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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr GG. Samstag heu 18. Mây 1834.

Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung für das 2. Quartal l. J. werden baldigst erbeten.

Die,«Nassauische Allgemein? Zeitung" mit »m belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« au«, enommen, täglich und beträgt der PrnnumerationSkiei« für Wiesbaden und, nach dem neuen Poftregulaiiv nunmehr auch fn stil ganzen Umfang des Thurn- und TariS'fchrn VermaltungSbezirl« mit Inbegriff des Äoffauffchlags 2 ff., für die übrigen Länder des deutsch-hsterreichischen Postverein«, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die viersxaliige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Lauggasse 42, auSwärl« bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Rußland und Vesterreich

* Oesterreich, haben wir gestern auSgeführt, bestimmt die Freiheit des russischen Handelns. Oe­sterreichs Kaiser macht es dem Czarcn unmöglich, auch nur an einen Fußbreit Eroberung an der untern Donau zu denken. Wir sehen Frankreich und England gegen Rußland gerüstet, bereit einen Krieg anzufangen , den . sie nur mit verhältnißmäßig geringen Hülfsmitteln füh- ' reu können, der Rußland empfindlichen Schaden zufügen, ; cs aber nimmer vernichten kann. Mit der größten i Spannung beobachten die Westmächte Oesterreichs Hal- i tung, erwarten sie seine Entscheidung. Ohne Oester- reich vermögen sie nichts, mit Oesterreich alles , deßhalb , ist es der Kaiserstaat an der Donau, der jetzt die Ge- s schicke unseres WelttheileS lenkt.

Es ist nicht zu leugnen, die Frage ist durch das | Hinzukommcn neuer Elemente, durch den Beginn des griechischen Aufstandes und die drohende Erhebung der ganzen christlichen Bevölkerung der Türkei eine andere, eine schwierigere geworden. Man erkennt an der Do­nau den Ernst der Lage und weiß, welche Interessen auf dem Spiele stehen: Die Attitüde, welche Oester­reich an nimmt, zeigt dieß deutlich und läßt zugleich er« warten, daß es gelingen werde jeden Angriff, jede j drohende Gefahr, kämen sie von dieser oder jener Seite, abzuweicken.

Es ist mehr als ein bloßer Zufall, daß man in der Presse jetzt wiederholten Andeutungen ans die ehrgeizigen Pläne Rußlands begegnet, daß eine düstere, von einer unbestimmten Besorgiiiß hervorgeriifene Stimmung sich | der Gemüther bemächtigt und langsam aber stetig sich ein Umschlag der Gesinnung gegen Rußland vorbereitet, bei diesen durch die Furcht vor dem Ueberhandnehmen i seiner politischen Macht, bei jenen durch konfessionelle , Bedenken, bei anderen allerdings nur durch die Besorg- niß für diegefährdete Civilisation" veranlaßt. Wir wollen von dem Parteigetriebe absehen, das die Ausbeutung und Steigerung dieser Besorgnisse sich zum Geschäfte macht; wir wollen uns auch nicht mit dem erst kürzlich wieder heraufbeschworenen Gespenst, dem Testament PeterS des Großen, dem Knecht Ruprecht der Politik, befassen, wir wollen auch nicht mit dem Verfasser einer kürzlich erschienenen Flugschrift: die osteuropäische Gefahr" betitelt, in dem Vorgehen Rußlands ein («"abwendbares?) europäisches Ver- Hängniß erblicken, aber wir sind auch nicht gesonnen die Gefahr zu verkennen oder zu unterschätzen, die jetzt an der Donau Oesterreichs und mit diesem Deutschlands Interessen bedroht. Es hieße ferner die Augen der Wahrheit absichtlich verschließen, wollte man leugnen, daß in dem Antbeil, welchen Rußland seit beinahe einem Jahrhundert an den Geschicken des Westens nimmt, in der gesteigerten Aufmerksamkeit, mit welcher es den Gang der europäischen Ereignisse verfolgt, in der thätigen Rolle, welche es jetzt spielt und gegen die seine frühere Haltung apathisch erscheint, ein leitender Gedanke ein mit Consequenz und mit Bedacht verfolgtes Ziel zu er­kennen sei. Der Verfasser der obenerwähnten Brochure sagt in einer hierauf bezüglichen Stelle:

Es war im Winter von 1798 auf 99, als der Feldmarschall Suwaroff an der Spitze von 50,000 M. Russen durch die österreichischen Staaten nach Italien zog, um die Franzosen schlagen zu helfen. Niemals hatte eine Armee in Europa ein solches Aussehen erregt.

Nicht grade zum allerersten Male sah Westeuropa damals russische Truppen. Schon 1735 waren ihrer 10,000 Mann am Rhein gewesen, als Deutschland mit den Franzosen nicht fertig werden konnte; der junge Fritz, der später der alle Fritz werden sollte, war als Kronprinz mit seinem königlichen Vater im Lager. Kurz vor Abschluß deS Aachener Friedens, 1748, hatten abermals russische Heeresabtbeilungen den Rhein er« reicht, die Vorhut von 37,000 Mann. Beide Male war es indeß nicht zum Schlagen gekommen Nuß- land zeigt sich in der Regel etliche Male von fern, ehe eS wirklich eintrifft. Erst gegen Ende des Jahrhun­derts warf die Moskowitermacht ihr Schwert in die Waage Westeuropas, und von da an ist es den Zeitge­nossen immer deutlicher und beängstigender zum Bewußt­sein gekommen, daß Europa an Rußland sein Verhäng- bat.

Der Marsch nach Paris, der erste und zweite pa« risxr Frieden, die Wiedereinsetzung der Bourbonen, die Wiener Conferenz, die heilige Allianz, ihre Coufereuzen

zu Aachen, Laibach und Verona, der türkische Krieg und die griechische-Freiheit /.Rußlands Stellung gegen ; das Julikönigthum , die Vernichtung Polens, machten bereits eine Anzahl politischer Köpfe, deutscher, englischer und französischer Patrioten, darauf aufmerksam, daß ein eisiger Fluch näher und näher der westlichen Bildung rücke, und sie mit ewiger Erstarrung bedrohe. Der Franzose Thiers sprach nicht anders als der deutsche Rotteck:die ganze Welt wird Rußlands Sclave, und die Freiheit wird daun nach America geflohen sein." Der Engländer David Urquhart dachte nicht anders als der deutsche Rotteck, wenn er behauptete, und wie­derholte: Nur eine Macht fkann es mit Rußland auf- nehmen, und das ist Nordamerica. Napoleon orakelte auf St. Helena :In fünfzig Jahren ist Europa ent- weder republicanisch oder kosakisch", und die Rohesten der Rothen haben den Ausspruch bis zur Frivolität heruntergebracht. Der jetzige österreichische Bunbesge- sandte, Ritter Prokesch vonMsten, sah mit Grauen in dem hellenischen Freiheitskampf eine Machination Ruß­lands :England und Frankreich täuschen sich jämmer­lich und arbeiten für die Absichten Rußlands . . . Wie sehr wird das Verbrechen und die Tollheit der Schlacht von Navarino in Europa gepriesen werden . . . Grie­chenland wird einst noch seine Freiheit bereuen", heißt eS in seinem Tagebuch. Der Herzog von Wellington nannte die nämliche Schlacht bei Navarino im öffentlichen Parlamenteein widerwärtiges ungeschlachtetes Ereigniß." Selbst Metternich hatte auf dem Congreß zu Laibach vor der Unterstützung Ipsilanti's gewarnt! Alle mit- einander, Notteck, Thiers, Urquhart, Napoleon und die Rothen , Prokesch von Osten, Wellington und Metter­nich erbtiktën oder atmeten seit den Franzosenkriegen in Rußland das Geschick und das Gericht für den Westen.

Wohlan! Was bis dahin Eigenthum der Denker, Minister, Diplomaten und Parteiführer gewesen, das beginnt seit der Katastrophe von 1848, seit der Inter­vention in Ungarn, der Abänderung der dänischen Thron­folge und dem letzten an den Haaren hcrbeigezogencn Türkenkriege sich in den Massen zu regen, und in ihren Gefühlen nach der Form einer Ansicht und Ueberzeugung zu streben. Diese Form zu gewinnen wäre indessen eben so unmöglich als unzureichend, wollte man nicht zugleich die Ursache jener drohenden Machtstellung auf- suchen, und wollte man nicht ferner durch gründliche Erörterung deö Conflictes irgend eine Lösung desselben wenigstens andeuten. Sollte es sich dabei auch heraus­stellen, daß grade denjenigen die größte Arbeit von der Waltgeschichte angewiesen ist, die bereits mit ihr abge­schlossen hatten. . . .

Rußland ist d e r j ü n gst e S ta a t im euro­päischen Sy st ein, zweitens bet abgelegen« st e und b e st v e r s ch a n z t e, und drittens der einzige Staat von idealer Einheit. In diesen drei Gründen liegt daS Räthsel der russischen Macht und Uebermacht eingeschlossen und aufgeschlossen. Diese drei Gründe, von denen einer am andern hängt, jeder den andern bedingt, erklären Alles in der russischen Geschichte."

In diesen drei Gründen und ihrer richtigen Wür- digung liegt auch der Schlüssel und die Nöthigung für die Politik Oesterreich'S. Oesterreich bildet das Boll­werk gegen diesen zu großen Dingen berufenen, zugleich aber gewaltigen Erschütterungen entgegengchenden Staat. Vorläufig schützt Oesterreich die Gränzen dieses Boll­werkes.

Veutschland

H Aus dem Rheingau, 16. März. Mit großer Befriedigung hat man allerseits die von Seiten der Kammer erfolgte Annahme des Gesetzes über Wie­dervereinigung der Justiz mit der Verwaltung entgegen- genommen. Wir können Sie versichern, daß trotz den Bandwurmähnlichen Artikeln derMtttelrh. Ztg." über diesen Gegenstand nicht eine einzige Stimme sich für Beibehaltung ausspricht. Mit größter Freude be­grüßen wir die neue Verordnung und hoffen, unsere Regierung wird uns bald damit beglücken. Es ist die höchste Zeit dazu.

Aus Baden, 15. März. Die Fortsetzung der Eisenbahn von Haltingen bis Basel wird bis Ende dieses Jahrs vollendet sein. Was die Arbeiten an der neuen Eisenbahnlinie von Basel bis Waldshut anbe- langt, so sind nur noch die Arbeiten an den schwierigen Stellen, welche eine längere Zeit erfordern, im Gange;

dort dagegen, wo keine Terrainschwierigkeiten vorhanden sind, wurden sie durch einen kürzlich eingetroffenen Ministerialerlaß eingestellt. Der Grund hiervon dürfte eiucsthcils in den Kriegsaussichten, anderntheils in der Schwierigkeit zu suchen sein, ein Anlehen zu guten Be­dingungen iu j-tziger Zeit zu contrahiren. Dem Mainzer Journal" wird geschrieben: Man sagt mir eben , Graf Sein in gen sei bereits auf dem Wege nach Rom; seine Reiseroute kennt man nicht; doch be­kanntlich führt jeder Weg nach Rom. Obgleich man in Karlsruhe der Ueberzeugung war, daß die Mission nutzlos fei , hat manum mittlerweile etwas zu thun, und guten Willen zu zeigen", den Bevollmächtigten ab­gehen lassen. Derselbe soll unterwegs weitere Befehle zu erwarten haben. Im Uebrigcn gehen die Dinge ihren alten Weg; über 10 Pfanverweser sind ohne Ge­halt, weil ihnen der Oberkirchenrath solchen nicht an­weist , wâchrend die suspendirten Pfarrer im Vollgenliß der Pfründen sich befinden; so namentlich der excommunicirte Pfarrer Hauri in Neuenburg. Pfarrverweser Riesterer, welcher die gegen Pfarrer Hauri ausgesprochene Exeommunication verkündigte, wurde mit vierwöchentlichem Gefängniß ge­straft. Andere Pfarrer wurden zu Freiheitsstrafen we­gen der bekannten Predigten verurtheilt.

Wie zn erwarten war, hat Hr. Prof. Schenkel mit einer Antwort auf Hrn. Dr. Fi scher'S Schrift: das Interdikt meiner Vorlesungen und die Anklage deS Hrn. Schenkel re." nicht lange warten lassen. Kaum sind einige Tage verflossen, seitdem Hrn. Fischer's Schrift auSgegeben worden, als jetzt schon von Hrn. Schenkel eineAbfertigung für Hrn. Kuno Fischer" in den Hän­den des Publicums ist. Beide Schriften sind in einem sehr scharfen, zum Theil bittern Tone gehalten, und schwächen dadurch theilweise den Eindruck, welchen sie auf die Leser mache» sollen.

Konstanz, 15. März. (K. Z.) Wieder hat sich Einer der bekannteren politischen Flüchtlinge, der bis- her in Appenzell lebende praktische Arzt Tissot von Möhringen, freiwillig gestellt.

Aus Württemberg. Ueber die provisorische Uebereinkunft zwischen dem Bischöfe von Rotten­burg u. der k. w ü rtem b erg i s che n Regierung, welche in mehreren Blättern theils ungenau, theils un­richtig dargestellt worden, macht dieDeutsche ReichS- zeitung" folgende angeblichverlässige, resp, wortgetreue" Mitttheilung: Artikel I. besagt: Bei den Pfründcu- besktzungen wird die collatio plena des Bsschofs im Princip anerkannt und die Regierung wird in allen Fällen, wo sie die Nomination ausüben will, dem ka­nonischen Rechte gemäß den RechtStitel dem Bischöfe nachzuweisen suche». Bei denjenigen Stellen aber, bei welchen der Bischof die Collatio» hat, , behält sich die Regierung das Bestätigungsrecht vor. Artikel II. Der Bischof erhält die volle Leitung aller geistlichen Er- ziehlings-Jnstitute. Auch die Ernennung der Vorsteher dieser Institute wird dein Bischöfe zugestanden, unter Vorbehalt des BestätignngSrechtes für die Regierung. Artikel Hl. Der Einfluß des Bischofs auf die Volks­schulen und die öffentlichen Lehranstalten wird erweitert Artikel IV. Kirchliche Orden, welche nicht staatSgefähr- lich sind, können durch den Bischof eingeführt werden. Artikel V. Der Staal wird das jus circa sacra in Zukunft nicht mehr durch ein Central-Collegium aus­üben lassen.

München, 13. März. Wie dieA. A. Ztg." berichtet, empfing Se. Maj. der Kaiser von Oesterreich heute in einer besondern Audienz den Vorstand der k. Commission für die Vereinsausstellung, Staatsrath v. Fischer, und geruhte sein lebhaftes Interesse an dem vollständigen Gelingen des großen nnd segensreichen Unternehmens zu äußern. Nach den Mittheilungen die bisher den betreffenden Behörden zugekommen, ist auf eine starke Betheiligung aller Vereinsländer zu rech­nen, auf eine so starke, daß die Commission sich wirk­lich zu dem Antrag genöthigt gesehen hat, die Maschi­nen in einem besondern auf 70,000 Quadratschuh Grundfläche berechneten Gebäude auszustellen. Gleich­zeitig hat man durch Rundschreiben an die verschiedenen amtlichen Organe der deutschen Staaten für die Indu­strieausstellung neuerdings auf den für Anmeldung von Maschinen festgestellten Termin aufmerksam gemacht. Von deutschen Regierungen haben neuerdings die dänische für die Herzogthümer Holstein und Lauenburg ihre Be- reitwiüigkeit zur Förderung des Unternehmens erklärt,