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SwOuHRrn »edmei, a» in SBreÄhaben die lkrpedition (Hi'ld. liriednch'sche Buchdradlung. ranqq«ffeNr 42,) «u#»«rt< alle ^nllanstalte«. Anserate: die vier« spaltize Pttitjeile oder deren Kaum 1 kr.

Wiesbaden. 1854.

Nr. 94.

Samstag, 88 April.

Kirchlich politische Umschau aus ^nlaß des badischen Lonflictes

II.

Unser öffentliches Recht in Deutschland in Sachen der Kirche und ihrer rechtlichen Ansprüche in den einzelnen deutschen Staaten ist die Gesetz- und Berfas- sungslosigkeit. Dieser Satz darf kühn aufgestellt und kann von Niemanden bestritten werden, denn der deutsche Bund hat ihn anerkannt. Er hat sich in Fragen dieser Art für incomp ete n t erklärt. Wir sind weit entfernt, den Bundesspruch zu beurtheilen ; wir ziehen daraus nur die nothwendige, unabweisliche Folge. Der Bund ist incompe- tent; also fehlt es an einem Grundgesetze, an einer Ver­fassung Deutschlands, die seine Cvmpctenz begründen könnte. Dieser Abgang ist ein so wesentlicher, ist ein so ungeheurer, daß es nicht nöthig ist, die Weisheit der Staatsmänner Deutschlands aufzufordern, sich die ganze Bedeutung desselben in allen ihren Folgen auszudenke». Zu dieser ganz natür­lichen Betrachtung kommt aber noch eine zweite, nicht minder- natürliche, daß eigentlich Niemand in Deutschland ein wirkliches, wohlverstandenes und ebrliches Interesse haben kann, das Ungeheuerliche dieses Zustandes aufrecht zu halten. Ohne Grundgesetze, ohne Verfassung (nicht in pseudo-philo- sophisch-modernem, sondern im thatsächlichen und ewigen Sinne genommen) besteht keine Gesellschaft und lebt kein Staals- vereiil, noch viel weniger ein Staatenvereiu. Je weniger- innerlich versöhnend der Westphälische Frieden ist, desto noth­wendiger ist Bestimmtheit seiner Gesetze, die sichere Unter­scheidbarkeit der allseitigen Rechtsgebiete. Der deutsche Bund kennt diese Gesetze und den Umfang dieser Rechtsgebiete nicht; wer soll sie sonst kennen und anerkennen? Jene sind also, wie gesagt, nicht vorhanden; diese vor vielen Augen ver­schwommen und unklar geworden. Der bescheidenste Rechts­anspruch ist aber der auf Existenz, und die geringste Forder­ung, die Bitte, sein zu dürfen. Existenz schließt aber die Bedingungen der eigenen Natur und Wesenheit nothwendig in sich, und cs hieße dem Menschen Hohn bieten, wollte man ihm nach den Bedingungen der Pflanze zu existiren erlauben. Daß es dahin gekommen ist, der katholischen Kirche nicht ihre Blüthe, nicht ihren Besitz, nicht den Reichthum ihrer Entfaltung, nicht ihre geistige Wohlhabenheit oder Lebens­fülle, sondern das dürre, nackte Dasein in Deutschland zu bestreiten, ist zu sagen und zu hö­ren hart. Aber die badische Regierung hat sich dessen unierwunben; so übermMig, gewaltthätig und rechtèverachtend, als nur jemals ein Bewehrter denjenigen, welchen er für wehrlos hielt, beraubt oder mißhandelt hat; und wir zweifeln noch, daß Recht und persönliche Sicher­heit für die Kirche in Deutschland nicht ist?

DaS hat nun zunächst seine Folgen in Baden. Ein greiser Kirchenfürst, seit Jahren ehrenreicher Jubelpnesrer, treu seinem Gott, aber auch treu seinem Landesfürsten, und der von die­ser zweiten Treue nicht weniger thatsächliche, wirksame, nütz­liche Beweise gegeben hat, als von der ersten, wird von sei­ner Landesregierung erst zur Untreue wider Gott und seine bischöfliche Eidespflicht versucht, und als er die Versuchung abgewiesen, verlaumdet, seiner geistlichen Rechte, so viel au -ihr ist, beraubt, und in der gleichen Beschränkung abgesetzt. Denn einem Bischöfe einen Oberconimissär setzen, ohne dessen Coutrole er nichts verlautbaren darf, heißt ihn eben so gut absetzen, als es eine Regierung absetzen hieße, wenn man ihr einen so beschaffenen Controleur überordnete. Pflichtgetreue Priester, die ehrwürdigsten ihres Heiligen Standes, werden für das Vergehen des Gehorsams gegen Gott und Eid mit

Erinnerungen aus der guten alten Zeit.

(Fortsetzung.)

111.

Vie drei Löpfe.

ES gibt unterschiedliche Zöpfe." Das wurde auch die selige Ur­urgroßmutter mit Staunen gewahr. als ihre drei Buden, die man allesammt bei einem auswärtigen Präzeptor untergebracht hatte, der besonders berühmt in der Dressur war, i» der ersten Bacanz nach Hause kamen. Hatte sie doch alle drei vor der Abreise eigen­händig gewaschen und gestrählt, eigenhändig ihre widerspenstigen Haare mit Puder, Talg und Wachs behandelt, bis sie nach hinten ge­strichen und dort zu einem steifen Zopf vereinigt waren, mit einem nagelneuen schwarzen Floretband umwunden, so daß sie der Garde des Königs Friedrich Ehre gemacht hätten, wie sie abzogen, glcichjge- »nvet in glänzenden gestreiften Eternell, uns die Zöpfe auf ihren Rücken tanzten.

3a, es gibt unterschiedliche Zöpfe! wie verschieden sahen die Bu­ben jetzt aus! Der älteste, der Heinrich, dec gar ein hübscher Bursch war und allzeit gern den Herrn spielte, der hatte sich nimmer mit dem simplen Zopf nach väterlicher Weise begnügt, sondern er hatte ertra ein paar Bukeln vor, dtc gar zierlich in'S Gesicht standen, und an demj Zopf noch eine besondere Schleife mit flatterndem Band als Zierrath, so hatte ers bei der Suite einen durchreisenden Fürsten ge­sehen, und so hatte ers mit der Hülfe von Präceptors Heinrike zu Stande gebracht. Christian, der Jüngste, machte mit seinem dünnen Schwänzlein keine solche Prätensionen, das war nach wie vor säuber­lich nach hinten gestrichen, nur das florctscidene Band hatte er an den Heinrich verhandelt, und statt dessen ein altes Sackband mit Dinte schwarz gefärbt und damit umwickelt. Der Zweite aber, der dick- backige Gottlieb, der allzeit das Bequeme liebte, der batte die Haare nur oben zusammengebunden und ließ sie nach unten frei, wie er solch fließendes Haar schon bei Lcichcnbegleitungcn gesehen, er meinte, so thue sichs auch. Was hatte die gute Mama für eine Noth, bis sie

drei Zöpfe wieder zurecht gesalbt und in den normalen Zustand gevracht hatte; auch gab man ihnen am Schluß der Ferien ein Ge- lemchrciben an die Frau Präceptorin mit, worin dieselbe höflich er- tUcht wurde, doch auch auf die Zöpfe der ihr anvertrauten Jugend

Geldstrafen erdrückt, von ihren Gemeinden gerissen, in Arreste geschleppt, unter Formen und begleitenden Umständen, die nicht minder jeden natürlichen Sinn für Recht und Anstand, als die oft belegten eigenen Landesgesetze verletzen. Die Gemeinden stehen verwaist, die priesterlichen oder seelsorg­lichen Functionen unterbleiben. Mit der flagrantesten Ver­höhnung eben dieser eigenen Landesgesetze wird in einem Lande, wo Preßfreiheit verfassungsmäßiges Recht für Alle ist, der Bischof außer dem Gesetz erklärt, und die gejammte Presse des Landes wird ihm und denen, die für ihn eintreten wollen, versiegelt. Daher ein stummer Schmerz im ganzen Lande; ängstliche Betroffenheit, tiefgekränkte Gemüther, Thränen von Kindern, Frauen und Mannern. Das sind Dinge, die man gewollt, oder wenigstens vorhergesehen und nicht geachtet hat. Aber die Entwicklung steht nicht aus diesem Punkte still. Es kommt das Unvorgesebene,. das Nichtgewollte und wohl zu Beachtende. Die Bevölkerung von Baden hat entweder Sinn für Gerechtigkeit, Treue, Gewissen und Eidespflicht, oder sie ist dessen beraubt. Und da ergibt sich nun dar un­erhörte Verhältniß, daß Alle, welche jenen Sinn noch haben, ihn zum Unglück für die Regierung haben. Sie findet eben so viele Ankläger, als gewissenhafte, treugesinnte Herzen im Lande schlagen, eben so viele Rich­ter, als Männer im Lande wissen, was Recht ist. Es gab aber Zeiten, wo solche Herzen und Wissenschaften sehr nützlich gewesen sind. Der Schlag in's Gesicht für die Treue, und der Fuß­tritt für die Liebe thun überaus wehe, sogar viel mehr als andere Schläge und Fußtritte. So dürften viele Ankläger sehr bitter klagen, und viele Richter sehr hart spre­chen. Dabei wird es verbleiben, und Gott wird sein Volk bewahren vor jedem Schritt darüber hinaus; aber der badi­schen Regierung ist nicht Glück zu wünschen, daß es dabei bleiben wird. Die Monarchie lebt vom Glauben und der Liebe; hierin allein ist ihre Stärke und ihr er­habener Vorzug vor der Republik; ein Monarch regiert nicht glücklich über zertretene Herzen, verwun­dete Gemüther, vereitelten Glauben und zurück­gestoßene Liebe. So viel also von dem ersten, besten Theil der Bevölkerung von Baden. Was den andern be­trifft, den ohne Sinn für Treue, Recht und Gewissen, so wird er sich bei dieser Gelegenheit ohne Zweifel recht laut und zahlreich um die Regierung schaaren. Wir beneiden ihr solche Bedeckung ; icht.

Dis--Zeit ^rrd daran. nichts andren. ;>-'^-rSä^ die nicht ausbluten, Risse, die nicht heilen, es sei denn durch offenes, freimüthiges, vollständiges Ein­bekenn tniß des Unrechts und Aufhebung des­selben von Seite des verletzenden Theils. Da­mit wäre freilich Alles wieder gewonnen und noch mehr, denn die Gemüther der Guten sind nicht nur heilbar, sie lieben nach der Versöhnung noch inniger und wärmer. Aber dazu ist vor der Hand leider noch keine Hoffnung. Zwar muß die Verblendung ihr naturgemäßes Ziel haben, und man wird bald sehen, oder sieht bereits, daß auf diesem Wege kein weiteres Fortschreiten ist. Aber dann wird man suchen, zwischen Recht und Unrecht, Gesetz und Gewalt in der Diagonale durchzu kommen; man wird einen Theil des Raubes herausgeben und den andern behalten wollen. Das kann das Fieber verlängern, aber nicht heilen. Oder man gibt am Ende Alles,der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Trieb", mit der Miene der Gnade, wo das heiligste Recht gefordert wird, und mit dem Vorsatze, Alle» wieder zurückzunehmen, wenn Zeit und Augen-

zu achten und sie nimmer in so skandalösem Zustand nach HauS zu schicken.

Ob die Zöpfe von nun an tu Ordnung geblieben sind, da« weiß ich inicht; soviel aber weiß ich, daß jene Vacanzzöpfe bereits den künftigen Charakter der Buben vorbildlich darstellten. Der Heinrich, der war und blieb der Elegant, der Christian kümmerte sich just nicht darum, ob sciu Zöpfen dick oder dünn, in Floretseioe oder in Sack­band gewickelt war, wenn er nur sonst sein Schäfchen ins Trockene brachte; der Gottlieb aber, der wollte nichts als c« guthaben auf der Welt, und weiss einmal ohne Zopf nicht ging, so wollte er sich den seinen wenigstens so bequem machen als möglich. Wenn der Herr Pathe jedem der Buben einen Marktgroschen verehrte, so durfte man gewiß sein, daß sich Heinrich eine unächte Stecknadel und Gottlieb eine Wurst kaufte, der Christian hingegen steckte den {einigen in einen Sparhafen, einen irdenen vor der sinnreichen Sorte, die nur eine Ocffnung oben hat und die man zerschlagen muß, wenn man den In­halt wieder haben will.

Mit stattlich gediehenen Zöpfen wurden die hcrangewachscnen Kna­ben zur bestimmten Zeit nach einander auf die Universität spedirt, um allda ihre Studien zu vollenden, derj Heinrich und der Christian kamen ins berühmte Stift, allwo jede honette Familie wenigsten» einen Sprößling haben mußte; der Gottlieb hatte eigentlich seine Laufbahn durch verschiedene Schreibstuben gemacht, sollte aber doch noch die ge­meinen Rechte und etwas Humaniora studiren, um für ein städtisches Amt tauglich zu werden.

Die Zöpfe haben sie mitgenommen und redlich wieder hcimgebracht. Keiner ist gewichen aus dem Gleis der angestammten Zucht und Sitte, wenn rS auch da und dort kleine Abschweifungen gab. Der Heinrich war ein sehr strebsamer Geist, aber trotz seiner Begabung brachte er es zum Jammer von Papa und Mama niemals zum Primus. Er trieb allezeit Nebenstudien, Italienisch, Französisch, Heraldik und andere Allotria, und verletzte wo er konnte die heilige Stiflsordnung, um mit etlichenJungen von Adel" Jagdparthicn und Fechtübungen mitzumachen, und nur seiner Rednergabe und, wie die döse Welt sagt, den auserlesenen Weinproben in Fäßchen, mit denen der Papa die Herrn Professoren beehrte, hatte er's zu danken, daß er noch mit Ehren seine theologischen Studien absolvirtc. und nicht mit dem Kainszeichen eines hinausgeworfenen Stiftlers durch die Welt schweifen mußte.

Der Gottlieb ban» sich seinen Zopf bequem, er studirte soviel ihm

blick sich günstiger erweist. Darüber bleibt der Stachel in den Herzen, die Regierung verdächtig und das Land unglück­lich. Aber es fehlt unendlich viel, daß die traurigen Folgen dieses EonflicteS, oder, bestimmter gesagt, der deutschen Ge­setz- und VerfassungSlosigkeit, die ihn verschuldet hat, sich auf die Staaten der oberrheinischen Kircheliprovinz beschränkten.

Die Frage ist eine deutsche, daS Gefühl des mißhandelten Rechts ist ein deutsche», der Jammer aller Folgen ist ein deutscher. DaS katholische Bewußtsein aber ist ein ökumeni­sches, und wenn die katholischen Herzen über jeden Gewinn der Sache Gottes in allen Welttheilen mitjauchzen, und über jeden Schaden derselben mittrauern, so werden diese Empfin­dungen, die letzteren zumal, durch die Nähe und Verwandt­schaft des Trauerhauses, aber auch durch die natürliche Re­flexion deS: jam proximus ardei Ucalegon nur noch gesteigert. Es gibt also in Deutschland genau so viele Ge­kränkte, zum Theil auch Befürchtende, al» Katholiken. DaS ist nicht vortheilhaft für die Regierungen. Jene Gekränk- ten, oder wollen wir sie Unzufriedene nennen, werden nicht conspiriren, insurgiren, rebelli- ren, daS ist gewiß. ES dürfte aber doch eben so blödsichtige, wie schlechte Politik sein, ihren Schmerz deßhalb zu verachten, oder zu häufen. Es ist nicht wohlgethan , sein Herz darum schalkhaft werden zu lassen, weil ein Anderer gut ist. Recht muß doch Recht bleiben, auch gegen den Willen vieler Ministerien; und eS wird um so reiner, glänzender und beschämender Recht blei­ben, wenn eS aus sich selber, und ohne alle menschliche Ein- schreitung zum Siege und zum Triumphe gelangt ist. Auch an den menschlich oder weltlich klugen Staatsmann kann nichts Geringeres gefordert werden, als daß er der Zeiten Erkenntniß habe. Es hat aber dem Herrn gefallen, die alte Macht und Herrlichkeit und Unüberwindlichkeit seiner Kirche zu unsern Tagen, auch äußerlich, in neuem Glanze den Ge­schlechtern zu zeigen; und Niemand kann sagen, das ist nicht. Das Factum mag Vielen unbegreiflich sein; aber auch der Naturforscher nimmt eine ihm unerklärliche Naturerscheinung als Thatsache hin, und richtet seine Manipulationen und Experimente darnach ein. Die Behandlung der Kirche nach den Meinungen und dem Rechtscodex de­vorigen Jahrhunderts wäre ein furchtbarer Anachronismus, und würde den staatsmännH schen Stümper verrathen. Viele Feinde der Kirche wissen das mit Ingrimm; wir wissen es mit Freude,. Zu­versicht und Dank. Weit eher hätte man im achtzehnten Z,^vf»u.udssrr"->ch 8«t f^fni'^f^^^ __LeL. hExu^finfe»-. -- tut neunzehnten mit denjenigen des achtzehnten regieren können. Es ist völlig ander Weltwetter. Diffugere nives, redeunt jam gramina campis. Es ist aus mit der insipiens sa- pientia der Aufklärung, aus mit der Eiseskälte der Herzen, aus mit der passiven Hingabe der Völker an jeden Befehl einer jeden Gewalt. Je lebendiger die Geschlechter in der neuerkannten und neugeliebten Kirche zu bessern Christen werden, desto gewisser werden sie dem Kai)er geben, was deS Kaisers ist; aber sie werden ihm versagen, waS Gottes ist. Sie werden den Gehorsam versagen ohneEmpörung, ohne Leidenschaft, ohne Ungebühr, ohne Ueber- hebung; dieser leidende Wiverstand wird uner- windlich sein. Wer wird über ein Volkvon Mär­tyrern regieren können?

Die Regierungen Deutschlands haben ihr gutes R'cht be­hauptet gegen das Ungeheuer der Revolution. Sie sind be­standen oder wieder auferstanden, nicht in ihrer Stärke, nicht in ihrer Klugheit, sondern in ihrem Rechte. Eine höhere

zuträglich, und traut so viel ihm schmeckte, ohne es in beiden Stücken zu übertreiben. So oft die regelmäßige Geldsendung vom Papa ankam (der alte Herr hielt streng auf feste Termine, obwohl er die Söhne nicht knapp hielt), schaffte sich Heinrich eine brodirte Weste, ein zierliches Cache« oder irgend sonst einen Artikel an, mit dem er, trotz der strengen Kleiderordnung, dic den Stiftlern Kutten vorschrieb, in seinen adeligen Zirkeln Sta-ät machen konnte, oder reichte eS die Miethe für ein Reitpferd oder ein weltliches Buch. Der Goltlub aber, der lud seine Brüder zu einem Abendessen ein, wobei drei fette Enten verspeist und in edlem Uhlbacher des Papa's Gesundheit ge­trunken wurde, er lachte dabei den Christian Herzlich aus, der sich die Schlegel und Flügel der Ente fein säuberlich in ein Papier wickelte, um noch etliche Tage daran zu zehren. Sein Geld hatte der sorgsam verwahrt zu spärlichstem Gebrauch; er hatte feit seinen Knabenjahren bereits den dritten Sparhafen soweit gefüllt, daß nichts mehr hinunter fiel, unversehrt standen sie mit ihren dicken Bäuchen in einem gehei­men Schiebfach seines Pults und lachten ihn mit ihren schiefen Mäulern an.

Aber den Zopf behielt er bei und auch daS Floretband; feine äußere Erscheinung blieb jederzeit anständig, wenn sie gleich immer dünner und spitziger wurde.

ES gibt unterschiedliche Zöpfe". DaS zeigt sich klärlich, wenn man die Bildnisse der drei Urgroßonkel aus ihren reifen Jahren be­trachtet. Da ist zuvörderst der Heinrich, der hübsche Mann mit den feingeschnittenen Zügen, dessen Zopf als zierlicher Haarbeutel schalkhaft zwischen den schön geordneten Buckeln hcrvordlickt. Der feine dunkle Rock ist mit einem Orden geschmückt und nur ein paar zierliche Priesterkrägltin bezeichnen noch den Theologen; mit spitzen Fingern nimmt er eben eine Prise aus der goldenen Tabaticre mit einem vornehmen Bildniß in seiner Hand, und schaut lächelnd nach dem fürstlichen Lustschloh, daS seitwärts durch ein Fenster zu sehen ist.

Der Heinrich war immer ein etwa« leichtes Blut; der Westwind, der von jeher so viel Unsamen von Frankreich zu uns herüberwehte, hat ihn besonders stark angehaucht und gar manchmal war er nahe daran gewesen de« respectablen Namen« seiner Väter unwerth zu werden. Er hatte eS verschmäht als ehrbarer VicariuS unter den Fittichen des Papa sich zum gleichen Beruf vorzubereitcn^ seine hübsche Gestalt, seine feinen Manieren und die französische Sprachkcnntniß hatten ihm eine glänzende Stelle als Hofmeister von zwei jungen Prinzen »erschafft. Dieser Beruf führte ihn an fremde Höfe, in