Auf den Wunsch, eine Sta hl schleiferxi zu errich- ten, konnte man nicht einten, da zur Begründung des Unternehmens ein Capital von 5—6000 ff. nöthig gewesen. Die Gesammtausgaben belaufen sich auf 1468 ff. 13 fr. Das Comite bester jetzt noch ein Activum von 268 fl. 28 fr. zum 'größten Theil in abgelieferte» 91 r= leiten. Es hat beschlossen, diesen Saldo sobald als möglich zur Anschaffung von Lebensmitteln zu verwenden. Es ist bereits Ein-leitnng getroffen, daß für 150 ff. Kartoffeln in den fünf Ortschaften vertheilt werden. Das Comite wird seine Wirksamkeit hiermit abschließen. „Wir haben," beißt eS im Bericht, „manche bittere Er- fabrung gemacht, wir haben nicht alles erreicht, was wir angestrebt, aber doch kann der Erfolg ein lohnender genannt werden; und es ist die Hoffnung in uns lebendig, daß das angefangene Werk nicht untergehen werde." Möge diese Hoffnung in Erfüllung gehen. An Anregungen, daS Werk der Mildthätigkeit fortzusetzen, fehlt es leider nicht.
):( Aus Nassau, 7. Febr. Auf die erwähnte Adreffe der Pflttrer des DecanateS Rees im Müuster- laud bat der Hochw. Bischof von Limburg unterm 4. d. ein AntwortSschreiben erlassen, worin derselbe seinen Dank für das ihm gewordene Zeichen der Anhänglichkeit und Anerkennung anSspricht.
Vom Mittelrhemkreise, 8. Febr. (F. I.) Bekanntlich mußten die den Rhein befahrenden Schiffe bis 1849 einen Brückenzoll entrichten, der in dem angegebenen Jahre den Segelschiffen erlassen wurde. Wie wir nun hören, beabsichtigen jetzt sämmtliche Regierungen der Uferstaaten, diesen lästigen Zoll auch für die Dampfschiffe falle» zu lassen. Nur Darmstadt hat sich bis jetzt noch nicht willfährig gezeigt, doch hofft man mit aller Bestimmtheit, daß auch dieser Staat ganz in Kürze seine Zustimmung geben werde.
Oppenheim , 7. Febr. Am 28. v. Mts. trafen hier die Jesuitenväter Stlet, Roh und Zweißig ein und begannen TagS darauf ihre Mission unter großem Zu' drang Gläubiger und Neugieriger aller Konfessionen.
* Aus Baden, 6.Febr. Oberamtmann v. Jagemann hat, wie das D. Volksbl. erfährt, aus drei Gründen um seine Entlassung nach gesucht. Einmal, weil er sich nicht dazu verstand, eine Flugschrift, welche die Katholiken gegen den Erzbischof aufhetzt, denselben schmäht und der Irrlehre zeiht, zu vcrthcilen; dann, weil er seine Hand nicht dazu hergeben wollte, Temporaliciisperre zu vollziehen, die von incompetenter Stelle und ungerechtfertigt angeordnet war; nud endlich weil er sich nicht entschließen konnte, den Lector Singer wegen einer Petition zu strafen, deren Inhalt durch und durch loyal ist. Herr v. Jagemann hat den bezeichneten Schritt theils aus religiösen, theils aus politischen Gründen gethan. — Es ist eigen, daß wir in der ganzen Conflictssache, wo es sich um Personen handelt, welche Verfolgung leiden, in der Regel Solchen begegnen, die ihre Treue, ihrer Anhänglichkeit an den Großherzog, ihrer conservaliven Gesinnungen wegen in den Zeiten der Gefahr von der Umsturzpartei und deren Geistesverwandten gleichfalls verfolgt worden sind, und eben so auffallend ist es, daß die heftigsten Gegner der katholischen Bestrebungen — in den Jahren 1848 und 1849 entweder ans dem Kampfplatze gar nicht erschienen sind oder, — wenn es der Fall war, mit den revolutionären Bestrebungen in höheren oder geringerem Grade sympathisirten. — Herr v. Jagemann hatte sich bekanntermaßen in der Revolution und zu der ihr vorangegangenen Zeit stets musterhaft benommen, war persönlich als Amtsvorstand in Kenzingen großen Verfolgungen exponirt und von der provisorischen Regierung feines Amtes entsetzt. — Aus St. Blasien hören wir, daß der dortige provisorische Decan Braun wegen der Predigten über den Kirchenconflict in Untersuchung genommen ist.— Stadtbirector Burger hat als LandtagSabgeordneter einen Urlaub erhalten, um in Freiburg wieder „energisch" vorzufahren. — In Hecklingen ist eine Stiftung der Gräfin Hennin, der Jungfrauenverein aufgelöst worden, wegen-der katholischen Gesinnung. Der Ge- meinderath hat ihnen daS Zeugniß eines musterhaften Benehmens und erfolgreichen Wirkens für Sittlichkeit gegeben. — Von Karlsruhe aus wird der Versuch gemacht, die nichtkirchlich gesinnten katholischen Geistlichen zu sammeln und zu organisiren. Die Badische Landeszeitung, d. h. deren Redacteur, hat ans den geheimen Fonds wegen des besonderen Eifers in der ter tholikenfeindlichen Agitation eine Belohnung von fünfhundert Gulden erhalten. Anderen Redacteuren sind ähnliche Anerkennungen zugedacht. — Im Decanat Stâhlinge» ist der Sohn des Capitelsboten von dem sehr eifrigen Bezirksbeamten zu Neustadt wegen Verbreitung des Hirtenbriefes zu sechs Wochen Kreis gefängnißstrafe verurtheilt worden; ob er diese Strafe oiitreten mußte, wissen wir jedoch nicht; gebunden führte den jungen Menschen ein Gensdarm in den Amtsort. — Das Frankfurter Journal bringt fortwährend Arti- kel, die von der zärtlichen Fürsorge für die katholische Kirche überströmen und namentlich der jüngeren Geistlichkeit zu bedenken geben, wie gefährlich ihr fanatisches Treiben für die Kirche selbst werden könne. „Im Mittelalter, so meint das Löbliche, kam zwar öfter der Fall vor, daß Städte und sogar ganze Gebiete auf längere Zeit mit dem Banne belegt wurden; aber damals gab
es nur eine Kirche, welche unumschränkt gebot, wo jetzt leicht die Schwssterkirchen die Ausgestoßenen aufnehmen könnten." — Die Schwesterkirchen, meint das „Mainzer Journal" solle» nur zugreifen, wir beneiden sie nicht um solche Errungenschaften ! — Das „Frankf. Journal" bespricht nun auch die Flugschrift des Herrn Domdecan Dr. Hchrjchev „Zur OrieutiOtng â ifeji derzeitigen Kirchenstreik". Dieses Blatt fällt über diese verdienstvolle Schrift folgendes bezeichnendes Urtheil: Die Regierungen werden in dieser Schrift weder einen aufrichtigen Freund, noch einen gefährlichen Feind erkennen; eS werden sie Viele in die Hand nehmen, gelockt durch den Titel' und den Namen des Verfassers; allein Wenige werden sie aus der Hand lege» mit dem Gefühl, daß sie ihrem Titel und dem Rufe des Verfassers ent« spricht. Sie werden letzterem gern zugebcu, daß die Kirche, die er im Sinn hat, leicht mit dem Staate sich vertragen könnte, allein so lange die reale Kirche, seiner idealen gegenüber, sich so spröde verhält, daß sic selbst so unschuldige reformatorische Anläufe, wie die Hirschcr'schen, nicht duldet und nicht verträgt, so lange hat der Staat auch nicht zu erwarten, daß es ihr mehr um das Reich Gottes, als um irdische Macht- und Herrschergelüste zu thun sei. — Eine weitere kennzeichn nende Aeußerung bringt das löbliche „Franks. Journal" in folgendem Artikel Nus' Colmar, 7. Febr.: „Der Kirchenconflict in dem benachbarten Baden verdoppelt hier zu Laude die Anstrengungen der geistlichen Orden und der Führer der ultramontanen Partei, welche häufiger wie je Ausflüge auf das deutsche Gebiet machen. Die vielen Kirchendiebstähle, welche durch den ganzen Elsaß in jüngster Zeit stattgefunden und welche jetzt auch im Badischen begonnen haben, mögen darthun, daß man äußerlich leicht einen Firniß der Religiösität erzwingen kann, daß aber wahrer religiöser Geist nur durch Rückkehr zur geistigen Freiheit sich erringen läßt." Uns will es bedünken, daß die Elsässer Diebe so tapfer darauf losgehen, weil sie eben mit vollen Segel» auf die „geistige Freiheit" des Frankfurter Journals los- steuern, die allerdings eine andere ist, als jene, weiche die sogenannte ultramontane Partei anstrebt.
Darmstadt, 9. Febr. (F. I.) Die Bank für Handel und Industrie dahier hat bekanntlich eine Com- mandite in New-Mork gegründet, welche ihr Geschäft am 1. Januar 1854 eröffnete. Das Directorium und der Verwaltungsrath der Bank, welche am 6. d. M. in Darmstadt zu einer Generalversammlung zusammentraten, auf welcher man sich ausschließlich mit inneren Berwal- tungSangclegenheiten beschäftigte, nahmen die Berichte der'Leiter der americanischen Commandite über die ersten Erfolge des Instituts entgegen. Nach denselben war die Aufnahme, welche die Eröffnung der Commandite in New-York fand, eine höchst günstige. Ihre Devisen wurden aljobald zu den beliebtesten und gesuchtesten, und man darf ihr eine schöne dauernde Zukunft versprechen.
Gießen, 9 Febr. Gestern ist über die wegen der Mordgeschichte in der Slockmühle bei Eichelsdorf (unsern Nidda) Angeklagten von den Assisen das Urtheil gefällt worden. L- Emmcl würbe zum Tode, Appel zu 5 Jahre Zuchthaus verurtheilt.
Würzburg, 9. Febr. Der „Allg. Ztg." wird auö München vom 6. Febr. geschrieben: Zu Anfang des Sommers, und wahr,cheinlich noch vor Beginn der Industrie-Ausstellung, wird die Bahnstrecke von Schweinfurt bis Würzburg in Betrieb gesetzt werden können, da die Arbeiten daselbst schon sehr weit gediehen sind.
Köln, 6. Febr. Hr. v. K i s s e l e f f, der bisherige russische Gesandte in Frankreich, ist diesen Abend um 5 Uhr hier eingetroffen und hat nach kurzem Aufenthalt im Hotel Bellevue zu Drutz um 8 Uhr seine Reise auf der Mindener Bahn fortgesetzt.
Magdeburg, 8. Febr. Es ist nun im Werke, anstatt des früheren, auch von dem Herrn Handels- minister o. d. Heydt begünstigten ProjecteS, einen Cen- tralbahnhos als Vereinigungspunkt aller hier mündenden Eisenbahnen außerhalb der Stadt und unweit des nahen Dorfes Bukau auzulegen, innerhalb der Stadt das nöthige Terrain zur Anlegung eines solchen Ccu- tralbahnhoses zu acquirirev, was freilich sehr bedeutenden Kostenaufwand verursachen wird, da viele Häuser niedergerissen werden müssen, und eine große Elbbrücke, die sogenannte Strombrücke, verlegt und, wie man sagt, durch eine breite, eiserne Brücke über die Elbe ersetzt werden dürfte. Diesem neuen Projekte, durch welches Magdeburgs Eigeuhandcl weniger bedroht wird, soll der Herr Handelsminister bereits feine Zustimmung gegeben haben, so daß die baldige Ausführung wohl zu erwarten steht. Die bei der Sache natürlich sehr interessirten hiesigen Stadtbehörden haben zur Assistenz in der Sache dem'Magistrate eine aus drei sachverständigen Männern bestehende Commission zugeordnet.
Berlin, 9. Febr. Graf Orloff hat gestern Nach-' mittag Miölowitz passirt und ist nach Granicza gereist.
— An die Stelle des ScraSk'.ers Mehemed Ali in Constantinopel ist der frühere Kapudau Pascha, Riza Pascha, getreten, welcher ebenfalls zur Kriegspartci gehört und bei den Truppen sehr beliebt ist. — Lord Napier ist heute hier durchgereist; er hat London am 6. Februar Abends verlassen und überbringt dem Lord Seymour in Petersburg die Abberufungsordre. —
Von dem angeblichen Uebergang Omer Paschas bei Oltenitza und der Durchbrechung des russischen Centrums ist hier bis jetzt nichts bekannt.
Die erste Kammer wird vor ihrer nächsten Sitzung eine geheime Berathung über den Kriegshafenvcrtrag Halten. Die Commission der Kammer hat sich für unveränderte Aiiiiahme deS Vertrages auSgMyochen.
Wie dem F. I. berichtet wird, ginge die preußische Regierung damit um, eine Lösung der Wirren in der oberrheinischen Kirchenprovinz dadurch zu er- leichtern, daß sie die sämmtlichen protestantischen Regierungen, in deren Gebieten sich eine katholische Bevölkerung befindet, Milade» will, den katholischen Bischöfen diejenigen Rechte einzuräumen, welche Preußen den sei- nigen in Folge der Verfaffungsbestimmung, die den Re, ligionsgesellschaften die selbstständige Ordnung und Verwaltung ihrer Angelegenheiten zusichert, eingeräumt und durch welche die meisten Ansprüche des oberrheinischen EpiScopats befriedigt würden. Auf diese Weise würde unsere Regierung wie auf anderen Gebieten, so auch aus kirchlichem, sich daS Verdienst erwerben, einer Einheit in den verschiedenen deutschen Staaten augebahnt zu haben. (Das Frankfurter Journal glaubt allen Grund zu haben, die vorliegende Mittheilung, aus so guter Quelle sie auch kommen mag, für unrichtig zu halten; auch stehe sic mit der, so weit sie bis jetzt vorliegt, freilich noch unklaren Nachricht im Widerspruch, daß die Begründung einer „Solidarität protestantischer Regierungen gegenüber der römischen Kirche" im Werke sei, einer Nachricht, welche die „Hamb. Nachrichten" von unterrichteter Seite erhalten zu haben behaupten und mit der sie eine Reise des Hrn. v. Bismark nach Karlsruhe in Verbindung bringen.)
* Das „Preußische Wochenbl." brachte kürzlich einen Artikel unter der Ueherschrist: „Ist Oesterreich ein starker Staat?" Wir erwähnen diesen Artikel lediglich als einen Auswuchs der preußischen Journalistik, der um so mehr verwerflich ist, als jedes Kind cinsieht, daß es bei der gegenwärtige» politischen Weltlage nahezu an Hochverrath gränzt , Unfriede zwischen Preußen und Oe- sterreich säen zu wollen. Als im Jahre 1813 cs von Oesterreich abhing, sein mächtiges Schwert in die Wag- schale der Entscheidung zu legen, da warf Niemand in Preußen d i e Frage auf, welche das „Preußische Wochenblatt" jetzt aufwirft, und in der verletzendsten Art beantwortet, jetzt, wo Dcuscblaud die Einigkeit seiner beiden Großmächte so dringend wie kaum je seit seiner großen Heldenzeit bedarf. Zu welcher Verblendung wird doch eine gewisse Cottcrie in Berlin durch ihren politischen Haß gegen Oesterreich verleitet! Das „Preußische politische Wochenblatt" stellt die erwähnte Frage, weil der Augenblick nahe rückt, wo neben dem Recht auch die Chancen des Erfolgs erwogen werden müssen, welche ein Staat läuft, der in dem bevorstehenden Kampf seine Stellung wählen muß. Der Zweck, sagt ein Artikel der „A. A. 3 " vom Rhein, ist unverkennbar dem preußi- I schen Cabinet einen Rath zu ertheilen wie es seine Allianzen wählen soll, und dem deutschen Volk einen Fingerzeig zu geben, wohin es seine Hoffnungen zu richten ■ hat. Das politische Wochenblatt ist seiner alten Tendenz nicht untreu geworden, welche dahin geht, Oesterreich zu verdächtigen, ihm das Vertrauen und die Sympathien in Deutschland zu rauben, und die oft versuchte und zuletzt 1850 verunglückte preußische Hegemonie aus den getrübten Fluthen endlich herauszufischen. Es hätte darum auch der vielen Worte nicht bedurft: das politische Wochenblatt hat den Beweis, daß Oesterreich ein schwacher Staat sei schon oft geführt, und sich stets derselben Mittel bedient. Die zerrütteten Finanzen, die feindseligen Nationalitäten, die kaum niedergeworsene Revolution! Dagegen kommt nicht in Anschlag, daß die - Quelle der Verlegenheiten durch Herstellung eines allgemeinen Filianzsystems und durch mögliche Heerreduc- tioneu verstopft wird, nicht die redliche Anstrengung der Regierung den Gläubigern des Staats gerecht zu werden , nicht die offenkundige Entfaltung des Wohlstandes und das Anwachsen der Einnahmen des Staats. Es kommt nicht in Anschlag, daß der Stand der freien bäuerlichen Grnndbesitzer in der Lombardei auch in den Zeiten des Dranges unverkennbare Anhänglichkeit an die Regierung bewiesen hat, daß die Revolution in Italien von dem Heer des Königs von Sardinien geführt, von den Paladinen des Umsturzes in ganz Europa gefördert, in dem Sturm, der die halbe Welt in seine Wirbel riß, von der siegreichen kaiserlichen Armee zu Boden geschlagen ward; eS kommt nicht in Anschlag, was zur Stunde niemand ein Geheimniß ist, daß, um die ungarische Armee zum Widerstand und zu Siegen hinzureißen, der Name des angestammten Königs gebraucht und mißbraucht werden mußte, und daß, sobald der Zauber dieses Namens sie nicht mehr in die Schlachten führte, die Enttäuschung, die Neue und der Abfall in ihre Reihen kam, Der für Oesterreich's Sache auftretende Cörrespondent sieht sich genöthigt, durch die Insinuationen des Preußischen Wochenblattes veranlaßt, aus manche Begebenheit, auf verschiedene Ereignisse znrückzukommcn, auf welche das „Pr. Wochenbl." in seinem Eifer vergessen hatte, und namentlich auf Preußens Politik von 1795 bis 1806 hknzudcuten, welche mit der dem preußisch"' Staat vom „Pr. Wochenbl." empfohlenen am meisten Aehnlichkeit habe. Dieselben Grundsätze, bemerkt der
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