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Beweis dieser Friedensliebe darin bestehen würde, mit mehr Energie zu handeln." Man kann daher diese Mission, wenn ihr Zweck es war, Frankreich zur unbe- dingten Billigung der Neutralität Preußens zu bewegen, als gescheitert betrachten. Die Anleihe wird wirklich ein kolossales Resultat liefern: ich führe Ihnen bloß außer allgemein bekannten Thatsachen noch die an, daß die Körperschaft der Anwälte (chambre des avoués) 15,000 Franken, die der Notare (ekirmbro des nolaires) 30,000 Fr. Rente was zusammen so viel wie eine Million macht und Herr Pereire, ein bekannter Fi­nanzmann , für sich allein 30 Mill. Capital gezeichnet hat. Das JournalLa Presse" oder vielmehr Emil v. Girardi« hat zur Bezeugung seiner patriotischen Ge­sinnungen heute Morgen für sein Theil 3000 Fr. Ren­ten genommen; wofür es, die dreiprocentige Rente zu 62,50 berechnet, 65,250 Fr. an Capital zu zahlen hat. Ein Adjutant des Generals Prim ist gestern nach Constantinopel gereist, man sagt, um dem Sultan die Dienste des noch immer unter einer Art Ausweisungs­befehl befindlichen spanischen Generals anzubieten.

Schweiz.

Bern Endlich ist der Widerruf des Herrn Stä m pfli in Betreff der gegen die Patrizier erhobe­nen Beschuldigung, als hätten sie in der französischen Revolutionszeit die ihnen auferlegten Kriegscontributio- nen aus öffentlichen Geldern bezahlt erschienen. Un­term 3. März 1854 erklärt Herr J. I. Stämpfli, Redacteur derBerner Zeitung", jene Beschuldigungen förmlich als unwahr" und verwahrt die Ehre der be­treffenden Personen bestens. Die Beschuldigungen sind von Stämpfli im April 1851 veröffentlicht worden. Es bedurfte also fast voller drei Jahre, bis die Kläger zur Ehrenrettung gelangten, gewiß eine herrliche Proceß- gesetzgebung !!

Einen freundlichen, sehr überraschenden Besuch stat­tete in diesen Tagen der ungarische Flüchtling Thury, welcher vor einigen Monaten als demokratischer Agent ausgewiesen und auf eidgenössische Kosten in den Orient spedirt (?) worden war, in der Stadt Bern ab. Herr Thury wollte uickt als Jndustricritter angesehen werden; er kam mit gefüllten Thaschen (man sagt, aus Turin und Genua), bezahlte seine Gläubiger, ließ sichs mit seinen Freunden und Gesinnungsgenossen gut schmecken und reiste dann nach einigen Tagen nach England (?) weiter. Dem Gesetze nach hätte Herr Thury wegen Bannbruchs vor die Gerichte gestellt werden müssen, aber Umstände pccuniäre und politische ändern in der Schweiz gar Bieles!

Dänemark.

Kopenhagen, 14. März. Mehrere Schiffe von der englischen Flotte sind signalisirt. Eine Fregatte hat vor der Stadt Anker geworfen.

Die Nachricht, daß die Regierung der Bereinigten Staaten einest Protest gegen die fernere Erhebung des Sundzolles von ihren nach der Ostsee fahrenden Schiffen erhoben habe, erfuhr die hiesige Presse erst aus deutschen Blättern, weil unsere Regierung die Sache sehr geheim hielt. Der französische und der englische Gesandte haben inzwischen mehrere Conferenzen mit dem dänischen Minister des Auswärtigen gehabt und die Zu­sage gemacht, auf ihre Regierung dahin wirken zu wol­len, daß deren Verwendung beim Cabinet zu Washing­ton eintrete, damit die Regulirung der Angelegen­heit auf eine für Dänemark günstigere Zeit verschoben werde.

örirlibritdnwiCK.

London, 13. März. DerHecla" ist aus der Ostsee hier wieder via getroffen. Die Häfen von Cbri- stiansand, Wingo (Schweden), Nyborg im großen Belt und von Kiel sind von ihm sondirt und tauglich zu Flotten-Stationen befunden worden. Er begegnete der englischen Ostsee-Flotte in der Nordsee und schickte IG Offiziere an Bord derselben, welche jene Sondirung der Fahrgewässer vorgcuommen hatten. Er bringt bereits Briefe vom Admiral, denen zufolge die englische Flotte Wingo anlaufen wollte.

London, 15. März. (T. D. d. H. N.) Admiral Corry ist beordert, heute mit der R ese r v c fl o tte abzusegeln und vor Vinga (unweit Goteuburg) zu Ad­miral Napier zu stoßen.

JWun.

Rom, 8. März. Wie die Spene.'sche Zeitung meldet hat die königlich preußische Gesandtschaft den Palast Caffarc lli für 82,000 Scudi gekauft; in Folge einer besonderen Erlaubniß wird dort protestantischer Gottesdienst gehalten werden, was nie zuvor innerhalb der Stadtmauern stattgesundeii hat. Wir können natürlich keine Bürgschaft für diese Nachricht übernehmen.

Frau von Skariatine, die Gemahlin des kaiserlich russischen Geschäftsträgers beim päpstlichen Stuhl, die wie sich unsere Leser erinnern werden, während des Carnevals durch einen Steinwurf am Arme schwer ver- letzt wurde, ist auf dem Wege der Besserung. Der franzouiche Militär-Oberchirurg Petronelli, der von dem französischen Gesandten von Rayneval der Dame zur ^"lugung gestellt wurde, wird sehr gerühmt. Die Fa- milie des Elenden, der das Bubenstück verübte, hat den raiserl. russischen Geschäftsträger gebeten, sich für den Sünder zu verwenden, aber die Antwort erhalten, der Geschäftsträger müsse das Resultat der eingcleitctcn

Untersuchung abwarten; stelle es sich bei derselben her­aus , daß man nur seine und seiner Gemahlin Person beleidigt habe, so werde er gern eine Fürbitte einlegen; sollte es sich dagegen erweisen , daß man eine Beleidi­gung seines Souveräns beabsichtigt habe, so werde er der Gerechtigkeit ihren Lauf lassen. Man ist übri- gen 8 ziemlich allgemein überzeugt, daß die pöbelhafte Insulte eine politische Demonstration gewesen, denn es wurden an demselben Tage auch mehrere Steine in die Fenster des kaiserlich russischen BotjchaftS - Hotels geworfen.

Wir erfahren, daß die Oesterreichcr ihre Kranken aus Bologna wegbringen lassen, daß in Fabriano (bei Ancona) ein Aufstand stattgesundeii; 3000 Bauern, geführt von einem Weibe, zerstörten die Häuser. Die Oesterreicher aus Cuccona stellten die Ordnung wieder her. Auch in Bologna fand eine Erneute statt, weil man nicht alle Lusttragende an der Eisenbahn be­schäftigen wollte. Der Minister von Martino in Turin hat deßhalb seine Demission einreichen müssen, weil er nicht verhindert hatte, daß die Bande, welche die Begnadigung der drei Verbrecher verlangte, in's königliche Schloß drang. In Italien circulirt eine Proklamation der aufständischen Griechen, welche darin um Geld zu Waffenankäufen bitten.

Iouaufürnenthümer.

Wie die A. A. Z. ans Serbien berichtet, hat General Knitschanin die Organisirung des Landsturms und der activen Truppen beendet. DaS Oberkommando behielt Fürst Alexander sich selbst vor, unter ihm com- mandiren General Knitschanin und Oberst Dawidowitsch. Fürst Alexander war Willens, dieser Tage nach Kragu- jewacz abzureisen; da aber der Österreich. Oberstlieute­nant Stratimirowitsch in Belgrad mit wichtigen Depe­schen angekommen war, blieb er zurück, und hatte auch eine Rücksprache mit dem russischen Staatsrath Fonton. In Bosnien droht der alte Zwist wieder auszu- brechen.» Bekannilich herrscht in jenem Ejalet seit lan­gen Jahren zwischen den bosnischen Muselmanen ^(frü­her christliche Edelleute) und den türkischen Machthabern eine blutige Fehde, die, so ost sie auch unterdrückt wurde, bei jeder schicklichen Gelegenheit wieder ausbrach. Die Raja (die Mehrzahl der bosnischen christlichen zinS- vflichtigen Bevölkerung) blieb in letzterer Zeit bei dem Zwiste unbetheiligt, denn die OSmanli sind so gut wie die bosnischen Muselmanen ihre Unterdrücker. Beide Theile rüsten jetzt wieder gegen einander und jede Par­tei trachtet, die Raja auf ihre Seite zu bringen. Um dem Ueberwogen revolutionärer Elemente zu begegnen, wird auch die dritte Brigade der k. k. österreichischen Truppen in Dalmatien bis auf die Stärke von 20,000 unter dem Commando des Generals Mamula gebracht; die Hälfte dieser Streitkräfte rückt dahin von Verona ab, wohin Truppen ans den rückwärts liegeirberr Pro­vinzen als Ergänzung instradirt wurden. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der Ban Jellachich an der bos­nischen Gränze 120,000 Mann innerhalb acht Tagen aufstcllen kann.

Vom Kriegsschauplätze sind die letzten Nach­richten noch immer sehr widersprechend. Wir beschrän ken uns darauf anzusührcn, daß, während einerseits be­hauptet wird, die Russen hätten ihre Stellung bei Ca- lafat verlassen, um sich mehr in der großen Walachei zu concentriren, andererseits behauptet wird, daß dies durchaus nicht der Fall sei. Nach demSiebenbürger Boten" lassen die in diesem 30,000 Mann starken La­ger wahrzunehmenden Bewewegunzcn vielmehr darauf schließen, daß mit Nächstem ein Angriff auf das tür­kische Bollwerk erfolgen dürste. General Semiakin soll mit den russischen Truppen aus Gruja nach Maglavit abgcrückt, und der erstere Ort bloß von einigen Schwa­dronen besetzt sein. Pojana ist durch ein Ulanenregi« ment aus der großen Walachei verstärkt wörden. Die Arbeiten an der Festung Maglavit nehmen ihren Fort­gang, so wie für daS Freicorps in der kleinen Walachei die thätigste Werbung fortgesetzt wird. Bekanntlich wurde dessen Auflösung als nahedevorstehend angegeben.

AuS Widdin erfährt man, daß im türkischen La­ger ebenfalls große Vorbereitungen zur Offensive gemacht werden, und daß man schon in den nächsten Tagen einem harten Zusammenstoß cntgegensteht. Wahr­scheinlich wird cs wieder bei Csitale zum Treffen kommen, wenn die WitterungSverhältnisse es zulassen werden. Auch wird versichert , daß die Pforte alles anfbieten werde, daß der Kriegsschauplatz nicht auf daS rechte Donauufer verlegt werde.

In Widdin befindet sich jetzt eine türkische Unter« suchungs-Commission über die Verwendung der zur Be­festigung und Verproviantirung von Kalafat ausgege­benen Summen im beiläufigen Betrage von 6 Millio­nen Piaster; für Kalafat allein ist ein Vorrath von Lebensmitteln angehäuft, daß die dortige Besatzung, falls sie von Widdin abgeschnitten werden sollte, eine sechSzehnmonatliche Belagerung aushalten könnte.

Im türkischen Hauviquartier herrscht regeS Leben und werden alle Vorkehrungen zu der nun in den ersten Tagen deS April erwarteten Ankunft des Sultans ge­troffen., der über Adrianopel in Schumla eintreffen wird.

Omer Pascha hat, um der Jadisciplin und den barbarischen Sitten seiner Truppen Schranken zu setzen, folgenden Tagesbefehl erlassen:Ich habe oftmals Ge­

legenheit gehabt, zu sehen, daß die Tapferen, um ohne Unterlaß im Avanürcn zu bleiben, sich nicht die Zeit lassen, todten und verwundeten Feinden "die Köpfe ab» zuschneiden. Wer daher fortan mit einem abgeschnitte- nen Russenkopf ankommt, gibt sich als einen feigen Nach­zügler zu erkennen und erhält als solcher Hundct Hiebe. ' Wer dagegen einen lebendigen Russen überbringt, be­kommt zehn Piaster."

Den Donauübrrgang bei Turnn Haben die Ruffen durch einen neuen Brückenkopf befestigt.

Türkei.

Constantinopel, 6. März. Ein Theil, und zwar der größere, der vereinigten Flotte bereitet sich zur Aus­fahrt in daS schwarze Meer vor. Der Sturm hat sich gelegt, und es ist die Nachricht eingelaufen, daß die russischen Schiffe an der russischen Küste in der Nähe von Chcfketil kreuzen.

Fuad Effendi ist, mit diktatorischer Gewalt bekleidet, nach Albanien geschickt worden, um den daselbst anS- gebrochenen Aufstand zu unterdrücken. Ein anderer Pascha hat sich von Constantinopel nach Samos bege­ben , um die Mißhelligkeiten zwischen den Bewobnern dieser Insel und den Pfortenbeamten beizulegen. Eine Truppenabtheilung begleitet ihn. Zn einem ähnlichen Zwecke sind auch Truppen nach Candia geschickt wor­den. Abd el Kader hat 6000 Piaster zu den Kriegskosten beigesteuert. Die beiden Dampfer, der bri­tische Fury und der französische Vauban, sind am 2. d. M. wieder bei der immer noch vor Beikos liegenden vereinigten Flotte eingetroffen, nachdem man sich in Scbastopol, wo sie Depeschen abgeben sollten, geweigert, sie einzulassen. Das Wetter war bis zum 6. März audauerud ungünstig.

Die Spannung zwischen Lord Redcliffe und Admi­ral Dundas soll sich gesteigert haben; ersterer habe verlangt, daß englische KriegSdampfer türkische Truppen zur Bekämpfung des Aufstandes nach Albanien bringen sollten; der Admiral habe geantwortet: die britische Seemacht sei da um zu kämpfen, zu nichts anderm.

Griechenland.

Berichte aus Athen vom 10. bestätigen die Zu- rückwcisung deS von der türkischen Besatzung in Arta littlernommenen Ausfalls. Die Türken haben in drei Colonnen diesen Ausfall gemacht. Die erste Colonne verbrannte das DorsZimeris, die zweite warb von den Aufständischen geschlagen und genöthigt, sich nach Pre- vesa zurückzuzieheu. Die dritte ward nach sechsstündigem Kampf nach Arta zurückgedrängt. Später entspann sich ein hartnäckiger Kampf von 1200 Albanesen mit Ka- raiSkakis, wobei die griechische Gränze überschritten wurde und es zu einem Gefecht mit den griechischen Gränz­truppen kam. Die Türken wurden zurückgeworfen und zerstreut, so daß wenige Arta wieder erreichten. GrivaS bedroht Jcnmrw. Die Gesandten von England und Frankreich fordern, daß König Otto die Revolution officiell mißbillige. Noch hat die griechische Negierung keine Antwort daraus ertheilt.

Der Adjutant des Königs von Griechenland, Oberst Kataraklo s, hat seinen Dienst verlaffen und befindet sich in Ma c ed o n i e n ,' um jene Provinz zu infurgi» reu. Die anderen von uns bereits benannten Jnsur- gentenfübrer organisiren ihre Mannschaft und bereiten sich zur Aufnahme der türkischen Angriffe vor.

Neueste Nachrichten.

Berlin, 7. März. Der Flügeladjutant Sr. Maj. des Königs, Obristlieutenant v. Manteuffel, wird sich zwar von München nach Wien begeben, indeffen wie dieN. Pr. Z." meldet, seinen Weg über Berlin nehmen, um hier vorläufigen Bericht zu erstatten über die Mission, welche er an Se. Maj. den Kaiser von Oesterreich gehabt hat. Seine Ankunft wird bereits heute erfolgen.

Die zur Zeit hier auf Urlaub anwesenden kaiserlich öesterreichischen Offiziere sind zu ihren resp. Trup- pentbeile» zurückberufen worden.

Kopenhagen. 15. März. Gestern kam das erste Schiff der englischen, Flotte, eine Schrauben - Dampf- Fr e gatte von 44 Kanonen, in Helsingör an; nachdem.es Kron borg mit 21 Schüssen salutirt und Lootsen an Bord genommen hatte, gelangte es in die Rinne, empfing vor Kopenhagen einen Salut von 21 Schüssen und setzte seine Fahrt in die Ostsee fort. Mehrere (englische und preußische) Kohlenschiffe mit Coiinoissement auf den Chef der englischen Flotte sind hier angelangt.

Gothenbnrg, 14. März. Heute wird die An­kunft der ersten Abtheilung der englischen Ostsee-Flotte in unserem Hafen erwartet.

Das Geschwader der Vereinigten Staaten ist am 14. Januar von Honkong nach Lnchu und Japan ab­gegangen. Es besteht aus den DampfernSusque­hanna",Powhattan" undMissisippi" den Segelschif­fenMacedonien"Plymoulh",Vandalia" und ,^Sa- ratoya" und der TransportschiffenSoutbaiupton",Sap- pey" undErmigton". Das russische Geschwader scheint sich noch immer in denselben Gewässern zu befinden und nächstens gebt auch das englische KriegsschiffSybilla" von Calcutta dorlhin ab.

yerannvonuqier vievacreur: Dr. A. Aoczttr.