die griechischen Insurgenten neue ©ortete errungen haben. Der Pascha von Janina hat sie zwar am 10. Februar angegriffen und znrückgcdrängt, mußte aber später der UebermW daS Feld räumen. Die Insurgenten hatten Arta besetzt und sind am 15. Februar in Priesa als Sieger eingezogen. (?) In Athen wird dir Stimmung immer bedenklicher; mehrere höhere Officiere, worunter sich sogar zwei Gciurale befinden sollen, haben ihre Fahnen verlassen und sich den Insurgenten Än geschlossen, und an öffentlichen Orten finden ganz nnge- nirt Versammlungen, statt, welche ^Die Mittel berathen, um den Aufstand weiter zu berathen. Die Nachricht, daß die vier Machte entschlösse» sind, der weiteren Ausbreitung des Aufstandes zu steuern, ja man spricht sogar, daß in dieser Beziehung bereits eine definitive Uebercinkunft zu Stande gekommen sei, scheint veisrüht. Thatsache ist cs nach der D.A. Z, daß Herr de Bour- guency gelegentlich der gestern im Ministerium des Aeußern stattgehabte» Conferenz erklärt hat, daß die Westmächte gesonnen seien, zur Dämpfung des Aufstandes beizntragen, indem das ExpedllionScorpS verstärkt werden soll, wodurch es dann der Pforte möglich sein wird, eine hinlängliche Truppenmacht zur Unterweisung der insurgiiten Provinzen zu verwenden.
Rußland hat, wie dem St. A. f. W. aus Wien geschrieben wird, bereits die Vorstellungen des k. k. österreichischen CabinctS in Betreff der in den Donau- fursttlikbümoru herrschenden nationalen Aufregung be- rüctsichligt, und cs sind dem Fürsten Gorlschakoff die entsprechenden Befehle zugegangen, um diese Angelegenheiten in einer den Wünschen deS k. k. Cabinets gemäßen Wense zu ordnen. Man sieht hierin mit Recht, den Beweis, daß der Einfluß Oesterreichs m St. Petersburg noch nicht aboenommen hat und gibt sich den befriedigenden Hoffnungen hin, daß die vermittelnden Bemühungen unserer Regierung den kriegerischen Zusammenstoß, wenn sie ihm auch nicht Vorbeugen können, doch in seinen Folgen tbuulichst mildern werden. — Das Erscheinen des neuen ConcessionSgesetzes für Eisenbahnen ist bevorstehend. Durch dasselbe wird nebst voller Wahrung der öffentlichen SlaatSrücksichten auch der Unternehmungsgeist mächtig angespornt. Dem Staate bleiben di» Hauptstrecken der Bahnen Vorbehalten, während die Seitenbahnen zur Berbindung und Vervollständigung deS Schicncnnetzcs von Privaten unternommen werden dürfen. Gleichzeitig mit dem Con- cessionsgesctze wurde auch der Plan über die sämmtlichen noch zu erbauenden Bahnen in der Monarchie entworfen und der a h. Sanction vorgelegt. — Aus Bukarest schreibt man, daß dem bereits vom außerordentlichen Berwaltungsrathc genehmigten Vorschläge der zeitweili- gen Reorganisation des H ochstey.EmchlshofeL null and) von Sr. Mai. dem Kaiser von Rußland die Bestätigung ertheilt worden sei. — In der Nähe von Giurgevo treffen die Russen ernstliche Vorkehrungen zum Donau- übergang; — man glaubt, daß in diesem Falle unsere Truppen in Serbien ei »rücken werden.
Nachrichten von der montenegrinischen Gränze melden, daß die Türken nicht nur gegen eine Verbindung der Montenegriner mit den aufständischen Epiroten auf der Hut sind, sondern auch einem etwaigen Zusammen, mitten der ersteren mit der russischen Partei in Serbien durch TruppcnaufstkÜMgkN an der Nordgräuze dieses Berglandes vorzubeugen suchen. DaS türkische Bcob- achtungscorps in Grahowo und Niksitsch wie dasjenige in Bielopoli unb Tirguschna wurde zu dem legiern Zwecke verstärkt. Gegen die Epiroten gingen 500 wohlbewaffuctcn von Venturi ab.
Frankreich.
^ottè, 27. Februar. Durch Kaiserliches Decret vom gestrigen Datum wurden abermals zwei Millionen als außerordentliche Subvention für die Gemeinden zur Linderung der allgemeinen Noth mittelst gemeinnütziger Arbeiten ausgesetzt, nachdem bereits- sechs Millionen Ende November und Anfang Februar zu gleichem Zwecke angewiesen worden. Der KriegSm nister hat unter gestrigem Datum bei den sämmtlichen 21 Remoute» Anstalten Frankreichs die Errichtung permanenter Co- Mite's zum Ankäufen der ihnen vorgeführten Pferde in- ländischer Herkunft, sowie anderer Comite's, die zu demselben Zwecke daS platte Land bereisen sollen, befohlen. Die betreffende Bekanntmachung spricht die Hoffnung auS, daß die inländischen Pferdezückter und Pserde- händler den Beweis liefern werden , daß Frankreich in allen Fällen sich selbst genügen kann. — Es scheint, daß der Marin emiüister die Einziehung aller Matrosen^ die noch nicht sechs Jahre Dienstzeit haben, bis zum Alter von 45 Jahren und selbst darüber, wenn eS nöthig ist, befohlen hat. Mehreren Schiffs-Capitäuen zu Nantes, die eben ihre Mannschaft einschreiben lassen wollten, wurden in Folge der eben eingctroffencn tele graphischen Depesche mit diesem Befehl fast alle Ma- trofen genonimeu. — Aus Angers, wo ausgezeichnete Segel-Leinwand fabricirt wird, schreibt man, daß dort Tag und Nacht gearbeitet wird. Was fertig ist, wird auf der Stelle mit der Eisenbahn foitgeschaffi, und wenn die Fabriken noch zehnmal so viel liefern könnte», so würden sie der Nachfrage kaum genügen können. — Nan versichert, daß die von Toulon nach Konstantino» Pel abgegangene Dampffrcgatte ASmodeuS daS sammt-
lt'Le Getäth zum Aufschlagen Sines LagörS bei Konstantinopel an Bord hat. — Die mit 500 Matrosen für die in Ausrüstung begriffenen Schiffe zu Toulon ringetroffene Dampffregatte Caffarelli hat die nahe bevorstehende Ankunft des von Brest abgegangenen Ocean- GeschwaderS im dortigen Hafen angekündigt. Man behauptet, daß auch die beiden am Senegal stationire». den Dampffregatten Montezuma und Orinocco Befehl erhalten werden, unverzüglich nach Bouton zu kommen, um Truppen an Bord zu nehmen. — Man behauptet, daß der Marschall St. Arnaud definitiv die hau» zösische Hilföarmee befehligen wird, deren Abfahrt von Toulon gegen Mitte März statlfinbeu soll. — Die heutige Börse war durch die günstigen Nachrichten aus Deutschland und durch die ungünstigen auS Spanien nach zwei entgegengesetzten Richtungen bin gezogen Auf der einen Seite wollte man wissen, daß eine Uebereiu- kuuft mit dem Wiener Cabmet abgeschlossen und die unterzeichn,len Stipulationen schon in Paris uudLondon eingctroffeu seien. Auf der anderen hörte man die schlimmsten Gerüchte über die Lage Spaniens circuliren und wollte cs jedenfalls unerklärlich finden, daß die Regierung wegen der Revolte eines einzigen Regiments in Saragossa das ganze Land in Belagerungszustand gesetzt hätte. Als aber gegen 3 Uhr die Nachricht vom Abschluß eines Vertrages mit Oesterreich und Preußen, demgemäß sich dieselben,zur Neutralität uud gleichzeitig zur Ausstellung starker ObsemakionScorpS in Schlesien und au der Serbischen Gränze verpflichten sollen, mit großer Bestimmtheit in Umlauf kam, ging die 3pCi. Deute rasch auf 67. 85. in die Höhe, womit sie schloß. — Santen nai« ist heute Morgen um 9 Uhr seinem Lungeuleidcn erlegen. Er starb, ein Opfer hochmüthi- gen StarrFuns, unversöhnt mit der Kirche. Nach seinem ausdrücklichen Willen wird er ganz- wie die A>meN bestattet werden. Das LelchrubegânAüG findet übermorgen früh statt.
Dem St.-A. f. W. wird' unterm 25t Fcbr. geschrieben : ES herrscht hier in den politischen Regionen (ich meine, in den gouvernemcntalen, denn in den leflihmi» stischen ist daS Gegentheil der Fall) unbeschreibliche Zufriedenheit über die Nachrichten aus Oesterreich , die kaum mehr bezweifeln lassen, daß diese Macht sich der Politik der Westmächte genähert hat. Wenn mit der englischen Allianz schon Alles gewonnen war, so ist mit dem Beitritt Oesterreich doppelt Alles gewonnen. — Unterm 26. Fcbr. wird dem St. A. f. W. geschrieben: Abermals vortreffliche Nachrichten aus Wien! Der Kaiser hat gestern Abend zur EsscnSstunde eine Depesche erhallen, die ihn gegen alle Gewohnheit zur offensten Freude stimmte, und er blieb bis spät in die Nacht in diesem Zustand. Er__war außerordentlich »urtheilend und äußerte gegen eine der' anwesenL'ènPSrfvnen : „Jetzt werden wir 80,000 Mann htnsch'ckcnl" Ich höre, daß auch von preußischer Seite entweder ein eigenhändiger Brief des Königs oder zum mindesten eine ministerielle Eröffnung eingctroffc» ist, die einen Anschluß an die Politik der Westmächte in Aussicht stellt." Der Weltfrieden hing an dem Entschluß der beiden beulfchen Großmächte: kein Wunder, daß Derjenige, der in seiner Erhaltung den Ruhm sucht, aus blesen beiden wichtigen Ereignissen hohe Zufriedenheit schöpft. — Der zarteste Punkt im jetzigen Stand der OlienkälisPett Frage ist nun die Haltung GriechkÄlandS unb die im Epirus und Albanien ausgebrochcue Revolte. Man ist hier entschlossen , nach Athen und an Deren griechischen Städten Garnison zu legen, und selbst zum Aeußersten zu schreiten, wenn die dortige Regierung nicht aufrichtig zur Beilegung und küufligcu Verhinderung dieser störenden Erscheinungen milwükt. Schon sollen allerdings Die beiden verbündeten Machte sich gezAungen glauben, Die ohnehin schon so kostipieligen ExpedilionSarliwen noch zu vermehren, und man Lum cs ihnen daher nicht sehr verargen, rân sie keine neuen Bettmschnngen zu den hinreichend verwickelten Znständcn dulden wollen. Die Absicht deS fWkzöstschrn CabmetS, ein TrüppencorpS sogleich auf den Kriegsschauplatz an der Donau zu schicken, scheint eine erste Bestätigung aus dem Umstand zu erhalten, daß dem 27. Jnfimtericregiment (Sune), das in Orleans steht, schon mllgelhnlt worden ist, daß es von Toulon aus dlrect nach der Adriatischen Küste und nicht nach Konstantinopel cingesch^ffl werben soll. Dieses Regiment, dem man Den Ehrenplatz gönnt, ist dasselbe, das zur Zeit deS 2. December eine Kaserne ganz in Der Nähe der präsideulschaftlichen Residenz inne hatte und wegen seiner unbedingten Ergsbtiiheil bekannt war. Sein damaliger Oberst, jetzt Persmialdirector im Kricgsmiiufterium und des Marschalls St. Arnaud rechte Hand, mag ihm wohl diesen Vorzug auSgewirkt haben. — Die officieUe Flugschrift über Die herrschende Frage mit ihren gewürzten Ausfällen auf Rußland wird ballenweise in die Departements verschickt, wo Die Präfecten beauftragt zu sein scheinen, wie auch hier in Paris geschieht, sie uireutgrldlich in'S Publicum zu bringen. Es ist ein appel au pcuplc, eine Berufung air'S.allgemeine Stimmrecht, Damit es zwischen dem Kaiser Napoleon und Dem Kaiser Nikolaus richte.
Es verbreitete sich gestern daS Gerücht, der junge Prinz Mm rat, Lieutetiaul im GuibenregiMenk, sei vom Pferde gestürzt und habe sich schwer beschädigt. Der erstere Theil dieser Nachricht ist zwar gegründet, nicht aber Die
teuere. Prinz Murat hat bei dem ètürze feine Dr- jchädigungfrrlltteu.
T*f Paris, 28. Fcbr. Man liest im „Journal de l'Empirc": „Aus den Departements berichtet man, daß die unter Die Fahnen geruseneii Reserven der Aufforderung Der Regürung von ästen Seiten mit Eifer Folge leisten; Die jungen Stute, Die dazu gehören, scheinen alle ungeduldig, sich ihren Antheil an den ruhmvollen Gefahren zu holen, die unserer Soldaten an den Ufern der Donau hä)reu/ Letztere Worte scheinen zu bestätigen, daß ein ThUl der französischen Expedit,onS- M'mee sofort am Krieg Theil zu nehmen bestimmt ist. — Dein „Stöcke" zufolge Ware» die Befchlshaberstel. len beim französischen EzpcdilionScoipS folgenderm.chen veitheild: Obelbefehlsbaber der Kl'egSminifter in Person. Divisionsbefehls^ General Bosqurt, dcr feine ganze Câikkf in Afrika gemacht hat, General Eanro- bert und Prinsz Napoleon, letzterer für die Reserve; auch sollen die Generäle Förcy und d'Allouvllle CoMmaudo'S erWten.
Nach einer aus Toulon hier eingegangeueü Depesche böm gestrigen Tage wird in dem dortigen Arsenal mit verdreifachten Kräften Tag und Nacht gearbeitet. E- werden dort Mehrere Dampfschiffe zum Transport einiger CapaUericregimenter eiligerichtet.
Spanten.
_ Madrid, 23. Kbr. Mau kennt die'Zahl der in Saragossa Getvdletcu noch nicht genau. Der Minister- rath ist auf dem Kn'egSmilMliliin in Permanenz. Ge- neral Manzatlo ist nach Enenza, General NogucraS nach Valladolid verwiesen, und General Zabala hat' sich nach Bayonne zu begehen. Serrano soll'ebensalls ausgewiesen werden und Cardero ist verhaftet worden, ebenso Gonzalez, Bravo, Alexander Castro u. m. A. — In hiesiger Stadt ist bis jetzt die Ruhe noch nicht gestört worden-, und cS scheint sich aus Allem zu ergebcn, baH die Empörung beb Obersten Horre ein ganz vereinzel eS Ereiguiß bleiben wird.
Veigicn.
Brüssel, 27. Fcbr. Se. Hoheit Der regierende Herzog von Sachsen-Coburg Gotha wird morgen hier erwartet; er begibt sich nach Paris. Der Oberbof- marschät deS Königs von Preußen, Gcheimerath Baron v. Meyhnnck, ist gestern hier eingctroffen.
Nach der „Jndepcndance" sind die letzten Schwierigkeiten, welche, seit langer Zeit schon, dcu Abschluß eines neuen Handelsvertrages zwischen Belgien und Frankreich verzögert haben, endlich definitiv beigelfgt.
Dcinemark.
Kopenhagen, 24. Febr. Ein hier angelangter russischer Cabmelscourier soll ein Schreiben von seiner Regierung an die unserige gebracht haben, worin verlangt wird, daß im Falle eines Krieges in hiesigen Häfen keine Lebensmittel und Steinkohlen an entzklsche unb französische Kriegsschiffe verkauft werden.
©rirßUntaiiiitCR.
London, 24. Febr. Die Times gibt eine malen- che Beschrklbniig vom AuSmarfch der Garde-Grenadiere von London am 22. Februar, unb vom Euthu- siasmus der Londoner Bevölkerung, die sonst nicht zu den Frühaufstehern gehört, aber dießmal schön in der Morgendämmerung den Platz an der St. Georgs'- cascrne füllte, und die in den Krieg ziehenden Truppen mit viettausendstimmigem HurraH, mit der Nationalhymne und „Rule Britaiiiiia" begrüßte, während an den Fenstern der benachbarten Häuser Männer uud Frauen in Nachtmützen standen und ihre Tücher zum Abschied schwenkten. „Loudon", bemerke die Times, „ist keine Stadt für militärische Schauspiele; cs ist wirklich eine Krämerstadt. Ihre Straßen sind eine endlose Aufeinanderfolge von Kaufläden mit großen Spic- gelfeuster»; ihre Squares sind Aubuschungen, nicht Pa- rakcplätzc; ihre wenigen Kasernen liegen zwischen Pferde- ställcn und Werkstätten versteckt, und erscheinen Dein Bürger halbwegs als ein Uebelstand ; der Tower ist ein alter Curiositätenkasten, und die in der Stadt lie- gcndeu Soldaten werden zumeist nur als ein Zieran- bângsel des Hofs betrachtet, fährlich für Niemand als Dienstmädchen. In der That, man könnte fragen wie Kaiser Nikolaus vor einigen Jahren bei der ihm zu Ehren veranstalteten kleinen Revue im Windsor-Park gefragt haben soll: „Aber wo sind denn die Truppen mit denen ihr eure Schlackten kämpft?" Zwar ältere Leute und Bücher erzählen Ws, daß die Garden auS- zogen nach Holland, nach Portugal und nach Waterloo, sowie später nach Lissabon und Canada, aber die meisten Londoner wußten doch nur vom Hörensagen) daß die Garden auch zu ersterer Arbeit als der bloßen Parade berufen seien. Jetzt ist die Tradition wieder in6 Leben getreten, und die Garden ziehen aus der Metropole in den Kampf. Ja, cs bleibt nichts übrig) als unsere Sacke mit Rußland auszufechtcn. Und Dier ganze Nation begleitet mit Herz und Sinn jedes aus- rückende Negimerck bis an den EinschiffuiigSptatz, imb; weiter überS Meer. Die brittische Ration aber ist) wenn nicht die zahlreichste, doch die mächtigste der Welt/ weil sie die entschlossenste und ausdauerndste ist. Maâ sie sagt, daS führt sie ans. Nachdem sie den von Ruß^ land hingcwvifeucu Handsckiih endlich aufgehoben hat) wird sie gewiß und wahrhaftig daS' Ihrige- thun — ' sie wird'fortkäulpfeu bis zum letzten Zoll Feldes, bis