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früher bewiesene Freundschaft gegen Oesterreich auf und greift zu den Waffen, um dessen nächste Interessen an der Donau anzugreifen. England erkennt in der Ge­fahr, welche Oesterreich bedroht, eine Gefahr für sich selbst, Frankreich nicht minder, und indem Jeder sein eigenes Interesse wahrnimmt, kann er nicht umhin, in- direct jedem Andern zu dienen, der die Gefahr mit ihm theilt. Wer jetzt noch von einer Wahl der Alliian- zen spricht, ist ein Thor. Seitdem Rußland selbst seine Wahl getroffen, hat es auch für alle andern Mächte gewählt. Wer nicht seinen Untergang will, hat nur noch auf einer Stelle Platz. Und, sei die Vergangen­heit wie immer, die gegenwärtige Noth macht aus den gemeinsam Bedrängten gemeinsame Streiter. Die wil­den Rosse auf dem Blachfelde schließen einen Kreis, wenn die Wölfe sie angreifen , und wehren gemeinsam mit ihren Hufen der gemeinsamen Gefahr. Wenn der thierische Jnstinct schon auf den Weg hinweist, wie ein drohender Angriff zurück zu weisen ist, so wird ihn doch die menschliche Intelligenz auch aufzufinden wissen.

Wien, 9. März. DerKöln. Ztg." wird auf teleg. Weg gemeldet : Fürst Paskiewitsch über­nimmt den Oberbefehl der russ. Armee an der Donau, welche einstweilen eine Defensivstellung behauptet.

Frankreich.

Paris, 9. März. (Köln. Ztg.) Die Nachricht von der Einnahme von Kalafat durch die Russen wird amtlich widersprochen. DieAssemblee Natio­nale" hat allen ihren Abonnenten in einem Rundschrei­ben angezeigt, daß sie nach zwei Monaten wieder er­scheinen werde. Wir glauben zu wissen, daß, wenn es einmal zu Feindseligkeiten gekommen ist, dem mos- kowitischen Blatte diese Ermächtigung nicht ertheilt wer­den wird. Einer der hervorragendsten Redacteure der Assemblee" steht im Begriffe, nach Frankfurt abzurei­sen, wo er, dem Vernehmen nach, ein französisches Blatt redigiren und dafür einen Gehalt von 25,000 Fr. be­ziehen soll. Es versteht sich von selbst, daß diese Zei­tung dem russischen Interesse dienen wird. Die Ab­reise des Marschalls St. Arnaud von hier nach dem» Orient wird in 2 3 Tagen stattfinden. Es heißt, der Baron Gros, französischer Gesandter am Hofe von Athen, werde den General Baraguay d'Hilliers in Con- stanlinopel ersetzen. Bei der Prinzessin Mathilde fand gestern Abends ein Concert Statt, welchem der Herzog von Coburg beiwohnte. Es hat sich das Gerücht verbreitet, am 9. d. werde dem gesetzgebenden Körper ein Gesetzentwurf für Aushebung von 120,000 Mann von der Dienstclasse 1854 vorgelegt werden.

Dem St. A. f. W. schreibt man vom 7. d.: Ein neues wichtiges Famim^ranu ich Ihnen Melden.Ttr Cabinete von Oesterreich und Frankreich werden an die Sardinische Regierung eine gemeinschaftliche Aufforde­rung erlassen, sich allen revolutionären Bewegungen in Italien zu widersetzen und sogar, wenn ich gut un­terrichtet bin, dringende Rathschläge gegen die Tages­presse in Piemont damit verbinden. Dieß wäre der erste praktische Commentar zu der bekannten Erklärung des Moniteur:daß, wenn die Fahnen Oesterreichs und Frankreichs im Orient zusammenstehen, Niemand es versuchen dürfte, sie an den Alpen in Zwiespalt zu setzen." Die geheimen dynanischen Zwecke, die man einer Reise des Prinzen Lucian Bonaparte nach Ita­lien hat zuschreiben wollen, sind damit hinreichend wi­derlegt. Allein ich kann Ihnen auch aus Privat-Jn- formationen versichern, daß der hier sehr bescheiden und Zurückgezogen lebende Sohn Lucians, der weit mehr Gelehrter als Staatsmann ist, lediglich in Familien­angelegenheiten nach Italien geht. Daß die französi­schen Gesandten dabei angewiesen worden sind, dem Vetter des Kaisers bei den Höfen, die er besuchen wird, gebührende Aufnahme zu verschaffen, ist nur natürlich. Der hicnge österreichische Gesandte, Hr. v. Hübner, hat die Aufmerksamkeit gehabt, dem hohen Reisenden eben­falls eine Art Geleitschreiben an die österreichischen Be­hörden, mit denen er in Berührung kommen sollte, mit­zugeben. Der Marschall St. Arnaud ist heute wie­der krank und daher von neuem die Nachricht verbreitet daß er dem ihm zugedachten Commandoposten nicht ge­wachsen sein dürfte. ' t

Aus Toulon wird gemeldet, daß eine General- Ordre zur Einschiffung der Truppen zwischen dem 15 und 20. März gegeben worden ist. Vier Linienschiffe sollen von Toulon zum Ostsee-Geschwader abgehen.

DiePatrie" läßt sich aus Malta, 3. März, schreiben, daß in Folge der Maßregeln der Mächte mehrere griechische Jnsurgenlenführer ihre Unterwerfung angeboten haben. Aus Odessa vom 12. meldet die Patrie" daß die Russen sich in Bessarabien ansammeln, um in Bender ein Lager zu bilden, in welchem ein zwei­tes Reservecoips concentrirt wird. Die russische Re­gierung hat überdies alle Privatdampfer gegen Entschä- diguag für den Marinedienst requirirt. Um den Fana­tismus der Truppen anzufachen, wurden jeder Division mehrere Popen beigegeben. Man versichert, daß die Unduldsamkeit dieser Priester die schlimmste Wirkung (?) auf die Ofsiciere hat, welche die Aufsicht derselben nicht ertragen wollen, und in hohem Grade dadikch entmutigt (?) sind.

Vraßbritannie«

London, 6. März. (N. P. Z.) sD i e Unruhen in Preston.) In Preston, wo noch am Freitag Abend durch den Major die Aufruhr-Acte verlesen und am Sonnabend zur Einschwörung von Special-Constab- lern vorgeschritten worden ist, sind den in hohem Grade aufgeregten und in ihren Placateu schon, wie es scheint, mit Brandstiftung drohenden Arbeitern die Versamm- lungen unter freiem Himmel, wie es das Gesetz ver­stattet, von der Communalbehörde vorläufig untersagt worden. Die Ankunft von hundert Arbeitern aus Ir­land, denen wahrscheinlich noch Tausende nachfolgen werden, gab den Anstoß zu der Aufregung, über deren weiteren Verlauf wir erst morgen früh weitere Nachricht haben können, da am Sonntage, den man hier selbst auch bei Ruhestörungen beobachtet, ein Waffenstillstand stattfand.

London, 8. März. Die Königin geht mit ih­rem Gemahl und den Kindern Freitag nach der Insel Wight und wird, wie es heißt, en passant die in Spithead aufgestellte Flotte Napiers besichtigen. Nach Anderen wird Ihre Maj. die Flotte am Sonnabend große Revue passiren lassen, und Tausende von Lon­donern rüsten sich, dem Schauspiel beizuwohnen. So viel scheint gewiß, daß die erste Flotten-Division schon am Sonnabend' oder spätestens am Sonntag-Morgen die Anker lichten und gegen die Ostsee zusteuern soll.

Der Bischof von Salisbury ist gestorben; er war erst 52 Jahre alt, und hatte seine hohe Stelle im Jahre 1837 angetreten.

Das Cbronicle bringt folgende Depeschen:Wien, 6. März. Neue Vorschläge sind hier aus Petersburg angekommen und werden heute Nachts nach Paris und London befördert werden." Wien, 7. März. Die Petersburger Vorschläge bestehen in Gegen-Vorschlägen zum Friedens-Projecte vom 13. Jan. Rußland hat einen Entwurf der Friedens Präliminarien eingesandt und erbietet sich, im Augenblicke, wo dieselben unter­zeichnet sind, die Fürstentümer zu räumen. Die Con- ferenz hier hält diese Bedingungen für unannehmbar, da die jetzt gemachten Zugeständnisse nicht alles ent­halten, was das letzte Project verlangte. Capt. Black- wood, der t britische Courier, der 2 Tage hier zurück gehalten ward, ist daher endlich heute Morgens mit dem Ultimatissimum der westlichen Mächte nach Peters­burg abgegangen. Die russischen Vorschläge sind um nichts günstiger als die letzten Petersburger Eröffnungen, welche die Couferenz ohne Weiteres verwarf. Kaiser Nicolaus hoffte ohne Zweifel durch diese neuen Vor­schläge Oesterreich den westlichen Mächten abwendig zu machen; aber, Dank der vollkommenen Loyalität und dem hohen Verstände des Grafen Bnol, ist der Plan vollständig gescheitert. Malta, 4. März. Der Orinoko ist mit den Garde-Truppen hier angekommen. Die Flotten lagen am 26. Febr. bei Bepkos. Admiral Sir E. Lyons war, nachdem er das türkische Geschwader escortirt hatte, in den Bosporus zurückgekehrt. Die russische Flotte hatte sich nicht blichen lassen. Die Times enthält folgende telegraphische Depesche: Turin, 4. März.Englands und Frankreich haben sich dahin verständigt, etwaige revolutionäre Bewegungen in Ita­lien zu unterdrücken.

London, 9. März. (K. Z.) Die Admiralität hat an alle zur Expedition bestimmten englischen Dampf­schiff- auf telegraphischen Wege Befehl ertheilt, unver­züglich die auswärtigen Häfen zu verlassen, um zum Transport von Truppen und Kriegsbedarf nach der Ostsee verwendet zu werden. Consols 91.

Malta, 5. März. (K. Z.) Das französisch-eng­lische Expeditions-Corps soll bis zum 15. April in Constantinopel vereinigt sein. Von Gibraltar werden hier sechs neue Regimenter erwartet.

Italien

Turin, 5. März. (Köln. Ztg.) Die schweren Ge­rüchte, von welchen ich Ihnen in meinem letzten Schrei­ben sprach, und nach welchen Oesterreich die Sicherung des Nachbar-Friedens mit Piemont durch Occupation der Festung Alessandria oder durch den österrei­chischen Oberbefehl über einen Theil der piemontesischen Truppen zu erlangen sucht, diese Gerüchte beschäf­tigen bis heute andauernd alle Gemüther und sind bis­her, obwohl mehrere Blätter sie in den letzten Tagen besprachen, nicht dementirt worden. Privatim sollen je­doch der Cabinets - Präsident und der Kriegs - Minister sie als inexact" bezeichnet haben. Wie dem auch sei, das Ministerium scheint sich unter dem Eindrücke schwe­rer Besorgnisse zu befinden und mit wichtigen Fragen beschäftigt zu sein. Zur späten Abendstunde traten ge­stern sämmtliche Minister zu einem außerordentlichen Conseil zusammen, dessen Berathungen äußerst geheim gehalten werden. Der König war, seiner Gewohnheit zuwider, in diesem Conseil nicht anwesend. In der vorgestern Abend stattgehabten geheimen Sitzung der Deputaten Kammer sollen nicht eigentlich politische Fragen verhandelt worden sein.

Turin, 8. März. (Tel. Dep.) Der Finanzminister hat einen auf das Budget von 1855 bezüglichen Gesetz- entwurf, eine im In- und Auölande abzuschließeube Anleihe von 35 Mill, betreffend, den Kammern vorge- lkItr Der Minister dcö Innern, Graf Ponza di San Martino, hat um seine Entlassung gebeten. Der

Justizminister Rattazzi hat provisorisch anch das Porte­feuille des Innern übernommen.

Rom, 1. März. Prinz Friedrich von Preußen fuhr gestern nach dem Vatican, wo er vom H. Vater in einer Abschiedesaudienz empfangen wurde.

Nach einem Schreiben aus Rom imUniverS" sind die Vergnügungen des Carnevals durch einen un­angenehmen Zwischenfall gestört worden. Der russische Geschäftsträger, Hr. Skariatine, befand sich in Beglei­tung seiner Gemahlin, seines Schwagers und anderer Personen auf einem Balcon am Corso, um dem Trei­ben zuzusehen. Plötzlich wird ein schwerer Stein nach der Madame Skariatine geworfen und traf diese am Arme. Obgleich die Wunde nicht gefährlich, so mußten doch Blutegel applicirt werden. Der elende Wicht glaubte sich unter dem Gewühle der Menschen in Si­cherheit. Tags darauf wurde er jedoch von dem Bru­der des Hrn. Skariatine wiedererkannt. Dieser verfolgte ihn bis zur Kirche San Lorenzo-in-Lucina und ließ ihn von dem dort befindlichen Wachtposten arretiren. Der Gefangene, ein gewisser Corvelli, wurde sofort in die Engelsburg abgeführt.

.DieEmancipation" berichtet, daß der Türkische Geschäftsträger zu Brüssel, Vicomte C. de Kerkhove, mit einer Mission des Sultans an den päpstlichen Stuhl zu R o m cingelroffen und bereits eine Audienz beim Papst hatte.

Neapel, 1. März. Der Chef des hiesigen Bank­hauses Rothschild, Alexander v. Rothschild, ist daselbst mit Tode abgegangen , und es wird die Leiche nach Frankfurt, seiner GeburtSstadt, gebracht.

NuAand.

Petersburg, 2. März. (K. Z.) Die Ankunft des wirklichen Staatsrathes Otschkin aus Warschau, früher Secretär des Fürsten-Statthalters, hat zu der Vermuthung Anlaß gegeben, daß möglicher Weise ge­wisse diplomatische Vollmachten dem General.Feldmar­schall ertheilt werden würden; deßgleicken dem Fürsten Menczikoff, weil sich der wirkliche Geheimcrath Titow, früher Gesandter in Constantinopel, nach Moskau be­geben hat, und wahrscheinlich seine Reise weiter nach dem Süden fortsetzen wird. Zwei Generale, Baranzew und Troitzki, sind nach den Küsten-Kriegsplätzen Schlüssel- burg^und Sweaborg entsandt worden.

St. Petersburg, 3. März. Das Kaiserliche Cabinet hat unter dem 18. Februar an die Gesandten und diplomatischen Legaten Sr. Majestät des Kaisers ein Expose ber orientalischen Frage bis zu ihrem gegen­wärtigen Standpunkt und der Haltung, die Rußland in derselben beobachtet hat, gelangen lassen. Der Schluß dieses Acteustückes lautet: Das sind die Ereignisse in ihrer Entwickelung. Sie stellen fest, daß die Frage zu ihrem gegenwärtigen Umfange kam, weil man sich seit ihrem Beginne in die ehrgeizigen Absichten gefun­den hat (sest donné) , welche man uns unterschiebt, um ein doch nicht vorhandenes Phantom zu bekämpfen; weil der erste Schritt, den man in einem Systeme der Einschüchterung und des Mißtrauens gethan hat, fort­schreitend andere herbeigeführt hat, welche allen Theilen einen ehrenvollen Rückzug immer schwerer gemacht ha­ben. Wenn die unvorhergesehenen (soudains) Conflicte, welche in jedem Augenblicke aus einem so gespannten Zustande der Dinge, wie es die gegenwärtige Situation ist, den Krieg zwischen uns und den beiden Mächten entzünden sollten und mit diesem Kriege alles das Un­glück, das dadurch über die ganze Welt kommen wird: so ist Europa in der Lage, zu urtheilen, wer in dem Augenblicke selbst, wo wir sprechen, schon die Ini­tiative ergriffen hat.

DerSammler der See" enthält ein Schreiben Sr. Kais. Hoheit des Prinzen Peter v. Oldenburg, worin er den Großfürsten Constantin auf Anlaß der erfreulichen Vermehrung der erhabenen Familie dessel­ben ergebens! bittet, seitens seiner und seiner Gemahlin dreitausend Rubel zum Besten der verwundeten Mann­schaften der Flotte des schwarzen Meeres Mizunehmen.

Der Patrie wird geschrieben:Laut einem Briefe vom 22. Febr. von der polnischen Gränze hatte der Kavallerie-General, Graf von Pahlen Heerschau über sämmtliche Cavallerie-Corps abgehalten, die zur Donauarmee stoßen solle». Die Regimenter, aus wel­chen diese Abtheilungen bestehen, werden sich in kleinen Tagemärschen bewegen und werden wohl nicht vor An­fang Mai am Pruth eintreffen. In der Umgegend von Warschau fanden große Truppenbewegungen, statt.

Vonaufürttenthümer.

Aus O rso va, 1. März, wird gemeldet, der Fürst von Serbien, Alexander Karageorgievich, habe dem com- mandirenden Feldmarschalllicutenant Grafen Coronini bei seinem Besuche in Semlin die bestimmteste Versiche­rung abgegeben, die serbische Regierung werde mit der größten Gewissenhaftigkeit alles vermeiden, wodurch Oester­reich an seiner Gränze Verlegenheiten bereitet werden könnten.

Nachrichten vom Kriegsschauplätze in der kleinen Walachei, welche bis zum 2. März reichen, geben der Vermuthung Raum, daß sich die Russen bei der geänderten politischen Sachlage vorläufig nur aus eine energische Defensive beschränken, daher weder Kalafat angreifen, noch einen Donauübergang bewerkstelligen werden. Diese von angeblich sehr verlässiger Seite ge-