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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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^ es. Diciisiag heu 21. Mây is»4.

Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung für daS 2. Quartal l. I. werden baldigst erbeten.

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Nie religiöse Jeile der orientalischen Frage.

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Graf FicquelmontS Broschüre ist vor allem eine Schrift zur Wahrung des konfessionellen Friedens. Graf Ficquelmont, sagt die A. A. Z., ist conservativ, aber tolerant, und gar nicht geneigt, in die Anarchie der Begriffe einzugehen, die jetzt über daS Verhältniß der kirchlichen und staatlichen Elemente in der Mode sind. Man fühlt sich in seinem eigenen Urtheil sicherer, gegenüber der klaren Rede eines Mannes , dem nicht leicht ein großes Wort lmponirt, und der blendende Trugbilder deS Tags mit einfachen Sätzen schlägt. Schon daS Vorwort ist geeignet, dem Leser die leiden­schaftliche Befangenheit, in welche die meisten in der russisch-türkischen Frage sich allmählich hineing-arbeitet haben, wie mit unmerkbarer Hand abzustreifen. Es ist wie wenn man von Straße und Markt, und ihrem Gedränge, Lärm und Staub in eine stille Säulenhalle tritt, und plötzlich dem Blick, bis dahin von der engen Umgebung und Verbannung gefangen gehalten, einen weiten Horizont in Klarheit aufgeschlossen sieht. Söhne deS Westens, so lautet daS Vorwort, werden demnächst mit Söhnen des Nordens im Orient zu am men treffen auf jenem ungeheuren Leichenhofe so vieler unter­gegangener Völker, so vieler verschütteter Städte und Paläste, deren unterirdische Ruinen unS noch jetzt mit Bewunderung erfüllen. Es gibt im heutigen Orient nichts mehr zu zerstören, nichts mehr, woran ein zwei ter Herostrat sich einen Namen machen könnte es gibt dort nur noch Menschen zu lödten. Man wird sich nunmehr um den bloßen Boden schlagen, gleich wie die Europäer vor noch nicht gar langer Zeit sich um die entlegenen Ländereien deS neuen Colitinenis geschla­gen haben. Düstere Schwermuth erfüllt das Gemüth des uuhtfangenen Forsch. rS, der in stiller Zurückgezo­genheit Geschichte studirt: während dem Slaalsnianne, der Geschichte macht, alle seine Leidenschaften in die Einsamk.it seines Cabinets folgen. Der Reisende be­trachtet mit Bewunderung und Ehrfurcht die Tempel, die Triumphbogen, die Säulen, alle die vereinzelten stummen Zeugen ehemaliger Größe ; sein ganzes Sin­nen gehört der Vergangenheit. Der Staatsmann hat mit diesen Ruinen nichts zu schaffen; aber seinem Blicke entgehen auch jene lebendigen Trümmer verschiedener Völker, deren moralisches unb physisches. Elend Zeug- niß gibt von dem Verfall ihres Stammes. Opfer der Jahrhunderte, gleichwie nicht minder ihrer eigenen Ver- irrungen, und noch mehr Opfer eines schonungslosen Fanatismus, thut diesen traurigen Ueberresteu geschwun­dener Herrlichkeit kein neuer Fanatismus noth , wohl aber Toleranz. Die alltäglichsten Lebtnsereignisse ent­halten zuweilen Lehren von so einfacher unb schlagender Wahrheit, daß selbst ein für Gründe zugängliches Ge- müth ihrem Eindruck nicht zu widerstehen vermöchte. Es sei mir erlaubt in diese Beziehung eines meiner eigenen E>lebnisse anzuführen. Ich stand im Begriffe von einer Bereifung Klein - Asiens und Griechenlands von Salonick durch Makedonien über Wibdin nach Oesterreich zurückzukehren. Ich hatte zwei Janilscharcn zur Bedeckung und einen Pferdevcrmiether als Führer. Es war zur Zeit deS Ali Pascha von Janina und deS serbischen Kriegs unter Czerny Georg. Eines Abends kamen wir bei einem zwischen Sophia und Widdin ge­legenen weitläufigen bulgarischen Dorfe an, wo der eine von den Janilscharen, welcher vorauSgegangen war, um für mein Nachtlager zu sorgen, bereits meiner harrte und mich in die Behausung eines Raj h führte, welche ihm der Aga des Orts angewiesen hatte, Es waren damals noch die ächten Tülkenzeiten, wo die reisenden Türken in der Regel sich in den Häusern der Christen kinquartierten und auf deren Kosten ganz nach Gesal- "N hausten; weßbalb die Einwohner immer gezwungen waren, ihren Wohlstand zu verbergen. Meine Heine Karawane war kaum in das Haus eingezogen, als die beiden Janilschaitn, welche darin nichts von alle dem Vorfanden, was zum Nachtmahl ermüdeter Reisender er­forderlich war, die Häupter der Familie mit Gewalt tinanö trieben, um sie zu zwingen, daS was angeblich nn Hause nicht zu haben war, anderwärts aufzutreiben. Die übrigen Bewohner deS Hauses, groß und klein, liefen davon, um sich zu verstecken. Ich saß zuletzt allein da in einem geräumigen, schlichten aber reinlichen Znmner und pflegte der Ruhe nach einer angestrengten *uiilMe zu Pferd. Ich war nach europäischer Weise

gekleidet. Ich hatte Säbel und Pistolen, die unent­behrliche Schutzwehr eines Reisenden in der Türkei, abgelegt. Eine alte Frau ging beständig ab und zu, und schlich unruhig und schüchtern um mich herum; meine fremdartige Kleidung erregte ihre Neugierde. Als sie mich so ruhig und geduldig chasitzen sieht, faßt sie sich ein Herz, geht von rückwärts auf mich zu und klopft mich leise aus die Achsel, und. als ich mich hier­auf nach ihr umsehe, schlägt sie ein Kreuz, begleitet von einem fragenden Winke; denn da ich der Landessprache unkundig war, mußten wir uns auf die Zeichensprache beschränken. Ich antwortete ihr ebenfalls durch ein Kreuz, worauf sie schnell meine Schulter faßt, sie küßt, und sodann mit einem durch die Gemüthsbewegung be­schleunigten Schritt, so schnell es das Alter einer Ur- großmutter zuläßt, zum Zimmer hinaus trippelt. Wenige Augenblicke danach war ich von Kindern, erwachsenen Mädchen und Knaben umringt; hierauf kamen die Väter zurück, aber, trotz der Drohungen der Janilschare», immer noch mit leeren Händen. Doch kaum hatte ihnen bas alte Mütterchen die gute Neuigkeit mitge- tbeilt, so wurde in einem Nu alles herdeigeschafft; Freude und Ueberfluß herrschte« im Hause. Von dem Augenblick an, als ich das Zeichen des Kreuzes gemacht butte, war ich ihnen ein Bruder: was von meiner Seite so viel hieß als Nächstenliebe, Sichtung sür die Person und sür das Eigenthnm, und von ihrer Seite gleichbe­deutend war mit Gastfreundschaft und Vertrauen. Wir waren alle mit einander glücklich; dieselbe» Grsüdle vereinigten uns. Als kiese gute Alte mich das Zeichen deS Kreuzes machen sah, war <6 ihr gar nicht darum zu thun gewesen, ob ich eS von der Linken zur Rechten, oder von der Rechten zur Linken machte. Und daS ist eines von den Uiilerscheidungsmerkiualett, w.lche hin­reichen, um eine Scheidewand zwischen Goitesgelehrlen zu bildtii, welche viel mehr vom Pi-arisäer an sich haben, als vom Christen.

ZkidfdihiiiK

X Bleidenstadt, 19. März. Wir fühlen uns verpflichtet, den Männern, welche die neue Chaussee Anlage zwischen Wiesbaden und unserem Aaitbale an­geregt haben, den wärmsten Dank ausznsprechen. Unser sonst abgeschlossenes Thal gewinnt dabei sehr viel und besonders binsichtlich deS Feldbaues. Die seit einigen Jahren eingesührte und sich sehr gut renlirende Kalk­düngung kann zukünftig des leichteren Transportes der Ka^teinS wegen vollkommen auSgeführt werden. Zu­gleich aber auch verschönert sich unsere Gegend, und neben der Aar, die unser herrliches Wiesenthal schmückt, nimmt die neue Chaussee eine, dem Auge wohltbuenbe Räumlichkeit ein. Herr Kreisamtmann Vogler aus Schwalbach, welcher der erwähnten Chauffecanlage eine besondere Sorgfalt schenkt, jucht auch der hiesige Gc- nieinderalh zu bewegen, daß der schöne, quer vor dem Aarthale stehende Fels , Hähnchen genannt, durch Fuß­pfade von der neuen Chaussee aus zugänglich gemacht, und auf der Höhe desselben ein Lusthans angebracht wird. Die sich dort darbietende Aussicht verdient eS, daß die Gemeinde die wenigen Kosten anwendet, be­sonders da jener Fels schon von jeher den umliegenden Ortsbewohnern zum VergnüguugSorte biente und das Endziel ihrer Ausflüge bildet.

$ Aus dem Justizamte Runkel, 19. März. Der frühere evangelische Caplan und jetzige altlutheri­sche Geistliche Hein ist aus Steetc» ausgewiesen. Dem Vernehmen nach soll demselben auch der Aufent­halt im Kreisamt Limburg verboten sein. Man wun- beit sich allgemein über diese gegen einen achtbaren, am positiven christlichen Glaube» festhaltenden Geistlichen einer durch völkerrechtliche Verträge garantirten Confes­sio» verhängte Maßregel und vergleicht damit die den Dcutschkatholiken , die weder eine positive GlaubenS- riebtuug haben, noch als Confession durch internationale Verträge anerkannt sind, in religiöser (?) Beziehung gestattete freie und ungehinderte Bewegung *).

-+ Bad Ems, 19. März. Neulich wurde in die­sem Blatte berichtet, daß man wegen der großen Noth eine Sttppenanstalt gegründet, unb daß der Mangel im Allgemeinen äußerst fühlbar sei. Seih einiger Zeit merkt

*) Wir fine in den Stand gesetzt, Gininri über die soge­nannte» Glaubensarti 'rl ver Oiuischkat elften mitzutbeilen. Wir halten uns dieß für eine der nächsten Nummern bevor.

Die Rev.

man dies jedoch nicht, denn schon seit 8 Tagen hält sich eine hcrumziehende Gauklerbande auf, die täglich Vor- (Mangen gibt, unb eine Menge Leute anzieht. Es müssen denn doch so schlimme Zeiten nicht sein, wenn eine solche Bande die Erlaubniß zum Spielen für so lange Zeit erhalten kann und dabei ihre Rechnung sin- det. Unverschuldete Armuth, nicht aber Tagbieberei sollte man iinterstützen! Eine andere Frage aber von bober Wichtigkeit drängt sich bei dieser Gelegenheit noch mehr in den Vordergrund, nämlich die Frage der S o n n t a g s f e i e r. Während wir eben in der Fa­stenzeit sind, durchziehen diese Gaukler in buntem Kostüm mit Trompetenschall am hellen Sonntage die Straßen und geben auf einem öffentlichen Platze eine Vorstellung.

Aus Baden, 18. März.Kisselef ist abgereist", Kisselef ist noch nicht abgereist", war vor noch nicht langer Zeit das Tagesgespräch in Paris und stehender Artikel in den Journalen. Auch wir haben unsere Kisselef- Frage.Ist Graf Le in i »gen nach Rom abgereift, ober nicht" ? Beides ist richtig Er ist abgereift, er ist nicht abgereist; oder vielmehr er war abgereist nach Rom, ist aber wieder da, ohne.in Rom gewesen zu sein. Am 7. b. M. nämlich reiste Graf Köhlingen mit Assessor Turban ab nach Rom; aber in Basel schon traf er, wie dem Mainzer Jour, aus Karlsruhe berichtet wird, eine telegraphische De­pesche, welche ihn wieder heimrief. Derselbe befindet sich nun auf seinem Schloße in Neuburg. Was die Ursache der Zürückbervfung war, ist nicht bekannt. Nun heißt es, die Reise sei nur verschoben; vi, lleicht, bemerkt der Correspondent, nimmt man noch Einmal einen Anlauf bis Luzern, um sich mit dem bekannten Leu zu confultiren.

Derselbe Correspondent schreibt ferner: Daß Herr v. Bismark vor einiger Zeit hier gewesen, haben Sie von anderer Seite ei fahren. Derselbe hatte eine Con- ferenz mit den Ministern von Wechmar und von Rüdt in Betr.ff der Kucheusrage. Es scheint, daß dieser Ge- sandie bezüglich der protestantischen Elemente dieselbe Ansicht hegt, wie rücksichtlich der Gothaer. Bekanntlich äußerte er, daß die Gothaer in der äußeren Politik Preußens brauchbare Bundesgenossen seien. Für alle Eventualitäten will man sich jetzt in Preußen der pro- testantischen Sympathien Badens bei Zeiten versichern. Wen» ich indessen von protestantischen Sompathieu rede, so siild damit rationalistische gemeint; denn der Prote- staiitismuS im Lande ist bekanntlich Rationalismus. Gothaer und Rationalisten schöpfen aber ans derselben Quelle. Die Frage, weßhalb gerade in Baden und Nassau gegen die katholische Autorität am Meisten ge­kämpft wird, würde einer Untersuchung werth sein. UnS dünkt, bemerkt der Correspoiideiit, daß der Grund nahe liegt, die protestantischen Landeskirchen Ba­dens und Nassaus sind jetzt fast die einzigen conscssious- losen in Deutschland. Diejenigen Protestanten, welche am zähesten an ihren Svmbolèn hängen, sind in der Beurtheilung unserer Kirchenfrage auch die Gerechtesten oder doch die Billigsten. Die Revolutionäre aller- aucen, wozu wir auch die Gothaer und Rationalisten zählen, müssen die eifrigsten Feinde der katholisch­kirchlichen Autorität sein , da sie keine Autorität aner­kennen, als höchstens die von ihnen geschaffene. Mögen tie Regierungen diesen inneren -Zusauiâchang der po­litischen und kirchlichen Cardinalfrage» gehörig würdi­gen, und dann können sie nur auf der Seite der Bi­schöfe stehen.

München, 17. März. Friedrich Boden- stedt hat von Sr. Majestät dem König WnLimiUan einen ehrenvollen Ruf nach München erhalten und an­genommen.

Köln, 19. März. Gestern Abends ist die Sonn- lagSnummer der Kölner Zeitung mit Beschlag belegt worden. Wir können, bemerkt dieKöln. .Z.", auf­richtig versichern, daß uns selbst diese Beschlagnahme, namentlich waS den leitenden Artikel betrifft, noch immer unbegreiflich ist. Da die beanstandeten Ait kel sich sämmt­lich ans die Stellung Preußens in der allgemeinen Po­litik beziehen, so sehen wir unS genöthigt, diesen Ge­genstand hinfort nur mit der äußersten Vorsicht zu be­rühren , namentlich aber unserer Polimik gegen bie Partei der Neuen Preußischen Zeitung enge Schranken zu setzen.

Hamburg, 17. März. (Hannov. Z.) Die eng­lische Flotte soll in diesem Augenblicke von Kiel aus