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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Mittwoch den 1. Mây

1S54.

DieRaffauischk Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« au«genommen, täglich und beträgt der Pränumerarion-prei« für Wie«baden und , nach dem neuen Pollregularin nunmehr até fit den ganzen Umfang de« Zburn« und Tari«'schen Verwaltungsbezirk« mit Inbegriff be« Postausschlag« 2 st., für die übrigen Länder de« deuisch.osterreiänschen Pastverein«, wie für »a« Ausland 2 st. 2« ft. Inserate werden die eietfpalttg« Petitzeile oder deren Raum mit 8 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Icitungstchau.

Zur Situation. Die deutsche Frage.

** Man ist, schreibt H. v. Eckstein derA A BV' in Paris militärischerseits auf zwei Dinge gefaßt: einerseits auf das Einrncken einer französischen Garni­son in Coustantinopel, mit einer englischen verbündet; andererseits auf die Ausschiffung eines bedeutenden französischen Hülfscorps in Datum. (?) Auf den Kau­kasus und die Armee des Fürsten Woronzow, ans die aUerverwundbarste Stelle der russischen Macht, scheint es abgesehen zu sein. Durch das Meer steht die Ver- prvviäntirung frei; die französischen Soldaten sind in Afrika an die AtlaSkämpfe gewöhnt, die Völker des Kaukasus umdrohen die Russen. Diese Zweigetheilt- Heit der russischen Macht, die Hauptmacht, welche gegen die Moldau und Walachei zu coucentrirt ist und die europäische Türkei bedroht, die Nebenmacht, welche den Kaukasus im Zaum hält nnd gegen Armenien an- brandet, ist cs eben, welche die Russen in der Spanne halten muß; sie wissen nicht, wo ihre Hauptgefahr zu befürchten ist. Dazu kommen noch die Schäden, welche man ihnen in ihrer Marine und in ihren Seehäfen des baltischen und des schwarzen Meeres anzuthun den guten Willen hat. Andererseits herrscht hier die Ueber­zeugung, daß der Kampf für die Russen ein National­kampf und ein Religionskrieg zugleich sein wird; daß ihr Vordringen in der europäischen Türkei einen allge­meinen Aufstand griechischer und slavischer Völkerschaf­ten im osmanischen Staat zur Folge haben wird. In dieser Hinsicht hofft man hier auf die Interessen Oester­reichs die Donau frei, Serbien nicht russisch zu sehen, und verspricht ihm , wie daraus der Artikel im Moni­teur hingewiesen hat, die Revolution in Italien nieder­zuhalten , die Einmischung der Revolution in den gro­ßen Kampf mit den Waffen zu dämpfen. Man ist also hier vor allem auf die Politik und auf die Rolle Oesterreichs gespannt. Ucbrigeus scheint es, daß die revolutionären Parteien zu Paris gesonnen sind, die MaSke des Patriotismus in diesem Krieg nnzunehmen, um sich hinter der Napoleonischen Politik zu verstecken. Diese Fahne sind der Siècle und die Presse bereit zu schwingen, die Napoleonischen Blätter lau findend, auf die legitimistischen und auf die orlcanistischen, auf die Fusionsblatter als auf Verräther schimpfend. Ja, Hr. v. Girardin ist sogar so weit gegangen, auf Hrn.Gui- zot persönlich, als auf einen Alliirlcn Rußlands, ja auf ibn als einen russischen Spion loszngehcn, worauf die Assemblee erwidert, Hr. Girardin gehöre in ein Narren- spital. Die Döbats und Assemblee erklären sich von nun an gegen Rußland; das Univers sieht im großen Kampf lediglich die Sache der katholischen Kirche in ihrem Widerstreit gegen die griechische; die legitimisti­schen Blätter haben immer stets den alten kläglichen Jeremiadenton alter Leute, die zu keinem anderen Willen, als zu dem der Seufzer, der Wünsche, der Bc- dauernisse gelangen können. Es heißt hier, es seien eine bedeutende Anzahl Verhaftungen in den Vorstäd­te» geschehen, wo man einer clubistischen Rottirung auf bie Spur gekommen, um im Gewand patriotischer Ge­sinnung die Februarrevolusion feiern zu wollen. Also rollen die Kugeln eines ehernen Schicksals emr neuem durch die Welt: Slaveuthum und Deutschthum und Lateinerthum, Islam, griechische Kirche und römische Kirche, Jacobinismus, Socialismus, Communismus, nationales Volksthum, alles verwickelt sich in diesen Kreisen; die französische Revolution ist auf andere, ihr ursprünglich fremde Elemente gerathen, und cs handelt sich nicht mehr bloß um die Principien eines Voltaire, eines Rousseau, ciueS CondiUac, eines Condorcet, um die Weltherrschaft durch mathematische Wissenschaften und durch Industrie, sondern um die tiefsten Elemente des McnschengeisteS und deS VolkSgeisteS, über welche die Revolution, ohne sie zu ahnen oder zu achten, mit ihnm Niveau wcggejpruugen war.

** Der Wiener Lloyd spricht sich in seiner neuesten Nnmmer abermals entschieden und bestimmt über die deutsche Frage aus.Zwei große Endzwecke, sagt die­ses Blatt, waren eS, welche die Politik des Fürsten Schwarzenberg inS Auge gefaßt hatte. Sie wollte Oesterreich auS der gesunkenen Stellung emporhrben, in welche es durch die Ereignisse des JahrcS 1848 ge- rathen war, dessen große Selbstbestimmung wieder zur Geltung bringen und seine alle Posilio» als Großmacht befestigen und erhöhen. Sie wollte dann die Impotenz, welche dem deutsch n Bunde einst ocirovut worden, zer­stören und durch eine gründliche Reform von dessen po- lütscher Gliederung und Versassung die deutsche Einigung

im Innern und die deutsche Einheit nach Außen auf einèiii unverrückbaren Fundamente feststellen. Der Streit mit Preußen füllte fast die ganze politische Laufbahn jenes mutbigen Staatsmanns aus, und doch wur das Ziel des eiben, welches er nie aus den Augen verlor, die Einigung mit Preußen. Seme Politik wich aber von der der andern deutschen Großmacht darin ab, daß er eine deutsche Einheit mit AuSsckluß Preußens nickt für möglich hielt, während dort dieselbe mit Ausschluß Oesterreichs als erreichbar galt. Fürst Schwarzenberg erkannte, daß die Zeit einst kommen'be, wann die beiden deulscken großen Kabinette einander nicht wür­den gegenüber stehen, und er blickte nur nach einem festen Anhaltspunkte um, wo er siei abwarten konnte. Er fand ibn in der alten deutschen Bundesverfassung und er zalvanisirle sie in das Leben, oder besser in die Exi stenz zurück Aber zur Zeit, da zum Schrecken von ganz Deutschland, dem conjnvativen, wie dem mchtcon- servativc», diese- Ereigniß sich zulrug, verfehlte Fürst Schwarzenberg nicht, offen zu erklären, daß mit seiner Zustimmung eS sein Bewenden bei dem alten Zustande nicht haben sollte. Der Bundestag, erklärte er, sei für ihn nicht ein Ruhepunct, sondern ein Ausgangspunkt zu einer ver­besserten politischen Organisation. Er gebot aber nicht über die Zeit, wann sein Vorsatz zur Ausführung kommen konnte, und stieg in sein Grab, bevor sie erreicht war. ES ist bcmerkenswcrth, welch' ein tiefer Hang zur Sorglosigkeit das allgemeine Attribut der menschlichen Natur ist. Der Leichtsinn ist ein Gemeingut unseres ganzen Geschlechtes und wohl auch das Princip, welches zum Träger des besten Theiles unseres GlückeS erlesen ist. Es ist nicht der Arme allein, welcher von der Hand in den Mund lebt, der im Sommer seinen Ver- dienst vergeudet und im Winter reuevoll und zähneklap- pernd vor dem kalten Herde sitzt. Es ist wohl an der Zeit, den Hohen und Mächtige» iu's Gedächtniß zu rufen, daß sie in einer ruhigen Periode gegen eine zu- künstige unruhige Vorkehrungen treffen, daß sie im Frie­den gegen einen kommenden Kampf sich rüsten sollten. Man vergißt jetzt, daß eS noch cüie deutsche Frage gibt, daß seiner Zeit in der Wlederaufstehung des deutschen Bundes kein Vernünftiger deren Lösung, sondern nur die Möglichkeit derselben erblickte. Man vergißt, daß die deutsche Bundesversassung, welche nie dazu bestimm: war, ein einiges und starkes Deutschland zu schaffen, weder mach Innen, noch nach Außen Deutschland in den Tagen der Gefahr zu schützen vermag. Ihr langes Bestehen beweist nur, daß lange keine Ge­fahr vorhanden war, und ihr schneller Fall, was ihr Schicksal von Neuem sein wird, sobald diese naht. Der Krieg, welcher jetzt ausbricht, schreckt Europa auS dem falschen Gefühl der Sicherheit auf und wird hoffent­lich zur Folge haben, daß die Ruhe deS Welttheils, und besonders Miltcleuropa, in Zukunft auf kräfti­geren Institutionen als wie bisher, sich stützen wird." In einem früheren Artikel hatte derLloyd" sich zu Gunsten des bevorstehendengesunden" Krieges ausge­sprochen, der mchr werth sei, als ein fauler Frieden, der nicht nur die Lösung der orientalischen Frage bringen, sondern auch e'ue Regenerirung Mittel- Eurvpa's herbeiführen werde.

V-ilischt., ud.

t» Wiesbaden, 25. Februar. (Fortsetzung der Verhandlungen b.r II. Kammer über Wrebervereinlgung der Justiz und Verwaltung in der untersten Instanz.

Zu §. 1 deS (in No. 28 unseres Blaues abge- brueften) Gesetzentwurfes beantragt der Ausschuß zuzu- sttztu:dem Amtmann stchl die obere Leitung der gan­zen AmtSverwaltung zu. Die Bertheilung der Ad­ministrativ» und Justizgeschäste unter das Amtöpersonal, wobei in der Regel materielle Trennung beider Statt findet, bestimmt die Instruction. Für die Amlsoer- wattung bleibt die KreiSverwaltungSorbnung soweit in Kraft, als nickt durch dieses Gesetz Mobificalioueu cin- treten." Dieser Antrag wird angenommen.

Ferner war zu §. 1 von dem Abg. Heydenreich der Antrag gestellt: wegen unzweckmäßiger Abgrenzung der Aemter Wehen und Marienberg dieses unt r die Aemter Hachenburg und Rennerod, jenes unter Idstein und Langenschwalbach zu vertbeilen , in Camberg aber ein neues Amt aus Theilen der Aemter Idstein und Usingen zu errickleu. Der Ausschuß hielt eS für zweckmäßiger, jenen Antrag der Herzog!. Regierung zur Erwägung zu übergeben. Dich m stimmte die Kam­mer bei, nachdem der Abg. Heydenreich sich mit hm Ausschüsse einverstanden erklärt und nebst dem

Abg. Sckäfer auf die für Verlegung des AmtSsitzeS nach Westerburg sprechenden Gründe hingewiesen hatte.

Zu 6- 2 beantragte Abg. Keim (zu pos. 1)dem Amtmann den Rang eines Collegialrathes zu geben", damit die durch den Dienstwechsel zwischen beiden Stel­len öfter entstehenden Mißstände beseitigt würden; und der Ausschuß wollte (zu pos. 2), daß bei jedem Amt ein Amts-Assessor und nach Bedürfniß ein Secrelär" aiigcsteUt werden soll, weil der Assessortitel da, wo Secretäre die Jnstizg,schäfte allein beforgeu, das Ansehe» des Dienste» föroere.

Beide Anträge wurden abgelehnt, nachdem bemerkt worden war: es handle fich hierbei nur um eine Titu­latur für ältere Beamten, bereu Verleihung dem Re­genten zustehe, leicht könne auch nach den Anträgen ber im Dienst jüngere Angestellte bei einer Behörde den Höbern Titel haben (Reg.-Eom. Faber und Sckepp) und ob wohl der Titel eine bessere Amtsführung be­wirken könne? dann müsse man allgemein recht hohe Titulaturen einführen (Heydenreich).

Der Abg. Heydenreich hatte zu der Bestimmung (pos. 3.), daß bei jedem Amte die erforderliche Anzahl Accessisteu angestellt weiden solle, den (vom Ausschuß nicht zur Annahme empfohlenen) Zusatz beantragt:statt derselben kann dem Amlmann für Annahme eines ober mehrerer Piivatgehülfen auS der Zabl der geprüften Canbidaten der Rechts- und StaatSwiffenschaften, welche alS Protocollführer und auf die Bewahrung des Dienst- geheimnisses zu verpflichten sind, eine Vergütung von 300600 fl. jährlich verwilligt werden, welche jedoch nur dann zur Auszahlung kommen, wenn er sich über die Almabme jenes Gehülfen ausgewiesen hat." Der Antragsteller bemerkt hierzu:

Bis zum Jabre 1816 gab eS bei uns meines Wis­sen» keine Accessisten, sondern die Sccretäre vertraten deren Stelle. Im Jahre 1818 waren an den Aemtern erst 27 Accessisten an gestellt; bis zum Jahre 1847 batte sich die Zahl auf 59, unb im Jahre 1853 bis auf 74 vermehrt. Es wird zwar von der H. Reg.-Commissiou bemerkt, die Aiistelluirg der Accessisteii fei W nach Be- bürsui j erfolgt unb beschränke sich auf das All er noth­wendigste, so baß, wenn nur einige verhinbert seien oder auSsckieden, schon eine fühlbare Lücke entstehe. Obgleich inbeff n mit der seit dem I. 1816 um '/, gestiegenen BevölkerungSzahl die Arbeit an den Aemtern unzweifel­haft zugeuommen hat, so ist dieses doch schwerlich in demselben Verhältnisse geschcben, in welchem die inzwi­schen fast verbreif rebte Zahl der Accessisten sich vermehrt hat. Eben deßhalb ist die Ansicht allgemein verbreitet, daß man bei Anstellung der Accessisten vielfach den Giundsatz befolgt habe: den einmal geprüften Ganbi« baten müsse von Rechtswegen auch Beschäftigung und damit zugleich ein allmäplig erhöhter Gehalt gegeben werden.

Sei dem wie ihm wolle, so unterliegt es jedenfalls keinem Zweifel, daß der Staat zu Verminderung der Arbeit und der dazu nöthigen Staatsdiencr sehr wesent­lich beitragen kann durch Einsührniig eines einfacheren Geschäftsganges (z. B. in dem Clvilproz.ßverfahren) : und diese Frage, deren nähere Eiörterung aUerbing- nicht fieber gehört, verdient die ernsteste Erwägung und Berücksicktigung von Seiten der Staatsbehörden. Be­rechnet man die Besoldung jener 74 Awtsaccessisten nach dem Medium (â 500 fl.), so kosten dieselben den Sraat jedenfalls die sehr erhebliche Summe von 37,000 fl. jährlich. Und dennoch besitzt der Staat in dem größten Tbelle der zahlreichen Accessisten nur ein Proletariat, welches, seinen Beihältmssen gemäß, theils auf das Sckulbenmachen, woraus Viele ibr ganzes Leben lang nicht mehr herauskommen, Hingewiesen, theils zur Un­zufriedenheit nur allzu geneigt ist, wie sich in den Re- volutiousjahre» von 1848 bis 1850 sattsam gezeigt hat.

Ist es aber eine allgemeine und in der Natur der Verhältnisse bearündele Er'ahrung, daß mit der größeren Zahl der Beamten auch die Masse der Geschäfte wächst, und hat der allgemeine Satz, daß Arbeit und Lohn in einer noihwendigeu Wechselbeziehung stehen, auch heute noch seine volle Geltung: so liegt e» klar vor Augen, daß durch die fortwährende Vermehrung der Accessisten für den Staat nicht zum besten gesorgt worden ist- Von so vielen Arbeitern will und muß eben jeber, durch das, waS er thut , feine Existenz rechtfertigen , während doch dadurch, daß sich einer auf den andern mit verlassen kann und daß überdieß der Sporn einer genügenden Belohnung mangelt, weder die Schnelligkeit noch die Güte der Arbeit gefördert wird. Bezüglich unserer Ac- cessisten gilt dieses Alle- und desto mehr, da der für die Arbeit verantwortliche Beamte sich sein Persona^