Jndependance Belge enthält golßenbeö z „Nach einem mehrtägigen Aufenthalte in unserer Studt ist Herr Bre« nicr nach Rom und Neapel wcitergcreift. Seine Durchreise durch Toscana hat die toscanische Negierung in große Verlegenheit gesetzt. Wie eS scheint bat nämlich Herr Bremer den Auftrag, nicht nur den Zustand der öffentlichen Meinung in Italien zu ergründen, sondern auch an die Regierungen die Frage zu richten, wie sie sich im Falle eines europäischen Krieges zu verhalten gedenken. Die piemonteAflche Regierung hat off.» erklärt, sie stehe auf Seiten Frankreichs und Englands, während die toscanische Regierung in Folge der sie an Oesterreich knüpfenden Bande mit einer unumwundenen Antwort zögerte. Es scheint ferner, daß Herr Brenier 3 Millionen FrH von Toscana fordern sollte als Ent- säâdigung für ein bedeutendes bewegliches Vermögen, welches d>e Schwester Napoleon's, Elisa Bactiocchi, Prinzessin von Lucca und Piombino, im Jahre 1814 in Toscana licMW DaS toscanische Ministerium ist in großer Verlegenheit, wie es aus diesis Ansinnetz antworten soll, und zwar um so mehr, als die Finanzlage eine schlechte ist. Eine andere Ursache der Besorgniß für die italienischen Regierungen ist die Anwesenheit Lord Minto's in Toscana. Namentlich zeigt sich der neapolitanische Gesandte am Hofe von Florenz sehr be unrnbigt und läßt die Unterthanen des Königreichs beff dcr Sicilicn beobachten, um in Erfahrung zu bringen, ob sie den edlen Lord besuchen. Bereits mehrere Si- cilianer, welche sich seit 1849 in Toscana befanden, find auf An sichen des Gesandten ausgewiesen worden, weil sie Lord Minto einen „Anstandsbeinch" (man kennt diese Sorte vön „Anstandsbesuchen") abgcstatlet halten. Wie cs heißt, ist auch der König von Neapel aufgefvr- dcrl worden, sich im Falle eines Krieges für Frankreich und Enaland zu erklären. König Ferdinand ist ein sehr großer Anhänger Rußlands. Allein die Furcht vor der Revolution, der Fortschritt, welchen die Partei Murat in letzter Zeit gemacht und die Ueberzeugung, daß England noch immer Gelüste auf Sieilien hegt, haben ihn veranlaßt, sich einer Annäherung an die Po« litis der Weltmächte geneigt zu zeigen. Er möchte jedoch gern ein Bündniß der italienischen Staaten zu Stande bringen, welches nach Art der demschen Staaten eine neutrale Stellung einnehmen würde. (Es wäre das jedenfalls die vernünftigste Politik.) Zu diesem Zwecke bat der König einen Gesandten nach Turin geschickt lind zu verstehen gegeben, daß er selbst geneigt sei, seinen Unterthanen Zugeständnisse zu machen. Auch in Rom erregt die orientalische Frage lebhafte Besorgnisse."
NvUl, 2. Februar. Vor allem andern habe idr Ihnen Nachricht zu geben von einem Gnabeuact Sr. Heiligkeit, der dießmal politischen Verurthellle» zu gut kam. Sie erinnern sich, daß in der ehva sieben deutsche Meilen von hier am W ge nach Neapel gelegenen Stadt Belletti vor länger als Jahresfrist ein Komplott gegen die Regierung entdeckt ward, deren Thcllnebmcr die dort stehende ' Abtheilung päpstlicher Jäger planmäßig demoralifirten und viele zum Ausreißen »erfühlte», eine geheime Presse für politische Brandschnfteu unterhielten, und, wie sich bcT Angestellter Hausdurchsuchung thatsächlich ergab, mit der revolutionären Propaganda in London in lebhaftem brieflichen Beikehr standen. Die Sagra CouMa venu theilte vor wenigen Monaten etwa 30 von ihnen, die fast alle den bessern Familien der Stadt zugchörten, zu 10 bis 25jähriger Zuchthausstrafe. Cardinal Macchi, welcher als Decan des H. Collegiums zugleich Legat der Provinz Belletti i|t, wurde von den Verwandten der Veruilheillen Ml Bik- teil bestürmt, den Cnmmalproceß doch noch einmal revl- diren zu lassen, da die verhängten Strafen für die meisten allzu streng seien. Der Papst ordnete auf Cardinal Macchi's Beenniielung die gewünschte Revision an, und erließ jetzt nach gegaper KennlnißuahM ihrer Ergebnisse allen zu zehnjähriger Gefaugensaafl Verur- tbeiltru an ihrer Strafe sieben Jahre? Dagegen be. (tätigte er aufs neue alle auf eine mehr als zehnjährige Hast Liutei.ben Erkenntnisse.
DaS Attentat auf Muratori und die bei der Gelegenheit allerhö â sten Ort s^ beka>int gewordenen Klagen der Gefangenen über die Strenge des Maunes veran- laßten den G-neraldirector der Polizei, Monfignor Matteucci, zu einem B-such des Hastrocals ui ^ ioclcnaV» Bädern. Er fand wider Erwarten viele Gefangene in feuchten, balbnnteriidiicktn RanMSü und in einer Weise gehalten, welche zu ihren Vergehen weder in einem siil- l.chen noch rechtlichen Perbättnisse stand. Muratori er. hielt sogleich Betz hl das Loos dieser Unglücklichen dnrch Beilegung in gesundere Zimmer und durch menjchlicyere Verpflegung zu verbessern. In demselben Zuchlhanse starb vor einigen Tagen des berüchtigieu Pater Gavazzi Neffe, welcher wegen seiner zur Zeit der Republik begangenen vielfachen Vergehen, besonders wegen der ans Haß gegen ‘ben Cardinal.Generalvicar veranlaßten Anzündungen und Einäscherung der schönen Billa Patiizzi zu vieljähr'gem Gefängniß verurtbeill, dort seine Strafe büßte. Angesichts des Todes wies er den ihm von einem Eapuciner angebotenen letzten geistlichen Trost mit Spott und Hoon zurück.
liuDhnib.
Warscyau, 8. Fcbr. Seit einigen Tagen weilen
seltene Gäste in unserer Stadt. Bekanntlich wurden auf dem egvptisckeii Dampfschiffe Perwaz Bachri mehrere O'ficiere vom cgyplischen Heere gefangen genommen. Dieselben, fünf an der Zahl, wurden nach Petersburg gebracht und bestnden sich jetzt nach ihrer Freilassung auf dem Rückwege in ihr Vaterland. Es sind das die Li«ntenarrts Abdul Lalif und Emrula , die Midshipmen OSman und Hüssauin und endlich der Dr. Tzadola, ein kubier. Sie scheinen sich hier übrigens wohl zu gefallen und haben bereits mehrere Male rin^ere Theater und Redouten besucht.
Ein Schreiben ans Odessa vom 3. Febr. meldet, daß die Avantgarden des aus Moskau auf den Kriegsschauplatz maischireudeu 6. russischrii ArmeccoipS unter General Stobern am 31. auf mehreren Punkten die südliche Grenze Bessarabiens passirt haben. Diese !rup- pen befinden sich bereits seit mehreren Monaten auf dem Marsche von Moskau an die Donau. Die Re. serven unter General Theodaj.ff werden in einigen Wochen erwartet. Die in Bessarabien stehenden Truppen haben bereits Marschordre in die Fürstenthümer er Hal- teil. Für die ans Moskau iiacbrücfenben Truppen werben ungeheure Massen von BerpfieguligSvorrätheu in Pultava angehänft. Ein unparteiischer Berichterstatter sagt, daß auf den Straßen von Warschau gegen Bessarabien mindestens 10,000 Mann reguläre Truppen Kotzten unb Reserven in diesem Augenblicke in Marsch sieben, welche insgesammt spätestens im April die Nähe des Kriegsschauplatzes erreicht haben werden.
Aottaufürnenthümer.
Nach Berichten aus Krajova vom 4. d. Mts. ist der kais. russische Generaladjutaut v. Schilder nach Turnnl abgereift, von wo er sich nach Giurgcvo begeben bürste.
Ueber die Organisation der für die russische Sache angeworbenen Freiwilligen.Legion in den Donausülsten. tbiimern bringt die Pr. C. aus zuverlâistger Quelle nähere Mitlheitnügen. Das FrcicoipS soll aus Ange- böiigen der Moldau, Walachei und anderer dem griechischen Glauben zugetbaner Bölkerschasten gebildet werden, welche für die ganze Dauer des Krieges gegen die Türken oder für eine bestimmte Zeit Dienst nehmen wollen. Es wild zunächst als ein Bataillon organisier, welches 4 Compagnieen enthält. Jede Compagnie hat ihre besondere Fahne und wird zunächst auS 100 Mann, 8 Uuterofficieren, 1 Sergeanten , 1 Fahnenträger, 1 Lientenant unb 1 Compagnie- Chef bestehe»; doch ist Vorbehalten, die Zahl' der Mannschaften erforderlichen Falles zu vermehren. Das ganze Bataillon wird unter einem besonderen Oberbefehlshaber Hetzen, Der Sold- ist so normirt, daß der Bataillons Chef 3 Rubel, der Compagttieführer 2 Rubel, der Lieutenant 1 Rubel, der Fahnenträger 80 Kopeken, der Sergeant 30, der Unter« offieier 25 lind der Gemeine 15 Kopeken täglich erhält. Sämmtliche Bestandtheile der Frei Legion haben sich auf eigene Kosten zu equipireu und erhalten von der russischen Regieruilg nur Baponnet- Flinten, Patrontaschen und Patronen. Die Officiere werden aus den Freiwilligen durch deu russischen Oberbefehlshaber aus den Douanprovinzen ernannt. In Bezug auf Beköstigung, Verpflegung der Kranken und Juvalideu^An- sp'üche wird das Freicorps der russischen Armee gleichgestellt. Zu bemerke» ist noch, daß von den sich meldenden Freiwilligen keine Kenntnisse des MilitärwesenS verlangt werde». Es wird ihnen nur aufgegeben, sich mit Schießen und gnbereu Uebungen zu beschönigen, welche für den Partisauendienst erforderlich sind. Wie wir schon gemeldet, ist der General Salos beauftragt, die Organisation des Freicorps zu leiten. Die Freischärler werden, wie es heißt, den Name» Stavrofori (Kieuztl âger) führen und sich, je nach ihrer Nalioua- lität, durch die Farbe des auf ihrer Kopfbedeckung befestigteil Kreuzes unterscheide». Die Griechen werden ein blaues, die ffiaiMw unb Moldauer ein rothes, die Bulgaren und Serben ein weißes Kreuz tragen.
Cürtte».
Cvnstunlinopel, 30. Jan. (Tr. Z.) Die Be- Volker Ung von Slnope und Umgebung hat durch die An wessentzeit der englisch frauzösiichen Flotte ein schönes G.schäjl gemacht. Ochsen, Schatz, Kälber und selbst Büffel wurden zu immensen Pièisen förmlich er stürmt. Ein Hainmel, dèr sonst 30 Piaster kostete, wurde mit 1 Pid. St. bezahlt, Büffelfleisch die öcea (1% Pld.) mit 5, ein Huhn mit 10, ein Ei mit % Piaster; für Sinope, wo das Geld so rar Uub Lebensrnittel gewöhnlich sehr billig sind, waren das bed. Utende Summen. Wären die Flotten noch länger in Sinope geblieben, so hätte sich der Vorrath an Lebensmitteln bald erschöpft, die durch das schlechte Wetter verdorbenen Wege erlaubten aber keine Zuzüge von größerer Ferne. Im Durchschnitt sind 10,000 Piaster täglich von den giot- trn ausgegebeu worden. Das Haus des plUrrci ßoufülarageulen Pirjautz wurde den ganzen Tag von B-suchkw der Offiziere förmlich belagert, die ihm :Hells ibf Complrment über sein Verhalten während des Bombardements machten, theils um vielfache Auskunft baten. Er wurde auch von den Admiralen Dundas und Hamelin mit vieler Aufmerksamkeit behandelt und wiederholt zu Tisch geladen.— Die Bildung des Pscudo- kojakcttiegimentS wird von den Zinsen fortwährend mit vielem Eifer betrieben. Sie heißen Kuadkojaken und
find sämmtlich Christen. Es ist eine eigenthümliche Idee von den Türken, unter dieser Form christliche Unterthanen zum ersten Male zu bewaffnen. Die Angeworbenen in der Provinz zu diesem Regiment sind durchweg entlaufene Dienstleute, Stallknechte,' Rauchfangkehrer und meist Leute zweideutigen Rufes. In Adrianopel war der Einmarsch eines solchen Haufens förmlich angekün- digt, und als am 24. Jan. 220 Mann einmarschirten, bedeckten sich die Straßen mit Neugierigen. Das Ganze ist eigentlich nur- eines jener demonstraliven Spectakel, woran die schwebende Differenz so reich ist. Man möchte den Christen im Lande glauben machen, daß es sich nicht um einen nationalen Krieg handle, hat aber doch nicht den Muth , dem christlichen Unterthan Waffen in die Hand zu geben, sondern vertraut sie nur einem solchen Gesindel, das um einige Piaster selbst für den Teufel kämpfen würde.
Die hohe Pforte verlangte von den Griechen in Pera eine zehnjährige Vorausbezahlung der Kopfsteuer. Dazu wollte sich j>döch der Patriarch nicht verstehen , und cs entstand barüber ein Conflict, der für die ©riechen in Perg von traurigen Folgen hätte werden können. Jndtsseii ist es der Vermittlung des französischen und englischen Gesandten gelungen, einen Vergleich zu Stande zu bringen, wodurch sich die Griechen in Pera verbindlich machen, die Kopfsteuer auf fünf Jahre voraus, nach Abzug der zu entfândëu Zinsen, dem Sultan zu entrichten. Der Patriarch bat demzufolge die erforderlichen Maßregeln treffen lassen, um die fünfjährige Steuer summe der hohen Pforte zuzuführen. — Vom asiatischen Kriegsschauplatz wird berichtet, daß Chnrschid Pascha, welcher ein Heer von 30,000 Mann Infanterie und 2300 Mann Kavallerie mit 65 Kano, neu in Erzerum zusammeubrachte, von da nach Kars aufgeb, ochen sei, um von hier ans die Offensive gegen die bei und in Alexandropgj stehenden Russen zu beginnen. Die bei Latum ausgcschlfften Verstärkungen werden in Kis Kalessi cuncentrh t, und sobald die Feind- kligteiten bei Gumri beginnen, bis nach Stzdmia in der Nähe von Achalzick vorgeschoben. Klapka, welcher Renegat geworden sein soll, wird gegen bie Russen bei Achalzick verwendet werden. (Dircct aus Erzerunr der „Ostb. Post" zugekommene Berichte vom 1. v. Mts., sprechen sich viel weniger günstig aus über die Zustände der türkische» Armee in Asien.)
„ Der „Oesterr. Soldatcufreund" schreibt: Das schon seit mehreren Wochen andauernde Unwohlsein des Mu» schirs Omer dürfte auch der Grund sein, daß ihm provisorisch ein Pascha ad latus beigeordnet wurde. Sollte die Wahl einen der drei Generaicorpscvmiuandanlen der Donauarmee treffen, so wäre unzweifelhaft Abdul Halil Pascha, welcher am äußersten rechten Flügel der türkischen Armee mit dem Hauptquartier am Tra- janöwalle commaubirt, der tüchtigste. Als solchen be« icichnet ihn wenigstens die öffentliche Stimme. Sami Pascha in Widdiii ist ein Alttürke, welcher bem Sultan ganz ergeben ist und in seinem Ejalet Gerechtigkeit übt, übrigens auch aus Zucht und Ordnung hält; er ist aber zu alt, und der ihm beigegebene Ismael Pascha bat wegen des blutigen Zusammenstoßes bei 6grate insofern eine Scharte auSzuwetzen, als er die ägyptischen Hilfstruppen, bic sich dort trefflich hielten, von der ka- vaderie nicht unterstützen und von den Russen halb auf' reiben ließ, während die 6000 Mann irreguläre Truppen den Rückiug antraten und den Erfolg des Tage« unentschieden machten.
(Nach einer Mittheilung der Times aus Varna vom 20. Januar ist Omer Pascha von seinem Unwohlsein völlig wieder bergesteUt. Ein walachischer General, zwei bis drei americauische und mehrere französische und schwedische Offiziere sind im Hauptquartier an gekommen, um in der ottomainfcbcn Armee Dienste zu nehmen. Bedeutende Verstärkungen sind auf dem Marsche von Sophia nach Kalifat, wo eine Armee von 25,000 M. steht, die mit einem großen und vortrefflichen Artillerie- park versehen ist.)
Der Correfpöndent' „Von der untern Donan" der „Medic. Wochenschrift" berichtet, nachdem er sich über die Unzahl absichtlicher und unabsichtlicher Enten, die aus der Walachei vorzüglich englischen und französischen Blätter» zugeschickt weiden, lustig gemacht, über das Befinde» Omer Pascha's: ich will Sie nur warnen vor den Gerüchten von E>krankuiig unseres Obercommandanten „Muschir" Omer Pascha; er sprengt auf feinem herrlichen Waber eben an meinem Zelte vorbei, geleitet von einem glänzende» Generalstab aus allen Nationen,: glänzender, als ihn je die Türkei gesehen hat.
Der junge Füist Sturdza, Sohn des moldauischen Exfürsteu, hat sich sammt seiner Frau, die eine geborne BnkanHeii» ist und aus der süritlicheu Familie Gbyka stammt, nach Konstantinopel begeben. Der Reichthum der Slurdza's ist ungeheuer, und soll der junge Mann, wahrscheinlich auf einen volllischeu Wechsel der Dinge hoffend, der türkischen Regierung einen Kriegsbellrag von nicht weniger als 200,000 Stück Ducaten zur Verfügung gestellt haben. Der Sultan erhob ihn dafür zu dem Rang eines Pascha und eS wurde ihm die (wahrscheinlich trügerische) Hoffnung in Aussicht gestellt, einst zum Fürsteu der Moldau ernannt zu werden.
Am 9. d. ging eine Dampferdivision der vereinigten Flotte, unter den Befehlen der Gegenadmirale Le Bar«