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Nassauische Allgemeine

^ 60, Samstag dm 11. Mây

1834.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag» aue'genommen, täglich und beträgt der Pränumeration-preiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch ür den ganzen Umfang des ZDurn» und TariS'schen BerwaltungSbezirkS mit Inbegriff des -Sostanfschiag» 2 ff., für die übrigen Land,: des deu!sch«bsterreichische» PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die vierspaltige Pelitjeil« oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. g riedr i ch, Langgaffe 42, auSwärtS betten nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

S Staat und Kirche.

II.

Zuvörderst kommt cS darauf an: Ob die Gou­vernements mit der Kirche im Frieden oder jm Unfrieden lebe n wollen?

Es gibt zweierlei Classen von Menschen, welche den Frieden unter Kirche und Staat fürchten und demselben möglichst cntgegenarbeiten, weil sie, die Einen, ihre Vernunft als Götzen anbctendie Nationalisten, die Anderen, weil sie keine Gewalt, als im Volke oder vom Volke kommend, anerkennen die Demo­kraten oder Aufrührer damit sie selbst und zwar recht brutal, herrschen können.

Jene, die Rationalisten, wünschen unter Staat und Kirche Unfrieden, damit die Staatsgewalt mehr und mehr die Wirksamkeit der Kirche hemmen, und sie dann ihre Pest leichter unter dem Volke verbreiten können. Sie arbeiten geradezu und unmittelbar auf Unglauben, auf Jrreligiösitât hin; aber die mittelbare Folge ihres Strebens ist, wie jene des Strebens der Demokraten, wenn auch der Richtung nach verschieden, der Unter­gang der Staaten. Zwar ist der Rationalismus vorzüglich bei den Nichtkatholiken zu Hause; es gibt aber auch in der katholischen Kirche Einige, oder viel­mehr gibt cs Einige, welche, sei es, weil sie schlecht, Heuchler, Pharisäer, oder sehr inconscquent sind, sich ka­tholisch nennen, welchen man zwar kaum die wunderliche Ehre anthun mag, sie Rationalisten zu nennen, welche jedoch den Vernunftstolz mit den Rationalisten gemein haben. Sie leben im Zustande des Ungehorsams gegen ihre gesetzmäßige geistliche Obrigkeit, und sind insofern aufrührerisch. Sie haben sich mit ihren verkehrten Lehren, mit ihrer verkehrten Tendenz in den Schul- und Bil- duugsanstalten Anstellungen zu verschaffen gewußt, wür- den aber wohl schon spurlos verschwunden sein und bald spurlos verschwinden, wenn sie nicht auf Unter» stützung gehofft hätten; und da, wo Kirche und Staat in Eintracht sind, eine solche Unterstützung wegfällt , so können sie«EgËudlicheu Fried»«-, â« -gUurd-. lichen Eintracht unter Kirche und Staat nicht anders als abhold sein.

Die Demokraten wünschen Unfrieden unter den Staaten und der Kirche und thun Alles, was sie kön­nen, um dadurch, daß s ie v o r l ä u fig d e n R e> gen teil schmeicheln, und als thue cS Noth für den Staat, die Kirche zur Magd des Staates zu machen, die Wirksamkeit der Kirche auf die Gesinnung der Un­terthanen möglichst zu hemmen, denn die Kirche ist ihr H a u p t h i n d e r n i ß; haben sie dieses, vermittelst der Staatsgewalt, möglichst überwunden, so fallen sie über den Staat selbst her, wo sie desto leichter zum Ziele gelangen, je mehr sie sich der Schu­len, der Schul- und Bildungs-Anstalten bemeisiert und dadurch unmittelbar auf das schon höchst aufgeregte Volk einwirken, und je mehr Geltung sie sich im Rathe der Regenten zu verschaffen ge­wußt haben.

Es scheint aber auch Staatsmänner (?) zu geben, welche handeln, als glaubten sie etwas Ersprieß­liches zu thun, dadurch, daß sie die Kirche möglichst zur Magd des Staates machen, oder die Kirche mög­lichst in Beziehung auf die Anzahl ihrer Mitglieder und in jeder andern Hinsicht beschränken, als ob die Kirche des Staates Feindin wäre, wo dann natürlich unter Kirche und Staat nur Unfrieden sein kann. Solche wollen doch Folgendes erwägen:

Erstens: Die Kirche ist nun einmal da, und da sie über 1800 Jahre all ist, alle auf sie einstürmenden Feinde jeder Art überwunden hat, so sollten, was jeden Katholiken der Glaube lehrt, die Staatsmänner, zu welchem Glauben immer sie sich bekennen mögen, durch Erfahrung gelernt haben, nämlich, daß die katholische Kirche nicht unter gehen könne, und sollten dann, dem gesunden Menschenverstand ge­mäß, den Schluß fassen: mit einer Gesellschaft, welche nur Segen verbreitet, und d e r m a n n i ch t M e i st e r werden könne, sei besser in Frieden alö in Unfrie­den zu leben. Zu diesem Schluffe muß, der Sachen Natur nach, jedes der Kirche auch noch so abholdes Gouvernement kommen; je später um so grö­ßer die Schädigung der eigenen Autorität!

Zweitens: Aber gesetzt, eS wäre möglich, die Kirche zu unterjochen, oder es gelänge sie aus einem Lande zu vertreiben; würde solches den Staaten und ihren Regenten frommen?

Der bekannte Lavater in Zürich war zuverlässig kein heimlicher Katholik; er war aber der Meinung, daß

mit dem Umstürze der katholischen Kirche (seine eigenen Worte) daß der Umsturz dieses Gebäudes der Sturz alles kirchlichen Chri- stenthumes sein würde. Würde aber das T)a- hinschwinden des Christenthums den Staaten und ihren Regenten frommen?

Drittens: Würde es den Staaten und ihren Re­genten frommen, wenn die Unterthanen den biblischen Text, welcher sagt: daß man den Regenten n ich t allein ans Furcht vor Strafe, sondern auchdesGewissenswillengshorchensolle, und daß, wer sich der Obrigkeit wider­setz e, s i ch d e r A n o r d n u n g G o t t e s w i d e r s e tz e, da alle Gewalt von Gott sei nicht mehr so, nach dem klaren Sinne der Worte verstehen, oder gar diese und alle Dasselbige sagende Texte als einge- schoben, mithin als nicht bindend ansehen würden?

Viertens: Das Schwert ist wohl das geeignete Mittel, um Den Frieden der Staaten gegen ihre allen­falls feindlich gesinnten Nachbarstaaten, um den Frieden nach Außen hin zu wahren; man scheint aber jetzt in dieser Beziehung mehr auf die Federn der Diplomaten zu halten; hingegen scheint man in Beziehung auf den innern Frieden der Staaten viel auf; das Schwert zu halten; indessen kann das Schwert den innern Un­frieden der Staaten wohl für einige Zeit beschwichtigen, und muß dann, wie die Erfahrung lehrt, fast immer gezückt sein; aber den innern, bauernden Frieden kann das Schwert nicht geben; er beruhet auf der Gesinnung der Unterthanen, insbesondere aus ihrem Gehorsam, auf jenem Gehorsam, welchen sie der kirchlichen Obrigkeit in kirchlichen Angelegenheiten, der westlichen Obrigkeit in weltlichen Angelegenheiten, um ^Gottes und des Ge­wissens willen schuldig sind und ihnen schuldig zu sein erkennen.

Es ist die Tugend des Gehorsams, jenes Gehor­sams, welcher auch da wirket, wohin kein Menschenäüge dringt, wohin kein Schwert reichet; dieser Gehorsam aber ist nur in der Kirche, die kein Schwerthat, rein, tchue Beimischmig zu finden; er beruhen allein aus dem Glauben.

Ich wüßte doch nicht, welche Gesinnung, mehr als die erwähnte, den Staaten und ihren Regenten from­men könnte. Wenn aber die Kirche untergehen könnte, oder aus diesem oder jenem Lande verscheuchet würde, und mit ihr der erwähnte Gehorsam, die erwähnte Ge­sinnung dahin schwinden würde, oder, wenn die Staats- gewalt die Schulen, die Schul- und Bildungsaustalten der Kirche entziehen, somit der Kirche unmöglich machen würde, Eins der Hauptmittel, die Gesinnung der Unter­thanen von Jugend auf zu bilden, zu heiligen, obgleich eben dieses ein Haupttheil des Berufes der Kirche ist, in Anwendung zu bringen, wird das den Staaten und ihren Regenten frommen?

AerttschlMrd

* Wiesbaden, 10. März. Sitzung der ver einigten Kammern vom 27. v. M. Fortsetzung. Cap. MI. Landstraßenbau. Es werden angefordert: für Besoldungen 31,192 fl. 30 kr., für Unterhaltung der Landstraßen 102,108 fl. 36 fr., für Mining »euer Landstraßen 65,295 fl. 51 kr., zusammen 198,596 fl. 57 kr.

Der Ausschuß (Schäfer, Wirth, Höchst, Schrodt, Tromdetta, Gödecke, Schlachter und Heydenreich) trägt auf Bewilligung dieser Summen an.

Heydenreich äußert den Wunsch, daß in Lin­ker eine Rinne zu beiden Seilen der Straße angelegt werde.

Ueber den projectirten Chausseebau zwischen Blei­denstadt und Wiesbaden bemerkt Möller: Die Landstraßen im Herzoglhum zögen zum größten Theile von Süden nach Norden. Querstraßen von Westen nach Osten seien nur zwei vorhanden, nämlich die Straße von Weilbach nach C o b l e n z und die Straße von der hessischen Grenze nach Hachenburg. Die Verbindung der Lahngegend mit dem südlichen und südwestlichen Theile des Herzogthums sei durch die Taunus­höhe unterbieten. Zwei Chausseen führten zwar da­hin, die eine über die Platte, die andere über die hohe Wurzel, beide Straßen seien sehr beschwerlich; es komme an manchen Stellen eine Steigung von 9 bis 10 Grad vor; schweres Lastfuhrwerk könne die Straße ohne be- deutende Vorspann nicht passiren und doch sei der Ver­kehr sehr ansehnlich. Diesen Hindernissen müsse im Interesse des Verkehrs abgeholfen werden durch die projectirte Straße. Dadurch werde % der ganzen Höhe des Taunus vermieden; sie habe nur 2'/, Grad

Steigung; die Länge des Weges werde vermindert und eine ganze Gegend diesseits und jenseits dem Verkehr aufgeschlossen. Die Kosten für die ganze Anlage wür­den in wenigen Jahren nicht nur den Wegfall der Unterhaltungskosten für die Chaussee über die Platte und hohe Wurzel gedeckt sein, sondern auch noch für alle Zukunft dadurch neue Ersparungen bezweckt wer­den. Endlich sei noch zu erwähnen, daß nicht allein die Staßen nach Limburg und Langenschwal­bach wesentlich verbessert würden, es werde auch da­durch eine neue Straße nach dem Rheine durch die Strecke von Seitzenhahn nach der Schanze und der Schlangenbader Chaussee gewonnen.

Rau: Er wolle die Kosten zu der nothwendigen Unterhaltung und Anlage neuer Straßen um so weniger beanstanden, als dadurch bei der jetzt herrschenden Theue­rung den armen Leuten Gelegenheit zu Verdienst ge­geben werde. Er könne aber die Bemerkung nicht un­terdrücken, daß bei der Anlage neuer Straßen alle Theile des Landes möglichst gleich berücksichtigt werden möch­ten. Er habe im vorigen Jahre den Wunsch geäußert, daß die Regierung einen für den Bergbau sehr wichti­gen Weg zwischen Niedertiefenbach und Dehrn, sowie einen Verbindungsweg zwischen dem Westerwalde und Loblenz, welcher für die Aemter Rennerod und Wallmerod von besonderem Interesse sei, in fahrbaren Stand Herstellen lasse. Für die Chaussirung des erstgenannten Weges sprechen dieselben Gründe, wie für die Anlegung der Aarstraße. Der letztere Weg bedürfe nur auf einer kleinen Strecke in der Gemarkung Weltersburg einer Herstellung. Die deßhalb ent­stehenden Kosten könne aber die arme Gemeinde nicht tragen. Er wolle daher den schon früher geäußerten Wunsch hier wiederholen.

König: Er könne den Grundsatz der Regierung nur billigen, daß die Chausseen da auzulegen seien, wo lebhafter Verkehr herrsche. Nur so werde die Ausgabe dafür auch nutzbringend.

Reg.-Lomm. Haas: Im Jahre 1847 sei beschlos­sen worden, eine Straße über Schwalbach, Idstein, Usingen nach der Wetterauer Straße und gleichzeitig eine Zweigstraße hierher zu bauen. Die besprochene Anlage sei nur die Fortsetzung einer längst bewilligten Straße. Daß jetzt gerade die Zweigstraße in Angriff genommen werden solle, habe darin seinen Grund, weil die Straße von Schwalbach nach Bleidenstadt, welche bedeutende Verwendungen erfordert habe, ohne diese Zweigbahn so lange nutzlos bleiben würde, bis die ganze Strecke bis Usingen vollendet sei; durch diese Zweigstraße werde eine Chaufseestrecke, die ein Opfer von Huttderltausenden erfordere, sofort rentbar gemacht werden.

Möller: Er sehe sich veranlaßt, der Versammlung Aufschluß zu geben, wie die schlechte Richtung dieser Chaussee (über die Platte und hohe Wurzel) enstanden sei. Das Herzogthum Nassau sei aus zwanzig verschie- denen Ländern zusammengesetzt. Man habe sich deshalb stets mit der Nackbarregierung über die Richtung der Chaussee verständigen müssen.

Eigner fragt an, was mit den unbrauchbar wer­denden Chausseestrecken über die Platte und hohe Wur­zel beabsichtigt werde.

Regierungscommissair Haas: Das Schicksal der­selben könne nicht vorgesehen werden. Da auf beiden Strecken kleine Ortschaften lägen, so könnten sie als Vicinalwege berücksichtigt werden oder sie würden in's Freie fallen. Nur die Strecke von der Schanze bis Schwalbach müsse beibchalteu werden.

Zu Tit. 5, pos. 2, beantragte Schellenberg, die "herzogliche Regierung zu ersuchen , eine weitere Anforderung zur Fortsetzung der Chaussee von Usin­gen nach'Merzhausen bis zu letzterwähntem Otte zu machen, weil diese Chaussee wie im allgemeinen In­teresse, jo auch besonders für die dortige Gegend von dem erheblichsten Vortheile, ja eine Nothwendigkeit sei. Durch die Anlage der Main-Weserbahn werde die Chauffee eine Verbindungsstraße des Innern des Her- zogthums mit dieser Bahn. Die jetzt erst halb vollen- dete Strecke werde schon stark benutzt, insbesondere zur Verführung des Selterser Wassers.

Müller: Die dortige Gegend sei noch im Wege­bau zurück und möge deshalb ihre Kräfte zur Herstell­ung der Vicinalwege anstrengen. Die Ausfuhr des Selterser Wassers könne sich höchstens auf die Orte Usingen und Homburg beschränken, weitere Aus­fuhr gehe über Höchst.

Der Antrag wird abgelehnt.

Regierungscomunssair Faber: Uebereinstimmend