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Nassauische Allgemeine Zeitung.

A> C/. Donnerstag den 16. My iss*.

Neues Abonnement.

Bestellungen auf dieNaffauische Allgemeine Zeitung" für das mit dem 1. April 1854 beginnende neue Quartal beliebe man (in Wiesbaden in der Wilhelm Friedrich'schen Buchhandlung, Langgasse Nr. 42, auswärts bei den nächstgelegeneu Postämtern) rechtzeitig zu machen, auf daß in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete und wir in den Stand gesetzt werden, allen neu eintretenden Abonnenten von Anfang an vollständige Exemplare tiefern zu können. Der Standpunkt und die Haltung derNassauischen Allgemeinen Zeitung" sind bekannt. Sie wird auch fernerhin, wie bisher, unbeirrt und unverdrossen die conservativen Interessen in Staat und Kirche mit Entschiedenheit vertreten. Die Zahl der Korrespondenten des Blattes hat sich vergrößert und sind von denselben zahlreiche, zuverläßige und interessante Berichte über die Vorfälle und Zustände im Lande zu erwarten. Die Assifen- und Landtagsverhandlungen werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt. Da ferner der Postverkehr durch Erzielung directer Paquetschlüsse mit Paris, Wien und Berlin sich für Wies­baden auf das günstigste gestaltet hat, sind wir in der Lage, die Nachrichten aus Norddeutschland, Belgien, England, Frankreich, Italien, Wien, Berlin und au^ bem Orient früher, als die in der Umgegegend erscheinenden Blätter zu bringen und, da uns nun auch eine Schnellpresse zu Gebot steht, unser Blatt noch an dem­selben Tage nach allen Richtungen hin zu versenden. DieNassauische Allgemeine Zeitung" hat einen bedeutenden Leserkreis. Anzeigen aller Art finden durch dieselbe die wünschenswerthe Verbreitung. Inserate werden die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet.

Die,,Naffauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Thurn- und Tari»'s»en PerwaltUngSbezirfS mit IntWiff dèS PpstaUfsMägS 2 st., für die übrigen Länder deS deutsch-östrrreichischcn PostvereinS, wie für daS Ausland 2 st. 24 tr.

Q Gewerbliches für Nassau

Die Ansichten, welche der Korrespondent aus Wiesbaden in Nr. 50 d. Bl. vertritt, sind leider noch bei vielen und mitunter einflußreichen Leuten eingewur­zelt, daß man nicht oft genug darauf zurückkommen kann, das Irrige derselben hervorzuheben. Der /X Correspondent meint nämlich,eS sei eine nicht genug anzuerkennende Maxime, bei industriellen Etablissements nicht allein den Vortheil der gegenwärtigen, sondern auch kommender Generationen zu berücksichtigen; damit die Industrie nicht eine schnell auflodernde, sondern eine nachhaltige bleibe." Gegen diesen Grundsatz wäre, in dieser Allgemeinheit ausgedrückt, nichts einzuwenden, wenn er nicht geeignet wäre, zu einer Menge verkehr­ter Anwendungen zu führen. Welche sichere Mittel haben wir denn, für das Wohl der künftigen Generation be­züglich der Gewerbe zu sorgen? Es gibt nur eines, nämlich, daß wir etwas für sie erwerben , daß wir den Privat- und damit den National-Wohlstand nach Kräf­ten und Gelegenheit mehren; nicht aber dieses mit Beeinträchtigung der Gegenwart der unsicher» Zukunft und den wechselvollen Phasen des Ganges der Gewerb- thâtigkeit überlassen.

Wenn wir heute einen Gentner Eisenstein zu 15 fr. verkaufen, so haben wir nach 14 Jahren 30 kr. durch Zinsengenuß allein, bei weiterer industriö er Benutzung aber wahrscheinlich das 4 5fache dieses Betrages; während dann, wenn das Mineral unbenutzt in der Erde bleibt, wir uns bei den voraussichtlich günstigsten Conjuncturen, nach Verlauf dieser Zeit mit der ersteren Summe begnügen müssen. Aber davon abgesehen! Wir verlangen auch billiges Eisen und daß die inlän­dische (nicht nassauische) Industrie mit der ausländischen concurriren könne. Dieses kann aber nur dann sein, wenn massenhaft und damit wohlfeil producirt wird. Wenn deßhalb einem, einer solchen Industrie entsprechen­dem Bergbaue Hindernisse in den Weg gelegt und son­stige Schwierigkeiten bereitet werden, so können wir nicht erwarten, daß wir zu diesem Ziel gelangen. Wir müssen dann unser gutes Geld nach wie vor an Eng­land geben, das es besser versteht, mit seinem Talent zu wuchern, d. h. für seine Zukunst zu sorgen.

Der Correspondent meint weiter,durch die zu großartige Ausbeutung unserer Naturschätze würden die­selben werthlos und der Lohn der Gewinnung verrin­gert." Es ist dieses eine Behauptung, die auch nicht einen Schatten von Fundament hat; da es dem Cor­respondenten und jedem andern Sterblichen wohl un­möglich sein würde, zu sagen, was eine zu großartige Ausbeutung der naffauische» Naturschätze sei' und diese Behauptung auch durch die Erfahrung sowohl wie durch die Wissenschaft vollständig widerlegt ist. Erst seitdem die Gewinnung unserer' Mineralien in einem (mit großen unnöthigen Opfern erkauften) großartigeren Maßstabe betrieben wird, haben sie einen Werth und einige Steuerkraft für den Staat erlangt erst seit' dem sind die Löhne für die Arbeiter in Folge der größe­ren Nachfrage gestiegen. Dieses Verhältniß ist aller- wârtS hervorgetreten , wo die Bergwerks-Industrie wie auch in bei Natur der Sache liegt einen höhe­ren Aufschwung genommen hat.

Sodann wünscht der Correspondent,daß unsere Naturschätze nicht als rohes Material ins Ausland gin­gen und uns verarbeitet wieder zuflögen; sondern daß sie in unserem Lande verarbeitet würden rc." Man kann mit diesem Wunsch, wenn er dieses blos ist, voll­kommen einverstanden sein; wenn er sich aber den obigen Verwaltungsmaximen anschließt und daraus die Noth­wendigkeit hergeleitet werden will, diese Ausfuhr zu hindern oder zu erschweren, so ist er ein rein verwerf­licher und für die Interessen unseres Landes höchst schädlich. Schon der Begriff von Ausland, der hier hervortritt, ist ein durchaus falscher, da die deutschen und zumal die Zollvereinsstaaten in Sachen der Indu­

strie sich gegenseitig nicht als Ausland betrachten dür­fen. Man hat vielfältig behauptet, wir erhielten z. B. von Preußen gegen den ansgeführten Eisenstein kein Aequivalent; während wir das schätzbarste aller Ae- quivalente, nämlich Geld dafür empfangen. Warum verkaufen wir denn unsere Mineralwasser und Weine an Preußen und trinken sie nicht lieber selbst, oder zwingen die s. g. Ausländer, sie bei uns zu trinken, was doch sicher eine viel einträglichere Verarbeitung dieser Producte für uns wäre?

Unser Land ist nun einmal nicht der Art fituirt, in demselben eine große Eisenindustrie aufkommen aa§v denn eS fehlen ihm die Steinkohlen, Thalfracht ,kef den Flüssen und Eisenbahnen zunn wohlfeilen Bezug nrselben und zur Versendung der fertigen Waaren. Es fehlt uns aber auch noch die Einsicht und der Wille, eine große Industrie in unser Land zu ziehen, denn wir find in unserer althergebrachten Kleinwirthschaft, die alle unsere Beziehungen und Verhältnisse dominirt, so versunken, daß sich auch in dieser Rücksicht unser Land den größeren Unternehmungen wenig empfiehlt, wie der angeführte /X Artikel zeigt, der bei uns noch die ein­flußreichsten Vertreter finden würde. Es kann dem­nach unser Land gar nicht die Befähigung haben, der größeren Industrie -zum Anhaltpunkt Grienen und wird sie auch unter den bestehenden traditionellen Ver­waltungs - Maximen, die für ganz andere Zeiten und Verhältnisse passen, nicht erlangen. Die Industrie ver­langt ihrem innersten Wesen nach Freiheit in ihren Be­wegungen (wie auch für den Bergbau gesetzlich wenig­stens zugesichert ist) und alle zulässigen Erleichterungen von Seiten der Staatsgewalt, wenn sie zur Blüthe kommen und diese auf möglichst lange Dauer behalten soll; sie kann aber da nicht gedeihen, wo man sie zum Gegenstand des Regierens und engherziger staatswirth- schaftlicher Experimente machen will. Wir haben in Nassau mehrere und für unsere Verhältnisse wichtige ge­werbliche Anstalten, z. B. die Eisenhütten an der un­teren Lahn, welche mit Steinkohlen, die doch auch Roh- product wie der Eisenstein sind, betrieben werden und diese bilden noch außerdem in den Rhein-Lahn- unb Maingegenden eine gute Portion des Brenn­materials für häusliche Zwecke u. s. w. WaS würden wir wohl nun dazu sagen, wenn Preußen die Gewin­nung und Ausfuhr dieser Kohlen in unser Land er­schweren wollte, um die nassauischen Gewerbebesitzer zu zwingen, ihre Etablissements nach Preußen zu verlegen? Es ist wirklich bedauerlich, daß solche Ansichten, wie sie der Correspondent mit so großer Zuversicht vertritt, noch einer Widerlegung bedürfen. Wir sollten uns höchlich freuen, daß unsere Naturschätze der Art sind, daß sie dem Bauern-Proletariat, welches unseren Staat ganz zu überwuchern droht, in der Gestalt von Arbeits­lohn auf unberechenbare Zeit Lebensunterhalt verschaf­fen und daß damit auch unsere Fuhrleute, Schiffer, Handwerker und sonstige kleine Gewerbtreibende u. s. w zu besserem Verdienst gelangen können. Außerdem könnte aber auch der Staat noch eine namhafte Steuer von derselben ziehen; wenn wir es nur verstünden, unsere natürlichen Reichthümer aus die einträglichste und zugleich nachhaltigste Weise zu benutzen.

Wenn dagegen bei unserer Bergwerks-Verwaltung solche Grundsätze und deren Consequenzen zur Anwendung kommen, wie sie der /\ Correspondent gegenüber unse­rer BergverwaltungS-Ordnung von 1826 empfiehlt, so braucht man sich nicht darüber zu wundern, wenn dann das Bergwerks-Eigcnthum auf die schädlichste Weise zer­splittert und damit den Gewerkschaften die Möglichkeit benommen wird, die vollkommensten technischen Hülfs­mittel in Anwendung zu bringen; wodurch eS nur allein thnnlich ist, wohlfeil und massenhaft zu gewinnen. Man braucht sich dann nicht darüber zu wundern, wenn eben durch diese Zersplitterung die Land- und Forstwirthschaft wegen der großen Verwüstung des Grundeigenthums in eine feindliche Stellung zu dem Bergbau gebracht und

dieser mit einer Menge unnöthiger und unprâctiver ,, Ausgaben belastet wird. Man braucht sich dann ferner nicht darüber zu wundern, wenn der Staat unter solchen Umständen gezwungen sein wird, eine kostspielige und complicirte Verwaltung herzustellen , die den Bergbau mit Mitteln überwachen muß, welche diesem nicht förderlich sein können; wie nicht minder, daß die Gewerkschaften dadurch in die Nothwendigkeit versetzt werden, ebenfalls einen unnöthig kostspieligen Verwaltungs-Apparat anzu­schaffen, der die Productionsfähigkeit und die Steuer- kraft des Bergbaues lähmt. Man braucht sich dann endlich nicht darüber zu wundern, wenn die größeren Unternehmungen trotz unserer trefflichen Eisensteine sol­chen schwierigen Verhâltniffen auszuweichen suchen, und sich dieses Rohproduct, waS keineswegs so unmöglich ist, wenn auch in geringerer Quantität, anderwärts zu verschaffen suchen, wodurch wir um einen großen Theil der Früchte unseres Mineralreichthums gebracht werden können n. s. w.

Der /X Correspondent erwähnt sodann schließlich noch der Nachtheile, die wir erleiden sollen,wenn die Gewerkschaften in ausländische Hände gerathen, indem dadurch der Waarenpreis unserem Lande entginge und unS nur der Lohn der gering bezahlten Arbeit ver­bliebe rc." Ich muß gestehen, daß mir der angeführte Theil dieses Passus zu dunkel oder zu gelehrt ist um mich darauf einlaffen zu können; der nichtangeführte Theil desselben, der von einem Herrn v. W. handelt, paßt dagegen in seinem wesentlichen Theil ganz zu meinen Ansichten. Uebrigens überlaffe ich es der Gesetzgebung unseres Landes, wenn sie dieses in ihrem Interesse fin­det, Veranstaltungen zu treffen, welche Inländer und Ausländer, die in unserem Lande Geld verdient haben, verhindern, dieses Geld im s. g. Auslande zu verzehren.

Deutschland.

* Wiesbaden, 14. März. Auf der heutigen Tagesordnung der zweiten Kammer stand außer der schon in Nr. 62 der N. A. Z. mitgetheilten Schluß­abstimmung über das Gemeindegesetz der Commis­sionsbericht über den am 26. April v. I. eingebrachten Antrag deS Abg. Vogler, das Brandverficherungs- Wesen und -Unwesen betr. Die Anträge der Commission gehen 1) auf alsbaldige Revision aller Gebäudetaxatio­nen durch Localbaubeamte, welche dieses Geschäft auch künftig besorgen sollen; 2) auf eine unr nach geschehe­ner Taxation zu gestattende Versicherung von Mo­bilien mit dem Beifügen, daß */4 des Taxatums in Selbstversicherung bleibe; 3) auf Verwerfung der Anträge, wonach die letzte Bestimmung auch für Ge­bäude gelten und die Revision alle 4 bis 5 Jahre vorgenommen werden soll; 4) endlich auf Ersuchen der Regierung, die Zweckmäßigkeit einer einheimischen M»- biliarverficherung in Erwägung zu ziehen. Von diesen Anträgen wird der Ite mit 17 gegen 6 Stimmen (Metzler, Heydenreich, Rau, Gödecke, Rull- maun, Wirth), der 2te mit 14 gegen 8 (bie Ge­nannten , Reichmann, Braun), der 3te fast einstimmig und der 4te mit 12 gegen 11 Stimmen angenommen. Der Abg. Vogler stimmte, anscheinend seiner Hart- härigkeit wegen, über mehrere seiner eigenen Anträge nicht ab. Aus der vorhergegangenen Discusfion wer­den wir das Hauptsächliche morgen nachtragen.

If Vom Westerwald, 13. März. Der S-69 des neuen Gemeindegesetzes, welcher die activen Staats­beamten , Geistlichen und Procuratoren zeitweise von der Leistung der Gemeindepflichten befreit, ist in ein­zelnen Gemeinden wegen deS Ausfalles der Gemeinde­steuer nicht sehr günstig aufgenommen worden. Man übersieht, daß auch die Gemeinde r ech te dieser Perso­nen ruhen und daß die angedeutete Maßregel nur deren Wiedereinsetzung in frühere Rechte bezweckt. Diese Stimmung wird von den Demokraten weidlich ausge­beutet, und man ist an verschiedenen Orten eifrigst be­müht, die Unzufriedenheit mit dieser Maßregel noch zu