Einzelbild herunterladen
 

ruhe auS durch Spione Ler großherzoglichen Partei verfolgt werden, veranlaßten uns, den Weg über Heil­bronn nach Stuttgart einzuschlagen, woselbst wir am 1. Juni eintrafen. Denselben Nachmittag noch hatte ich in Kannstadt eine Zusammenkunft mit den einflußreich­sten Häuptern des württembergischen LandeSausschusses und eine zweite am nämlichen Abend in Stuttgart, die kurz vor Mitternacht endete. Inzwischen hatte Steinmetz einige andere Besuche gemacht und wir waren nach we­nigen Minuten unter uns einig, daß er mit dem ersten Morgenzuge über Heilbronn nach Karlsruhe eile, um dorten zu berichten:daß, sv weit es von den Volks- Häuptern abhânge, auf eine Betheiligung des würtlem- bergifchen Volkes an unserem Kampfe im geringsten nicht zu rechnen sei." Steinmetz reiste ab, ich aber wollte noch einen letzten Versuch machen, um den un­säglich feigen Becher, daS Haupt des württembergi­schen Landesausschusses, zu einem mannhaften Entschlusse zu bewegen, oder falls dieses nicht gelänge, mindestens eine runde Antwort von ihm zu erlangen. Auf mein entschiedenes Begehren erhielt ich endlich letztere, indem er mir erklärte:'Von Württemberg haben Sie nichts zu erwarten." Mein Entschluß war sogleich gefaßt, nach dem württembergischen Schwarzwald zu reisen, allein während ich zu diesem Zwecke noch einige Einkäufe machte, hielt mich der Polizei-Commissär Bullin­ger auf der Straße an, mildem Bemerken, daß er mich auf das Stadtamt einzuladen habe, woselbst mir eine Eröffnung zu machen sei. Dort angelangt, wurde mir blos mitgetheilt, daß ich in Folge einer von Karlsruhe eingegangenen Anzeige verhaftet und sogleich nach Ho- hrnaSperg geführt werde, waS auch ohne Aufenthalt ge­schah. Zwei Tage darauf erschien Stadtrichter Bechler aus Stuttgart, um mir die durch die deutschen Grund­rechte vorgeschriebene richterliche Bestätigung meiner Haft anzukündigen. In seiner schriftlichen Erklärung dieses Falls sagt er, daß ich auf die Anzeige hin ver­haftet worden sei:eine bedeutende Summe Geldes aus der badischen StaatScasse erhalten zu haben, um damit Württemberger Militair zu bestechen." Am 28. Juni, dem Tage nach dem Einzuge der preußischen Truppen in Karlsruhe, Morgens um 8 Uhr, trat der Festungsadjutant in mein Zimmer, mir zu eröffnen: Seine Majestät sei angekommen und er habe mich zu ihr zu begleiten. Der König empfing mich im Beisein des FestungScommandanten, Oberst Sonntag, auf dessen Zimmer, benachrichtigte mich von der Besetzung der Stadt Karlsruhe durch preußische Truppen und dem Siege derrechtmäßigen Regierung", wies auf das in Baden eingeführte Standrecht und seine Folgen für mich bei Auslieseruna vou. Wüillciäer^S chin ruch knüMè daran die wiederholte Zusicherung aufkönig- licheS Wort": daß eine Auslieferung meiner Person nicht statthaben werde, wenn ich seine Fragen wahrheitsgetreu beantworte. Diese Fragen waren in ihren wesentlichsten Puncten darauf gerichtet, daß ich 5000 fl. auS der ba­dischen StaatScaffe zur Bestechung des Württembergs scheu Militärs erhalten und in welcher Verbindung ich mit den württembergischen Volksführer» gestanden? Ich nahm das königliche Versprechen hinsichtlich der Aus- lieferungSverweigerung an, sicherte wahrheitsgetreue Beantwortung der an mich gestellten Fragen zu und erklärte dann mit aller Bestimmtheit und bei Haft barkeit meines Kopfes, daß ich 1) statt 5000 fl. zur Bestechung des württembergischen Militärs nur 150 Gulden zur Bestreitung der nöthigen Reisekosten aus der badischen StaatScasse empfangen und 2) in keiner Verbindung mit den württembergischen Volks- führern gestanden, indem mir dieselben viel zu diplo- malisch vorgekommen seien. (Hierauf erzählt Fickler Verschiedenes über die Verhöre und über die gegen ihn geschehene Anzeige durch zwei Karlsruher und fährt also fort:) Allein auf mehrfache Aufforderungen deS württembergischen Untersuchungsrichters, die durch das Stadtamt Karlruhe an die Denuncianten ergingen, ihre Anschuldigung irgend wie zu beweisen oder meine Be­hauptungen zu widerlegen, erfolgte keine Antwort von Seite dieser Herren und ich wurde endlich am 17. December 1849 gegen Sicherheitsleistung von 1000 fl. vorläufig aus dem Gefängniß entlassen." Wie Fickler diese vor­läufige Entlassung benutzte, ist bekannt, weniger aber, das RechtSconsulent Tafel diese Kaution gestellt und Fickler sich bisher auf die unverschämteste Weise ge« weigert hat, zu zahlen.

Eisenach, 21. März. Von unserm Landtagaus­schusse ist in der Domänen frage der erste, jeden­falls wichtige Schritt geschehen. Es hnt nämlich der­selbe mit einer Majorität von 7 gegen 2 Stimmen die Frage bejaht, daß die Regierungsvorlage über sie Do­mänen vom Landtage in Betracht gezogen werden solle.

Altenburg, 21. März. (Lpz. Ztg.) Der Tag der Vermählung de« Erbprinzen Friedrich von Anhalt'Dessau-Köthen mit der Prinzessin Antoinette von Sachsen-Altenburg ist nunmehr bestimmt auf den 22. t. MtS. festgesetzt. Die Vermählung wird auf dem hiesigen Herzogl. Residenzschloß stattfinden. Mit dem heute auggegebenen Gesetzblatt« ist nunmehr auch dasGesetz wegen anderweiter Regelung der Rechts Verhältnisse am Dominialvermögen" erschienen.

Braunschweig, 19. März. Die in diesen Tagen erfolgte Verhaftung deS durch mehrere publicistische und

politische Schriften demokratischen Inhalts bekannten Literaten Gustav Diezel hat sowohl an sich alS durch die Weise, wie sie geschah, Aufsehen gemacht. Der Literat Diezel hielt sich bisher in Wolfenbüttel auf, wo er sich mit Studien in der dortigen Bibliothek und mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigte. Vor Kurzem kam er von da nach Braunschweig herüber und nahm seine Wohnung bei dem Tapezierer Ding. Als die Polizei die Anwesenheit desselben erfuhr und sich überzeugte, daß derselbe bei dem Fremden-Bureau gar nicht ange- meldet worden, erschienen am 6. d., 7 Uhr Abend-, in dem Ding'schcn Hause mehrere Polizeidiener, die nach Diezel fragten, aber eine ausweichende Antwort erhiel­ten. Hierdurch in ihrem Verdachte bestärkt, verlangten sie die Oeffnung der Tbüren, namentlich der Thür deS Zimmer-, in welchem Diezel sich befände. Der Eigen­thümer deS Hauses aber verweigerte, unter Berufung auf das HauSsuchungsgesetz, die Oeffnung auf das Ent­schiedenste und sendete eilig zu dem bekannten Ober­gerichts-Anwalt Lucius und den Gebrüdern Steinau, um einen Rechtsbeistand und eventuell auch Zeugen zu haben. Alle verlangten nun die Vorlegung eine- ge­richtlichen Befehls, ohne welchen eine Haussuchung nicht vorgenommen werden dürfe. Ein hierauf vorgelegter polizeilicher Befehl ward nicht als genügend anerkannt und der ferneren Drohung der Polizei, sie werde Ge­walt gebrauchen, die Drohung entgegengesetzt, man werde Gewalt mit Gewalt zu vertreiben wissen. Endlich gegen Mitternacht traf ein während dessen von der Polizei au-gewirkter gerichtlicher HauSsuchungSbefehl ein, aber auch dieser ward nicht für verbindlich erachtet, weil derselbe nur von dem KreisgerichtS-Director und nicht, was doch erforderlich, auch noch von zwei andern Rich- fern derselben Behörde unterzeichnet war. Die Polizei dagegen erklärte, daß sie sich durch jenen Befehl für vollkommen autorisirt ansähe, und daß sie, im Falle fer­nerer Weigerung, die Tbüren gewaltsam sprengen würde. Auf diese Erklärung nun jward dann daS Zimmer ge­öffnet, Diezel verhaftet und am folgenden Tage Mit­tags 1 Uhr unter Aufsicht eines Polizeibeamten nach Hamburg escortirt. Der Obergerichts * Advocal Lucius hat eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gemacht und auf eine Anklage der Herzogl. Polizeidirectioii wegen Amtsgewalts-Mißbrauch angetragen. So schreibt derHamburger Korrespondent".

Kempen, 18. März. In der vorigen Woche gin­gen mehrere sechsspännige Wagen, mit Blei beladen, hier durch. Ihr nächster Bestimmungsort war Wierus- zow in Polen. Nach den Versicherungen Einiger hätte die russische Regierung 2000 Zentner Blei in Jarno« witz gekauft,, die über Kempe« nach Polen tranSportirt werden sollten.

Berlin, 23. März. Die Vollzugs-Commissionen für die mit Oesterreich und Hannover abgeschlossenen Handelsverträge haben jetzt fast gleichzeitig ihre Arbeiten vollendet, und sind dieselben bereits nach Unterzeichnung der Protocolle auseinander gegangen.

An der preußisch-österreichischen Gränze ist die Ein­richtung getroffen worden, daß die preußischen und öster­reichische» Gränz-Zollämter sich die gegenseitige Einsicht in ihre Bücher gestatten, wodurch die Versuche zum Schmuggeln leichter unterdrückt werden können.

Der französische Gesandte soll, wie man derKöln. Ztg." schreibt, in einer am 21. erhaltenen Audienz bei Sr. Maj. dem Könige das Verlangen ausgesprochen haben, daß Oesterreich und Preußen sich im Sinne der Wiener Conferenz gegen Rußland aussprechen möchten.

General v. Wrangel wird wahrscheinlich die Stelle des Grafen Dohna als General-Gouverneur von Ost- und Westpreußen bekomme». Die Commission für die Prüfung der Anleihe-Vorlage zeigt sich zur (wohl nur bedingten) Genehmigung der Geldmittel geneigt. Die Regierung hat ihr eine Anzahl Actenstücke, welche sich auf die Frage beziehen, zur Einsicht vorgelegt. Die vereinigte Flotte der Westmächte wird vollständig erst innerhalb Monatsfrist in der Ostsee sein, so berich­ten Privatbriefe aus England und Frankreich. Die Engagirung preußischer Seeleute für englische Kriegs- schiffe hat Seitens unserer Regierung nicht zurückgcwie- sen werden können, weil zwischen Rußland und den Westmächten kein Krieg besteht.

DemN. Corr." wird die schwedisch-russische Neu» tralilätsdifferenz als vorläufig beigelegt bezeichnet. Ruß­land habe in seinen letzten nach Stockholm gelangten Depeschen mit sauersüßer Miene sich ungefähr dahin aus­gesprochen, daß es wünsche, es möchten dieneuen Prin­cipien", welche Schweden ausgestellt, demselben zum Heile gereichen. Alles dies hat die Fortsetzung der Rüstungen in Stockholm und an der schwedischen Küste nicht ver. hindern können und nicht verhindert.

Wie derHamb. Börsenh." gemeldet wird, hat die schwedische Regierung bei der Militär-Effecten-Fabrik von Johann Baptist Dotti in Berlin eine Bestellung von 10,000 Pickelhauben gemacht.

Ein großer Transport von Kisten, enthaltend Ge­wehre, Karabiner und Pistolen, welche in Belgien für die russische Regierung bestellt waren, sind am 20. von dem Potsdamer Bahnhof in zweispânnigen geschlossenen Gepäckwagen nach dem hiesigen Stettiner Bahnhof b«. fördert und von da noch an demselben Abend in sieben

achtrâderigen Eisenbahngüterwagen nach Bromberg ver­sandt worden.

In einer Verfügung des Kriegsministers vom 17. d. M. wird erklärt, daß militärischer Scits kein Grund vorliege, den aus Köln ausgewiesenen PP. Jesuiten die Rückkehr und den ferneren Aufenthalt in Köln zu verbieten.

Ueber die hier herrschende Stimmung gibt folgender Vorfall Aufschluß. Die Landwehr feierte am 17. März ihr Stiftungsfest. Der Vorsitzende brachte einen Toast auS, der einen Krieg für daS Kreuz predigte. Während die andern Trinksprüche mit lautem Jubel ausgenommen wurden, blieb hier die Hälfte der Landwehrmänner stumm sitze». Mau hatte nicht sehr geschickter Weise einen russischen Officier, Fürst Wittgenstein, einen öster­reichischen , Graf Rivertero, als Gäste geladen. Ein Toast des erster» wurde, den Tusch vom Orchester und die Einstimmung der in Uniform anwesenden Df freiere ausgenommen, ganz ka lt empfangen, obwohl er dem preußischen Heere galt. DerToast deSOester- reichers dagegen, der mit den Worten viribus unitis schloß, wurde mit einer stürmischen Be­geisterung begrüßt. Bei einem abermaligen Ver-- such deS Vorsitzenden darauf das GlaS zu erheben, daß wir stets mit unfern alten Alliirten geben möchten, warf einer der Anwesenden sein Glas auf den Boden, daß es zersplitterte, und die Mehrzahl blieb stumm.

Aus Charlottenburg, 22. März, wird dem öfficiösenC.B." berichtet:Der König hat sich bei einem Spaziergange im Garten zu Charlottenburg an einem hervorragenden Baumast unter dem linken Auge verletzt; jedoch ist glücklicherweise die Verletzung nicht von Be­deutung.

Der König bat zu der Anlage einer Eisenbahn von Halle über N o r d h a u s e n und H e i l i g e n st a v t bis zur Landes gränze zum Anschluß an die über Kassel nach den westlichen Provinzen führende Eisen­bahn mittelst einer ActiengeseUschaft die landesherrliche Genehmigung ertheilt. Eine Beihülfe des Staates zur Ausführung ist nicht in Anspruch genommen.

Berlin, 24. März. Ein heute aus Petersburg tingetröffkuer Courier überbringt die Meldung, daß der Kaiser von Rußland das Ultimatum der West- Mächte nicht beantwortet.

Wien, 22. März. Freiherr v. Manteuffel erfreut sich hier der zuvorkommendsten Aufnahme. Die Verständigung m i t Preußen scheint nam­haft vorzurücken. Man glaubt, daß Se. Maj. der Kaiser demnächst einen Ausflug nach der Wojwod- schaft unternehmen werde, um daS daselbst in der Auf­stellung befindliche CorpS zu besichtigen.

Der. Zweck der Sendung des Obrrstlienrennni fe# Manteuffel, so schreibt man demDresdener Journal" von gutuiitcrrichtkter Seite, ist bekanntlich die Sicherung eines nähern Einverständnisses zwischen der hiesigen und der preußischen Regierung in Betreff der orientalischen Angelegenheiten. Das Berliner Cabinct hatte, wie wir aus verläßlicher Quelle vernehmen, feine Erklärung dahin abgegeben, daß eS hinsichtlich der Ver­wickelungen im Oriente in Allem mit Oesterreich Hand in Hand gehen wolle, wodurch die Interessen Deutsch­land« berührt würden. Nun ist aber wohl kaum ein Fall denkbar, der, wenn Oesterreich durch die Ereignisse an der Donau afficirt werden sollte, nicht auch die Mitleideuschaft von Deutschland nach sich zöge. Eine genaue Erörterung dieses Verhältnisses und die Be­dingungen, unter welchen Oesterreich und Preußen ge­meinsam auftreten würden, schein; nun die zwischen den Cabineten zu lösende Aufgabe zu sein, welche durch aus alle möglichen Eventualitäten sich beziehende Stipula­tionen festgestellt werden soll.

Ueber die Eröffnungen, welche der russische Gesandte, Baron von Mehendorff, in der ihm am verwichenen Sonntage gewährten Privataudienz Sr. Majestät dem Kaiser gemacht hatte, berichtet dieKöln.Z." Folgende- als ganz zuverlässig:Der Czaar fühlt sich über die von Oesterreich abgegebene Erklärung strengster Neu­tralität vollkommen befriedigt; da jedoch die Ereignisse unter den obwaltenden Verhältnissen eine außer aller Berechnung liegende Gestalt anuehmen können, so sieht sich der Czaar zu seiner eigenen Sicherstellung genöthigt, Oesterreich die Frage vorzulegen:welche Eventualitäten eintreten müßten, um Oesterreich zur Aufhebung seiner Neutralität zu bestimmen und auf welche Seite es sich dann, mit den Waffen in der Hand, rangiren würde."" Bei dem hohen Ernste der Sachlage müsse der Czaar darauf bestehen, eine bestimmte, unzweideutige Antwort auf diese Frage von Oesterreich zu erhalten."

Der hier weilende Azis Pascha hat, wie verlautet, einige Besprechungen mit Afrif Efendi in Betreff der serbischen Angelegenheiten gehalten. Eine Mission für das österreichische Cabinet hat derselbe, wie bestimmt versichert wird, nicht. Derselbe wird morgen über Triest nach Constantinopel zurückreisen.

Die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft hat dem Ver­nehmen nach beschlossen, zur Abholung der in den Do- nauhäfen für österreichische Rechnung lagernden Getreide- vorräthe zwei Remorqeurs abzusenden, welche vorläufig bis Kalafat gehen sollen.

DaS am 21. März zu Triest aus Albanien, all­gekommene Dampfboot brachte Privatnachrichten über den Fortgang deS griechischen Ausstand«-. Zeno Me-