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Wiesbaden. 1834

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Nr. 80.

Dienstag, 4 April.

IWkfchlmt

*+ Wiesbaden, ^ April. (Sitzung der ersten Kammer.) Präsident Ler zeigt an, daß Se. Hoheit der Herzog geruht hätten, die seitherigen landesherrliche Kommissäre auch für die diesjährige Sitzungsperiode zu ernennen.

Hierauf verlas Prâs. L e x ein Schreiben des Hrn. Staats­ministers, nach welchem Se. Hoheit der Herzog ebenfalls ge­ruht hatten, den Herrn Grafen Wälde r d orff Excellenz zum Präsidenten und den Hrn. Oberkammerherrn Freiherr von Bock Excellenz zum Vicepräsibeuten für den 1854r Landtag zu ernennen.

Präsidium sprach seinen Dank für das von ihm von Se. Hoh. dem Herzoge geschenkte Vertrauen aus und ersuchte die Versammlung ihm das bisherige Vertrauen auch fernerhin zu erhalten.

Weiter bemerkte Präsidium auf das in der Eröffnungs­rede von dem Herrn Staatsminister über den langsamen Fort­gang der Verhandlungen ausgesprochene Bedauernes müsse ebenfalls mit der Regierung sein Bedauern dahin aus­sprechen, daß beim Schluß des 1853r Landtags die Geschäste nicht weiter gediehen gewesen seien, allein dieses habe nicht in der Schuld der Kammer gelegen", welcher Erklärung sämmt­liche Mitglieder durch Erhebung von ihren Sitzen beistimmten.

Hierauf wurden die Abtheilungen zur Prüfung der Legiti­mationen gewählt und das Loos entschied zur 1. Abtheilung für die Abg. Bellinger, v. Eck und Wilhelmi; zur 2. Abtheilung für die'Abg. Höchst und Kraus; zur 3. Abtheilung für die Herren Marburg und Möller und für die 4. Abtheilung für die Herrn Grafen Walderdorff und Herrn Präsidenten Möller.

Reg.-Comm. Lex: Cs sei dec Wunsch der Regierung, baß die Berathungen über die noch unerledigte Gesetzentwürfe wieder da ausgenommen werden möchten, wo sie am Schluß des 1853r Landtags abgebrochen worden und aus diesem Grunde habe auch die Regierung nicht für nöthig gefunden, derselben von Neuem vorzulegen.

Präsidium: Die Kammer werde dem Wunsche der Regierung entsprechen, und beantrage, daß die seither für die noch unerledigten Gesetzentwürfe (Central - Organisation und Jagdgesetz) bestandene Commission fortbestehen, auch die Se- cretaire beibehalten werden möchten, welcher Antrag èie Zu­stimmung der Kammer erhielt.

Dann wurde zur Wahl des PetitousausschusseS geschritten in welcher die seitherigen Mitglieder Wilhelmi, Trom- b e t t a und H ö ck st wieder gewählt wurden.

Abg. Höchst VMMFMYMaüf, dâß die vor dem Schluß des 1853r Landtags noch vorgekommenen und noch unerledigt gebliebenen Petitionen bei dem neuen Landtage ihre Erledi­gung finden möchten, was einstimmig angenommen ward.

Präs. Möller, als Vertreter des Herrn Grafen von Schönborn-Wiesentheid bezog sich auf seine ihm bei dem 1852r Landtag ausgestellte Vollmacht, womit er sich auch für den 1854r Landtag legitimirt hielt, welche aber an die 2. Abtheilung zur Prüfung überwiesen ward.

Hierauf schloß die Sitzung und wurde auf morgen den 4 April, Morgens 9 Uhr die zweite Sitzung und die Tagesord­nung dahin bestimmt: daß 1) über den von der Mehrheit der Commssion beanstandeten Ministerial - Direetor (§. 1., Aliena 3 des Central-OrganisationsgesetzeS) zum zweitenMale abge- stimmt und 2) die Berathungen über das Central-Organisa- tionsgesetz fortgesetzt werden soll.

t* Wiesbaden, 4. April. In der Sitzung der 11 Kammer vom 1. d. wurde die Gesetzvorlage über Organi­sation der Centralbehörden bis zu §. 5, in der heutigen Sitzung aber bis zu Ende berathen und mit den

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Ferdinand Pfeffers Brantfahrt.

Eine Geschichte in sechs Capiteln von Dr. L. Kalisch.

5 (Fortsetzung.)

Am Brunnen waren bereits mehrere Gäste versammelt. Unter die­sen bemerkte Pfeffer Seraphinen, deren Verdruß über Nacht gewach­sen zu sein schien, so sehr war er durch das Neglige, in welchem sie sich noch befand, empor gegipfelt; der Oelhänrler Forsimcier war mit seiner brünetten Tochter auch zugegen ; besonders aber freute sich Pfef­fer die blonde Auguste zu sehen, obgleich deren Mutter, tie ebenfalls zugegen war, diese Freude etwas verkümmerte.

Die Gaste unterhielten sich gerade von dem Hunger, mit dem sie im Hause des Hofraths abgespeis't würden. Als nun Pfeffer an den Brunnen kam, wollten sie das Gespräch plötzlich abbrechcu. Dieser aber, uni sich gleich vortheilhaft einzUfuhren, bat die Anwesenden, durch seine Gegenwart in ihren gerechten Klagen sich durchaus nicht stören zulassen, er sei ja auch ihr Leidensgefährte, obgleich seine Sei« bon gestern Abend datirten.

Die Gesellschaft nahm die Aeußerung Pfeffers höchst wohlgefällig und die Frau Becher, Augustens Mutter, ergriff nun das Wort, 'eine Wasserkur, das ist eine Hungerciir, begann sie. Das kme Cur, die nur dem Hofrath, aber gewiß nicht den Gästen an« ES grrâ, als ob man die Kost aus der Älpothekc bekäme.

$. '$ ist so i>unn geschnitten wie Brillengläser. Von den Cotc- iets, tue gestern Mittag auf den Tisch kamen, hätte man ein Paar in einen Brief legen können, ohne daß dadurch doppeltes Postporto verursacht worden wäre. Was man durch Ueberstuß an Wasser der nf 1 (ca uutzt, schadet man ihr durch den Mangel an Nah­rung. An diese Hellanstalt werde ich ewig denken.

überhaupt gar nicht ein, begann der Oelhändler Forst- Ml?!" am Main, wie das ewige Baden und Wasser-

Der Mensch ist kein Fisch, wort^"^kh kst Fletsch. Und Fleisch gibt wieder Fleisch, sagt das Sprüch- Ord vergekommen, um mich zu erholen; aber ich bin in den mir Mlcr erlebt habe, schon so sehr abgemagert, daß um die ÄÄ U vcr nur früher zwei Räthe geplatzt sind, jetzt viel Vor dieser vermaledeiten Cur hatte ich zu Fett für meine Kiewer letzt habe ich zu viel Kleider für mein

aus der Berathung bervorgegangeuen Abänderungen mit 16 Stimmen (Metzler, Schlachter, Gödecke, Halbey, Wirth, Rull­mann , Braun, Vogler, Keim, Sebastian, Münch, Ulrich, Knapp, Dombois, Schellenberg, Reichmann) gegen 7 (Hey­denreich, Rau, König, Lang, Schwickert, Schrodt, Schäfer) angenommen. Ueber die sehr ausführlichen und zum Theil interessanten Debatten über das Gesetz werden wir in der nächsten Nummer genauen Bericht erstatten. Das Ende bei­der Sitzungen betraf einen höchst eigenthümlichen und im constitutionellen Staatslebeu unerhörten Gegenstand, welcher zudem, zumal in der letzten Sitzung, unter dem Vorsitze des 1. Viccpräsidenten Reich ma nn auf noch eigenthümlichere und unerhörtere Weise behandelt wurde.

In der Sitzung vom 1. April interpellirte nämlich Abg. Braun für sich und andere Abgeordnete die H. Reg.-Com etwa in folgender Weise : In der auch durch die Presse ver­öffentlichen Rede, womit der Herr Staatsminister im Namen Sr. Hoh. des Herzogs am 30. März die diesjährige Stände­versammlung eröffnet, habe derselbe gesagt:Zu meinem Bedauern hat die Berathung der dem vorigen.Landtage über­gebenen Gesetzesvorlagen während seiner wiederholten Einbe- rufung nicht den Fortgang genommen, welchen die Regierung im Interesse des Landes gewünscht hätte rc." Aehuliche Aeu­ßerungen seien auch theils von den landesherrlichen Commis- sarie», theils von einem mit diesem Gegenstand ausschließlich sich befaffenden Mitgliede der zweiten Kammer mehrfach in öffentlicher Sitzung gemacht worden. Wenn es wirklich die Ansicht der Herzog!. Regierung sei, daß die Ständeversamm­lung einen solchen Tadel verdiene, so möge sie es, statt durch dergleichen unbestimmte Aeußerungen die Würde aller Mitglie­der zu kränke», der Ständeversammlung in deutlichen, klaren Worten und mit Angabe der Gründe sagen, damn, wenn der Tadel unbegründet sei, den Ständen Gelegenheit zur Wider- leguiig, wenn aber begründet, Aulaß zur Abhülfe gegeben würde. Die Interpellanten stellten daher an die H. Reg.- Commissarien die Anfrage: ob die Herzog!. Staatsregierung die Absicht gehabt habe, die Ständeversammlung oder eine Kammer oder einzelne Mitglieder einer pflichtwidrigen Un« thätigkcit zu beschuldigen? und eventuell: womit sie glaube, einen solchen Vorwurf rechtfertigen zu können? Reg.-Com. Vollpracht versprach, die Anfrage zur Kenntniß der Herzog!. Regierung zu bringen.

Abg. Rau (welchem Vicepräsident Reichmann, noch ehe er wußte, wozu sich der Herr Abgeordnete das Wort erbeten habe, die Bemerkung, entgegen hielt, nach der Ge­schäftsordnung sei keine Disciysion über eine Interpellation zulässig!) erklärte, daß er sich der Interpellation anschließe. Ebenso Abg. Heydenreich. Abg. Halbey dagegen sagt: er erkläre seine Zustimmung nicht.

Hierauf theilte am Schlüße der heutigen Sitzung der Abg. Metzler eine von ihm und den Abg. Rullmann, Reich - m a n n D o m b o i s, H a l b e y, Keim, Schellen­berg, Vogler unterzeichnete Erklärung mit, welche durch die neuliche Interpellation des Abg. Braun und Anderer bezüglich des H. Ministers veranlaßt worden sei, etwa dieses Inhalts: Der Abg. Braun habe mit 9 andern Mitgliedern der zweiten Kammer in der öffentlichen Sitzung am 1. April eine Interpellation an die H. Reg.-Comm. gerichtet, in wel- cher er sich Erläuterung erbitte über die Gründe, welche den in der Eröffnungsrede ausgesprochenen Ausdruck des Bedau­erns veranlaßt hätten. Dabei werde von dem Abg. Braun deutlich zu verstehen gegeben, daß die zweite Kammer wegen ihrer Geschäftsbehandlung einen Tadel nicht verdiene. Dieser Interpellation sei von den Abg. Rau und Heydenreich jUgestimmt worden. Die mit 'ihm (M e tz l e r) unterzeichneten

Fett. Ich habe kaum mehr Kraft mich im Wasser zu halten. Diese Heilmethode ist eine Sünde gegen die Natur. Heilt man denn einen kranken Fisch dadurch, daß man ihn in's Trockene legt? Wie kann man also einen kranken Menschen dadurch heilen, daß man ihn in's Warcr legt? Das ist doch wahrhaftig klar.

Klar hin, klar her! begann der. Drill-Fabricant Schmunßig aus Chemnitz, ein dünnes abgekämmtes Männchen. Die Frage ist nicht, ob der Mensch Fisch oder Fleisch ist; die Frage ist, wie wir zu besserer Kost kommen. Meine unmaßgebliche Meinung ist also--

Der Drill-Fabrikant Schmunßig wurde in der Mittheilung seiner unmaßgeblichen Meinung durch den Justiz-Canzelisten Eppig unter­brochen, der verdrießlich und noch halb im Schlaf an den Brunnen kam. Als man ihn um die Ursache seines so zerstörten Aussehens fragte, begann er:

Ich habe ^eute eine Nacht zugebracht, wie ich sie meinen ärgsten Feinden nicht wünsche. Ich lege mich zu Bette, nachdem mein Emil eingeschlafen war. Ich schlafe ebenfalls ein, als ich plötzlich durch das Stöhnen und Acchzen meines Emil aufgeweckt werde. Was fehlt dir mein Sohn? fragte ich meinen Sohn. Dieser aber wälzt sich krampf­haft in seinem Bette, und als ich ihn bei Licht betrachte, sehe ich zu meinem Schrecken, daß sein Gesicht ganz verzerrt ist. Ich wollte den Hofrath wecken lassen; aber mein Emil wollte cs nicht zugebrn. Ich frage ihn nochmals: WaS fehlt dir mein Sohn? und der arme Zunge sagt mir, daß er gestern, als er im Garten spielte, einen schrecklichen Hunger bekam, und um ihn zu vertreiben, sich au den Aepfcln vergriff. Das arme Kind hat über zwanzig Acpfel gegessen. Aepfel im Juli! Unreife Aepfel vor Hunger! Er hätte braus gehen können, wenn sich die Natur nicht geholfen hätte. An diese Heilanstalt werde ich ewig denken!

Meine unmaßgebliche Meinung ist also, begann der Drill-Fabri- cant Schmuntzig aus Chemnitz, nachdem sämmtliche Mitglieder der Gesellschaft sich in laute Klagen über die schlechte Kost ergossen, daß wir heute, unmittelbar nach Tische, in das nächste Dorf gehen und uns dort nicht allein satt essen, sondern auch Vorrath holen. Wir müssen uns nothwendig verproviantire». Das ist meine unmaßgeb­liche Meinung.

Der Gesellschaft gefiel der Vorschlag des chenmitzer DrilliFabrican- tcn so wohl, daß er ohne fernere Erörterungen von der ganzen Ge­sellschaft zum Beschluß erhoben wurde.

Während dieser Unterhaltung, so wie im Laufe des Vormittags

Mitglieder finden jedoch das von dem H. Minister auSge- drückte Bedauern erklärlich, daß die Behandlung des Gesetz­entwurfs nicht den zu wünschenden Fortganz gehabt habe; sie möchten daher auch der in der Eröffnungsrede ausgesprochenen Bezeichnung zustimmen, und finden sich zu dieser Erklärung besonders noch dadurch veranlaßt, weil der Ton der Inter­pellation unangemessen sei und ihr Inhalt in offenbarem Wider­spruch stehe mit den Ansichten vieler Kammermitglieder uud ihrer Auftraggeber.

Nachdem der mitunterzeichnete und als Vicepräsident in dieser, wie in der vorigen Sitzung den Vorsitz führende Abg. Reichmann in solcher Weise (freilich gegen die klaren Be­stimmungen der sonst mit so unpartheilicher Strenge gehand­habten Geschäftsordnung) einen Angriff auf die Interpellation des Abg. Brann zugelassen hatte, mußte er denn freilich den Angegriffenen auch eine weitere Discussion gestatten, jedoch nicht ohne wiederholte Versuche, dieselbe zu verkürzen. Zu­nächst sprach

Abg. Braun: Die eben von Hrn. Abg. Metzler ge­hörte Erklärung beruhe zum Theil auf Irrthümern. Ehe man die von ihm gestellte Interpellation für ungeeignet erklärt und eine solche gar nicht zulässige Kritik darüber ausgesprochen, hätte man sich doch erst besser von ihrem Inhalt informiren sollen. Es stehe kein Wort davon in der Interpellation, daß ein Vorwurf die Kammern nicht treffe, sondern daß ein sol­cher, wenn man ihn erheben wolle, mit Angabe der Gründe deutlich ausgesprochen werde. Früher habe er gegen Vog- ler's Antrag, der einen ähnlichen Vorwurf enthalten habe, gestimmt, weil er glaube, daß die Kammer ihre Schuldigkeit gethan. Aber es sei etwas anderes, wenn ein solcher Vor­wurf von einem einzelnen Mitglrede, und wenn er vom Staats­minister erhoben werde; dann sei Klarheit zu wünschen, aber das diplomatisiren tauge nichts. Entweder tauge die Kammer etwas, dann müsse man sie mit unbegründetem Tadel verscho­nen; oder sie tauge nichts, dann müsse man sie auflösen.

Reg.-Comm. Vollpracht bedauert, auf die Interpella­tion heute nicht anworten zu können, weil sie ihm noch nicht mitgetheilt sei; er behalte sich daher die Antwort auf die nächste Sitzung vor.

Abg. Rau: Die Erklärung, welche uns der Hr. Abg. für Weilburg in seinem und mehrerer andern Mitglieder Na­men vorgelesen hat, kommt theils zu frühe, theils zu spät. Sie kommt zu frühe aus den von dem Hrn. Abg. für Rüdesheim angegebenen Grunde; sie kommt aber auch zu spät, weil die betreffenden Herrn, wenn die Kammer unthätig gewesen wäre, schon längst zur größeren Thätigkeit anrezen und nicht erst die Eröffnungsrede des Herrn StaatsministerS hätten abwarten sollen. In ihrer Erklärung geben dieselben ein eben so unbegründetes als unbefugtes Urtheil ab. Die Ehre aber, welche sie dadurch sich erworben, ist ihnen wohl zu gönnen.

Metzler: Er habe Braun's Interpellation nicht er­halten können. Uebrigens sei ihm nebst den andern auf seine Erklärung mitunterzeichneten Herren der Eindruck vom Ganzen, der volle Eindruck von der Sache ganz bekannt und das reiche zu Abgabe der Erklärung hin. In dieser sei kein Tadel ausgesprochen, sondern nur, daß das in der Eröffnungsrede ausgesprochene Bedauern durch die lange Dauer der Ver- Handlungen begründet sei.

Braun: Man erlebt in der That seltsame Dinge. Ich sitze seit 5 Jahren in der Ständeversammlung, aber eine solche Verhandlung ist mir noch nicht vorgekommen. Bisher habe man es den Interpellanten überlasten, was aus ihrer Inter­pellation würde und was sie dann weiter thun wollten. Aber die Kritik einer solchen Interpellation vor der Beantwortung

hatte Pfeffer alles Mögliche gethan, was ihn in den Augen Augusten» und deren Mutter liebenswürdig konnte erscheinen lassen. Da er sah, daß die Mutter mit einer wahrhaft russischen Tyrannei die Tochter behandelte, so hielt er es fürs Beste, den Weg zum Herzen der Toch­ter auf dem unangenehmen Umwege des Herzens der Mutter zu ma­chen. Er widmete also dieser die allerhöflichste Sorgfalt und warf sich zum Schiedsrichter auf, wenn die mütterliche Selbstherrschaft gegen die Tochter zu weit ging.

Am Mittagstischc nahm er Platz zwischen Beiden. Sein ritterlich gesinnter Arm griff bei jeder nur 'halb günstigen Gelegenheit in die spärlichen Tafelfrcudcn und reichte der Frau Becher das verhältniß- mäßig Schönste, was zu finden war; und wenn die Kritik der Mut­ter gegen Augusten zu weit ging, gab er jener wohl Recht, trat aber dieser leise auf den Fuß, oder drückte verstohlen ihren Arm znm Zei­chen, daß er im Herzen i h r Recht gebe. Mit derartigen diplomatischen Kniffen leitete Pfeffer seine Bewerbung ein und hatte jetzt schon die Freude, wahrzunehmcn, daß er die Gunst der Mutter errungen und daß die Tochter in ihm einen Beschützer sah.

Unmittelbar nach Tische schickte man sich zur VerproviantirungS- Reise an Die Vorbereitungen dazu von Seiten der Damen nahmen so sehr viel Zeit in Anspruch, daß die Verdauung der Mittagstafel bereits vorüber war, ebe man sich auf den Weg begeben konnte. Als man endlich auf dem Wege war, bemerkte Seraphine, daß sie ihren Shawl vergessen. Die Gesellschaft mußte Halt machen, und da Sera­phine wegen ihres allzu sehr gewölbten Rückens sehr kürzathmig war, so dauerte es zum Verdruß der Harrenden über eine halbe Stunde, bis fic, mit dem Shawl in der Hand und mit Entschuldigungen im Munde, wieder bei der Karavanc war, die sich nun abermals in Be­wegung setzte, um nach fünf Minuten abermals Halt zu machen. Emil, 'dcS Justiz-Canzelisten Söhnchen, mußte nämlich einer unauf­schiebbaren Angelegenheit wegen, die mit den gestern genossenen un- zeitigen Aepfekn in dirccter Beziehung stand, sich mit seinem Vater von der Gesellschaft entfernen, die wenigstens eine Viertelstunde auf Beide harren mußte.

Kaum war man wieder zehn Minuten gegangen, als sich ein Zwist über den cinzuschlagenden Weg entspann. Der Justiz-Canzelist meinte, man müßte stets in gerader Richtung fortgehen; Forstmeier behaup­tete, daß man den Seitenweg links rinschlagen müßte, und der Drill- Fabrikant Schmuntzig, der die Gegend am besten zu kennen versicherte, sagte, daß man sich verirren würde, wenn man nicht gleich den Weg