besuchenden Schüler belief sich seit 4—5 Jahren nicht so hoch als gerade in diesem Semester. Die „Mißverhältnisse" aber, von denen der Referent erzählt, beschränken sich lediglich aus einige Meinungsverschiedenheiten, wie sie an einer jeden Lehranstalt Vorkommen und naturgemäß vorkommen müssen. Diese Differenzen haben bèrèits ihre Erledigung gefunden. In welchen Zusammenhang indessen der Berichterstatter die Abwesenheit de§ Herrn Pfarrers mit den vermeintlichen „Mißverhältnissen" bringen will und was es heißen soll, wenn er sagt, derselbe habe bei seiner Abreise die Lehrer ohne Instruction gelassen, ist uns ein Räthsel. Unverzeihlich und tadelnswerth aber erscheint die Taktlosigkeit, mit welcher man solche oberflächliche Bemerkungen über eine Anstalt, die für unsere Stadt von so ungemeiner Wichtigkeit ist, der Oeftenllichkeir übergeben kann.
— Spieß - Ems Vor ein Paar Tagen starb eine Frau auf einem nahen Hofe, das zur hiesigen Kirche pfarrt; allein sie konute nicht auf dem Kirchhof begraben werden, da dieser schon seit langer Zeit so voll ist. daß jede Beerdigung unmöglich ist. Sie wurde auf dem Kirchhof zu Nievern beigesetzt; wie früher bei einem ähnlichen Todesfall die Leiche im fürchterlichsten Wetter nach Oberlahnstein gebracht werden mußte. — Es ist eins von den 3 Wahrzeichen von Ems, daß hier 2 Kirchhöfe sind, allein wenn Jemand stirbt , muß er auswärts begraben werde». Ebenso hat Ems 2 Brücken über die Lahn, allein man kann nicht darüber gehen; und herrliche Laternenstöcke stehen in den Straßen, aber vor Dunkelheit brichc man den Hals. —
A Aus dem Kreis Hachenburg, 23. Febr. Der Gesetzentwurf über Wiedervereinigung der Justiz und Verwaltung, wie derselbe unserer Ständekammer vorliegt, ist bis je'tzt in dieser Zeitung noch gar nicht besprochen worden. Es wäre aber doch zu wünschen, wenn von allen Seiten die Ansichten darüber bekannt würden. Die Einwohner unsres Kreisamts sprechen sich im Allgemeinen dahin aus: die jetzige Einrichtung ist uns lieber als die frühere, weil die Amtsgeschäfte in beiden Fächern jetzt einen geordneteren und schnelleren Gang haben, auch wird's uns so viel wie möglich bequem gemacht, da das Kreisamtspersonal viele Geschäfte in den einzelnen Orten vornimmt, aber auch sagen fie — die jetzige Einrichtung ist zu theuer, und wünschen daher eine Aenderung. Es ist wohl denkbar, daß unserm hoben Gouvernement ebenwohl der Kostenpunkt die meiste Veranlassung zur Gesetzvorlage gegeben hat. Ließe sich denn nicht etwa die Trennung odew jetzige Einrichtung dadiuch erhalten, daß der Wohnsitz der Kreisamtssecretäre resp. Accesfistm in die zum KrerSaml gehörigen JustiOerirke gelW würde, NTwoa vw ransen- den Geschäfte zu vollziehen. Auf diese Art würde wohl in der Wirksamkeit der Kreisämter reine Störung ein- treten, dagegen viele Kosten für Reisen ic. und' auch Zeit gespart werden. In Betreff deö Jagdgesetzes stimme ich dem Corresp. in Nr. 44 — „V. Land" ganz bei.
München, 22. Febr. Es geht das Gerücht, der Justizminister Hr. v. Kleinschrodt habe um seine Entlassung gebeten, und sie sey angenommen. Die A. A. Ztg. bezweifelt die Wahrheit des Gerüchts.
Coblenz, 24. Febr. Die hiesige Zeitung berichtet heute: „Nach einer in unterrichteten Kreisen circulireu- den Mittheilung, wäre bereits Befehl ergangen, für die Einberufung der Kriegsreserven einiger Armeecorps das Erforderliche vorzubereiten. Man nennt in dieser Beziehung das 2., 5., 7. und 8., und hält es nicht für unwahrscheinlich, daß die wirkliche Einberufungsorde demnächst erfolgen werde."
Lübeck, 21. Febr. Die Nachricht der D. A. Z., daß „von Seiten des französischen Consulats hierselbst unter der Hand geeigneten Ortes die vorläufige Anfrage gestellt worden: ob, im Falle hier ein größeres Depot von Schiffèbedarf und Proviant, insonderheit von Kohlen, errichtet werden sollte, dergleichen Waaren von der gewöhnlichen. Aclise-Auflage befreit sein würden", wird von" der Lübecker Ztg. in Abrede gestellt.
Königsberg, 21. Februar. Wie großartig die Rüstungen Rußlands sind, geht unter Anderm daraus hervor, daß in der Gränzstadt Polaugen , also wahrscheinlich auch anderwärtig, Leute, welche nach 25jâhriger Dienstzeit bereits vor zehn Jahren entlassen sind, wieder einbeordert und zwölf Stunden später in Marsch gesetzt wurden.
Berlin, 24. Febr. Von dem Abgeordn. Knebel- Döberitz, unterstützt von 22 Mitglieder Rechten, ist bei der 1. Kammer ein Antrag eingebracht worden, der in seinen Hauptstellen die gegenwärtige „schroffe" Trennung zwischen der Justiz und der Verwaltung ausgehoben oder wenigstens gemildert wünscht.
Von Seite der katholischen Fraction ist in der zweiten Kammer folgender bereits vielfach angekündigter Antrag, von etwa 90 Mitgliedern der Kammer unterzeichnet, eingebracht worden: Die Kammer wolle beschließen, die königliche Staatsregierung aufzuforderu, 1) eine Nachweisung vorzulegen, welche sämmtlich vor- handene, von den Staatsbehörden verwaltete, ganz oder theilweise katholische Stistungsfonds umfaßt, und über die Grundsätze, wonach solche normirt ist, sich verbreitet. 2) Die einzelnen Fonds ihrer stiftungSmäßigen oder sonst rechtlich feststehenden Bestimmung in so weit zu
rückzugeben , als sie beijeben ganz oder theilweise entfremdet sind. 3) Die grundgesetzlich anerkannte Parität auch in Bezug auf freie Bewilligungen au die Staatskasse für daS UniversitätS-, und Elcmcntarschulcuwesen, sowie für die Schullchrcr-Seminarien zu verwirklichen.
In der N. Pr. Ztg. liest man: Im Preußischen Wochenblatt wurde neulich Folgendes als Auszug aus einer russischen Circulardepesche vom Jahre 1834 angeführt: So vereinigen sich alle Forderungen an den deutschen Bund sowohl nach der inneren als nach der äußeren Lage dahin, daß der Bundestag Rußland als P r o t c c t o r des Bundes annehmen müsse. — Die Quelle, woraus dies geschöpft ist, wird wohlweislich nicht angeführt; eine solche Depesche ist natürlich auch nie dageweseu. Das russische Cabinet ist nicht nur zu vernünftig, sondern auch zu klug, um dergleichen Zeug zu schreiben. Wie wenig Rußland beflissen ist, ein Protectorat über den deutschen Bund zu erstreben, ergibt sich schon daraus, daß es seit 1848 keinen Gesandten in Frankfurt hat. Der in Stuttgart accrcditirte Minister vertritt den Kaiser am Bunde eigentlich nur nominell.
Der „Ztg. f. Nordd." zufolge soll am 18. d. M. Lord Blommfield Kn. v. Manteuffel die officiclle Anzeige über das nahe Erscheinen einer englischen Flotte in der Ostsee gemacht haben. Große Kriegsschiffe können in seinen preußischen Hafen einlaufen; sämmtliche preußische Häfen werden jedoch, wie verlautet, beiden Theilen geöffnet seyn und dem Einkauf und Verkauf keinerlei Hinderniß in den Weg gelegt werden.
Die „Zeit" schreibt: „Viele Getreidehändler hoffen, ungeachtet der KriegsauSsichten, doch auf ein baldiges Heruntergehen der Gelreidepreise, da an Getreide nicht nur kein Mangel, ja sogar in vielen Gegenden ein Ueberfluß ist; ferner mit dem Eintritt deS Frühjahrs, so wie mit Eröffnung der Schifffahrt starke Zufuhren erwartet werden und der Stand der Wintersaaten bis jetzt nichts zu wünschen übrig läßt. — Dem Vernehmen nach sollen hier 17,000 Montirungen für die mexieaui- sche Regierung angefertigt werden.
Die „Zeit" schreibt: „Die Westmächte haben an Preußen unb Oesterreich die Forderung gestellt, mit ihnen zusammen zu den auf der Wiener Conferenz vereinbarten Vermittlungsvorschlägen, welche die Zustimmung der Pforte erhalten haben, eine feierliche Declaration zu erlassen, und zwar deßhalb, weil Preußen und Oesterreich als Mitglieder der Conferenz bei Aufstellung der VermittlungSvorschläge thätig gewesen seien. Preußen und Oesterreich haben diese Forderung abgelehnt. Aus diesem Schritte der Westmächte hat man den Schluß 4m>3Mu. üüLHKxiitz«!» tmp^estcrreich aufgefördert wor- den seien, Ws oer Politik der Westmächte in der orientalischen Frage anznschlicßen. Man kann mit vollem Rechte annehmen, daß die Westmächte derartige Forderungen nicht stellen werden, da sie schon in den Erklärungen Preußens und Oesterreichs, gegenüber Rußland, die volle Garantie dafür gefunden haben, daß diese Staaten den neutralen Boden nicht verlassen und sich Rußland anschließen w rden."
Der russische Militär-Bevollmächtigte, Graf von Benckenborff ist nach der K. Z. nicht von dem Kaiser abberufen, sondern hat auf sein wiederholtes Andringen nur die Erlaubniß zur 1: bernahme eines Commando's am Kaukasus erhalten.
Die „N. Pr. Z." rechnet, daß die neueste Nekru- teuaushebung in Rußland in den Westprovinzen 220,000 Mann — natürlich erst zur die Campagne von 1855 — auSheben werde.
Die Jagdrechtsfrage und was damit zusammenhängt, schreibt die A. A.Z., ist am 20. in der ersten Kammer zu einem Abschluß, aber nur zu einem einstweiligen Abschluß gekommen; das Princip der Entschädigung für die Verletzung durch das Jagdgesetz von 1848 ist anerkannt und der Modus Liefer Entschädigung nochmals der Prüfung der Commission überwiesen. Die Debatte bot außer zwei drastischen Reden deS Herrn v. Scnfft- Pilsach und v. Thadden-Trieglaff für die Wiederherstellung der früheren Jagdberechtigungen wenig Bemer« kenSwerthes mehr.
Breslau, 23. Febr. Durch telegr. Depesche ist, wie die „9t O.-Ztg." höU, gestern Abend der com- manbireuDe General v. Lind heim nach Berlin berufen worden.
Wien, 24. Febr. Eine in dem gestrigen Finanz- Antrag erschienene Kundmachung stellt die Umwandlung der Banknoten in eine Staatsschuld mit angemessenem Metallzins in die Wahl des Inhabers. Näheres wird Vorbehalten. Mit Zwangscrurs wird kein Staatspapier- geld mehr emanirt werden.
Das Gerücht, die Bank werde ihren Escompte erhöhen, entbehrt jeder Deg'ündung
Die „Oester. Corresp." spricht sich über den neuen Finanzerlaß in folgender Weise aus: In G,emâßheit des Allerhöchsten Auftrages Seiner Majestät hat die Staatsverwaltung ein Uebereinfi ;nmen mit der Nationalbank abgeschlossen, vermöge welchem die Geldverhältnisse zu dem bei Schaffung der Bank niedergelegten Grundsätze „daß die Ausfertigung von Papiergeld mit Zwangswerth und Zwangsumlauf nicht mehr Statt haben solle" zurückgeführt werden. Nachdem die Jahre 1848 unb 1849 eine temporäre Abweichung von diesem Principe veran
laßt hatten, war dadurch die Rehabilitirung der Bank zur Einlösung ihrer Noten erschwert und ihrem ausschließlichen Privilegium, Noten zu circuliren, ein wesentlicher Abbruch geschehen. Die Kräftigung der Bank und die Verminderung ihres Notenumlaufes einerseits, die Vereinfachung und Beschränkung des StaatSpapier« geldeS andererseits haben die Möglichkeit bft Rückkehr zu dem normale!! Stande, in welchem es kein anderes Papiergeld als Banknoten geben wird, angebahnt. Es wird daher in dem Uebereinfemmen folgerecht die gemeinschaftliche Verpflichtung des Staates und der Bank ausgesprochen, auf die baldigste Vermehrung der Münz- vorräthe der Bank solchergestalt hinzuwirken , daß die Einlösung der Banknoten wieder stattfinden könne. Es werden die Modalitäten festgesetzt, nach welchen derjenige Betrag an Banknoten, der aus dem Staatspapier gelbe entsteht, getilgt wird, und Die Staatsverwaltung wird außer der Summe von jährlichen wenigstens 10 Millionen, welche die Zölle abzugeben bestimmt sind, nach Umständen größere Tilgungen bewirken, an welchen, wenn man die Hilfsquellen in Erwägung zieht, die der Staat besitzt, namentlich auch die sich auf nahe an sechs Millionen Joch belaufenden Staatsforste und Domänen, deren Verkaussertrag zur Tilgung der Staatsschulden bestimmt ist, nicht zu zweifeln ist. In dieser wichtigen Maßregel ist ein neuer Beweis des festen und beharrlichen Willens nicht zu verkennen, mit welchem die Bedeckung der StaatSbedürfnisse durch Emittirung von Papiergeld vermieden wird, und geschieht durch dieselbe ein neuer bedeutender Schritt zu dem Ziele der vollkommenen Regelung des Geldumlaufes.
Oberstlieutenant von Babarczy, bekannt geworden durch die im October 1850 erschienene Broschüre, „Bekenntnisse eines Soldaten" (im Sinne der preußischen Kreuzzertung gegen das Ceutrallsationssystem des Mi- ; nistèliums gerichtet), soll plötzlich pensionirt worden seyn.
Der „Lloyd" berichtet: Nach den heutigen Berichten aus St. Petersburg ist in dem Befinden Sr. Maj. des Kaisers von Rußland eine wesentliche Besserung ein? getreten und konnte der Czar schon am 10. b. M. das Krankenbett wieder verlaffen.
Privatschrciben aus dem Süden des Reichs schil-Z dern (wohl in -etwas sanguinischer Weise) "den Aufstand der Hellenen als nicht bloß vollständig sondern auch allen Orts organisirt und seines Erfolgè gänzlich sicher. Es ist im Plan, meldet man der „8r- P. Z." auf Grund dieser Briefe, einen griechischen Föderativstaat zu gründen, die jonischen Inseln den Engländern zu entreißen und überhaupt die Aufmerksamkeit der Türken wie der Westmächte auf die südwestliche Grenze zu lenken, wodurch cs den Russen leichter möglich gemacht würde, die Armee Omers zu überwältigen, bevor noch die verbündeten Mächte ihre Streitkräfte gehörig aufstellen konnten. Im übrigen scheinen, nach jenen privativen Mittheilungen, die Bestrebungen der Griechen zwar parallel mit Rußland zu laufen, allein keineswegs eine Unterwerfung unter daS Protectorat des Czarcu im Sinn zu haben, wonach denn die thatsächliche Allianz des jetzigen Augenblicks auf die Dauer kaum bestehen dürfte.
In Tirguschua, etwa auf der Mitte Weges zwischen Serbien und Montenegro, sind zwei Montenegriner mit verfänglichen Correipondenzen nach Serbien aufgefangen worden. Sie wurden sogleich nach Serajevo escortirt, wo sie einer ziemlich harten Bestrafung entgegen gehen dürften.
Nachrichten ausSemlin zufolge verlangt Oesterreich von Serbien strenge N e u tralitä t^nach jeder Richtung und würde sie dieses Land nur im Falle der Verletzung derselben oder auf ausdrückliches Verlangen der Regierung besetzen. Man glaubt, daß letzteres erfolgen werde.
F.-M.-L. Graf Coronim hat in Belgrad Gegenbesuch gemacht. Er wurde mir hohen Ehren empfangen.
LJaukreich.
Paris, 24. Febr. Ein k. Deeret ruft abermals 80,000 Mann unter die Fahnen, nämlich die beiden bis dahin nicht auSgehobenen Hälften der Altersklassen von 1850 und 1849, nachdem zwei frühere De- crete dies schon mit den Altersklassen 1852 und 1851 gethan haben. Hierdurch findet sich der Effectivbestand der Armee bereits um 100,000 Mann , und, wenn man in Berechnung bringt, daß auch die Altersklasse von 1853 im Augenblick ganz ausgehoben wird, was ohne die äußeren Umstände kaum geschehen wäre, um 200,000 Mann über den normalen FriedenSfuß verstärkt. Dennoch würde man mit Unrecht in diesen Decreten schon Ausnahme-Maßregeln sehen, da die Regierung bis jetzt nur in Anspruch nimmt, was ihr fräst der von den Kammern längst votirten Rccrutirungsge- setze zur Verfügung, steht. Sie könnte sogar noch die rückständigen Kontingente von 1847 und 1848 in Anspruch nehmen, allein da diese nur noch ein resp, zwei Jahre zu dienen haben würden, so ist es nicht wahrscheinlich, daß sie ebenfalls noch einberufen werde». Im Falle noch weitere Verstärkung der französischen Waffen- macht nöthig werden sollte, dürfte die Regierung wohl eher vom gesetzgebenden Körper die anlicipirte Einbe- rufung des Kontingente von 1854 verlangen. — Das heutige Decret führt im Unterschied von den früheren» durchaus keine, der Politik mehr oder minder fern lie-