- Wiesbaden, 17. März. Die katholische Kirchengemeinde dahier läßt nach erlangter hoher Gench- migung die Verbindung zwischen der Friederichs- und Louisenstraße an ihrer Kirche vorbei in einem freund« licheren Zustande herstellen, und zwar gewiß zur allge« meinen Freude der Stadtbewohner, die den bisherigen Verbindungsweg passiren mußten. Bei dieser Gelegen heit stellt sich zugleich der merkwürdig hohe Werth un ferer Gärten heraus, indem das hiesige Feldgericht den zu 1 fl. 20 kr. taxirte, was für die Ruthe 133 fl. 20 kr., also für den Morgen Gartenland 13,333 fl. 20 kr. ausmacht. Wohl verdient diese Taxation der von der katholische Kirchengemeinde dahier zn acquiriren den Eartentheil zur allgemeinen Kenntniß zu kommen, damit die Gartenbesitzer wissen, wie hoch sie ihr Be- fitzthum anzuschlagen haben.
£ Seitzenhahn, 12. März. Die Wintersaaten haben durch die in den letzten Wochen stattgehabten Fröste stark gelitten, ein gutes Frühjahr kann jedoch alles wieder gut machen. Obgleich die Lebensmittel so theuer sind, so geht es hier doch an, denn Arbeit ist in Ueberfluß und die Leute haben verflossenen Winter auch ziemlichen Verdienst gemacht. Die neue Chaussee von Langen-Schwalbach nach Bleidenstadt wird in den nächsten Wochen fertig werden, von da nach Hahn und weiter über die eiserne Hand nach Wiesbaden wird dieselbe künftigen Sommer planirt, und soll kommendes Jahr befahren werden. Es gibt eine schöne und be. queme Chaussee, indem die Fuhrleute dann nicht mehr die Hohewurzel zu fahren brauchen. Eine Verbindung der Lahnstraße mit der neuen Chaussee in der Gegend der btidtn.Schanzen und zwischen Bleidenstadt und dem Eisenhammer wäre, auch sehr wünschenswerth und wie ich höre find auch schon derartige Pläne entworfen. Es wären sodann die Rheingauerstraße, die Lahnstraße, die Straße zwischen Schwalbach und Neuhof in innigster Verbindung.
O Bad Ems, 15. März. Heute Mittag beehrten Ihre königl. Hoheit die Prinzessin von Preußen, von Koblenz kommend, unsern Badeort mit einem Besuche, und nahmen besonders das neue Badehaus in Augenschein. Höchstdieselben geruhten sich sowohl darüber, als über Ems im Allgemeinen sehr befriedigend auszusprechen, sowie man auch erfuhr , daß die Kur, die Se. königl. Hoheit der Prinz Friedrich Wilhelm (Sohn der Frau Prinzessin) im vorigen Jahre hier gebrauchte, außerordentlich gut angeschlagen sei. — Der Canalbau dahier wird rüstig fortgesetzt; und überall zeigen sich die Spuren römischer Gräber, in denen man die gewöhnlichen Urnen, Vasen rc. findet.
Aus Nassau, 15. März schreibt man dem Mainzer Journal: Der „Schwäbische Merkur" meldete dieser Tage aus D er l in—- unserem Gefühle" noch etwas unvorsichtig, Herr v. Bismark, der preußische Bundestagsgesandte, sei in Berlin in der Angelegenheit des badischen KirchenconflicteS gehört worden und eS sei gewiß, „daß Preußen die badische Regierung in keinem Falle im Stiche lassen werde." Auch wir laboriren, wie sie wissen, an einem Kirchenconflicte und eS ist uns nicht bekannt, wie Preußen sich zur nassauischen Regierung gestellt hat. Bemerkenswerth scheint indessen, daß Herr v. Bismark vor seiner letzten Reise nach Karls- ruhe auch in Wiesbaden gewesen ist und sein Votum über die Kirchenfrage abgegeben hat. Welcher Art dieses gewesen, wird der weitere Verlauf der Ereignisse lehren.
Frankfurt Man versichert, daß am Bundestag demnächst wieder Erklärungen über die orientalische Angelegenheit gegeben werden sollen.
Aus der Pfalz, 14. März. Mit dem „Klopfgeist von Bergzabern", der jungen Philippine Senger, hat eS ein übleS Ende genommen. Sie ist wegen zweier, nicht durch magnetischen Zug, sondern durch ein- fach mechanischen Griff bewirkter Geldaneignungen, vulgo Diebstähle genannt, vom Zuchtpolizeigericht auf drei Jahre in eine Correctionsanstalt verwiesen worden.
Aus Baden 15. März. Der erzbischöfliche Canzlei- Director Binckert in Freiburg wurde, wie bekannt, nach und nach zu einer Strafsumme von über fl. 1000 von der Staatsbehörde verurtheilt. Da èr diese nicht freiwillig bezahlte, so wurde Pfändung und Zwangsversteigerung vorgenommen. Die zur Versteigerung ge- brachten Gegenstände erreichten hohe Preise und sollen alsbald von den Steigerern dem Herrn Canzleidirector wieder überlasten worden sein.
Stuttgart, 15. März. Die Druckschrift: „Die Frage der deutschen Zukunft. Von Gustav Diezel. Stuttgart, Verlag von Karl Göpel, 1854. Druck von J. Wallerstein in Zerbst", wurde heute mit Beschlag belegt.
Die Nr. 61. des „Deutschen VolksblatteS" ist gestern Abend mit Beschlag belegt worden , wahrscheinlich wegen eines auf den badischen Kirchenstreit bezüglichen Artikels.
München, 13. März. Die Abreise der hohen Kaiser-Braut nach Wien ist auf den 19. April d. I. festgesetzt, und eS heißt, daß die Frau Herzogin Max die Prinzessin-Braut nach der Kaiserstadt hin begleiten werde.
München, 14. März. Gestern Nachmittags 3 Uhr hat in der kgl. Erzgießerei der Guß der Westenrieder
Statue, wie immer, mit dem glücklichsten Erfolge stattgefunden.
Aus Weimar berichtet die Magd. Ztg., daß der Graf von Paris demnächst in das großherzoglich sächsische Militär eintreten werde, und zwar um die militärische Laufbahn von unten herauf zu beginnen, zuerst als „Gemeiner."
AuS dem Lippe'fchen, 12. März. Wie der „D. VH." berichtet wird, hat der Regent des in neuerer Zeit mehrfach genannten Fürstenthums Lippe seine katholischen Unterthanen durch eine vom Geiste fürstlichen Wohlwollens und edler Ge- rechtigkeitSliebe zeugende höchste Verordnung von den Fesseln eines drückenden StaatS kirchenreg iments befreit. Gerne, bemerkt der Corresp. des erwähnten BlatteS, vergißt sich der bisherige Zustand in der Freude über das erhebende Vertrauen, welches ein protestantischer Fürst seinen katholischen Unterthanen und ihrem nicht in seinem Lande residirenden Oberhirten schenkt, daS durch keine ängstlichen und mißtrauischen Reservate von Staatshoheitsrechten „über" die Kirche verkümmert wird. Dieser hochherzige Fürst ist um seinen Thron nicht besorgt, wenn er Katholiken gnädig und gerecht ist, und seine katholischen Unter- thanen werden diesen Act zu würdigen wissen. — Die Verordnung stellt als Fundament an die Spitze, daß schon durch die Rhein-Bundes- und deutsche Bundesacte den Katholiken das Recht wirklicher Parität zustehe, verstattet dann dem Bischöfe die Ausübung seiner Diö- cesanrechte, insbesondere auch die Errichtung und Besetzung von Pfarreien, wobei nur die persona minus grata ausgeschlossen ist (wohl deshalb, weil kein einheimischer Klerus existirt), gibt den Pfarrern mit ihrer Anstellung die Ausübung aller Parochialrechte und die ungehinderte Uebung aller religiösen Gebräuche der katholischen Kirche; berechtigt den Bischof, vereinzelt woh »ende Katholiken beliebigen katholischen Parochien zuzuweisen ; überläßt die Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen der Uebereinkunft der Eltern, und stellt die Konfession des Vaters bis zum vollendeten vierzehnten Jahre des Kindes nur beim Mangel jener und im Falle von Streitigkeiten als Norm aus. Sie verstattet dem Diöcesanbischof die Errichtung und Besetzung von katho- lischen Schulen (wieder mit Ausschluß einer persona ingrata) und stellt den bisher geübten Parochialzwang außer Anwendung.
Vom Nhein, 15. März. Hoffmann von Fallersleben, der seither in Neuwied gewohnt, wird demnächst, einer Einladung des Großherzogs folgend, nach Weimar übersiedeln und sich dort ausschließlich seinen wissenschaftlichen Studien über altdeutsche Literatur widmen.
Köln, 14. Mârz. -Die „Köln. Ztg.^ schreibt: Ver- schiedene Blätter berichten hier, eS habe vorgestern hier die Beschlagnahme einer zur sofortigen Beförderung nach dem Norden aufgegebenen Sendung Gewehre auf der Rheinischen Eisenbahn (in sechszehn Waggons) stattgefunden. So viel wir erfahren konnten, hat eine Sendung allerdings, auch eine polizeiliche Kenntnißnahme, aber eine Beschlagnahme nicht stattgefunden.
Danzig, 13. März. In Folge des Durchbruchs mehrer Dämme leidet unsere Umgegend an einer großen Ue berschweinmung. Das Wasser stieg in die Häuser und riß Brücken mit sich fort. Das Vieh mußte auf die Böden der Häuser gebracht werden, Futtervor- räthe und Lebensmittel gingen zu Grunde, und 6 bis 7 Ortschaften stehen ganz unter Wasser.
Berlin, 15. März. Der König hat dem com- mandirenden General des 1. Armeecorps, General der Kavallerie Grafen zu Dohna unter Ernennung zum Feldmarschall den Abschied vom stehenden Heere bewilligt. — Nachdem die Concession für den Bau einer Eisenbahn von Deutz über Siegen nach Gießen ertheilt worden, ist nunmehr auch die Ermächtigung zu dem Bau der mit jenem Unternehmen in Verbindung stehenden Rheinbrücke bei Köln erfolgt. — Nach der „Preuß. Corr." ist auch der Bau der linksrheinischen Eisenbahn von Bonn, oder vielmehr von Rolandseck über Coblenz zur Landesgrenze in der Richtung auf Bingen und Mainz, und der Bau der Sieg-Ruhr-Bau von Hagen in die Grafschaft Mark nach Siegen genehmigt.
Nach Angabe der „Nat.-Ztg." sollen bei der neutralen Stellung Preußensmehrere seiner Offiziere verschiedenen Grades auf Kriegsschiffen der kriegführenden Parteien untergebracht werden, um daselbst den Kriegs-See- dienst kennen zu lernen. Man hofft, daß die Seemächte nicht dagegen sein und unsere Offiziere zu diesem Behufe gern aufnehmen werden. Es find bereits diejenigen Offiziere bezeichnet, welche diese Seekriegs-Expeditionen mitmachen sollen.
Die lithographirte Correspondenz der preußischen Kanimerlinken bringt die folgende etwas wunderliche Mittheilung: „Man ist in London und Paris bereit, für die Cooperation Preußens große Concessionen zu bieten, welche für die militärische und politische Stellung Preußens in Deutschland von entscheidenden Folgen sein dürften. England insbesondere würde sich durch den Beitritt Preußens von jeher etwa noch vorhandenen Besorgniß, daß LouiS Napoleon die Constellation zu Erweiterungen Frankreichs auf dem Kontinente benutzen
könnte, befreit sehen und dürfte für diesen Zweck keine Concessionen scheuen.
Nach der „Spen. Ztg." haben die außerordentlichen Gesandtschaften, welche Preußen in diesem Augenblicke an verschiedene auswärtige Höfe entsendet, lediglich den Zweck, die bestimmte Erklärung abzugeben, daß Preußen bei einer selbstständigen Neutralität verharre, und es als einen Kriegsfall ansehe, wenn irgend eine Macht diese Neutralität zu verletzen unternehmen würde. Preußen soll sich bei dieser Erklärung der ausdrücklichen Zustimmung der süd- deutschen Staaten, namentlich Baierns, Badens und WürtembergS erfreuen.
Breslau, 12. März. (D. A. Z.) Unter den Anordnungen unsers neuen Fürstbischofs ist die Verbannung der weltlichen Musik aus der Kathedrale zu erwähnen, welche nur zu oft an hohen Festtagen denselben Anblick gewährte, wie die Paulskirche zu Rom während der sog. „eleganten Messen." Statt der fashionablen Welt, welche um ihrer selbst und des Kunstgenusses willen in den Dom strömte, will er fortan nur Gläubige um sich sehen. Zunächst bat er verordnet, daß insbesondere an den drei letzten Tagen der Char- woche nur Vocalmusik, keine Instrumentalmusik, auch keine Orgel, in den Kirchen ertönen dürfe,
Wien, 14. März. Unablässig dauern die Trup- Penzüge nach dem Süden fort. Man berechnet, daß eventuell das im Banate concentrirte Armeecorps allein die Stärke von 120,000 Mann, außer den längs der bosnischen Grenze für nöthig befundenen Concentrationen, erreichen dürfte. — Am 14., 15. und 16. März sollen drei Bataillone Roßbach-Infanterie, 3600 bis 3800 Mann stark, von Pesth nach Jllok, Nestin, Sussek, Banostor und Cerevic abgehe»; am 17. März soll das Hauptquartier des 9. Corps, der DivisionSstab des FeldmarschalllieutenantS Fürsten Lobkowitz, der Brigade- stab des Generalmajors Ruß und die 9. SanitätsCompagnie in Wien eintreffen und noch an demselben Tage nach Neusatz abgehen; am 18., 19. und 20. März endlich sollen die 11. und 12. Cavalleriebatterie und die 4. Raketenbatterie nach Jreg und Szegedin marschiren. Die 10. und 12. Sanitätscompagnie er- stere in Pesth, letztere in Hermannstadt, haben Befehl, sich gleich ans Kriegsfuß zu setzen. Ebenso ist der Stand mehrer DepotScompagnien erhöht worden. DaS Hauptquartier des Erzherzogs Albrecht soll von Ofen nach Zambor oder Szegedin verlegt werden, um dem Schauplatze näher zu sein. Man spricht davon, daß daS 10. und 12. Corps auf Kriegsfuß gestellt werden sollen und daß demnächst auch ein Manifest des Kaisers erscheinen werde, das die Beziehungen im orientalischen Conflict ausklären soll, nachdem bereits ein Artikel der halbofficiellen „Oesterreichischen Korrespondenz" die Ansichten der Regierung in dieser Angelegenheit dargestellt hat.
Zum Oberbefehlshaber der sämmtlichen an der türkischen Gränze zusammengezogenen Truppen, wurde der General der Kavallerie, Graf Schlik, ernannt, unter welchem der Feldmarschall-Lieutenant Graf Schaff- gotsche und Graf Coronini befehligen.
Es ist die Weisung ergangen, die Festung Pe- terwardein mit einem Drittel des Erfordernisses zu verproviantiren.
Die vier Mächte sind bekanntlich übereingekommen, keine Jusurrection in den europäischen Provinzen der Türkei zu dulden, und Oesterreich hat sich verpflichtet, über die Ruhe in Serbien, Bosnien und Montenegro zu wachen, während die Westmächte für die Ruhe in den griechischen Provinzen der Türkei sorgen werden. In den ersten Tagen der vorigen Woche ist nun nach der „Würzb. Ztg." eine-Note des diesseitigen Cabinets nach Petersburg abgegangen, in welcher der russischen Regierung der eben erwähnte Entschluß Oesterreichs eröffnet wird, im Nothfalle etwaige Versuche einer revolutionären Schilderhebung in den türkischen Grenzpro- vinzeu mit der Gewalt der Waffen zu unterdrücken. Man hat sich hierorts zu dieser officiellen Mittheilung an das russische Cabinet entschlossen, um jedes Mißverständniß zu vermeiden, da die Annahme nicht fern liegt, daß man in Petersburg der etwaigen Besetzung Serbiens oder Bosniens den Charakter einer Demonstration gegen Rußland beilegen könnte, während man sich hierzu nur mit Rücksicht auf das eigene Interesse entschließen würde.
Der Artikel der „Oesterr. Corr." über das Einvernehmen mit Preußen in der orientalischen Frage hat hier allgemein befriedigt, da durch ihn, die in der letzten Zeit verbreitet gewesenen beunruhigenden Gerüchte über eine Wendung der preußischen Politik entschieden de- mentirt werden.
Der „W.-G.-B." schreibt vom 13.: „Der Andrang bei der Nationalbank zur Zeichnung auf das neue An» leben ist heute so groß, daß man zu den bestehenden zwei Cassen eine dritte eröffnen mußte. Bis heute Morgens waren 10 Mill. fubscribirt. Wir bemerken beiläufig, daß dies gerade die doppelte Summe der Subscriptionen ist, welche in den ersten 5 Tagen bei dem jüngsten 5pCt. Anlehen erfolgten, und die sich *n den letzten Tagen bis über 100 Millionen erhoben. Nach diesen Antecedentien ist wohl einer namhaften lieben schreilung der Anlehenssumme entgegenzusehen.