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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TW S« Samstaz dm 11. Februar 1SS4.

DitNassauisch» Allgemkink Zrltiink" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TariS'fchen Verwaltungsbezirk« mit Inbegriff des PostausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für da« Ausland 2 ff. 24 fr. Inserate werden die vierspaltige Petitjeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwârtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Zur orientalischen Frage.

* Dcr Moniteur vom 9. bringt wieder zwölf diploma­tische Korrespondenzen über die orientalische Frage, Nr. 7 bis Nr. 18. In Nr. 7, der Minister des Aeußern tu, den Baron v. Bourqueney, Gesandten zu Wien, zeigt sich Hr. Drouyn de l'Huys sehr befriedigt von der demselben gewordenen Aufnahme beim Kaiser von Oesterreich und den Erklärungen des Grafen V. Buol. Alles müsse zu fünfen abgemacht werden hatte dieser geäugelt und es stehe weder einem noch zwei Kabinetten zu, Interessen, die ganz Europa be­rühren könnten, vereinzelt und für sich allein zu ordnen." Diese Depesche ist vom 12. April 1853. Am 20. Mai (Nr. 8) schreibe derselbe an denselben, um auf die unerklärlichen Widersprüche zwischen den mehrfach wieder- holten Erklärungen des Grafen v. Nesselrode, daß in Konstantinopel alles geordnet sei und der Fürst Menczikoff zurückkehren werde, und dem auf einmal von diesem gestellten Ultimatum so wie den Kriegsanstalten in den Fürstenthümern aufmerksam zu machen. In Nr. 9, Hr. Drouyn de l'Huys an den Grafem Malewski, hebt der französische Minister, wie er von vornherein gethan, die ungemein europäische Natur der orientalischen Frage hervor und will deßhalb auch nicht auf einen von Lord Clarendon gemachten Vorschlag zu einem diplomatischen Schritt in St. Petersburg seitens Englands und Frank­reichs allein eingehen, sondern besteht auf der Mitwir­kung Oesterreichs und Preußens, dringt jedoch in Be­zug auf Maßregeln stets, auf Verabredung mit England. Nr. 10, Hr. Drouyn de l'Huys an Hrn. v. Lacour, datirt vom 3. Juni, bezeichnet den Augenblick, wo in Folge der Billigung des Verfahrens des Fürsten Menczi­koff durchs St. Petersburger Cabinet und der angeord- neten Truppenbewegungen England und Frankreich den Entschluß kundgebeu, der Türkei ihren Schutz zu verleihen und nötigenfalls Pfand für Pfand zu nehmen. Nr. 11, Hr. Drouyn de l'Huys an den Grafen Malewski, faßt wieder hauptsächlich das Einvernehmen mit Eng­land zur Aufrechthaltung des osmanisches Reichs, also zu einem Zweck, der keine andere Macht beunruhigen könne, ins Auge. In Nr. 12, derselbe an Hrn. von Bourqueney, dringt der französische Minister auf die Mitwirkung Oesterreichs, die er als eine aus dem Ver­trag von 1841 entspringende Pflicht bezeichnet, und zwar nicht nur im Interesse des europäischen Gleich­gewichts , sondern auch in dem der Ordnung, die er durch einen Zwiespalt zwischen den Mächten als ernst­lich bedroht hinstellt. Nr. 13, derselbe an den Grafen Malewski, zeigt, daß die russische Regierung sich drin­gend und auf vertrauliche Weise an Frankreich gewen­det hat, um durch dessen Einfluß deu Sultan zur An­nahme des Menczikoff'schen Ultimatums zu bewegen, worauf aber Hr. Drouyn de lHuys auf Befehl des Kaisers mit dem Vorschlag einer europäischen Conferenz antwortet, die über die Tragweite der russischen Forde­rungen entscheiden soll. Aus Nr. 14, au den General v. Castelbajac, datirt: Paris den 15. Juni ist ein in­teressanter Passus über die Politik der deutschen Höfe zu entnehmen. Hr. Drouyn de l'Huys schreibt:Die Mittheilungen , die ich aus Wien und Berlin erhalten habe, gestatten mir nicht anzunehmen, daß Oestreich und Preußen sich beeilt hätten, wie man ihnen gesagt hat, den Anforderungen, zu deren Organ sich der Fürst Menc- zikosf gemacht hat, ihre Zustimmung zu geben. Diese beiden Höfe haben gewiß nicht die Bande 'vergessen, die sie an Rußland knüpfen, aber sie beklagen bitter bic qc» genwärtige Krise und erkennen an, daß sie ihren allei­nigen Ursprung in dcn Zumuthungen des St. Peters­burger Cabincts hat. Beide haben Vorstellungen an es gerichtet und wenn ihre officiclle Haltung noch nicht so entschieden ist, als die Frankreichs und Englands, so ist doch ihre vertrauliche Sprache,. wie ich gewiß weiß, auf dasselbe Ziel gerichtet. Endlich spricht sich die Mei­nung der meisten Höfe zweiten Ranges in Deutschland, die die beiden Großmächte des Bundes in Berücksich­tigung nehmen müssen, mit äußerster Lebhaftigkeit aus. Dieß ist ein sicheres Anzeichen von Gesinnungen, die ernstere Ereignisse noch entwickeln würden. Die Besetzung der Do­naufürstenthümer wird jenseits dcsRhèis lebhafte Sensation erregen und Deutschland hat eine zu große Einsicht in feine Interessen, als daß es die Möglichkeit einer Besitz­nahme der unteren Donau, die es mit Recht als einen feiner Handelswege betrachtet, durch einen großen Staat, dies Debouch« schließen könnte, leicht hinnehmen wute. Alle diese Betrachtungen sind es fügt Herr Darryn de l'Huys hinzu die mich noch I offen daß das St. Petersburger Cabinet sich noch be­

sinnen wird, ehe es die Welt dchch die Explosion einer voreiligen Ambition in Unruhe; bringt, und daß der energische, aber bisher stets ruhige und vorsichtige Geist, der es leitet, von selbst zu einer reiferen Einsicht in den Zustand Europas zurückkehren wird. Weder die Interessen noch die Principien der Regierung Sr. kais. Majestät setzen sie mit Rußland in Antagonismus und nur mit Bedauetn befolgt sie die Richtschnur, die ihre Pflichten und gebieterische Umstände ihr auferlegeu." No. 15, an den General v. Castelbajac gerichtet; und schon einmal vom Moniteur veröffentlicht, diScutirt das erste Rundschreiben des Grafen V. Nesselrode. No. 16 enthält die Geschichte der ersten Wsener Note, im eng» lsichen Parlament als diefranzösische" Note bezeichnet. Herr Drouyn de l'Huys schreibt an den General von Castelbajac am 1. Juli:Der Kaiser hat mir den vertraulichen Rapport, den Sie ihm am 10. Juni direct zugesandt haben, übergeben. Se. kais. Majestät schätzt die Gesinnungen, die der Kaiser Nikolaus ihm hat durch Sie ausdrücken lassen, nach ihrem ganzen Werthe und glaubt sie dadurch zu erwiedern, daß er selbst die Mittel sucht, um zu verhindern, daß die Vorfälle zu Constautinopel die freundschaftlichen und vertrauensvol­len Beziehungen störens, die er zwischen beiden Kro­nen unversehrt zu erhalten strebt. Der Kaiser hat mir daher für Sie den Befehl ertheilt, den Händen deS Kaisers Nicolaus unter Befolgung des von diesem Souverän Ihnen angedeuteten Weges von ihm aus das augeschlossene Project zu übergeben, das von Eng­land gebilligt worden ist." Am 13. Juli (No. 17) dringt der französische Minister in einem Schreiben an den Grafen Malewski auf das Einlaufen der beiden Flotten in die Dardanellen. No. 18, schon veröffent­licht, ist die Antwort auf das zweite Rundschreiben des Grafen v. Nesselrode.

Das Protocoll der am 13. Januar 185 4 z u Wien ab geh alte neu Conferenz lautet wie fo lgt: Gegenwärtig: die Repräsentanten von Oester­reich, Frankreich, Großbritannien und Preußen. Nach­dem die (erwähnten) Gesandtew^sich zur Conferenz ver- sammelten, verlas der Repräsentant Oesterreichs eine Note Reschid Paschas an den Jnternuutins, welche die am 12. December ersterem zugesendete Note beantwor­tet, deren Inhalt mit der von Seite der Gesandten au die Pforte zu gleicher Zeit gemachten Communication übereinstimmte. Da die Antwort Reschid Paschas nur das Resultat eines noch vor Ankunft der Collectivnote vom 5. Jan. erfolgten Schrittes der Gesandten der vier Mächte gewesen, so ersuchte der Repräsentant Oe­sterreichs die Konferenz, mit ihm zur Prüfung jenes Documents zu schreiten, ob dessen Inhalt mit den Pla­nen und ausgesprochenen Absichten des Protocolls vom selben Datum übereinstimme. Nach einer reifen Be­rathung waren die Unterzeichneten einstimmig der Ansicht, daß die Bedingungen, unter welchen die Pforte sich be­reitwillig findet, mit Rußland zur Wiederherstellung des Friedens zu unterhandeln, im vollen Maße mit den Wünschen ihrer Regierungen übercinstimmen und geeig­net sind, dem Petersburger Hofe mitgetheilt zu werden. Immer tiefer von dem ernsten Character der bestehen­den Sachlage und der Nothwendigkeit, ihr ein Ende zu machen, durchdrungen, hegen die Unterzeichneten das Vertrauen, daß Rußland die Wiederaufnahme der Un­terhandlungen auf jener Basts annehmen werde, welche ihrer Meinung nach einen bestimmten Erfolg und beiden kriegführenden Theilen die Gelegenheit ermögliche, auf eine convenable Weise sich zu verständigen, ohne daß Europa länger durch das Kriegsschauspiel in Trauer ver­setzt werde. Die Repräsentanten von England, Frank­reich und Preußen betrauen den Repräsentanten Oester­reichs mit der Sorge, diese in vorliegendes Protokoll cinregistrirte Meinung dem Petersburger Hofe bekannt zu geben. Unterzeichnet: B u ol- Schaue n st ein. Bourqueney. Westmoreland. Arnim.

In dcm Bericht des Grafen v. Westmoreland an den Grafen v. Clarendon, alsogleich nach der entschei­denden Wiener Coiiferenzsitzung vom 13. Januar abgc- sendet, heißt cs über das obenerwähnte Protokoll: Die­ses an Baron Lebzeltern adressirle Aktenstück wird un­versäumt auch dem Grafen Colloredo mitgetheilt wer­den, um es zur Erkenntniß E. E. zu bringen. Unter­dessen halte ich für meine Pflicht zu bemerken, daß es von den Mitgliedern der Conferenz höchlich gebilligt wurde, indem es volle Gerechtigkeit dem lebhaften Wun­sche zuspricht, den die vier Mächte in ihren Bemühun­gen an den Tag gelegt haben, um von der Regierung des Sultans im Hinblick auf die Wiederherstellung des Friedens solche Vorschläge zu erlangen, welche für die

Türkei ebenso ehrenvoll wie für Rußland wären. Die Sprache dieser Depesche bezeugt das freundschaftliche Interesse für den Kaiser Nicolaus, allein sie versäumt nicht, ihm die Erwartung und den lebendigen Wunsch der österreichischen Regierung ersichtlich zu machen, da­mit er im Einklang mit der Achtung für die Erhaltung der Ruhe und der Unabhängigkeit, welche seine Politik bisher auszeichnete, diese Gelegenheit ergreife, um einer Sachlage ein Ende zu machen, die, wenn sie sich ver- längern sollte, eben jene Interessen zumeist bloßstellen würde, deren Bestand er auf eine so erhabene Weise durch seine Zuthat vertheidigen half.

DieN. Pr. Zeitung" bemerkt zur Situation: Jeder Zweifel über die Tragweite des Schrittes, die englisch-französische Flotte in das schwarze Meer zu sen­den, ist nunmehr beseitigt. Amtliche Erklärungen be­sagen , daß dieselbe allen Angriffen der russischen See­macht auf Küstenplätzen des türkischen Gebiets entgegen treten soll. Vorläufig sehen wir von den Verhältnissen ab, welche dadurch zwischen den Cabineten von St. Petersburg, London und Paris herbeigeführt werden müssen, um bloß die Einwirkung jenes Schrittes auf den Landkrieg zu erwägen. Sie erscheint bedeutend ge­nug. Sobald die russische Flotte verhindert ist, einige Puncte an der Westküste des schwarzen Meeres zu ge­winnen wie im Jahre 1829, wird die Verpflegung des Heeres dergestalt schwierig, daß ein weites Vordrin­gen desselben sich als kaum möglich darstellt. Allerdings kommt dabei die Vorfrage in 'Betracht, ob Kaiser Ni kolaus jene Drohung schweigend berücksichtigen oder es darauf ankommeu lassen werde, was seine Flotte zu lei­sten vermag. Ueberzeugt, daß die russische Armee, im Verhältniß von 1 gegen 2, sich füglich mit der türki­schen messen kann, tragen wir doch kein Bedenken, hin­sichtlich des britisch-französischen Geschwaders das Gleiche zu behaupten. Wenn nun entscheidendes Vorrücken ge­gen Adrianopel nicht recht denkbar, was können die Russen sonst unternehmen? Zwischen Sistova und Ras- sova die Donau in möglichst großer Stärke überschreiten und das türkische Heer aufsuchen. Dieses, durch die bisherigen Ereignisse übermüthig gemacht, läßt sich ge- wiß auf eine allgemeine Schlacht ein und verliert sie höchst wahrscheinlich. Damit wäre der Augenblick zum Anknüpfen von Unterhandlungen gekommen, den bei­den Seemächten erwünschter, als man gewöhnlich glaubt. Aber Calafat! Unsere früher geäußerte Ansicht über diesen Punct hat sich so wenig geändert, daß wir die Verwendung beträchtlicher Truppenmassen dagegen nicht billigen und den Angriff noch weniger billigen könnten. Werden die Türken von dort, sogar aus Widdin ver­trieben, so erscheint doch großer Verlust für die Sieger gewiß und wesentlicher Vortheil für ihre weitere Ope­rationen mehr als zweifelhaft. Ein mäßiges Beobach­tungscorps in guter Deckung hinter dem Schyl und angewiesen, nöthigen Falles bis hinter die Aluta zu weichen, dürfte genügt haben. Dabei ist an den trivia­len Satz zu erinnern, daß Alles, was in und gegen Calafat steht, nicht jenseit der Donau fechten kann, Sollten endlich die Türken selbst diesen Strom über­schreiten, um eine Schlacht zu suchen, so wäre das der größte Glücksfall, dessen sich Fürst Gortschakoff er­freuen könnte.

Deutschland.

* Vom Taunus, 8. Febr. Das zur Linderung der Noth in den Dörfern am Feldberg bestehende Un- ;erstütznngscomite zu Frakfurt Hat.seinen Jahresbericht erstattet. Nach dem, was dieser Bericht über die Ver­suche, neue Industriezweige in den Feldbergsorten ein. zuführen, enthält, scheint vorzüglich die Häkelei und die Filetstickerei Aussicht auf größere Ausbildung in dortiger Gegend zu haben. Eine geschickte Lehrerin gab in Niederreiffenberg Unterricht im Filetstricken. Als Arbeiten wurden geliefert sogenannte Schoner für Sofa und Sessel, Vorhänge, Tischdecken in Baumwolle und in Leinengarn, dann Handschuhe und Netze in Seidel Die Absicht, einen Vorrath der sehr gut ausgefallenen Arbeiten nach New-Uork zur Industrieausstellung zu senden unterblieb, weil der größte Theil des geringen Geschäftscapitals auf diese Weise unthätig geblieben wäre. Die Waare mußte möglichst bald verkauft wer­den und es haben sich in dieser Beziehung neue Absatz- wege ergeben. Die Strohflechterei hatte eben so, wie der Versuch, Holzschnitzerei und Holzsculp- tur arbeit anzubahueu, einen geringen Erfolg. Die Unterstützung, welche der Weberei wurde, konnte nur wenige Familien betreffen; sie umfaßte zum Theil eine Verbesserung der in dortiger Gegend arbeitenden Webstühle.