Ausgaben zu decken , welche der Krieg erfordern wird, soll die Wiedereinführung der Salzsteuer und der 17 Additional-Ceutimes, wovon das Grundeigenthum in den letzten Jahren befreit war, beabsichtigt sein.
Man schreibt aus Toulon vom 28. Februar, daß alle Anstalten getroffen sind, damit die Schiffe, deren vollständige Ausrüstung befohlen worden, zwischen dem 15. und 20. März in See gehen können. Die Dampf- Fregatte Christoph Lolombus, Commandant Fregatten- Capitain de Bouchaud, hat Ordre erhalten, sich schon für den 7. zum Absegeln bereit zu halten. Sie nimmt fünfzehn Generale an Bord, die sich nach Constantino- pel begeben.
Paris, 5. März. (F. Bl.) Der heutige „Moniteur" verkündigt die Unter z ei chnung eines Handelsvertrages mit Belgien und theilt die Antwort des Kaisers von Rußland auf das Schreiben Louis Napoleons, sowie daS rusische Manifest mit.
Spanien.
Die Madrider Journale vom 26. enthalten wenig von Bedeutung. Am 25. war der Brigadier Carlos de Vargas verhaftet und in strengsten Gewahrsam gebracht worden. Der Generalcapitân von Saragossa hatte einen Bericht über die flüchtigen Insurgenten eingesandt, wonach dieselben in völliger Auflösung begriffen wären. Am 26. ging das Infanterieregiment Majorca von Madrid nach Saragossa, um das als aufgelöst betrachtete Regiment Cordova zu ersetzen. Die Zahl der Opfer des Aufstandes zu Saragossa scheint sehr übertrieben worden zu sein: ein Journal gibt sie auf beiden Seiten auf bloß 20 Todte und Verwundete an. Unter den Getödteten befinden sich 5 Civilpersonen.
Belgien.
Brüssel, 1. März. Der mit Frankreich abgeschlossene Handelsvertrag wird demnächst den Kammern vorgelegt und wahrscheinlich nicht öffentlich durchberachen werden.' Gestern um 3 Uhr Nachmittags hat der Minister der auswärtigen Angelegenheiten dem Senat nähere Erklärungen über die zwischen Belgien und dem Zollvereine wieder angeknüpften Unterhandlungen gegeben.
Brüssel, 2. März. Der König empfing gestern in einer Privataudienz Herrn v. Kisseleff.
Großdritannke«
London, 2. März. Eine telegraph. Depesche des „Amsterd. Handelsblad" von diesem Datum meldet: „Die Regierung, Gehör gebend dem von verschiedenen Seiten geäußerten Wunsch, in dem gegenwärtigen Augenblick keine großen Fragen der innern Politik zu behandeln, hat die Gesetzesvorlage, die Parlaments-Reform betreffend, zurückgezogen." Dagegen bemerkt die Londoner Correspoiidcuz der „N. Pr. Z." von demselben Datum, daß das Schicksal der Reformbill noch nicht entschieden sei. Aber „Times" vertheidigt sie heute nur noch sehr matt.
Admiral Corry's Geschwader ist in diesem Augenblicke wohl schon sicher im Hafen. Der „Wellington" (131) war den andern vorausgeeilt und gestern Abend eingetroffen; ihm folgte der „St. Jean d'Äcre" (101); der „Prince Regent" (90) Etappeuschiff; die „Jmpe- rieusc" (50), der „Arrogant" (47), die „Tribune" (30) und der „Valorous" (16).
Die Moruiug Post schreibt: „Dem Vernehmen nach wird zu dem Geschwader, welches unter Befehl des Admirals Sir Charles Napier in die Ostsee ein* laufen soll, ein französisches Geschwader stoßen, und die Königin wird vor Abfahrt der beiden Flotten eine Musterung derselben im Canal abhalten." Zu Ehren der französijchcn Offiziere soll in Portsmouth gleich nach ihrer Ankunft ein glänzendes Fest veranstaltet werden.
Die Opposition munkelt, daß neue Friedens- Unterhandlungen „ausgebrochen" sind — wie ein Irländer sagen würde. In ihrer Pariser Corre- spondenz bestätigt die Times selbst die Muthmaßung, daß Kaiser Nicolaus durch Oesterreich wieder Ausgleichungsvorschläge machen ließ, die zwar nichts weniger als ernst gemeint seien, aber ihren Zweck, Zeit zu einem Schlag auf Kalafat zu gewinnen, nicht ganz verfehlen bürsten.
Der 83jährige Viscount Ponsonby hat (in Briah- tou bei Folthorp) eine Flugschrift: „Private Leiters on the Basiern Queslion“ erscheinen lassen, welche auf ein Haar die Ansichten Urquhart's auvsprechen soll.
Der Umstand, daß der americanische Gesandte, der Sitte seiner Nation gemäß, in einfachem schwarzem Kleid beim Lever der Königin erschien, gibt mittlerweile der Londoner fashionablen Welt — deren Wesen, wie der Name zeigt, allermeist in der „Fayon" besteht — viel zu klatschen, besonders der durch den Abmarsch der Garde-Offiziere tiefbetrübten und im Gesprächsstoff verarmten Damenwelt. Ein Witz der Lady A—n macht in allen Salons die Runde. Ihre Herrlichkeit äußerte nämlich: „Wenn cs dem americanischen Gesandten darum zu thun war, in einfachem Gewand zu erscheine», so hätte er eigentlich ganz nackt, den Degen um die bloßen Hüften geschnallt auftrctcn müssen." Aber erstens ist dieser Witz nichts weniger als ein Witz, und zweitens ist er für eine Lady, auch eine ältliche, herzlich unanständig.
Rußland.
Petersburg, 24. Febr. Die gestern in der „Pe
tersburger Zeitung" veröffentlichte Proklamation lautet: „Wir Nicolai der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser und Selbstherrscher aller Reussen, König von Polen u. s. w., thun Jedermann kund: Wir haben Unseren lieben und treuen Unterthanen die Ursache Unseres Zwistes mit der ottomanischen Pforte bereits verkündet. Von jener Zeit an, ungeachtet der Eröffnung der Kriegsope- rationen, haben wir nicht aufgehört, von Herzen zu wünschen, wie wir es auch jetzt noch wünschen, dem Blutvergießen ein Ende zu machen. Wir hegten sogar die Hoffnung, daß Nachdenken und Zeit die türkische Regierung von ihrer Verirrung überzeugen würden, die durch hinterlistige Einflüsterungen hervorgebracht wurde, in welchen man Unsere gerechten, auf Verträge gegründeten Forderungen als einen Angriff auf ihre Unabhängigkeit darstellte, welcher eine beabsichtigte Oberherrschaft verberge. Aber vergebens waren bisher Unsere Erwartungen. Die englische und französische Regierung traten für die Türkei auf und das Erscheinen ihrer vereinigten Flotten bei Konstantinopel diente zur größeren Aufmunterung der Hartnäckigkeit derselben. Endlich führten beide westliche Mächte, ohne vorhergangene Kriegserklärung, ihre Flotten in's schwarze Meer, indem sie ihre Absicht verkündeten, die Türken zu vertheidigen und Unsere Kriegsschiffe an der freien Schifffahrt zum Schutze Unserer Küsten z» verhindern. Nach einer solchen, unter gebildeten Staaten unerhörten Handlungsweise, haben Wir Unsere Gesandtschaften aus England und Frankreich abberufen und alle politischen Verbindungen mit diesen Mächten abgebrochen. Und so stellen sich, in einer Reihe mit den Feinden des Christenthums, England und Frankreich Rußland gegenüber, das für die orthodoxe Kirche streitet! Aber Rußland wird seinen heiligen Beruf nicht verleugnen, und wenn die Feinde sein Gebiet angreifen, so sind wir bereit, ihnen mit der unseren Vorfahren uns überkommenen Standhaftigkeit entgegenzutreten. Sind wir nicht jetzt dasselbe russische Volk, von dessen Tapferkeit die denkwürdigen Begebenheiten des JahreS 1812 Zeugniß ablegen? Möge uns denn der Allerhöchste verhelfen, dieß mit der That zu beweisen! In dieser Hoffnung, indem wir für unsere unterdrückten Brüder, die den christlichen Glauben bekennen, zu den Waffen greifen, wollen wir mit dem einen Herzen ganz Rußland auSrufen: „Unser Herr! Unser Erlöser! den wir fürchten! Es stehe Gott auf, daß seine Feinde zerstreut werden!" Gegeben zu St. Petersburg, am 9. (21.) Februar im Jahre nach Christi Geburt 1854, Unserer Regierung im 29. Nikolai."
Nach einer aus St. Petersburg eingetroffenen Nachricht hat I. M. die Kaiserin von Rußland die Absicht, im Frühjahr nach Berlin und Italien zu reisen, aufgegebcu, und wird in diesem Jahre die Residenz nicht verlassen.
Von der polnischen Gränze, 28. Febr. Endlich unterliegt es, wie man der „A. A. Z." berichtet, keinem Zweifel mehr, daß auch ein Theil der im Königreich Polen stehenden Besatzung zum Ausmarsch bestimmt ist. Der General aus dem Gefolge des Kaisers, von Gecewitsch, ist vor einigen Tagen aus St. Petersburg in Warschau angekommen, und eS ist bereits bekannt, daß derselbe eine Mobilifirungsordre dem Generallieulenant Paniuline überbracht hat, in Folge welcher entweder das ganze zweite Jnfanteriecorps, oder — es ist dies noch nicht genau bekannt — wenigstens ein Theil desselben zum Abmarsch kommen wird. Mit diesem Befehl mag auch die anderweitig gebrachte Meldung von dem Ausmarsch der Garden in Verbindung stehen. In Polen werden zunächst Truppen des in Litthauen stehenden ersten Jnfanteriecorps einrücken. Von Warschau ist General Gecewitsch nach der Stadt Chelm an der Gränze Vol- Hyniens gereist, um dem dort stehenden Regiment Groß- fürst Nicolaus Alexandrewitsch gleichfalls Mobilisirungs- befehle zu überbringen. General Gecewitsch ist erst seit einigen Jahren in das Gefolge des Kaisers berufen worden; derselbe steht aber dem Kaiser sehr nahe, und wird stets mit sehr wichtigen Aufträgen betraut. — AuS dem Gouvernement Twer ist die Nachricht cinge- troffen, daß die daselbst dislocirt gewesene siebente leichte Cavallerie - Division unter dem Generallieutenant von Prittwilsch nach dem Süden rückt. Ueberall werden in die durch den Ausmarsch der Truppen entspringenden Lücken Reserven eingeschoben, und es hat nirgends den Anschein, als wolle Rußland die Kriegskosten bezahlen, wie solches ihm das englische Parlament unter schallen- dem Gelächter zugemnthet hat. — In diesen Tagen sind mehrere aus Frankreich kommenden Russen an der Gränze angelangt.
Dananfürltenthnmer. .
In Belgrad haben am 17., 18. und 19. d. M. Studentenexcesse stattgefunden , und zwar im russischen Sinn. Bekanntlich befindet sich dort ein fürstliches Lyceum, welches von beiläufig 260 jungen Serben fleißig besucht jwird. Diese Stubircnden durchzogen Abends die Straßen der Stadt und sangen nebst einigen Gafsen- Hauern auf Türken und Engländer auch das bekannte Lied: „Herr der Heerschaaren, verleihe Ruhm und Sieg den russischen Waffen, und vernichte ihre Feinde." Der Festungscommandant Izzet Pascha protestirte sofort gegen diese Demonstration, und verlangte von der fürstlichen Behörde die Bestrafung der Lärmer. Die Rädelsführer wurden verhaftet. Professor Schafarik —
ein Neffe de» berühmten Slavisten auS Prag — verwendete sich am 20. Februar an der Spitze einer Studenten-Deputation vergebens zu Gunsten der Verhafteten, gegen welche die gerichtliche Untersuchung ein« geleitet ist.
Der preußische Consul, Herr Meroni, war am 17 d. Mts. als außerordentlicher Courier von Galatz über Krajova und Orsova nach Belgrad gereist, wie es hieß, mit Depeschen, um Oesterreichs Verlangen, daß Serbien seine Neutralität bewahre, auch preußischerseit» nachdrücklich zu unterstützen. (Der Grund dieser Reise soll lediglich darin liegen, daß man die Anwesenheit eines preußischen Consuls in Belgeld zur Zeit für nöthig erachtet.)
Nach ans Orsova eingegangenen ^Nachrichten sollen die russischen Truppen am 19. d. in mehreren Colonnen bis in die Nähe der Verschanzungen Kala- fa(s vorgerückt sein, wo sie ein lebhaftes Kanonenfeuer eröffneten, welches die Türken aus ihren Positionsgeschützen im gleichen Maße erwiderten, ohne sich aus dem verschanzten Rayon herauslocken zu laffen. Diese Demonstration endete Nachmittags mit dem Rückkehren der Ruffen in ihre frühere Stellung. Die kais. russische Besatzung von Salscha und Girla soll nach Maglavitza verlegt worden sein und erstere Orte nur durch Kosaken beobachtet werden. In der Nacht vom 14. auf den 15. hat eine gleich erfolglose Vorwärtsbewegung der russischen Besatzungen von Suyna und Golentza gegen Kalafat stattgeffmden.
Die Stimmung unter den türkischen Truppen ist eine gedrückte und ihre Disciplin eine auffallend gelockerte. Der piemontesische Offizier Gardegni soll daher vor einigen Tagen sein Regiment in Kalafat, wo er als Escadronschef eingetheilt war, blos aus dem Grunde verlaffen haben, weil es mit der Mannschaft nimmer auszukommen gewesen ist, indem jeder thut, was er will, und sich gar nicht mehr dem Kommando fügt. Dem Vernehmen nach ist der Krankenstand zu Kalafat gegenwärtig 15—1600 Mann. Omer Pascha soll unter Weges fein und wird daselbst erwartet. Die Türken sollen Verstärkungen an sich gezogen haben, man rechnet die Besatzung von Kalafat jetzt auf 27,000 M., welche sich in wenigen Tagen auf 30,000 complettiren dürfte. Mit Lebensmitteln ist man im dortigen Lager zureichend versehen, aber ein empfindlicher Futtermangel herrscht daselbst, es mußten daher schon mehrere Escadronen nach Widdin zurück dirigirt werden, um sich in der dortigen Umgebung so gut wie möglich verpflegen zu können. Die im türkischen Militär vom Feldwebel abwärts eingetheilten Ungarn hat man eiligst nach Widdin gezogen, weil man kein Vertrauen in sie setzt, da sich wiederholt Desertionsfälle ergeben haben.
Vom Kriegsschauplatz an der Don au bringt der Wiener Soldatenfrennd vom 1. März folgenden Bericht: Als die neueste Verfügung, welche der Obercommandant der russischen Donauarmee getroffen, wird die engere Concentrirung der russischen Streitkräfte bei Frateschti, Kalarasch, Eiurgevo undBudeschti bezeichnet. Das Cernirungscorps in der kleinen Walachei und daS 5. verstärkte Jnfanteriecorps des Generals der JufanteriecorpS des Generals der Infanterie Lüders operiren bekanntlich selbstständig. Was zunächst den General en Chef des Jllgenieurcorps, v. Schilder, veranlaßt haben mag, diese militärische Aufstellung zu treffe», ist zwar noch unbekannt; da sich jedoch in jedem der bezeichneten Divisionshauptquartiere die Park- und Trainbrigaden befinden, so erscheint dieselbe als die erste Maßregel zur Ergreifung der Offensive, natürlich beim Eintreten einer günstigen Witterung. Es ist selbstverständlich , daß die Brückenköpfe und Donaufnrten in der großen Walachei von den Tuffen verstärkt besetzt und seit drei Wochen auch mit Kanonen von schwerem Kaliber armirt sind.
Am 15. haben die Russen 13 Stunden lang ihre 17 Positionsgeschütze bei Giurgiu auf die türkische Flotille im Hafen von Rustschuk spielen lassen. 5000 Kugeln schwere» Kalibers fielen in die türkischen Schiffe und haben den größten Theil derselben vernichtet. Die Türken feuerten mit 92 Kanonen auf Giurgiu und die russische Strandbatterie, aber ihre 3000 Kugeln, welche sie losbrannten, haben nicht viel Schaden verursacht. Ein Haus von Giurgiu ist bei der Kanonade in Braud gerathen. Von der russischen Artillerie blieben zwei Mann und sechs Mann, unter den letzteren ein Offizier, wurden verwundet. General Schilder leitete das Bombardement auf die türkische Flotte. Es heißt, dieser General sei bereits nach Kalarasch abgegangen, um die türkische Flotille bei Silistria ebenfalls zu vernichten. — Das sechste russische Armeecorps hat den Pruth überschritten. Seine ursprüngliche Bestimmung war die Donau, aber es steht nun zu Menczikoffs Verfügung und wird sein Hauptquartier in Bender haben. Die Reserve dieses Armeecorps ist auf dem Marsche nach Bessarabien.
In Rustschuk (gegenüber Giurgewo) befindet sich jetzt der zum Vezier (Generalissimus) ernannte Omer Pascha. In Widdin wurde diese Ernennung von den Alt-Türken nicht gut ausgenommen. Bekanntlich besteht schon seit längerer Zeit zwischen Ismael Pascha und Omer Pascha eine große Spannung.
Aus Orsova vom 20. wird gemeldet, daß Fuad