Einzelbild herunterladen
 

Die -Râffauiscke Allgemeine Z-Zung ersckeint, S»nn,

Veffellungen nehmen an in Wiesbaden die SrveditI», (Wilh. Fricdrich'scke Buchhandlung, Langgaffe Nr. 42,) auSwart« alle Pnstanstalrcn. Inserate: die dier- spaltige Petitzeile oder deren Raum 3 kr.

Wiesbaden. 1854.

Nr. 85.

Montag, 10. April.

- "^^.(^^ ;. ^^ ^Ä^^MStr^^

Vic Ermordung des Herzogs von Parma

Die blutige Schandthat von Parma, sagt dieN. M. o n trifft in bemerkenswerther Weise zusammen mit dem Ge­nickte von Mazzinr's Wiedererscheinen in Italien. Die Revolution läßt wieder ihre Sprache vernehmen und diese Sprache wird bekanntlich in Frakturschrift geschrieben, wie ein bekannter deutscher Revolutionär im September 1848 zu Frank, surt am Main unmittelbar vor den scheußlichen Morden an Auerswald und Lichnowsky sich ausdrückte. Die Revo­lution gibt also ihre Hoffnungen, ihre Bestrebungen nicht auf; ihre Zwecke sind heute noch dieselben wie immer; in der Mählader Mittel ist sie noch weniger bedenklich geworden als früher. Die Schandthaten von Mailand und Wien im vorigen Jahre, zu Parma jetzt, geben blutiges Zeugniß da, yon. Und doch man sollte es kaum für möglich hal­ten gibt es noch immer Leute, die es als Gespensterseherei erklären, wenn man, Angesichts der drohenden Gefahr, mah­nend und warnend die Stimme erhebt. Man kann solche Verblendung nur tief bedauern; aber dieses Bedauern ent­hebt nicht der Pflicht, immer und immer wieder die Aufmerk, samkeit auf die Gefahr zu lenken, welche in der notorischen Solidarität der Revolutionäre aller Länder für alle monar- chische, bürgerliche und moralische Ordnung überall liegt. Nur um so heiligere Pflicht ist es vielmehr, die Revolution stets auf's Neue in ihrer wahren Natur zu zeigen, ihr die gleisnerische Maske abzureißen, unter welcher sie sich mitunter sehr geschickt zu verhüllen sucht, sie des Deckmantels zu ent­kleiden, unter welchem sie den Pferdefuß zu verbergen weiß Die gefährlichsten Revolutionäre sind keineswegs jene, welche geraden Wèges und offen auf ihr Zie) losgehen: selbst die Mazzini, Kossuth und ihre Spießgesellen, wie sie auch heißen mögen, sind verhältnißmäßig weniger zu fürchten, weil Jeder­mann weiß, weß Geistes Kinder sie sind, was sie wollen, welcher Mittel sie sich zur Erreichung ihrer Zwecke bedienen. Von ihnen verspricht sich Niemand etwas Gutes, und vor ihnen kann man daher wenigstens einigermaßen auf seiner Hut sein. Jene Classen von Revolutionären vielmehr sind die gefährlichsten, welche je nach den Umständen sich bequemen, ihre wahren Gesinnungen unter dem Aushängeschild der Loya­lität zu verbergen; die Revolutionärein Schlafrock und Pantoffeln", wie sie seiner Zeit der preußische Ministerpräsi­dent Frhr. v. Manteuffel sehr treffend bezeichnete; jene, deren Bestreben es ist, die Monarchie sich durch sich selbst ruiniren zu lassen, das Gesetz, wenn man es nicht mit dem Gesetze selbst todtschlggen kann, durch Nadelstiche langsam zum Ab­sterben zu bringen; jene, die weit entfernt der Revolution auf der Straße das Wort zu reden oder gar sich daran zu betheiligen, nur den Samen böser Ideen ausstreuen, durch die Köpfe und die Begriffe verwirren und so den Boden vor­bereiten und empfänglich machen, daß er die schlimme Saat in sich aufnehme, damit sie dann unter ihrer fortwährenden Pflege zur Reise gelange, und die beabsichtigten Früchte bringe. In dieser Beziehung herrscht leider noch allzuviel Kurz­sichtigkeit: gar viele wollen es absolut nicht cinsehen, wie man sie unter allerlei Vorspiegelungen am Gängelbande führt, um sie zu Werkzeugen des allgemeinen, und also auch ihres eige­nen Ruins zu machen.

Wie man sich in Parma erzählt, war der Mörder des Herzogs ein Mann von mittlerem Wüchse, zart gebaut und 25 bis 30 Jahre alt. Er trug 'einen großen Mantel, einen Calabreser und graue Beinkleider. Sein Haar war schwarz, lang und wallend; er hatte einen Schnurrbart, aber keinen Backenbart. Auffallend ist es, daß in derselben Straße von Parma im Jahre 1833 am hellen Tage der Polizei-Minister

Sartorio ermordet wurde Md daß es nicht gelang, den Mör- der zu entdecken, wiewohl die That im Beisein von Hunderten von Personen verübt wurde. Einer der dabei Anwesenden, welcher den Thäter mit seinemVornamen gerusen hatte, wurde sogar lange Jahre hindurch im Gefängniß gehalten, ohne daß man sein Geheimniß von ihm zu erpressen vermochte.

DieN. M. 3" gibt über die Ermordung und über die letzten Augenblicke des unglücklichen Herzogs von Parma noch folgende Details: Sonntags (26. März) um 5 ein viertel Uhr Nachmittag verließ der Herzog die sehr belebte Prome­nade der Hauptstraße von Parma, um durch eine Seitengasse in seine Residenz zu gelangen. Alsbald bemerkte er einen Menschen in seinen Mantel gehüllt, der die Maucrseitc der Straße behauptete, um an ihm vorüberzugehen. Zwei Schritte von ihm entfernt that er, als ob er stolperte und im selben Augenblicke, stach, er kräftig: den Herzog mit einem Dolche zwischen Magen und Nabelgrube und entfloh. Der Stoß war dicht über der Säbelkuppel 4*4 Zoll tief eingedrungen; der Dolch selbst hatte ein hölzernes Heft. Mit dem mehr­mals wiederholten Ausrufe:Man hat mir einen Dolchstoß gegeben!" (Gran Dio, son ferito nach der A. A. Z.) sank der Herzog zu Boden und verlor das Bewußtsein. Der ihn begleitende Adjutant hatte zuvor den Dolch aus der Wunde gezogen und ließ nun den Herzog von verschiedenen Hinzu­kommenden in das Schloß tragen, wo er erst nach einer hal­ben Stunde das Bewußtsein wieder erhielt. Der Herzog be­sprach dann seine Angelegenheiten mit außerordentlicher Fassung, beschrieb den Mörder genau, als einen Fremden, der ihm schon seit 4 5 Tagen öfters begegnet sei. Kurz vor seinem Tode, der nach 24stündigen äußerst heftigen Schmerzen ein­trat, zog er selbst einen Ring von seinem Finger und über­reichte ihn feiner Gemahlin; einen zweiten gab er seinem Maggiordomo. Unmittelbar hierauf trat der Tod ein. Ihre K. H. die Frau Herzogin drückte ihrem Gemahl eigenhändig die Augen und den Mund zu. Die Nachricht von diesem traurigen Ende verbreitete namentlich unter dem Militär den allgemeinsten Schmerz. Man sah Männer weinen, die 30 und mehr Dienstjahre hatten. Diesen Mittheilungen fügt die N. M. Z. folgende Charakterschilderung bei: Ich möchte wohl Dir gerne noch etwas über den Ermordeten schreiben, der von der einen Seite vergöttert, von der andern auf das Heftigste getadelt wird. Ich will als Unbetheiligtcr versuchen, den wahren Werth des Mannes darzustellen, ohne irgend für seine Fehler blind zu sein. Mit letzteren zu beginnen, war er, was der Engländer an imprudent man nennt; dabei war er aber unbekümmert um das Gerede der Leute, und that, was ihm seine- Ueberzeuguüg unrein Gewissen gebot. Geizhals war er keiner, leben und lebe» lassen war seine Maxlmè, im Uebrigen ein äußerst talentvoller Herr, der deutsch, englisch, französisch, spanisch, ungarisch und italienisch nicht nur sprach wie ein Eingeboruer, sondern der alle Idiome und Nüancen dieser Sprache kannte. Alles dieß hat er spielend gelernt, denn er war selten zu langem Sitzen aufgelegt. Er war äußerst freundlich, witzig und voller Anekdoten, ein erheitern­der Gesellschafter; wer ihn kannte, konnte ihm unmöglich gram sein. Armuth, Elend, Unglück trafen bei ihm die reichlichste Theilnahme und Unterstützung; für seine Umgebung kannte seine Freigebigkeit keine Gränzen. Die Klagen über seinen Tod bei allen Klassen der Bevölkerung sind rührend, besonders aber bei Bürgern und Armen beiden schaffte er Nahrung. Die Züge, die man von seiner Herzensgute erzählt, sind tief ergreifend. Ruhe seiner Asche! Und möge der liebende Gott sich seiner erbarmen! Was soll ick aber von de. armen hin- terlassenen Fürstin sagen? Sie, die ihren Vater auf dieselbe ruchlose Art verlor Gott stärke sie!

EeneralconceMon

für die von der Gemeinschaft der evang. Lan­deskirche sich getrennt haltenden Lutheraner

v om 23. Juli 1845. *)

Wir Fri edrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen rc. rc. re.

Auf die uns vorgetragenen Bitten und Wünsche derjeni­gen unserer lutherischen Unterthanen, welche sich von der Ge­meinschaft der evang. Landeskirche getrennt halten, wollen Wir in Anwendung der in Unserer Monarchie bestehenden Grund­sätze über Gewissensfreiheit und freie Religionsübung und im Interesse der öffentlichen bürgerlichen Ordnung zulassen und gestatten, daß von den gedachten Lutheranern nachstehende Befugnisse unter jDen hinzugefügten maßgebenden Bestimmun­gen in Ausübung gebracht werden:

1) Den von der Gemeinschaft der evang. Landeskirche sich getrennt haltenden Lutheranern soll gestattet sein, zu besonderen Kirchengemeinden zusammen zu treten und einen Verein dieser Gemeinden unter einem gemeinsamen, dem Kirchenregimente der evang. Landeskirche nicht untergebenen Vorstande zu bilden.

2) Zur Bildung einer jeden einzelnen Gemeinde ist jedoch die besondere Genehmigung des Staats erforderlich. Die Ertheilung dieser Genehmigung steht gemeinschaft­lich den Ministern der geistlichen Angelegenheiten, des Innern und der Justiz zu.

3) Eine solche Kirchengemeinde (No. 2) hat die Rechte einer moralischen Person. Sie kann daher auch Grund­stücke auf ihren Namen mit Genehmigung des StaatS erwerben, sowie eigene, dem Gottesdienst gewidmete Gebäude besitzen, welchen jedoch der Name und die Rechte der Kirchen (§. 18, Titel 11, Theil H des allg. Landrechts) nicht beizulegen sind.

4) Als Geistliche der von der Gemeinschaft der evange­lischen Landeskirche sich getrennt haltenden Lutheraner dürfen nur Männer von unbescholtenem Wandel ange­stellt werden, welche zu einer bestimmten Gemeinde votirt, von dem Vorstande (No. 1) bestätigt und von einem ordinirten Geistlichen ordinirt sind.

. 5) Nach eben dieser Vorschrift (No. 4) ist zu beurtheilen, ob und unter welchen Bedingungen die bisher schon als Geistliche dieser Religionsvartci thätig gewesenen Per­sonen in dieser Eigenschaft ferner zugelaffen werden können.

6) Die von diesen Geistlichen (No. 4 u. 5) vorgenom- meuen Taufen, Consirmationen, Aufgebote und Trau­ungen haben volle Gültigkeit, und werden die von ihnen und ihren BorgâiMrn bisher verrichteten AmtShand. lungen mit rückwirkender Kraft hierdurch als gültig anerkannt.

7) Bei Führung der Geburts-, Trauungs- und Sterbe­register haben die Geistlichen dieser Gemeinden die ge­setzlichen Vorschriften genau zu befolgen, insbesondere auch Duplicate dieser Register bei dem Gerichte ihres Wohnorts niederzulegen. Die aus diesen Registern von ihnen ertheilten Auszüge sollen öffentlichen Glauben haben.

8) Aufgebote zu Trauungen können fortan mit rechtlicher Wirkung in den zum Gottesdienst bestimmten Localen derjenigen Gemeinden vorgenommen werden, zu denen die Verlobten gehören.

9) Wenn Mitglieder der gedachten Gemeinden die Ver­richtungen einzelner geistlichen Amtshandlungen in der

*) Aus der Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staa­ten. Nr. 2(5.

Aus dem Tagebuch eines Malers.

(Fortsetzung.)

Sie hielt inne und blickte über den See hinaus. Der Pilatus steckte, wie gewöhnlich, mit seinem rauhen, «erweiterten Scheitel in grauen Wolken, den Rigi beleuchtete rosig die untergehende Sonne, vom Fuße der gegenüberliegenden Alpen hallten Schellentöne der gra­senden Kühe herüber. Es lag ein tiefer Frieden auf der ganzen Ge­gend und die Kähne und Boote durchfurchten so lautlos den klaren Ecespikgel, als scheuten sie sich die Abendruhe rings umher zu stören. Ich will Ihnen etwas aus meinem Leben erzählen," hob die Fremde wieder an;was mir gerade in den Kopf kommt. Breche ich Plötzlich ab, so fragen Sie, bitte, nicht weiter."

Ich heiße also Lucy," begann sie nach einer Prüfe,und bin sechsundzwanzig Jahre alt. Wir waren sieben Geschwister, zwei Brü. der, fünf Schwestern, ich die Zweiijüngste. Die Brüder sind in Ost­indien gestorben, der eine am Climasieber, der andere im Kriege. Die jüngste Schwester ist erst zehn Jahre alt und in einer Pension in

Mein Vater war Unterarmiral und Schotte von Geburt.

Jahre alt heirathetc er meine Mutter, damals siebzehn Jahre alt, schon, gebildet und sanft. Sie hatte ein ansehnliches Vermögen öecr6U Dadurch und durch verwandtschaftlichen Einfluß wurde es mei­nem Vater möglich, v n Posten zu Posten zu steigen, bis er zuletzt, wie getagt, Unteradmiral ward. Das Seeleben hatte ihm jedoch an> k r "C v°" Ordnung, Häuslichkeit und Familienleben beige, brnepr, als man auf dem Festlande und zumal in England zu haben pflegt. «r war rauh und tyrannisch gegen meine Mutter und ich mache mir sein Hehl daraus, daß ich ibn von meinem dritten Jahre an mehr gehaßt als gefürchtet habe. Eines Kindes Mutter mißhan­deln ist das beste Mittel, das Kind schon mit allem Haß und Zorn auSzurusten, der, selbst wenn er in Erwachsenen Raum gewinnt, noch immer zu früh kommt."

Sie schwieg ein paar Minuten, als koste es ihr Mühe, des Stur- Herr zu werden, den die Erinnerung in ihrer Brust wieder auf. ^.."Mutter und Vater sind todt," setzte sic mit veränderter -und beiden ist besser. - Von meinen drei älteren etrs dcirathete die jüngste zuerst, und zwar bald nach des Ba­dem M schon ein Jahr lang darnach getrachtet, aus "^ zu kommen, um Auftritten zu entgehen, die sich immer

erneuerten und den häuslichen Herd nicht selten zum Fegefeuer um« wandelten. Sie war rasch und leichtsinnig in ihrer Wahl, wie cs Mädchen von ausgezeichneter Schönheit oft begegnet. Ihr Mann, cin Gentleman» in jeder äußerlichen Beziehung, war keiner seinen Sitten nach, ohne Grundsätze, ohne Religion; er ist vor einem Jahre.." Sie unterbrach sich, und als ich einen Blick nach ihr hinnbertandte, erschrack ich, wie das Wühlen in dieser düstern Vergangenheit den Adel ihrer Züge erniedrigt und dem ganzen Gesicht eine veränderte, harte Prägung gegeben hatte. Ich fühlte, daß sic unwillkührlich wei- tcr gegangen wär, als sie beabsichtigt, und bat sie, zu vermeiden, was ihr peinlich sei Sie wischte mit der Hand eine Thräne von der Wange; dann antwortete sie, ohne mich anzusehen:La en Sie mich ausrcdcn Sie werden mich sonst nur halb beurtheilen können; ich habe anderes geduldet, und es ist mir nicht darum zu thun, Bergan- genes und Ucberstanbenes Parade machen zu lassen. Der Mann mei­ner Schwester ist vor einem Jahr deportirt worden."

Von neuem folgte eine längere Unterbrechung. Sic stand einmal auf, um ein paar Gänge im Salon auf und ab zu machen^, und ich sah, daß sich das weiße Taschentuch nicht von ihren Augen entfernte. Dann nahm sie wieder ihren Platz auf dem Balkon ein und suchte durch einige tr emerkungen über die Lichtspiele auf der vor uns aus- gebreiteten Landschaft die nöthige Fassung zu gewinnen, um fortfah- ren zu könne».

Wie das alles groß und schön und harmonisch ist!" sagte sie dann.Man fühlt sich dieser Alpennatur gegenüber so klein und bc« greift zu Zeiten kaum, daß die winzigen Miseren des Lebens den kräftigenden, ausrichtenden Eindrücken dieser wesenlosen Riesen um uns her die Wa'ge zu halten vermögen. Immer von neuem sage ich mir: Freue dich doch, genieße des LebenS! Laß dich nicht von Dingen über» wâltigen, die, von der Höhe aus gesehen, kaum noch die Bedeutung eines Sandkorns haben! Aber daS Gehirn und vaS Menschenherz sind eben auch nur Punkte im Weltall und können sich nur auf Augen­blicke über sich selbst erheben."

Sie wollte weiter reden, als ihr Blick plötzlich auf dem See vor uns eine Barke entdeckte, welche im Begriff war zu landen.Er kommt," sagte sie,in zwei Minuten kann er hier sein. Lassen Sic mich heute lieber allein; ich möchte nach diesem Zwiegespräch nicht gern einen Abend zu dreien durchmachen.' Sie gab mir nach eng­lischer Sitte die Hand, und nachdem wir für die morgende Sitzung die Zeit verabredet hatten, suchte ich das Freie, im Grunde des Her-

zcns froh, daß die peinlich gewordene Unterhaltung ein passendes Ende gefunden hatte.

Am späten Abend trieb in ich's noch einmal aus meinem Gastho in die warme Juliluft hinaus. Ich schlenrertc am Seeufer entlang stolperte über die dunkeln, holzbedachten Brücken, gelangte auf den schön gelegenen Kirchhof, seitwärts auf dem Wege nach Küßnacht, und blieb vor einem Fenster der Kirchhofmauer in Gedanke» vertieft stehen. Die Mauer nach der Seeseite hin hat immer zwischen einer oder zwei mit Inschriften bedeckten Grabtafeln, vor denen nicht selten ein kleines Weihbeckc» steht, eine fenfierartige Ocffnung, durch welche sich die entzückendste Aussicht auf den See, auf das kleine Vorgebirg Meggenhorn links, auf die Insel Altstaad, auf den Rigi, Bürgenstock, Pilatus und die ihnen zu Füße» liegenden Almen bietet. Kein Lüftchen regte sich, alles still, wie abgeschieden durch die gewaltige Berggrcnze vom lauten Leben der übrigen Welt. Nur ein lichter Punct gab dem etwas Wechsel und Veränderung, und das Auge folgte immer von neuem unwillkürlich dem bald sichtbaren, bald wieder verschwindenden Scheine. Es mochte die Laterne auf dem um diese Zeit von Fluelen berüberfommenben Dampfboot fein. Als sie zum fünften oder sechsten Mal durch das Segel des Dampfers verdeckt wurde, riß ich mich ge» waltfam von dem fesselnden Banne dieses köstlichen NachtpanoramaS los und setzte meine Wanderung fort. Wohin? nach ihrem Hause? Es lag hart am See, an der Straße nach Küßnacht. Wunderbarer Name! dachte ich und schlenderte in Gedanken weiter. Es kam mir die Sage, vom PontiuS Pilatus in den Sinn, der sich in einen See des Berges gestürzt haben soll und feybem bad Unwetter verschuldet, welches so oft von den eben am Pilatus hângendleibenden Wolken über den See herein bricht. Ist es Merian oder sein Vorgänger, der die Gefahr beschreibt, welche cs der ganzen Gegend bereitet, wenn man dem See zu nahe kommt und den darin Ertrunkenen aufweckt? Der Pfütz ist liess, mit Holz umbschränket, damit dasselbe niemand erzörne, ist grausam anzusehen, schwartz von Farb, alle Zeit still und bleibt vom Winde unbeweglich."

Mir klangen die Worte des alten Geschichtsschreibers noch im Kopfe, als ich vor dem Hause der Fremden stand. Ja wohl, dachte ich:da­mit dasselbe niemand erzüruk!" Es gibt mehr geheime Stellen, al# die dort oben auf dem PilcituS, die man im Frieden lassen soll,schwarz von Färb' alle Zeit still," über der drinnen liegt, den soll man schlafen lassen.

Als ich ausblichie war mir'S, als hörte ich deutlich daS Echo met-