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Kreisen sehr nahestehenden Manne in Paris wichtige Mittheilungen über den Stand der orientalischen Frage erhalten haben. Derselbe glaubt nämlich neuerdings wieder an Erhaltung des Friedens und stützt sich dabei aufdie Publicität, welche Rußland seinem Memoran­dum gab, worin er fast ängstlich bemüht ist, sein Ver­fahren zu rechtfertigen, die Verantwortlichkeit des Kriegs auf die Westmächte zu wälzen und nachzuweisen, daß es Alles aufgeboten habe, um den Krieg zu vermeiden; ferner auf die Gegenvorschläge, welche es nämlich an die Conferenz in Wien richtete, die solche nickt zurück­gewiesen, sondern in ernstliche Berathung genommen habe. Wenn in diesem Falle das Gleichgewicht im Orient von Frankreich und England festgehalten und gesichert ist, so dürfte die Berathung eines CongresseS zur schließ- lichen Erledigung übergeben werden." Wir wollen wünschen, daß sich noch in letzter Stunde eine Aus­gleichung finden möchte, obschon wir selbst diese Hoff­nung nicht mehr haben.

Dänemark.

Kopenhagen, 17. März. Der König antwortete der Deputation, welche ihm die gegen das Ministerium gerichtete Mißtrauensadresse überreichte: Er werde in Erwägung ziehen, was dem Lande dienlich sein könne und demgemäß seinen Beschluß fasse».

Wroßbritannten.

London, 16. März. General Graf v. d. G r o e d e n, der mit einer besondern Mission Sr. Maj. des Königs von Preußen betraut vorgestern Morgen hier einge­troffen ist, begab sich am Nachmittag desselben Tages in Begleitung Lord Clarendons und deö Chevalier Bunsen nach Osborne, wo jeder der Genannten eine Audienz bei Ihrer Majestät hatte und zur Tafel ge­zogen wurde. Sie trafen gestern am frühen Morgen wieder in der Hauptstadt ein, und Ritter Bunsen mit General v. d. Groeben erschienen gestern Abend beim Jahresfestessen des hiesigen deutschen Hospitals. Lord Robert Grosvenor prasidirte und hielt seine Anrede in deutscher Sprache. Er brachte den üblichen Toast auf Se. Maj. den König von Preußen und die anderen re­gierenden Häupter Deutschlands, welche das Institut so freigebig unterstützen, aus. Ritter Bunsen dankte im Namen seines Königs, und bemerkte, daß es Sr. Maj. gewiß angenehm sein werde, seinen Namen, eben jetzt, wo Europa von Kriegsdrohungen und Rüstungen wiberhallt, in Verbindung mit der köngilichen Familie von England genannt zu hören. Se. Excellenz dankte dann für die' übrigen Fürsten Deutschlands, und be­dauerte, daß die Gesandten von Oesterreich und Hau- nover durch unaufschiebbare Geschäfte verhindert seien, dem Essen beizuwohnen. Die Ordre f ür Ad­miral Corrys Reserveflotte, noch am gestrigen Tag nach der Nordsee auszubrechen (von der Ostsee ist ja noch gar nicht die Rede) konnte nicht aus geführt werden, da die Bemannung noch lückenhaft war und der Neptun seine starke Munitionèladung noch nicht vollständig an Bord gebracht hatte. Der Besuch der Königin unterblieb demzufolge und ist auf heute Mittag verschoben, worauf der Neptun wahrscheinlich unter Segel gehen wird. Ob der Prince-Regent und der Boscawen so weit equipirt sind, um gleichzeitig auslaufen zu können, ist noch die Frage. Mittlerweile ist von der Admiralität dem St. George, 120 Kanonen, gestern Abend der telegraphische Befehl zugekommen, im Noth- falle allein heute bei Tagesanbruch auszulaufen. Es fehlt bis jetzt die Meldung von Portsmouth, ob es geschehen ist.

DieTimes" bringt nachstehende telegraphische Mit­theilung aus Wien vom 15.d., ohne selbst jedoch für deren Genauigkeit einsteheu zu wollen. Die neuen Vorschläge Rußlands sind auf die Aufrechthaltuiig der bestehenden Verträge zwischen Rußland und der Türkei basirt. Demzufolge würden die Russen die Donau- fürstenthümer räumen und die Flotten den Bosporus wieder verlassen. Man würde sodann die Unterhand­lungen wieder aufnehmen, und die Vorschläge des Fürsten Menczikoff würden die Basis einer neuen Uebereinkunft mit der Pforte bilden, an welcher die vier übrigen Großmächte Theil nehmen würden. Es heißt, Oesterreich und Preußen wollten diesen Vorschlägen bei- trcten, Baron von Bourqueney erkläre im Namen Frankreichs dieselbe als der Prüfung werth, aber Lord Westmoreland dringe auf die Revision der bestehenden Verträge. Auch heißt eS, daß, wenn die Westmächte diese Vorschläge zurückweisen sollten, Oesterreich sich als frei von seinen Verpflichtungen gegen dieselben betrach, ten werde."

Ans Paris wird demChronicle" geschrieben: //Die diplomatische Welt ist seit zwei Tagen in großer Bewegung über die Ankunft des außerordentlichen Ge­sandten , der eine vertrauliche Mission von Seiten des Königs von Preußen hat. So viel ich erfahren kann, läuft die Sendung aus folgendes hinaus:Da der Kaiser von Rußland vernommen hat, daß England und Frankreich thätige Schritte ergreifen, um die Pforte da- Hi'i zu bringen, daß sie ihre christlichen Unterthanen auf den Fuß der Gleichheit mit den Muselmanen stelle, so erklärt er, daß ein so wichtiges Zngeständuiß, wenn cs verlangt würde, das von Rußland beanspruchte Protectorat über die Christen überflüssig machen, und daß er in diesem Falle geneigt wäre, gemein­

schaftlich mit den Großmächten Behufs der Regulirung der allgemeinen Stellung und Rechte der christlichen Bevölkerung in der Türkei zu unterhan­deln. Würde diese Basis der Unterhandlung ange­nommen, so würde Rußland die Fürstenthümer unter der Bedingung räumen, daß England und Frankreich zur selben Zeit ihre Flotten aus dem schwarzen Meere znrückrufcn. Preußen, sagt man, hat es übernommen, diese Mittheilung an die Cabinette von Paris und Lon­don zu machen, und zu verstehen gegeben, daß es, im Falle der Verwerfung dieses letzteren russischen Aner­bietens. entschlossen sei, am Kriege gegen Rußland kei­nen Theil zu nehmen, und die bereits angekündigte Neutralität so lange festzuhalten, als die Interessen Deutschlands nicht gefährdet werden." Der Correspon- dent hält den Vorschlag für unannehmbar, auch wenn er mehr als ein Mittel, Zeit zu gewinnen, wäre, und wiederholt dann die Angabe, daß die Türkei sich gegen den e n g l is ch . fra n zösischen Allianz­vertrag sträube; derselbe bedinge nämlich die völ­lige Emancipation der christlichen Unterthanen des Sultans und die freie Schifffahrt des Bosporus. Die türkische Regierung versichere, daß sie die Stellung der Chnsten zwar verbessern wolle, sich aber nicht durch einen Vertrag binden könne, so weit darin zu gehen, als die Mächte ihr zumuthen. Es ist, jedenfalls, be­fremdend, daß über bas Schicksal des englisch-franzö- fischen Allianzvertrages, dessen Unterzeichnung in Con» stantinvpel längst stattfinden sollte, keine Silbe verlautet. Nach der Pariser Korrespondenz der Times wäre die Mission deS Fürsten von Hohenzollern gescheitert, so weil sie sich auf die Neutralitätserklärung Preußens be­ziehe. Was man über die Vorschläge Rußlands, deren Ueberbringer er sei, in Umlauf gesetzt, scheine sich nicht zu bestätigen.

London, 18. März. (Tel. SyndicatS-Depesche.) Das heutigeMvrning Chronicle" bringt die wichtige Anzeige, daß das nach Petersburg abgcgangcne letzte Ultimatum der beiden Westmächle von Sei- tfeu Rußlands znrückg e wiesen worben sei.

Jtiilun.

Turin, 11. März. Der König hat heute ein Decret unterzeichnet, durch welches die reichen religiösen Orden (frali possidenti) aufgehoben werben. Die von bem Oekouomat verwalteten Einkünfte sollen unter die armen Gemeinden vertheilt werden, welche bisher Zu­schüsse aus der StaatScasse bezogen. Auf diese Weise wird das Budget um 900,000 Fr. entlastet werden, die es jährlich für Ausgaben des Cultus zahlte. Die Mitglieder der aufgehobenen Orden erhalten eine Pen­sion Der kürzlich zum Erzbischof von Pisa ernannte Cardinal Corsi hat von der großh. Regierung die Wiederherstellung der geistlichen Gerichte in Toscana, d. h. die Aufhebung der lcopoldinischen Gesetze. Berichte auS Neapel zufolge hat Herr Brenier vom Könige beider Sicilien das Kreuz des St.-Januarius- Ordens erhalte». Wie es heißt, hat Brenier von der neapolitanischen Regierung für Frankreich die Erlaubniß verlangt, einen Hafen des Königreichs beider Sicilien zu besetzen, um dort für die Dauer des orientalischen Krieges ein Kohlen-Depot anzulegen. Die Bestätigung dieser Nachricht ist abzuwarten.

Turin, 13. März. Prinz Ludwig Lucian Bonaparte ist gestern hier eingetroffen und wird heute mit dem Grafen Pepoli »ach Genua weiter reisen.

Turin, 14. März. Die Abgeordnetenkammer hat das neue Strafgesetz mit 93 gegen 33 Stimmen ange­nommen.

Die N. Pr. Z. bezeichnet die oben unter Rom, 8. März mitgethcille Nachricht der Spcn. Ztg. als un­richtig, seit vicrunddreißig Jahren finde ein regelmäßiger sonntäglicher evangelischer Gottesdienst innerhalb der Stadtmauern Roms, im preußischen Gesandtschafts- Hause seit 1823 im Palazzo Caffarelli statt, auch besteht eine evangelische vollständig organisirte Ge­meinde.

Rußland

Petersburg, 10. März. Die Sistirung der Feindseligkeiten hat zum Theil in den Witternngsver- Hâltnisscn ihren Grund, in Bezug auf den astatischen Kriegsschauplatz aber ist der Gesundheitszustand des Fürsten Woronzow hierbei von besonderem Einfluß. Der greise Feldherr ist nämlich durch die Anstrengungen der letzten Zeit so angegriffen, daß er mit dem Beginne der milderen Jahreszeit sich nach Europa in ein Lad wird begeben müssen, zu welchem Zwecke ihm bereits ein Urlaub von sechs Monaten bewilligt sein oll. Ob Fürst Paskewitsch nach Jnspicirung der Donauarmee auch^nach Asien gehen und Woronzow's Stelle einueh- men wird, läßt sich nicht verbürgen , obgleich man hier mit ziemlicher Bestimmtheit davon spricht.

In Kalisch soll man einer beabsichtigt gewesenen Erhebung auf die Spur gekommen sein, die ziem­lich verbreitet sein und nationalen und communistischen Character haben soll.

DieDarmstädter Zeitung" theilt u. A. aus einem Privatschreibcii aus Reval vom 4. März Folgendes mit:Es sieht hier und in der Umgegend recht kriegerisch aus. Wir erwarten 25,000 Mann russischer Truppen, namentlich das so schöne 2. Petersburger Garderegiment, während in der Provinz Finnland, über

, das Meer etwa 36 Meilen von hier entfernt, 30,000 Streiter einrücken sollen. Man glaubt Anfangs Mai englische Kriegsschiffe vor Reval zu sehen. Bis dahin setzt ihnen die Natur noch Hindernisse in den Weg: eine unendliche Masse Eis.

Danaufürttenthümer.

Belgrad, 10. März. Es ist die Absicht der hiesigen Regierung, für jede Eventualität gerüstet dazu­stehen. Eine der wichtigsten der diesfalls erlassenen Verordnungen ist offenbar die im ganzen Lande gebo­tene Conscription der vorhandenen (brauchbaren und unbrauchbaren) Schußwaffen. Auch ist noch zu erwäh­nen, daß sich sämmtliche Großwürdenträger, welche die höchste» Regierungsämter begleiten, Nationalcostüme anschaffen, um im Falle eines Krieges mit allem ver­sehen zu sein, da das Volk europäisch (hier sagt man deutsch) gekleideten Leuten nicht recht trauen will. Noch viel bedeutsamer ist der Umstand, daß eine Volkscpn- scription im großartigsten Maßstabe vorgenommen, und das Volk, gleich einer regulären Truppe fortwährend in Waffen geübt wird.

Diejenigen russischen Truppen, welche den Befehl hatten, von dem Cernirungscorps bei Kalafat abzu­ziehen und sich in der großen Walachei zu concentriren, haben den neuesten unser früheren Angaben bestätigen­den Berichten aus Kr oj o w a nicht nur Conteorbre erhalten, sondern sind noch durch ein Regiment Ulanen verstärkt worden. Es sind großartige Vorbereitungen zu dem Sturm auf Kalafat von Seite der Russen ge­troffen worden. Maglavit wird tüchtig verschanzt und soll zum Stützvuncl der russischen Armee, so lange Ka­lafat nicht genommen ist, umgeschaffeu werden.

Türke,

Constantinopel, 9. März. Die Convention zwischen den Westmächten und der Pforte wegen einer umfassenden Emancipation der Christen in dem Orient wird gegenwärtig hier bearbeitet. (Es ist darin Ab­schaffung der K o p fst e u e r, daS Recht der Zeugenschaft und des Besitzes, wie die Zulassung der Cbristen zu öffentlichen Aemtern beantragt.) Ein Friedcnsabschluß zwischen der Pforte und Rußland kann nur unter Zu­stimmung der Westmächte erfolgen. Die Convention enthält noch überdies die Bestimmung, daß dem Sultan ein Hülfscorps zu überlassen fei, über dessen Verwendung der Sultan verfügt. Eine militärische Expedition nach Griechenland ist zu gewärtigen.

Der Sultan hat die Bildung von zwei neuen Ar­meen von je 30,000 regulären, 15,000 irregulären Truppen und 45 Geschützen deeretirt. Die Officiere des eben direct von Sebastopol zurückgekebrtenVulkan" sahen daselbst nicht weniger denn 10,000 Mann mit dem Aufführen neuer Festungswerke beschäftigt.

Seit einigen Tagen trägt man sich hier auch wieder mit Geruchien von bevWlcyenden Aenoerung?» du Mr- nisterium, vom Wiedereintritt Mehemed Ali Pascha's rc. Es ist kein Zweifel, daß Mehemed Ali Pascha durch seine Frau, eine Schwester des Sultans, noch fortwäh­rend sehr großen Einfluß im Serail hat, wie ihm denn der Sultan erst kürzlich wieder einen Beweis seiner Huld gab, indem er einen Sohn Mehemed Ali Pa­scha's versteht sich aus dessen früherer Ehe, denn die von einer kaiserlichen Prinzessin g e- hörnen Söhne, bleiben bekanntlich nie am Leben! für eines seiner Töchterchen zum Bräu­tigam erkor. Die Serail-Intriguen hören nie auf; einer sucht immer den andern zu verdrängen und sich an dessen Stelle zu setzen. Daß Mehemed Ali Pascha selbst alle Hebel in Bewegung setzen wird, um wieder in'S Mini­sterium zu gelangen, ist darum gewiß nickt zu bezwei» sein. Die Repräsentanten der Großmächte könnten aber wohl kaum dulden, daß im Ministerium ein Mann wie­der Platz nehme, der in allem Ernst meinte, alle an Rußland verlorenen türkischen Provinzen wieder zurück- erobern, nach St. Petersburg marschiren und dort dem Czaar den Frieden dictiren zu können. Im Hafen von Odessa hatte kürzlich, wie von dort hier angckommene Capitaine erzählen, auch ein Strike statt. Die mit Ver­ladung des Getreides beschäftigten Arbeiter verlangten auf einmal, statt des Branntweins, den man ihnen sonst bei der Arbeit reichte Champagner! Ohne Cham­pagner wollten sie nicht mehr arbeiten. Die bedrängten Capitaine boten andere Weine an, es half aber alles nichts. Die Russen arbeiteten wirklich nicht mehr, bis sie den verlangten Champagner bekamen. So erzählen wenigstens die CapitainS.

Mit der Organisirung der im türkischen Dienste be­findlichen christlichen Freischaaren zu Sckumla will nicht recht vorwärts gehen. Offenbar ist den betreffen­den Commandeur-, welche nicht Muselmänner geworden und dennoch zu Pascha's ernannt worden fmb, der Vezir Omer Pascha als Renegat nicht hold. Bisher haben sich alle Renegaten als große Christenvcrfolgcr berüchtigt gemacht, und der frühere österreichische Feld­webel Laltas (jetzt Omer Pascha) macht hiervon keine Ansnahme. Die Hetlmanns der sogenannten türkischen Kosaken" Sadik und Moublis Pascha (Czeikowöki und Fürst Slourdza) haben jetzt 400 Reiter beisammen, darunter die Mehrzahl Polen und Magyaren; der Vezir Omer Pascha hat sie noch nicht besichtigt und er ist für die erwähnten Hellmanns nicht zugänglich. Es ver­lautet, daß diese Freischaar nicht an die Donau gehen,