Dir Nassauische Allgemeine Zeiinug rjdieml, Senn# aucarnomnikni töRfi# ?---«! »kr««äBriR tue -gieâbaven uns den Thurn uno Taris'schen Postdezirt v tl., sonst 2 ff. 24 fr.
taffauische Äll,cmeine Zeitung
BküelN'iigen nehmen an in ®it#6aten Vie örvedmon (Mlh.F'icdnchNivc Blich!; intlenp, rantmaffe Nr 42,) aiiSmariS alle 'ostar.ftalten. — ^nietete: tie v;cr- spalligc .eiiijeite oter ceren Raum 3 ft.
Wiesbaden. 1834.
Nr. 104.
Donnerstag, 4 Mai.
»«
/ Kranke -Zustände
II.
Zu einer der gefährlichsten StaatSkrünkheiten muß die in der Theorie und Praxis leider immer noch vielfach gangbare Lehr- von der Oinuipoteiiz des Staates gerechnet werden. Sie formulirt sich in der krassen Meinung „dem Staate — als dem höchsten Selbstzwecke — dürften alle an- deril Jliteresscn und Güter geopfert werden." Diese für die Staaten und Völker, für die gesummte Meiifchbcil unheilvolle Lehre ist dem Pantheismus, welcherden persönlichen und lebendigen Gott iäugnet, tiilflosse». Wenn nun auch der Pantheismus aus früheren Zeiten dutirt, namentlich in Spinoza seinen Vertreter gefunden hatte, so war doch Hegel der Erstuder des " Stuats-PantheismuS. Der Pantheismus hat den Menschen von Gott iodgetrennt und die f. g. Weltvernuuft zu Lem alleinigen Gesetze des menschlichen Daseins gemacht. Hegel dachte' sich den Staut als etwas Absolutes und erhob ihn zum präsenten (wirklichen) Gott! Dadurch versetzte er den Staat auf die überwundene heidnische Anschauung zurück. Die höhere Idee des Christenthums, welche den Menschen über den Bürger stellt und den Staat nur uls eine Seite der zeitlichen Bestimmung des Menschen auffaßt, war Hegel n durch feine Apotheose des Staats gänzlich abhanden gekommen. Bei Hegel wird alles durch den Staal abforbrrt, selbst Religion und Kirche geben in ihm total auf. Religion und Kirche sind ihm nur niedere Formen des Göttlicheli, während der Staat selber ihm als der pantheistische Gott erscheint.
Diese Hegelische Philosophie führt in ihren Consequenzen zu orientalsickem Despotismus, oder zur wildesten und sitteu losesten Demokratie. Sie war eine Zeitlang Hofphilosophic, weil man glauben machte, sie stärke die Monarchie. Unselige Verblendung! Wie kann eine Lehre Kraft und Starke bringen, welche dem Stuatsdespotlsmus Gott, Religion und Kirche zuM Opfer bringt und die Freiheit des Willens und alle sittliche» Güter der Menschheil aufhcbt und verschlingt? Die Verbreitung der Lehre von der Stuatsousuipotuiz hat der Monarchie bereits tiefe Wunden geschlagen; denn sie degrudirt einerseits den König von Gottes Gnaden zum obersten Staatsbeamten und würdiget das königliche Amt zu einer bloßen Stautsbedicnung herab. Andererseils aber ist sie durch entartete Schüler Hegel's in den ruchlosesten Sub« jcclivismus verzerrt worden. Denn diese erklärten die Mensch
dingten Fr^inrtt'Gvès-ab-- hängig ist und nach ihr sich zu regeln hat, für das Recht: Mes uns und durch sich nach individueller subjektiver Will- kühr gestalten zu Dürfen. An Die Stelle des objectiven Hegel'schen Staats-Gottes trat ihr Individual- Gott. Bei diesen Individual - Göttern schloß Die Freiheit jede He r r- schaft, jede Regierung aus und das ans dem vermeintlich vernünftigen Grnnde, weil sie in ihrer Freiheit alle gleich seien.
Ihr höchstes politisches Ideal mußte demnach Die R e gi eruwg slosigkeit und Die beßte Staatsform Die permanente Anarchie fein. Dies Die kommunistischen und socialistischen Lehren als richtige Folgerungen au? Der Staals- omnipotcnz. Es ist daher auch begreiflich und kein Wieder- ipruch mit ihr selbst, wenn Die Demokratie Dem Sraalsabso- lulismus das Wort redete; denn sie hat sich damit Die Wege gebahnt, welche sie in der jüngstverflosfenc» Zeit mit nicht geringem Erfolg betrat. <
Aus der errungenen Position vertrieben, vertheidigt Die Revolution und ihr Anhang Den Staatsdespotismus immer noch fort, wohl wissend, daß Dieser Dem vernünftigen OrganiS-
Erinnerungen aus der guten alten Zeit.
VI.
Vas Dortchen von Urbeabach.
Zwei Kinder.
Es war am lu. Deiober des Jabres 17 . . ein tdr chöner sonniger Herbsttag, so ein Tag, an tem alte Herren wieder jung werden, und junge überfließen möchten von Leben-inst. Die Sönne schien so voll und warm, als wollte Re noch einen rerpt herzlichen Abschied nehmen von der Erde, ehe sie sich in ihre Winterschlei.-r hülle.
In dem aumuthig gelegenen Dorfe Rcbenbach war gerade die Weinlese in vollem Gang, ein fröhliches Leben und Treiben auf all den Höhen rings umher. Am lustigsten ging's aber zu in dem Weiii- ^kM des Pfarrers, da wurde nicht gespart an Lohn und Kost der ^k,er" (wie man in Schwaben Die trauhcuschneirtüden Winzer nennt),
^ten sie auch so guter Dinge bei ihrer Arbeit , und ließen noch vor dem Feierabend aus cer alten Pistole deâ Husar, nmartins eines âtrranen , hie unv v^ einen tüchtigen Schuß los, der knallend von a.l -eii Sergen und Hügeln umher n-iererbadte und von da und Dorther erwiedert wurde.
Die Mägde des Hauses sammt einigen Weihern und Mädchen des Dorws, die uch s zur Ehre rechneten, heute zu helfen , schnitten Rief Die Trauben in tu Kübel, wobei der Martin tie Aufsicht führte, ob auip die Stocke punkttich abgelescu und die abaefaHenen Beeren ge- lammelt wurden. Die vollen Kübel wurden in einen hoben Butten geieeit, den ein lunger Bursche den Berg binabtrug; da stand eine ; l" t’cr ^" Jacoble, ein rotpbadtger Bauernbude, lustig auf i '^."bk» herum amte, die durch den durchlöcherten Boden in die nITa ^ufe liefen, als eine trübe Brühe, der man's nicht an» ®ein gibt ^klichen süßen Most, den edlen klaren ! übâk? a^"!. T dE Wciiiberg, wo man das ganze weite Thal men è große Laube mit langem Tuch, Dort war Dort Sbunn KtrL$?^ emsig beschäftigt, den Tisch zur Be- g ter Herbstgaste zu rüsten, die heute aus der Stadt erwartet
mus des vom Geiste des Christenthums erleuchteten Staates, die darin gesicherten Rechte der gegliederten Stände und
Vereine zerstört, daß
r alles nivellirt und dadurch der Mo
lichen Kräfte entzieht.
narchie die zu ihrem Leben und Gedeihen durchaus erforderlichen Kräfte entzieht. Sie vertheidiget ihn noch, weil sie
glaubt, dadurch wieder in den Besitz des verlorenen Terrains zu gelangen. Und wci könnte behaupten, daß ihr Politischer Calcül falsch sei? Frühere Bekämpfer der Hcgei'schen Lehre, wie z. B. der geistvolle Krause, sind ihrer Zeit überhört worden.
Man mußte in Deutsa laud erst durch Schaden klug .werden. Der neuesicu Philosophie und Staatslehre ist eS jedoch gelungen, unter Hinweuxtig auf die letzten gräuelvollen Erscheinungen der Reoolntis.i den Staatsdespotismus in seiner ganzen sittenlosen Gest ic und Wahrheit und seinen schrecklichen Couscquenzcu blos zu legen und die Anhänger desselben bedeutend zu lichten. Wenn derselbe aber außerhalb dem Lager der Revolution imn er noch viele Vertheidiger und blinde Anbeter zählt, so ist -5 wenigstens nicht die Schuld der Wissenschaft, wenn die Demokratie in den Stand versetzt wird, durch ihn ihr Haupt wieder kühn zu erheben.
Außer der Demokratie gibt es jetzt noch eine Sorte Menschen, die Lüreauli aleu welche die Lehre von der Staatscom- potcu erhängen. Diejenigen von ihnen, welche sich breit machen wenn sie den Tag über die meisten Linien gezogen und die meisten Nummern erledigt haben, verstehen wir jedoch so wenig hier, als solche, welche glauben die Geschäfte des Staates am besten zu verrichten, wenn sie vor allen Dingen ihre Familien tticder bis ii das siebente Glied sehr gut placiren. Sie alle sind bei höheren Fragen unschädliche Personen unD werden nur im Meinen durch Intriguen lästig. Wir meinen die Art bochstrebender Bureaukraten, welche Politik treiben, die aber nur von Hand zu Mund geht. Das gewählte Kennzeichen derselben ist die Lust um jeden Preis im Besitze ihrer Stellen zu bleiben und ihre politische Meinung so oft zu ändern, als es die gebieterischen Umstände er- fordern. Sie dienen der Monarchie in ihrer Weise treu, so lange diese stark ist, nehmen aber auch keinen Anstand sich der Demokratie zu bequemen, wenn solche zur Macht gelangt.
Die Lehre der StaalSomnipot- nz spuckt auch in dem leidigen Kirchenconflict und zieht solche., mit so lange hinaus. Davon aber'ein anderes Mal.
^i^ hlU&.
—^Wiesbaden, 4. Maki Die Mittelrh. Ztg. sah sich veranlaßt, mitzutheilen, daß gestern Vormittag von Seiten der hiesigen Polizeibehörde auf der Redaction der Nass. Allg. Ztg. Haussuchung abgehalte» wurde. Wir hätten auch diese, wie scko» so manche uns zugefügle Unbilde vielleicht stillschweigend eingenommen, und auch diesmal unser Schweigen nicht ge. drohen; da aber die „Mittrh. Ztg." die zu ihrer Kenntniß gelangte Thatsache in so unbestimmter Weise bekannt gibt, so sehen wir uns genöthigt, über die fragliche Angelegenheit die nöthigen Aufklärungen zu geben.
Gestern Mittags erschienen Herr Kreisamlmann Fergcr und Herr Polizeirath v. Rößler in Begleitung von 2 bis 3 Pöiizeisoldaten auf dem Redactionsbureau der „N. A. Z." und erklärte der Erstgenannte Dem dort anwesenden Redac« teur, ihr Besuch sei durch den in Nr. 102 unter den neuesten Nachrichten erschienenen Kammerbericht veranlaßt, und sie wâ ren beauftragt, den Verfasser und Einsender desselben zu er« mitteln. Herr Kreisamlmann Ferger richtete hierauf an den Redacteur die Frage, wer den Artikel eingesendcl habe und wann derselbe der Redaction zugegangen "sei. Auf die Erklärung Der Redaktion, daß sie den Verfasser deS Artikels nicht nen
wurden. Die schönsten Trauben halte sic zierlich zwilchen Rebentaub in Die Körbe geordnet, teil weißen Herds,käse mit Kümmel bestreut in Porzettangtschirr aufgeRell«, ten rotpen Wein in belle Flaschen gefüllt, ja die Mütter patte 'ipr sogar anpertraut, den Schinken aufzufchnei- ben und auf heg Teller zu tegcn.
DaS Dörtchi i, war erst dreizehn Jahre alt, und kleiner, als die meisten Mädchen ihres Alters, aber sic drehte sich dreimal um , bis andere auf einmal, nur sah aus ihren pellen blauen Augen so freund, lich in die Welt hinaus, daß Jedermann eine Freude an ihr patte. Sie war überall am rechten Fleck und that Alles zur rechten Zeit. Heu wußte Re selbst nicht, warum ibr’o doch gar so woh! auf ter Wett war, wo sie jetzt eben so viel fröhliche reute sah. Obgleich sie just seine sonderliche Lingsiimme hatte, sang Re doch aus lauterer Herzensfreude mit hellem Töü: „Roseu auf'dm Wc-, gestreut und des Harms vergessen!" was damals ein nagelneue# Lied war. Da erblickte Re ein junges Mädchen ihres Alters, die höchst mübfam ruc schmalen Weinbergstâffclein herauf stieg, und mit dem Judelrus : „LieSlc, LicSle!" hätte Re fast das Glas fallen lassen, das sie eben beUrciben wollte; aber Re begann sich schnell, stellte es rasch auf den Tisch^und sprang Vann mit fröhlichen Sätzen leicht wie ein junges Reh M Ankommenden entgegen. Das Lieske (die sich aber nicht gern so nennen ließ, wie wir bald hören werden, vermochte mit ihrem langen himmelblauen Kleide kaum durch die enge Furche zu fomnten, und Dörtchen, der ihr etwas verwachsenes kurzes Barchkntklcivchcn nicht hinderlich am Steigen war, konnte fast nicht erwarten, dis sie sie endlich mit heiler Haut heraufgebracht hatte.
„Nun aber sag' Viehle," sing sie an, „was fällt Dir ein, in Deine in hellblauen Lcvantiü kleid- hierher in den Herbst zu fommen ? uu- sern Bauern hättest Du in einem Mcriuoklcid eben so wohl gefallen. Abcr gelt, da kommst Du Dir wie so ein Fräulein vor in den Romanen, die Du w gern liest ?" Elischcn, die gerate so alt wie Dortchen. aber viel größer und ein hübsches schlankes Mädchen war, nahm ren Empfang etwas übel, denn sic kam sich besonders schön vor in dem himmelblauen Kleid und hatte nur schwer von ter Mutter Erlaubniß erhalten , es anzuziehen. Da aber Dortchen doch recht hatte, so fing sie von was Andcrul an: „Abcr, liebes Dortchen, könntest Du mich Denn nicht Clise nennen, da Du ia weißt, daß ich's viel lieber habe? Lieschen klingt doch so gar gewöhnlich; ich werke Dich ja gern Dorette ober Doris heißen, wenn Du willst."
„Bevanke mich dafür, meinte Dortchen; „wcnn's der Mutter
nen könne und werde, indem dieses ein Redact onSgebeimittß fit und die Ehre des Blattes erfordere, dieses getreulich zu wahren, und daß die Redaction die volle Verantwortlichkeit für Den Inhalt deS Artikels übernehme, wurde derselben bedeutet, daß es sich hier um kein Pr eß vergehen handle, sondern daß I ie in dem fraglichen Artikel enthaltene Erklärung Der Regierung über die Verwaltung der Domänen in so kurzer Zeit nach ihrer Verlesung in der Kammer ihrem Wortlaut nach ; mitgetbcilt worden sei, daß eine Abschrift dieses Aktenstücks schon früher in den Hände» Der Redaction sich müsse besinn Den haben. Dieses müsse eruirt werden und Die Redaction hätte demnach anzugeben, wann Diese Abschrift ihr ^gegangen sei. Auf die Erklärung, daß die Redaction üd) ebenfalls weder berechtigt noch verpflichtet glaube, diese Frage zu be- . antworten, wurde dieselbe befragt, wo sich daS eingesendete Manuskript befinde. Die Redaction bezeichnete den gewöbn- lichen Aufbewahrungsort der Manufcriple in dem au das Redactionsbureau anstoßenden Setzerzimmer und wurden von dem Herrn Kreisamtmann Ferger dieselben durchsucht und endlich ein Stück der fraglichen Erklärung gefunden, während welcher Zeit Herr Polizeirath v. Rößler nähere Erkundigungen über die fragliche Angelegenheit bei dem Redactcnr eiuzuziehen suchte. Als das Manuskript töeilweise entdeckt war, richtete Hr. Kreisamlmann Fercher an "Die Redaction nochmals die dringende und kategorische Aufforderung, Den Verfasser und die Zeit der Einsendung anzugehen, wccher Aufforderung die letztere nicht entsprechen zu können wiederholt erklärte, indem, wenn wirklich eine unbefugte Veröffentlichung stattgefunden haben sollte, man ihr doch nicht zlimuthc» könne, durch ihre Aussagen möglicherweise ihren Berichterstatter zu compromittiren. Während dieser längeren Erörterung über die Verpflichtung die geforderten Angaben zu machen, war Hr. Polizeirath v. Rößler abwesend. Wie die Redaction nachträglich erfuhr, war Hr. v. Rößler Damit beschäftigt, Die Setzer , welche Den fraglichen Artikel gesetzt hatten, »ach dem Polizeiamt bringen uiiD- dort in abgesonderten Zimmern verwahren zu lassen. Bei seiner Rückkehr vereinigte sich Hr. Polizeiralh v. Rößler mit Hr». Kreisamlmann Ferger, um nochmals die Detérminirttste Aufforderung an Die Redaction Der N. A. Ztg. zur Nahmhaftmachung des Einsenders und Angabe i der näheren Umstände der Einsendung zu richten. Der Redacteur i erscheine in em vorliegenden Falle als Zeuge, und habe als solcher die Pflicht, alles was er wisse anzu geben, er werde nö- thigenfalls beeidet werden rc. Hier-rni e,,,;.horte Der Redacteur: die Zeugenschaft setze eine Untersuchung voraus; werde eine solche eingeleitet, wozu Die inquirirenden Herren Die nöthigen Materialien und Anhaltspuncke zu suchen ja Die volle und unumschränkte Freiheit hätten, werde er seiner Zeugcii- Pflicht sodann vollkommen genügen, jetzt könne und dürfe er von seiner Seite durch seine Angaben An alspuncte zu einer möglichen Untersuchung nicht bieten, indem c. als Redacteur Die Bewahrung des Redactionsgeheimnisses vor Augen haben müsse und er möglicher Weise zu einer Aussage verleitet werden könne, die ihm selbst uachthcilig sein könnte. Hierauf erklärte Hr. Polizeirath v. Rößler, daß er zur sofortigen Verhaftung des Redacteurs schreiten müffe,wenn sich dieser Den an ihn gerichteten Anforderungen nicht füge. I Als der Redakteur dem Hrn. Polizeirath v. Rößler frei« stellte zu thun, was er seines Amtes glaube, erklärte letzterer daß er nunmehr eine protokollarische Vernehmung des Redacteurs und sodann deS ganzen Sctzerpersonais vornehmen werde. Derselbe nahm hierauf Platz an Dem Schreibtisch des Redacteurs , entwarf den Eingang des Protokolls und stellte sodann an den Redacteur nochmals Die Frage, von wem und wann Der fragliche Artikel cingcgndcl worden sei.
nicht zu lang wäre, ließ ich Mich am liebsten Dorothea heißen, wie ich getauft bin, seit ich vom Vater weiß, was für eine schöne Bereu- tung der Name hat. Dir thue ich aber gern den Gefallen, Dich @iöe zu heißen, wenn ich'o nicht hundertmal wieder vergesse. Nun aber komm und iß Trauben, die andern Sachen wollen wir stehen lassen, dis die Eltern mit den Gästen kommen.
Elise (wir wollen ihr auch den Gefallen thun) war den andern Gästen vorangegangen, die der Pfarrer auf einem weitern Wege bcr- führte, um ihr liebes Dortchen fniver zu sehen, denn die zwei Mav- chcn hatten sich, trotz ihrer großen Verschiedenheit, herzlich lieb. Elise war die Tochter der Wittwe eines niedern Hofbeamten, die in der nahen Hauptstadt wohnte, einer Jugendfreundin der Pfarrern; daher kannten sich die Mädchen von frühester Kindheit her. E ise war ein lebhaft s, reichbegadteS Märchen, aber launig : nd flüchtig in Allem, was Re that , und von der zu nachsichtigen Mutter verwöhnt. Ihr Hauptfehler war der, immer etwas Besonderes sei; zu wollen, daher trieb Re meist, was Re nicht sollte, las Romane statt der Schulbücher, wollte Rosen und Vcrgißmernnlcht sticken, ehe sie recht ©trumpfe stricken konnte, wünschte sich, jung zu sterben, statt raß Re mit GotteS Hilfe gesucht hätte, recht leben zu lernen, und machte ter Mutter und rem Lehrer mehr Verdruß als freute, obgleich sie immer und überall für äußerst gescheirt und talentvoll galt. Da war ras Dortchen ganz anders: was sie gerade thun sollte, das that sie recht und ganz, sei cs nun Hiihncrsültern oder lesen, arbeiten oder spielen; sie war mit ganzer Sc, le dabei, darum geschah auch alles recht, was sie ergriff, und sie war stets fröhlich und Wohlgemuth.
Da die Bewirthung für die Gä ie bereit wa;, n ob Elise noch müd von ihrer außerordentlichen Anstrengung, setzten ich die Märchen einstweilen mit einem Traubcnkördchcn auf die Schwelle der Laube und schauten vergnüglich hinunter in. das reiche gesean sie Thal , an die Höhen, die ringsum belebt waren von frodgeschaftiac» Leuten, dahin, ter der buntgefärbtc Wald und darüber der schöne blaue Himmel. Es war so schön vier, raß ihnen recht das Herz ausqing
„Hör' Dortchen," begann Elise, „möchtest Du nicht, daß cs noch Fcen gäbe? daß dort hinter dem vorstehenden Fels jetzt plötzlich so eine Frau in glänzenden Gewändern peroorträte und uns drei Wünsche erfüllen wollte?"
„Ja," sagte Dortchen, „als ich die Geschichten zuerst las, ist mir's auch immer durch den Kopf gegangen, und ich rächte, das wäre prächtig, aber nachher ist mir eingefallen, daß der liebe Gott doch mehr^