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Nassauische Allgemeine Zeitung. __.... --1J~'- ' -'- ^. . -- ,- - .............. W' 38. Dienstag den 14. Maar 1934.

DieMauifdw «Ufltmtine Zkitting" mit dem belleirigischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich und beträgt der Prânumerati»n«pr»i« für Wie«baden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch sâr den ganzen Umfang de« Lburn. und Tari«'schen Äerwal!ung«be,,rkS mit Inbigriff des Postausschlag« 2 st., für die übrigen Länder de« deutsch.österreichischen Postverein«, wie für da« SuSland 2 ff. 24 kr. - Inserate werden die vierspaliige Petitseile oder deren Raum mit 3 kr.berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, L-n«g»ffr 42, «»«wärt« bei den nâchstgelegenen Postämtern, zu machen.

Deutschland.

«Wiesbaden, 13. gibt. (Assisenverhandlnng flehen Joh. Renz jun. von Geisenhcim wegen Dieb- ftabtéj Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Asusenhofe zu einer CorrectionShansstrafe von 1 % Jahr unter Niederschlagung der Kosten verurtheilt. Joh. Renz, 32 Jahr alt, Schuhmacher, war angeklagt, am 11. October v. I. in das von seinem Vater u. A. bewohnte HauS cingcstie- gen und theils auS dessen Wohnzimmer, theitS aus einem gewaltsam geöffneten Schrank ein Paar Stiefel, einen halben Laib Brod , ein Paar Tuchhosen, eine Tuchweste und ein seidenes Halstuch, zusammen im Wertb von 8 fl. 5'/, kr., gestoblen zu baden.

Die Nachmittags stattgehabte Assisenverhandlung gegen Heinrich Wilhelm Becker von Bierstadt, wegen Diebstadls, schloß ebenfalls mit einer Berurtbeilung. Der Aug, klagte wurde von den Geschwornen für schul­dig befunden mit von dem Assiscubofe zu 6 Monaten Correctionsbaus unter Niederschlagung der Kosten ver- urtheilt. Heinrich Wildelm Becker, 20 Jabr alt, Zimmergeselle zu Bierstadt, war angeklagt dem Johann Philipp Scharf von Nnderanroff ans dessen verschlos­senen Schrank 3 Kroueuthaler gestohlen zu haben.

* Wiesbaden, 14 Februar. Die auf heute an« beraumte Aisiicnve, Handlung gegen Katharina Auer von Springen wegen KindeSmordcS wird bei verschlos- feiten Thüren gepflogen.

*** Limburg, 13. Febr. An den Herrn Dom- dccan Dr Hirscher zu Freiburg ist von Seiten des Hochwürdigsten Herrn Bischofs aus Veranlassung des von jenem verfaßten vortrefflichen , jüngst erschienenen Schnftcbens:Zur Orientirung im gegenwärtigen Kir- chenstreite" ein sehr anerkennendes Schreiben gerichtet werden. Von der in mehreren Blattern in Aussicht gestellten nahen Beilegung des kirchlichen Streikes in unserer Diöcese und einer von Seiten der Regierung bereits cingeleiteteu Unterhandlung mit dem h. Stuhle, ist in den hiesigen geistlichen Kreisen zur Zeit noch Nichts bekannt. Zu den bereits früher erwähnten Z ust i in mfi n gsschreiben an unsern Hockw. Herrn Bischof ist in den jüngsten Tagen ein sehr ermunterndes Schrei­ben des Herrn Bischofs von Osnabrück und eine Adresse von sämmtlichen Curatgeistlichen der Stadt Köln hinzugekommcu, welche sich über die bekannte Criminal- Procedur und über den neuesten bischöfl. Hirtenbrief, der in jenen Gegenden einen mächtigen Anklang gesun­den bat, anssprechen.

3 Oberursel, 12. Febr. Auch in unserer Stadt hat sich seit dem Beginne dieses Monats eine ausge­dehnteSnppenanstalt" aufgcthau, wodurch Tag für Tag bis (85) fünf und achtzig arme Kinder im HoS- Pitalgodgude nahrhafte Suppe und einige Mal die Woche auch Fleisch dazu erhalten. Der Gemeinde- rath bat dieselbe in löblicher Fürsorge und richtiger Würdigung der drückenden Zeitverhälliilsse auf Grund des vorliegenden reichen, sehr reichen Hospilalfonds, ohne dazu die Pnoatwohlthätigkeit b. sonders in An­spruch nehmen zu müssen, in's Leben genife» und da mit die Sorgen in dem Haushalte der Unbemittelten wen gstenö in Etwas gelindert. Dieser Fonds, der die Gemeindebehörde zu so ausgedehnter Wohlthätigkeit in bin Stand setzt, ist übrigens auch ein P,rmäcl tmß der an großailigen Werken ächt-christlicher Liebe so reich.« Vergungtüheil und soll, wie man uns sagte, weit über 150,000 fl. betragen. Was nun die in R de ste­hende Snppenanstalt noch weiter betufft, so müssen wir außer der bewerben lobeuswertben Fürsorge von Sei­ten des Gemcinderaths auch noch in ehrende Erwâh. Niing bringen, daß mehrere Jungfrauen aus der Stadt mit freudiger Bereitwilligkeit den Aufseher des Hospi­tals sowohl bei der Bereitung der Suppe, als auch bei der Speisung der vielen Kinder bestens unterstützen.

Frankfurt 13. Febr. Der kaiserl. russische wirk­liche Gehmmrath Baron v. Brunnow ist heute von London hier angckommen und hat fein Adsteigqparlier im Hotel zum englischen Hof genommen.

Die landgräfliche Familie von H.ssen-PhilippSthal Und Burchseld hat sich, wie bereits erwähnt, mit einer Beschwerde an die Bundesversammlung gewandt Diese Beschwerde ist, wie wir vernehm.«, gegen eine Justiz- Verweigerung von Seite der knihessischen Regierung ge­richtet. Die landgräfliche Familie wünschte nämlich eine sich aus ihre Apanagirung beziehende, zwischen ihr und der kurhessischen Negierung obschwebende Streit- frage von einem Schiedsgerichte zum Austrage gebracht zu sch-n, wie es die Hausgesetze der kn, fürstlich hessischen Familie für solche Fälle vorsehen; von anderer Seite

. weigerte man sich jedoch, auf d«jeu Wunsch einzugehen. Die kurhessische Negierung wurde ersucht, über diese Beschwerde sich ihrerseits zu erklären. Graf von Ouadl-Jsni ist der würtembergische Standesherr, dessen Reklamation wegen verletzter standesherrlicher Rechte in diesen Blättern erwähnt wurde. .

Darmstadt, 11. Febr. Nach soeben hier eiuge- troffenen Nachrichten wird der seitherige russische Ge­sandte am Hofe von St James, Baron v. Bru n n ow, in diesen Tag'« mit seiner Familie, seiner Kanzlei und seinen drei Secretären (v. Berg und die Grafen v. Wielborski und Bluboff) hier eiNtreffen und im Gasthof zur Traube eine Wohnung beziehen. Baron v. Brun- now verließ am 8 Februar 3 Uhr Nachmittags das russische Gesandlschaftsboftel CbeSbamhouse, und nahm seinen Weg über Dover nach dem Conlinent. Seine Gemahlin und seine Familie folgt ihm. Wie bemerkt wird, werden noch viele j tzt in England lebende Rnsien vor läufig ihren Aufenthalt in unserer Stadt nehmen.

Aus der Pfalz, 10. Februar. (Pf. 3 ) In Neustadt hat sich ein Zweigverein des St. Johannis- verpins gebildet. Von dem großb. Stadtamt in Mannheim wurde die Unterdrückung von Nr. 21 der Pfälzer Zeitung ausgesprochen.

München, 8. Febr. (A. A. Z.) In Straßburg wird eine baieriiche Telegraphen-SWion errichtet, die in kürzester Zeit in Thätigkeit treten wird; das Personal für diese Station ist bereits von hier nach Straßburg abgegaiigen.

München, 11. Febr. (F. P. Z ) Nachrichten aus Wien zufolge stânde die Abreise Sr. M. des Kaisers von O'sterreich nach München, vorausgesetzt, daß keine neue Verzögerung eintritt, zwischen heute und über­morgen und somit die Ankunft Sr. Majestät in unserer Stadt in den ersten Tagen der kommenden Woche zu erwarten. In unseren KreiSamisol ältern wird eben dis allerhöchste Verfügung in Betreff der gewährten Theurungsznlagen, für welche nach dem mit den Kam­mern jüngst vereinbarten Gesetze 500,000 fl. bestimmt sind, bekannt gegeben, dann ferner eine Ministerialver- fügung, der zufolge die österreichischen Unterthanen, die ein Gewerbe in Bayern auSüben wollen, nach denselben Formen behandelt werden sollen, wie die Angehörigen der ZoUverelnsstaatktt. Der Bischof von RegenSbnrg hat nun ebenfalls öffentliche Gebete angeordnet, um ein baldiges Ende der schweren Verfolgungen, welche viele Katholiken in einem Theile von Deutschland seit länge­rer Zeit um der Gerechtigkeit willen zu erdulden haben, von Gott zu erflehen."

DieKöln. Ztg." setzt ihre angeblichen Enthüllungen über die baierische Particularpolitik foit. Die Mit­theilungen über die Münchener Verabredungen zwischen den österreichischen, sächsischen und bairischen Bevollmächtigten, schreibt man ihr aus München, haben großen Widerspinch von der Seite gefunden, welcher die Geheimhaltung der Angel, genhcit am Herzen liegen ninßte. Die hiesige Diplomatie hat eS an Nachforschun­gen zur Anskläiung der Angelegenheit nicht fehlen lassen, aber auch Antworten erhalten, welche sehr weit vom Ziele abjührten. Münchener Verabredungen haben aller­dings zu keinem festen VertragSverhältnisse geführt; sie betrafen aber eine Erwägung derjenigen Schritte und Maßnahme», welche den deutschen Bund durch eine NentralilätS-Elklärung an Oesterreich, und dadurch an Nußland, zu ketten vermöchten. Preußen hat das Glück gehabt, indem eS seine freie Selbstl'.stimmuiig wahrte, dadiilch fürs Eiste der russischen Politik einen Quer- stuch zu machen. Diese ist übrigens der eigentliche Angelpunkt der hiesigen diplomalischen Bewegung, ob­gleich der russische Gesandte, v. Severin, wenig in den Bordargrund tritt. Er ist der Protector der Herren v. Beust und v. d. Pfordten. Der Letztere war einige Zeit krank, wie man sagt, in Folge des AergerS, wel­chen er empfand, daß der englische Gesandte auf seine Frage, mit welcher Mission der Graf PourtalcS von Preußen nach London beaustragt sei, antwortete:Mit Besprechungen wegen der Münchener Vereinbarungen." Als bei Hose nun die Krankheit des Herrn v. d. Pford- tcn bei Gelegenheit einer HoivvisleUuug znr Sprache kam und unser König zu Herrn V. Severin bemerkte, daß ihm die Kraufheit des PremierminlsterS leid sei, fuhr der russische Diplomat fort:Ja, und eines Man­nes , welcher unter den jetzigen Umständen unersetzlich ist." Daß v. b. Pfordten N itürlich der eifrigste Ver­theidiger der russische,, Politik ist, beweist schon die Be­lohnung dieses Verdienstes mit dem russischen NewSki- Orden. Außerdtiii sollen allerlei Zusagen, wegen E r- Weiterung des griechischen KönigreicheS

gemacht, und die Möglichleit einer Verbindung der baierischen Pfalz mit dem Hauptlande in Aussicht gestellt sein. Die Sendung des Grafen Orloff nach Wien steht mit dieser Münchener Verabredung in so. fern in Verbindung, als der von ihm über* brachte und dem Wiener Cabinet vorgelegte Nentrali- tätSvertrag auf den Grundlagen der Münchener Verab- rednngen ruht. Daß Rußland in der That Territorial- Veränderungen im Auge hat und die deutschen Mittel- staaten damit vielleicht zu bedenken geneigt wäre, beweist die Bestimmung des ReutralitätsentwurfS, daßetwaige Territorialveränderungen der Zustimmung der deutschen Mächte vorgelegt werden sollen," das heißt wohl, auch znr Ausführung kommen, falls diese die Zustimmung veiweigerten. Die Zeitungen berichten, Oesterreich habe dem vorgelegten Vertrage seine Zustimmung nicht er­theilt uud auch Preußen zur Ablehnung desselben be< stimnt. Ich kann versichern, daß im Gegentheil schon vor mehreren Wochen die Nachricht hier eintraf, Preu­ßen sei auf den vom Baron Budberg ihm vertraulich mitgetheillen Vorschlag nicht eingegangen, und daß da­durch keine geringe Mißstimmung unter den Freunden der russischen Politik hervorgerufen wurde. Daß die österreichische Diplomatie bis zum letzten Augenblicke in der Pr.sse und in Flugschriften den Anschluß Preußens an die beim Bunde vorbereitete Neutralitätserklärung im russischen Sinne auSpreisen und empfehlen ließ, ist den deutschen Zeitungslesern gewiß nicht entgangen. Von Hrn. v. Beust circulirt hier eine Denkschrift über die orientalische Frage, welche er zur Kenntniß der deut­schen Höfe, namentlich deS hiesigen CabiuetS, kommen ließ. Der darin niedergelegten Ansichten dürfte sich ein russischer Staatsmann nicht schämen, und feitbJm der­selbe Herr in höheren Kreisen die Erklärung abgegeben hat, er begreife gar nichts wie christliche Mächte ein Bündniß mit den charbarifchen und uncultivirten Os- manen eingeben könnten, hat er daS Lob der russischen Diplomatie im vollsten Maße eingeerntet. Er sei, be* bauptete ein hiesiger Vertheidiger derselben, der einzige deutsche Staatsmann, welcher die hohen und erhabenen Ideen des Czaren zu würdigen wisse."

Weimar, 7. Febr. Die officieUe Weimar. Zeitung versichert, daß die Anwesenheit des Herrn Jordan in der hiesigen Residenznicht die entfernteste Beziehung zur Politik gehabt hat." Auch widerspricht dieses Blatt der Nachricht einiger Zeltungen, nach welcher sich die thüringischen Regierungen bei der Erwerbung des Jahde- busens betbeiligk haben sollen.

Hamburg, 10. Febr. Das hiesige Localblatt Der Freischütz", daS erst kürzlich in Mecklenburg ver­boten worden ist, ist nunmehr auch in Kurheffen ver­boten worden. Man vermuthet wegen der kleinen Zei- tung, die von Adolph GlaSbrenner ge chrieben wird. Am 23. d. M. haben wir wieder Bürgerschaft, in der nun sicherlich unsere Verfassungsangelegenheit Seitens des Senats zur Sprache gebracht werden soll.

Königsberg, 10. Febr. (K. 3 ) Der englische Gesandte in Petersburg, Sir H. Seymour, ist adbe- rufen ; derselbe wird in den näs sten Tagen unsere Stadt passiren; eine gestern hier «»getroffene amtliche De­pesche aus Berlin weisst das Provincial-Steuer.Direc- torat an, das betreffende GränzzoUamt dahin zu in» struiren, daß die Effecten des Gesandten, so wie des Gesaiidlschüstspersoiials ohne Revision auf das dieffeilige Gebiet zuzulassen seien.

Berlin, 12. Febr. Hr. v. Raumer hat den preuß. Lehrern die Betheiligung an den sogenannten allgemeincu deutschen L e b r e r v e r s a m m l u ngen unlei sagt. Es heißt in dem betreffenden Rescript: Auf früheren derartigen Versammlungen und namentlich auf der letzten, die im vougeu Jahre abgehalten worden, hat sich in Besprechung pädagogischer Fragen und in der Auffassung deS LehrerberuseS eine verderbliche Rich­tung küudgegebeii, welche dem Gedeihen der Schule auf das Bestimmteste widerstreitet. Je erfreulicher e« ist, daß in richtiger Würdigung jener Vnsammlungen Mitglieder des preußischen Lebrerstandes sich sch 'N bis­her nur in sehr vereinzelten Ausnahmen an ihnen be- tbeili.it haben, um so mehr ist es nothwendig, daß, nachdem in der Person der Wortführer und in der Auffassung des Gegenstandes der Charakter der Ver­sammlungen noch klarer hervorgetreten ist, der preußische Lehre,stand sich gänzlich von ihnen fern hält und somit Zeugniß von der ihm inwohnenden ernsten und gefunden Richtung ablegt.

DaSCorrrspondenz - Bureau" schreibt: Man ist nach von Wien gekommenen Mittheilungen in gut un­terrichteten Kreisen der Ansicht, daß der österreichische