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Nassauische Allgemeine Zeitung.

W". NS. Samstag den 25. März 1854.

Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung für daS 2. Quartal (. I. werden baldigst erbeten.

DieNnsfaugÄk NUgemeine Zeltiinq" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn» und Lari«'s»en BerwaltungSbezirfS mit Inbegriff des ^ostauffchlagS 2 ff., für die übiigen känder de« deutfch»österreichischen PostnereinS, wie für daS Ausland 2 st. 24 fr. Inserate werden die einspaltige petiNeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, kanggaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Und Deutschland?

Aus den MünchnerHistorisch-politischen Blättern" *).

Deutschland habe eine eigens Faust, meinten wir, von Oesterreich wußten wir es gewiß! Soviel wenig­stens hat das Jahr 1848 wahr gesagt: Deutschland, wenn einig, ist Allen gewachsen. Wir schauten daher fleißig nach der Einigkeit auS, aber ohne je mehr als Oesterreichs dargebotene Hand zu erblicken ; sahen wohl Preuß e n als neuen Herkules am Scheideweg deutscher Treue, aber sonst wie immer, wenn wir die Stimmen der maßgebenden Parteien hörten. Zunächst redete es sich damit auS: seine Interessen seien nicht damit berührt, noch die Deutschlands, wozu Oesterreich natür­lich nicht gehörte. Rußland gebietend in den Darda nellen und über die Mündungen des deutschen FlusscS im schwarzen Meere, an den entblößten Ost- und Süd­grenzen Oesterreichs, bei der nächsten Revolution in Italien oder Frankreich mit seinen Armeen über Sar- dinien bis an die Alpen, waS kümmerte das Preußen und seineliberalen Institutionen"?

Rußland oder eine Seeundogenitur in Stambul und Kopenhagen, der Sund und das Marmormeer ge­sperrt ; für Holstein - Lauenbnrg eine russische Stimme am Bund, die Türkei vielleicht in nächster Zeit schon auf dem KriegStheater in den Hintergrund getreten vor der Ostseeunsere Gränzen" sind wohl noch im« mer unberührt? Oder gilt daSZuwarten", bis die englisch-französische Allianz selbst die orientalische Frage vom Bosporus an die Ufer des Rheins verlegt?

Mag sein, daß die preußische Großmacht keine euro­päische» Interessen hat; sie verläugnet aber auch die deutschen, wenn sie ihren Platz im Conflict nicht mit absoluter Nothwendigkeit dictirt findet. Auf Oester­reichs dringende Anfragen ihre Stellung eine neutral zuwartende" nennen, wenn ohne Rücksicht auf den bundesfreundlichen Kaiserstaat, hieße sich in heilloser Verblendung wieder zu den kleindeutsch erfurtisch - gotha - ischcnInteressen" bekennen.

Preußen ist in innere feindliche Parteien zerrissen, wie kein anderes Land in Europa; auS ihnen erklärt sich allein die jedesmalige preußisch Politik. Da sind nun die Neupreußen; seit einem Jahre kämpften sie unermüdlich für die russische Allianz, da nur sie die materiellen Interessen Preußens wahre, und man nur durch Rußlands guten Willen vor der Revolution bestehen könne. Anders die gothaischen A l t p r e u ß e n desPreuß. Wochenblatts"; sie vertreten Preußens Allianz mit dem Westen, vorausgesetzt, daß sich nicht auch Oesterreich dahin wende, denn Preußens Platz ist ihnen immer Oesterreich gegenüber, vielmehr, wie anderen Meuchlern, in seinem Rücken. Die im ganzen Mittelstand mächtige Demokratenpartei endlich ist jeden­falls ehrlicher, als die Ritter und die Geheimrätbe, ja fast auch deutscher; sammt und sonders zur Türkei und zum Westen schwörend, warnt sie, und sie allein, Oester­reich dießmal, um der preußischen Existenz selbst willen, ja nicht allein zu lassen!

Nun sind aber vorerst, trotz ihres LäuguenS, wenn auch bei derzuwartenden" undversöhnenden" (?) Stellung natürlich nicht definitiv, die Neupreußeu unterlegen , die A ! t p r e u ß e n dürften sich rühmen, gesiegt zu haben. Der lithographirten Correspondenz der Linken in der Kammer zu glauben, stand der König selbst in der Hauptsache für jene, der Prinz von Pren- ßen mit Manteuffel für Westen. England, das dem Prinzen einst die Schwiegertochter geben soll, stichelte emsig auf 1850 und Bronnzell, und Ritter Bunsen I». fiaS rc. scheint in London schon geradezu für die directe Allianz eiugestanden zu sein, wenigstens heißt eS, der Excellente solle London meiden, nachdem nun bloß eine zuwartende" Stellung daraus geworden. Für jenen prinzlichen Zweck ließ sich die Demokratie die Agitation in brr Presse, der Armee, den Freimaurer-Logen wie immer, natürlich ausgezeichnet Wohlgefallen Und auch jetzt, drehte nur der Wind sich abermals ein wenig, so würde daS Unions- und Hegemonie-Spiel von 1848 ff. noefc "«mal, nur treuloser, gefährlicher aufgelegt, dieß- « â^cr gewiß, um ununterbrochen durch russischen Rath" bis zum endlichen Finale zu gedeihen.

*) Das neueste (sechste) Heft rer , M. Hist. pol. Bl." ent- u. 4. unter der Ueberschrift: Omnipotent und Impotenz inen interessanten Aufsatz über den Kirchenconftict in Nassau.

Möglich, daß etliche unbedachten liberalen Stimmen für eine gerade jetzt zur Kräftigung und Regencrirung Mitteleuropa's vorzuuehmendc BundeSreform noch mit den wenig Deutschen Ausschlag gegeben; denn eine ent­setzlichere Forderung, als Stärkung des Bundes, existirt für Preußen nicht, jedes dahlnzielende Wort ist ein i Attentat auf seine Zukunft, und man mußte eilen, Dem vorzubauen. Vielleicht hat selbst Neupreußeu die ruf« ' fische Allianz gerade auch im Schrecken über diese Gefährdung des obersten Grundsatzes von dernega- tiven Bundespolitik Preußens" fallen lassen. DaS Haupt-Motiv derzuwartenden" Politik aber, die nun einmal offenbar die deutsch nationale Stellung mit Oesterreich, nur nickt gerade definitiv, abgewiesen hat, war wohl der vernünftige Gedanke: wer deckt unsere Blöße gegen Frankreich, wenn wir dem Osten, wer gegen Rußland, wenn wir dem Westen zufallen? DaS deutsche Dritte in der Mitte existirt zur Zeit für Preußen noch nicht. Aber doch für jeden Braven im Reich, wie Gott wird offenbaren zu seiner Zeit.

Doch genug von solcher Repräsentation der preußi­schen Politik, außerhalb ministeriellerCorrespondenz". Dr. BrausMinerva" beweist ja umsonst, daß das habsburgische Reich noch in diesem Jahrhundert in Nichts, respective in Preußen zerfallen müsse. Ist viel­leicht zur Vorsicht auch schon ein neuer Rheinbund alsRettungsfelsen" im Keimen? Das wissen wir, daß der Chef von Coburg-Gotha die Note derloyalsten Gesinnungen" für Napoleon III. erlangt, nun nach Paris gereist ist,um den Frieden und die deutschen In­teressen", im Verein mit den übrigen Freimaurer-Prinzen zu erhalten. Man wird gut thun, alle desfallsigen Symptome zu prüfen; denn mag auch jeder ehrliche Mann glauben, daß die etlichen ' Kleinigkeiten, welche sich etwa mucksen dürften, in viktündzwanzig Stunden maustodt gelackt wären, so gälte dies doch nur, wenn die Demokratie nicht mehr wäre; wir wagen aber zu behaupten, sie sei noch und die Hungers noth dazu!

Es gehört in Deutschland jetzt wahrlich Muth zu solcher Behauptung, und eS ist dies auch ein Zeichen der Zeit. Stände Oesterreich nickt als ein Leuckthurm für die Rudern politischen Verstandes inmitten der Wo­gen, wir wüßten nickt, wohin eS noch gekommen wäre. Von derKrcuzzeitung" z. B. ist wohl nicht zu ver­wundern, wenn sie, verzweifelnd an jeder andern Hülfe gegen die Macht der Revolution, sich rücksichtslos in die Arme Rußlands warf. Ein Anderes ist eS, für die katholische Presse, auch schon ehe Oesterreich das große Wort öffentlich anSiprach. Eben darum ist ja unser katholischer Standpunkt immer auch ein n a- tioualer, weil wir Hülfe von Niemand erwarten als von der Kirche durch uns selbst. Hätten manche der Unsern dies bedacht, so wäre ihnen der leidige Sprung erspart geblieben von dem Einen Extrem: durch Dick und Dünn im Vorhinein dem Czaaren zu consentiren, bis zum andern Extrem: seine Ansichten in Allem zu verurtheilen, fast unacbört, ja die G-iahr die uns von der Demokratie droh |, überhaupt nur für einen Popanz zu halten, der nicht mehr cMiit, sobald er uns nur nicht mehr Vorbehalten wird von jenem Rußland, das nun zur Strafe wieder die urantängiiche MoSkow- Horde, oder lieber gleich, wie Anno 1, urweltlicher Binnensee werden soll. Englands Zustimmung würde solchen Tendenzen freilich nicht fehlen; den gol­denen Mittelweg aber hat Oesterreich eingeschlagen, und e r ist von Gottes Finger deutlich gewiesen.

Wenn die Türkei nicht bestände, so müßte man sie schaffen!" ein berühmtes Wort und ganz richtig, zumal für Deutschland sobald eS nur nicht also ver­kehrt verstanden wird:wenn die Türken nicht be­ständen , müßte man Türken schaffen.Insofern sind allerdings die Interessen der Türkei und Oesterreichs identisch, als letzteres im Osten weder mit einer 500 Meilen langen englischen Gränze noch mit einer Ver­längerung seiner Gränzen gegen Rußland, dem eS vor 60 Jahren noch 200 Meilen weit entlag, von 500 auf 1000 Meilen sich vertragen, und Deutschland die Russen ebenso wenig an der Donau, als Albion am Pruth bewillkommen kann. Den TodeSkampf der Tür­kei braucht Oesterreich für Deutschland nicht als Partei zu hindern, handelt eS sich aber um Vernichtung der Türkei als solcher, oder um eine Neugestaltung durch anderweitige Ersetzung der bisherige» für die christliche Weltcivilisation unempfänglichen Elemente, um den zwei­

ten Act dcs Aufbaus, dann kaun und darf Oester­reich nicht freundlichen preußischen Rathschlägen folgend, lieber einen tüchtigen Schlag im Po-Tbale führen, als sich auf weitaussehende Kämpfe im Osten einlassen." ES muß für Deutschland Bosnien, die Herzogowina, Albanien und eventuell Serbien sicher stellen, mit seinem Einfluß, der unter den Südilaveu bald den aller Mächte zusammen aniwiegen dürfte, und wenn nöthig , mit sei­nen Wehrkräften, muß als uneigennütziger advocatus der Rajah und als eigentlicher Kampfrichter in daS Centrum der Stellungen eintreten, und wenn auch mor­gen schon die augedrobten Flammen am Po, wie sie ohne Zweifel bereits geschürt sind, tausendfach empor« schlügen. Es kann, wo anders der völlige türkische Ruin nicht sofort erfolgt, mit dem Westen so weit ge- den, als nöthig ist, nm den Status quo ante Menczi- soff an der Donau, und europäische Garantie für die türkischen Christen herznstelleu; keinen Schritt weiter dort, kein Haar weniger hier. WaS in der Rajab dann ferner wächst, wächst vor Allem unter dem Sevutze der apostolischen Majestät, ihres einzigen uuintercssirlen Freundes. ___________

Deutschland

Don der Lahn, 22. März. In unserm Braun- steiiibandel, schreibt man derKass. Ztg.", ist in der letzten Zeit eine Veränderung eingetrcten, welche schon jetzt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen muß, und in nicht langer Zeit sich noch fühlbarer machen wird. Die wichtigsten Gruben sind nämlich im vorigen Jahre in eng­lische Hände Übergewinnen. Sobald der Kauf an der Lahn abgeschlossen war, reiste der Engländer, welcher an der Spitze dieses Geschäftes steht, in größter Geschwindigkeit nach den Pyrenäen und kaufte auch rasch die Dortigen Gruben. Seitdem Die besten der bekannten Gruben auf dem Erdball in seinen Händen sind, bat derselbe innerhalb eines halben Jahres den Werth des Braun- steinS schon um 50pCt. steigen lassen, so daß diejenigen Besitzer, welche noch mit ihren Gruben zurückgehalten haben, nun schon das Doppelte für dieselben sordern können. Der Hauptgewinn wird aber von nun an in englische Taschen fließen, wogegen wir nichts sagen wollten, wenn diese Engländer unser Land zu ihrer Heimaih machen wollten, statt von und, wie ans ihren Colonien, wieder nach Alt-England zurückzu- kehren. Diese Blätter haben schon feit Jahren d e deut­schen Industriellen auf die großen Naturschätze des Lahn- thals, besonders auch auf den so seltenen Braunstein, aufmerksam gemacht; es haben sich aber keine Capita- listen eingefunten, um diese Schätze zu heben und in vaterländischen Händen zu behalten. Nun haben eng­lische Unternehmer gesiegt, und die deutschen Bleichereien werden bald fühlen, daß der Braunstein in festen, spe- culativen Händen sich befindet, waS bei dem Aufstreben unserer Baumwollen- und TuchfabricatiSn sehr zu be. dauern ist, die nun bei einem englischen Monopolisten deutsche Bodenerzcugnisse um jeden Preis kaufen muß. Die Engländer haben nun einen großen Vorsprung vor unS im Capstalbesitz, aber auch in einem kühnen Un­ternehmungsgeist , den wir uns eifriger zum Vorbild nehmen sollten.

Karlsruhe, 21. März. Vor einigen Tagen ist die erste Depesche deS Telegraphen von London direct nach Wien der durckgegange»; bisher waren zur Ver­mittelung zwischen diesen Hauptstädten mehrere TranS- lationSstationen nothwendig.

Aus Baden, 24. März. Es heißt, daß die Kammern ihre Thätigkeit bis Ostern zu beendigen gedenken.

Ueber die in Stuttgart erfolgte Verhaftung und Freilassung deS bekannten Häuptlings unserer Revolu- hon, Joseph Fickler auS Konstanz, bringt dasMann­heimer Journal" eine höchst liikercssante Mittheilung von Fickler selbst, welche zunächst in der New A"kcr Cri- minalzcitung und dann in vielen andern Blättern Der nordamerikanischen Union im vorigen Jahre abgedruckt worden, folgendes Nähere, ohne jedoch die darin selbst­verständlich vorkommeiide Schmähungen gegen Personen oder andere geringfügige Umstände aufzunehmen.Am 31. Mai 1849 wurde ich vom badischen LandeSauS» sckusse nach Württemberg gesendet, um, wie Die Voll­macht besagte:daS würtlembergische Volk und die Volks­behörden zu bewegen, dem bereits begonnenen Kampfe des badischen Stammes sich anznschließen." KarlSt ein- metz war mir beigeordnet, um mich in diesem Unter­nehmen zu unterstützen. Warnungen, daß wir von Karls-