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Wiesbaden. 1854.
Nr. 81
Mittwoch, 3 April
Deutschland.
*+ Wiesbaden, 4. April. (Sitzung der ersten Kammer.) Aba. Höchst. Es wäre seither üblich gewesen, in der ersten Sitzung nach Eröffnung der Kammer die Budgets vorzulegen. Da die Vorlegung derselben in diesem Jahre nicht erfolgt sei so stelle er den Antrag, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, die LandeSexigcnzetats vorzulegen, damit diejenigen Mitglieder, die in Ausschüssen nicht beschäftigt wären, sich deren Prüfung unterziehen könnten und nicht abermals den Mitgliedern der unbegründete Vorwurf der Untätigkeit gemacht werde. Er sehe sich zu diesem Antrag umsomehr veranlagt, als ein Mitglied der zweiten Kammer, welches für den Landlag noch nie etwas gearbeitet habe, sich ein Geschäft daraus mache, die Kammer mit solchen Anschuldigungen zu verunglimpfen.
KrauS unterstützt diesen Antrag mit dem Bemerken, eS sei die Vorlage der Etats nöthig, auf daß alle Mitglieder ge» hörig beschäftigt würden und die Regierung nicht wieder einen Vorwand finde, ihr Bedauern über Verzögerung derLand- tagsgeschäste auszusprechen, wie dieß bei Eröffnung des diesjährigen Landtages geschehen. *) Uebcrhaupt komme es der Regierung nicht zu, über die Thätigkeit des Landtages sich miß- / billigend zu äußern. Er seinerseits protestire gegen ein solches Verfahren der Regierung. Die Landsiänve seien vielmehr berufen, die Thätigkeit der Regierung zu controlliren. Sei die Regierung mit der Thätigkeit der Kammer nicht zufrieden, so ständen ihr zwei Wege offen : die Kammer zu vertagen oder aufzulösen.
Marburg tritt dem Protest bei. Der Antrag des Abg. Höchst wurde auch von mehreren anderen Abgeordneten unterstützt und hierauf von dem Präsidium erklärt, daß cs den Antrag mit dem Ansuchen, demselben Folge geben zu wol. len, der Regierung vorlegen werde.
Die Kammer schritt sodann zur Berathung des Central- organisationsgesetzes. Die Verhandlungen hierüber, welche wir in einem besonderen Bericht nachtragen werden, wurden durch den Eintritt des während der Sitzung von dem Herrn Präsidenten Vollpracht zur Theilnahme an derselben her- beigerufenen Domänenrath v. M a r s ch a l l unterbrochen, der sich mit einer vom 21. Februar d. J. datirten Vollmacht des Grafen K i elm a n n S c g ge legitimirte, von welcher derselbe jedoch bisher keinen Gebrauch gemacht hat. Herr v. Marschall wurde zur Theilnahme an den Verhandlungen (mit 6 gegen 5 Stimmen) vorläufig zugelassen, und die Prüfung seiner •*) Vollmacht der betr. Abtheilung zugewiesen. . (£u Bemerkung der „Mittelrh. Zig.", Herr v. Marsch all sei als legitimirt zugelassen, stellt sich sonach als unrichtig heraus.)
*) Die betr. Stelle der Eröffnungsrede des Staatsministers lautet nach dem Verordnungsblatt Nr. 5 wie folgt: „Seine Hoheit der Herzog haben mich mit der Eröffnung des diesjährigen Landtages zu beauftragen geruht. Zu meinem Bedauern hat die Berathung der dem vorigen Landtage übergebenen Gesetzesvorlagen während seiner wiederholten Einberufung nicht den Fortgang genommen, welchen die Regierung im Interesse des Landes gewünscht hätte. Die Regierung hat sich dadurch im Hinblicke auf die bestehende Verfassung genöthigt gesehen, den Landtag für das Jahr 1853 zu schließen und die noch unerledigt gebliebenen Gegenstände auf dem dicßjährigcn Landtage zur Schlußberathung zu bringen. Ich habe dabei die vertrauungsvolle Erwartung auszusprechen, raß diese Ge- genstände nunmehr um so rascher ihre Erledigung finden werden. Die Rechnungsüberschläge für das laufende Jahr werden Ihnen zur Prüfung und Festsetzung vorgelegt werden. Sie werden das befriedigende Resultat daraus entnehmen, daß die Regierung eine Verminderung der in den letzten Jahren zur Erhebung gekofnmciien direkten Steuern glaubt eintreten lassen zu können.
**) nach unserer Ansicht "zweifelhaften
Anmerkung der Red.
Nach dieser Unterbrechung wurde mit der Berathung über das Centralorganisationsgesetz fortgefahren. Bei §. 7 (betr. die Einführung und Dotation des evangelischen Consi- storiums) wurde der (in Nr. 79 d. Bl. erwähnte) Antrag zweier Mitglieder des Ausschusses (Bellinger und Höchst) auf Strich des Paragraphen nach zweimalig sich ergebender Stimmengleichheit (6 gegen 6) für abgelehnt erklärt. Als hierauf über den betr. Regierungsvorschlag (§. 7) abgestimmt werden sollte, erklärte Reg.-Com. Schepp, daß der Regierungsentwurf ipso facto der Ablehnung des erwähnten Antrages als angenommen zu betrachten sei und eine Abstimmung darüber nicht mehr stattfinden könne. (Entspricht dieß der Uebung seit dem Jahr 1848?) Auf dis Erinnerung des Herrn Präsidenten Walderdorff, daß wenn eine Abstimmung darüber nicht erfolge, dieses viel- leicht das eine oder das andere Mitglied veranlassen könnte, gegen den Entwurf zu stimmen, wurde nicht eingegangen. Bei der hieraus erfolgten Gesamusabstimmung wurde das Gesetz mit7(GrafWalderdorff, Bellinger, v. Eck, KrauS, Höchst, Diehl und Trombetta) gegen 5 Stimmen (Marburg, v. Bo ck, v.Marschall Wilhelmi, Müller) verworfen.
t* Wiesbaden, 29. März. Verhandlungen der zweiten Kammer am 23. und 28. d. Mts. (Schluß.)
Zu §. 9. stellt die Commission (Re.ichmann, Schellenberg, Eigner, Braun, Lenz) den Antrag, den von der zweiten Kammer mit großer Majorität beschlossenen Zusatz „d^em Bezirksrath werden Betriebsfonds aus der Staatscasse disponibel gestellt, um kleine unverzinsliche Darlehen an gering vermögende Landwirthe und Handwerker nach dem Gutachten des betr. Gemeinderaths zu bewilligen. Für die Wiedererstattung haftet die G e m ei n dec asse.* — mit der ersten Kammer fallen zu lassen.
R u l l m a R n ist für Beibehaltung des Beschlusses der zweiten Kammer, in der Unterstellung, daß die Verwilligungen nicht gegen den Willen der Gemeinde und nicht an solche, welche Staatsunterstützungen bekommen, geschehe.
Rau: Die letzte Bemerkung des Vorredners ist selbst- verständlich. Meines Wissens haben die Armencommissionen nicht gegen den Willen der betreffenden Gemeinden Vorschüsse bewilligt. In, dem Beschlusse der zweiten Kammer heißt es auch, daß die Vorschüsse nur nach dem Gutachten des Gemeinderaths zu bewilligens seien. Die Zweckmäßigkeit solcher Fonds hat übrigens die Kamnßer anerkannt und daher meinen Antrag ohne Widerspruch angenommen. Erst später kam der Abgeordnete für RüdeSheim hier an und äußerte Bedenken dagegen, jedoch mit dem Bemerken, daß er das Sachverhält- niß nicht aus Erfahrung kenne. Mit Erstaunen vernehme ich jetzt, daß die Commission ihre Ansicht nunmehr geändert hat. Die geäußerten Bedenken sind aber nicht gegründet und nicht aus der Erfahrung geschöpft. Mögen früher hier und da einzelne Mißgriffe begangen worden sein, — und wunderbar wäre es, wenn es nicht geschehen wäre, da jede menschliche Institution Mißbräuchen unterliegt —, im Ganzen war die frühere Einrichtung von großem Nutzen. Alles was der Staat auSgibt zur Hebung des Ackerbaus und der Industrie, kommt zunächst und hauptsächlich den wohlhabenden Classen zu gut. Es ist deßhalb auch billig, für die geringere Classe in etwas zu sorgen. Der Betriebsfonds soll eine Unterstützungs - und Creditanstalt sein für solche geringvermögende Landwirthe und Handwerker, die aus der Landesbank keine Vorschüsse empfangen, die aber, wenn hier der Staat nicht eüitritt, dem Wucher in die Hände fallen, und damit der gänzlichen Verarmung
preisgegeben sind. Das kann und darf dem Staat nicht gleichgültig sein. In der AuSschußschung wurde bemerkt, eine solche Armenunterstützung widerstreite den Grundsätzen der Nationalökonomie. Ich erlaube mir dagegen das Zeugniß einer bewährten Nationalöconomie anzuführen. (Der Redner verlieft darauf mehrere Stellen aus Say's Handbuch der politischen Oekonomie). Sowohl die Pflichten der Wohlthätigkeit, wie der Klugheit, lassen hier eine Unterstützung geboten erscheinen. Läßt man den Armen ohne Hülfe, so wird eS dahin kommen, daß sich der vierte Stand das mit Gewalt nimmt, was ihm der Mangel an Weisheit und christlichem Woblthätigkeitssinn nicht freiwillig gewähren will.
Ich finde eS nicht gerechtfertigt, jetzt von dem einmal gefaßten Beschluß wieder abzugehen. Nimmt man Anstoß daran, daß bei der Verwilligung die Geistlichen Mitwirken sollen, so schließe man dieselben davon aus. Ich habe nichts dagegen, wenn nur etwas geschieht, und die Abbülfe nicht dem Zufall überlassen wird. Die Einbuße, welche der Staat erleidet, ist sehr gering. Er verliert nur die Zinsen eines Capitals von etwa 30,000 fl. Einen so geringen Verlust soll man wahrlich nicht ansehen , wenn es sich darum handelt, der zunehmenden Verarmung entgegen zu wirken.
Knapp ist den Motiven zu dem Beschlusse der zweiten Kammer nicht abgeneigt, stimmt jedoch nicht dafür, sondern will lieber, daß man die Errichtung von Hülfscasseu, wie sie in einzelnen Gemeinden, z. B. Hömberg , bereits mit einer Viehaffecurranz verbunden, bestehen, begünstige und solchen Gemeinden, welchen es an den nöthigen Fonds dazu fehle, Zuschüsse vom Staat gebe.
Halbey: Nach seiner langen Erfahrung habe sich der Betriebsfonds seit "30 Jahren als wohlthätig bewährt. Er sei daher, da das Institut der Armencommissionen nicht mehr bestehe, für Beibehaltung des Beschlusses der zweiten Kammer.
Braun: Vor 1848 sei die Armenpflege nicht Gemeindesache gewesen, d. h. auf Kosten der Gemeinde habe die Amts, armencommission darüber disponirt. Seit 1848 sei sie Gemeindesache. Nun wolle man einen Zwischenweg, nämlich eine Verwilligung von Geld, wofür die Gemeinde hafte, aber nach Entscheidung des Bezirksraths. Das sei ein Mißstand, ein Rückschritt, der sich den Zuständen der alten Amtsarmencommission nähere. Man halte das Institut des Betriebsfonds für geeignet, dem Wunsche entgegenzutreten. Der Wucher klemme sich nicht an gering bemittelte Leute , sondern an die mittleren Vermögensschichten. Dagegen bedürfe man andere Gesetze, Credit- Institute und sonstige Mittel, die zur Hebung des öffentlichen Credits geeignet seien. — Er habe über das Institut der Amtsarmencommission, eventuel von deren . igenen und von Gemeindemitgliedern, mehr nmHtheilrge als Günstige Stimmen gehört. Vorschüsse sehen von den Beamten ohne genaue Prüfung in den Tag hinein gegeben worden und dabei die größten Verluste eingetreten. Solche Gefahren solle man nicht wieder schaffen. — er halte einzig die Errichtung von Communalcreditanstalten für zweckmäßig und wolle lieber solchen einen Zuschuß geben, wofür die Gemeinde haften könne; dann komme das Geld doch in die richtigen Hände: und die Regierung könne dazu thun auch ohne ein. besonderes Gesetz.
Vogler ist mit dem Grundsatz des Abg. Braun ganz einverstanden, daß es viel besser sei, wenn die Unterstützung solcher Leute Privatvereinen überlassen werden könnte. Denn der Staat solle sich nicht in Alles eintnische«, sonst würde das Selbstgouvernement ganz aufhören, und eine noch größere Verwickelung eintreten. Auch sei mit so kleinen Summen dem bedürftigen Manne doch nicht geholfen. Aber einstweilen und auf bessere Zeiten müsse doch etwas geschehen: daher sei er für den Beschluß der zweiten Kammer. (Daß Hr. Vogler
Ferdinand Pfeffer's Brautfahrt.
Eine Geschichte in sechs Capiteln von Dr. L. Kalisch.
(Fortsetzung)
Nach langem und heftigem Wortwechsel entschied sich endlich die Gesellschaft für die Ansicht Schmuiizig's. Aber eine icrielstunbc »ach der andern verging, und es ließ sich kein Bach, keine Wiese, keine Mühle und kein Fußpfad sehen. Schmunzig. der nun von der ganzen Gesellschaft mit Vorwürfen überhäuft wurde, entschuldigte sich durch die Behauptung, daß mit der Gegend, die er doch so gut wie seine Rocktasche kenne, etwas vorgegangen sein müßte, und bat. nur immer voran zu gehen; der Bach, die Wiese, die Mühle und der Fußpfad würden sich am Ende doch noch cinfinden. ES fqnd sich aber nach fortgesetztem Wandern nichts ein. als ein Regen, der bald so heftig wurde, daß die ganze Gesellschaft wie eine geschlagene Armee aus einander nob, um unter Büschen und Bäumen Schutz vor dem nassen Zorn Himmels zu suchen.
Pfeffer, der während des ganzen Weges tue Frau Becher am rcch- deren holde Tochter am linken Arme führte und außerdem . "."d d" Strickbeutel beider Damen trug, floh jetzt mit Baum, sehr vergnügt, raß der Himmel ihm eine jepone Gelegenheit gegeben, sich Augusten und deren Mutter von »^"^hmsten Seite zu zeigen. Sie lagerten sich unter eine alte »dau Becher strömte von Dank gegen unsern Helden über, während er der blonden Auguste den Shawl um den Hals legte und drückte. Er hätte freilich die Mutter auf den um mit der Tochter allein sein zu können ; da solche Wunsche gewöhnlich nicht erfüllt werden, so wünschte er sondern ^>gte der Frau Becher das allcrsreundlichste Gc- die sich bald enspann, fing er an, b s""/d Reise behutsam anzuspielen, und er bemerkte, daß Frau Becher lhm aufmerksam zuhörte
Kovk^ würbe, so hatte die Mutier ihren linke Ä«ine l^ b, und Auguste ihr blondes Köpfchen auf seine Große gelegt. Er neigte daher seinen Kopf wie Alerander der Ä ™ <* w.
H ?“" »»»»<>»»» t,e«m. Writ wt DM. mit seinem dünnen, sächsischen Stimmchen die zerstreute
Karavane zusainmea. Kaum war man aber wieder vereinigt, als sich abermals ein Streit erhob, ob man vorwärts gehen, oder ob man den Rückweg einschlagen sollte. Der Streit wollte eben den Glüh« Punct erreichen, als Schmunzig behauptete, er habe Hustritte vernommen. Es wollte sich nun wieder ein Streit entspinnen, ob er wirklich Huftritte vernommen, als sich ein Reiter sehen ueß. Die Gesellschaft harrte nud mit gespannter Erwartung aus den Nahenden, in welchem sie bald zu ihrem unsäglichen Schrecken den Hofrath erkannte. Fliehen war nicht mehr möglich; es handelte sich nur darum, eine Ausrede zu finden, und die Gefellschaft überließ tiefe Ausrede dem Scharfsinn Schmuiizig's, der ja den Rath zu tiefer Reise gegeben und ausserdem die ganze Gesellschaft irre geleitet hatte.
Schmunzig sagte, er wolle sehen, was zu thun sei.
Als daher der Hofrath bei der Karavane angelangt war und die« selbe fragte, warum sie das Curhaus verlassen, wann fie cs verlassen und wohin sie wollte, amwortete Schmunzig im Namen der Mitschuldige», daß sie ihm entgegen zu gehen beabsichtigt hätten; und als der Hofrath fragte, wodurch ihnen das Ziel seiner Reise bekannt gewesen,'antwortete Schmunzig, sie hätten dieses freilich nicht gekannt, sie waren vielmehr auf gut Glück gegangen und der Zufall wäre ihnen, wie Figura auf dem Pferde zeige, höchst günstig gewesen.
Der Hofrath .schien mit dieser Antwort zufrieden. Er setzte sein Pferd und somit feine Curgästc in Bewegung, die ihm, bis auf die Haut durchnäßt, mit verdrießlichen Gesichtern folgten. Ein besonders verdrießliches Gesicht machte der Justiz-Canzelist, der auf dem ganzen Rückwege sein Söhnchen Emil auf dem Arme tragen mußte.
Als man im Curdause angelangt war, überhäufte man den Drill- Fabr-canten mit den bittersten Vorwürfen.
, Pfeffer aber war froh, daß tiefer Ausflug von solchen Abenteuern heimgesucht war, die ihm die günstigste Gelegenheit boten, in so kurzer Zeit sich bei der Frau Becher und deren Tochter im günstigsten Lichte zu zeigen; und er benahm sich so klug, er benahm sich so zuvorkommend, so deutsch-gemüthlich und so französisch-artig gegen Beide, daß er nach einem Zeiträume von sechs Tagen nicht voreilig zu fein glaubte, wenn er als Bewerber um die Hand Augustcns aufzutreten wagte. Er bat sich demnach eines Mittags bei der Frau Becher, die gerade besonders freuntfieb gegen ihn schien, eine Audienz unter vier Augen ans. Diese Audienz wurde ihm aufs geneigteste bewilligt,
Zwei Stunden später, nachdem er seinen inneren und äußeren Mepschen feierlich angezogen, ging Pfeffer in das Zimmer ter Frau
Becher, die er auf dem Sopba sitzens fanv. Sie lud idn febr zuvorkommend ein, Platz neben ihr zu nehmen. Pfeffer setzte sich, drehte feine Mütze mehrere Male zwischen den Händen herum und begann hierauf:
Ich bin des Junggcscllcn-Lcbcns müde. Ich habe ein bescheidenes Vermögen. Ich besitze' ein Haus, einen kleinen Garten. Ich bin kein Trinker, kein Spieler....
Sie sind ein braver Mann, unterbrach Frau Decher.
Pfeffer war durch tiefe Unterbrechung an genehm überrascht, nahm aber gleich wieder den Faden seiner Rede fölgèndeâäßen auf: Ich bin kein Spieler, ke n Trinker, und füéfc mich am wulsten, wenn ich ; in meinen vier P'ählcn bin. Ziemlich gutmülhig bin ich auch, und so 1 kann ein Weib, das nicht viel An prüche inachr, mit mir wohl recht glücklich werden.
Ich zweifle nicht daran, sagte Frau Becher sehr warm.
Pseffer, durch diese Bemerkung noch mehr aurgemuntert, faßte ihre Hand und sagte: Ihre Theilnahme gegen mich schien mir vom Anfang unserer Bekanntschaft so herzlich, daß ich wohl hoffen darf, Sie werden mir ....
Pfeffer, der sich vor dem Schlüsse dieses Satzes wie einst Iulius Cäsar vor teilt Rubicon, aushalten wollte, wurde durch die Frau Becher sehr freundlich aufgefortert, weiter za gehen» Er wiederholte also: Daß ich wohl hoffen darf, Sie würden mir die Hand . . . Er machte hier, am Rande des Rubicon, wieder eine Pause, mehr aus Vorsicht als aus Feigheit, würde aber durch einen pochst 'reuntficben Blick ter Frau Becher ermuntert, den Sprung zu wagen. Er begann also wieder: Daß ich wohl hoffen darf, Sie würden mir die Hand — Ihrer Tochter nicht versagen.
Kaum aber hatte Pfeffer das Wort „Tochter" ausgesprochen, als Frau Becher hef ig vom Sopha aufsprang und auf die Tyür zei- gend rief: Verlassen Sie augenblicklich ....
Der Zorn erstickte ihre Stimme so sehr, daß sic. den Satz nicht zu beendigen vermochte. Pfeffer aber wartete das Ende dieses SpieleS nicht ab, sondern ließ die Frau mit i rem Zorn allein.
Fünftes Cap tcl.
Vierzehn lange Jahre halte ter Erzvater Ja^ob warten gemußt, bis er feine geliebte Rachel als Gattin heimführen konnte. Während tiefer vierzehn Jahre mußte er dumme Schafe hüten und hatte, als er sich am Ziel seiner Wünsche glaubte, noch ras Unglück, ein blöd- âugigeâ Weib nehmen zu müssen und seine Freicrei wieder von vorn