Nassauische Allgemeine Zeitung. ==------ — —' c ^-^
^ SS Dienstag den 7. Februar 1834.
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Jur orientalischen Frage.
Das „Blaubuch", welches wie gestern erwähnt, die l'rit. Regierung am 2. d. im Parlament vertheileii ließ, besteht aus zwei Theilen ; der erste zählt 400, der zweite 378 Seiten. Den Anfang macht eine Depesche vom 20. Mai 1850, die Scblußdcpesche ist vom 24. Jan. 1854 datirt. Trotz dieses großen Umfange wird man fühlbre Lücken gewähren, und es scheint uns, daß sehr viele überflüssische Wiederholungen, dagegen ihre wenige russische Noten von Wichtigkeit mitgetheilt sind. Diese Depesche Lord Clarcndon's an Sir H. Seymour ist vom 27. Dec. 1853 und enthält folgende Stelle, die uns von unmittelbarem Interesse scheint: „Die vereinigten Flotten wurden nach Constantinopel beordert, nicht um Rußland anzngreifen, sondern um die Türkei zu vertheidigen. Die Admirale und Gesandten erhielten dem entsprechende Weisungen, und am 27. Oct. unterrichteten Sie den Grafen Nesselrode von der Natur dieser Weisungen. Die britische Negierung hoffte, daß diese in keinem unfreundlichen Ton gemachte Mittheilung hinreichen würde, um einen Angriff auf einen türkischen Hafen, welcher türkisches Gebiet ist, zu verhindern. . . Gerne hätte die britische Regierung die vereinigten Flöt- teil während der Dauer der Unterhandlungen im Bosporus vor Anker liegen lassen. Allein dies ist durch den Angriff auf das türkische Geschwader bei Sinope unmöglich geworden. Die der Pforte längst angekündigten Absichten der englischen und der französischen Regierung müssen fest und getreulich ausgeführt werden. Zu diesem Zwecke obgleich aus keiner feindlichen Absicht gegen Rußland, ist cs unumgänglich, daß die Flotten die Herrschaft im schwarzen Meere übernehmen, und die dieser Nothwendigkeit entsprechenden Weisungen sind an die Gesandten und Admirale Englands und Frankreichs gerichtet worden. Jitdcm Sie dem Grafen Nes- selrode die Absendung solcher Weisungen anzeigen, werden Sie Sich nach der Sprache dieser Depesche richten und Sr. Exc. melden, daß die Flotten, zur Verhinderung von Unglücksfällcn wie das bei Sinope, russische Kriegsschiffe auffordern uüd uöthigcufalls zwingen werden, nach Sebastopol oder dem nächsten Hafen zurück- znkehren, und câ ist unsere Ansicht, daß die türkische Flotte keine AngriffSoperalivnen unternehmen soll, so lange die Dinge stehen wie jetzt. Ich bin rc. Clarendon." — Die französische Notifikation scheint in etwas stärkerem Ton abgefaßt gewesen zu sein; denn Sir G. H. Seymour schreibt aus Petersburg vom 11. Jan. an den Earl. v. Clarendon: „Gestern früh kam Graf de Reizet mit den seit sechs Tagen sehnlichst erwarteten Weisungen für den General Castelbajac an. Im Laufe des Morgens besuchte ich den General, der so gütig war, mir die beiden Depeschen, die er erhalten hatte, nebst einer Abschrift der dem Admiral Hamelin ertheilten Weisungen zu zeigen. . . . Der einzige Unterschied, den ich zwischcwdcr ihm und der mir zugekommencn Depesche bemerken konnte, ist der, daß der französische Gesandte ersucht wird, sich mit seinem englischen College« in Einvernehmen zu setzen, bevor er dem Grafen Ncs- sclrode den Inhalt der an die vereinigten Flotten ergangenen Weffungen mittheilt; daß er ermächtigt ist, entweder die Depesche Sr. Exc. vorzulegen, oder ihm ihren Inhalt mündlich mitzutheilen, und daß sich in der französischen Depesche keine Bemerkung befindet, wie die Schlußbemerkung von Ihrer Lordschaft Depesche: . . . „„Es ist unsere Ansicht, daß die türkische Flotte keine Angriffsoperation unternehmen soll, so lange die Dinge stehen wie jetzt."" Da Ihre Lordschast mich nicht ermächtigt hat, Ihre Depesche dem Canzler vorzulesen, so hat sich General Castelbajac entschlossen, ebenfalls nur den Inhalt seiner Weisungen Sr. Exc. mündlich mitzutheilen, und damit dies in getreuer Uebereinstimmung geschehe, haben wir uns die Punkte' bezeichnet, auf welche besonderer Nachdruck zu legen ist.
Von Interesse ist ferner der Bericht, den der englische Gesandte Sir G. H. Seymour an Clarendon erstattet hat, über die Unterredung mit Nesselrode , in welcher er diesem daâ Einlaufen der Flotten ins schwarze Meer notificirt. Seymour schreibt aus Petersburg 13. Januar wie folgt: „Ich habe gestern ein Billet des StaatskanzlerS, den ich krank wußte, erhalten, in welchem er mir anzeigt, daß er mich um 127, Uhr empfangen wolle. Ich traf Se. Excellenz noch unwohl, sehr schwach, und unfähig sich zu bewegen. Ich drückte mein Bedauern aus, ihm eine peinliche Mittheilung machen zu müssen, indem ich indessen hmznfügte, daß der Eindruck, deu die Nachricht des Unfalls von Si- Ävpe, wie mir schien, in England habe hervorbringen
müssen, Se. Excellenz ans das vorbcrW« mußte, was ich ihm mitzutheilen hätte. Die Flotti Ihrer Majestät, sagte ich, ist nach Konstantinopel gescUckr worden, nicht in der Absicht, Rußland anzugrejfeu Maher positiv zu dem Zwech die Türkei zu schützen. Die Regierung-Ihrer Majestät würde sehr glücklich gewesen sein, sich nicht in die Nothwendigkeit dieser Seebewegung versetzt zu sehen und dieselbe wäre ohne jene Katastrophe wahrscheinlich überflüssig geblieben, Die Ansicht, welche ich Sr. Excellenz am 27. Öctobcr mitgetheilt, sollte, wie ich hoffte, den Eindruck helvorbringen, einen Angriff auf die türkische Küste zu verhüten. Diese Hoffnung ward getäuscht. Ein Angriff wurde auf ein türkisches Geschwader gemacht, das friedlich in einem türkischen Hafen vor Anker laß und ein schreckliches Blutbad ist daraus erfolgt. Hier ging ich auf einige Details der Schrecknisse von Sinope ein und sprach von dem Eindruck, welchen dieser Unglücksfall auf die öffentliche Meinung in England machen mußte. Er hatte, sagte ich, die Regierung Ihrer Majestät zu der fleberzeugung gebracht, daß energischere Maßregeln nothwendig seien. Man hatte der versöhnlichen Stimmung der Regierung Ihrer Majestät nicht genug Rechnung getragen, so wenig wie den Rathschlägen, hiermit freundlicher Absicht gegeben worden sind und es sei;beschlossen worden, Maßregeln zu ergreifen, welche geeignet seien, die Wiederkehr ähnlicher Scenen, wie die von Sinope, zu verhüten. Die Schiffe Ihrer Majestät und die des Kaisers der Franzosen (denn es bestcht-volle Uebereinstimmung in den Befehlen, welche den beiden Flotten geschickt sind, wie in den Ansichten, die jene bittet haben) werden, sagte ich, ins schwarze Meer einlaufen, um jedes russische Schiff, dem sie begegnen werden, a n zuhalten in einen russischen Hafen zurückzukehre». Es ist mir peinlich, fügte ich hinzu, so sprechen zu müj- sen, Herr Graf, aber, wenn dieser Aufforderung nicht gehorcht wird, so wird man Gewalt gebrauchen. — Auf der anderen Seite sollen türkische Schiffe gehindert werden, auf den Küsten Rußlands^« larcheu, weil chie Regierung Ihrer Majestät, immer. noè- eine friedliche Ausgleichung der Differenz anstrebt. „Sind sie sicher, fragte der Graf Nesselrode, daß diese Absicht in Ihren Instructionen ausgebrückt ist?" „Ich bin dessen vollkommen gewiß, sonst würde ich cs gewiß nicht sagen. Ich liebe die Wahrheit Herr Graf und würde glauben, an der Regierung Ihrer Majestät zu verfehlen, wenn ich irgend einen Theil der Mitthcilnng verbergen oder eine andere Färbung zu geben versuchen wollte, als ich beauftragt bin. Zum Beweis dafür sage ich Ihnen, daß meine Instructionen sich viel mehr auf die Zw a n g s m aß r e gc l n beziehen, die gegen die russischen Schiffe a u g e w e n d c t werden sollen, als auf die, welche gegen die türkischen Schiffe angewendet werden sollen. Mit einem Wort, England hat der türkischen Regierung seinen Beistand und seinen Schutz versprochen, und eö wird seine Verpflichtn ngen treu halten. Seine Schiffe werden ins schwarze Meer laufen, um das ottomanische Gebiet und die ottvmani-
sche Flagge zu beschützen."
Nesselrode gab auf diese
unzweideutige Erklärung nur die Antwort: „daß es seine Pflicht sei, so schnell als möglich die Worte des englischen Gesandten zur Kenntniß M Kaisers zu bringen und dessen Befehle in dieser Hinsicht in Empfang zu nehmen."
Die Mission des Grafen Orloff, schreibt man der A. A. Z., beschäftigt alle Welt. Man wünscht und hofft mit Zuversicht, daß Oesterreich von seinem Grundsatz strenger Neutralität nicht abweichen, und sich weder von Rußland, noch von England u-ndFrankreich in ihre verderblichen Bahnen verlocken lassen werde. England und Rußland kämpft mehr um asiatischer, als um europäischer Interessen willen. Frankreich, das bei jenen Interessen so gut als nicht betheiligt ist, hält seine Endgedanken noch verschleiert, und hofft offenbar ganz wo anders, wohl in Italien, im Trüben fischen zu können. Deßwegen lullt es Belgien ein, und schmeichelt Preußen, Piemont und Rom. Man würde sich in Paris vergnügt die Hände reiben, wenn man in Wien und London alle Aufmerksamkeit und alle Kraft auf den Orient richtete, während man in Turin, Mailand, Rom und Neapel den sorgfältig gelegten Schwefelfaden ans Pulverfaß bringen und anzünden könnte. Oesterreich und Preußen werden — so Gott will — Gewehr in Arm stehen bleiben. Sie werden durch diese neutrale Stellung nicht schwächer, sondern stärker; sie bleiben gerüstet, um nach Osten oder nach Westen Front zu machen, je nachdem dort oder da ein Eingriff in die Interessen ihrer Staaten versucht würde. Durch eine voreilige
Theilnahme für die eine oder andere Partei würde man sich blos zum Werkzeug fremder Politik machen, bei welcher nichts zu geraumen wäre, während unberechenbar viel aufs Spiel gesetzt würde.
Die „Times" theilt auf Grund brieflicher Mittheilungen aus Berlin und telegraphischer Depeschen aus Wien mit, obschon Graf Orloff auf seiner Reise nach Wien nicht nach Berlin gekommen, so habe er doch an den König von Preußen eine Communication gerichtet, welche im Wesentlichen die gegenwärtigen Ansichten und Vorschläge der russischen Regierung enthalte; der erste Minister der Krone habe auf diese Communication eine Antwort ertheilt, welche die russischen Vorschläge durchaus ablehne, und es sei dieser Depesche eine dieser Antwort gemäße eigenhändig geschriebene Erklärung des Königs von Preußen beigefügt worden; das Verhalten des österrckchischeu Kabinettes sei nicht weniger unumwunden und entschieden gewesen; Graf Orloff habe gewisse Vorschläge überbracht, welche als eine Art Gcgen-Ent- wurf, dem Entwürfe gegenüber, welcher bereits die Zustimmung der Türkei und die förmliche Genehmigung Eu- ropa's erhalten hatte / betrachtet werden könnten; die österreichische Regierung habe diese Vorschläge nicht günstig ausgenommen ; sie habe sogar geschwankt, ob man der Conferenz so wenig annehmbare Bedingungen vorlegen könnte; es seien dieselben indeß am letzten Donnerstage den Repräsentanten der vier Mächte in Wieck unterbreitet worden, mit förmlicher Kundgebung der Meinung, daß die österreichische Regierung nicht glaube, daß dieselben zulässig oder geeignet wären, zur Kenntniß der Pforte gebracht zu werden; die Conferenz habe einstimmig diese Meinung getheilt, und demzufolge sei, auf die Anempfehlung des Grafen Boul, auf der Stelle ein Prococoll abgefaßt und unterzeichnet worden, um darin den Beschluß der vier Mächte niederzulegen, die von dem Grafen Orloff überbrachten Bedingungen zu- rückzuweisen. Die „Times" glaubt allen Grund zu haben, diese Angabe für genau zu halten, und spricht ihre volle Anerkennung aus für die Entschlußnahme und die Entschiedenheit, welche die beideu dentschèn Großmächte im kritischsten Augenblicke dieser schwierigen Unterhandlung dargethan.
t* Paris, 5. Febr. Die ministerielle Zeitung Pays meldet heute, daß Hr. v. Kissel eff vorgestern seine Pässe verlangt habe, und daß ihm dieselben übermacht worden seien. Herr v. Kiffelcff ist gestern Abends abgereift. Er hat seinen Weg über Metz und Forbach genommen. (Nach einer der Darm- stäbtcr Zeitung aus Mainz zugekommencn Mittheilung ist Hr. v. Kisseleff am 5. d. M. Nachmittags 1'/. Uhr mit dem Schnellzuge der Ludwigs-Eisenbahn b e - rcits in Mainz e in getroffe m) — Gestern ist auch die Antwort Rußlands auf die letzte Note der vier Mächte hier eingelängt.
Wien, 6. Febr. (F. Bl.) Die Oesterreichs» sche Correspo ndenz berichtet heute, daß, nachdem der Kampf zwischen Rußland und Türkei die kleine Walachei erreicht habe, die k. k. ö sterr e ich is che R e gi c- rnug zur Sicherung der Grenze sofort 25,000 Mann in der Äojwodschaft aufstellen werde.
Iptttschland.
f Diez, 1. Febr. Wie an vielen andern Orten des Herzogthums die Gemeindebehörden und Privatvereine thätig gewesen sind, die große Noth ihrer unbemittelten Orlöeinwohner durch Beschaffung von Arbeitsverdienst, unentgeldlichcr ober doch wohlfeilerer Abgabe von Brod, Brennmaterialien :c. zu lindern, so hat auch der hiesige Gcmcinderath zur Unterstützung der unbemittelten Classe hiesiger Einwohner eine Einrichtung getroffen, die Nachahmung verdient. Derselbe hat nämlich eine Brodbäckerei errichtet, d. h. er hat mit hiesigen Bäckern besondere Verträge abgeschlossen, wonach diese den Laib ober 4 Pfd. gutes Brod um einige Kreuzer billiger als den laufenden Preis liefern. Dieses Brod wird auf dem Stadthause unter der Controle des Gemeinderaths aa die dazu geeigneten Einwohner hiesiger Stadt zu 14 kr. per Laib verabfolgt. — Zur Deckung des Zuschusses, da für 14 kr. der Laib Brod nicht geliefert werden kann, haben die Gemeinderathsmitglieder persönlich bei hiesigen vermögenden Einwohnern freiwillige Beiträge, gesammelt und dadurch einen ansehnlichen Fond zusammcngebracht. Der dahier bestehende Männerge» saugverein hat sich nun veranlaßt gefunden, ein Concert zu veranstalten und die dadurch zu erzielende Einnahme der Brodcasse zufließen lassen. Die Einnahme war über alles Erwarten befriedigend. Die musicali-