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schreibe, erzittert die Luft von einem so furchtbaren Ka­nonendonner, daß auf fünf Meilen Entfernung die Fenster meines Gartenzimmers erzittern. Die Flotte hält offenbar heute Morgen Schießübung; wäre sie ein paar Meilen näher, so würde kein Fenster in der Stadt auch nur eine Minute lang ganz bleiben. Die Bevöl­kerung strömt zu Hunderten hinaus, obwohl im Grunde noch wenig zu sehen ist. Wenn die Flotte gesammelt in unserm Hasen einlaufen sollte, so dürfen wir ein Schauspiel erwarten, wie es wohl einzig in der Welt sein möchte. Man ist daher auss äußerste gespannt darauf, ob diese Hoffnung in Erfüllung geht oder nicht. Wie eS heißt, begibt sich die englische Flotte von Kiel nach der Kjogebucht, südlich von Kopenhagen.

Königsberg, 27. März. (K. Z.) Bor eini­gen Tagen ist auf dem hiesigen Haupt-Steueramt für Rechnung der r u s s i s ch e n Krone ein eigenthümlicher Artikel als Transito-Waare versteuert worden, nämlich 52,000 Paar lackirte Gummi-Schuhe, welche nebst den Fabricanten hier angelangt sind; man glaubt, daß dieselben einstweilen den mangelnden Bedarf an Schuh­werk für die Armee ersetzen sollen.

Berlin, 29. März. Die erste Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung in Betreff des Maisch steuer- Gesetzes den Beschluß der zweiten Kammer abgelebnt, dagegen die Regierungsvorlage angenommen.

Der Sr. Majestät dem König zugestoßenc Unfall ist, wie dieZeit" hört, auf folgende Art entstanden. Sc. Majestät hatten noch am Abend im Zwielicht wie gewöhnlich einen Spazirgang im Schloßgarten gemacht, als einer jener heftigen Wirbelwinde eintrat, die wir in den letzten Tagen häufiger hatten. Dadurch wurde Sr. Majestät im Gesträuch ein Dornzweig in's Gesicht geschleudert, der die Haut unter dem Auge tief einriß. Se. Majestät hatten anfänglich nicht darauf geachtet und den Spaziergang fortgesetzt, später jedoch in Folge eintretenden Uebelfindens sich zur Umkehr entschlossen, worauf dann entdeckt wurde, daß die Kleider mit Blut bedeckt waren und ein starker Blutverlust ein getreten sei. Eine genauere ärztliche Untersuchung ergab, daß ein kleines Blutgesâß von dem Dorn durchrissen sei, worauf sofort die erforderlichen Vorkehrungen getroffen wurden.

Die von der zweiten Kammer mit der Prüfung des außerordentlichen Creditverlangens der königlichen Staatsrcgieruug beauftragte Commission hat^. in ihrer Sitzung vom 28. d. Mts., sich für den nach­stehenden Antrag entschieden: Die Kammer möge be­schließen:In Erwägung, 1) daß bei den drohenden Kriegsgefahren das Bedürfniß nicht verkannt werden kann, der Regierung Sr. M. des Königs die geforder­ten Geldmittel zu gewähren, um die Ehre und Unab­hängigkeit des Vaterlandes zu wahren, die Interessen des Landes zu vertheidigen, sowie in Erwägung 2) daß die Regierung Sr. M. deS Königs dir Erklärung ab­gegeben hat, auch ferner in der bisher verfolgten Poli­tik beharren und demgemäß im Verein mit den Cabi- neten von Wien, Paris und London und insbesondere in innigem Zusammenwirken mit Oesterreich und den übrigen deutschen Staaten aus die schleunige Herstellung des Friedens auf der Grundlage des Rechts, wie solche in den Wiener Protokollen ausgesprochen ist, unter Wah­rung der Freiheit ihrer Entschließung für ein actives Einschreiten, hinwirken zu wollen zwei Gesetzentwürfen, betreffend den außerordentlichen Geldbedarf der Militär­verwaltung für bas Jahr 1854, sowie die Beschaffung der zur Deckung desselben erforderlichen Geldmittel, die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen.

Aus Berlin 26. März wird der A. 3 geschrie­ben: Die Verhandlungen mit Oesterreich sind in bestem Gange, oder vielmehr es ist bereits als Gewißheit zu betrachten, daß Preußen mit Oesterreich u n d dem gesummtem de u t s ch e n B u » d e sich zu einer Neutralität vereinigt, die nur durch die gemeinsamen Ju- tereffen der deutschen Mächte ihre Bedingungen erhält und sich diese so wenig von Rußland als von England und Frankreich vorschreiben läßt. Die Enthüllungen der geheimen englisch - russischen Correspondenz haben ebensowohl als die Lucrubatioucu in der französischen Thronrede und in den Artikeln des Moniteur und der Times den deutschen Mächten gezeigt, daß in St. Pe­tersburg wie in Paris und London hinter jeder Sam­metpfote eine Kralle steckt. Die Zumuthungen der eng­lischen und der französischen Presse, den Westmächten unbedingt sich in die Arme zu werfen, sind wirklich zu naiv, um nicht zu sagen zu unverschämt. Man weist uns auf die Hinterhältigkeit der Gedanken des russischen Cabinets. Unnöthige Mühe! Wir kennen diese Hin­terhältigkeit so gut als man sie irgendwo kennt; aber wie man in Paris und London mit den deutschen In­teressen umspringt, welche Plane man dort hegt, wenn Oesterreich und Preußen sich nicht ihrem Willen unbe­dingt fügen, das braucht man ja nicht erst zu errathen und zu entschleiern, man spricht es ja offen aus, in tausend Bravaden und Rodomontaben, man droht Oe­sterreich hundert- und hundertmal mit Italien und Un­garn, Preußen mit Polen und der Rheingrenze, während man den Mittel- und Kleinstaaten Deutschlands durch eigene Gesandte, die man selbst an die kleinsten Höfe ichickt, um den Bart streicht, um sie desto gewisser fassen zu können. Um das zu sehen braucht man kein Russen- freund zu sein; die Russenfreunde sind hier wie überall

in Deutschland, gar dünn gesart; aber um es nicht zu sehen muß man blind sein.

Die Hamburger Nachrichten und, nach ihnen, mehrere andere Blätter haben vor einigen Tagen die Mittheilung gebracht. daßan die Direction der thüringischen Eisen­bahn, wie alle anderen von der östlichen bis zur west­lichen Grenze Preußens seitens der königlichen Re­gierung die Aufforderung ergangen sei, ungesäumt dahin Vorkehrungen zu treffen, daß jeden Tag 12,000 Mann Militär auf ihrer resp. Bahn befördert werden können." Es wurde daran die Vermuthung geknüpft, daßdie Ausstellung 'eines sehr ansehnlichen ObservationsheereS an der westlichen Grenze Preußens demnächst stattfinden werde". Die officiösePreußische Correspondenz" be­merkt dagegen, daß jene Nachricht und die daraus her­geleiteten Schlußfolgerungen jedes thatsächlichen Anhaltes entbehren.

Nach demC. B." hat Preußen noch in den letz­ten Tagen in Bezug auf den badischen Kirchenstreit der großh. Negierung die möglichste Unterstützung und Vertretung in Rom zugesagt.

Es verlautet, daß einige Bundesregierungen Da- nemärk als Bundesmitglied zu einer Aeußerung über seine specielle Neutralitätserklärung veranlassen sollte.

Der Neutralitätsvertrag zwischen Oesterreich und Preußen soll in seinen Hauptzügen bereits genehmigt sein, und cs soll sich nur noch um Modifikationen ein­zelner Detailbestimmungen handeln. Man glaubt einen baldigen Abschluß dieser Verhandlungen, die den Gegen stand der Sendung des Barons Heß bilden, erwarten zu können.

DieNeue Preußische Zeitung" bemerkt:Wahr- scheinlich sind die zwischen Preußen und Oesterreich stattfindenden Unterhandlungen jetzt auf einem Puncte angelangt, wo das Verhalten der deutschen Ge- sammt kraft festgestellt wird. DieserUmstand macht unzweifelhaft Epoche in der Geschichte Deutschlands wie in den allgemeinen Verwickelungen der Gegenwart, und muß von entscheidendem Einflüsse auf das Schicksal Europa's sein. Daher ist es vielleicht zweckmäßig, einen Blick auf die letzte Vergangenheit zu werfen. Von alter Zeit her sind dieDeutschen Hiebe" so wohlbekannt, daß jede kriegführende Partei ihre Wucht gern für sich ausbeulen möchte. Wenn deshalb das britischeund französische Cabiuet Alles für diesen Zweck auf­bot, so darf eS nicht befremden, und eben so wenig die auf das gleiche Ziel gerichteten Bestrebungen ihrer Ta­gespresse. Sogar die Grobheit derTimes" kann man mit einiger Seelenruhe hinnehmen; sie verräth minde­stens , welcher Werth jenseit des Canals auf unsere Parteinahme gelegt wird. Allein die deutschen Pnblicisten hatten gewiß eine ganz andere Aufgabe! Leider muß beim Üeberblicken des GebahrenS ihrer über^ wiegenden Mehrzahl während der letzverflossenen Mo­nate dem Patrioten Schamröche das Gesicht färben. Dieselben Leute, welche vor Jahren die Einheit Deutsch­lands priesen und auf unmöglichem Wege anstrebten, scheinen keine Ahnung davon zu haben, daß der Augen­blick gekommen ist, in welchem der große mitteleuropäi­sche Staatenbund eine selbstständige und gewichtvolle Politik durchführen kann. Immer ist nur vom Nach­treten hinter den Westmächten die Rede, und was als Motiv angeführt wird, r och trauriger als die Sache selbst. Zerlegt man nämlich jene Erörterungen, so sprin­gen zwei Grundgedanken hervor. Erstens : es fällt eine solche Streitkraft über den gefährlichen Nachbar her daß nur geringes Risico darin liegt, wenn wir, die gute Gelegenheit benutzend, gleichfalls losschlagen. Elende Gesinnung mit einer robusten Unwissenheit verbunden! Die Leute besitzen keine Ahnung davon, welche Wider­standskraft das russische Reich besitzt, wenn der Be­herrscher desselben den Kopf nicht verliert. Und Kaiser Nikolaus wird ihn sicherlich nicht verlieren. Zweitens: geschieht unser Anschluß lucht freiwillig, so werden wir dazu gezwungen, es ist also besser, den Schein zu retten. Solcher Niedertracht gegenüber wäre für unsere Leser jedes Wort überflü^g. Etwas besser ist. das Ver­halten derer, die angeblich nur darum besorgt sind, daß wir aus demeuropäischen concert" fallen würden. Ihnen diene zur Antwort, daß ein Staatenbund von der Größe und geographischen ^age des unsrigen, welcher zu­gleich über mehr als eine halbe Million guter Soldaten verfügt, niemals unbeachtet bleiben, oder gar bei Seite geschoben werden kann." DaS Alles ist gewiß recht gut und schön, bemerkt treffend dasMainzer Journ.", nur wäre zu wünschen, daß die preußische Presse, statt der etwas ungewöhnlichen Ausdrückedeutsche Gesammt- kraft",großer mitteleuropäischer Staatenbund" u. s. w. sich der allbekannten Bezeichnung Deutscher Bund bedienen möge. Was die Neue Preußische hier erst sucht, haben wir ja schon längst fix und fertig, lebendig und wohlorganisirt in Frankfurt am Main und wir brauchen blos Kräfte zu benutzen, die bisher zu un­freiwilligem Schlummer verurtheilt waren. Dann, aber auch nur dann sind wir zu Schutz und Trutz gerüstet, dann erst wird die Neutralität möglich und Engländer und Franzosen werden uns eben so wenig Sorge machen wie die Russen. Es sind Freunde, die eS alle drei gleich gut mit Deutschland meinen und mit denen man am besten fährt, wenn man sie möglich fern hält!

Wien, 27. März. Dr Nachricht von einem abermaligen ruchlosen Attentate a^ ein gekröntes Haupt, chreibt man derN. Pr. 3hl '' hat heute die Ge­müther erschüttert. Se. k. H. der Herzog von Parma wurde gestern zwischen 5 und 6 Uhr Abends in seiner Residenzstadt auf offener Straße (in der. Strada Santa Lucia) durch einen Dolchstich von unbetonter Meuch- lerhand höchst gefährlich verwundet. Die Wunde ist am Unterleib, reicht bis in die die Bauchhöpchund der Stoß des Meuchlers scheint leider edle Theile schroffen zu haben, da sich in der Nacht ein höchst bedenl^ches Bluterbrechen einstellte und bis gegen 3 Uhr Morges fortdauerte. Der erlauchte Verwundete selbst sprach sich nach seinen Empfindungen dahin aus, daß die obere' Gegend des Magens verletzt sein dürfte. Nach den letzten Berichten, die bis heute 6 Uhr 40 Minuten Morgens reichen, war zwar eine Stillung des Blut- brechens und in dem außerordentlichen Leiden des hohen Kranken einige Milderung eingetreten, zugleich hatte sich aber ein bedenkliches Sinken der Kräfte eingestellt. Se. k. Hoheit bestand selbst darauf, schon vor Mitternacht mit den heiligen Sakramenten der Sterbenden versehen zu werden. (Der Tod erfolgte am 28.) Die Straße Santa Lucia ist eine der belebtesten Straßen und war zur Zeit, als der Meuchelmord verübt wurde, des Sonn­tags wegen von einer noch größeren Menge als sonst durchwogt. Der Herzog war wie gewöhnlich allein unb ; in österreichischer Uniform.

DieKöln. Ztg." bemerkt in einem Wiener Corre- spondenzartikel aus Anlaß der Ermordung des Herzogs von Parma:Ob politische oder persönliche Motive zu dieser That den Anlaß gegeben haben, ist, da der Mörder nicht aufgegriffen worden , natürlich unbekannt. Säugnen jedoch läßt sich nicht, daß die letzt erlassenen, durch nichts gerechtfertigten Finanz-Decrete des Herzogs als: Zwangs-Anlehen, Papiergeld-Emission rc. sehr böses Blut gemacht haben. Bei so bewandten Um­ständen findet die löbliche Kölnerin es ganz in der Ordnung, wenn man zum Dolch greift!

Wien, 28. März. Das Befinden des Erzherzogs Wilhelm ist heute etwas besser. Die Theilnahme der Bevölkerung für den liebenswürdigen und hochbegabten Prinzen ist eben so allgemein als lebhaft.

Erzherzog Wilhelm ist der jüngste Sohn des Erzherzogs Karl, Coadjutor des Hoch- und Deutsch­meisterthums des deutschen Ritterordens. Zur Zeit der Verwundung des Kaisers von Oesterreich wurde Herzog Wilhelm Stellvertreter Sr. Majestät. Er steht jetzt im 27. Lebensjahr.

Die Stärke unserer an der Sau und der Donau aufgestellten Truppenmacht soll auf 120.000 Manw sich belaufen, was jedenfälls genügen dürfte, um unvorher- ^sehene^ Eventualitäten kräftigen Widerstand zu leisten. Die Türken haben Belgrad reparirt und mit neu ge­gossenem Geschütz versehen; man weiß, daß eine be­trächtliche Zahl magyarischer Flüchtlinge in dieser Fe­stung weilt, wcßhalb die Serbien gegenüberliegenden Donauinseln durch unsere Truppen besetzt und ver­schanzt werden.

Frankreich

Paris, 30. März. (F. Blch Die englischen Trup­pen sind von Malta nach Galipoli abgegangen, wo 4000 Mann französischer Truppen am 24. März schon eingetroffen sind. Es werden daselbst mit den bereits aus Frankreich und von Algier abgesendeten 15,000 Mann bis zu Anfang deS Mai 50,000 Mann versi« nigt sein. Schon jetzt werden jedoch Maßregeln getroffen, um diese Zahl, wenn es nothwendig erscheint, zu ver, mehren. Im Interesse der neutralen Mächte verzichtet die französische Regierung auf Ausübung des Kriegs­rechts, mit Ausnahme der Einschwärzung aller Kriegs­artikel und der Verletzung des Blokadezustandes. Ka­perbriefe werden nicht ertheilt.

Man hat sich viel den Kopf zerbrochen über eine in der Tagesordnung des Senats angekündigtePro­position", die gcheimnißvoller Weise in den Abtheilun­gen mitgctheilt werden soll. Nach eingezogener Infor­mation handelt eS sich lediglich um den Antrag des Senators Ladoucette, die Regierung zum Entwurf eines Bauern.Codex (Code rural) einzuladen. Der Sena- Hat nämlich für gemeinnützige Vorschläge eine constitu- tionelle Initiative. Die Musikcorps der Pariser Garnison üben-sich schon dasGod save the Queen!' ein um den Herzog von Cambridge und die durchkom­menden Soldaten damit zu empfangen. Tempora mu- tantur.

In dem betreffenden Ausschüsse des gesetzgebenden Körpers sind drei Mitglieder dafür und vier Mitglieder dagegen eine gerichtliche Verfolgung gegen Herrn von Montalcmbert eintreten zu lassen. Die ganze grie­chische Küste wird demnächst von einem englisch-franzö­sischen Geschwader blokirt und wenn dann die Bewegung sich noch nicht legt, das Land selbst durch französische Truppen besetzt und an der Grenze von EpiruS ein Cordon gezogen werden. Auf den jonischen Inseln herrscht eine so gewaltige Aufregung, daß der Lord- Obercommissär dringend weitere Truppen verlangt, weil er mit den ihm zu Gebot stehenden 3000 Mann seine getreuen Pflegempfoblenen (250,000 Seelen) nicht län­ger im Zaume halten kann.

DerKöln. Ztg." wird geschrieben: Obgleich die