Nassauische Allgemeine Zeitung.
^ 53. M-g Ken 3. Mây 1S54.
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Per Aufstand der Griechen
Bald ist ein Menschenalter verstricken, seit die Griechen sich erhoben, um das harte Jock ihrer langjähriger Unterdrücker abzuschütteln. Damals wandte stck die Theilnahme von ganz Europa einem Volke zu, we-coes von den Bekenner» Mohameds in seinen Sitten verhöhnt , in seiner Familienehre oft bis auss tiefste verletzt, in seinem Glauben auss bitterste gekrankt und auch in seinen irdischen Gütern aus jegliche Art beschädigt wurde. Nicht nur in Liedern und Gedickten wurden die Leiden, die KriegSthateu und die Heiden der Griechen besungen selbst biS in die entlegensten Hütten von Deutschland drang die Theilnahme für die tapfern Streiter in dem ungleichen Kampfe. Zwischen dem griechischen Aufstande und heute liegt die Gründung deS Königreichs Griechenland, eineS Zwergstaates, ebe» so unfähig zum Leben als zum Sterben — eine ganz verfehlte Schöpfung vom unparteiischen Standpunkte, ein diplomatisches Meisterstück, wenn man Dabei die Zwecke und Absichten der russischen und englischen Politik ins Auge faßt. Rußland wollte in der unmittelbaren Nachbarschaft der Türkei um keinen Preis eine ' Macht aufkommen lassen, welche ihm nickt nur bezüglich der religiösen Sympathien die Waage halten, sondern hm auch in nationaler und administrativer Hinsick l den Vorzug streitig machen könnte. England wollte daS jonische und ägäische Meer nicht vollständig in den Besitz eines Volkes gelangen lassen, welches zur Schifffahrt und znm Handel eine entschiedene Befähigung besitzt und, zu größerer Selbstständigkeit und Macht elitärst, auch die jonischen Inseln — auf welchen wiederholte Ausstände gegen die englische Herrschaft mit der Peitsche und dem Galgen gedämpft wurden — in seinen nationalen Kreis ziehen könnte. Inzwischen haben die Griechen in einigen türkischen Grenzprovinzen sich wiederum gegen ihre alten Dränger und Unterdrücker erhoben, um für die Wiederherstellung eines lebensfähigen Gne- chenreickes zu streiten.
Die Hartherzigkeit, die berechnete Grausamkeit der türkischen OrtSbebörde» mußte die Christen gewaltsam zum Aufstande stackeln. Waren schon die Steuern, welche die türkische Regierung maßlos auf drei Jahre voraus von den Christen zu erpressen wußte, an und für sich unerträglich, weil unerschwinglich, so mußte der nahegelegene Gedanke, daß dieses Blutgeld dazu verwendet werde, diejenigen zu bekämpfen, welche sich als die Beschützer ihrer Religion darstellten, ihre Glaubens- brüder, jenen nie ausgestorbenen Haß der orientalischen Christen gegen den Halbmond wieder entflammen. Ueber- dieß quälten und mißhandelten die Mililärchcfs dieser Provinzen die unglücklichen Einwohner namenlos, offenbar in der Absicht, CrawaUe, Lecalaufstände hervorzu- rufen. Alle diese Häuptlinge nämlich hatten den Befehl erhalten, ihre Stationen zu verlassen und sich mit ihren wenigen Truppen an die Donau zu begeben. Da weder / die Reise noch der dortige Dienst ihnen eine Entschädigung bringen konnte sür das, was sie in ihrer Hei- mathprovinz hinter sich ließen, so zogen sie es vor, Mittel anzuwenden, die es der türkischen Regierung alS wünschenSwerth, ja nothwendig erscheinen lassen mußten, die Häuptlinge an Ort und Stelle zu lassen. Der Erfolg hat diese Erwartungen übertroffen. Sie suchten die Einwohner durch schamlose Bex>tionen dahin zu bringen, daß sie hie und da zu den Waffen griffen. Dadurch war zwar die Nothwendigkeit gegeben, daß der Militär Chef mit seinem Haufen Albanesen an Ort und Stelle blieb, aber auch, daß die sogenannten Räuber (Klephten) die Waffen nicht mehr niederlegten. D.r Aufstand wurde so groß und allgemein, daß d e türkischen Truppen sich genöthigt sanden, alle befestigten Ca- jmien, in welchen sie längs der Gränze zwischen Türkei und Griechenland zerstreut untergebracht waren, zu verlassen. Der eine Tbeil flüchtete sich nach Arta, der an- Dere des östlichen Griechenlands in ein befestigtes Dorf oder Kloster, das die Christen sogleich belagerten und nahmen. Ein Theil der Türken fand sein Heil in rascher Kapitulation, die übrigen fielen dem Schwerte der Christen zum Opfer. Der Aufstand bat sich seitdem weiht und weiter auSgebreilet. Die Ebene von Arta ist im Besitz der Insurgenten, Prevesa und Janina sind so abgeschnitten, daß militärische Hülfe von Seiten der Türken unmöglich ist. Die Stadt Arta ist in den Hätt- . den der Griechen, und das Fort kann sich nur wenige Tage noch halten. Hülse für die Christen kömmt von allen Seiten. Tausende von Bewaffneten haben die jonischen Inseln bereit« verlassen und sind auf'S Festland über-
i gesetzt; aus den griechischen Gränzprovinzen strömt Die kampfgeübte Mannschaft dem Schiachtfelde zu.
Die Bewegung ist eine vollkommen nationale. Man muß nämlich bei den EmpörungSpcrfuchen der gric- ckische» Bevölkerung zwei Achtung,u unterscheiden : eine russische und eine neugriechische. Schon seit Jahren ist in den türkischen Provinzen Moldau, Walachei, Los- ’ nie», Serbien, Bulgarien ein Geheimbund thätig, um ■ die Dortigen Christen für Rußland zu gewinnen. Dieser Geheimdund wird die neue Hetärie*) genannt, im Ge» gtttsatze zu der alten „Hetärie", weiße im Jahre 1814, besonders ans Anregung des Grafen Kapodistria, zu Dem Zwecke gebildet wurde, um Die Befreiung Griechenlands vom türkischen Joche vorzubereiten. Die neue getane erstreckt ihre Thätigkeit besonders auf die unter türkischer Herrschaft lebenden, sich zur griechischen Kirche betenneuDeu Slaven. Sie hat aber auch ihre Propaganda bis nach Oesterreich ausgedehnt, und dessen slavische Bevölkerung im Sinne einer russisch - slavischen Univerjalmvuarchie, zu bearbeiten versucht. Einer ihrer thätigsten Sendling«, der Priester Athanasios, soll im vorigen Jahre bis nach Wien gegangen, von da über Prag und durch Polen nach der Türkei zurückgekehrt sein, wo er kürzlich als Verschwörer verhaftet wurde und wahrscheinlich mit Dem Leben büßen wird. Die Freischaar, welche sich in der Walachei bildet, um unter den russischen Fahnen zu kämpfen, steht, wie unterrichtete Blätter behaupten, mit der neuen Hetärie im Zusammenhänge. Der Ausstand in Epirus und Albanien ist jedoch nur gegen das türkische Joch gerichtet, sein Ziel Herstellung eines großen Griechenrerches. Gegenüber diesem neuen Ausstande zeigt sich Die seltsame Erscheinung , daß diejenigen Blätter, welche sonst jeder Empörung $u jubeln, welche jeden Freischärler und Bar- rlkadeuhelben unter ihre schützenden Flügel zu nehmen pflegen, die griechische Erhebung gegen Die lieben, guten, sanften, humanen und hocheiviliftrten Türken nicht strenge genug beurtheil«» und verdammen können. Die Sol* Micke Zeitung namentlich behauptet ohne Errölhen, daß in Albanien nickt Die christliche, sonder. Die mohanre- Daniiße Bevölkerung Die unterdrückte sei und Ursache I zu Klagen habe. DaS edle Blatt kann den Augenblick nickt erwarten, wo Die wilden Albaneserhorden, bekannt aus Dem ersten griechischen Aufstände durch ihren Blui- durst, ihre Grausamkeit und ihre Raublucht, von Omer Pa>cha in ihre Heimath entlassen werden, „um ein nickt schwer zu beklagendes Wledervergellungsrecht zu üben."
— Die „Neue Preußische Zeitung" sagt über Die jüng- stell Vorgänge in EpiruS: „Wir wollen uns jedes weiteren Urtheils enthalten über Die Berechtigung der Cyri» sten znm Aufstanbe gegen die türkische Zwingherrschafl; jidensalls aber haben siè ebenioviel Recht aufzustehen gegen Die Türken, als Die Türken Recht hattenvor einige« hundert Jahre» über sie herzufallen und sie zu unterjochen. Wir wollen hier auch weiter nicht untersuchen, in welchem Grade förderlich oder nicht dieser Ausstand in Epik ns der diplomatischen wie mititalrifcheu Aciion Rußlands ist; daS aber liegt auf der Hand, baß er den Weltmächten Den letzten Grund raubt, Den Kaiser von Rußlrnb nicht als Prvlecior der griechischen Christen im Morgenlande zu betrachten, und ihnen Den Muth völlig nehmen muß, Die türfuße Barbarei als milde coustitulioueUe Regierung auzuprelsen. Dem Aufruf von Rabobitzi gegenüber muß mancher Mund verstummen , und wer den Griechen auch ihr Recht zum Aufstand bestreitet, wird Die Gültigkeit Der Veranlassung wenigstens nicht in Zweifel ziehen. Was werden die Weltmächte thun? Der epirolllchen Küste dicht gegenüber stehen Die britischen Wachtposten und Schilderhäuler auf der Siebeninsel Republik, auf Corsu sitzt ein drill, cher Lork-Obc, commlssmr, der Tausende von christlichen Stic gern gebietet — wud er sie, wie man anzudeuten sich nicht entblödet, nach Epirus hinübersühren, Die Griechen zusamlnenjckießen, den Ausstand nicDeifßmettern, und das christliche Volk auf'S neue Der moslemiti,chen Bar- barei überliefern? Soll daS geschehe», nun, All-England, so juche Dir wenigstens einen andern Ort auf der Küste von EpiruS als Parga, Denn Deine Schmach klebt an Parga von 1815 her noch so frisch, daß keine zweite ähnlicher Art P.atz hätte neben ihr."
Dklltlchtand.
t* Wiesbaden, 5. Februar. (Schluß Der Der- bandlungen der 11. Kammer über Wiedervereinigung der Justiz und Verwaltung in der untersten Instanz.)
Zu §. 6. hat der Ausschuß beantragt, in der ersten
*) Erapia, OtnoffcnfcbafL
a linea Die Zahl 4 in 6 zu verwandeln. Dieser Antrag wird ohne Distussion angenommen.
Abg. Knapp beantragte, „daß naß Verlauf von drei Jahren Drei Mitglieder des BezirkSratbeS ausscheiden und an Deren Stelle Drei andere gewählt werden. Ueber Die zuerst AuSscheidenden soll das Loos enljchei- Den. Eine jede Neuwahl soll auf den Grund der zu der Wahl Der Landstände aufgestellten Listen ohne Rücksicht^ aus Die etwa zwischenzeitlich Darin vorkommenden Veränderungen vorgenommen werden." — Der Antrag wird ohne DiScussion angenommen.
§ 7 deS Entwurfes wird angenommen.
Die Minorität des Ausschusses hatte beantragt, den 8. 8 zu streichen. Heydenreich stimmt diesem zu; daS Amt eines LezirksralheS fei ein Ehrenamt, wer dasselbe bekleide, solle sich dafür nicht gleich einem Taglöbuer bezahlen lassen, sondern willig dem allgemeinen Besten ein Opfer bringen.
Halbey: Die Mitglieder des BezirkSratbeS versammeln sich jährlich wenigstens zwölfmal; eS sei unbillig, ihnen für deßsallsige Vcrsäumnlffe keine Vergütung zu bewilligen.
Knapp: Der Antrag habe seine zwei Seiten; durch Vermehrung der Mitglieder würden Die seitherigen Kosten erhöhet, beim Wegfalle der Diäten werde der unbemittelte GewerbSmann von Der Theilnahme ausgeschlossen.
Schellenberg ist für Den Regierungs Entwurf. Auch für manches andere Ehrenamt würden Diäten be« z h't. D^e diSfallö entstehenden Kosten würden nicht erhöhet, weil Die Amtsbezirke kleiner und daher für Reise-Diäten geringere Beträge angesetzt würden.
Heydenreich: Die Kosten seien nickt so sehr er- beblich; der Hauptg.und fei , das Ansehen deS Bezirks- rath« nicht zu beeinträchtigen und schädliche Elemente demselben ferne zu halten. AuS demselben Grunde würden auch den Geschworne» keine Diäten bewilligt, obgleich diese vielmehr belästigt seien. Die Mitglieder der früheren AmtSarmcncommljsio len seien in, berjelbeu Lage gewesen und hatten feine Durren erhalten. Das Volk möge sich nach und nach daran gewöhnen, für das allgemeine Beste Opfer zu bringen, und wenn dieses nicht freiwillig geschehe, so müsse man durch daS Gesetz zu Hülfe kommen.
Keim: Die Diäten seien nur Vergütung für baare Auslagen, Dabei werde immer noch das Opfer der Zeit- Versäumnis gebracht. ES sei unbillig, ein größeres Opfer zu verlangen.
Vogler: „Meine Herren, eS gibt viele Ehrenämter, Die doch bezahlt werden. Denken Sie nur an uns." (Allgemeine H.iterkeit) Der Minoritätsantrag wird ab- gelehnt, der $. 8 des Entwurfs aber angenommen.
Zu §. 9. stellte Abg. Heydenreich den Antrag, zu pos. 3 und 10 zuzufetze»: Steht in solchen Forst- sachen der Beschluß des KrcisbezilkSratbcS im Wider» sprucke mit dem Gutachten der Forstbehörde, so ist in allen Fällen die Entscheidung der Landesregierung ein- zuholen. — Die Commission beantragt diesen Zusatzan- lrag zu verwerfen.
Heydenreich: Die Praxis siebe im Widerspruche mit Dem Gesetze. Nach diesem habe Der Beziiksralh endgiltig zu entscheiden, nach Der Instruction solle in berechn Fällen an Die Regierung recurrirt werden.
König unterstützt Den Antrag.
Reg.-Comm. Faber: Ter Gegenstand sei durch eine Instruction geregelt; wolle man etwas darüber in» Gesetz aufnehmen, so habe die Regierung nicht« dagegen zu erinnern. — Der Antrag wirb abgelebnt.
Zu §. 9 pos. 14 beantragte Heyd en reich: Statt der Worte: „zu Den Sitzungen können — zu entsprechen" zu sagen: „Zur Beschlußfassung über Re- cuife wegen verweigerter oder ungenügend bewilligter Armenunterstützungen sind Die Medicinalräthe und zwei von der Regierung zu bestimmende Geistliche des Amtsbezirkes, und zwar in Amtsbezirken gemischter Konfession von jeder Confejsioii Einer, als ordentliche Mitglieder des AmtSbezilkSratheS znzuziehen, wofür sie jedoch Diäten nicht beziehen. Ueber jene Recurse hat der AmtS- bezirksrath jedesmal das Gutachten des betreffenden Geistlichen einzuzikhen.
Keim bält diesen Antrag für nothwendig, um der so sehr gesunkenen Armenpflege wieder aufzuhelfen. Jetzt sti die Gelegenheit Da, um das wieder gut zu macken, was Die Unverständigkeit einzelner Gemeinden verschuldet babe.
Rau: Die Gesetzgebung deS JabreS 1848 über die Armenpflege habe sich selbst gerichtet. Tendenz dieser Gesetzgebung sei gewesen, die Armenpflege dem Staate