Einzelbild herunterladen
 

Nassauische Allgemeine

^ 60

Mittwoch de« 22. März

iS3<

Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung für das 2. Quartal l. J. werden baldigst erbeten.

Die,,Naffaulsche MgemUne 3eitn iisl" mit dem belletristisch«, BeiblattDer Wanderer" erscheint, EonntaftS ausgenommen täglich und beträgt der PränumcrationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulanv nunmehr auch fit den ganzen Umfang deS Tèurn- und TariS'f-beN VerwalinngSbezirkS mit Inbegriff deâ Äoiinnffchlag« 2 ff., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostnereinS, wie für das Ausland 2 st. 24 kr. Inserate werden die viersPaliige Petiijeil« oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Vie religiöse Kette der orientalischen Frage, in.

Graf F i c q u elmont will, wie erwähnt, in seiner Schrift nicht sowohl den Antagonismus zwischen der orientalischen und der lateinischen Kirche zeigen, als vielmehr den Beweis liefern, daß, was immer für eine christliche Macht ihren Sitz zu Constanrinopcl auf­schlagen möge, die Geschichte des byzantinischen Reiches unfehlbar wieder von vorne beginnen würde, wenn die­selbe Regierungsweise wie ehemals die geistliche Ge­walt der weltlichen Macht dienstbar machen würde. Er steht auf dem katholischen Standpuncte und bespricht mit Sachkeuntniß die Hauptrichtungen der christlichen Kirchen; ans der Geschichte religiöser Ber- hältnisse entwickelt sich ihm die jetzige Parteistellung im Osten.

DaS Christenthum, sagt der Berfasser, ist dadurch, daß cs das Gewissen des Menschen, außer der Autorität des religiösen Gesetzes, jeder andern Autorität entledigte , ein Gesetz. der Freiheit geworden. Das Merkmal des Christenthums besteht darin, daß cs zwei von einander unabhängige Gewalten geschaffen, deren gleichzeitiges Wirken zur Regierung des Menschen er­forderlich ist. Da diese beiden Gewalten ihre Thätig­keit unablässig an einem und demselben Individuum äußern müssen, befinden sie sich auch unablässig in der unabweislicheu Nothwendigkeit, sich mit einander in das Vernehmen zu setzen, zu verständigen, zu verbünden. Sobald sie sich nicht mit einander verständigen, nicht in Einklang setzen, entstehen gefährliche Wirren in der Ge­sellschaft ; kommt es sogar so weit, daß sie einander bekämpfens so ist der Religionskrieg unvermeidlich. Noch größer wäre das Unheil, wenn das Gleichgewicht zwischen den beiden Gewalten aufgehoben würde, und die eine oder die andere absolut die Oberhand behielte. Die religiöse Macht allein ist für die weltlichen Inte­ressen unzulänglich, während die weltliche Macht allein die moralische Freiheit des Menschen vernichten wurde. Er verlangt für eine gesunde Entwickelung menschlicher Zustände eine selbstständige Stellung der Kirche neben dem Staat; Vereinigung beider Gewalten hält er für den Todeskeim des Volkslebens. Die Thcokratie, sie mag von was immer für einer Religionsgenossenschaft aus­gehen, versteht es nicht, weltliche Interessen zu fördern; sie führt bei passivem Gehorsam zur materiellen Ver­armung, oder aber, wenn sie auf Widerstand stößt, zur Anarchie. In diesem Dilemma haben sich alle Völker der alten Welt befunden; darum sind aber auch die Völker, die Regierungen, die Religionen, kurz Alles an der einen oder an der andern jener unvermeidlichen Folgen zu Grunde gegangen. Die fortlaufende Kette der weltlichen Macht des Alter­thumes, welche sich als das einzig übriggebliebene Bruch­stück der alten Welt zu Constantinopel erhalten hat, gleichsam um uns die Ursachen ihres Untergangs vor Äugen zu halten, hat die orientalische Kirche in dieser gefährlichen Stellung znrückgclasseu, und es gibt auch nicht eine einzige Phase ihrer Geschichte, welche nicht die Bestätigung lieferte, daß alle die furchtbaren Wech­selfälle, welche sie erlitten, in dieser Stellung ihre Quelle hatten." Als Erbe dieser unseligen Byzantinerzeit wird Rußland bezeichnet.

Das fogemumie ©liwbtitnbrlMttnthit^ der Deutschkathaliken.

I.

Die Deutschkatholiken geben sich selbst bekanntlich für eine christliche Religionsgcscüschaft ans und ge­nießen wohl nur als solche die freieste Religion^ Übung in dem Herzogthum. Ju grellem Kontraste hiermit wird gegen die Altlutheraner eine in neuerer Zeit stets wachsende Strenge geübt, welche um desto auffallender und befremdender ist, da die sc ReligionSgesellscbaft, deren freie Religionsübung noch dazu durch Völker- rechtliche Verträge garantirt ist, einen positiv-chrisi- ltchen Glauben bekennt, während das sg. Glaubens­bekenntniß der Deutsch katholiken in der That nur in der Verneinung aller christlichen Glau- Venswahrhelten besteht. Wer sich hiervon über­zeugen will, darf mir den Katechismus derchristlichen Vernunftreligion" von Heribert Rau zur Hand neh­men , welcher auch dem Religionsunterrichte der Nas­sauischen Deutschkatholiken von dem Pfarrer Hiepezu

Grunde gelegt und den Confirmanden in einem öfter auf das Original verweisenden Auszuge dictirt wird. Da beide Quellen nur in engeren Kreisen be­kannt sind, so dürfte cs ein christliches Publicum in« tcressiren, wenn wir das Wesentliche daraus in diesem Blatte mittheilen. Wir geben zunächst das sg. deutsch­katholische Glaubens- (oder vielmehr Unglaubens-) Bekenntniß nach Frage 73 bis 80 des Hiep e'schen Dictats.

Frage: Haben denn die Deutschkatholiken auch ein GlanbenSbekenntniß? Antw.: Ja. Fr. Wel­ches ist es? Antw. Das zu Leipzig aufgestellte. F r. Wie lautet es? Ant w. Ich glaube an Gott den Vater, der durch sein allmächtiges Wort die Welt geschaffen hat und sie in Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe regiert; ich glaube an Jesus Christus, unsern Heiland; ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige allgemeine christliche Kirche, Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben. Fr. Was enthält dieses Glau­bensbekenntniß? Antw. Es enthält die Wesen- lehren des Christenthums. Fr. Enthält es alles, was die Deutschkatholiken glauben können? Antw. Nein, es ist jedem gestattet, auch noch mehr zu glau­ben. Fr. Warum hat man es denn so beschränkt? j Antw. Man hat nichts in dasselbe ausgenommen, worüber die Menschen uneinig und verschiedener Ansicht sind, um eS ihnen zu erleichtern, sich zum religiösen Frieden gegenseitig die Hand zu bieten. F r. Ist denn der Deutschkatholik gezwungen, alle die im Glau- bensbekenntniß enthaltenen Punkte anzunehmen, oder darf er auch noch weniger glauben? Antw. Es ist ihm gestattet, auch noch weniger zu glauben (NB. als die obigen doch schon genug znsammenge- schruWfteü Wesenlehren des Khriftentkums!)

Fr. Was ltwt inâäüpt unsere kiWMe Gemein­schaft in dieser Beziehung für einen Grundsatz aufge­stellt? A u t w. Es soll in Sachen des Glaubens kein Zwang statt finden. (Forts, folgt.)

Deutschland

* Wiesbaden, 22. März. Der M e n s cheuh a n- dcl, der mit nassauischen Landeskindern getrieben wird und der uns schon wiederholt veranlaßt hat, unsere Stimme für die Abschaffung dieses schändlichen Unfuges zu erheben, wird noch fortbetrieben. Am 16. März kam in Biebrich ein Transport von 21 Mädchen im Alter von 1416 Jahren unter Begleitung dreier Männer an, um sich rhcinabwärts cinzuschiffen. Es ge­lang der Polizei-Behörde indessen, diese Expedition noch vor der Einschiffung zu arretiren, mit Ausnahme eines der Unternehmer, welcher entkam. Dieselben wurden nach Wiesbaden auf's Kreisamt gebracht, wo sich her­ansstellte, daß diese unglücklichen Geschöpfe aus den Aemtern Usingen und Weilburg gebürtig, einer der Händler aus Nassau, der andere aus Münster war. Hätten diese Kinder bis nach Biebrich kommen können, wenn die Gcmcindcpolizei besser gehandhabt würde?

Frankenthal, 20. März. Die gegen den Eigen­thümer der Pfälzer Zeitung Dr. Jäger wegen angeb­licher Gallisirung seiner in Lobloch lagernde» Weine hier anhängig gewesene Untersuchung ist eingestellt wor­den , da, wie man erfährt, weder ein strafbares Factum nach den Acten beanzeigt ist, noch überhaupt Grund zu einer Untersuchung vorliegt, vielmehr der erhoben ge. wesenc Verdacht sich als ein falscher und grundloser her- ausgestellt hat.

^Ans Baden. DasD. Volksbl." kömmt auf den großen und empfindlichen Priestermangel in dem Erzbisthum Freiburg zu sprechen. Seit dem Jahre 1836 bis jetzt sind 198 Geistliche mehr gestorben als geweiht worden. Dazu kommt noch, daß was wohl in keiner Diöcese Europas der Fall sein wird in diesem Zeitraume gegen 30 Geistliche theils weltlich (sich selbst 'laisirend), theils americanisch, theils pro­testantisch, theils rongisch u. s. w. geworden sind. Inner­halb 18 Jahren ist also daS Wohl der Kirche in der Art gefördert worden, daß gegen 230 Seelsorgerstellen keine Seelsorger gegeben werden konnten. Unablässig, sagt dasD. Volksbl.", war man bemüht, trotzdem daß der ehemalige Minister v. Marschall dem Erzbischof von Freiburg erklärt hat,man wolle nicht naher darauf eingchen, was das bestehende Recht besagt, cs dürfe ge­nügen, ins Auge zu fassen, was das Wohl deS Staats und der Kirche erheischt", die katholische Kirche und ihre Priester verächtlich zu machen. Ein junger Mensch muß

von einem Berufe, den er freudig ergriffen hätte, wie­der sich wegwenden, den er selbst von seinen glaubens­losen Lehrern der Verachtung preisgeben steht. So lange die Kirche ihre Diener nicht erziehen darf, so lange wird quantitav, mehr aber noch qualitativ, Man­gel an Priestern sein. Man gebe deshalb der Kirche, was das Recht und das Wohl derselben und deS Staa­tes erheischt.

DiePfälzer Zeitung", dasWürzburger katholi­sche Sonntagsblatt" undZanders Volksbote" sind von dem Ministerium des Innern im Lande Baden verbo­ten worden. Die badischen Conservativen, meint das Mainzer Journal" werden darum dieKarlsruher Zeitung" und dasFrankfurt. Journ." doch nicht lesen.

Aus Thüringen berichtet das Frankfurter Jour­nal, daß Weimar und einige anderebenachbarte Staa­ten dritten und zweiten Ranges eine entschiedene Stel­lung zu Gunsten des Westens einnehmen" und von Preußen abfallen wollen, wenn es eine Schwenkung zu Gunsten Rußlands mache. Da hört wirklich, wie man zu sagen pflegt, Alles auf! (M. I.)

Nudolstadt, 17. März. (Weim. Z.) Der Land­tag hat das Ministerium ermächtigt, mit der weimari« scheu Bank in Unterhandlung zu treten. DaS Grundgesetz ist berathen und mit einigen Modificatio- nen angenommen worden. Das Eigeuthumsrecht der fürstlichen Familie an dem Domainen-Vermögen wurde anerkannt.

Stralsund, 17. März. (Osts.-Ztg.) Auch die hiesige Kaufmanuschaft hat beschlossen, eine Adresse an den König zu richten, in welcher sie es als ihre feste Ansicht ausspricht, daß ein einiges Zusammenwirken mit den Weltmächten allein zum Heile unserer Provinz ge­reichen könne, eine Allianz mit Rußland dagegen Alle dem völligen Ruin preisgeben müßte.

Schwetz, 16. März. Eine furchtbare Ueberschwem- mung, veranlaßt durch den Eisgang der Weichsel, hat unsere Stadt getroffen. Ganz unvorbereitet, da selbst bis diesen Augenblick noch keine Nachricht von der oberen Weichsel hier eingelaufen, welche auf ein so be­deutendes Steigen des Stromes hätte schließen lassen, brach die Fluth herein und stieg in einer Nacht von 12% auf 18 Fuß. Bis jetzt hat sie die Höhe von 20 Fuß 2 Zoll erreicht, und noch ist kein Ende abzu­sehen. Noch fehlen nur 4 Zoll, dann hat sie die seit einem Jahrhundert vorher nicht erlebte Höhe von 1844 erreicht. Die Böden in vielen Häusern sind unter Wasser, und in den niedriger gelegenen Theilen der Stadt geschieht die Communication durch in daS Dach gebrochene Löcher. Heute ist keine einzige Straße, selbst der am höchsten gelegene Marktplatz nicht mehr, zu Fuße zu passiren, und wiederum reichen die Kähne kaum aus, die Flüchtigen zu befördern. Wir haben aus dem städtischen Lazareth Kranke und Sterbende durch das Fenster in die Kähne schaffen müssen, so ur­plötzlich brach die Fluth herein. Das Elend ist grausig in der Stadt.

Berlin, 20. März. (N. Pr. Z.) Se. Hoheit der regierende Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha ist gestern Vormittag von Gotha hier eingetroffen und im Hotel de Petersbourg abgestiegen. Der Herzog war bekanntlich unlängst in Paris.

Die hiesige officiellePreuß Corr." berichtet heute: Ein uns vorliegender Brief aus Warschau vom 13. März meldet, daß der Fürst-Statthaller etwa in Wo- chcnfrist daselbst zurückerwartet wird, um dann sich spä­ter in die Nähe des Kriegsschauplatzes an der Donau zu begeben. Derselbe wird sämmtliche Kriegsoperationen gegen die Türkei, sowohl auf europäischem als asiati­schem Boden, leiten, und den Oberbefehl über die dort stehenden russischen Streitkräfte führen.

DaS preuß. Wochenblatt erklärt in dem gestern er« wähnten Artikel seiner letzten Nummer, die Politik der von ihm vertretenen altpreußischen Partei sei vom December v. I. an auch die Regierungs-Politik gewesen. Gegenwärtig sei jedocheine Wendung der preußischen Politik" eingetreten und die altpreußische Partei habe deshalb nicht gezaudert sich von der neu eittgeschlagenen Richtung l o s z u s a g e n. Charakteristisch ist die Darstellung der Entwickelung des Verhältnisses Preußens zu der orientalischen Frage, die wir im nach­stehenden auszugsweise mitthcilen:D i e P o l i t i k v o n Olmütz hat unsere Partei ins Leben ge­rufen. Als wir sahen, wie unser Vaterland nach jenem unglücklichen Schritte tiefer und tiefer in die