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berühmt durch seinen Stock, ist als völlig genesen aus der badischen Irrenanstalt J l l e n a u entlassen worden. Es ist dieß ein merkwürdiger Fall von radi­kaler Heilung einer Tobsucht in so ganz kurzer Zeit, der der Wissenschaft wohl nicht wird vorenthalten wer­den dürfen. Jllenau spielt überhaupt eine Rolle in den causes celèbres, indem die Geschichte einer Mutter im Irrenhausegewiß auch in Jedermanns Erinnerung ist." Graf Menburg-Wächtersbach befindet sich zur Zeit mit seiner Gemahlin in Dresden. Dieselben beabsich­tigen bis zum Monat Mai dort zu bleiben und haben im Hotel de Saxe Wohnung genommen, wo ihnen gegenwärtig der Prinz Felix von Hohenlohe-Oehringen und Prinz Friedrich von Hanau Gesellschaft leisten.

Eltville, Anfangs März. Das durch die Er­bauung einer Eisenbahn eingeleitete Expropriatiousver- fahren nimmt dermalen die volle Thätigkeit unseres Amtspersonals und der ihm untergeordneten Diener in Anspruch und verursacht namentlich dem Gerichtsvoll­zieher eine fast nicht zu bewältigende Arbeit, ohne daß ihm dafür eine Vergütung geleistet wird. (So hat ein hiesiger Gerichtsvollzieher bereits an 600 Ladungen in- sinuirt, die mündlichen Aufträge gar nicht gerechnet.) Das^AmtSpersgnal bezicht seinen festen Gehalt und der Taxator seine Diäten; der Gerichtsvollzieher aber, der lediglich auf den Gebührenbezug hingewiesen ist, opfert seine Zeit umsonst und hat für seine Mühe Nichts, im Gegentheil noch baare Auslagen für die verwende­ten Schreibmaterialien. Gesetzlich hat zwar der Ge­richtsvollzieher kein Recht auf einen Gebührenbezug im Expropriationsverfahren; allein der vorliegende Fall, wo es sich nichts weniger alt im Prozesse um ein Interesse von Mein und Dein handelt, dürfte um so mehr eine Ausnahme gelten, als schon die Masse der Arbeit billigerweise eine Belohnung oder mindestens doch einen Ersatz für Zeitversäumniß und baare Auslagen begrün­det. Gleichzeitig möge dieses Beispiel Denen zur Auf- klärung dienen, die sich von der Einnahme eines Ge­richtsvollziehers ein so glänzendes Bild entwerfen und auf Herabsetzung der Gebühren dringen.

Bad - EmS Unsre Wahrzeichen, die ein Schelm uns neulich in dieser Zeitung anhängte, sind zum Theil verschwunden. Die Anlage eines neuen Kirchhofes ist genehmigt, und die Schiffbrücke ist end­lich wieder aufgeführt, so daß die freie Passage über die Lahn eröffnet ist. Das letzte Wahrzeichen, näm­lich die herrlichen Laternen bei einer egyptischen Finster­niß in den Straßen existirt nur noch allein, was die Fremden namentlich um so mehr empfinden, als durch den neuen Canalbau die Straße seit dem Herbste zum großen Theil aufgewühlt ist.

Die Noth unter den Armen ist auch hier groß; und auch in den übrigen Verhältnissen macht sich eine bedeutende Flauheit bemerklich. Es ist eine Suppen- anstatt errichtet, allem dieß reicht noch nicht aus; man freut sich deßhalb sehr, daß der den ganzen Winter brach gelegene Canalbau wieder begonnen werden konnte, wodurch doch eine Menge Hände Beschäftigung finden.

Frankfurt, 8. März. (N. C.) Die Bundesbe­hörde hat nunmehr aus Wien die officielle Anzeige von der Ernennung des Obersten Räuber v. Plankenstein zum Stadtkommandanten von Frankfurt erhalten. Die Verleihung des TitelsStadtkommandant von Frank- furt" dürfte, wie es heißt, unseren Senat zu einer wie­derholten Verwahrung in der Bundesversammlung gegen diese Benennung veranlassen. Wie man vernimmt, hatte der Bundestagsgesandte der freien Stadt Frankfurt im Auftrage des Senats bereits in der BundeLtagssitzung, in welcher der Beschluß für den Wechsel zwischen Oester­reich und Preußen in der Besetzung des Obercomman- do's über die Bundesgarnison, sowie der Stadtcom- Mandantschaft gefaßt wurde, Verwahrung gegen den Ge­brauch des TitelsStadtcommandaut von Frankfurt" erhoben und den Wunsch geäußert, daß die Benennung Platzcommandant in Frankfurt" gewählt werde, da jene Bezeichnung eine Eigenschaft unterstellen lassen könnte, welche mit der Souveräuetät Frankfurts nicht vereinbar schiene.

Aus Baden, 6. März. Die badische Regie­rung lud bekanntlich die Regierungen der oberrheinischen Kirchenprovinz ein, Abgeordnete nach Karlsruhe zu schicken, um zur Abordnung einer gemeinsamen Ge-. sandtschaft nach Rom gemeinschaftlich eine Instruction zu berathen. Die Unterhandlungen mit dem apostoli­schen Stuhle wolle man da wieder ausnehmen, wo sie im Jahr 1827 stehen geblieben seien. Dieses Project scheint, wie die D. Volksh. meldet, fehl zu schlagen, indem nur von Hessen-Darmstadt und Nassau Abgeord­nete in Karlsruhe eingetroffen sind, daß auch deren von Hessen-Kassel und von Würtemb-rg, welches ja besondere Verhandlungen in Rom angeknüpft hat, ein­treffen werden, stand von vornherein nicht zu erwarten. Nach derDeutschen Volkshalle" soll Generalmajor Graf v. Lein in gen seine projeclire Vermittlungsreise nach Rom aufgegkben haben,da seine Sendung, wie er sich geäußert haben soll, zu dem angegebenen Zwecke doch ganz ersolglos sei."

Stuttgart, 9. März. Fürst Hermann von Ho- henlohe-Langenburg, welcher als Lieutenant der königl. Leibgarde zu Pferd aggregirt war, hat unter gleich­

zeitiger Ernennung zum Oberlieutenant die nachgesuchte Entlastung aus dem königlichen Militärdienst erhalten und tritt jetzt in ein österreichisches Kürasstier-Regiment ein, das zum Einrücken in die türkischen Provinzen be­stimmt ist. Der Fürst hatte ausdrücklich um eine solche Verwendung nachgesucht. Der Prinz jetzt 22 Jahre alt, ist ein Vetter der Königin von England.

München, 8. März. Fürst Wrede, welcher wegen des Duells mit dem Freiherrn v. Lerchenfeld zur Fcstungsstrafe veruitheilt ist, hat beim obersten Gerichtshof eine Declaration eingereicht, daß er die Gnade des Königs angerufen habe, folglich der Vollzug des letzten Erkenntnisses vorläufig noch aufgeschoben werden möge.

München, 10. März. Ein unter dem Publi- cum verbreitetes Gerücht, als ob die Industrieaus­stellung wegen der ungünstigen Zeitvcrhältnisse ver­schoben werde, wird officiös widerlegt. Prinzeß Eli­sabeth , die Braut Sr. Maj. des Kaisers von Oester­reich, wurde vorgestern von König Max für volljährig erklärt. DiePfalz. Ztg." widerruft ihre neuliche Nachricht, daß iirEdenkobeu und Otterberg der Typhus aus- gebrochen sei. General-Lieutenant v. Hailb ro n- ner ist zum General-Adjutanten des Königs ernannt worden. Die von einigen Blättern dieser Tage gebrachte Nachricht, es stehe eine Mobilmachung des zweiten bayr. Armeecorps in naher Aussicht, entbehrt, wie man demF. I." schreibt, zur Zeit jeder Be- gründung.

Kassel, 9. März. Ueber die von der landstândi- scheu Commission verhandelte Beschwerde an den Bun­destag erfährt man, daß ein entsprechender Beschluß noch nicht gefaßt ist, und daß der Deputirte unserer Stadt als Mitglied dieser Commission nicht geneigt scheint, sich an einer solchen zu beteiligen.

Kassel, 11. März. In der gestrigen Kriminal- gerichlèsitzung dahier wurde u. A. gegen Julius Pfann- kuch von hier, 15 Jahre alt, Kaufmanntlehrling zu Bremen,wegen fortgesetzter Majestälsbeleidigung" eine Zuchthausstrafe von 8 Monaleu erkannt. (Er hatte mehrere Briefe von Bremen aus, woselbst er schon we­gen brieflicher Bedrohung und Beleidigung eine zwei­monatliche Gefängnißstrafe verbüßt, vonsehr straf­barem" Inhalte nach Kassel gesendet, fügt dieKass. Zeitung" hinzu. Die Bremer Behördrn hatten bekannt­lich den jugendlichen Verbrecher an den Kurstaat aus­geliefert.)

Hannover, 8. März. Der aus Kiel hierher be­rufene Dr. Zimmermann hat eine Anstellung als Ober-Regierungsrath im Ministerium deS Innern er­halten. Wahrscheinlich werden die Preß- und Polizei- Angelegenheiten seiner Bearbeitung Vorbehalten bleiben.

Schleswig, 4. März. Große Pferdeankäufe im nördlichen Schleswig und in Jütland, größtentheils auf französische Rechnung, dauern fort.

Elbing, 6. März. (Z. f. N.) Der Redacteur deSNeuen Elb. Anz.", Hr. Jul. Born wurde heute wegen Gedankenstrichen, die er einem Artikel Politische Rundschau" be'gefügt, zu 60 Rthlr. Geld- oder 1 Monat Gefängnißstrafe verurtheilt!

Königsberg, 7. März. (K. Z.) Die Unruhe, welche in den letzten Tagen durch mannigfaltige Ge­rüchte veranlaßt, in der hiesigen HandelSwelt herrschte, ist gewichen, nachdem gestern Commercienrath Schnell, welcher den Berathungen des neuen Concursverfahrens beiwohnte, von Berlin znrückgekehrt ist und mitgetheilt hat, daß sowohl der Ministerpräsident, als Herr v. d. Heydt ihn auturisirt haben, in der Heimath zu erklären, daß Preußen die strengste Neutralität bewahren würde und ein russisches Bündniß durchaus nicht in Aussicht stände."

Posen, 9. März. In Rußland ist so eben die Emission einer bedeutenden Quantität neuen Papier­geldes erfolgt; eben so hat man eine Art Rubel aus Kupfer geprägt, deren Rand silbern ist und deren Auf­schrift auf dem Avers aus einer Goldschrift besteht. Dagegen wird das russische Papiergeld vom Auslande her nicht über die Gränze gelassen. Einem Einwohner Warschau's der aus Oberschlesten in seine Heimat zu­rückkehrte, wurden unlängst vom Grânzamte 180 Rubel Papiergeld confiscirt.

Berlin, 10. März. DiePr. C." bezeichnet die von derNational Zeitung" den Missionen des Fürsten v. Hohenzollern-Sigmaringen und des Grafen von der Gröben nach Paris und London gegebene Deutung, daß damit, sei es nun direct oder indireet, Preußen die Grundlage der Wiener Conferenzbeschlüsse aufgebe, als unrichtig. Außer der Erklärung Preußens, daß es seine volle Neutralität nach beiden Seiten hin aufrecht zu erhalten beschlossen habe, indem es zugleich hinsicht­lich des Rechtspunctes in der russisch-türkischen Streit­frage bei seiner bisherigen Auffassung verharre, daß die ru fischen Forderungen nämlich zu weit gehende seien, außer dieser Erklärung haben diese beiden Abgesandten Preußens, wie man derF. P. Z." schreibt, auch den Auftrag, dem Londoner und dem Pariser Cabinet neue Vermittelungsvorschläge zu überbringen. Von Seite Rußlands sind bi^r neue Eröffnungen gemacht, gemäß welchen das russische Cabinet sich geneigt finden lassen würde, unter gewissen, näher angegebenen Be­dingungen die Donausürstenlhümer zu räumen, insofern

eine.längere Frist gesetzt werde, innerhalb welcher die Räumung thatsächlich ausgeführt werden könne. Die von Rußland gestellten Bedingungen werden auch als gemäßigter und nachgiebiger als die bisher von dem­selben beharrlich festgehaltenen bezeichnet, so daß aus allem hervorgche, daß eine friedlichere Stim­mung im St. Petersburger Cabinet sich vor- bereitc. Es kann wohl keinem Zweifel unterworfen sein, daß die Haltung der beiden deutschen Großmächte, na­mentlich aber deren unwandelbare völkerrechtliche Auf­fassung der Streitfrage, die im vollen Einklang mit der Anschauung der Westmächte steht, zu dieser dem Frieden wenigstens mehr als bisher zugewendeten Stimmung des russischen Cabincts hauptsächlich beigetragen habe. Fürst Anton von HohenzollerN'Sigmaringen ist mit der Napoleonischen Dynastie verwandt und es scheint dieser Umstand bei der in Berlin getroffenen Wahl maßgebend gewesen zu sein. Der Prinz August von Wür - tembcrg wird nicht nach Petersburg gehen. Ueber- Haupt soll von einer besondern Sendung an den russ. Hof wieder Abstand genommen worden sein. Der Graf v. d. Gröben und der Fürst von Hohen- z o l lern-S i g m a ri n g e n werden bis zu Ende näch­ster Woche ans London und Paris hier zurückerwartet. DieElberfelder Ztg." will wissen, daß der Gras von Fürstenderg-Stammheim, welcher sich seit einigen Tagen hier befindet, in einer Audienz bei dem Könige sich freimüthig und offen dahin aussprach, daß eine etwaige, den russischen Wünschen und Anforderungen günstige Politik Preußens in den westlichen Provinzen des Staates den niederschlagendsten und entmuthigend- sten Eindruck hervorbringen würbe. DieKöln. Z." meldet, daß die Depulirten der Ostseeprovin­zen, erschreckt durch die Wendung der hiesigen Politik zu Gunsten Rußlands, sich gestrigen Tages versammelten, um eine gemeinsame Vorstellung an das Cabinet zu richten und darin die Gefahren ausdrücklich barzulege», welche eine den Westmächten feindliche Haltung Preußens den commerciellen und Agricultur-Jnteresten drohe. Dagegen soll von der Fraction der Rechten, die im Hotel des Princes" ihre Versammlung hält, eine Adresse hervorgegangen und bereits überreicht worden lein, wo­rin die Unterzeichneten den Monarchen ersuchen, mit Rußland Hand in Hand zu gehen, und dabei auf die Zustimmung aller wohlgesinnten Preußen zu rechnen. Der Finanzminister beharrt darauf, seine Entlassung zu nehmen, wenn das von der zweiten Kammer angenom­mene Maischsteuer-Gesetz von der ersten Kammer vc» morsen werden sollte.

Wir theilten bereits mit, daß für die nächste, noch in diesem Jahr zusammentretende Zollvereinscon- f e r e n z Darmstadt als Versammlungsort bestimmt ist. Die hier getagte Conferenz hat, wie man der Börsen­halle schreibt, für diese Zusammenkunft nur die hier un­erledigt gebliebenen Tariffragen zur Beschlußnahme be­stimmt und die Dauer der Verhandlungen aufstechs Wochen beschränkt.

Wie man hört, soll es von einer Seite lebhaft be­trieben werden, die formell noch nicht geschlossenen Wiener Conferenzen durch ein Schlußprotokoll auch formell zu beendigen. Natürlich würden die deutschen Großmächte sich in dem Schlußprotokoll um keine Linie breit forttreiben lassen; sie würden, wie ihre Politik jetzt liegt, aber auch nicht scheuen, die Ansichten, welche sie bereits ausgesprochen, auch in einem solchen Schlußprotokolle zu fanctioniren. (?)

In den hiesigen Buchhandlungen hat gestern die Beschlagnahme einer bei Göpel in Stuttgart erschienenen Schrift:Die Frage der Zukunft Deutschlands", von G. Dietzel stattgefunden.

Wie derS. M." meldet, wird der Seeretär der preußischen Gesandtschaft in Rom, Baron v. G ö t h e, demnächst auf feinen Posten zurückkehren mit Botschaften, welche auf den badischen Kirchenstreit Bezug haben. Hr. V. Bismark wurde in dieser Angelegenheit gehört, und es sei gewiß, daß Preußen die badische Re­in keinem Falle im Stich lassen wird.

In derPr. Corr." ist zu lesen: Nach Mittheilun­gen des Correspondenz-Bureaus soll,in Bezug auf die russischerseits aufgestellte Behauptung, daß man diesseits als neutraler Staat die Englisch Französischen «Schiffe nicht mit Lebensmitteln und Kohlen verproviantiren dürfe, sich hier bei maßgebenden Staatsmännern eine divergirende Ansicht geltend machen." Die Beziehung, in welche die angeblich russischerseits ausgestellte Behaup­tung mit den Ansichten preußischer Staatsmänner ge­bracht wird, läßt vermuthen, daß das Correspondenz- Bureau damit auf eine Forderung der Kaiserlich Rus­sischen Regierung hat hindeuten wollen, welche nach Mittheilungen verschiedener Blätter an die Königlich Preußische Regierung in Betreff etwaiger Lieferungen von Lebensmitteln und Kohlen für die Englisch-Franzö­sischen Schiffe gestellt worden sein soll. Es kann jedoch versichert werden, daß den von demCorrespond. -Bureau bezeichneten Staatsmännern von einer derartigen For­derung der Kaiserlich Russischen Regierung bis jetzt nichts bekannt geworden. Auch ist kaum anzunehmen, daß, wenn eine solche Forderung gestellt werden sollte, abweichende Ansichten sich geltend machen möchten, da für die unter den obwaltenden Verhältnissen vorgreifen­den Fragen die klaren Bestimmungen des Neutralitäts-