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Nassauische Aligemeine Zeitung.

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Dienstag den 7. My

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Dik ,,Naffauâa>- AII«em-ine Zeininft" Mil d-m beilccristifchen LkNUattDer Wander-r"-rsit>k(Nl, SonNtaq«-uSgeiiSmmkn, lâsn» unc betrâstt der PrânumeraiionSpreiS für Wiesbaden unb , nach den, neuen PmiregniaNv nunmehr auch ür den qan'ren tlmfon« kr. rdni n.'und LarisUchenltfraaltunadbevrti mit Jubianss rtd -poildufldtlaRd 2 fl., tür die übrigen SSnb» des deur, '».österreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 fl. 21 kr. Inserate werden die o-erfpatnge r ertheile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. - «eile'.lungen beliebe man in der «uchbandiunt! von W. Friedrich, VanggniTe 42, auswärts bei den nââMklenenen Postämtern, ,« machen.

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MDunWsschau

Zur orientalischen Frage.

*^ Erst vor wenigen Tagen noch, bemerkt diePfälzer Zeitung" sprach ein großer Theil der denischcn uub ins­besondere der preußischen Presse so wegwerfend und gc- ringschätzend von Oesterreich, als stände eS aut der­selbe» Stufe von Macht und Einfluß, wie etwa Hessen. Homburg oder daS Füistcnlhum Lichtenstein. (Wir erinnern an den Artikel deS preuß. Wochenblattes: ^zst Oesterreich ein starker Saal?) Das Wiener Cabinct, sagte man, hängt so ganz im Schlepptau der russischen Politik, daß cs' auf jede selbstständige Action verzichten und höchstens eine unbedingte Neutralität beobachten müsse. Pr-ußen dagegen fei die Hoffnung und der Hort von Deutschland, Preußen werde zuletzt daS SchiedSlichteramt übernehmen, im ganzen Streite zuletzt den Ausschlag geben und alsdann so ließ man we­nigstens durchschimmern die Karte von Deutschland nach den, einstweilen bei Seite gelegten Plänen von Gotha und Erfurt umgcstaltcn. Es gibt heute kaum mehr einen urthcilsfHigcn Mann in Deutschland der über solches Gercdei welches lächeilich wäre, wenn cs nicht an Vaterlandsverrath strelfie, den Stab nicht brechen müßte. 'Niemand wird die Wehrkraft und Tüch­tigkeit des preußischen StaaleS gering achten, allein Preußen ist doch immer nur eine gekünstelte, Oesterreich dagegen eine natürliche Großmacht. Es heißt bic wahren Verhältnisse auf den Kopf stellen und aller Geographie spotten, wenn man das Uebcrgcwicht verkennen und läugncn will, das Oester­reich in der orientalischen Frage ausübt und seiner Na­tur »ach ausüben muß. Wer hierüber noch im Zweifel sein könnte, den müssen die Anstrengungen ausklären, welche die beiden Westmächte machen, um Oesterreich aus ihre Seite zu ziehen. Allein nichtOesterreich oder Preußen", sondernOstercreich u n d Prenßeu" muß heute den Wahlspruch jedes wahren deutschen Pa­trioten sein. Ist ganz Deutichland einig, dann wird man nicht so leicht wagen, dasselbe auziigreifeii, und wenn man angreift, kann cs im Voraus des Sieges gewiß sein. WaS das Bündniß mit Frankreich und England betrifft, so glauben wir nicht, daß ein solches unter den gegenwärtigen Umständen im österreichischen und deutschen Interesse liegen könne. Die Franzosen, Türken, Engländer mögen üch mit den Russen her Um­schlagen , mögen einander schwächen und entkräften Oesterreich und das übrige Deutschland sönnen nur ge­winnen, wenn sie ihre Kräfte sparen, bis es gilt, sie wirken zu lassen. Die Türkei, wird aller Wahrschein­lichkeit nach, bei dem bevorstehenden Kampfe in Trüm­mer gehen müssen; wer bei der Theilung in frischer un­versehrter Krast erscheint, wird sich nicht mit dem schlech­testen Stücke zu begnügen brauchen.

** Ei» denscher Militär spricht in derA. A. Z." seine Ansichten über Deut chlands Stellung bei der jetzigen Sachlage in der Saufe: aus. Der Correspon- dent kann cs nicht rund bekommen, daß Frankreich und England der Türkei zu Hilfe eilen. Was, ruft er aus, werben Richard Löwcnhcrz und Philipp von Frankreich zu diesem Kreuzzug f ü r den Halbmond sagen ? Wie auch das Resultat des Kampfes gegen Rußland be­schaffen sein werde, eine Lösung der Frage werde doch nicht herbeigefübrt. Entweder 'Rußland bleibt Sieger in den Donauländern, oder es wird besiegt. Bleibt Rußland Sieger, dann hat das Reich der Osmanen in Europa thatsächlich ein Ende. Wird es hingegen be­siegt, so ist doch auch die türkische Regierung moralisch und finanziell zu Grunde gerichtet. Der Sultan kann seine Herrschaft in Europa nur durch den materiellen Beistand (Geld und Soldaten) seiner beiden Schutz­patrone fristen, welche dadurch in reu thatsächlichen Besitz der europäischen Türkei gelangen. Eine Form für dieics neue Verhältniß würde schon gefunden wer­den. Wie steht es aber dann mit dem Gleichgewicht von Europa? Welches Loos haben die christlichen Unterthanen der Pforte unter türkischer Gesetzgebung ferner zu erwarten? Glaubt man die innere Fäulniß di.ser RegieruiigSmaschine mit ihren chrsstenseindlichen Maschinisten durch englischen Lack Niid französischen Firniß zu beseitigen? Kann dadurch in der Hauptsache etwas gebessert werden? Diese unb andere Fragen, schließt er, führen uns naturgemäß auf den deutschen Standpunkt zurück. E« versteht sich von selbst, daß Deutschlands Stellung bei der veränderten Sachlage in der Türkei eine überaus wichtige werden muß. Zugleich scheint uns aber sein Verhalten so deutlich vocgeschric- beu, daß eS sich in wenig Worte fassen läßt. Formell betrachtet ist der Kampf zwischen Rußland, der Pforte

Und ihren beiden Verbündeten zu einer Ehrensache ge» worden, die nach den erfolglos gebliebenen Ausgleichungs- Versuchen nur noch mit dem Degen in der Hand erledigt werden kann. Lassen wir also Russen, Türken, Franzosen und Engländer an der Donau und im schwarzen Meer nach Gefallen sich bekämpfen Ein tüchtiger Aderlaß wird die erbieten Gemüt her dann um so eher besänftigen. Das Schiedrichteramt dabei haben Preuße« und Oester­reich, bat der deutsche Bund, als stärkste Großmacht, zu beanspruchen. Den Deutschen kann cs eben so we­nig gleichgültig sein, wenn die Russen sich in den Do- naufiustcutbümern bleibend fcstsctzleuDsiegreich bis Con- stanlinopel vordrängen, als wenn ihre Gegner den Pruth überschritten, und was dann nid)È unterbleiben würde die leicht entiMdbaren Ungarn und Polen, von ihren alten Gönnern unterstützt, ihre abenteuerlichen politi­schen Träume noch einmal in Seeße zu setzen suchten. Zur Unterstützung eines gebietendem und eines schieds­richterlichen Machtspruches, wie er »in dem fraglichen Falle Oesterreich, Preußen und dem deutschen Lunde ziemt, wurde cs nicht einmal großer Kriegsrüstungen bedürfen. Ein Bundesheer von 100,000 Mann in Siebenbürgen und im Banat ausgestellt, mit einem Re- scrvccorpS von 50,000 Mann , wäre vollkommen hin­reichend , den Sieger auf diesem oder jenem Donau- Ufer zum Stillstand zu nötbigen. Sollte die voraus­gehende Drohung eines solchen Einschreitens mit einer andern Drohung am Rhein oder sonst wo erwiedert werden, dann batte Deutschland immer noch über eine Million gut eiltgeübter und vollkommen ausgerüsteter Soldaten zu verfügen, deren vornehmliche Sprache den Forderungen der deutschen Mächte ohne Zweifel bald Gehör verschaffen würde. Aber es würde kaum gerathen sein, sich zu weiteren Schritten veranlassen zu lassen, denn Deutschland sollte wissen, was es vermag.

Ve»tlchlai»Sr.

§ Äus dem Kreisamt Hadamar, 3. März. Nach unsern L.eobaclMugeA-A r o mit der Zusammen­legung der Justiz und Verwaltung an einen und dem­selben Gericht im hiesigen Kreis sehr zufrieden. Wenn auch die Staatskasse bei der Zusammenlegung nichts gewinnen sollte, so wird schon durch diese Einrichtung wie sie früher bestauben für die Amtseinwohner viel gewonnen. Wie oft kam es vor, daß ein Landmann an das Justizamt ging in der sicheren Meinung in sei- 11 er Sache Gehör zu finden, weil er dies schon über 30 Jahre so gewohnt war, nun aber daselbst erfuhr, daß seine Sache bei dem Kreisamt erledigt werden müsse. Kam er an das Kreisamt, so wurde er in der Regel mit einem Schreiben an den Bürgermeister ab» gefertigt; aus dem cingezogencn Bericht ersah das Kreisamt, daß die Sache auf dem Verwaltungswege nicht abzumachen und dem Bittsteller daher nicht zu helfen sei. Nachdem derselbe seine Sache einigemal er­innert hatte, erhielt er endlich die Resolution, daß er seinen Anspruch auf dem Justizweg verfolgen müsse. So hat Mancher mehrere Tage sein Hauswesen ver­säumt, Reisen von 7 bis 8 Stunden gemacht, dabei sein Geld auSgegeben und doch nichts ansgerichtet, viel­mehr mußte er wieder da ansprechen, wo er schon ein­mal gewesen war. Welche Belästigung ist es nicht, wegen Erlangnng eines Passes, BandecretS, Procla- mationSscheius u. s. w., eine Reise von 7 bis 8 Stun­den machen zu müssen und was oft vorkömmt, vergeb­lich, weil der Bürgermeister oder die Ortsbehörde eine unrichtige Bescheinigung ertheilte , dies oder jenes in ihrem Bericht rc. ausgelassen und daher der Antrag­steller zur Einholung der Verbesserung wieder wegge­schickt werden mußte. Wir sind der Meinung, daß die Einrichtung der Justiz- und Verwaltung für die RechtS- fudienben / so weit cs nur immer zulässig, gemächlich und unbeschwerlich sein müsse. Denn auch für den Landmann gilt der Satz: Zeit ist Geld.

4- Weilburg, 4. März. Das Gesetz über die Wiedervereinigung der Justiz mit der Verwaltung bei den Aemtern hat hier in Stadt und Land allgemeinen Beifall gefunden, und diejenigen Mitglieder der zweiten Kammer, welche durch die vielen und langen Artikel derMittclrhciniscben Zeitung" dagegen sich nicht haben irre machen lassen und für dieses so wohlthätige Gesetz gestimmt haben, haben sich gerechten Anspruch aus den Dank des ganzen Landes erworben, da dieses der erste kräftige Anfang ist, um die nichts taugenden Gesetze der Revolutionsjahre wieder abzuschaffen. Wir Weil­burger waren nun freilich auch bei dem Krcisamts- Gefetz ganz besonders übel weggekomme», da wir durch die Abstimmung der 1848r Kammer mit Hadamar zu-

sammcngcwürfelt worden sind, womit wir fast gar kei­nen Verkehr und wohin die meisten Orte einen sehr weiten Weg haben. Wenn das aber auch nicht wäre, so bat die Trennung der Verwaltung von der Justiz doch den Gemeinden fast nichts Gutes gebracht, als eine Unmasse von Prozessen, die leichtsinnig und oft ganz unvernünftig angefangen, von den Advokaten be­reitwillig übernommen, fast alle für die Gemeinde verloren gingen, und den Gemeindecassen schwere Kosten gemacht haben, den Advokaten aber schöne Spesen in die Taschen brachten. Natürlich, die Justiz kümmert sich nicht weiter um das Gemeinde-Interesse, sondern entscheidet einen angefangenen Prozeß so, wie das Gesetz es will, wenn aber das Amt auch zugleich für die richtige Gemeindeverwaltung verantwortlich ist, so wird mancher faule Prozeß gar nicht augefangen, und mancher angefangene gar bald verglichen, und den Gemeinden Zeit, Verdruß und Kosten gespart. Deß­wegen glaubt auch Niemand, was dieMittelrheinifche Zeitung" so oft hat drucken lassen, daß durch die Ver­einigung der Justiz mit der Verwaltung die Justiz in Gefahr käme, wohl aber, daß dadurch die Advokaten in Gefahr kämen. Daher das große Geschrei.

München, 3. März. Die jüngst ausgeschobene Reise Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich nach Mün. eben dürste nach dem, was man seit gestern vernimmt, demnächst zur Ausführung kommen, und erwartet man hierüber täglich nähere Nachrichten aus Wien. Die militairpflkchtige Russen, welche sich in Baiern zur Zeit befinden, haben Befehl erhalten, in ihre Heimath zu- rückzukehren. An einen hiesigen Geschäftsmann ge­langte heute ein Circular eines der ersten Banquiers in Wien d. d. 28. Februar, nach welchem die Aufle­gung eines neuen österreichischen Anlehens beschlossen ist; cs wird ein mit 4pCt. verzinsliches Lotterie-An- lehen in Prämienscheinen zu 250 fl. mit von diesen trennbaren Coupons sein. Dle Subscriplion auf dieses Anlchen, das zu 90 auSgegeben werden soll, wird be­reits morgen und zwar blos im Julaude eröff­net und am 15. d. Mts. geschlossen werden. Die An- lehenSsumme soll 50 Mill. Gulden betragen. Die 'N. Münch. Z." erklärt die Gerüchte von Uneinigkeit unter den Ministern und von Ministerveränderungen für pure Erfindungen.

Berti», 4. März. Der Abschluß des Vertrages zwischen Belgien und Frankreich ist am 27. Februar erfolgt, die von Belgien gewünschten Vorbebaite zu Gunsten der mit dem Zollverein wieder avzuknüHfeirden Verhandlungen haben bet dem entschiedenen Widerstände der französischen Regierung keine Aufnahme gefunden. Mit Rücksicht auf die gegenwärtig mit besonderer Vorliebe gehandhabte strengere Sonnlagsseier hat Prof. Erdmann in Halle unter dem Titel:Das Heidnische im Christenthum", einen Vortrag erscheinen lassen, worin der englische Standpunkt der Sabathfeier als jüdisch, und einewürdige Festfreude" als gebührend für den christlichen Sonntag bezeichnet wird. DaSC.-B." schreibt: DerWürtemb. StaaiS.-Auz." nennt unsere Mittheilung über die Vereinbarung mit dem Bischof von Rotten bürg theils unrichtig, theils ungenau. Wir haben alle Ursache, die Mittheilung dessenungeachtet als im Wesentlichen richtig und für so genau zu halten, als eine resumirende Inhaltsangabe ausführlicher Slibutationen eben sein säum Es sind im Wesentlichen fünf Punkte, um die es sich bei der Uebereinkunst handelt. 1) Die Pfründenbesetzung, 2) die Ausübung des jns circa sacra, 3) Leitung der geistlichen Lildungöanstalten, 4) Einfluß des Bischofs und der Geistlichen auf andere Schulen, 5) Einführung fremder Orden. Bei dem ersten Punkte sind mehrfache Unterscheidungen getroffen, rücksichtlich welcher unsere Mittheilung, zumal wir dieselbe noch kürzer gefaßt hat. len, als der uns vorgelegene Auszug wohl ungenau ge­wesen sein mag. Richtig und verbürgt ist, daß die collatio plenissima dem Bischof nicht zngestanden, da- gegen eine collatio plena im Princip anerkannt ist. Ueber das Ernennungsrechl deS Staats ist auch für das vereinbarte Provisorium eine klare Feststellung nicht erfolgt. Im Uebrigen müssen wir bei der vollkomme­nen Zuverlässigkeit unseres Gewährsmannes unsere An­gaben sür richtig halten und stellen dem W.^Sl. Auz." anheim, dieselben durch den Wortlaut Der Stipulation zu widerlegen.

DieZeit" vernimmt aus zuverlässiger Quelle über die von den Westmächten mit Preußen und Oesterreich angeknüften Unterhandlungen folgendes Nähere: Es soll sich darum handeln, eine Basis für den später ab­zuschließenden Frieden zu gewinnen. Es soll Vertrags-