann. Während sich so die Staatsmänner in Sicherheit ciuwicgten, Philosophen . und Slaatèrathslehrer den Deutschen das Glück, endlich des Begriffes und der Segnungen des Staates theilhaftig gcwor' den zu jein , vordcmonstrirlcn , brächte das Jahr 1848 die Kraftlosigkeit alles dessen an den Tag, was seit dreißig Jah- reu die poliusche Kunst für Deuischland und in den einzelnen b-ute. . Noch einmal aing damals die Erinnerung an Kaiser und Reich wie ein aus dem Grabe bervorgeriiseNer Schatten an den Gemüthern vorüber, allein dieselben Thatsachen, welche das Reich aufgelöst, machten und machen dessen Wiederaufbau unmöglich, bis daß große religiöse und politische Ereignisse, die Gott allein in der Hand hat, die Einheit Herstellen und den Namen deutscher Nation nach langem Verfall zur alten Herrlichkeit wieder anfrichten."
So der verdienstvolle Pros.ssor Walther, der mit wenn- gen Worten aber in gewaltigen Zügen bk verderblichen Folgen der Lehre von der S taat S o m ni p o t cn z ans der Geschichte nachweiskt, die ihr Mena lekel mit Flammenschrist an die Wände der Paläste schrieb. Doch der Ruf der Vergangenheit ist selten eine Waruerstimme für die Zukunft. Die Gegenwart läßt das Bild b.r Vergangenheit erblassen, die Besorgniß vor der Zukunft gilt für Gespensterseherci. Man lebt im Heute und denkt eben so wenick an das Moraen als an das Gestern.
Crinncrungen aus der guten alten Zeit.
(ZSMtzunM
Es war Abend geworden und die Lew beendigt, da acht aber erst t $ sln- X-rimtn, auf einer Kleewiese hatten sich die Leier gelagert, und ließen sich's brrrhcb schmecken bei
Wurst und Wein Oren hatte man zur Wü/w des Hest.na, o „och im Freien Kartoffeln gesotten, di^nißend Abgang fanden. Nun ging das Schießen raiet? und unamhorlich fort. Die jungen Herren er» Hbrctfteu die Damen mit angezündeten Fröschen und ließen" Schwärmer und prächtige Raketen steigen, denen die Leute unten stet« ein jubelndes „Ab!" nachriefen.
Die Mädchen saßen wieder beisammen, seitwärts auf einem Rain wo sie dem Feuerwerk sicher zuschauen konnten. Dortchen hatte sich mure geschafft, und sah jetzt still ;u, wie die aufzischenven, rotbalüben« »en Feucrstrablen einen Augenblick die kleinen blassen St >ne all rn vcrdmffcln schienen, die nachher doch wieder so still und klar drein.
â immer. Das Gespräch von dem Nachmittage fut ihr Eltseno Wünsche Da bat sie Gott im Stillen er . LT i daß sie den Menschen lieb werden könne auch ohne berftnh daß sie ihr Tagwerk recht vollbringe auch ohne Zau- Armen Gutes thun dürfe auch ohne ein wunderbares recht“ mlirve ihr so still und wohl um's Herz, alb ob Alles y Q werde,, müsse. auffuhr‘iino^ ’s '^tte, als eben eine prächtige Rakete zischend im Ekelnden Sternlein niederfiel, „sichst Du, so möchi'
^ ^'jknd, wunderbar mw herrlich, und wrnn's auch branntet Fob Me Dörtchen , „jetzt fällt noch ein ver- fein Mi , ^f ’ ta möcht ich lieber so ein stilles Sternlein Sitenuinn ' ^'le sie Gott verordnet hat, anch wenn und dann I ' ^^ ^ rin Ding, das braukno hinausfährt
Z L t ^8 ""» mehr daran denkt." „bast Du cmw S "„er Weist > ie aufgeregte Elise wieder an, denkt im strhorr. daß ein Wunsch erfüllt wird, ten man J Augenblick, wo ein Stern fällt 2"
^on wieder an's Wünschen?" möchte bvch in,die Zukunft sehen könnte! ich nm *- wo wir Beide in zehn Jahren sein werden."
üeirtfdikHib.
j * Wiesbaden, 5. Mai. Wir haben unseren Lesern be- freits mitgetheilt, daß Se. Heiligkeit Pius der IX. nicht nur das apostolische- Vorgehen des hochwürdigsten Herrn Erzbischofs von Freiburg in der thatsächlichsten Wiedererkämpfung der vorenthaltenen Rechte der Kirche mit dem höchsten Lobe anerkennt, demselben feine volle Billigung ertheilt, und den hochverdienten greisen Kirchenfürsten zur mutbißen Ausdauer auf» muntert, sondern auch b i e Vo rgâ nge i n der Diöcese Limburg mit nicht minder wachsamem Ange verfolgt und auch unsern hochwürdigsten Obrrhirtcn bercts durch die Worte seiner väterlichen Liebe gestärkt und ermuthigt hat. Wir haben nutßetbeilr, daß der Heil. Vater in der Eiwiederung aus das Gratulationsschrciben, welches ber, Hochw. Bischof bei dem Heranuaheu des neuen Jahres in herkömmlicher Weise an Se. Heiligkeit gerichtet, und worin er auch des kirchlichen Conflictes des Näheren gedacht hatte, schon unterm 19, Jan. b. I. Veranlassung nahm, sich hierüber zu äußern, und daß Se. Heiligkeit ganz neuerdings durch Vermittelung des hoch- würdigsten Herrn Erzbischofs den Herrn Bischof von Limburg seines vorzüglichsten Wohlwollens versichern ließ, mit dem Beifügen, „daß ihm jene Oberhirten vorzüglich theuer und angenehm seien, die aus eigenem Pflichlbrange alle ihre Sorge darauf hinwenden, die Sache der Kirche mit Eifer und Klugheit zu wahren." Wir lassen beute den Wortlaut ber vorzüglichsten hierhin gehörigen Stellen des fraglichen Breve vom 19. Jan. d. J. in wörtlicher Uebersetzung folgen. Sie lautet: „Nicht ohne großen Schmerz Unserer Seele haben Wir wie aus verschiedenen andern Mittheilungen, so aus Deinem Schreiben selbst entnommen, daß auch über Dich aus denselben Gründen jener Sturm Heranziebe, gegen welchen der ehrwürdige Bruder Hermann, Erzbischof von Freiburg. Dein Metropolit, zu seines Namens böchster Ehre, so mächtig an. kämpft, weil Du nämlich gemäß der Pflicht Deines bischöflichen Amtes die ehrwürdigen Rechte und die Freiheit ber Kirche gegen die Angriffe einer weltlichen Regierung zu vertheidigen Dich bestrebt, welche eben diese Rechte sich freventlich anzumaßen und zu vernichten, der Kirche den größten Schaden zu- zufügen und sie in einen Zustand schmählichster Knechtschaft zu bringen droht und bemüht ist. Du erklärst nun, daß Du, vertrauend auf die Hülfe des allmächtigen GotteS und auf die Fürsprache der heiligsten GottesgebäreriN, der unbefleckten Jungfrau Maria, auch das Härteste zu erdulden vollkommen und feenbiß bereit sc Ä, um nur, Deines bischöflichen Amtes waltend, die Sache bh Kirche eifrig zu wahren und zu vertheidigen. Diese Seine auLgezeichnete priesterliche Tugend und F.st.gk.i. ^;.'-ai: seitTZ g'-rrssKeu Li^ff iuvvrt-^ der überaus schweren Bedrängnisse und Sorgen, welche UnS nie- derbcugen, da Wir sehen, wie in eben jenen Gegenden jetzt in immer größerem Maße die katholische Kirche, deren Diener und Eigenthum gedrückt werden. Wir spenden daher Deinem bischöflichen, eines katholischen Oberhirten vollkommen würdigen, Starkmuthe in dem Kampfe für die Sache der Kirche das veldicnte Lob in dem Herrn und ermuthigen Dich, in der Vertheidigung , der Kirche Deines Amtes treu zu wal- : ten .... Du darfst fest überzeugt sein, wie es Uns ganz vorzüglich am Herzen liegt, alle Unsere Sorgen und Gedanken darauf hinzulenken, daß Wir diesen großen Leiden der Kirche abhelfen können."
Mögen diese Aeußerungen des Oberhaljptes der Kirche insbesondere Jenen zur Beleprung dienen, die sich die undankbare Aufgabe gesetzt, die Meinung zu verbreiten, als ob das , Beifahren des Herrn Bischofs von Limburg bei der höheren ' und höchsten kirchlichen Autorität keine Billigung finde.
>' 'Naumburg, 1. Mai. Der Raubmörder Reinspcrgcr
„Wo der liebe Gott will," sagte Dortchen ruhig.
„Dortchen," fuhr Elise fort, „heute ist der IO. October, wir wollen einander versprechen, nach zehn Jahren wieder hier zusammenzukom- men, wenn wir noch leben, mögen wir auch sein, wo wir wollen."
„O, von Herzen gern ! das ist wohl leicht zu halten, in zehn Jah. ren werden wir noch nicht weit von hier fern."
„Sei das, wie es wich versprich mir s," rief Elise, und Dortchen schlug lächelnd ein.
Inzwischen hatte man Fackeln angezündet und schickte sich zum Gehen an Dortchen half die Reste der Mahlzeit und daâ Gerâth zusammenpacken, und nahm einen vollen Korb an den Arm. Nun brannten 'die Fackeln, und Winzer und Gäste schritten bei ihrem Glanze singend kein Dorfe zu, während dazwischen die letzten Schüsse fielen. Veite singend schlossen sich die Mädchen dem Zuge an, wäh- rcnv sic ansschauten zum stillen Nachtoimmel. Elise dachte an die schimmernde Rakete. Dörtchen an den lieblichen Stern , — da suhl eine Helle Sternschnuppe über den Himmel und erlosch.
2.
Zwei Bräute.
Zehn Jahre waren vergangen, der 10. October kam auch heute wieder, aber nicht >o sonnig, wie damals. Es war ein nebliger Herbsttag, die Weinl.se batte noch nicht begonnen, aber Pfarrers Dörtchen war doch, ihrem Versprechen treu, in den Weinberg gegangen, um Elise dort zu erwarten. Es war noch einsam auf den Hügeln, drun- ton im Thal waren die Veute mit der Kartoffelernte emsig beschäftigt, in den Weinbergen schritt aber nur allein der Wewberghüter sWin- gertschsjtz genannt) mit seiner Rassist umher, und ließ sie hie und da warnend ertönen, obgleich in tiefem Jahr Menschen und Vögel nicht besonders lüstern nach den sauren Trauben waren. Dörtchen halte keine große Lust gehabt, an dem kühlen Tag in der Laube zu warten, aber Elise hatte sie gestern in einem Briefchen so feierlich an das alte Versprechen gemahnt, daß sie doch Wort halten wollte. Um sich das Stieren und Vie lange Zeit res Wartens zu vertreiben hatte sie die Schürze voll Bohnen gepflückt, und sâß nun in der Laube, um jene auszubülsin, während sie hinuntersad nach der Freundin.
DaS Dortchen war immer noch ein wenig klein und keine Schönheit geworden. Aber ihre blauen Augen glänzten noch so hell und freundlich wie damals vor zehn Jahren, nur daß noch eine tiefere
von hier, welcher am 29. April Abends sein Gefängniß durchbrochen, ist in Folge des gewaltigen Sprunges, den er dabei gewagt, noch in de,selben Nacht gestorben.
Coblenz. 3. Mai. Nach der „Eobl. 3tß/ soll auf te- legraphifchem Wege gestern Abend der Befehl zu einer „theil- weisen Mobilmachung des 8. ArmeecorpS, namentlich der Ca- vallerie und Artillerie, hier eingetroffen fein."
Oldenburg, 1. Mai. (Wes. Z.) Gestern hat unser Hoftbeater zu egiitiren ausgebört.
Hamburg 1. Mai. ' Heute Nacht präci 12 Uhr wnrde das Herzogthum Lauenburg dem Dänischen Zollgebiet eiuver- leibt. Die Maaßregel war in aller Stille vorbereitet worden und hieraus erklären sich manche militairische Vorrichtungen, welche jüngst der Berlin-Hamburger Eisenbahn entlang'ins Lehen gerissen worden. Unter der Bedeckung militairischcr Positionen errichtete man Zollstellen. Dennoch waren ansehu- liche Waarenmassen von hier aus noch schnell ins Land geworfen worden.
Kiel, 2. Mai. Der Professor der Pbilosophst Ch alh- baeus, der zu den acht removirten Professoren gehörte, ist von der Regierung wieder in seine Professur eingesetzt worden.
Königsberg, 30. April. (K. Z.) Gestern ist hier der Befehl eingetroffen, die erste Division unseres Armeecorps (deS ersten) auf Kriegsfuß zu fetzen^ Diese Maßregel, welche nur eine Einberufung der Reserven, nicht der Landwehr, 'iuvolvirt, scheint mit der Absicht, Trnppen-Commando's an die Grenze zu verlegen, im Einklänge zu stehen. — Für Rechnung der russischen Krone gehen seit Kurzem hedeutende Goldscudniigen hier durch, so dieser Tage die Summe von 500,000 Imperials , an das Haus Haller Söhne und Comp. in Hamhurg adressnt.
Berlin, 2. Mai. Nach der K. Z. wird der Kriegsminister v. Bonin in seinem Amte bleiben.
Die Behauptung einiger süddeutschen Blätter: Preußen habe den Vertrag mit Oesterreich nur unter gewissen Borbe- behalten abgescklossen, entbehrt in gleicher Weise der Begründn, g, wie bei Angabe: Preußen bcabsichlige die Übereinkunft vornäckst den einzelnen Bundesregierungen vorzniegcn, während Oesterreich die sofortige Vorlage an den Bundestag befürworte. Eine derartige Meinungsverschiedenheit zwischen beiden Mäckten hat nie bestanden. Beide erkennen in einer Vorverhandlnng mit den einzelnen Regierungen den geeigiirt« sten Weg zu einer baldigen Erledigung der Anschlußfragd', und was die Ratification betrifft, jo ist von beiden Souvcräucn der Vertrag ganz in der Form vollzogen worden, wie er itr= Jptwnalwh f^gestâ wurde. Wie avS nU Ockâ' verlautet, ist es die Avfichl P re . r
in einer g e h e i in e n E r kl ä r u u g amBu ndes tage ihre Stellung zum orientalischen Streite darzulegen. Diese Erklärung soll namentlich auf das jüngste Wiener Prolokoll Bezug nehmen, und es dürften bei dieser Gelegenheit auch die Ber- handlnngen der Wiener Conferenz dem Bunde mitgetheilt werden. Bei der Mittheilung des preußisch - österreichischen BündiiißvertrageS an die Einzelnregierungen werden, sicherm Vernehmen nach, die Separalbestimmungen nicht ausgeschlossen.
Die politischen Verhältnisse haben nach Angabe der „Pr. E." eine Unterbrechung der Vorarbeiten für den Bau einer Eisenbahn von Königsberg zur russischen Grenze zum Anschluß einer in Rußland bis zur preußischen Grenze zu bauenben Eisenbahn nicht herbeigeführt. Jedoch ist die Richtung für die preußische Eisenbahn noch nicht definitiv bestimmt.
Der frühere schleSwig-bolsteinische Justizbeâte v. Skemann der lungere Zeit provisorisch bei der Staatsanwaltschaft zn
Seele Darin aufgegangen Sie war allenthalben rüstig unv rü rig, der Mutter geheime Râthin uns ihre kräftige Stütze in HanS uns Hof, Garten und Felv, red Paters Freuse ,mv sein Herzblatt. Da- bei war ihr Herz offen für alles Schöne in der Welt, und sie konnte sich die ganze Woche durch heimlich freuen auf den Sonntag, wo sie Nachmittags nach dem Gottesdienst mit einem guten Buch in der Laube sitzen durfte. Denn obwohl eine längst erwachsene Jungfrau, war sie doch in bemäthigem Gehorsam d.r Mutter untergeben, und die konnte das Lesen an Werktagen nicht gut leiden. Fröhlichen Herzens war sie geblieben, und das Dörtchen von Rebeubach war überall willkommen, wo es dinkam.
Dortchen hatte damals Recht gehabt, die Mädchen waren auch heute nicht weit von einander; Elise wohn e noch mit ihrer Mut er in ber Residenz, und so war cs leicht, die heutige Zusamineuku ft anszukühreu. Doch freute sich Dortchen beute befeuterd auf sie, denn sie hatte sie seit einigen Wochen nicht gesehen, und ihr dießmal so gar viel zu sagen. Die alte Kindcrtrcunrschast bestand noch, obwohl sich die große Verschiidcnhcit der Mädchen im Laufe Der Jahre noch deutlicher beraudfteüte.
Elise war wirklich schön geworden, und manche ihrer Gaben hatten sich glücklich entwicfelt. Sie war die beste Tänzerin, sie zeichnete, malte, schnitt aus, sie machte Gedichte, spielte Klavier, sang und bfclamirte. Kurz sie war ein höchst talentvolles Mädchen, der ihre gute Mutter die Sirümpse stufte und bie Kleider aurräumte; sie that eine Menge, Sachen, nur ja nicht, was nöthig war, vor Allem bemüht, immer ganz anders zu sein und zu scheinen, als alle anderen Leute.
Endlich sah Dörtchen sic mühsam und langsam wie damals und ebenso auffallend gefh ibet den Weinberg heraufsteigeu. Das Himmel- blaue L'vantiiikteid war zwar längst dahin, dafür aber trug fte an dem fühlen Herbsttag ein weißes Kleid mit blauer Schärpe und statt des Hutes einen Schleier auf rem Kopf. Dortchen gab diesmal nicht darauf Acht und eilte so leichtfüßig wie vor zehn Jahren auf sie zu. Elise aber trat ihr besonders feierlich entgegen und rief aus: . Dortchen, umarme mich, ich bin Braut!" DaS Dortchen stellte sich gutwillig auf die Zehen, um die hochgewachsene Elite zu umarmeu z als dies getchehcii war, streckte sie ihr treuherzig die Hand hin: „Lieschen, gieb mir einen Patsch, ich bin auch Braut."-—
„Du, Dörtchen, ist'S möglich," rief Elise sehr verwundert, „so sag' doch, mit wem?"