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Nassauische Allgemeine Zeitung

W: «F Montag den 13. März ISiL

Dit,,N«ffa»lsche AllgkMtine Zeitlin«" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationâpreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Pokregulati» nunmehr auch ür etn ganzen Umfang des Ldurn- und TariS'schen BerwaltungSbezirkS mit Inbegriff des-postanffchlagS 2 st., für die (ihrigen Länder des deutfch.bsterreichischcn PostvereinS, wie für da« Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierspainre yetitseik oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, ;n machen.

Leituttgsschau.

Die Neutralität im Sinne desPreuß. Wochenblattes." Die Stellung der deutschen Großmächte.

** Oesterreich, sagt der Lloyd, hat noch nicht an der Donau sein gutes Schwert gezogen, und die nächste Zukunft liegt noch in dichtem Schleier verhüllt. Und doch beginnen schon Stimmen, im nördlichen Deutsch­land (der Lloyd meint hauptsächlich das preußische Wochenblatt mit seinerSchonnngspolitik") offen den Verrath zu predigen. Wir sagen mit Vorbedacht: den Verrath. Wir würden es anders nennen, falls Oester­reich, wenn ein feindlicher Einfall in die Provinz Preu­ßen oder in Belgien geschähe, sich, weil nicht seinenäch­sten" Interessen hiedurch berührt würden, so benehmen wollte, wie dasPreußische Wochenblatt" vorschlägt, daß sich jetzt Preußen verhalte. Wir sehen davon ab, daß es die krasseste Thorheit ist, zu sagen, der Osten von Deutschland habe nicht nahe Interessen am Rhein, oder der deutsche Westen und Norden habe sie nicht an der Donau. Die linke Seite eines Mannes ist nicht unbetheiligt, wenn dessen rechte geschlagen wird. Die Franzosen der Normandie sagen nicht, daß es ihre Interessen unberührt läßt, wenn ein Feind in die Pro­vence einbricht. Die Russen von Archangel rüste» und kämpfen mit, wenn die Russen von Odessa angegriffen werden. Sie verlangen nicht, sich dannfrei und un­abhängig" vom Kriege zu erhalten. Von welch' einem Gefühl des Ekels und Abscheues wird man nicht er­griffen bei dem Anhören jener vollmäuligen prahlenden Schwätzer, welche von dem einigen Deutschland, dem großen Mitteleuropa mit seinen 70 Mill. Einwohnern unaufhörlich plaudern, und die bei dem ersten fernen Läuten der Sturmglocke feig davon laufen und sich frei und unabhängig" erklären wollen,frei" wie 1795 bei dem Baseler Frieden,frei" wie 1805 Haug­witz in Schönbrunn war,unabhängig" von jeder Ver­pflichtung der Ehre, des Gewissens und der nationalen Würde. Das Empörende in dem Raisonucment des preußischen Wochenblattes liegt gerade darin, daß es anerkennt, wie Oesterreich an der Donau für ein deut­sches Interesse zu kämpfen hat, daß es dasselbe zum Streite ermuntert und dann zu gleicher Zeit auffordert, es allein kämpfen zu lassen. Wir wissen jetzt recht wohl, wie schadenfroh ein Theil unserer Gegner uns zurufen wird:Haben wir nicht Recht gehabt, daß es besser sei, sich auf Treu und Glauben von Rußland, als aus Treu und Glauben von Deutschland zu Der' lassen; beginnen unsere Freunde nicht, bevor noch die Schwerter, die in der Scheide stecken, entblößt sind, den Verrath, der in ihrem Herzen steckt, zu entblößen ; verlangen sie nichtfrei und unabhängig" zu sein, blos um sich später auf die stärkere Seite zu werfen, und jede schwächere Seite ihres Vortheils wegen als Feind zu betrachten; es ist ihnen nicht gleichgiltig, welche Seite ihnen Gewinn zahlen muß, wenn nur dieser nicht ausbleibt; wäre es nicht besser, noch im letzten Augenblick mit Rußland zu theilen, und Die­jenigen, welche uns jetzt verrathen wollen, ihrem even­tuellen Schicksal, der Herrschaft der Knute zu über» lassen, da sie doch kein Gefühl besitzen, das durch ein edleres Instrument berührt werden kann?" Wir aber antworten getrost auf diese Einwürfe, daß das preußi­sche Wochenblatt nicht die preußische Regierung, viel weniger Preußen , viel weniger Deutschland bedeutet, daß dessen Rath und Stimme nicht bei uns allein Ab­scheu und Verachtung hervorruft und hervorgerufen hat. Wir antworten, indem wir die Ueberzeugung aus­sprechen, daß Deutschland, ganz Deutschland bei der orientalischen Frage zusammenhalten, zusammen kämpfen und zusammen siegen wird. Denn die Zeit ist vorüber, wo offenbarer oder heimlicher Abfall im deutschen Staatskörper möglich war, wo Glied gegen Glied ge­kämpft, wo der linke Arm sich im Stande derNeu­tralität" befand, während der rechte zum Streiche ' ausholte, wo eine falsche Allianz den Freund verrieth und den Feind begünstigte. Man wird uns wohl er­innern an die Schlachtopfer von Friedericia. Aber auch diese Zeit ist vorüber. Wenn Oesterreich bereit ist, den leuchtenden Weg der Ehre und des Rechts zu wandeln, so wird Deutschland nicht hinter ihm zurück­bleiben wollen, und nicht zurückbleiben können. Es gibt keine Kraft in Deutschland, welche dann stark ge­nug wäre, um sich auf dem Boden der Unehre zu er­halten. Es wird ein Sturm daun über die deutschen Gauen wehen, der Alles in der richtigen Richtung mit sich fortreißt und Alles umwirft, das sie nicht einhalten will. Falls der Kampf jetzt ausbricht, so ist es ein

solcher, in dem Derjenige wider uns sein muß, der nicht für uns ist. Es wird in diesem Kriege Feindschaft und Freundschaft, aber nichts Drittes, nichts zwischen ihnen Liegendes geben.

** DieD. Volksh." findet, daß Deutschland in der orientalischen Frage eben nicht die glänzendste Rolle spiele, und daß das Vertrauen auf seine Macht, trotz der zahllosen Atteste, die ihm von officiösen Federn ausgestellt seien, eben nicht weit her sei. Es scheine, als wenn ein gewisses unnennbares Gefühl, welches mit Selbstvertrauen und Machtbewußtsein keine große Ähnlichkeit hat, bis sitzt die Hauptrolle bei den diplo­matischen Schlachten gespielt habe, welche die deutschen Cabinelle in der orientalischen Frage geschlagen hat. Der eigentliche Grundgedanke, von dem sich die deut­schen Kabinette bis jetzt hätten leiten lassen, laute: Der Friede, der Friede, um jeden Preis. Und was das Schliimmste, man hätte sich bei diesem muthvollen Ope- rationsplaue so sehr in die Karten sehen lassen, daß die anderen Mächte ihn eben so genau, und vielleicht noch etwas genauer kennen, wie die entschlossenen- Ur­heber desselben. Die Westmächte haben gemerkt, wie man uns auzusassen hätte, und daß man uns mit dem unnennbaren Gefühle vor dem Kriege und vor den re» volutiouairen Mächten zu Allem hindrängen könnte, auch zu dem Kriege selbst. Wir haben uns anders be­sonnen, sagten die Westmächte; wir haben uns über­zeugt, daß ihr nicht neutral bleiben dürft, sondern daß Ihr Euch mit uns zum Kriege verbünden müßt. Wenn Ihr die Neutralität, die unmögliche, aufgebt und un sere Alliirtcn werdet, so wollen wir zur Belohnung Euch die Rheinprovinz lassen, die Lombardei nicht auf« wiegeln und Eure Seestädte im adriatischen Meere und in der Ostsee nicht bombardiren. Bleibt Ihr aber neu­tral, so erklären wir Euch den Krieg und lassen die Revolution spielen. In der That, die Friedensliebe hat uns den Krieg gebracht, und wenn lauter Elihu Burrill's in den deutschen Kabinetten säßen, die Westmächte haben ein probates Mittel, die Friedenstheorien derselben zu Wasser zu machen. Oesterreich scheint in dieser fatalen Alternative seine Partie bereits genommen zu haben. Wenn einmal gewählt snn muß, so will ich doch lieber Rußland zum Feinde, als England und Frankreich und die Revolu­tion. Dieser Ealcul wäre vielleicht richtig, wenn man da­durch nun wirklich England und Frankreich sich zu bleu beuden treuen Freunden machte, und mit der Revolution für immer Frieden schlösse, und sich die italienischen Provinzen für immer deckte. Aber dem ist nicht so. Treue Freunde werden England und Frankreich doch nicht; und mit der Revolution ist doch sein Friede zu schließen, und die italienischen Provinzen bleiben nach wie vor unsicher. Oesterreich hat sich auf Gnade und Ungnade Feinden überliefert, die mit jedem Augenblicke von Neuem mit denselben Drohungen hervorlrelen kön­nen und sicher von Neuem drohen werden, sobald in Zukunft nicht Alles geschieht, was sie wollen. Italien ist nicht beruhigt, und man hat dieser noch nicht gelösten Aufgabe noch eine zweite hinzugefügt, die Beruhigung und die Organisation Bosniens und der Herzegowina, eventualiter der übrigen türkischen Provinzen. Dafür hat sich denn Oesterreich außerdem noch die Feindschaft eines sicheren, felsenfesten Verbündeten auf den Hals gezogen. Nun, der Mächtige kann freilich viele Schwierigkeiten besiegen, die weniger intelligenten Leuten unüberwindlich erscheinen. Was Preußen anbetrifft, schließt die Volkshalle, so scheint es seine Partie noch nicht genommen zu haben. Herr von Manteuffel scheint noch einige Wochen freie Hand behalten zu wünschen, bevor er in wohlerwogenem Interesse Preußens seinen freien Entschluß faßt. Bon! Was uns anbetrifft, so sind wir längst resignirt. Wenn sich erst gewisse Symptome zeigen, so erkennen wir auch die Krankheit und bilden uns nicht mehr ein, daß die­selbe abgewendet werden könne. Diese Symptome, die gleich Anfangs hervortraten, wollen wir vielleicht ein andermal beschreiben. So viel ist gewiß, Deutschland ist sehr krank, und wir werden uns nicht darüber wundern, wenn es an der orientalischen Frage zu Grunde geht oder wenigstens durch dieselbe in eine Krisis gestürzt wird, die länger dauern möchte, als das Leben der meisten Menschen.

Hrittfdjlonb.

* Wiesbaden, 10. März. (Sitzung der ver­einigten Kammern vom 27. v. Mts. Schluß.)

Kraus beantragt:die hohe Versammlung wolle beschließen, zu ihren Sitzungen Stenographen zuzuziehen." Wenn die Versammlungen protocollarisch ausgezeichnet werden sollten, so seien Stenopraphen erforderlich. Der

Fleiß der Secretäre verdienen alle Anerkennung, aber es sei denselben unmöglich, in großen Sitzungen das Nöthige zu protocolliren. Dadurch kämen Unrichtig­keiten in die Protocolle.

Reg.-Comm. Faber bemerkt, daß der Druck der stenographischen Protocolle für die beiden letzten Jahre, wo solches stattgefunden, 39,000 fl. gekostet habe.

Rau: Der frühere Druck der stenographischen Protocolle sei nicht zweckmäßig besorgt worden. Man habe so viele Exemplare drucken lassen, daß es jetzt noch im Ministerialgebäude an Raum fehle, den über­flüssigen Vorrath aufzubewabren. Wenn man die ge­druckten Protocolle ansehe, nehme man wahr, daß eine wahre Papierverschwendung stattgefunden. Der Haupt­sache, um welche cs sich im vorliegenden Falle handle, sei aber diese, ob die landständische Verfassung noth­wendig sei. Wolle man dieselbe, so müßten auch für die Versammlungen die erforderlichen Kosten gezahlt werden. Diese dürften ebensowenig beanstandet werden, wie das gesetzliche Budget einer Ministerialabtheilung. Nur sei es von unbestreitbarer Wichtigkeit, daß die Pro- tocolle correct geführt würden. Oft müsse man auf frohere Verhandlungen, insbesondere auf die Erklärungen der landesherrlichen Commissarien verweisen. Da sei eS denn auch wohl angemessen, daß diese vollständig ausgezeichnet würden. Er unterstütze den Antrag.

Reg.-Comm. Faber: Nicht die Anzahl der Ex­emplare, sondern der Satz verursache die höheren Druck­kosten. Wenn aber nicht alles gedruckt werden solle, dann sei nicht abzusehen, wer das Censoramt übernehmen und die Ausscheidung vornehmen solle. Wenn Unrich­tigkeiten in den jetzigen Protocollen vorkämen, so sei durch Nachträge abzuhelfen.

Keim: Stenopraphen für die einzelnen Kammern hätten eher Bedeutung als für die Budgelberathung. Die desfallsigen Kosten würden aber zu bedeutend, auch die Verhandlungen dadurch zu ausgedehnt werden.

Reichmann: Durch stenographische Protocolle werde der Zweck nicht erreicht, wie die Verhandlungen der Jahre 1848 und 1849 befugten. Durch Zusätze, Correcturen rc. hätten die Protocolle stets eine ganz nette Geftatt-chhsmmâ (Leian : Ia^ mobil)--- v. E ck: Die Gründe gegen die Zuziehung eines Stenographen seien mehr scheinbar. Die Protocolle seien auch jetzt nicht viel länger, ober nicht so genau. Die Druckkosten des Jahres 1848 würden nicht so leicht wieder erreicht werden. Damals habe auch der Landtag eine dreimal längere Dauer gehabt. UebrigenS sei der Gegenstand Sache des Bureaus.

Heydenreich: Zu einem Nachtrag in den Pro- tocollen sei selten Gelegenheit geboten; das Prolocoll sei gewöhnlich nicht zu haben. Die Zuziehung der Stenographen können dem Bureau nicht mehr allein überlassen werden, da von diesen bisher in der Sache nichts geschehen fei. Durch stenographische Aufnahme des Protocolls werde noch der Vortheil erreicht, daß die Verlesung des Protocolls wegfaüe, Bei den steno­graphischen Protocollen übe nur der Sprecher selbst die Censur gegen sich, nicht ein Dritter.

Rau: Er wolle nur noch der Reg.-Commission gegenüber bemerken, daß daS Censoramt durch daS Bureau auSzuüben sei.

Reg.-Comm. Faber: Diese Bemerkung ruhe auf einem Mißverständlich. Es sei gesagt worden, die Verhandlungen brauchten nickt vollständig gedruckt zu werden; cS müsse demnach jemand zu bestimmen haben, was gedruckt und was nicht gedruckt werden solle. Dieß sei unter dem Censoramte verstanden worden, und für dieses Amt sei das Bureau nickt bestimmt.

Möller: Auch die jetzigen Protocolle seien noch zu weitläufig. Man solle auf Abkürzung, nicht auf Erweiterung derselben Bedacht nehmen.

Vogler: Der jetzige Vorschlag werde nur eine zwecklose' Kostenvermehrung Herbeffübren. Wolle man nicht alles drucken, so sei es jedenfalls schwierig, aus-

zufcheiden.

v. Eck beantragt, den Antrag deS Abg. Kraus dem Bureau der vereinigten Kammern zur weiteren Prüfung zu überreichen.

Kraus: Die Kosten, welche durch die Steno­graphen entständen, dürsten seiner Ansicht nach nicht so hoch anzuschlagen sein, wie es von der Reg.-Commission vorgestellt werde. Vollständige und correcte Protobolle seien nöthig; diese könnten aber nur von Stenographen ausgenommen werden.

Die Anträge von KrauS und v. Eck werden ab» gelehnt.

Vom Lande. Der Herr Graf Y s e n b u r g,